Florian David Fitz

OneshotRomanze, Freundschaft / P16
Florian David Fitz OC (Own Character)
10.07.2017
10.07.2017
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"So ne Scheiße!", fluchte ich, als mir der Zug vor der Nase weg fuhr.
Ich rannte schnell zur Bushaltestelle und versuchte irgendwie mit dem Bus zu meinem Bewerbungsgespräch zu kommen. Dann musste ich zwar noch mit der U-Bahn fahren, aber dann kam ich wenigstens nicht allzu spät. Kann doch nicht sein. Direkt am ersten Tag zu spät. So bekomme ich den Job sicher nicht. Dabei war es mein Traum. Ich wollte schon immer Veranstaltungskauffrau werden. Dafür habe ich immerhin gefühlt 10.000 Bilanzen während meiner Ausbildung geschrieben. So unnötig.
"Haben wir es eilig?", fragte der Busfahrer, während ich mir für verdammte 5,40€ ein Ticket kaufte.
"Ja. Verdammt eilig.", sagte ich vollkommen aus der Puste.
"Wo soll es denn hingehen? Du siehst nicht so aus, als würdest du in so nem kleinen Städtchen wie hier bleiben wollen."
"Berlin." Ich setzte mich auf den Sitz nebn den Busfahrer und schaute ihm zu, wie er den Motor startete.
"In die Hauptstadt. Das ist aber ganz schön mutig. Welchen Grund gibt es dafür, wenn ich fragen darf?"
"Der Beruf. Ich bin Veranstaltungskauffrau und möchte mich bei Marcus Evans bewerben. Das ist einer der besten Marketing Firmen überhaupt und das ganze läuft international."
"Welche Sprachen kannst du denn?"
"Englisch und Französisch. Ich denke, das wird mir schon viel weiter helfen."
"Aber heute ist nicht so dein Tag, oder?"
"Nein, absolut nicht. Mein Handy ist über Nacht ausgegangen, somit auch mein Wecker, deswegen hatte ich keine Zeit etwas zu essen und richtig fertig machen konnte ich mich auch nicht."
"Ai, ai, ai. Dann wünsche ich dir mal viel Glück, Mädchen."
"Danke."

Der nette Busfahrer hielt für mich noch extra bei nem Bäcker, sodass ich mir wenigstens etwas zu essen und zu trinken kaufen konnte.
Dann saß ich endlich im ICE von Dortmund nach Berlin. Dort konnte ich endlich mein Handy aufladen und meinem hoffentlich zukünftigen Chef meine Situation erklären. Er war zwar nicht sehr erfreut darüber, fand es aber nett, dass ich angerufen hatte.
Wenn er das schon nett fand, konnte doch eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die Fahrt war Gott sei Dank echt entspannt. Ich machte mir keine Sorgen mehr um die Verspätung, da ich ja Bescheid gesagt hatte und genoss einfach die Ruhe.

Nach drei Stunden Fahrt und ein wenig Verspätung kam ich am Berliner Hauptbahnhof an. Ich nahm meine zwei Koffer, meinen Laptop und stieg aus. Auf dem Weg zur Treppe kam mir ein Mann entgegen, der es anscheinend sehr eilig hatte. Ich dachte mir schon, dass ich ihm lieber aus dem Weg gehe. Doch das gestaltete sich mit zwei Koffern und einer Laptoptasche eher schwierig. Der Mann rempelte mich also beim Vorbeigehen an. Mir fielen die Koffer auf den Boden und ich selbst verlor auch das Gleichgewicht und knallte mitten in der Menschenmasse auf den Boden.
"Entschuldigung.", sagte der Mann nur im Vorbeigehen.
"Das macht es auch nicht besser!", rief ich ihm hinterher.
Ich war gottverdammt sauer. Außerdem rechnete ich eh nicht damit, dass er zurück kommen würde.
Ich versuchte also irgendwie aufzustehen.
"Fuck!", stieß ich aus.
Mein Steißbein tat verdammt weh. Ich konnte mich kaum rühren.
"Kann ich dir helfen?" Die Stimme des Mannes, der dafür verantwortlich war, tauchte hinter mir auf.
Ich drehte um und schaute zu ihm hoch. Er hielt mir die Hand hin.
"Ich glaube nicht, dass das so funktioniert. Ich hab mir mein Steißbein geprellt.", antwortete ich.
"Oh. Das tut mir so leid. Ich musste schnell zu meinem Zug, um zu einem Termin zu kommen." Er verwies mit seiner Hand auf den abfahrenden ICE, mit dem ich gekommen war.
"Oh, nein. Das tut MIR jetzt leid."
Er lachte. "Muss es nicht. Ich bin ja hierfür selbst verantwortlich. Das passt schon."
Wir schauten uns an und erst jetzt fiel mir auf, wie hübsch dieser Mann vor mir war. Blaue Augen, schwarzes Haar und einen grauen Drei-Tage-Bart um sein breites Lächeln. Er musste definitiv älter sein, als ich.
"Kann ich dir helfen?", fragte er nochmals.
Ich kam wieder in die Realität zurück und musste erst mal darüber nachdenken, was er gerade gesagt hatte.
"Ja. Wenn das irgendwie geht.", antwortete ich schließlich.
"Okay. Langsam und vorsichtig.", entgegnete er.
Er beugte sich zu mir runter.
"Leg deinen Arm um mich. Ich stütze dich."
Ich tat, wie er sagte und legte meinen Arm um seinen Nacken, sodass ich mich an seiner Schulter festhalten konnte. Er legte seinen Arm um meine Hüfte und zog mich hoch. Ich stützte mich bei ihm ab. Zusammen standen wir langsam auf.
"Geht es?", fragte er und schaute mich mitleidig an.
"Ja. Tut nur verdammt weh."
"Es tut mir wirklich sehr leid. Was kann ich noch für dich tun? Ich heiße übrigens Florian." Er sprudelte nur so mit Worten.
"Charlie.", antwortete ich.
"Überleg dir, was ich für dich tun kann. Ich muss eben telefonieren."
Florian zückte sein Handy und ging ein paar Schritte weg.
Am liebsten wäre ich einfach gegangen. Aber das konnte ich nicht bringen. Außerdem kannte er sich wahrscheinlich in Berlin aus. Ich hingegen nicht. Er könnte mich sicher zu meinem Bewerbungsgespräch bringen.
"So. Du siehst nicht so aus, als würdest du dich in Berlin auskennen. Und deinen Koffern zu urteilen, willst du länger hier bleiben. In welches Hotel soll es gehen? Ich begleite dich."
Florian hob meine Koffer auf und sah aus, wie mein Butler, der nur darauf wartete, dass ich ihm einen Befehl erteile.
Ich war ehrlich gesagt sehr überrumpelt von der Situation. Und dementsprechend klang ich auch.
"Ich... äh... Ich muss eigentlich erst zu meinem Bewerbungsgespräch.", stotterte ich.
"Wohin solls gehen?"
"Nach Marcus Evans. Ähm... Unter den Linden 21."
"Oh, wow. High Society." Florian lachte.
Und dabei sah er einfach nur gut aus.
Ich schmunzelte verlegen. Man kannte den Namen einfach. Es wunderte mich nicht wirklich, dass er wusste, was diese Firma tat.

Zusammen gingen wir durch den Hauptbahnhof zur Straße. Er hielt einfach ein Taxi an, indem er gewunken hat. Ich war schon beeindruckt. Sowas kannte ich als Kleinstadt-Kind einfach nicht.

Auf dem Weg erzählte ich Florian, warum ich in Berlin war. Ich erzählte so viel, dass es für die ganze Fahrt reichte. Dabei erfuhr ich gar nichts von ihm.

Als wir ankamen, atmete ich tief durch. So nervös war ich noch nie in meinem Leben.
"Du packst das schon.", sagte Florian und legte eine Hand auf meine Schulter.
Ich zuckte kurz zusammen. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.
"War nett, dich kennengelernt zu haben.", verabschiedete ich mich und lächelte ihn an.
"Kommt gar nicht in Frage. Heute ist einer meiner wenigen freien Tage. Ich warte hier auf dich."
Ich erschrak. Er wollte doch nicht wirklich warten. Das konnte er doch nicht machen. Wir kannten uns doch so gut wie gar nicht.
Doch ich blieb ruhig und sagte nur: "Schwer beschäftigter Mann, was?"
Er lachte. "Kann man so sagen. Jetzt aber los."
"Aber das Taxi."
"Ich mach das schon. Mach dir keinen Kopf darüber." Er lächelte mich wieder mit seinem breiten Grinsen an.
"Danke.", sagte ich leise und stieg aus.

Das Vorrstellungsgespräch war super. Zumindest nach meinem Empfinden. Er möchte sich aber noch bei mir melden.

Als ich aus dem Gebäude kam, stand das Taxi ehrlich noch da. Und auch Florian saß wirklich noch drin. Ich stieg also ein.
"Und? Wie wars?", wollte er direkt wissen.
"Mega gut.", antwortete ich freudig.
"Also hast du den Job?"
"Ne. Er meldet sich noch bei mir. Ich hoffe das passiert bald. Ich halte es kaum noch aus."
"Dann hoffen wir mal." Florian lächelte mich an.
Wir. Als ob wir uns schon Jahre kennen. Aber irgendwie kam es mir auch so vor.
"Also. Plan für heute: Ich bringe dich zu deinem Hotel, dann fahre ich zu mir, wir machen uns frisch und um 19 Uhr bei dir auf dem Zimmer." Florian schaute mich erwartungsvoll an.
Ich machte große Augen und sah wahrscheinlich sehr entgeistert aus.
"Natürlich nur wenn du willst.", fügte er noch schnell hinzu.
"Ja... Ja, klar. Um 19 Uhr auf meinem Zimmer.", sagte ich entschlossen.
Doch innerlich war ich gar nicht so entschlossen. War das etwa ein Date? Ich wusste noch gar nichts von ihm. Naja. Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit ihn besser kennenzulernen.
"Super! Welches Hotel?" Florian war sichtlich begeistert.
"Sofitel. Am Kurfürstendamm.", antwortete ich.
"Wow." Er staunte nicht schlecht und schaute wie ich vor wenigen Minuten. "Mit welcher Berühmtheit hab ich es denn hier zu tun? Angestellte bei Marcus Evans und dann noch ein Zimmer im Sofitel."
"Das hat mir mein Chef gesponsert. Bis zum Ende  der Woche. Ich weiß gar nicht, was das für ein Hotel ist. Ich dachte, ich bekomme eins in nem Standardhotel.", erklärte ich.
"Standardhotel." Florian lachte. "Das Sofitel ist ein Fünf-Sterne-Hotel. Sehr exkluiv. Zimmer oder Suit?"
"Na, noch bin ich nicht angestellt. Erst mal ein Zimmer." Jetzt lachte auch ich.
Florian hatte eine so unfassbar ansteckende Lache. Sie war sehr ehrlich und kam vom Herzen. Das hörte man einfach raus.

Am Hotel angekommen, stieg Florian sogar aus, machte mir die Tür auf und brachte die Koffer rein. Noch bevor ich mir meinen Zimmerschlüssel, oder eher die Zimmerkarte, abholen konnte, verabschiedeten wir uns.
"19 Uhr bei dir auf  dem Zimmer.", sagte Florian.
"19 Uhr bei mir auf dem Zimmer.", wiederholte ich und lächelte.
"Ok. Dann bis später." Er lächelte verlegen.
Auch ich wusste nicht wirklich, was ich noch sagen sollte. Also entgegnete ich einfach: "Bis später." Dann nahm ich meine Koffer und ging zur Rezeption.
Ich sah mich auch nicht nochmal um. Ich hatte keine Lust auf so eine klischeehafte Filmszene. Also checkte ich einfach ein und ging auf mein Zimmer.
Es war echt wunderschön. Florian hatte Recht. Und fünf Sterne waren wahrscheinlich noch untertrieben.
Ich fing erst mal an, meinen kompletten Koffer auszuräumen, um mir was passendes zum Anziehen raus zu suchen. Ich wusste doch noch gar nicht, was wir vor hatten. Was sollte ich denn da anziehen? Ich ging erst mal vom ganz klassischen Essen gehen aus. Vielleicht auch Kino. Könnte beides zu Florian passen. Also zog ich mir mein blaues Kleid an. Knielang, bis zur Hüfte eng anliegend und in zwei verschiedenen blau Tönen. Ich liebte es. Dazu einfach meine schwarzen Boots und ne schwarze Lederjacke. Es sollte mich ja schon wiederspiegeln und ich bin nicht so schicki micki.
Dann ging ich ins Bad, duschte mich, schminkte mich und machte mir die Haare.

Plötzlich klopfte es an meiner Tür.
"Scheiße!", fluchte ich leise.
Überall im Zimmer lagen meine Klamotten verteilt. Ich sammelte alle schnell ein und packte sie in den Schrank. Den würde ich morgen richtig einräumen.
Dann zog ich mir schnell meine Stiefel an und öffnete die Tür.
Ich hatte mich definitiv richtig angezogen. Florian stand in einem wunderschönen Anzug vor mir. Designer. Das erkannte ich sofort.
Er musterte mich mit seinen blauen Augen von oben bis unten.
"Wow.", sagte er leise.
"Das hast du heute schon ziemlich oft gesagt.", antwortete ich.
Wie schon gesagt, ich stehe nicht auf Klischees.
"Du bist ja auch..." Er sprach nicht aus, aber ich wusste, was er sagen sollte.
Versteht mich nicht falsch, ich fühlte mich geehrt, aber solche Situationen sind eben diese Klischees, die ich meine.
"Also, wohin gehen wir? Kino?", fragte ich, während ich mir die Jacke anzog.
Florian beobachtete ganz genau, wie ich mir die Jacke überzog. Dann wieder dieser Blick von oben bis unten. Gott. Einmal den Blick von mir lassen. Ich weiß, dass ich gut aussehe.
"Kino? Nein!", sagte er dann etwas lauter.
Ich blieb vor ihm stehen.
"Okay. Dann halt kein Kino. Schade eigentlich. Es laufen ne Menge gute."
"In Berlin nicht."
Ich schaute ihn fragend  an. "Ich glaube nicht, dass in der Hauptstadt weniger Filme laufen als bei mir. Aber gut. Wenn du was anderes geplant hast, ist das auch vollkommen ok."
Ich lächelte ihn an. Und er lächelte zurück.
"Ja. Ich hab tatsächlich was anderes geplant."
Er verriet mir aber nicht, wohin es ging.

Solange nicht, bis wir ankamen. Er hielt mir sogar die Augen zu und führte mich.
Als er die Hände vor meinen Augen wegnahm, traute ich meinen Augen nicht. Wir standen vor einer Glastür. Rechts und links daneben waren blaue Schilder mit goldener Aufschrift: "Tim Raue".
"Ich fass es nicht.", sagte ich leise.
Mir kamen fast schon die Tränen.
"Danke.", sagte ich und umarmte ihn einfach
Er lachte. "Nichts zu danken. Ich dachte mir, zu einemm 5-Sterne-Hotel passt auch ein 5-Sterne-Restaurant. Außerdem ist der innerhaber ein guter Freund von mir."
"Was?!", rief ich und hielt mir sogleich den Mund zu, da ich wahrscheinlich etwas zu laut war.
"Du kennst Tim Raue persönlich?", fragte ich nochmal nach.
"Ja, wir haben uns mal... äh... bei einer Veranstaltung kennengelernt."
"Oh mein Gott." Ich quiekte. Und es war mir unfassbar peinlich. Aber es ging hier um Tim Raue.
"Versteh mich nicht falsch. Ich bin sonst nicht so. Tim Raue ist nur mein persönliches Vorbild.", sagte ich wieder ruhiger. "Glaubst du, du könntest ihn mir vorstellen?", fragte ich ganz leise und schüchtern.
"Damit er dich mir vor meiner Nase wegschnappt? Auf keinen Fall."
Ich war verwirrt. Was sollte das denn jetzt heißen? Machte er einen Scherz? Meinte er das ernst? Ich wusste überhaupt nicht, wie ich seinen Blick deuten sollte.
Dann fing er an zu lachen. "Ich kann mal gucken, was sich da machen lässt."
"Oh, man. Jag mir nicht so einen Schreck ein." Ich verpasste ihm einen leichten Schlag auf die Bruste.
"Hey. Ich mache dich mit einem Starkoch bekannt und zum Dank bekomme ich sowas?"
Wir lachten.

Drinnen konnte ich meinen Augen wieder kaum trauen. Es war einfach wunderschön. Links und rechts eine Reihe von Holzstühlen und Holzbänken mit Holztischen, die am Rand vergoldet waren. Gedeckt mit zwei Teelichtern, zwei Speisekarten und zwei Weingläsern. Passend dazu stand links in der Mitte ein Thresen mit Weingläsern, einer Flasche Wein und in den unteren Fächern lagen mehrere Flaschen Wein. Rechts an der Wand standen zwei Thresen, oben drauf eine Kiste voll mit Champagner und Sekt. Die Lampen ware Kupferblöcke und die Decke bestand ganz klassisch aus Backsteinen. Richtig rustikal eben.
"Kann ich Ihnen weiter helfen?", fragte ein Kellner.
"Ja. Ich habe reserviert. Fitz.", sagte Florian.
Florian Fitz. Ist ja witzig.
"Ich begleite Sie zu ihrem Tisch."
Wir folgten dem Kellner und setzten uns. Florian zog mir nicht den Stuhl zur Seite. Was ich als sehr positiv empfand. Ihr wisst schon. Klischees undso.
"Ein Glas Champagner, bitte.", gab er dem Kellner direkt zur Kenntnis.
Ich schaute ihn überrascht an.
"Du bist doch so ein Luxus gewöhnt.", erklärte Florian seine Bestellung.
"Nein. Überhaupt nicht. Ich komme aus einer kleinen Stadt und bin in wirklich armen Famiilienverhältnissen aufgewachsen."
"Das heißt aber nicht, dass du nicht jetzt ein Luxusleben führen kannst."
"Ich weiß aber gar nicht, ob ich ndas überhaupt möchte."
"Dann hättest du dich vielleicht nicht bei Marcus Evans bewerben sollen."
Ich schmunzelte. Da hatte er Recht.
"Genieß es, solange du kannst."
Der Kellner kam wieder und goss uns etwas Champagner ein.
"Kavier?", fragte Florian mich.
"Oh, nein. Ich bin Vegetarierin.", erklärte ich.
"Dazu musst du mir gleich mehr erzählen."
Vorher bestellten wir uns aber erst mal was zu essen.

Wir unterhielten uns super, lachten viel und ja, wir teilten uns sogar das Essen. Beziehungsweise durfte er von mir probieren und ich von ihm. Dank dem Gespräch darüber, dass ich Vegetarierin bin, bestellte er kein Fleisch. Außer ein Stück Steak, von dem selbst ich etwas probierte. Einfach nur, weil es aus Tim Raues Küche kam. Und es schmeckte unglaublich gut. ALLES schmeckte so unfassbar gut. Ich erlebte eine wahre  Geschmackexplosion.

"Ist Herr Raue im Haus?", fragte Florian den Kellner nach dem Essen.
Mein Atem stockte. Das hatte er doch nicht gerade wirklich gefragt.
"Natürlich. Soll ich ihm etwas ausrichten?", antwortete der Kellner.
"Ja. Sagen Sie ihm bitte, dass ich hier bin." Florian zwinkerte mir kurz zu.
"Natürlich."
"Vielen Dank."
"Oh, wow.", sagte ich, als der Kellner gegangen ist.
Florian lachte nur.

Kurze Zeit später kam der Kellner wieder.
"Er möchte Sie in der Küche haben. Ihre Begleiterin können Sie selbstverständlich mitnehmen." Er lächelte mich sehr freundlich an, woraufhin ich zurück lächelte.

Und so gingen wir tatsächlich hinter dem Kellner her in die Küche.
Und dort stand er. Tim Raue. Persönlich.
"Florian!", sagte er freundlich.
"Tim, mein Guter.", antwortete Florian, gab ihm die Hand und umarmte ihn.
"Wie geht's dir?", fragte Tim.
"Gut. Wie immer." Florian lachte. "Und bei dir auch alles gut?"
"Na, klar." Jetzt lachten beide.
Dann drehte Florian sich zu mir um und wies mit der Hand auf mich.
"Das ist Charlie."
"Hallo." Tim begrüßte mich mit einem Handschütteln.
"Hallo.", antwortete ich sehr schüchtern.
Ich hätte mich in Grund und Boden schämen können. So schüchtern war ich nun wirklich noch nie. Ich bin von Grund auf sehr zurückhaltend, zumindest am Anfang, aber das war eindeutig zu viel. Ich hatte ihn so leise begrüßt, dass ich Angst hatte, er hatte es nicht gehört.
"Wir haben Prominenz im Haus.", sagte Florian.
Und ich schämte mich nochmal. Warum sagte er sowas? Und dabei schaute er Tim an, als würde er ihm eigentlich was anderes erzählen wollen.
"Oh. Warum das denn? Schauspielerin?", fragte Tim mich.
"Ne. Veranstaltungskauffrau. Hoffentlich bald bei Marcus Evans.", erzählte ich.
"Du siehst aber aus wie eine Schauspielerin." Tim lachte.
Ich hingegen konnte nur lächeln. Wie sehen denn Schauspieler aus? Kann man das von außen so stark sehen?
"Und sie übernachtet im Sofitel. Bezahlt von Herrn Evans persönlich." Florian sah fast schon stolz aus. So, wie er von mir erzählte.
"Oh." Tim hob die Augenbrauen. "Und dann zahlst du wahrscheinlich auch das Essen für Florian, den armen Schlucker." Tim lachte.
"Ja, genau." Und auch Florian lachte.
Ich stieg einfach mit ein. Dabei beobachtete ich Florian. Er lachte sehr laut. Aber es gefiel mir. Und wenn er anfing zu lachen, lacht er nicht wirklich. Sondern er machte den Mund auf, dann kam nichts, aber wenn dann was kam, kam es richtig.
"Was wollt ihr denn als Dessert?", fragte Tim plötzlich.
Er schien wieder weiter arbeiten zu wollen und man merkte ihm auch ein wenig den Stress an.
"Was kannst du denn empfehlen?", fragte Florian.
Tim wollte gerade ansetzen, da schritt Florian nochmal ein: "Ich glaube, Charlie möchte etwas spezifisches vom Hausherren haben."
Dabei lächelte er mich an. Und ich lächelte zurück. Aber nicht, weil ich mich freute, sondern aus reiner Nettigkeit. Was sollte das denn? Er musste ihm nicht unter  die Nase halten, dass ich ein großer Fan war. Es war zwar total lieb gemeint, aber einfach unpassend.
"Dann mache ich euch eine Überraschung.", beschloss Tim.
"Vielen Dank." Florian verbeugte sich leicht.
"Wir sehen uns.", sagte Tim, während sie sich verabschiedeten.
Dann hielt er mir die Hand hin. "Viel Glück bei Marcus Evans."
"Danke.", antwortete ich und lachte.
Florian stellte sich neben mich und beugte den Arm. Ich sollte mich anscheinend einhaken. Das tat ich auch, schaute zu ihm hoch und lächelte. Wie auch er mich anlächelte. Und da war ein kleines Blitzen in seinem Augen. Nicht nur er lächelte, sondern seine Augen auch. Diese grau, blau, grünen Augen. Man konnte einfach nicht sagen, welche Farbe sie hatten.
Dann gingen wir wieder zum Tisch.

Das Dessert war einfach göttlich. Tim Raue war einfach mein absoluter Lieblingskoch.
Florian hatte anschließend gezahlt und wir gingen raus.

"So.", begann Florian.
Ich atmete tief durch. Jetzt würde die Verabschiedung kommen.
"Es war wirklich ein sehr schöner Abend.", fuhr er fort.
"Ja. Fand ich auch." Ich lächelte und schaute zu Boden.
Ich konnte ihm in einem solchen Moment einfach nicht in die Augen schauen. Auch wenn sie noch so schön sind.
"Soll ich dir ein Taxi rufen oder willst du es selber versuchen?"
Ich lachte. "Ich versuche es."
Ich trat einen Schritt näher an die Straße und wartete, dass ein Taxi mit einem leuchtenden Schild vorbei fuhr.
Schon nach kurzer Zeit kam eins. Ich hob meine Hand und pfiff einmal laut mit der anderen. Das Taxi hielt vor mir.
"Wow.", sagte Florian. "Nicht schlecht."
"Ich bin zwar ein Kleinstadtkind, habe aber trotzdem was drauf."
Wir lachten.
"Magst du mir deine Nummer geben?" Florian wurde plötzlich ganz ernst.
Ich begutachtete ihn skeptisch.
"Du musst nicht. Ich dachte nur, weil...", fing er an.
Ich unterbrach ihn aber mit einem Lachen. Dann streckte ich meine Hand aus.
"Gib schon her.", sagte ich, immernoch am lachen.
Florian schien erleichtert und holte sein Handy aus seinem Jacket. Ich speicherte meine Nummer und meinen Namen ein und gab es ihm wieder.
"Wir sehen uns.", sagte ich, um diesem peinlichen Moment endlich ein Ende zu setzen.
"Das will ich hoffen."
Er trat einen Schritt näher an mich heran. Oh nein, bitte keinen Kuss. Darauf  war ich nicht vorbereitet. Außerdem würde ich bald wieder nach Hause fahren. Das kann gar nicht gut gehen.
Ich räusperte mich.
"Gute Nacht.", sagte Florian und umarmte mich.
Mir fiel ein Stein vom Herzen. Dafür umarmte er mich aber sehr lange. Dabei sog ich seinen Geruch ein. Er roch nach sehr teurem Parfüm, aber nicht so stark. Sein Eigengeruch kam noch durch. Und ich kann einfach nicht beschreiben, wie er roch. Es war einfach wunderbar. Ich schloss die Augen und genoss den Moment.
Dann lösten wir uns langsam wieder voneinander, wobei Florian mir einen Kuss auf die Wange gab. Ich lächelte und wurde rot. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Aber er wusste, wie man mit Frauen umgeht. Das habe ich gleich gemerkt.
"Gute Nacht.", sagte ich leise.
Dann stieg ich ins Taxi ein.
"Wohin solls gehen?", fragte der Fahrer.
"Zum Sofitel."
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