☾ Mikadzuki no kokoro

von Donoma
GeschichteDrama, Familie / P12
08.07.2017
15.03.2019
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An diesem Morgen brach InuYasha gleich vom Schloss aus zu seiner üblichen Patrouille auf. Kagome und Hotaru gingen also mit Kirara allein zurück ins Gründerdorf. Rin hatte sie zwar eingeladen, noch zum Frühstück zu bleiben, aber es war viel zu tun, auf den Kräuterfeldern und außerdem wollte Kagome ihre Mutter nicht schon am vierten Tag sich selbst überlassen. Noch war Reina fremd in dieser Welt, in der die Zeit stillzustehen schien.

Als sie aber das Dorf erreichten, war es ein einziger, riesengroßer Schock!

Alles war völlig zerstört!
Die meisten Hütten niedergerissen, die Bank zertrümmert, über den Feldern hing noch Rauch, wie feiner Nebel. Kirara piepste etwas beklommen. Selbst die erfahrene Nekomata wirkte bestürzt. Im ersten Augenblick war auch Kagome völlig erstarrt. Dann registrierte sie Hotarus schreckgeweitete Augen und legte ihrer Jüngsten die Hand auf die Schulter, um sie zu beruhigen, obwohl ihr selbst speiübel war, bei diesem Anblick. Doch anstatt daraufhin zu ihr zu blicken, streckte Hotaru die Hand aus, gen Kräuterfelder. Kagome folgte dem Blick ihrer Tochter – und schrie fast auf.

Reglos lagen dort zwei Gestalten.
Die eine, groß und bucklig, war leicht zu identifizieren, auch aus der Entfernung: Jinenji.
Die andere war kleiner, zierlicher und wirkte menschlich.

So schnell Kagome konnte, rannte sie hinüber, dicht gefolgt von ihrer Tochter.

Es war Kikyô, die dort lag.
Leblos.

Kagome brach neben ihrer Ältesten in die Knie. Sie spürte Tränen in den Augen brennen, wehrte sich aber entschieden dagegen. Das Einzige, was ihr jetzt irgendwie helfen konnte, war, einen kühlen Kopf zu bewahren. Rational denken, Kagome!, beschwor sie sich innerlich. Mit zwei Fingern tastete sie nach Kikyôs Puls.
Und atmete voller Erleichterung auf, als sie den feinen Rhythmus an den Fingerkuppen spürte. Ihre Tochter lebte noch!

Erst jetzt wagte sie, nach Verletzungen zu schauen, aber obgleich Kikyôs Kimono mitgenommen wirkte, war kein Blut auszumachen. Eine gute Nachricht, aber keine Erklärung für den leblosen Zustand, den schwachen Puls.

Trotzdem gelang es Kagome nun, sich etwas zu fangen.
Als sie aufblickte und gerade noch sah, wie Hotaru mit zitternden Fingern über Jinenjis entfernt pferdeähnliches Gesicht strich, seine Augen schloss, zuckte Kagome zwar zusammen, behielt aber diesmal die Contenance. Jinenjis Tod war schrecklich, aber leider nicht mehr zu ändern. Was sie noch für ihn tun konnten, war das Warum und Wieso zu ergründen, aber vorher waren noch andere Dinge wichtig.

Kagome erhob sich und trat zu Hotaru, um sie kurz tröstend an sich zu ziehen. Die scheinbar Zehnjährige schluchzte unterdrückt auf, hatte sich aber auch in der Gewalt. Augenscheinlich genug, dass Kagome schließlich fragte: „Kannst du zum Schloss zurücklaufen und Bescheid geben?“

Hotaru nickte leicht. „Und du, okaa-chan?“

Kagome straffte die Schultern und atmete tief durch. „Ich… werde nach Reina sehen…“
Deren Schicksal war noch völlig ungewiss. Aber wenn es schon Kikyô, die in dieser Welt aufgewachsen war, die jung war und immens hohe, spirituelle Kräfte besaß, so schwer getroffen hatte, dann sah es für eine alte Frau ohne magische Kräfte… nicht gut aus.


══ ☾══



Saika stockte, als sie zurück zum Schloss kam.

Es herrschte Totenstille auf dem Gelände, aber die ganze Atmosphäre flirrte förmlich. Reines Yôki, ungefiltert – die Kraft ihres Großvaters, wenn man so wollte.

Saika besaß genug Selbsteinschätzung, um zu wissen, selbst wenn ihr Fehlen aufgefallen wäre und eine Suchaktion ausgelöst hätte, würde hier nicht eine solche Stimmung herrschen.

Aber… was genau war dann passiert?
Was hatte Sesshômaru derartig aus seiner fast sprichwörtlichen Selbstbeherrschung gerissen?

Sie schluckte und betrat ein wenig zusammengeduckt das Gebäude.
Auf dem Gang des Familientraktes traf sie Shizuka an. „Shizuka! Was ist hier passiert?“

Die Dreivierteldämonin fuhr herum, erkannte sie und legte sofort einen Finger an den Mund. Sie fasste Saika am Kimonoärmel, zog kurz die Augenbrauen hoch, als sie die Feuchtigkeit spürte, die noch im Stoff hing – das ließ sich kaum vermeiden, wenn man im Bach Wäsche wusch – und zog Saika dann hinter sich her. „Wo auch immer du jetzt herkommst, sei bloß still! Komm, ich muss zurück zu Yayoi-hime“

Saika folgte ihrer Freundin also widerspruchslos in das Gemach der jungen Prinzessin. Dort konnten sie immer noch reden.
Was war hier nur los?


══ ☾══



Vorsichtig drückte Kagome einen feuchten Lappen auf Kikyôs Stirn und beobachtete angespannt, ob ihre Tochter irgendwelche Reaktionen zeigte.
Immerhin, ein leichtes Erzittern, als Antwort auf den Kältereiz.

Eine andere Hand strich leicht über Kikyôs Wange. „Was war das bloß, heute Nacht, Kikyô?“

Kagome blickte zu ihrer Mutter auf, zu der die streichelnde Hand gehörte.
Sie war tief erleichtert gewesen, Reina zwar völlig geschockt, aber unverletzt vorzufinden. Als der Überfall über das Dorf hereinbrach, hatte Reina es irgendwie geschafft, sich im Bettkasten, unter der Matratze zu verstecken und war, als Mensch völlig ohne spirituelle Kräfte, offenbar schlicht übersehen worden. Zum Glück!

Kagome hatte dann nicht lange gezögert, mit Kiraras Hilfe Kikyô vom Feld in die insgesamt am wenigsten beschädigte Hütte, nämlich die von Reina, zu bringen, ehe sie Kirara mit einer Liste von Kräutern zum Taijiya-Dorf geschickt hatte.
Die Felder und ein Gutteil ihrer Vorräte waren ja zerstört, aber Kagome wusste, dass zumindest die gängigsten Kräuter zur Blutstillung, zur Kräftigung, gegen Fieber und Schmerzen, auch von den Taijiya selbst angebaut wurden.
„Ich weiß es nicht, okaa-chan, ich weiß es wirklich nicht. Sowas ist, so nah am Schloss, seit vielen, vielen Jahren nicht mehr passiert!“
Die Welt unter dem Bannkreis war, abgesehen von gelegentlichen Konfrontationen mit Oni oder Banditen, ziemlich befriedet, dafür sorgten der Fürstenrat und solch klug denkende Herrscher wie Kitsune-Fürst Gin oder eben auch Sesshômaru.

Da kehrte Kirara in das zerstörte Dorf zurück.
Aber sie war nicht allein.
Mit ihr war eine weitere Nekomata gekommen, Kiraras Tochter Chouko. Und auf deren Rücken saß die derzeitige Aijin der Taijiya, jene Takara, deren erstem Kind Rin vor ein paar Jahren das Leben gerettet hatte. Wie alle Taijiya war sie sehnig und durchtrainiert, wenn man genau hinsah, erkannte man auch, dass Takara in direkter Linie von Sango abstammte. Eine gewisse Ähnlichkeit in den Gesichtszügen… obwohl Takara schwarze Haare hatte, nicht dunkelbraune, wie Sango einst.
Ein dunkler Kimono mit hell- und dunkelroten Blüten darauf, hüllte ihre Gestalt ein, was nicht bedeutete, dass sie nicht kampfbereit war. Im über den Obi geschlungenen Hüfttuch steckte das typische Wakizashi, das alle Taijiya besaßen.
Aber sie war zum Helfen hier, trug einen Lederbeutel in den Händen, der sicher die erbetenen Kräuter enthielt.

Erleichtert nahm Kagome den Beutel entgegen. „Danke, Aijin“, meinte sie und knotete das Bündel auf, um die getrockeneten Pflanzen sortieren zu können. Die Routine ließ sie das beinahe automatisch erledigen.
Deswegen unterbrach sie auch zuerst nicht, als Takara sich nicht weit von ihr hinkniete, einen Blick auf Kikyôs noch reglose Gestalt warf und dann meinte: „Ein Wunder, dass Eure Tochter am Leben ist, Kagome-san. Es war ein brutaler Überfall.“

„Ihr habt es mitgekriegt?“, fragte Kagome, nun doch aufblickend, nach.
Warum hatten die Taijiya dann nicht eingegriffen?
Vielleicht wäre Kikyô dann nicht so schwer verletzt. Vielleicht könnte Jinenji dann noch leben.

„Es waren keine Oni“, zerstreuten Takaras weitere Worte sowohl Kagomes Entrüstung, wie auch ihre Hoffnung. „Es waren Yôkai, starke zum Teil. Gegen die hätten wir keine Chance gehabt“

Gut, das sah Kagome unumwunden ein.
Die Worte der Taijiya-Anführerin entsetzten sie aber aus einem anderen Grund: Gestern, in der Hochzeitsnacht, hatte komplette Waffenruhe geherrscht. Nach dem Gesetz des Fürstenrates, hätten sogar erklärte Fehden ruhen müssen. Stattdessen war das Gründerdorf dem Erdboden gleichgemacht worden, es hatte einen Toten gegeben, eine Schwerverletzte. Das war… das war Hochverrat!



Genau aus diesem Grund war auch Sesshômaru auf 180. Deswegen bewegte sich ein jeder im Inu-Schloss momentan so vorsichtig wie möglich. Der Inu no Taishô war in wahrhaft mörderischer Stimmung.
Nicht weil ein Hanyô getötet, ein paar Hütten zerstört waren. Ja selbst, dass mit Kikyô eine Verwandte in Mitleidenschaft gezogen war, hätte ihn nicht derart aus der Ruhe gebracht.
Aber der Bruch des Waffenfriedens… da kochte es.
Ehre ging Sesshômaru bekanntlich weit über alles.


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Tián, der samt dem chinesischen Besuch, der sich das traditionelle Fest gestern natürlich auch nicht hatte entgehen lassen, die Nacht am Schloss verbracht hatte, hatte sich nun auch möglichst zurückgezogen. Den Schlosshof durfte niemand verlassen, auch niemand von den noch anwesenden Gästen, aber im hinteren Bereich, am Trainingsplatz der Inu-Akademie, herrschte einigermaßen Ruhe.

Hayato und seine Verlobte waren ihm nicht von der Seite gewichen. „Puh, was für ein Druck!“ Lien hatte die Hand an den hochgeschlossenen Kragen ihres Gewandes gelegt. „Ich mein‘, ich bin ja selbst nicht gerade ein Schwächling, aber das…“

„Beeindruckend, nicht wahr?“, erwiderte Tián sarkastisch.

„Vor allem, wenn man ihn gestern Abend als beherrschten, alles überschauenden Fürsten kennengelernt hat. Da war nicht ein Fünkchen Yôki bei ihm zu spüren“, bemerkte Hayato.

„Glaube mir, es ist auch ein Alarmzeichen, wenn er es zeigt. Und so habe ich ihn in über fünfhundert Jahren noch nie erlebt!“, stellte Tián fest, schüttelte dann etwas den Kopf. „Dass Euer Besuch hier von einem solchen Aufruhr begleitet sein muss…“

Da klopfte Hayato ihm auf die Schulter. „Da mach dir mal keine Sorgen, Biaomei! Das ist doch grad die richtige Würze“

Lien schüttelte mit einem angedeuteten Lachen den Kopf. „Du bist unverbesserlich, mein Lieber“

„Dafür liebst du mich doch, oder?“, gab Hayato halbernst zurück.

Tián beobachtete den kleinen Schlagabtausch mit einem Lächeln, in dem ein Funken Wehmut lag. Solch liebevolle Wortgefechte hatte es in der viel zu kurzen Zeit, die Shiori und ihm vergönnt gewesen war, auch nicht selten gegeben.
Dann aber schloss er kurz die Augen. Was auch immer hier gerade im Schloss gewaltig schief ging; fest stand, dass ihn der Besuch seines Cousins mit Freude erfüllt hatte und dass er glücklich war, Hayato so gelöst zu erleben, mit seiner Verlobten. Lien war auch ein sympatisches Wesen.
Und es sollte auch nicht unter den Tisch fallen, dass sich in den letzten Tagen noch mehr Positives ereignet hatte. Dass Shizuka nun, jedenfalls übergangsweise, als Zofe von InuKins Gefährtin diente, war eine große Ehre. Du wärst stolz auf deine Tochter, Shiori!


══ ☾══



Shizuka, die sich dieser Ehre durchaus bewusst war, hielt sich auch pflichtgemäß bei Yayoi auf. Seit InuKin heute Morgen das Gemach verlassen hatte, um es genau zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt war noch alles friedlich gewesen. Erst Hotarus Rückkehr und ihre Nachricht hatte die Stimmung so explosiv werden lassen.
Shizuka verstand das sehr gut.
Vor allem… bis vor wenigen Tagen hatte sie selbst hauptsächlich im Gründerdorf gelebt, in einer der Hütten dort war sie geboren worden. Jinenji, dessen Fähigkeiten sie hoch geschätzt hatte, war ein guter Freund ihrer Mutter und für Shizuka fast eine Art großer Bruder gewesen. Auch wenn seine so scheue Art sie manchmal über ihn hatte schmunzeln lassen. Jetzt trauerte sie um ihn. Dass Jinenji tot war, hatte beinahe genauso schnell die Runde gemacht, wie die Nachricht vom Überfall an sich.

Seit dem herrschte Ausnahmezustand. Alle Gäste wurden auf dem Schlosshof festgehalten, säuberlich getrennt und wohl bewacht. Arata und die Akademielehrer verstärkten die Wachen, auch Kôhei war draußen.

Seit Shizuka Saika mit in Yayois Gemach genommen hatte, redeten die beiden miteinander, was Shizuka aber nicht davon abhielt, sofort aufmerksam zu sein, als Yayoi sich zu Wort meldete. Die junge Hime, die an diesem Morgen noch nur in einen, wenn auch feinen, hellroten Yukata gekleidet war, stand am Fenster und blickte auf die unfreiwillig Versammelten hinunter. „Ich sehe sämtliche Fürstenfamilien… außer den Néko, die waren ja gar nicht da. Und die Kitsune… Fürst Gin und seine Gemahlin sind dort nirgendwo, oder?“

Shizuka erhob sich und kam, dicht gefolgt von Saika, ebenfalls zum Fenster. Die Hanyô war es schließlich, die den Kopf schüttelte. „Stimmt, kein Kitsune weit und breit. Wo sind die denn?“

„Hmm…“, machte Shizuka nachdenklich, „entweder sind die in der Nacht noch abgereist… oder ich könnte mir vorstellen, dass der Taishô bei ihnen eine Ausnahme gemacht und sie hat gehen lassen. Fürst Gin und seine Familie sind Freunde und Verbündete, wohl über den Verdacht erhaben.“

„Wieso denn das?“, erkundigte Yayoi sich interessiert. Sie hatte sich halb vom Fenster abgewendet, um Shizuka ansehen zu können.

„Ihr kennt die Geschichte ja nicht, Yayoi-hime… im Grunde sind schon Fürst Gin und der ehemalige Inu no Taishô, Sesshômaru-samas Vater Taro-sama, befreundet gewesen. Viel wichtiger in diesem Zusammenhang ist aber Shippô.“

„Ach ja!“, machte Saika. Den hatte auch sie beinahe vergessen. „Shippô war ein Waisenkind, ein junger Fuchsdämon, der seinerzeit… nun, man kann sagen, von Kagome und InuYasha aufgenommen worden ist. Einige Zeit bevor der Bannkreis existierte. Später ging er dann aber trotzdem auf die Kitsune-Akademie und freundete sich dort ausgerechnet mit Kyoko-hime, der jüngsten Fuchsprinzessin an. Am Ende wurde er förmlich von der Fürstenfamilie adoptiert. Er hat dafür gesorgt, dass selbst Fürst Gin eine enge Bekanntschaft zu Kagome und uns anderen aus dem Gründerdorf hegt. Nie würde er uns etwas antun!“

„Dieser Shippô ist ein Adoptivkind des Fuchsfürsten? Aber kein wohlgelittenes, oder? Sonst wüsste ich doch von ihm, mit den Adelshäusern hatte ich doch schließlich Kontakt.“

„Naja, es ist über zweihundertfünfzig Jahre her, dass Shippô das Fuchsschloss verlassen hat. Niemand weiß so genau, warum…“
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