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Ich liebe jemanden, den du nicht liebst

von Zioone
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Kyoko Mogami Ren Tsuruga
09.07.2017
31.07.2018
6
32.837
3
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Dieses Kapitel
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11.12.2017 6.961
 
„Endlich sind wir am Ziel angekommen!“, sprach Hikaru mehr zu sich selbst als zu seiner Begleitung Kyoko. Diese hörte anderseits sowieso nicht mehr komplett mit all ihren Sinnesorganen ihrem Senpai zu, da sie viel zu sehr damit beschäftigt war das große Hotel, für den heutigen Abend, zu bewundern.
An diesem Samstag, den Tag der großen Feierlichkeit des Präsidenten von LME, hatte Hikaru, wie verabredet, Kyoko bei sich abgeholt und so waren sie zusammen losgefahren, um sich durch den Irr-garten des Straßennetzwerkes von Tokyo durchzukämpfen. Aber nun waren sie endlich am Ziel, etwas später als geplant, denn das Navigationsgerät hatte das ungleiche Paar erst zu dem falschen Veranstal-tungsort navigiert. Die Hotelkette hatte einfach viel zu viele Hotels in Tokyo. Das 5-Sterne Hotel lag am anderen Ende der Stadt, weit abgeschlagen von jeglicher größeren Zivilisation. So konnten die Stars und Sternchen, oder auch Politikern, welche diesen Ort sich gerne mieteten, bis spät in die Nacht feiern, ohne gestört zu werden, wenn es doch mal etwas lauter wurde.
Jedenfalls verloren die beiden durch das falsche Navigieren wertvolle Zeit, um pünktlich zu erscheinen. Jedoch musste man sowieso nicht immer der Pünktlichste auf so einer Veranstaltung sein, da waren die beiden sich einig. Auf der Einladung stand schließlich nur ein ›Einlass AB 17 Uhr‹.
Am großen Hoteleingang kam der Sportwagen des Leadsängers Hikaru letztlich zum Stehen. Anschlie-ßend stieg der junge Autofahrer aus dem Wagen aus, an dem bereits ein Page der edlen Unterkunft bereit stand, um dem Sänger sein Autoschlüssel entgegenzunehmen und Kyoko die Tür aufzuhalten.
Kyoko seufze in sich hinein, am Ende hatte sie sich nun leider doch nicht rausreden können und so von dem Abend Abstand halten können. Daher hatte sie mit Kanae ein Zimmer, die Feierstunde ging immerhin wahrscheinlich lange, außerdem war das Hotel sowieso für die Gäste reserviert. Ob Kyoko nun hier ein Zimmer hatte oder nicht, machte nun auch keinen Unterschied mehr für das Gästehaus. Dies gab allerdings Kyoko einen kleinen Trost für ihr Gewissen und Verstand.
Derweil erreichten Hikaru und Kyoko das große extravagante Foyer des Hotels gemeinsam. Am Emp-fangsbereich wurden die beiden anschließend als Gäste vom Präsidenten in einen separaten Bereich geleitet. Dort wurden die beiden von großen angsteinflößenden Bodyguards gestoppt. Sie sollten ihre Einladungen vorzeigen. Zum Glück gab es jedoch Einladungen. Kyoko würde doch niemals jemand erkennen, im Gegensatz dazu aber sicher Hikaru.
Kyoko hatte ihre Einladungen zuvor ihrem Begleiter gegeben. Er hatte immerhin an seinem Jackett Taschen für Papier zum Verstauen. Sie hatte bei dem Kleid, das sie sich ausgeliehen hatte, zwar auch eine Tasche, allerdings war diese mit einer Schleife um ihren Oberschenkel gebunden. Die Tasche war eigentlich ursprünglich für kleine Requisiten vorgesehen und alles andere als praktisch um vor Body-guards, welche so aussehen als würden sie jeden überrumpeln, der ihnen verdächtig vorkam, eine Ein-ladung hervorzuholen. Dennoch hatte sie dort ihr Handy zur Sicherheit verstaut. Nur für den Fall der Fälle versteht sich. Andere wichtige Dinge ließ sie entweder im Koffer vorher auf ihr Zimmer bringen oder waren bei Hikaru im Auto.
Der Leadsänger griff in seine Tasche am Anzug, gab anschließend seiner weiblichen Begleitung die Einladung und zeigte seine eigene vor. Wie Kyoko feststellen musste, war ihr Papier nun allerdings fast unwichtig geworden. Denn als ihre Begleitung wäre sie auch einfach so hineingekommen. Lediglich auf einer Gästeliste mussten die beiden noch unterschreiben, anschließend wurde ihnen der Weg gezeigt.
Am Ende des Ganges begrüßte der Präsident jeden seiner Gäste persönlich herzlich und mit vollem Elan. Als Lory Kyoko bemerkte kam er auf sie zu, legte seinen Arm um ihre zierliche Schulter und kam ihr freudig ein Stück näher: „Hübsch siehst du in dem Kleid aus und das, obwohl du erst gar nicht auf die Feier wolltest.“
Peinlicher, als vom Boss so ein Lob zu bekommen, ging es fast nicht mehr! Was sollte sie da nur da-rauf antworten? „Ähh ja danke.“
Lory ließ die peinlich berührte Kyoko wieder los, reichte ihr eine volle Schüssel mit Losnummern ent-gegen und lächelte sie an: „Hier, zieh dir eine Nummer für die Spiele nachher. Vielleicht bekommst du ja den Hauptpreis.“
„Ah ok, danke.“, sie griff sich aus der Nummernschüssel eine Papierkarte und fragte neugierig nach: „Was gibt es denn als Hauptpreis?“
„Ach weißt du, man muss ja noch nicht alles verraten. Sonst ist die Überraschung ja kaputt.“ Plötzlich fiel ihr wieder ein, was sie vor lauter Aufregung vergessen hatte, der Boss hatte ja Geburtstag. Deswe-gen war sie ja auch hier! „Ach, entschuldigen Sie. Ich habe total vergessen, warum ich hier bin! Alles Gute zum Geburtstag!“
„Danke, danke.“
Anschließend verabschiedeten sich Hikaru und Kyoko höflich vom LME Chef und gingen weiter Richtung der großen Halle.
„Du wolltest nicht her?“
„Ja, ich hatte den Boss gefragt, ob ich nicht lieber in der Küche aushelfen kann. Ich bin immer sehr nervös auf so welchen Partys“, versuchte sie sich aus der Situation zu retten. Warum musste er das auch noch vom Boss mithören?
Endlich waren sie im großen Saal angekommen. Lang genug war der Weg jedenfalls. Der große Saal war fast wie im Märchenschloss mit vielen Verzierungen an den Wänden und edlen aussenden Tischen und Stühlen soweit das Auge reichte. Das komplette 5-Sterne Hotel war an diesen Abend nur für die Gäste des Präsidenten reserviert. Denn es waren alle Mitarbeiter von LME eingeladen, wirklich alle! Das hieß, dass nicht nur Stars und Sternchen eingeladen waren, sondern auch die einfachen Leute, ohne die das Unternehmen nicht funktionieren könnte. Daher waren auch die Damen vom Empfang im Foyer des LME Gebäudes, die Sicherheitsbeamten und Büroangestellten und natürlich auch die Techniker anwesend. Der Rest der Gäste gehörte nicht unbedingt zu den Angestellten, sondern war als reine Be-gleitung auf der Feier. Trotzdem hielt sich bis zur jetzigen Stunde die Teilnehmerzahl allerdings stark in Grenzen.

Ren war mit seinem Manager Yukihito als eine der ersten Gäste am heutigen Abend anwesend. Daher mussten sie sich deswegen bereits das ein oder andere Glas des edlen Sektes ›antun‹, denn dieser wurde unlängst von Beginn an bei diesem bunten Abend ausgeschenkt. Bloß anders war die Feier jedenfalls kaum für Ren zu ertragen.
Leider waren die beiden zu früh auf der Party, denn extra nach Hause fahren hätte sich einfach nicht gelohnt, da sie sowieso für ein Foto-Shooting auswärts waren. Noch war Ren mit seinem Manager an seinem Tisch alleine, auch wenn sich die ein oder andere Frau immer mal wieder sich zu den beiden gesellte, schlussendlich dann wieder verschwand. Die Taktik sich extra ein bisschen an den Rand des Saales zu verkrümeln war bis jetzt ganz gut aufgegangen. Nur der Raum wurde mit fortgeschrittener Zeit immer voller, was unweigerlich zur Folge hatte, dass auch immer mehr Damen die Party bevölker-ten. Denn viele Personen, meist die Frauen, sahen so welche Veranstaltungen auch immer als Gelegen-heit sich endlich einen Star zu angeln. Daher war Ren auch immer ein beliebtes Angriffsziel. Somit war es auch nicht verwunderlich, dass die Damenwelt, welche sonst nicht die Gelegenheit bekamen Ren näherzukommen, normalerweise im großen Stil um ihn herumstanden und ihn regelrecht belagerten.
„Warum sind wir noch mal so früh auf dieser nervigen Party vom Boss?“
„Das weißt du genau! Außerdem wird die Feier ja vielleicht noch spaßig und lustig. Das kannst du doch so früh noch gar nicht sagen.“
„Hm vielleicht.“

Hikaru und Kyoko hingegen wollten sich erst einmal ein Überblick verschaffen, weswegen sie am Ein-gang der großen Halle stehen blieben. Einen kleinen Stoß auf ihre linke Seite ließ Kyoko umsehen. Sie erblickte ein kleines junges Mädchen, es war Maria, die Enkelin des Präsidenten.
„Hallo Onee-sama!“, strahlte das kleine Mädchen Kyoko mit ihrem herzlichsten Lächeln an.
„Maria-chan, schön dich zu sehen.“
„Ihr seid spät dran!“ Maria verzog ihre Mine und spielte sichtlich ein bisschen die Eingeschnappte, redetet allerdings einfach weiter in ihrem unverfrorenen Redefluss: „Ich dachte schon, dass du gar nicht mehr kommst!“
„Nein, nein. Wir haben uns nur ein bisschen verfahren.“
„Hm, na gut, Ausrede angenommen!“ Winkte Maria das Thema mit Ihrer Hand abweisend ab, als hätte sie das Ganze von Anfang an nicht interessiert. Sie wollte schnell auf das eigentliche, ihrer Meinung nach, wichtige Thema zu sprechen kommen und schaute dabei Kyoko erwartungsvoll an.  „Welche Nummer hast du denn?“
„Eh? Was für eine…achso.“ Es dauerte kurz bis sie verstand, was Maria genau meinte. Nachdem sie die Frage von der Enkelin des Präsidenten verstand, griff Kyoko ihren Zettel auf dem ihre Losnummer stand um dem jungen Mädchen zu antworten. „Hier steht die 42 darauf.“
„Cool, eine Zahl unter 100!! Ich habe nur die doofe Zahl 583 bekommen.“
Nebenbei bemerkte Kyoko, dass sich ihre beste Freundin, Moko-san, zu der kleinen ungleichen Grup-pe hinzugesellte. „Moko…“, die Enkelin des Präsidenten unterbrach sie ohne Kanae eines Blickes zu würdigen. „Wollen wir nicht die Nummern tauschen?“
„Äh, wenn du unbedingt willst. Mir ist die Nummer egal.“ Kyokos ›Love-Me‹-Leidesgenossen konnte daraufhin nur den Kopf schütteln, aber was erwartete sie auch? Maria war eben noch ein Kind.
Hikaru hingegen fühlte sich ein bisschen deplatziert bei der kleinen Frauenrunde, weswegen er eifrig seine Bandkollegen suchte. „Da drüben sind meine beiden Brüder, wollen wir hin?“
„Ja gerne.“ Kyoko musste die beiden doch noch begrüßen!

Kurze Zeit später standen die vier bei Hikarus Bandkollegen und unterhielten sich über verschiedenste Themen. Nur Maria konnte oft nicht mitreden. Aus diesem Grund zwang sie den anderen auch ir-gendwann ein Gespräch auf. Ein kleiner Tumult im Saal lenkte die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf diesen. An niemanden direkt stellte Shinishi seine Frage neugierig in die Runde. „Was ist das da drüber für ein Aufgebot?“
Da konnte Hikaru aushelfen. „Naja eben ist ein ganzer Bus mit einigen der Büroangestellten von LME angekommen.“
„Ja, aber wieso stehen die da alle in einer Runde? Gibt’s da was gratis?“
„Ach was. Es ist wegen einer Person so ein Tumult.“ Kanae deutete auf die Frauengruppe von etwa 15 Damen. Schaute man genau, konnte man erkennen mit wem diese Runde sprach: Ren Tsuruga.
„Da kann man schon fast ein bisschen eifersüchtig werden, bei denen vielen Frauen um ihn herum.“
Die gelassene Kanae konnte darauf hin nur die Stirn runzeln: „Ach ich weiß nicht, ob das wirklich so erstrebenswert ist. Außerdem tut er mir eher leid. So viele Frauen um ihn rum, aber die Frau, die er möchte, ist nicht dabei.“ Die Jungs beachtete Kanaes Aussage nicht weiter, wahrscheinlich nahmen sie ihr Gerede nicht für voll.
Kyoko Herz dagegen rutschte ihr bis ins Bodenlose, woher wusste Moko-san denn bloß, dass Tsuruga-san eine andere liebte? Sie hatte doch aber niemanden davon etwas gesagt! Oder hatte Ama-miya-san ihr etwas gesteckt? Sie überkam ein ziemlich schlechtes Gewissen und vor allem Panik. „Äh woher willst du das wissen?“, tat Kyoko etwas unwissend und hoffend, dass sie die Situation noch retten konnte. Vielleicht fiel es ja niemanden auf.
„Hm, weibliche Intuition vielleicht?“
„Äh? Ohhkey?“
Eine weitere halbe Stunde verging und die jungen Leute quatschen bis jetzt fröhlich vor sich her. Kyoko blinzelte hin und wieder zu Ren hinüber. Ständig war er von attraktiven Frauen umgeben. Da hatte sie kaum eine Gelegenheit einfach mal zu ihm gehen zu können. Die sollen endlich weggehen! Jedes Mal, wenn sie ihn so sah, amüsierend mit anderen Frauen, gab es wieder einen stechenden Stich in ihr Herz. Es war Eifersucht und Trauer, sie hasste diese Gefühle.
Warum tut es so weh, die vielen Frauen bei ihm zu sehen? Ich will das nicht mehr haben! Warum kann es nicht einfach aufhören?

Währenddessen hatte Ren seine Sorgen die Frauentraube wieder los zu werden. Den Abend hatte er sich eigentlich ein wenig anders vorgestellt. Er hatte ja kein Problem damit, von Frauen umgeben zu sein, aber den ganzen Abend von so vielen anhänglichen Frauen, … dies ging für seinen Geschmack etwas zu weit. Außerdem waren einige der Damen ziemlich aufdringlich. Man sah es ihnen praktisch an, dass sie von ihm verführt werden wollten und wie nötig es einige der weiblichen Geschöpfe hatten. Nur da waren sie bei ihm an der falschen Adresse.
Eine der Frauen kam ihm besonders nah und war extrem aufsässig. Sie hatte wahrscheinlich schon einiges getrunken. Der riesige Ausschnitt, bei dem man eindeutig zu viel sah und der als Blickfang für Männer galt, war trotzdem kein besonders toller Anblick für ihn. Zudem hatte sie ein schwarzes Ober-teil an, welches locker eine Größe zu klein für sie war. Ihre Schminke war überall ziemlich dick verteilt, es sah so aus, als sei sie in einem Farbtopf gefallen. Man konnte es definitiv mit Schminke übertreiben und dies war klar so ein Fall. Eine Frau, so schätze er, in der Mitte der Vierzig, welche sich schminkt und anzieht als sei sie 15. Es sah schon sehr albern aus. Er wusste nicht, wo die Frau in der Firma ar-beitet und deren Namen hatte er sowieso schon lange wieder vergessen, als sie sich am Anfang vor-stellte und mitteilte, dass sie Angestellte bei LME war. An ihrer Haltung und ihren Gang vermutete Ren, dass es sich wohl um eine Büroangestellte der Agentur handeln musste.
Mit einer kleinen Ausrede, dass er doch noch etwas Wichtiges mit seinem Manager bereden müsse, konnte er sich allerdings davonschleichen. Daher gesellte sich Ren wieder an einen Tisch weit in der Ecke zu seinem Manager Yashiro der immer noch alleine saß. „Weißt du, wer der Typ ist, der mit Kyo-ko gekommen ist?“
Der braunhaarige Mann war verblüfft, dass Ren ihn nicht kannte, „Eh? Kennst du ihn nicht?“
„Nein, sollte ich? Ich habe ihn schon mal gesehen, ja.“, er unterbrach kurz seinen Satz: „Klingeln tut aber gerade nichts bei mir.“
„Er ist der Leadsänger von ›Bridge Rock‹, Ishibashi Hikaru.“
„Aha, und woher kennt Kyoko ihn?“
Yashiro war ein wenig genervt von der Frage, er konnte schließlich nicht alles wissen. Er beschattete Kyoko-chan doch nicht! „Woher soll ich das denn wissen?“
Ren stand extrem frustriert auf. Irgendwie hatten ihm diese Informationen nicht gereicht, aber er konn-te sie eben nicht erzwingen. „Hm, na ja ich geh’ mir mal ein Glas Wasser holen.“
Am Buffet ankommen, nahm er sich ein Teller und schaufelte den Salat drauf. Wenn es denn hier schon Essen aufgetafelt gab, musste er ja auch wenigstens etwas zu sich nehmen, sonst würde es nur wieder einen nervigen Kommentar von Kyoko und Yashiro geben. Anschließend nahm er sich ein Glas und schenkte sich etwas Wasser ein.

Kanae und Kyoko standen derweil immer noch in der Runde mit Hikaru und seinen zwei Bandkolle-gen. Doch inzwischen hatte sich die quirlige Chiori zu der kleinen Gruppe dazugestellt. Das verwunder-te Kyoko, dass Amamiya-san ebenfalls eingeladen war. Allerdings gehörte sie auch irgendwie, als Love-Me Mitglied, zu LME. Maria musste zwischenzeitlich kurz weg, sie sollte zu ihrem Großvater, aber sie wollte gleich wiederkommen. Sagte sie zumindest.
Mit den Gedanken nicht immer ganz bei den Gesprächen, schaute die zierliche Brünette immer wieder zu Ren hinüber, aber ständig waren so viele Frauen um ihn herum! Doch endlich stand er alleine am Buffet! Alleine die Tatsache, dass er ohne Frauenbelagerung stand war ja schon ein seltener Anblick aber das er sogar freiwillig etwas zu Essen holte… war Rekordverdächtig.
„Wir gehen uns mal etwas zu essen holen, wollt ihr mit?“
Aus ihren Gedanken gerissen, wollte Kyoko gerne mit den Jungs mitgehen, doch Kanae war schneller mit ihrer Antwort. „Nein danke.“
Vorbei war Kyokos Chance ihm ›zufällig‹ über den Weg zu laufen und ihn gleich dabei zu grüßen. Nun waren nur noch die Mädels in der Runde. Aber Kyoko musste diese Gelegenheit nutzen! Lange war er sicher nicht alleine.
„Ich bin mal kurz weg und Tsuruga-san grüßen.“
Sie musste Ihrem Senpai schließlich wenigstens mal ein ›Hallo‹ sagen, so viel Anstand musste heute sein. Dann konnte für heute auch nichts schiefgehen.
Sie ging zügig Richtung Buffet, wo sich immer noch Tsuruga-san aufhielt und etwas Essbares suchte. Auf halben Weg blieb sie stehen, eine andere Frau war doch noch schneller als sie gewesen! Sie redete Tsuruga-san an, um was es ging verstand Kyoko nicht. Denn dafür war sie zu weit von den beiden entfernt.
Mist! Wieso muss Liebe so wehtun? Er redet doch nur mit einer anderen Frau! Wieso ausgerechnet er? Wieso ausgerechnet er?
Nun stand sie alleine mitten im Saal und ging keinen Schritt weiter. Daher entschied sie sich ein Stück in Richtung der Wand am Ende des großen Saales zu laufen um nicht von Ren gesehen zu werden. Kyo-ko hatte noch Hoffnung, dass die Frau nicht lange bleiben würde. Aber auch nach ein paar Minuten sah es nicht danach aus, als wollte die hübsche Frau die nächste Zeit gehen. So wie Ren schaute, schien er sich mit ihr zu amüsieren. Es tat weh. Verdammt weh. Kyoko konnte hier nicht länger bleiben, dass tat zu sehr weh. Daher ging sie leicht deprimiert wieder zu den anderen beiden Mädchen.
Kaum war Kyoko angekommen, fragte ihre beste Freundin sie, ob sie mit zum Buffet gehen möchte.
„Ehm, nein. Ich… mir fällt da ein, ich glaube, ich schaue mir mal das Zimmer für heute Abend an. Gibst du mir den Schlüssel?“ Eine sinnvollere Begründung ist ihr auf die Schnelle nicht eingefallen. Was sollte sie auch schon sagen?
„Eh? Jetzt schon? Die Feier hat nicht mal richtig angefangen.“ Kanae erkannte erst jetzt in Kyokos bestürztem Gesicht, dass ihre beste Freundin gerade einfach nur mal kurz alleine sein wollte. Sie wartet daher die Antwort von Kyoko nicht ab. „Aber ok, wenn du willst.“
Kaum war Kyoko weg, machten sich die beiden übrig gebliebenen Mädchen zum Buffet auf. „Da hat es Kyoko-san ganz schön erwischt, oder?“
„Erwischt? Bei was?“ Kanae stellte sich dumm. Sie wollte jedenfalls nicht wissen was Chori meinte.
„Mit dem ›Verliebt-sein-Virus‹ natürlich.“
„Ahhhh, ja, da~s. Na ja, wo eben die Liebe hinfällt.“
„Hm, bis vor Kurzem dachte ich noch, sie hat null Chance, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass da doch auch von ihm aus mehr ist. Ist an den Gerüchten doch was dran?“
Kanae schaute nun verdutzt zu Chiori und musterte sie von oben bis unten erst einmal. Eigentlich fand sie das Love-Me-Mitglied Nr. 3 bis jetzt immer recht seltsam. Schließlich hatte sie sich freiwillig für die Love-Me-Abteilung entschieden. Aber sie schien doch gar nicht so verrückt zu sein. Kanae drehte sich Richtung des Buffets und nahm sich einen Teller. Sie antwortet ihr nur ziemlich kühl und trocken: „Keine Ahnung, musst du sie mal selber fragen.“
„Ach nun komm‘! Spiele doch nicht die Unwissende, du bist immerhin ihre beste Freundin!“
„Keine Ahnung was du meinst. Oder frag ihn, ob sie eine Chance bei ihm hat.“
„Ist das dein Ernst? Ich gehe doch nicht zu Tsuruga-san hin und frage ihn mal direkt ob er auf Kyo-ko-san steht!?“
Kanae drehte sich wieder zu Chiori um, konnte sich ein grinsen nicht ganz verkneifen, bei dem Gedan-ken, sie würde dies wirklich tun. „Lustig wäre es auf alle Fälle.“ Anschließend schaufelte sie eine große Kelle von den warmen Nudeln auf ihren Teller.
„Ja, für alle anderen.“ Chiori trottete dabei Kanae weiter hinter her und nahm sich eher zufällig etwas auf ihren Teller. Das Thema fand ein abruptes Ende als plötzlich Maria wieder hinten den beiden Mäd-chen auftauchte.
„Meine große Schwester war doch eben noch hier bei euch. Wo ist sie denn? Ich habe doch gesagt, dass ich gleich wieder da bin.“
„Sie ist kurz auf unser Zimmer gegangen.“
„Warum das denn?“
„Gute Frage.“

Kyoko schlich deprimiert den Flur des viel zu pompösen Hotels entlang. Hatte sie wirklich keine Chan-ce bei ihm? Natürlich hatte sie keine! Wieso machte sie sich nur schon wieder darüber Gedanken? Sie wusste dies doch schon von Anfang an. Aber wenn es ihr klar war, wieso tat es dann immer noch so weh ihn mit anderen Frauen vergnügt zu sehen? Sollte sie nicht auch glücklich sein, wenn er es ist? Soll-te sie! Nur wen interessierte das schon in so einer Situation? Es tat nun mal trotzdem verdammt weh, ihn mit anderen Frauen zu sehen. Wie konnten die nur einfach mit ihm so natürlich reden, als sei es das normalste der Welt? Sie wollte das auch! So ein Mist! Wieso konnte man diese dämlichen Gefühle denn nicht einfach abschalten? Bringen einen sowieso nur Durcheinander!
Der Flur schien für sie kein Ende nehmen zu wollen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte sie end-lich das Zimmer welches sie mit ihrer Freundin Kanae diesen Abend teilte. Sie schloss die Tür auf und trat ein. Mit letzter Kraft konnte sie sich in das nah gelegene Bett fallen lassen und vergrub ihr Kopf im Kopfkissen. Im Zimmer war fast alles dunkel. Für 2 Personen war das Zimmer bereits ziemlich geräu-mig. Es hatte 2 Einzelbetten, es gab sogar einen großen runden Tisch, der Platz für 4 Personen bot. Außerdem hing an der Wand ein mittelgroßer Flachbildfernseher. Zudem wurden bereits die Taschen der beiden Mädchen auf das Zimmer gebracht. Aber all dies interessierte Kyoko gerade kein bisschen.

Bei Ren hatte sich, kaum war er mit dem Essen fertig, zu seinem Leidwesen, bereits wiederholt eine Traube von Frauen angesammelt. Einige der Damen, kamen mit zwei Gläser des edlen Sekts, den es überall als Ausschank gab um ihn gemeinsam mit Ren zu trinken. Dieser hatte jedoch bereits das ein oder andere Glas hinter sich. Er musste, zur Enttäuschung dieser Frauen, einige ablehnen. Ansonsten bliebe er nicht lange bei klarem Verstand. Wobei er manchmal nicht ganz sicher war, ob es diese Frauen nicht genau darauf abgesehen hatten.
Um sich aber diesmal loszureißen, bräuchte er allerdings eine bessere Ausrede, immerhin standen wie-der ein paar der Damen von der vorherigen Belagerung da. Besonders die aufsässigen Exemplare, de-nen man im Gesicht ablesen konnte, wie nötig sie es hatten. Eigentlich hatte Ren gehofft, er sei sie vorhin losgeworden, aber so schnell konnte man sich irren. Er redete also noch eine Weile mit den Frauen weiter über irgendwelche unwichtigen Dinge. Ren sah noch keine Chance sich von ihnen zu entfernen, ohne dabei den Unhöflichen zu mimen. Nach einer kurzen Zeit fiel ihm die passende Aus-rede ein, er muss doch noch eine Rede nachher halten und sich darauf vorbereiten. Was wiederum die Damen stark beeindruckte. Er wusste zwar nicht genau warum, aber sie akzeptierten alle diese Lüge!

Ren stellte sich rasch wieder zu seinem Manager an den Tisch, sprach allerdings etwas leiser um sicher zu gehen, dass auch nur er ihn hörte. „Oh Mann, kommt mir das nur so vor oder waren jetzt schon eine ganze Menge mehr Frauen bei mir als sonst zu solchen Veranstaltungen?“
Yashiro nippte gerade an seinem Sektglas, unterbrach dies allerdings für seine Antwort. „Tja mein Lie-ber, dann mach dich halt mal mehr an Kyoko-chan ran!“
Ren ärgerte sich schon jetzt, dass er diese rhetorische Frage gestellt hatte. Nur wie kam Yashiro denn jetzt schon wieder auf Kyoko zu sprechen? Sein Manager war scheinbar schon etwas mehr angetrun-ken als er selbst. Yashiro vertrug einfach kein Alkohol.
„Was hat sie denn jetzt damit zu tun?“
„Dir ist bewusst, dass du als beliebtester Mann Japans noch als Single rumrennst? So etwas fordert Frauen ja fast ein bisschen heraus, dich ins Bett zu bekommen. Der jüngste bist du ja immerhin auch nicht mehr!“
„Ich bin 21!“
„Ja, sag ich doch. Ist das perfekte Alter für Frauen um dich ins Bett zu bekommen! Der Welpenschutz zählt da nicht mehr.“
Ren seufzte verstimmt, das Thema nahm keine gute Wendung an. Er musste sich trotzdem eingeste-hen, dass sein Manager ein Stück weit Recht hatte. Mit Kyoko wollte er heute wenigstens noch reden. Doch dann fiel ihm wieder ein, dass sie mit einem anderen Kerl vorhin gekommen war. Er schaute sich um, vielleicht war sie gerade mal alleine und er konnte die Gelegenheit nutzen. Er fand sie jedoch nicht im Saal.
„Hm, ich sehe nicht mal Kyoko, wie soll ich da mit ihr etwas machen?“ Nicht das er heute ernsthaft vorhatte, die Beziehung zu ihr, in welche Richtung auch immer, voran zu treiben. Er wollte nur das Thema wechseln.
„Stimmt, jetzt wo du es sagst. Hab‘ sie auch schon ein Weilchen nicht mehr gesehen.“
„Naja egal.“ Wie ein Idiot wollte er ihr auch nicht hinterherschnüffeln. Interessiert hätte es ihn hingegen schon, woher die beiden sich kannten. Davon ab, war er gerade viel zu gereizt. Aber dass Kyoko sich schon wieder von einem Typen anmachen lässt, hatte ihn einfach ziemlich wütend gemacht. Vielleicht war es aber deswegen auch besser so, dass er ihr aus dem Weg ging. Er log daher etwas frustriert sei-nen Manager an. „Ich werde mal in mein Zimmer gehen, mich kurz hinlegen, mir geht es irgendwie nicht so gut. Hab‘ wohl bereits zu tief ins Glas geschaut.“
„Du musst aber nachher noch die Moderation halten, wenn du dich jetzt hinlegst, schaffst du das nicht rechtzeitig. Außer dir reicht ungefähr eine Stunde dafür.“
Mist! Wieso musste sein Manager auch immer alles im Überblick haben? Eigentlich ging es ihm ja überhaupt nicht so schlecht. Aber der junge Schauspieler brauchte einfach mal eine kurze Pause von dem ganzen Trubel. Er musste sich eine bessere Ausrede einfallen lassen. „Hm stimmt, Mist, dann gehe ich eben nur duschen und werf‘ mir eine Tablette ein.“
„Ja ist ok.“
Yashiro fühlte sich irgendwie etwas schuldig, obwohl er nichts dafürkonnte. Schließlich hatte der Boss ihn darum gebeten, nicht er. Aber Ren war in letzter Zeit sowieso nicht besonders gut gelaunt ihm ge-genüber. Seine ganze schlechte Laune ließ er scheinbar an ihm aus. Aber das war immer noch besser als in einem Interview oder Ähnliches sein gutes Image zu zerstören. Jedenfalls redete sich Yashiro das Ganze auf diese Weise schön. Nur war es wegen Kyoko-chan?

Derweil traf von Kanae eine Nachricht an Kyoko ein. Als Ihr Handy piepste, kehrte sie wieder langsam zur Realität zurück. Stimmt, es war ja immer noch eine Feier. Ihre Freundin wollte wissen, wo sie denn bleibt und wie es ihr geht, es war immerhin bereits ungefähr eine halbe Stunde, seit ihrem Verschwin-den her. Viel zu lange für so eine Feier.
Kyoko sollte hier nicht so alleine traurig rumhängen. Zum Ausheulen hatte sie genug Zeit, aber nicht hier und jetzt! Sie antwortet ihrer Freundin, dass sie sich keine Sorgen machen muss und auf den Weg war. Sie stand immer noch etwas geistesabwesend auf und lief ins Badezimmer. Als sie sich im Spiegel betrachtet, sah sie eine deprimierte zierliche Frau, welche, wenn man genau hinsah, immer noch ein leicht verheultes Gesicht machte. Sie zwang sich zum Lächeln und schon sah es in Kyokos Augen nicht mehr so furchtbar verheult aus.

Ren trat in den Fahrstuhl ein und wählte den 7. Stock aus, das Stockwerk für die Stargäste von Lorys Feierlichkeit. Seufzend lehnte er seinen Kopf an die linke Wand des Lifts als dieser begann sich in Be-wegung zu setzen und ihn somit wenigstens ein paar Sekunden auf andere Gedanken zu bringen.
Wenn das so weitergeht, wird der Abend eine Katastrophe. Ich hatte bis jetzt nicht mal Gelegenheit mit Kyoko zu reden. Ein Grund fällt mir auch gerade nicht ein, warum ich auf sie zugehen sollte.
Der Fahrstuhl hielt bereits im 2. Stockwerk an und öffnete sich. Plötzlich standen sich Ren und Kyoko gegenüber. Beide schauten sich etwas verwundert an. Keiner hatte damit gerechnet, den anderen hier alleine anzutreffen.
Von allen Menschen, welche sich in diesem Fahrstuhl befinden konnten, warum ausgerechnet er? Ir-gendwie hatte sie der Mut verlassen ihn näher bei sich zu haben, als ihr das Bild von der Frauentraube in den Sinn kam. Zu allem Überfluss fing ihr Herz wieder wild zu pochen an. Aber es war ja nur eine Fahrstuhlfahrt, was konnte schon passieren? Hier zu stehen und auf den nächsten leeren Aufzug war-ten war total unnatürlich und dämlich. Also was blieb ihr schon anderes übrig? Daher nahm sie all ih-ren Mut zusammen und fragte ihn: „Guten Abend Tsuruga-san. Äh, kann ich mit in den Fahrstuhl?“
Der junge Mann lächelte die etwas verwirrte Kyoko an. Er wollte irgendwie die Stimmung auflockern. Denn auch er hat nicht mit ihr gerechnet und musste zusehen, dass er seinen Puls wieder auf ein nor-males Maß bekam. „Natürlich kannst du das, ich habe den Fahrstuhl ja nicht für mich gemietet.“
Nach Eintreten des Mädchens trat der Lift seine Reise weiter nach oben an. Die Stille kroch in dem kleinen Raum weiter in alle Richtungen vorbei und breitete sich mit schnellen Sekunden aus. Denn kei-ner der beiden wusste, was er sagen sollte. Umso wichtiger war es, dieser hinterhältigen Stille den Gar-aus zu machen. Also einfach drauflosreden, das konnte er wenigstens halbwegs. „Du musst noch eine Etage drücken, das hast du vergessen, aber vielleicht solltest du gerade nicht nach unten zurückgehen.“
Was wieso? Nun total aufgeregt musste sie wissen was los war. „Eh, wieso? Ist etwa etwas passiert?“
„Nein, aber unten sind einige Reporter. Wenn die sehen, dass du rote Augen hast, entstehen Gerüchte ohne Ende. Vielleicht beachten sie dich aber auch nicht, weil du noch ein Newcomer bist.“
Oh verdammt! Kyoko war so peinlich berührt, dass sie sich von Ren unbewusst wegdrehte.
Mist, bin ich doch zu früh raus, warum musste ausgerechnet ER das noch sehen, dass ich ein paar Tränen in den Augen hatte?
„Mir ist vorhin etwas ins Auge gekommen“. Kyoko versuchte irgendwie zu lächeln und sich nichts anmerken zulassen. Auch wenn sie in die falsche Richtung lächelte. Aber sie war viel zu aufgeregt um zu bemerken, dass sie sich bereits unnatürlich weggedreht hatte.
*ding*  
Der Fahrstuhl hatte sein Ziel erreicht und die Tür ging auf.
Ren richtet seinen Körper wieder geradewegs auf, drückte sich weg von der Fahrstuhlwand und ging Richtung Ausgang.
„In beide Augen?“, er machte eine kurze Pause, während er sich zu Kyoko wieder umdrehte und am Fahrstuhlausgang stehen blieb.
„*seufz* Na ja, geht mich ja nichts an. Jedenfalls können Gerüchte sehr schnell unangenehm werden und um dem aus dem Weg zu gehen und auf Nummer sicher zu gehen, solltest du vielleicht noch ein paar Minuten dich von unten fernhalten. Wenn du willst, kannst du mit auf mein Zimmer kommen, hab' dort einen großen Fernseher im Zimmer. Du musst natürlich nicht, ist ja nur ein Vorschlag.“ Ren war sich auch gerade nicht so sicher, was er da von sich gab. ›Ich habe einen großen Fernseher.‹ Was ist das denn für eine bescheuerte Anmache?! Sind mir denn jetzt alle meine Synapsen fürs logische Denken abhandengekommen?
Nach seiner Frage richtet Kyoko ihre Aufmerksamkeit wieder in Richtung des großen Mannes.
„Journalisten? Ich habe gar keine bemerkt. Ich dachte, es sei eine private Veranstaltung.“
„Das ist richtig, die Journalisten sind auch ebenfalls rein privat hier. Einige sind mit dem Boss schon Jahre befreundet. Sie sind also nicht vorrangig wegen der Arbeit hier, allerdings würden sie sich sicher nicht eine gute Story entgehen lassen, sollten sie etwas zwischen die Finger bekommen.“
„Ah, ok.“ Doch es gab noch etwas, dass sie brennend interessierte. Warum zum Teufel war er nicht unten im Saal?
„Wollen Sie etwas aus Ihrem Zimmer holen?“
„Wie man es nimmt. Ich wollte nur eine kurze Pause machen und diese Zeit zum Duschen nutzen. Wird sicher ein langer Abend heute.“
Und so kam es, dass sich die beiden zusammen in Richtung Rens Zimmer machten.
Bis eben dachte ich noch, der Abend wird ein einziges Desaster, doch nun könnte es doch noch recht angenehm werden. Auch wenn ich wohl nicht viel von ihr habe. Allerdings hätte ich schon gerne gewusst warum Kyoko geweint hat. Es ist schon nicht leicht sie zum Weinen zu bringen. Es war doch nicht dieser Typ, der vorhin mit ihr kam? Wie hieß der noch gleich? „Mogami-san, woher kennst du eigentlich Ishibashi-san?“
„Ähh, wir sind uns ein paar Mal bei ein paar Dreharbeiten über den Weg gelaufen.“
„Ein paar Mal bei Dreharbeiten?“, bohrte er unverhohlen nach.
Mist, warum muss der auch immer so misstrauisch sein. Kann ihm ja jetzt schlecht sagen, dass ich da Boo spiele in der Sen-dung. Aber irgendwie geht die Diskussion wieder in die Richtung wie zu der Dark Moon Feier, ach Moment, er denkt doch nicht etwa … „Er hat mich nur eingeladen mit ihm zur Feier zu gehen, er hat mir nichts spendiert oder so. Das Kleid ist von LME und ich werde es auch wieder zurückbringen.“
„Das meinte ich nicht und bezweifle ich auch nicht, …“ Ren machte eine kurze Pause in seinem Satz, um sich selbst im Klaren zu werden, was er sagen wollte „… aber er scheint nicht der Grund für deine vorherigen Tränen zu sein.“, lächelte er in seinem typischen Business-Lächeln Kyoko an und versuchte so seine Eifersucht Hikaru gegenüber vor ihr zu verbergen. Aufgeregt schüttelte das zierliche Mädchen ihren Kopf und Hände dazu „Nein, nein, er hatte damit nichts zu tun. Nicht er.“
Das klang für Ren seltsam. Er musste einfach nachhaken. „Das klingt so als wäre es ein anderer Mann gewesen?“
Verdammt! Sie hatte mal wieder zu viel gesagt. Nun fühlte sie sich ertappt und wusste nicht so recht was sie antworten sollte. Sie konnte ihm ja schlecht sagen, dass er der Grund war.
Äh, was wird das jetzt eigentlich? Bin ich bei einem Verhör gelandet? Und warum hat er schon wieder so schlechte Laune? Ich hab‘ doch gar nichts gemacht!
„Na ja…“ Ren unterbrach sie, „Sorry, geht mich ja immer noch nichts an, hab wohl schon zu viel Al-kohol getrunken, verzeih‘.“
Jetzt bin ich genauso schlau wie vorher, nein, nicht ganz, ich weiß, dass es demnach ein anderer Mann war, sonst hätte sie mich sofort berichtigt. Sie hat aber überlegt und wollte mir nicht antworten. Mist! Wenn ich den Typ in die Finger bekomm', der sie zum Weinen gebracht hat!
Vielleicht war es wieder dieser Fuwa? Das würde auch erklären, warum sie es mir nicht erzählen wollte. Ja wahrscheinlich, dass muss es sein! Der hat sie bestimmt wieder angerufen und ihr irgendein Mist erzählt!

Den Rest des Weges schwiegen die beiden sich an, bis sie vor Rens Hotelzimmer ankamen. Er schloss die Tür mit seiner Zugangskarte auf und beide traten in das Zimmer herein.
Der junge Mann tastete die Wand ab, er suchte den verdammten Lichtschalter. Wenig später erhellte sich der große und protzige Raum. Kyoko konnte es kaum fassen, was es für geräumige Zimmer in so einem Hotel gab. Für ein 5-Sterne Hotel war so ein großes Apartment natürlich nichts Weltbewegendes. Aber sie fühlte sich fast wie im Märchen und dies war ein Zimmer eines wundervollen Schlosses. Es hinterließ einen edlen Eindruck, ein riesiges Bett, fast so groß wie sein eigenes und das, obwohl er ja alleine war.
„Na dann gehe ich mal duschen. Kannst es dir hier ruhig bequem machen.“
Kyoko wollte es sich gerade auf dem Sofa bequem machen, doch dann fiel ihr wieder die Diskussion im Fahrstuhl ein. Das konnte sie so einfach nicht stehen lassen! Er interpretierte da bestimmt wieder mehr rein, als nötig war.
„Eh, Tsuruga-san? Ich wollte nur noch sagen, dass Ishibashi-san sehr nett ist. Er wollte mir nichts tun. Da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.“
Ren wollte allerdings über einen anderen Mann so nette Worte von ihr nun überhaupt nicht hören. Es stimmte ihn fast ein bisschen wütend, dass sie so über ihn sprach. Nein, eigentlich war es mehr Eifer-sucht. Verdammt, wie er das Gefühl hasste! Aber zum Glück verspürte er es nicht oft. Trotzdem unter-drückte er seine Eifersucht so gut es ihm möglich war.
„Tzz, glaube mir, alle Männer wollen nur das eine, da macht Ishibashi-san keine Ausnahme.“
„Nein, nein. Sie irren sich bestimmt. Außerdem sind sie ja auch sehr nett und denken nicht nur an das eine, hehehe.“ Sie musste einfach loskichern um ihre Verlegenheit zu umschiffen. Ren blieb vor dem Bad stehen, drehte sich anschließend zur ihr um und musterte sie genau, fast so wie ein Löwe der kurz davor war über seine Beute herzufallen, „Hm, bist du dir da sicher?“
Kyoko fand, dass sich ihr Senpai ziemlich seltsam verhielt, aber wann verstand sie diesen Mann schon mal? Außerdem war sich das zierliche Mädchen gerade selbst nicht mehr sicher, was sie glauben sollte. Warum hab‘ ich dumme Nuss denn jetzt wieder das Thema angeschnitten? Vor allem was ist denn nur heute mit ihm los? Hätte ich das gewusst, wäre ich lieber in meinem Zimmer geblieben.
„Äähhh, jaaa?“, mehr als eine rhetorische Frage zu verstehen, denn seine Antwort auf diese Frage woll-te sie im Grunde genommen auch gar nicht so genau wissen. Allerdings war ihr klar, dass sie etwas sagen musste, um das zu beenden! Mist, wieso konnte sie es auch nicht einfach so belassen?
Er kam ihr einige Schritte näher und unterbrach sie damit in ihrem Gedankengang: „Ich kann dich gerne vom Gegenteil überzeugen.“
WAS sagt er denn da nur? Sie trat unwillkürlich einige Schritte zurück und zu allem Überfluss fing ihr Herz nun stark an zu pochen. „Eh, nein danke.“ Ren machte einige weitere Schritte in ihre Richtung. Kyoko sag was! Sag was! Irgendwas! Dies war das Einzige, was ihr in den Sinn kam.
„Eh, außerdem bin ich davon überzeugt, dass weder Sie noch Ishibashi-san mir etwas antun würden. Er hat mir immer sehr geholfen …“
Die Worte von Kyoko machten Ren nur noch eifersüchtiger als er ohnehin schon war, hör auf von ande-ren Kerlen so zu reden, ich will das nicht hören! Ren kam Kyoko immer näher, weswegen sie unwillkürlich im-mer weiter nach hinten versuchte auszuweichen.
„… Sie natürlich auch und er ist wirklich ein guter Mensch.“
Ich will es nicht hören!
„Und ähm …“. Kyoko kam zum Stehen. Sie konnte die Wand des Zimmers hinter sich am Rücken spüren. Ihr Ausweichmanöver endete damit nun für sie, denn zu ihrem Leidwesen konnte sie noch nicht durch Wände hindurch und einfach so verschwinden. Diese Fähigkeit vermisste sie augenblicklich sehr stark. Einfach im Boden zu versinken wäre jetzt auch eine sehr willkommene Option! Oder viel-leicht könnte sie mal ganz spontan unsichtbar werden? Verdammt! Nichts davon geschah. Davon ab-gesehen waren ihre Beine hingegen gerade weich wie Pudding. Viel von diesen Fähigkeiten hätte sie jetzt wahrscheinlich sowieso nicht.
Wieso musste ihr immer so etwas Derartiges in Hotelzimmern passieren? Hotelzimmer schienen ihr nicht wohl gesonnen zu sein.
Ren kam ihr nun immer näher, er war kaum noch einen Schritt von ihr entfernt. Seine Aura verströmte etwas Geheimnisvolles, etwas Magisches und etwas anziehendes Männliches.
„Er ist außerdem …“, Kyokos Sätze wurde immer leiser und abgehackter, „… se~hr hilfs.be.reit …“.
Sie sollte wegschauen, doch irgendetwas an ihm hinderte sie daran. Denn genau genommen wollte sie es auch nicht, ihr Herz hatte die Kontrolle über ihren Körper übernommen. Dabei trafen sich Rens und Kyokos Augenpaare, weswegen sie sich komplett in seinen Augen verlor. Das Glitzern in seinen Augen ließ Kyoko noch mehr Hitze in sich aufsteigen. Jedes Mal, wenn sie ihn so ansah, verliebte sie sich nur noch mehr in ihn. Verdammt! Er soll das Lassen so zu schauen! Ihr Herz pochte immer noch wild und laut, sogar so laut, dass Kyoko sich sicher war, Ren müsste es inzwischen hören können.
Aber egal was auch war, sie konnte trotzdem den Blick nicht von ihm lassen. Dieser stechende Blick, mit dem er sie ansah und dem dominanten kaum wahrnehmbaren Lächeln auf seinen Lippen brachten ihre Sinne fast zum Schmelzen. Sie nahm nur noch diesen Mann wahr. Ihr Verstand gab ihr zu verste-hen, dass die Situation gerade alles andere als berauschend für sie war, doch ihr Körper gehorchte ihr einfach nicht mehr. Er schien wie gelähmt von der inneren aufsteigenden Hitze.

Ren hingegen ging es keinen Deut besser, denn auch er konnte seine umherkreisenden Gedanken und seinen eigenen Körper kaum noch kontrollieren.
Als er direkt vor ihr stand, griff er nach den zierlichen weiblichen Handgelenken und schob anschlie-ßend ihre Arme über ihren Körper, sodass sie nicht wegkonnte. Sie konnte sich gegen die starken männlichen Hände von Ren nicht wehren und gegen seine himmlische Anziehungskraft schon gar nicht. Selbst wenn sie es gewollt hätte. Setzte er etwa Magie ein? Oder warum sonst konnte sie sich nicht bewegen?
Während sie noch mit sich innerlich kämpfte, diesem Rätsel auf die Schliche zu kommen, kam Ren ihr immer näher, so nah, dass sie nun seinen Atem auf sich spüren konnte.
Scheiße sag doch endlich ein ›nein!‹. Oder schubs mich weg. Kleb‘ mir eine! Tue einfach irgendetwas! Irgendetwas, damit ich weiß, dass du es nicht willst! Und wenn schon das nicht, hör‘ doch wenigstens auf, mich mit diesen verführerischen Augen anzuschauen! Schau mich so verzweifelt und verwirrt an, wie du es sonst tust, wenn ich mich dir genährt habe. Verdammt! Warum tust du es jetzt nicht?
Ihre Lippen berührten sich, was eine Kernschmelze von Abläufen in Kyoko in Bewegung trat. Zusätz-lich ein süßes Kribbeln im Bauch, das war alles zu viel für sie! Nun war sie vollends unfähig sich zu bewegen.
Er muss damit aufhören! Sie muss sagen, dass sie das nicht wollte! Doch ihr Körper sagte etwas Ande-res. Sie wollte es! Verdammt! Sie konnte sich nicht wehren. Sie war sowieso schon so weich wie Butter in seinen Händen.
Der Kuss war zaghaft, zugegebenermaßen wusste Ren auch nicht so genau was er hier tat. Sein Ver-stand war nicht mehr bei ihm. Er spürte ihre weichen Lippen, viel weicher als er sie sich erträumt hatte. Als er erkannte, dass sie sich nicht wehrte, wurde er mutiger und küsste sie leidenschaftlicher. Dagegen schmolz Kyoko immer mehr vor innerer Hitze. Verdammt! War es vorhin auch schon so warm?
Sie nahm noch einen Hauch von Alkohol an ihm wahr, allerdings anders als sie annahm, denn es be-rauschte sie ebenfalls. Es war fast so als könnte sie den Sekt auch auf ihrer Zunge schmecken, obwohl sie doch noch nie etwas Alkoholisches getrunken hatte. Doch sie empfand es zu ihrer Überraschung nicht als störend. Es benebelte ihren Verstand immer mehr und gierte nach mehr. Mehr nach ihm! Was wollte sie da nur? Und was tat sie hier? Aber es war so ein verdammt gutes Gefühl! Sie wollte die-sen Mann! Sie brauchte diesen Mann, wie die Luft zum Atmen.
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