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No Time for Tears Today

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
10.07.2017
14.08.2017
4
4.853
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17.07.2017 1.179
 
Auf dem Nachhauseweg dachte Alex über seine momentane Situation nach.
Wenn er sich nicht bald wieder schnell und dauerhaft verbessern würde, würde die Highschool ihm sicher nicht länger seine Wohnung finanzieren.
Wo sollte er dann hin? Keiner seiner Freunde hatte die Mittel ihn länger als ein paar Tage aufzunehmen und ein Motel -, oder gar Hotelzimmer konnte er sich mit dem bisschen Geld, das er durch seine Nebenjobs verdiente, auch nicht leisten.
Eine Weile lang lief er grübelnd vor sich hin, bis er bemerkte, dass ihn jemand rief.
Langsam drehte er den Kopf.
„Yoo, Alex!“, Laf stürzte sich regelrecht auf den Kleineren. „Hausparty bei Jefferson – kommst du mit?“
Alex zögerte.
„Komm schon, heute Abend und nur 'n paar Stunden. Ich weiß, mon ami, du kannst Thomas nicht leiden, aber er ist eigentlich echt korrekt und es wird auch nur 'ne kleine Runde“, versuchte der Franzose seinen Freund zu überzeugen.
„Ich weiß nicht, ich sollte eigentlich Französisch lernen …“, antwortete Alex ausweichend. „Außerdem sind Jefferson und ich nicht gerade beste Freunde.“
„Jaja, aber Thoms weiß doch gar nicht, dass wir kommen!“, rief Laf, als Alex sich zum Gehen wandte.
„Warte“, der Kleinere hielt inne. „Wir feiern eine Party bei Jefferson, ohne dass er es weiß?“, fragte er plötzlich doch interessiert und drehte sich mit einem breiten Grinsen zu seinem Freund um.
„Ich wusste, dass dir das gefallen würde, mon ami“ , antwortete Laf zufrieden. „Also gut, da wir das jetzt geklärt haben: um acht bei Jefferson, zieh dir was ordentliches an. Sollen wir dich abholen?“
Alex nickte.
„Na dann, bis später“, damit verabschiedete sich Lafayette und joggte in die andere Richtung davon.
Einen Moment lang sah Alex seinem Freund noch nach, bevor er erneut in Gedanken versank.
War es wirklich eine gute Idee auf eine Party zugehen, wenn er doch eigentlich lernen sollte? Schließlich hatte selbst Mr. Washington ihn auf seine schlechter werdenden Noten angesprochen. Andererseits war es Freitagabend und er könnte dann noch Samstag und Sonntag lernen …
Auf dem restlichen Nachhauseweg versuchte er seine Pro- und Kontra-Argumente abzuwägen, aber schlussendlich stand er noch immer unentschlossen vor seiner Wohnungstür.
Drinnen erwartete ihn das Chaos, das er selbst als „Wohnung“ bezeichnete.
Zweieinhalbzimmer, unordentlich und beengt, aber doch seine Wohnung.
Oder zumindest so lange, wie seine Noten es ihm erlaubten.
Mit einem weiteren Seufzen kickte Alex eine leere Energydose aus dem Weg.
Die Dinger lagen überall verteilt und genossen die Gesellschaft unzähliger ebenfalls leerer Colaflaschen, Kaffetassen und McDonalds-Salat Verpackungen.
Man konnte also durchaus sagen, dass sich Alex lediglich von Koffein und Salat ernährte.
Sein erster Gang führte ihn in die Küche.
Immer noch überlegend lehnte er sich an die fleckige Küchenzeile, lauschte dem Blubbern der Kaffeemaschine und entschied sich nach dem ersten Schluck für die Party, schließlich hatte er Laf ja bereits zugesagt und lernen konnte er morgen und übermorgen auch noch.
Aber wenigstens seine Hausaufgaben würde er noch anfangen.
Und so verging die Zeit.
Gerade als Alex sein Mathebuch zuschlug und sich Französisch widmen wollte fiel sein Blick auf die Uhr – es war 19:07 Uhr?!
Die anderen würden in spätestens einer halben Stunde hier sein!
Fast etwas panisch sprang er auf und entledigte sich noch während er lief seiner Klamotten, warf sie achtlos auf den Boden und verschwand im Bad.
Das Wasser war, wie immer, eiskalt und stach auf Alex' Haut, aber wenigstens animierte die Kälte ihn dazu, sich zu beeilen.
Wenige Minuten später stieg er zitternd aus der Dusche und trocknete sich ab.
Das Brausen des Föhns wärmte ihn und trocknete gleichzeitig seine schulterlangen, braunen Haare, die er danach zu einem ordentlichen Pferdeschwanz zusammenband.
Dann begann er seine Klamotten zusammenzusuchen.
Schwarze Boxershorts, beige Hose, weißes Shirt, Jeanshemd – und alles roch so, als hätte er es nur maximal dreimal getragen!
Zufrieden mit sich selbst packte er den Rest seiner Sachen: Ausweis, Schlüssel, Handy, Geldbeutel und erhielt dann die Nachricht, dass die anderen unten auf ihn warteten.
So verließ er also relativ gutgelaunt das Haus und stieg in Johns Auto.
„Uhh, schnieke siehst du aus“, grinste Herc und wackelte amüsiert mit den Augenbrauen, als sich Alex neben ihn auf den Rücksitz setze.
„Pfff“, gab der nur zurück und musterte die Outfits seiner Freunde. „Und wen wollt ihr heute noch vögeln?“
Herc trug eine graue Hose, ein enges schwarzes Shirt, darüber seine blauweiße Highschool Jacke und ein dunkelblaues Bandana.
Laf trug ebenfalls eine graue Hose und ein schwarzes Shirt, aber darüber trug er außerdem ein weinrotes Jackett und seine lockigen dunklen Haare waren wie immer zu einem perfektem Zopf nach oben gebunden.
Und dann war da noch John, der sich für ein einfaches graubeiges Shirt und eine löchrige Jeans entschieden hatte.
Und doch …  trotz der Einfachheit seines Outfits kam Alex nicht umhin zu bemerken, wie gut sein Freund eigentlich aussah.
Ein Lächeln schlich über sein Gesicht, als er so darüber nachdachte und bekam kaum mit, dass die anderen bereits am Aussteigen waren, bis John vor seinem Gesicht herumfuchtelte.
„Erde an Alex. Alles klar, Alter?“, fragte der Sommersprossige sichtlich amüsiert und schnippte mit dem Zeigefinger gegen Alex' Nase, was den aus seiner Starre riss.
Verwirrt sah er zu John auf und bemerkte dann erst den Tumult, der um ihn herum stattfand.
„Es wird auch nur 'ne kleine Runde“, hatte Lafayette gesagt, richtig? Aber das hier war definitiv keine „kleine“ Runde! Das hier war viel eher ein RIESEN Runde! Eine GIGANTISCHE Runde! Eine -!
„Okay Leute, jetzt geht’s los!“, hörte er die Stimme des Franzosen. „Thomas!“
Alex stieg aus.
„Thomas! Komm schon Mann, lass uns nicht hängen!“
„Ich hab eure letzte Party gerade erst aufgeräumt!“, kam es wütend vom Haus her. „Sucht euch was anderes!“
Laf winkte Alex, Herc und John zu sich.
„Wir kommen so, oder so rein, mon ami“, grinste er. „Ob du's willst, oder nicht.“
„Soll das eine Drohung sein?!“
„Ein Versprechen, Thomas.“
Herc gab ein gellendes Lachen von sich und John stimmte mit ein, während Laf relativ ruhig zum Haus seines Freundes sah.
Abwehrend stand Thomas in der Tür, die Arme unwillig vor der Brust verschränkt und die dunklen Augenbrauen zusammengezogen.
„Nein“, versuchte er er nochmals.
Unzufriedenes Geraune ging durch die Menge, die Thomas' Haus belagerte und auch Laf wurde langsam ungeduldig.
Alex wollte gerade etwas sagen, als er Charles Lee und Aaron Burr bemerkte, die seitlich an der hellen Hauswand entlang schlichen.
Kaum merklich stieß er John in die Seite und nickte in ihre Richtung, woraufhin der andere zu grinsen begann.
Auch Thomas wollte noch zu etwas ansetzen, trat dafür einen Schritt aus der Tür und wurde sofort von den beiden Footballspielern umgetackelt.
„Paartyyy!“, schrie Lee, der jetzt breitbeinig auf Thomas saß, und riss dabei beide Arme in die Luft.
Fluchend stieß der Liegende ihn von sich, aber da war es bereits zu spät.
Wie ein Schwarm strömten alle in das für Alex fremde Haus, bedankten sich bei den Sportlern mit High Fives und begannen sich dann auszubreiten.
Vor der Haustür blieb Alex nochmal stehen, sah mit einem süffisanten Grinsen auf seinen Widersacher hinab und schloss sich dann seinen Freunden an.
Im Nachhinein betrachtet, war das der Anfang vom Ende.
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