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.`~°~´. Mango Grove

von - Leela -
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Boo OC (Own Character) Zino
10.07.2017
10.07.2017
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Mango Grove

Seit Canyo und Boo ihrem Freund eröffnet hatten, wo genau sie ihren gemeinsamen Wochenendtrip gebucht hatten, tat Zino nichts anderes mehr, als sich zu beschweren. Während Boo und Canyo das Auto packten, lief er wild gestikulierend über den Hof und motzte herum. „Wie könnte ihr mir das nur antun? Ihr wißt genau, daß ich keine Mangos mag!“
      „Zino!“ Canyo verdrehte die Augen. „Der Ort heißt nur »Mango Grove«!“
      Der Blonde breitete in einer theatralischen Geste die Arme aus. „Schlimm genug! Wo soll denn das hinführen, wenn es beim Namen schon anfängt?“
      Boo hielt in der Arbeit inne. „Glaubst du wirklich, daß es da nichts anderes als Mangos zu essen geben wird? Da wird genug auf der Speisekarte sein, was dir gefällt!“
      „Und wenn schon! Man muß so etwas doch nicht auch noch unterstützten!“ hielt Zino verzweifelt dagegen und setzte frustriert nach: „Das ist doch kein Genuß!“
      „Du sollst da nur wohnen, und keine Mangos essen, wenn du nicht willst!“ stöhnte Canyo.
      „Aber irgendwo wird der Name ja herkommen!“ argumentierte Zino vehement.
      „Vielleicht war dort früher mal ein Mangohain, und der Name kommt daher.“ mutmaßte die brünette Gayanerin leichthin, während sie Boo eine Tasche anreichte.
      „Phantastisch!“ kommentierte Zino. „Jetzt kriege ich sicher Alpträume!“
      „Sag‘ mal…“ Canyo stemmte die Hände in die Hüften und sah ihn abschätzend an. „Magst du nur keine Mangos essen, oder löst der Name allein schon etwas in dir aus, wogegen du nicht ankommst?“
      „Na, der Name assoziiert sich ja automatisch mit dem Gedanken an das Essen!“ argumentierte Zino.
      „Ja, aber wie Boo schon sagt, nur weil es »Mango Grove« heißt, bedeutet es ja nicht, daß es die Speisekarte beeinflußt. Es ist nur ein Name! Komm schon, es ist so ein schöner Ort, mit einer tollen Badeanlage und so vielen schönen Freizeitaktivitäten. Es wird dir gefallen, davon bin ich überzeugt.“
      „Ja, und wenn alle Stricke reißen, können wir noch immer auswärts essen fahren.“ ergänzte Boo. „Und einen Supermarkt gibt es da zur Not auch, wo du alles kriegst.“
      Zino sah noch nicht so zuversichtlich aus. Das merkte man an seinem Blick, den gesenkten Ohren und seiner Haltung. Doch langsam hatte er keine Kraft mehr zum gegenargumentieren.
      Seine beiden Freunde lächelten ihn an.
      „Na, komm schon. Das wird eine ganz tolle Zeit, versprochen!“ Boo grinste aufmunternd.
      Der Blonde seufzte, gab sich geschlagen und gesellte sich zu den beiden in’s Auto. Die Tür war knapp zugeschlagen, als er fragte: „Können wir nicht doch noch kurzfristig umbuchen…“
      Das synchrone Augenverdrehen von Canyo und Boo war fast spürbar. „Zino…“

Boo und Canyo hatten nicht zu viel versprochen. Mit skeptischer Miene war Zino unter dem Willkommensschild, dessen Schriftzug von Mangos flankiert wurde, hindurchgelaufen, das zur Anmeldung führte. Vom Eingangsbereich der riesigen Ferienanlage aus konnte man allerdings schon auf die große Wasseranlage sehen, und das stimmte ihn versöhnlich – wenngleich er sich noch nicht ganz auf den Gedanken an den Aufenthalt hier einlassen konnte.
      Boo war gerade mit dem Einchecken fertig und kam mit einem Schlüssel zurück. „So, wir können unsere Hütte beziehen.“
      Das kleine Ferienhaus war schnell gefunden, mit einem Schlafraum, einem Wohnraum und einem Bad. Zino stellte seine Tasche auf dem Bett ab.
      „So, laßt uns erst mal die Sachen reinbringen.“ empfahl Boo.
      „Muß ich jetzt jedes Mal unter dem Schild entlanggehen?“ fragte Zino decouragiert.
      Canyo seufzte mitfühlend. „Boo und ich holen die Sachen rein, und du packst schon mal alles aus.“
      Sie konnte die Dankbarkeit in seinem Blick nicht übersehen, als er sie anlächelte. Erleichtert sah er den beiden nach, als sie die Hütte verließen, und begann, seine Tasche auszuräumen. Knapp vernahm er noch Boos Stimme vor der Tür, die sagte: „Ich hätte ihm das nicht durchgehen lassen!“
      Als er aufmerksam hinhörte, erwiderte Canyo gerade: „Aber ein bißchen entgegenkommen kann man ihm so ja.“
      „Ja, aber das ganze ist hochgradig albern!“ Boos Stimme verklang leise in der Ferne.
      Zino ließ decouragiert die Ohren sinken. Wenigstens Canyo hatte sich ein wenig für ihn eingesetzt. Er versuchte, die trüben Gedanken zu vertreiben und sortierte die ersten Sachen in den Schrank ein.
      Mit ihrem System waren die drei genauso schnell fertig wie sonst, und konnten bald schon ein entspanntes Wochenende beginnen. Boo und Canyo sahen sich aufgeregt um. Das kleine Haus war gemütlich eingerichtet. Eine Terrasse bot einen wundervollen Blick in die Parkanlage.
      Canyo stellte sich vor Zino und sah ihn erwartungsvoll an. „Und? Es ist doch wahnsinnig schön hier!“
      Er konnte sich gegen ein Lächeln nicht wehren, das ihre Aussage bestätigte.
      Boo sah zur Uhr. „Wollen wir gleich etwas essen gehen?“
      Die beiden nickten.
      Zino zögerte kurz, als seine Freunde bereits zur Tür gingen. Er konnte ein wenig Mißtrauen nicht aus seinem Blick verbannen, riß sich dann jedoch zusammen und folgte den beiden.

So langsam hatte Zino sich beruhigt, spätestens, als sie in dem ambientischen Restaurant saßen – und er versuchte auch, sich nicht von den dekorativ auf die Begrüßungstafeln gemalten Mangos verunsichern zu lassen.
      Eine Gayanerin mit langen, dunklen, gelockten Haaren kam zu ihnen herüber und brachte ihnen die Karten. „Darf es schon etwas zu trinken sein?“
      Boo tauschte Blicke mit seinen Freunden und erwiderte: „Wir schauen erst mal.“
      „Gerne!“ Mit einem Lächeln ließ sie die drei wieder allein.
      Zino ging indes die Liste durch. Seine Ohren senkten sich mehr und mehr herab. „Mangosaft, Mangoschorle, Mangobier, ich hab’s gewußt!
      Boo seufzte tief. „Da stehen aber auch noch ganz viele andere Sachen in der Karte!“
      „Mangowein!“ las Zino weiter vor, als hätte er Boos Kommentar nicht einmal wahrgenommen. „Mangoschnaps!“
      „Du mußt es doch einfach nicht bestellen!“ hakte nun auch Canyo ein. „Ich jedenfalls nehme eine Beerenschorle!“
      Zino blätterte unschlüssig nach vorne zu den Speisen, und verzog schon auf der ersten Seite das Gesicht. „Mangosuppe! Wie kann man daraus nur auch noch Suppe machen?“
      Boo und Canyo wechselten einen Blick, der einem Seufzen gleichkam.
      Zino biß derweil mutlos die Zähne zusammen. „Sogar in dem klassischen gemischten Salat sind Mangostücke drin!“
      Boo schlug den Blick gen Zimmerdecke. „Wer Mangos finden will, der findet Mangos!“
      Zino schlug die erste Seite um. Schnell huschte der Blick des hübschen Blonden über die Beschreibungen. „Steak an Mango-Chutney. Zeldonfilet in Mango-Sahne-Sauce. Hühnchenreis auf Mangocreme. Fischfilet auf Mango-Bett…“
      Nun verlor Canyo die Nerven, knallte ihre Karte auf den Tisch und ging zu Zino herum. „So, paß auf: Hier sind keine Mangos drin, und hier, und hier…“ Boo beobachtete mit einiger Faszination, wie sie ihm in gepreßter Geduld alle Gerichte zeigte, die nichts mit Mangos zu tun hatten. „Also, die »Mangogerichte« machen nicht einmal fünfzehn Prozent der gesamten Speisekarte aus! Das ist nur deine selektive Wahrnehmung, weil du dich schon so auf die Mangos eingeschossen hast, daß du gar nichts anderes mehr wahrnehmen willst! Also, such‘ dir etwas schönes ohne Mango aus und genieße es!“ Mit diesem Schlußwort setzte sie sich zurück auf ihren Platz und vertiefte sich wieder in ihre eigene Karte.
      Zino saß nun still und erst recht mit hängenden Ohren da, und Boo war überzeugt, daß diesmal Canyos Standpauke dafür verantwortlich war. Innerlich war er froh, daß Zino es nicht bis zur Dessert-Karte geschafft hatte, und zwischen Mangosorbet und Mangopudding gelandet war. Er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Sie hat Recht, das weißt du.“
      „Ich habe doch nur vorgelesen…“ verteidigte er sich.
      Indes kam die Bedienung gerade wieder an ihrem Tisch vorbei. „Haben Sie schon etwas gefunden?“
      Dank der Mangoauseinandersetzung war keiner der drei auf die Frage vorbereitet. Canyo schaute schnell in die Runde. „Zu trinken?“
      Boo und Zino nickten schnell, und so bestellten sie zunächst die Beerenschorle für Canyo, die Limonade für Boo und die Kirschschorle für Zino. Dann schauten sie noch einmal in die Karten.
      „Pasta mit Mangobolognese, wie pervers ist das denn…?“ grummelte Zino vor sich hin.
      Canyo klappte indes ihre Karte zu, nachdem sie sich für etwas entschieden hatte. Als die Bedienung die Getränke brachte, signalisierte sie, daß sie bereit war zum bestellen.
      Die Dunkelhaarige nahm ihren Block und Stift zur Hand.
      „Könnte ich das Hähnchenbrustfilet auf fruchtigem Reis bitte ohne Mango haben?“ erkundigte sich Canyo.
      „Selbstverständlich!“ war die prompte Antwort, und die Frau notierte.
      Canyo warf Zino einen vielsagenden Blick zu, der angemessen verschämt die Zähne zusammenbiß.
      „Ich hätte gerne das Wildgulasch.“ bestellte Boo.
      „Mit Preiselbeeren oder Mangokompott?“ fragte die Bedienung.
      Boos Blick huschte kurz zu Zino herüber. „Mit Preiselbeeren.“
      Zino sah indes etwas verunsichert von der Karte auf. „Bei dem Zeldongeschnetzelten in Sahnesauce ist nichts mit Mango dabei, oder?“
      „Nein!“ beruhigte sie ihn. „Sie können, wenn Sie möchten, Mangokompott aus den Beilagen dazubestellen…“
      Sie wollte es ihm gerade zeigen, als er erschrocken die Karte zuschlug. „Um Gayas Willen! Ähm, nein, vielen Dank!“
      Sie sah ihn mit großen Augen an und notierte dann mit einem kleinen, verhaltenen Schmunzeln seine Bestellung.
      Canyo sah ihr nach, als sie in Richtung Küche ging, hatte die Hände gefaltet und die Ellbogen auf den Tisch gestützt, und sah Zino gedankenvoll an. „Ich hoffe, du bist dir darüber bewußt, daß das gerade ein Opfer für dich war. Ich mag Mangos nämlich sehr gerne!“
      Er erwiderte ihren Blick verunsichert. „Aber du kannst doch etwas mit Mangos bestellen. Solange ich es nicht essen muß, ist doch alles gut!“
      „Ich wollte dir aber zeigen, daß man auch einfach die Bestellung anpassen kann, statt stundenlang über jede Mango in der Karte zu lamentieren!“
      Der große Gayaner konnte nicht anders, als ihren Kommentar mit einem verlegenen kleinen Lächeln zu quittieren und schaffte es nicht mehr, ihr in die Augen zu sehen.
      „Ja!“ stieg Boo grinsend darauf ein. „Rein theoretisch könntest du dir einen Mangoeisbecher bestellen mit nicht einer Nuance Mango drin!“
      Zinos Ohren flogen nach oben. „Oh, das versuche ich nachher!“ deklarierte er mit freudigem Grinsen.
      Canyo lächelte. „Siehst du, und dann kannst du jedem erzählen, daß du mit Genuß einen Mangoeisbecher gegessen hast!“
      Die drei Freunde lachten herzlich.

Und ob Zino es tatsächlich geschafft hat, seinen Mangoeisbecher so modifiziert zu bekommen, daß keine Mango mehr drin ist, das überlasse ich eurer Phantasie. ;-)
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