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Mein OC & ich : »Beim nächsten Mal mach‘ ich ihn höflicher!«

von yeoubi
OneshotHumor, Freundschaft / P16 / Gen
07.07.2017
07.07.2017
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Mein OC und ich: ~Beim nächsten Mal mach‘ ich ihn höflicher!~


So, das hier ist ein kleiner Oneshot für zwischendurch, zu dem Projekt ‚Mein OC und ich‘.^^ Ich habe dafür Fee (also Orfeas) ausgewählt, da er momentan mein liebster OC ist! *-* (Meh… ich weiß, ich sollte keine Lieblinge haben… -.-) Orfeas stammt aus folgender Geschichte: Ongaku ~Verklingende Musik~, die ich zusammen mit meiner Freundin Nika-chan schreibe. :D Ich hoffe, dass dieser Oneshot allen (Vielleicht-)Lesern gefällt und den ein oder anderen Lacher erzielt. *-* Ich hatte jedenfalls sehr viel Spaß beim Schreiben dieser kleinen Begegnung, und wünsche mir, dass jeder andere das auch hat! ;D ~LG Levi^^

Es war gegen Abend und schon relativ dunkel, da saß ich noch immer auf der Parkbank, den Laptop auf den Knien. Seit geraumer Zeit saß ich jetzt schon vor einem leeren Textdokument und überlegte, wie ich am Besten anfangen sollte. Dummerweise hatte ich zwar viele Ideen, doch keinen Ansatz. Es sollte ein ‚Bonus Arc‘, also ein Extrakapitel, zu meinem OC Orfeas werden. Allerdings fiel es mir unglaublich schwer, irgendwie in die Gedanken seines etwas jüngeren Ichs einzutauchen, und deshalb saß ich auch schon seit dem Spätnachmittag hier. Na ja… Wie ich oft sagte, die Schnellste würde ich nie sein. Ich stieß ein lautes Seufzen aus, dann klappte ich den Bildschirm schließlich zu, um endlich aufzustehen und mir etwas die Beine zu vertreten, bevor ich nach Hause ging. Wenn ich schon mal alleine im Park war, musste ich die Chance nutzen, herumzulaufen ohne angerempelt zu werden. Schließlich kam zu meiner Langsamkeit noch die nervige Angewohnheit, ständig in andere Menschen hineinzulaufen, dazu, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, Löcher in die Luft zu starren oder Plotbunnys hinterherzujagen, die in meinen Gedanken herumwuselten. Schon wieder achtete ich kaum auf meine Umgebung, stattdessen wandelte ich leicht zombieähnlich den Kiesweg entlang, den Laptop unterm Arm. Zum Glück war ich allein… Sonst hätte mich bestimmt schon irgendein Fremder gefragt, ob es mir gut ginge. Wahrscheinlich hätte derjenige die Frage zudem noch dreimal wiederholen müssen, ehe ich sie verstand. Zuhören war auch nicht meine Stärke… Doch dafür war ich immerhin Levi, und niemand konnte mich davon abhalten, über meine Geschichten die Gefühle zu verbreiten, die ich vermitteln wollte! Eine Autorin, wie ich es war, würde niemals verstummen, solange es Papier, Stifte oder Schreibprogramme gab! Nichts würde mich aufhalten, wenn ich -

*RUMMS*


„Au!“ Mein Ausruf war meiner Meinung nach vollkommen berechtigt, schließlich war ich gerade in etwas hineingelaufen, das so gar nicht weich oder federnd gewesen war, und dann auf den Hintern gefallen. Warum waren Kieselsteine nochmal so verdammt unbequem…? Während ich also mit zusammengekniffenen Augen auf meinem schmerzenden Hinterteil saß und das „Au!“ gleich noch fünfmal wiederholte, begann über mir plötzlich jemand zu reden: „Verdammt. Kannst du nicht aufpassen, wo du hinrennst, Menschenweib? Hier war bei weitem genug Platz, sodass du mich nicht fast hättest umrennen brauchen, Baka!“ Ähm… ‚Menschenweib‘? Schon als ich die Augen öffnete, hatte ich eine leise Ahnung, wer da über mir stand und mich anmaulte. Als ich dann gegen das schwache Licht der nächsten Straßenlaterne zwei spitze Ohren aus seinen Haaren hervorlugen sah, wurde mir schlagartig klar, wem ich hier begegnet war, jemandem, der ‚Baka‘ oder ‚Menschenweib‘ zu mir sagte. „Nicht im Ernst...“, murmelte ich leise und schüttelte den Kopf. Wie konnte er…? Ohne nochmal genau darüber nachzudenken, war ich aufgestanden, so schnell und unvorhersehbar, dass er mir nicht ausweichen konnte, nur um mich auf die Zehenspitzen zu stellen und meine rechte Hand nach seinen Ohren auszustrecken. Und tatsächlich… Es waren echte Fuchsohren, und sie waren flauschig, genauso, wie ich es mir ausgedacht hatte. Auf meinen Lippen erschien ein sehr breites Grinsen, das nicht schwand, auch als er meine Hand energisch wegschlug. Mein Gegenüber, ein, wie ich nun sicher wusste, Fuchsgeist, wollte irgendetwas sagen, doch ich schnitt ihm das Wort ab, ehe er überhaupt etwas sagen konnte. „Hallo, Fee!“ Ich legte soviel Fröhlichkeit in diese Begrüßung, wie nur möglich. Im ersten Moment schien er ziemlich überrascht, dass ich seinen Namen wusste, im nächsten verzog er das Gesicht auch schon wieder, und zwar in dieser genervt wütenden Art, die ich nur zu gut von ihm kannte. Schließlich war sein Name nicht ‚Fee‘, sondern ‚Orfeas‘, dennoch benutzte ich häufiger seinen Spitznamen. „Dieses Weibsbild“, sagte er leise und mehr zu sich selbst, dann meinte er lauter an mich gewandt: „Da du mich ja anscheinend schon kennst, kann ich mir die Vorstellung auch sparen. Allerdings hätte ich eine Frage… Wo zur Hölle bin ich hier…?“ Er war es wirklich… Das ‚Weibsbild‘ ignorierte ich für den Moment gekonnt, normalerweise hätte ich ihn gehörig angeschnauzt, stattdessen antwortete ich ihm also, noch immer breit grinsend: „Ich werde dir sagen, wo wir sind… Gleich nachdem du dich bekannt gemacht hast!“ Unbedingt wollte ich die Aussage von ihm hören, die ich ihm damals zurechtgelegt hatte, beziehungsweise ‚in den Mund‘ gelegt hatte, als er Bekanntschaft mit den zwei anderen OCs gemacht hatte. Zwar schien er über alle Maßen verwirrt zu sein, warum er sich jetzt noch vorstellen sollte, aber mein erwartungsvoller Blick überzeugte ihn dann doch noch. „Der Name ist Orfeas, Feind der Musik und Politik des Königs Makoto Ongaku-Tenno und seines Beraters“, sagte er in leicht genervtem Tonfall. „Wunderbar! Bravo!“ Die überschwängliche Freude und der Applaus meinerseits ließen ihn tief seufzen, und das gleich zweimal. Ach ja… Er war sowas von mein Orfeas… „Es war nicht ganz identisch, aber du konntest schlecht dieselbe Wortwahl wie im zweiten Kapitel verwenden, schließlich ist mein Vater kein königlicher Berater, so wie Hibikos… Obwohl, das wäre eigentlich ziemlich cool…! Weißt du was? Ist auch egal, denn ich sollte dir sagen, wo wir sind! Also, lieber Fee, wir sind -“ „STOPP!“, rief er laut dazwischen. Sein Gesichtsausdruck war nicht nur genervt, sondern extrem genervt. Und dezent überfordert, aber das nahm ich nur am Rande wahr, denn sogleich folgten weitere Worte seinerseits: „Welches zweite Kapitel? Woher kennst du Hibiko-sama? Und es heißt ‚Orfeas‘! ‚OR-FE-AS‘!“ Ich zog eine Schmollmiene. Er hatten noch lange keinen Grund, mich anzuschreien, denn er war der, der plötzlich ohne Erklärung hier aufgetaucht war. „Geez… Bei Hibiko machst du nie einen Aufstand, wenn sie dich bei deinem Spitznamen ruft. Immerhin war das meine Erfindung…! Denn du, Or~fe~as~“, entgegnete ich beleidigt, machte allerdings eine kurze Pause, nachdem ich die Silben seines Names extra langgezogen hatte, um dann weiterzusprechen: „bist mein OC und einer der Hauptcharaktere in einer Geschichte, die ich mit Nika-chan schreibe. Und Hibiko ist neben dir mein zweiter OC, deshalb kenne ich sie besser als jeder andere.“ Daraufhin war Orfeas einige Minuten lang sprachlos. Währenddessen nahm ich mir die Zeit sein äußerliches Erscheinungsbild mithilfe meiner Handytaschenlampe genauer zu untersuchen. Braune, schulterlange Haare… Graublaue Augen… Fuchsohren und -schweif, letzterer allerdings unter der Kleidung verborgen… Dunkelgrüner Yukata… Samuraischwert mit hellblauer Klinge… Zweifelsfrei jedes Detail stimmte, so als hätte Gott einen Menschen aus meiner Vorstellung erschaffen. Nur war Gott in dem Fall doch eher ein braunhaariges Mädchen, das sich Autorin schimpfte und… ich war. Anscheinend wurde es dem Fuchsgeist so langsam zu unangenehm, dauerhaft angestarrt zu werden, zumal ich ihn gerade zum vierten Mal umrundete, weil ich nichts übersehen wollte. Immerhin wusste ich nicht, wann ich in der Zukunft wiedermal im Park in ihn hineinrennen würde. Außerdem war es mittlerweile stockdunkel, sodass mir Kleinigkeiten noch leichter entgingen. „Wie wäre es, wenn wir zu dem… magischen Licht da gehen, und… du mir ernsthaft erklärst, wo ich bin, wer ich bin und was du darstellen sollst.“ Erst war ich überrascht, dass er einen so netten Vorschlag machte, doch als er mich fragte, was ich darstellen sollte, fiel mein fröhlicher Gesichtsausdruck wieder.

1. Notiz an mich selbst:

Levi, bring deinen OCs beim nächsten Mal verdammt nochmal bessere Manieren bei, damit sie dich nicht ‚Baka‘, ‚Menschenweib‘ oder ‚Weibsbild‘ schimpfen, und fragen müssen, ‚was‘ du bist. -.-


„Ähm ja… gerne doch“, erwiderte ich, ohne auf meine gedanklichen Errungenschaften einzugehen. Diese Notizen würden mir bestimmt nochmal helfen… Wir begaben uns zu der Laterne, auch als ‚magisches Licht‘ bekannt. Im Hellen fiel mir das erste Mal auf, dass er einen Kratzer auf der Wange hatte. Er bemerkte meinen fragenden Blick und quittierte ihn mit einem Seufzen. „Blutbad im Wald.“ Ich brauchte einige Sekunden, um zu realisieren, wovon er sprach. Eigentlich war die Geschichte schon viel weiter fortgeschritten, als hochgeladen, deshalb musste ich einige Kapitel zurückdenken. „Ah… Aber ich habe gar nicht geschrieben, dass du verletzt wurdest. Laut meiner Erinnerung warst du nur voll mit Blut“, überlegte ich laut, bis er mich genervt unterbrach: „Du hast einiges zu erklären, also schlage ich vor, dass du anfängst.“ In Gedanken wiederholte ich die Notiz an mich selbst. Gott, war Orfeas aber auch unhöflich. „Wie gesagt, ich und eine Freundin haben uns deine Welt, also alles, vor allem das Reich ‚Teikoku ga Ongaku‘ und jeden Charakter dort ausgedacht, wobei die Protagonisten, die Hauptcharas, du, Hibiko, Ami und ein Typ, den du jetzt noch nicht kennen solltest, sind. Hibiko und du seid meine OCs, das heißt ich habe mir jedes Detail von euch ausgedacht, das Aussehen, die Verhaltensweisen, der Kampfstil, den Bezug zur Musik, die Vergangenheit, absolut alles. Gerade befinden wir uns -“ Ich kam wieder nicht zum Schluss, geschweige denn zur Klärung der Fragen wo wir sind und wer ich bin. Mein unglaublich freundlicher Fuchsgeist hatte nämlich schon wieder nichts Besseres zu tun, als mich kaltblütig zu unterbrechen: „Wenn du ‚Vergangenheit‘ sagst, dann meinst du in meinem Fall was? Ich bin nicht dazu in der Lage -“ Jetzt musste ich ihm ins Wort fallen, und zwar indem ich klar und deutlich „SPOILER!“ dazwischen rief. Das brachte ihn zum Verstummen, da er beim Reden nicht seufzen konnte. Glücklicherweise fuhr er nicht fort, also begann ich wieder: „Nun zum dritten Mal: Wir sind gerade in meiner Welt, der, von der aus ich schreibe, von der aus ich in die anderen Welten, wo meine Geschichten spielen, gedanklich eintauche. Mein Name ist Levi, und ich bin eine Autorin! Und bevor du mich nur ‚Levi‘ nennst, muss ich dich darauf hinweisen, dass ich die Höhergestellte bin, und es deshalb ‚Levi-sama‘ für dich heißt.“

2. Notiz an mich selbst:

Das mit dem ‚-sama‘ merkst du dir gefälligst, Levi.

Es klingt wenigstens respektabel, und kommt auch eindrucksvoll, wenn dein OC keine Ahnung hat, was eine Autorin ist.^^


Für einen Moment hatte ich wirklich das Gefühl, jetzt gewaltig Eindruck gemacht zu haben. Im nächsten Moment lachte der Fuchsgeist mich aus, als wäre ich Hibiko und gerade keuchend drei Meilen gelaufen. Missmutig ließ ich den Kopf hängen. Okay… Ich hatte nicht erwartet, dass der mürrische und dauer-genervte Fuchsgeist von jetzt auf gleich vor mir niederknien und mich als seine ‚Levi-sama‘ oder Erfinderin feiern würde, aber ein bisschen Respekt mir gegenüber hätte eigentlich schon drin sein können. Wie auch immer, wenigstens seufzte er nicht mehr und schien seine Vergangenheit auch vollkommen vergessen zu haben… Ja, der war schlecht. Allerdings war über Orfeas zum jetzigen Stand der hochgeladenen Geschichte noch nicht genug bekannt, um näher auf seinen Hintergrund einzugehen. Es reichte vollkommen zu wissen, dass er oft genervt war, ständig seufzte, ein Fuchsgeist war und gerne Menschen tötete. Wobei, letzteres war auch noch nicht erwähnt worden… Aber da es offensichtlich war, ließ ich den Satz jetzt mal so stehen. In Gedanken versunken hörte ich irgendwann auf, seinem Lachen zuzuhören, bis er mich plötzlich ziemlich unsanft anstupste. „Hey, du. Aufwachen oder ich muss dich töten, Mensch.“ Dass er darauf nur einen wütenden Blick bekam, musste ihm schon bewusst gewesen sein, bevor er das gesagt hatte, denn am Grinsen war er noch immer. Mein Problem war es weniger, dass er mich töten wollte, denn das war nunmal sein typisches Verhalten, nein, viel mehr regte es mich auf, dass er das ‚Levi-sama‘ nicht in seinen Schädel zu kriegen schien. Da hatte ich einen Geistesblitz. Wenn ich schon die Schöpferin Hibikos war, könnte ich ihre Strategie auch einfach mal anwenden. So bewegte ich mich schnell etwas zur Seite und machte einen Schritt auf ihn zu, sodass ich neben ihm stand. Ohne das nochmal zu überdenken stellte ich mich wieder auf die Zehenspitzen, griff nach seinem flauschigen Ohr und rief direkt hinein, und das nicht im sanften oder leisen Ton: „DU. WIRST. LEVI-SAMA. SAGEN!“ In dem Moment, in dem ich ihn anschrie, war es noch eine gute Idee, doch als ich auf einmal eine Schwertklinge am Hals hatte, merkte ich erst, dass es vielleicht doch nicht so gut gewesen war, einen bewaffneten Fuchsgeist zu verärgern, solange es Nacht und menschenleer war.

3. Notiz an mich selbst:

Solltest du Fee je wieder gegenüber stehen, Levi, erinnere dich bitte daran, dass es deine Schuld ist, wenn er keinen Respekt vor dir hat.

Außerdem solltest du deine männlichen OCs nicht immer sieben Zentimeter größer machen, als dich selbst, von unten herauf schreit es sich nämlich nicht so gut. -.-


Ich wagte es erst gar nicht, etwas zu sagen, da meine Worte ihn dazu gebracht hatten, mich mit einem Schwert zu bedrohen. Falls ich das hier nicht überlebte, dann hoffte ich, dass er wenigstens die Freundlichkeit besaß, meinen Laptop an Nika-chan weiterzugeben, damit sie an meiner Stelle das siebte Kapitel der Persona MMFF hochladen konnte… Denn ich wäre zu tot, um das zu tun. Orfeas‘ graublaue Augen waren auf mich fixiert, doch ich wollte seinem kalten Blick nicht begegnen. Nein, wirklich nicht. Lange Minuten vergingen, ohne, dass einer von uns beiden sprach oder sich rührte. In meinem Kopf malte ich mir schon meinen anstehenden Tod aus, als der Fuchsgeist sein Schwert plötzlich in die Scheide zurück schob. Eigentlich hatte ich mich schon für gestorben erachtet, aber ein erleichtertes Seufzen entwich mir statt meinem letzten Atemzug. Tja… Ich vergaß gerade wieder die anderen Charas, die mich morden wollten. „Dann einigen wir uns eben auf ‚Levi-chan‘. Und damit zurück zum eigentlichen Punkt: Wenn ich ein OC bin, warum befinde ich mich… hier, Levi-chan?“ Seine Worte brauchten ein bisschen, um zu mir durchzudringen, und als alles angekommen war, hätte ich ihm gerne nochmal ins Ohr geschrien. Wie kam man bitte von ‚Levi-sama‘ auf ‚Levi-chan‘?! Nach meinem Beinahe-Tod vorhin jedoch nickte ich nur, bevor ich mir überlegte, wie er hier, also aus meiner Welt, wieder verschwinden könnte, denn Lust, ihn hierzubehalten, hatte ich keine mehr. Kaum hatte ich einige Sekunden mit Nachdenken verbracht, kam mir eine Idee. Wenn es möglich wäre… Es dauerte trotzdem noch einige Minuten, bis ich mir vollkommen sicher war. Während ich mein Gehirn anstrengte, stand der Fuchsgeist vor mir und seufzte im Zehn-Sekunden-Takt. Immerhin kam er aus einer Geschichte, die von Musik handelte, also war Taktgefühl notwendig… Nur nervte es verdammt nochmal! Trotz meiner Laune, die dem Charakter des Fuchsgeistes gerade sehr ähnelte, waren meine Worte freundlich, als ich ihm meine Idee unterbreitete: „Also, Fee, ich schreibe gerade einige Extrakapitel über dich! Willst du mir also deine Gefühle schildern, damit ich schneller weiterkomme?“ Mittlerweile war ich wieder am Grinsen, ganz genauso wie am Anfang. Dafür trug das Gesicht Orfeas‘ wieder diesen irritierten Ausdruck, den ich von ihm nie erwartet hätte. Geduldig wartete ich auf seine Antwort, weil ich mir absolut sicher war, dass er nur zu einem Zweck hier sein konnte: Um mir zu helfen! Es war nicht normal, dass OCs plötzlich vor einem standen, und noch weniger, dass es passierte, solange man nicht zufällig in ein Crossover oder einen Self Insert gestolpert war. Obwohl es in diesem Fall ‚OC Insert‘ heißen müsste… Und das brachte mich zu der einzig wahren Lösung: Orfeas war hier, um mir bei seiner eigenen Back Story zu helfen, zumindest bei den Stellen, an denen ich seine Gedanken nicht formulieren konnte!

4. Notiz an mich selbst:

Levi, solltest du je wieder etwas zum Projekt ‚Mein OC und ich‘ beisteuern, versuche nicht die Begegnung mit deinem OC zu rechtfertigen.

Bitte tu es nicht. Nie wieder. -.-


Noch immer sah ich ihn erwartungsvoll an, überrascht, dass er solange überlegte, weil ihm doch normalerweise alles auf die Nerven ging oder egal war, und die Option, mir zu helfen, nun ja… seine einzige war? „Na gut...“, gab er sich letztlich geschlagen, sehr zu meiner Freude, die ich mit einem kleinen Aufschrei zum Ausdruck brachte. Fee…! „Aber wehe, du charakterisierst mich falsch, Levi-chan“, stellte er klar, allerdings hörte ich ihm kaum noch zu, schließlich war ich schon damit beschäftigt, den Laptop aufzubauen. In das Word Dokument fügte ich alle Eindrücke und Erlebnisse, sowie Gefühle ein, von denen er mir berichtete. Und welche das waren…? Das würde erst im aktuellen Extrakapitel verraten werden, beziehungsweise zu lesen sein! Irgendwann hörte ich ihn leise „Bis später… und danke.“ sagen, gefolgt von einem Seufzen, wie er es immer tat. Total beschäftigt mit meinem Word Dokument sah ich erst mit zwei Sekunden Verspätung auf, und alles, was ich wirklich wahrnahm, war sein Gesichtsausdruck, das seltene Lächeln, das seinem ‚Ich-töte-dich-gleich‘-Grinsen überhaupt nicht glich.

*PLOP*


Damit verschwand das Grinsen von meinem Gesicht, als ich realisierte, dass der OC einfach weg war. Keine Spur von Orfeas, nur die Erinnerung an sein Lächeln und die Worte ‚Bis später… und danke.‘ blieben zurück. War das sein Ernst…? Nicht nur war er unhöflich zu mir, seiner Schöpferin gewesen, hatte mich ausgelacht und mir mit dem Tod gedroht, mich daraufhin beinahe umgebracht, nein, er nahm es sich auch noch heraus, mit einem obligatorischen ‚plop‘ zu verschwinden?! Dabei hätte ich zumindest gerne ein Bild von ihm gemacht… denn ohne Beweis würde mir niemand glauben, dass ich im Park auf einen echten Fuchsgeist getroffen war. Wenn ich den in die Finger bekam…! Als ich mit sehr unglücklichem und dezent wütendem Blick den Laptop zuklappen wollte, fiel mein Blick auf das zweiseitige Dokument, gefüllt mit Orfeas‘ Worten und Erinnerungen. Im nächsten Moment kam ich mir ziemlich dumm vor. Was regte ich mich auf? Er gehörte in die Welt, in die er nun hoffentlich zurückgekehrt war, er wurde dort gebraucht. Also sollte ich mich nicht ärgern, kein explizites ‚Tschüss!‘ bekommen zu haben. Zumal er mir gedankt hatte… Auf meinem Gesicht war ein breites, zufriedenes Lächeln zu sehen, und ich versuchte eilig, mir die paar Tränen wegzuwischen, die einfach so meine Wangen hinunterliefen. Okay, vielleicht nicht wirklich einfach so, doch unangenehm war es schon, jetzt zu weinen, nur weil ich glücklich war. Ich beschloss, mir diese Straßenlaterne zu merken, und hier hin und wieder nach Inspiration zu suchen, dann richtete ich mich auf und ging den Kiesweg entlang Richtung Zuhause, den Laptop unterm Arm. Doch diesmal war ich nicht froh, alleine zu sein, und ich versank auch nicht in Gedanken. Viel mehr hoffte ich, nicht in einen weiteren OC hineinzulaufen, und wenn möglich auch nicht in einen bewaffneten. Denn genau genommen war ich heute Nacht einmal zu oft fast gestorben…
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