Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Samon

von Snowsong
OneshotFamilie / P6 / Gen
Enki Gokuu Samon Gokuu
11.07.2017
11.07.2017
1
1.581
5
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
11.07.2017 1.581
 
Ein Kleiner Os über Enki, der seinen neugeborene Bruder kennenlernt. Die Idee habe ich durch diese Bild hier bekommen, dass von scheherazades-dominion gemalt wurde:

https://starryopals-art.tumblr.com/post/161446102774/samons-always-been-too-cute-25-years-hasnt

In dem Manga trainiert Enki in den Bergen Chinas und hat wenig Kontakt zu seiner Familie. Kann als Vorgeschichte zu meinen anderen Werken gelesen werden, aber eigentlich ist dieser OS ein eingestehendes Produkt.
_____________________________________________________________________

Samon


„Enki, wir bekommen ein weiteres Kind. Der Arzt hat uns bestätigt, dass du einen jüngeren Bruder bekommen wirst.“

Die Nachricht erreichte Enki während seinem Training. Zuerst wusste er nicht, was er davon halten sollte. Die Neuigkeit ging an ihm vorbei.
Er trainierte selbstständig in den Bergen Chinas, hatte seine Familie in den vergangenen drei Jahren einmal gesehen.
Sein Großvater Hihi besuchte ihn ab und an, um sicher zu stellen, das Enki noch lebte. Aber mehr auch nicht.

Die Familie Gokuu brachte seit Generationen fähige Kämpfer heraus, die überwiegend im Militär beschäftigt wurden. Enkis Vater war Offizier bei der Luftwaffe gewesen, sein Onkel ein Marineoffizier.
Als Erbe und Stammhalter war es in Enkis Pflicht, diese Tradition fortzusetzen. Er trainierte, wozu also sich um einen Bruder Gedanken machen?
Und so schob Enki die Tatsache zur Seite, dass er in wenigen Monaten einen Bruder haben würde. Er konzentrierte sich auf sein Training und auf nichts anderes. Beinahe wäre es ihm gelungen, zu vergessen, dass der Familiennachwuchs kommen würde.

Großvater Hihi jedoch erinnerte ihn daran. Waren wirklich schon Acht Monate vergangen?

„Dein Bruder wurde geboren. Komm, du sollst ihn dir ansehen.“ und da es ein Befehl der Familie war, folgte Enki; missmutig.

Nun stand er vor dem Haus seiner Familie; ein halber Palast. Sie waren eine alte, angesehen Familie und lebten auf großem Fuß. Die Einkindpolitik in China verbot Familien ein zweites Kind, aber Enki zweifelte nicht daran, dass Vater die Strafe aus der besagten Kaffeekasse zahlen konnte, die für die Geburt eines zweiten Kindes angesetzt waren.

Er hatte sich weder besonderes gekleidet, noch anderweitig herausgeputzt. Der Aufenthalt hier würde kurz verlaufen, dass wusste Enki. Ein kurzes Hallo zu seiner Mutter, ein vager Blick auf das Neugeborene und eine Trainingseinheit mit Vater... alles im alle vielleicht drei oder vier Stunden.

Vater wartete auf ihn in seinem Büro. Auf dem Schreibtisch stapelten sich Akten. Vater war ein Arbeitstier und sorgte sich wenig um die sozialen Kontakte der Familie. Er arbeitete, hatte gewiss auch gearbeitete, als das Kind geboren worden war.

Er sah noch nicht einmal auf, als Enki eintrat.

„Wie ich sehe, hast du dich Nachricht erhalten.“ begrüßte Vater ihn. Enki stand stramm. Alles andere wäre nicht angebracht gewesen.
„Ja Vater.“
„Warst du schon bei deiner Mutter?“
„Nein, Vater“, antwortete Enki. Vater mochte kurze, knappe Antworten.
„Ich erwarte, dass du ihr deine Aufwartung machst.“
„Ja Vater.“
„Gut, ich habe viel zu tun. Ich werde mir später deine Fortschritte persönlich ansehen.“
„Natürlich, Vater.“
Enki verbeugte sich und verließ den Raum wieder. Das Zimmer seiner Mutter lag weiter den Gang entlang. Seine Eltern schliefen schon lange nicht mehr im gemeinsamen Ehebett. Um so überraschter war Enki, dass sie ein zweites Kind nachgeschoben hatte. Die Ehe seiner Eltern war aus politischen Gründen geschlossen worden, nicht aus Liebe. Und als solches Handhabten die beiden auch ihr Leben. Nach außen hin warten sie den schönen Schein, doch innerhalb des Hauses hatte jeder seine eigenen Zimmer; und Liebhaber.

Mutters Zimmer war hell und voller Pflanzen. Sie liebte die Gartenarbeit und hatte auch einen kleinen Zierbrunnen mit mehreren Kois. Sie hatte große Fenster die einen Blick auf den angelegten Garten des Hauses hatten.

Nicht zum ersten Mal fragte sich Enki, wie zwei so unterschiedliche Menschen so lange in Harmonie nebeneinander her leben konnten. Zwar hatte jeder sein eigenes Leben doch dieses war durch ein Verständnis füreinander geprägt. Enki wusste, Mutter akzeptierte Vaters Liebhaberinnen innerhalb des Hauses, so wie Vater den Liebhaber von Mutter akzeptierte.
Vielleicht waren es gerade die Gegensätze, überlegte Enki. Yin und Yan, schwarz und weiß...zwei absolute Gegensätze und doch waren sie Teil eines ganzen.

„Enki mein Schatz, komm.“ Mutter klang müde. Enki gehorchte und trat an ihr Bett.
Sie war eine schöne Frau, aber sehr zerbrechlich. Sie litt an einer Krankheit, an Glasknochen, was sie für das Training ungeeignet machte. Auch bekam sie schnell blaue Flecken. Tatsächlich schien Mutter nur dafür gemacht zu sein, schön auszusehen.

Sie hatte Smaragfarbene Augen und rotes Haar. Sie war hellhäutig; im Gegensatz zu Enki und dessen Vater.
„Mutter“, vorsichtig nahm Enki die Hand seiner Mutter und küsste ihre Fingerknöchel. Eine erwachsene Geste für einen 10- Jährigen. „Wie geht es dir?“
„Gut... jetzt geht es mir wieder gut.“

In ihren Armen lag ein kleines Bündel. Der Inhalt gab ein quengeln von sich. Zwei kleine Hände reckten sich aus dem grünen Stoff. Mutter lächelte sofort. Ihre Augen bekamen einen sanften Glanz als sie auf ihren Sohn hinabblickte.
„Dein Bruder hat bemerkt, dass du da bist. Sieh in dir an Enki.“
Enki setze sich auf das Bett. Die teure Seide war weich und duftete nach Blumen. Mutter reichte ihm das kleine Bündel mit seinem Bruder.

So ganz wusste Enki nicht, was er erwartete hatte oder was er fühlen sollte.

Hier also war er, sein kleiner Bruder. Sollte er eifersüchtig sein, jetzt da es einen zweiten Sohn im Hause gab? Sollte er besorgt sein, weil dieses kleine Bündel ihm den Rang und Titel als Erben und Stammhalter streitig machen konnte?

„Gna“

Er war klein. So klein, so zerbrechlich. Die Hände nach oben gereckt, die Augen geschlossen, öffnete sich der kleine Mund kurz, um etwas Luft zu holen und zu schmatzen.
Enki streckte vorsichtig seinen Finger aus. War es nur ein Reflex des Neugeborene, als seinen Finger packte und hielt?

Zuerst hatte Enki angenommen, das Kind seie von Mutters Liebhaber. Aber auf der hellen Haut seines Bruders waren die roten Male der Familie Gokuu deutlich zu sehen. Mutter hatte in die Familie eingeheiratet, sie konnte diese nicht vererben.
Also war der junge von seinem Vater.

„Hallo, Kleiner“ flüsterte Enki. Das Kind reagierte auf die Stimme. Träge öffnete es die Augen. Apfelgrüne Augen blitzen unter den Liedern hervor. Erneut öffnete er den kleinen Mund.  

Enki starrte auf seinen Bruder hinab und studierte die feinen Gesichtszüge des Neugeborenen.
Doch, er hatte einen schönen Bruder. Einen wirklich schönen Bruder. War Enki der Sohn seines Vaters, so war dieser Kleine hier definitiv der Sohn ihrer Mutter. Die Frage war nur, war der Kleine gesund? Glasknochen waren vererbbar. Enki hatte Glück gehabt und war von dieser Krankheit verschont geblieben. Er wusste, seine Mutter hatte viel Medizin zu sich genommen, während sie mit ihm schwanger gewesen war. Hatte sie das hier auch getan?

„Ist er gesund?“ fragte er deshalb.
„Weder du noch er haben meine Glasknochen geerbt“, bemerkte Mutter neben ihm „Dafür bin ich sehr dankbar.“
Gut, das waren gute Nachrichten. Enki sah wieder hinab auf das kleine Geschöpf in seinen Armen.
„Wie heißt er?“ fragte Enki.

Mutter schnaubte.
„Dein Vater wollte sich einen Namen überlegen, aber er ist so mit Arbeiten beschäftigt, dass er sich  noch darum gekümmert hat.“ kam es gereizt von Mutter. Enki hob den Blick. Sein Bruder hatte noch keinen Namen?

„Gquwa...“ blubberte der Kleine in seinen Armen. Enki sah wieder hinab. Die Augen waren offenen. Ob der Kleine ihn schon sah? Oder hörte er ihn nur?
Vage erinnerte er sich daran, einmal etwas gelesen zu haben, das Neugeborene nicht weiter als 30 cm sehen konnten und zuerst alles nur schwarz- weiß wahrnahmen.  
Enki senkte den Kopf, bis seine Nase die seines Bruders berührte.

„Samon“, sagte er leise. „Der Name von dem Kleinen soll Samon sein.“
„Samon?“ hörte er seine Mutter sagen.
„Wah“ eine kleine Hand legte sich auf Enkis Lippen, berührten die spitzen Zähne.

Und als wolle das Baby seine Zustimmung geben, glühte das Chi des Kindes auf. Enki schnappte ungewollt nach Luft.
Smaragdgrün und rein... so rein. Natülich, alle Kinder hatten ein reines Chi. Das veränderte sich mit den Jahren und doch war es für Enki die erste Erfahrung mit einem so jungen Chi  das frei von Verschmutzungen war.
Es fühlte sich seltsam an und wirkte doch vertraut.

„Samon also. Der Name des Jungen wird Samon sein.“ plötzlich lachte Mutter auf. Enki wandte den Blick von seinem Bruder ab.
„Mutter?“
„So lange hat er es bis jetzt nur auf meinem Arm ausgehalten, ohne zu weinen. Bei all den anderen Besuchern hat er nach kurzer Zeit geschrien.“

War das ein Kompliment?

Enki lächelte.
Dieses kleine Wesen in seinen Armen fühlte sich dort richtig an. Plötzlich bedauerte Enki, dass er heute schon wieder abreisen musste. Er hätte gerne mehr Zeit mit dem kleinen Jungen verbracht.

Schweren Herzens gab er Samon zurück an Mutter. Doch kaum zog er seine Hände zurück, begann der Kleine zu weinen.
„Dein Bruder vermisst dich jetzt schon.“ bemerkte Mutter.
„Er wird mich vergessen“ erwiderte Enki. „Wenn ich zurück in den Bergen bin, wird es seine Zeit dauern, bis ich wieder hier her komme. Bis zu unserem nächsten Wiedersehen können Jahre vergehen. Er wird mich vergessen.“ aber irgendwie störte Enki diese Tatsache.

„Sei dir da nicht so sicher, Enki“, Mutter wiegte Samon hin und her „Im Gegensatz zu eurem Vater warst du hier um ihn zu sehen.“
Enki hob eine Augenbraue. Vater war nicht hier gewesen?

Seufzend erhob sich Enki. Er würde nun mit Vater Trainieren und dann zurück in die Berge gehen. Samons Schreie folgten ihm. Erstaunlich, dass in einem so kleinen Körper so viel Luft steckte.

Wir werden uns wiedersehen... irgendwann. Versprach Enki seinem Bruder stumm.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast