Activated

von Yumestar
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
Kirby König Nickerchen/King Dedede Meta-knightmare Prinzessin Sky "Skyla"
11.07.2017
14.11.2017
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By Yumestar

Zittrige Hände strichen über den alten, spröden Buchumschlag, der mindestens schon tausende Jahre als Alter erreicht hatte. Von Staub und harten Schmutz bedeckt, schimmerte nur noch blass die saphirblaue Farbe hindurch, doch der goldene Rand strahlte immer noch wie die Morgensonne durch düstere Wolken. Der Halter des altertümlichen Fundstückes drehte dieses in verschiedene Richtungen, um es aus anderen Positionen besser betrachten zu können. Die Seiten waren morsch und hatten schon einen gelbgrünlichen Farbton angenommen. Es roch auch übel nach den Spuren der Zeit. Dass dieses Buch noch nicht in sich zusammengefallen ist, war ein Wunder, was man sich nur an der guten Verarbeitung erklären konnte… Oder war doch etwas ganz anderes daran schuld? Bisher konnte die Person, die es in ihre unwissenden Hände hielt, nicht erahnen, was für Kräfte in diesem alten Stück Papier, Schmutz und Altertum steckte. Er konnte es nur vermuten, so wie es auch seine Vorfahren getan hatten. Dass er das Buch überhaupt gefunden hatte, nach all den vielen Jahren des Vermisst Seins, war ebenfalls ein großes Wunder, was er sich nicht erklären konnte. Von Generation zu Generation wurde das verschwundene Buch immer mehr nur zu eine Legende, die man nach ewiger vergangener Zeit als falsch abstempelte. Der Glaube daran schwand, genauso wie die Hoffnung, die man damals noch hatte. Hoffnung, dass irgendwo in dem Land die alten Schriften noch zu finden waren. Heutzutage erinnerte man sich nicht einmal mehr daran, dass es sie je gegeben hatte und genauso wenige wie von dem Buch wussten, genauso wenige gab es, die sich überhaupt noch erinnern konnte, was vor fast eintausend Jahren in einem kleinen, hilflosen Land geschehen war. Manche waren unbeabsichtigt in die Geschichte mithineingezogen und wussten es selbst nicht einmal. Die Wenigen, die Übriggebliebenen hielten ihre Existenz und ihr Wissen für sich geheim und redeten mit niemanden darüber. Nicht etwa aus Angst, nein, auch nicht aus Furcht, nein, sie wollten bloß die Unschuldigen und die Unwissenden aus dieser schweren Angelegenheit heraushalten. Es täte ihnen nichts Gutes, wenn sie die Wahrheit über ihren Heimatort erfahren würden. So schwiegen sie alle darüber, auch jetzt, nach fast 1000 Jahren. Was sollten sie anderes auch tun? Eine Chance auf Verständnis gab es nicht. So sah auch der Buchhalter nun ein, dass es besser war, sein Fundstück zu verstecken, zumindest für die kurze Zeit, wo es noch ging. Die Wahrheit zu verstecken, konnten sie bald eh nicht mehr…
King DDD schloss die geheime Tür der Schlossbibliothek sorgfältig wissend, dass er der Einzige war, der diese Tür öffnen konnte. Sie jetzt offen zu halten, wäre ein gravierender Fehler gewesen, den er hätte niemals rückgängig machen können. Mit einem prüfenden, unsicheren Blick vergewisserte er sich, dass die Tür auch wirklich verschlossen war. Dadurch dass es sehr dunkel war, um diese späte Tageszeit, musste er ein zweites Mal hinschauen, um sich auch hundertprozentig sicher zu sein. Sie war zu. Gerade als er unbemerkt den heiligen Ort der Bücher verlassen wollte, flackerten die Lichter auf. Die Lampen hellten auf, wie ein Blitz, der zu plötzlich und erwartet einschlug. Sie ließen den großen Raum mit nur einem Schlag hell erleuchten und änderten das Erscheinungsbild. Genauso düster, wie es aus dem Fenster heraus in einer Neumondnacht ausschaute, so finster war die Bibliothek gewesen. Nun aber brachte das neue Licht Glanz in den Raum. Der helle Schein der Lampe spiegelte sich auf dem altgrauen Teppich und auf den Regalen. Viele neuere Bücher glänzten silbrig oder golden und auch ältere zeigten ihre kunstvollen Verzierungen in dem erblühenden Licht. Farben gewannen die Oberhand über das farblose Bild, welches vor wenigen Sekunden noch Herr über die Szene war. Der Raum erblühte endlich, so wie er es am Tage tat. Der edle König schreckte zurück, als er das Erhellen sah. Der Schrecken fuhr ihm durch den gesamten Körper und ließ ihn mit einem schlechten ahnenden Gefühl zurück. Ein Schatten näherte sich von hinter den Bücherregalen und kam immer näher auf ihn zu. Er verformte sich auf dem Teppich und nahm bei jedem Schritt mehr Form an. Die Augen des Pinguins weiteten sich, nicht wissend was zu tun war. Sollte er rennen, sollte er schreien? Sollte er nach Hilfe rufen oder einfach abwarten? Letzteres klang für ihn am besten und so wartete er, sich selbst dabei versuchen zu beruhigen. Plötzlich nahm der näherkommende Schatten eine vertraute und bekannte Form an, die den König endgültig erstarren ließ.
„Wer ist hier? Komm schon raus!“, rief nun eine bekannte Stimme, die völlig nah klang.
Im nächsten Moment enthüllte der Schatten seine wahre Form; ein violettes Kriechtier mit samtgrünen Schneckenhaus. Schritte verstummten und ein lautloser, entsetzter Schrei sollte erklingen, doch verblieb Stille im Raum. Escargoon musste zweimal mit den Augen blinzeln, damit ihm klar wurde, dass das dort vor seinen Augen keine Illusion war oder nur ein böser Streich ausgelöst durch den Schlafmangel. Nein, der großartige King DDD, Analphabet stand in der Bücherei kurz vor Mitternacht mit einem Buch in der Hand. Der übermüdete Diener konnte nur zweifeln und hoffen, dass es wieder einer seiner verrückten Träume mit DDD war. Jedoch fühlte sich dies alles viel zu realistisch an, als dass es ein Traum sein konnte. Er spürte die Wärme der Lampen auf seiner schleimigen, glatten Haut und er atmete, ein Detail, was in seinen Träumen immer ausblieb. Zudem spürte er seinen kleinen, hilflosen Herzschlag seines Herzes, welches kurz davor war aus seiner unschuldigen Brust zu springen. Ein weiteres Mal sah er King DDD an, bemerkte dann, dass Buch in den starken Händen des Königs.
„Ihr lest? Um Mitternacht?“, fragte Escargoon vorsichtig, er sprach sehr langsam aus Furcht etwas Falsches zu sagen.
King DDD gab ein unsicheres, verdächtiges Lachen von sich: „Aber sicher, jeder hat doch so sein Ding, was er in der Nacht durchzieht.“
„A-Aber, aber ihr lest! Ihr könnt nicht lesen!“, platzte es augenblicklich aus der Schnecke heraus, schuldbewusst fielen seine Hände auf seinen Mund, wissend, dass er Gesagtes nicht Rückgängig machen konnte. Den Wutausbruch seitens King DDD konnte er schon am Körper fühlen; Höllenschmerzen, ja, das würde es werden. Er versucht die Situation noch zu retten: „Oder ist das ein Bilderbuch, was Ihr da liest?“
Der König schwieg kurz und warf einen unsicheren Blick auf das Buch, „S-Sicher, so wird es wohl sein und jetzt ab ins Bett, Escargoon!“
„A-Aber…“, wollte der Angesprochene protestieren, doch sein Gegenüber fing nun an die Stimme zu erheben:
„Sofort, Escargoon! Das ist ein Befehl!“
Und in einem ungewöhnlich schnellen Schneckentempo rannte Escargoon aus der Bibliothek. In diesem Moment lachte King DDD auf, ließ sich auf den Boden fallen und wischte sich eine Schweißperle von der Stirn. Mit einer ernsten Miene schaute er auf das Buch, welches auf seinem Schoss lag. Er streichte noch einmal über das Cover.
„Niemals sollte Dreamland von der Existenz dieses Buches erfahren.“

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