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von kastanea
GeschichteRomanze, Thriller / P12
10.07.2017
11.02.2019
8
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„Was soll das heißen, du kannst nicht?“, fragte Lacy bestürzt. „Es ist Donnerstag!“ Naja, der Mädelsabend wäre sowieso kein richtiger Mädelsabend: Mit Drew in Florida und Mitchell, der ihre Schwestern zum ersten Mal offiziell treffen würde.

Die zwei Wochen, in denen Lacy und Mitchell sich kannten, waren in einem wirbelnden Farbstrudel an ihr vorbeigerauscht. Ständige Erschöpfung, Schlagzeilen um den Castellan-Fall und ein in ihrer Küche kochender Mitchell gehörten ebenso zu Lacys neuer Alltagsroutine, wie Max füttern und ihre vollbeschäftigten Schwestern und Freunde.

Es heißt, dass ich zu viel Arbeit und keine Freizeit habe, um mich mit dir in meinem Wohnzimmer zu betrinken“, sagte Piper, ungewohnt schnippisch.

Lacys zwirbelte eine blonde Locke, als sie sich von dem Mitchell, der Gemüse schnitt abwandte und aus dem Fenster starrte, unsicher auf die Erklärung ihrer Schwester wartend. Der Himmel war heute schwer und grau und hing dicht über den Häuserspitzen New Yorks. Es rührte etwas in Lacys Gedächtnis, was sie nicht exakt ausmachen konnte.

„Du kannst ja vielleicht nach Redaktionsschluss vorbeikommen?“, schlug Lacy vor. „Wir hatten sowieso nicht vor auszugehen. Mitchell macht Gemüsenudeln!“

Liebend gerne, Lacy“, sagte Piper bedauernd, „Aber ich kann wirklich absolut nicht vor neun los, New York City ist eine Stadt, die niemals schläft, und so weiter – ich muss noch für etwas nachrecherchieren, und die Tageszeitung kann ja nicht warten.“

„Was ist mit Wills Geburtstags-Barbecue?“, protestierte Lacy schwach.

Eben. Wenn ich mitten in der Nacht endlich Feierabend habe, will ich nur noch Fast Food in mich reinschaufeln und dann auf der Couch einschlafen. Außerdem bist du so gut bei diesen Planner-Dingen, dass du meine bescheidene Hilfe sowieso nicht brauchst.“

Lacy setzte zu einer Antwort an, doch dann hörte sie wie Piper fluchte, „Oh, verdammt …“, dann raschelte es – Piper hatte ihr Handy wohl unter einen Stapel Papier oder Ähnliches geschoben, denn Lacy konnte gedämpft ein hitziges Gespräch mit einem Mann, wahrscheinlich Pipers Boss, ausmachen.

„Alles okay?“, fragte Mitchell. Er holte die neue Wok-Pfanne aus dem Schrank, die er Lacy letzte Woche mitgebracht hatte, und setzte sie auf den Herd. Lacy gestikulierte Mitchell, kurz still zu sein, denn sie konnte nichts verstehen. Dann ging ihr auf, dass Piper aufgelegt hatte.

Es war schwer, angesichts dessen nicht die Stirn zu runzeln. Drew würde sie dafür schelten. „Sie hat aufgelegt“, stellte Lacy laut fest.

Mitchell machte ein mitfühlendes Geräusch und rührte die Nudeln im Topf um. „Dann sind wir also zu zweit heute Abend?“

Lacy seufzte schwer. „Sieht leider so aus.“

„Aw. Hey. Lacy.“ Mitchell nahm den Nudeltopf vom Herd und breitete die Arme aus. Er besaß die perfekte Höhe, damit Lacy ihr Kinn auf seine Schulter ablegen und sich von ihm umarmen lassen konnte.

„Wie wär’s, wenn wir fertigkochen und das Essen dann wegpacken?“, murmelte er in Lacys Haare hinein. „Wir könnten auswärts essen gehen. Und dann vielleicht einen Film anschauen gehen? Oder worauf du auch immer Lust hast. Der Abend ist jung, und wir sind in New York City.“

Lacy gab ein unverbindliches Brummen von sich und sah zu ihm herauf. Eigentlich hatte sie nach der anstrengenden Arbeit keine Lust, die Gemütlichkeit ihrer Wohnung zu verlassen. In der letzten Zeit hatte sie in fast jeder freien Minute so viel mit Mitchell draußen unternommen, von einem (wettertechnisch) kühlen Picknick im Park, über Kinobesuche, spontaner Shoppingtouren und einem Hotdog-Wettessen in Hoboken. Letzteres lediglich als moralische Unterstützung für den Verlobten von Mitchells Chefin gekommen. Lacy dachte zwar nicht, dass sie Hotdogs jemals mit Appetit ansehen konnte, aber es war lustig gewesen.

Aber Mitchells Lächeln war hoffnungsvoll, und seine Augen waren aus der Nähe so unglaublich blau. Also nickte Lacy. Mitchell strahlte, und für einen schwindelerregenden Moment dachte sie, er wolle sie küssen. Doch Mitchell drückte sie nur kurz, bevor er sich mit neuem Elan an den Herd wandte.

„Geh du dich ruhig fertigmachen und so“, sagte er beschwingt. „Ich kümmere mich um den Rest.“

Lacy lächelte seinem Rücken schwach zu und ging aus der Küche.

-

Es war ein lauer Abend, bald würde der Sommer über die Stadt hereinbrechen. Lacy fröstelte zwar an ihren nackten Beinen; sie hatte nicht mehr länger darauf warten können, ihre Sommerkleider aus dem Schrank zu holen. Aber mit einer dicken Grobstrick-Cardigan und Mitchells warmer Präsenz neben ihr ging es. Untergehakt schlenderten sie dem baumgesäumten Gehsteig entlang, typisch für das Viertel Prospect Heights. Das Abendessen in einem niedlichen kleinen Italiener auf der Washington Avenue Ecke Park Place war wunderbar gewesen, und Lacy fühlte sich bei aller Müdigkeit satt, müßig und wohlig. Mitchell erzählte über seine Arbeit, was längst nicht so langweilig war wie es sich anhörte, auch wenn Lacy so gut wie gar keine Ahnung von Architektur oder Technik hatte.

Vage dachte sie an Malcolm Pace. Ob er Mitchell jemals von ihrem Zusammentreffen in jenem Café erzählt hatte? Lacy vermutete es, nicht. Ganz wohl fühlte sie sich nicht bei diesem Gedanken. Obwohl die ganze Geschichte eigentlich nicht mehr als eine typische Lacy-Ashbell-Geschichte war. Mitchell und sie kannten sich nun eine Weile, und es kam ihr irgendwie blöd vor, es ihm diese schräge Kleinigkeit zu erzählen. Du, Mitchell, lustige Geschichte – ich habe mich als Malcolms Schwester ausgegeben, jaah, Malcolm wie der Mann, der mit dir arbeitet! Warum? Lass mich mal nachdenken … es fing an mit meinem ersten Tag in der Kanzlei, wo du mich versehentlich mit dieser Tür getroffen hast …

„Woran denkst du?“, wurde Lacy aus ihren Gedanken gerissen.

„Oh, äh … nichts Besonderes“, stammelte Lacy. „Nur, äh, an diesen Fall, an dem ich gerade arbeite.“

„Luke Castellan?“, fragte Mitchell.

„Psst!“, machte Lacy automatisch. Ihr schlechtes Gewissen meldete sich, als sie sagte, „Naja, ich bin strenggenommen nicht dafür verantwortlich. Aber die … die eine Familie, wo sich die Seelenspiegel-Ehepartner scheiden lassen.“

Der Standish-Fall stellte sich als größer heraus, als ursprünglich gedacht.

„Unser Mandat will auf volles Sorgerecht für die drei gemeinsamen Kinder klagen. Auch wenn die Älteste eigentlich volljährig ist. Überhaupt ist das Ganze meiner Meinung nach nur dazu da, um auch die unbounded Mitgliedschaft seiner Exfrau aufmerksam zu machen. Die technisch sehen dem Fall helfen würde, wenn wir nur hieb- und stichfeste Beweise auftreiben könnten", erklärte Lacy dem verständnislos dreinblickendem Mitchell. „Auch die Exfrau ist nicht ohne; sie erheben auf so gut wie alles Einspruch. Ich meine, Seelenspiegel-Scheidungen sind immer schmutzig, aber der Fall geht demnächst in die vierte Runde …“

Marion Standish hatte die Bombe platzen lassen, dass ihre Kinder, von denen die älteste Tochter gerade neunzehn geworden war, gar nicht von Seth Standish waren.

Die nächste Gerichtsverhandlung stand Mitte Juni an, was technisch gesehen bedeutete, dass Lacy eine kleine Verschnaufpause hatte. Die Kanzlei hatte sie etwas entlastet, damit Lacy sich auf ihren ersten „großen“ Fall konzentrieren konnte.

Trotzdem, Lacy hatte so viel Papierkram zu tun. Und Wills Geburtstag fiel in selbige Verschnaufpause. Und natürlich war da noch ihr gerade erst gefundener Seelenspiegel.

„Jetzt verstehe ich, wie du dich gerade gefühlt haben musst“, gluckste Mitchell und riss sie abermals aus ihren Gedanken. „Du …“ Ein seltsamer Ausdruck lag kurz auf seinem Gesicht.

„Was ist los?“, fragte Lacy.

Mitchell wandte den Blick ab und lächelte. „Nichts, nichts. Äh, hey, wegen dieser Grillparty, über die du immer redest. Will hat ja dann Geburtstag, oder? Hast du schon ein Geschenk für ihn?“

„Oh, Prada, nein!“, rief Lacy und blieb stocksteif stehen. Ein paar vorbeigehende Leute warfen ihr einen konsternierten Seitenblick zu. Etwas gedämpfter, aber noch immer aufgebracht, erklärte sie Mitchell, „Will hat einen Plattenspieler, einen echten alten aus den Fünfzigern oder so, nicht die putzigen Köfferchen von Urban Outfitters. Jedenfalls wollte ich ihm diese Vintage-Platte von einer bestimmten österreichischen Volksband schenken. Und deren Lieferzeit beträgt mindestens zehn Tage, ich habe völlig vergessen sie zu bestellen, oh Prada, Will wird so enttäuscht sein, dass ich seinen Geburtstag ruiniert habe …“

„Oh, das ist blöd!“, sagte Mitchell bestürzt. „Amazon Prime?“, schlug er vor.

Lacy ließ den Kopf hängen. „Die Platte ist ein Restbestand, nur beim Hersteller in Europa erhältlich.“

„Gott, Lacy, tut mir so leid, dass ich das erwähnt hatte.“ Mitchell drückte ihren Arm. „Wir … wir können noch immer eine andere Platte für Will kaufen?“

„Das wird schwer“, seufzte Lacy und zog ihn weiter. Geistig ging sie bereits andere Geschenkeoptionen durch. Doch Lacy war so begeistert gewesen, diese eine Schallplatte von dieser österreichischen Volksband gefunden zu haben, dass sie sich einfach keinen Plan B ausgedacht hatte. „Will mag lauter obskure Indie- und Volksmusik. Neunzig Prozent seiner Sammlung ist gethriftet.“

Mitchells Augen leuchteten auf. „Oooh, hört sich genau nach Connors Musikgeschmack an!“ Schon wieder der berühmte Connor Stoll. Man konnte nicht wirklich zehn Minuten mit Mitchell verbringen, ohne dass Connor aufkam – aber Lacy vermutete, dass sie ihre Schwestern mindestens genauso oft erwähnte. Sie war schon sehr neugierig auf Mitchells besten Freund und Mitbewohner.

Lacys Seelenspiegel setzte zu einer ausschweifenden Er- und Aufzählung an, und Lacy erkannte tatsächlich ein paar der Interpreten, die Mitchell nannte. „Wir könnten einfach eine von Connors Platten nehmen und an Will verschenken“, sagte Mitchell.

Das war etwas, was Lacy in ihrer kurzen Zeit so sehr ans Herz gewachsen war. Mitchells unumwundene Hilfsbereitschaft; der Enthusiasmus, mit denen er an Probleme herantrat, die gar nicht mal seine eigenen waren.

„Das kann ich unmöglich machen“, lehnte Lacy ab. „Ich kann doch nicht einfach eine seltene Schallplatte von jemanden nehmen, den ich noch nicht einmal richtig kennengelernt habe?“

„Es ist wirklich kein Problem, Connor hat oft mehrere Kopien derselben Schallplatte, er wird es wahrscheinlich nicht mal merken“, sagte Mitchell. Jetzt war er es, der Lacy mitzog. „Sein Onkel ist im Musikgeschäft.“

Auf den ganzen Weg zur U-Bahn Station protestierte Lacy, auch wenn immer schwächer. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, aber Wills Geburtstaggrillparty fand am Sonntag statt, und sie hätte ein noch schlechteres Gewissen, ohne Geschenk aufzutauchen. Außerdem konnte sie immer noch ablehnen.

Lacy war noch nie bei Mitchell zu Hause gewesen, obwohl er nur zwanzig Minuten weiter in Williamsburg wohnte. Es hatte sich eben nie richtig ergeben, und mit Mitchells lockereren Zeiten und dem günstigeren Weg war immer er zu Lacy gekommen.

Sie war gespannt auf seine (und Connors) Wohnung.

(Und natürlich auf Connor, wann auch immer sie ihn treffen würde.)

-

Die U-Bahn Station war laut und geschäftig. Ein muffiger, warmer Wind wehte durch das Gewölbe und brachte Lacys offene Locken durcheinander, als ein Zug einfuhr. Lacy bemühte sich, ihre wirren Haare aus ihrem Sichtfeld zu streichen, als sie hinter Mitchell die Rolltreppe hochstieg.

„Wir sind nach unserem College-Abschluss hierhergezogen“, plauderte Mitchell nervös. „Konnten uns die Wohnung fast nicht leisten. Obwohl es nur ein alter Mietkasten aus den Achtzigern war, nicht so ein tolles Brooklyner Brownstone-Stadthaus wie bei dir.“ Mitchell sah verlegen drein. „Und, äh, wir führen ständig Krieg mit dem Schimmel im Bad. Und die Küche ist eine Katastrophe.“

„Aha, deshalb kochst du immer bei mir!“, zog Lacy ihn auf.

„Okay, unfair“, erwiderte Mitchell. „Du hast einen Induktionsherd, der meinen rostigen alten Gasherd jederzeit um Längen schlägt. Und du hast Max.“

„Max ist der Beste“, stimmte Lacy ihm zu.

„Kleine Vorwarnung, meine Nachbarn sind unordentlich und laut. Nicht so wie Will“, fügte Mitchell hinzu. Er musste fast rufen, denn es war lauter geworden. „Und Mr. Taichman im Erdgeschoss geht gerne feiern. Es kann sein, dass wir ihn aus dem Hausflur in seine Wohnung helfen müssen, und pass auf wegen seines Erbrochenen …“

Lacy hakte sich bei ihm unter, als sie aus dem Untergrund traten. „Hey“, sagte sie sanft. „Hey, deine Wohnung wird schon nicht Sephora am Ende des Black Fridays sein, okay?“

Sie wurden von einem Mob aufgebrachter, lauter Demonstranten begrüßt, die sich an der Stiege zur Subway-Station versammelt hatten. Die meisten hielten Pappschilder in den Händen oder schwenkten selbstgemachte Stoffbanner und Fähnchen in den Händen. Im Lichte der Straßenbeleuchtung konnte Lacy das (inoffizielle) Symbol der Anti-Seelenspiegel-Vertreter ausmachen: Ein durchgestrichenes, ein zerbrochenes Unendlichkeitszeichen. Unwillkürlich rückten Mitchell und sie enger zusammen.

„Wie gesagt, die ganze Gegend ist rauer als Prospect Heights“, sagte Mitchell matt.

Mit gesenkten Köpften eilten sie an den Demonstranten vorbei. Lacys Magen verkrampfte sich, als die Demonstranten hinter ihnen zu skandieren begannen.

Wie viele von ihnen waren von ihren Seelenspiegeln verstoßen worden; wie viele von ihnen hatten überhaupt Seelenspiegel? Es war nicht das Mittelalter, man war nicht gezwungen, seinen Seelenspiegel zu heiraten und so! Doch die pure Ablehnung, die die Demonstranten ausstrahlten, ließ sie erschaudern.

Lacy war ungemein erleichtert, als sie endlich die Dämmerung des Stiegenhauses betraten, wo Mitchell wohnte.

„Sie haben die Glühbirnen noch immer nicht ausgewechselt“, sagte Mitchell entschuldigend und schaltete die Handytaschenlampe an. Soweit Lacy feststellen konnte, lag auch kein Betrunkener oder Erbrochenes im Flur, es war lediglich ein wenig muffig.

Mitchells Wohnung lag im achten Stock. Er sperrte auf und ließ sie ein.

„Ziemlich unordentlich“, sagte Mitchell entschuldigend, als Lacy im engen Flur stand und sich umsah. Was er über die Schallplatten-Leidenschaft seines Mitbewohners gesagt hatte, stimmte – jede freie Wandfläche war von glänzende Schellack-Scheiben bedeckt. Gegenüber der Ikea-Garderobe, direkt neben einer geschlossenen Tür, die vielleicht ins Bad führte, befand sich eine schäbige Kommode, auf deren Abstellfläche sich jede Menge bunter Papierkram, einzelne Schlüssel, Münzgeld und aus irgendeinem Grund, ein Gartenzwerg, sammelten. „Connor? Hey, Connor, bist du zuhause?“

Mitchell führte sie in das angrenzende Zimmer, aus dem animierte Schießgeräusche und gelegentliches Fluchen drang. Links befand sich eine kleine Kochnische, durch eine Theke vom Rest des Raumes abtrennte. Auf der Couch saß ein junger Mann mit dem Rücken zur Tür. Auf dem Riesenbildschirm lief ein Shooter-Spiel.

„Noch immer keine Übernachtung bei deiner Freundin?“, fragte Connor Stoll sardonisch. Ohne sich umzudrehen, leerte er eine Bierflasche und knallte sie auf den Beistelltisch. „Mann, wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich meinen, dass -“

„Connor!“, unterbrach Mitchell ihn scharf. Lacy wollte am liebsten mit der Wand verschmelzen, als Connor Stoll sich ungeschickt umdrehte und die beiden mit verschwommenem Blick fixieren versuchte. Selbst angetrunken und mit wirren hellbraunen Haaren besaß er eine draufgängerische, verschmitzte Arroganz, die unbehaglich auf Lacys Haut prickelte.

„Oho.“, sagte er und sprang auf. Er schwankte ein kleines bisschen. „Oho! Mitchell Payne hat sich endlich dazu herabgelassen, seinen Seelenspiegel mit nach Hause zu nehmen!“

„Hi, ich bin Lacy“, sagte sie scheu und probierte ein Lächeln.

Connor starrte sie für einen langen Moment mit undefinierbarem Blick an, dann lächelte er so breit, dass seine weißen Zähne blitzten. „Genau, Lacy. Ich bin Connor. Schön dich kennenzulernen, war schon sehr gespannt auf dich.“

Lacy suchte Mitchells Blick, doch der starrte geradeaus. Hatten die beiden Streit? Doch dann würde er Lacy wohl kaum spontan zu sich nach Hause einladen, oder?

Sie entschied sich für ein weiteres Lächeln und trat auf Connor zu. „Ebenfalls! Mitchell kann gar nicht aufhören, von dir zu reden.“

Connor streckte sich genüsslich, bevor er bei Lacys ausgestreckten Hand einschlug. „Die Hälfte ist wahr. Er untertreibt immer hoffnungslos.“

Lacy kicherte, und Mitchell begann mit einem Seufzer Connors leere Bierflaschen einzusammeln. „Also, Lacy – Connor, Connor – Lacy. Ich hatte mir dieses Treffen, äh, unter anderen Umständen vorgestellt. Warum bist du überhaupt da, Connor?“

„Ich wohne hier“, sagte Connor gedehnt. Er ließ sich wieder auf die Couch plumpsen. Lacy setzte sich vorsichtig neben ihn.

„Ja, aber wolltest du nicht zu deinem Bruder rausfahren?“, fragte Mitchell von der Küche, wohin er die leeren Bierflaschen gebracht hatte. „Außerdem hast du morgen um acht diesen Termin mit dem Lager …“

„So, Lacy“, sagte Connor laut und schaltete demonstrativ zu einem Nachrichtensender um. „Was bringt dich hierher? Ich dachte, dass Mitchell heute Abend endlich seine zukünftige Schwägerin trifft.“

Lacy spürte, wie ihre Wangen warm wurden. „Äh, Piper hat leider abgesagt.“ Connor lächelte wieder breit, ohne die Augen vom Bildschirm zu nehmen, also plapperte Lacy nervös weiter, „Sie arbeitet bei Daily News, weißt du, und momentan geht’s sehr hektisch zu. Journalisten eben! Ich meine, unter verrückten Arbeitszeiten stellt man sich normalerweise immer Ärzte vor, aber Journalisten haben’s viel schlimmer, ehrlich!“

Sie warf einen raschen Blick nach links. Mitchell hatte ein großes Glas mit Wasser gefüllt und kramte in einer Schublade. „Ich hoffe wirklich, dass Piper am Wochenende frei hat“, machte Lacy tapfer weiter. „Einer unserer Freunde, Will – äh, hast du ihm von Will und seiner Geburtstagsfeier erzählt?“, fragte sie Mitchell, der herübergekommen war und das Glas auf den Beistelltisch vor Connor abstellte.

„Hmm“, machte Connor. Er schaltete den Fernseher lauter.

„Du kannst gerne zur Grillparty kommen, je mehr Leute, desto besser“, sagte Lacy schwach. Sie beschlich das bange Gefühl, dass es ein grauenhafter Fehler war. Sowohl Mitchells Idee, als auch was sie gerade gesagt hatte.

„Nimm ein Aspirin und geh schlafen, Connor“, sagte Mitchell. „Du bist stockbesoffen.“

„Ich hatte drei Bier“, sagte Connor und sah Mitchell herausfordernd an. Was vielleicht einschüchternder wäre, wenn er nicht einen Punkt über Mitchells linken Ohr fixieren würde.

Dieser fuhr sich frustriert über die dunklen Haare, und Lacys Herz zog sich zusammen. In der Ferne heulte eine Sirene „Eigentlich wollte ich fragen, ob du eine Extra-Schallplatte hast, von den Jägerinnen oder Conan Gray oder so. Sieh mal, ich habe vergessen, ein Geschenk für Wills Geburtstagsparty -“

„Zu der ich nicht eingeladen bin“, schnitt ihm Connor das Wort ab und schaute wieder auf den Fernseher. Die Nachrichtensprecherin wirkte besorgt, soweit Nachrichtensprecher besorgt wirken konnte. Ein wackeliges, dunkles Video von einer randalierenden Menschenmenge wurde eingeblendet.

„Connor, du kennst diesen Mann nicht mal!“, explodierte Mitchell. Mehr oder weniger – er schrie nicht oder war nicht verärgert, doch es war so seltsam, ihn so zu sehen. Lacy kannte ihn gar nicht, wie ihr schlagartig bewusst wurde.

„Eigentlich habe ich Wills Geschenk vergessen, nicht Will“, unterbrach Lacy vorsichtig die beiden. „Und, äh, könntet ihr vielleicht … eventuell, dreißig Sekunden leise sein?“

Der glühende Seitenblick, den Connor ihr zuwarf, würde Lacy durcheinanderbringen, wenn es die Nachrichten nicht schon taten. Sie griff nach der Fernbedienung und schaltete lauter.

„ – Proteste breiten sich in ganz Brooklyn aus. Verdachte weisen zu einer Verbindung mit unbounded; die linksliberale Organisation streitet den Vorwurf zum Aufruf der Demonstrationen ab, so wie jegliche Verbindungen mit dem derzeitig in U-Haft sitzendem Mercury-Bank CEO Luke Castellan.“

Das Bild blendete zu einer streng wirkenden Latina-Polizistin. „Als Gegenmaßnahme werden Straßensperren und verstärkte Polizeikontrollen vom NYPD errichtet, besonders bei Verbindungswegen nach Manhattan. Es ist unruhig auf den Straßen, aber das NYDP hat die Lage unter Kontrolle“, sagte sie knapp und schaute direkt in die Kamera. „Bisher kam es zu keinen gewaltsamen Auseinandersetzungen. “

„Das war Captain Ramirez-Arellano vom neunundneunzigsten Revier“, sagte die Nachrichtensprecherin ernst. „ Wir möchten alle New Yorker dazu aufrufen, sich nach Möglichkeiten nach drinnen zu begeben. Fahren Sie langsam, nehmen Sie keine Hauptstraßen und betreten Sie keine U-Bahn Stationen. Weitere Informationen -“

Connor schaltete den Fernseher nachdrücklich aus.

„Ich glaube“, sagte Mitchell zögerlich, „es ist besser, wenn du heute hier schläfst.“

-

Ich habe das ungute Gefühl, dass die Qualität dieser Geschichte indirekt proportional zu den Kapiteln ist … um so überraschender, dass irgendjemand mit höchst fragwürdigem Geschmack dieses Gesöff trotzdem für den PJ Award 2018 nominiert hat??? Bei PJe – DTK kann ich es ja verstehen, und meine Solangelo-Übersetzungen sind ganz gut ^-^ (weil Rosyredlipstick ein Genie ist, duh) … aber bounded? Kann ich die FF zurückziehen? Habt jemand die anderen nominierten FFs der Kategorie gesehen??? Ich meine ja nur, man schickt keinen Box-Anfänger gegen zehn Muhammad Alis …

Danke an Liana-Medea, die sich das hier antut.
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