Plötzlich Fee - Ricky Winter

von daisy730
GeschichteAbenteuer, Romanze / P12 Slash
Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Grimalkin Meghan Chase OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
07.07.2017
12.11.2017
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Nachdem wir durch den Steig getreten waren, landete ich ungemütlich auf dem Hintern, mitten im Schnee. Überall um mich herum war es weiß und düster. Das musste also dieses Winterreich sein. Ich stand auf, zog mir die Lederjacke an und sah mich nach Feli um. Ich entdeckte die schwarze Katze einige Meter vor mir und stapfte auf sie zu. „Kommen Sie, wir haben noch einen langen Weg vor uns“, sagte sie und ging voran. „Hey, wieso glaubst du eigentlich, dass diese Königin Mab mir helfen wird?“, fragte ich nach einer Weile. „Sie sind eine Winterfee, dazu auch noch eine Sidhe. Glauben Sie mir, sie wird Ihnen Schutz bieten.“ Ich beließ es einfach dabei. Aus dieser Katze wurde ich einfach nicht schlau. Jede Antwort, die sie mir auf meine Fragen gab, warf bloß noch mehr Fragen auf. Während wir so durch den Schnee trotteten erklärte sie mir das Nötigste über das Nimmernie. So langsam gewann ich einen Durchblick. Es gab zwei Höfe: Den Sommer – und den Winterhof. Zwischen den beiden herrschte eine Art Waffenstillstand, aber sie gingen sich lieber aus dem Weg. Zurzeit droht ein Krieg auszubrechen, da es beim Elysium, einem Zusammentreffen der beiden Höfe, einen Angriff gegeben hatte und jeder den jeweils anderen beschuldigte. Außerdem sollte hier irgendwo die Halbblutprinzessin des Sommerhofes herumlaufen. Was uns auch gleich zu den Herrschern bringt. Zum einen gäbe es da Mab, die Königin des Winterreichs, laut Feli hatte sie drei Söhne, die Prinzen. Die Herrscher des Sommerhofes waren König Oberon und Königin Titania, die mir aus Shakespeares Sommernachtstraum bekannt vorkamen. Ich verstand nur nach wie vor nicht, wie ich in das alles reinpassen sollte. Doch Feliah meinte nur, ich solle Geduld haben und würde alles erfahren, wenn die Zeit gekommen wäre. So langsam sah ich ein, dass ich wohl wirklich eine Fee war. Mit Felis Hilfe versuchte ich Schein, die Feenmagie, einzusetzen, wobei ich mich ziemlich kläglich anstellte. Nach einigen Anläufen schaffte ich es aber tatsächlich einen kleinen Eissturm heraufzubeschwören. Ich fühlte mich ein kleines bisschen so, wie Elsa aus dem Film Frozen. Das alles war einfach so cool.

Als es Nacht wurde machten wir Rast in einer kleinen Höhle. Feliah sagte mir, ich solle ein wenig schlafen, doch ich war etwas skeptisch bei dieser Sache. „Ich weiß nicht, Feli. Was, wenn ich erfriere? Ich habe ehrlich gesagt keine Lust drauf, als Eisblock aufzuwachen.“ Die Katze, die zusammengerollt neben mir lag und damit beschäftigt war, ihre Vorderpfoten zu putzen, sah kurz zu mir auf. „Machen Sie sich doch bitte nicht lächerlich“, sagte sie mit heller Stimme, „Die Kälte wird Ihnen nichts anhaben. Sie haben doch sicher schon bemerkt, dass Sie nicht frieren, obwohl wir uns hier im eisigsten Winter befinden, denn man sich nur vorstellen kann. Sie sind eine Winterfee, Miss, vergessen Sie das nicht.“ Stirnrunzelnd sah ich ihr dabei zu, wie sie sich übers Fell leckte. Wenn ich so darüber nachdachte, hatte sie Recht. Die Kälte des dunklen Reichs machte mir tatsächlich nichts aus. Schon ein wenig merkwürdig. Ach, was soll´s, dachte ich und gähnte. Ich war zu müde, um mir noch weitere Gedanken zu machen.

Pünktlich zu Sonnenaufgang wurde ich von Feliah geweckt, indem sie mich leicht an den Händen kratzte. „Aufwachen, Miss. Wir müssen weiter. Mabs Hof ist schon sehr nahe.“ Seufzend stand ich auf und folgte der Katze nach draußen. Ich verstand noch immer nicht so wirklich, warum sie mich unbedingt zu dieser Königin bringen wollte, wenn die Feen doch scheinbar hinter mir her waren. Mir war schon klar, dass es vermutlich ziemlich hilfreich wäre, unter dem Schutz von Königin Mab zu stehen, aber wieso konnte ich dann nicht einfach auch gleich zuhause, in der Menschenwelt bleiben? Genau das fragte ich die Cat Sidhe. „Sie sind sechzehn Jahre alt, Miss. Der Schein fing an, sich zu lösen. Wir konnten Sie nicht mehr lange weiter vor dem Nimmernie verbergen, auch wenn Ihr Vater es für immer versucht hätte“, erklärte sie ruhig, „Schon, als Sie noch sehr klein waren, war offensichtlich, dass Sie eine große Macht in sich tragen. Eine Macht, die so groß ist, dass Ihr Vater befürchtete, dass sie Sie völlig zerfressen könne. Dem war sich auch Königin Mab bewusst, nachdem sie von Ihnen erfuhr. Sie wollte Sie auf ihrer Seite sehen, wenn Sie alt genug sein würden. Doch ihr Vater war dagegen. Er wiedersetzte sich den Befehlen der Königin und wurde verbannt. Er floh mit Ihnen in die Menschenwelt.“ „Okay, ergibt Sinn, schätze ich. Jetzt verstehe ich auch, wieso Mab mir Schutz bieten würde. Sie will mich als Waffe benutzen. Aber wenn mein Dad sogar verbannt wurde, um mich von ihr fernzuhalten, wieso genau bringst du mich dann direkt zu ihr?“, wollte ich wissen. Mir erschein dieser Plan ziemlich dämlich. „Ihr Vater wollte nicht, dass Sie unter der Führung der Königin aufwuchsen, aus Angst vor dem, was diese große Macht mit Ihnen machen würde, das ist richtig. Aber er weiß auch, dass sie die einzige ist, die Ihnen helfen kann, es zu kontrollieren, zu lernen, damit umzugehen, und Sie zu beschützen. Wenn König Oberon und Königin Titania von Ihnen erfahren, was glauben Sie, würde passieren? Sie würden versuchen, Sie auf ihre Seite zu ziehen, sollte es zum Krieg kommen. Es ist gefährlich, Miss. Besonders jetzt, da ohnehin Spannungen zwischen den Höfen bestehen. Und dann wäre da auch noch Oberons Tochter. Auch sie ist mit einer enormen Macht ausgestattet. Ich hoffe, ich kann Ihre Fragen weitgehen beantworten, doch auch ich weiß nicht alles, Miss. Da ich sehr lange Zeit in der Menschenwelt verbracht habe, gibt es noch einige Dinge, die sich meiner Kenntnis entziehen. Aber ich habe strikten Befehl von Ihrem Vater, Sie an den Winterhof zu bringen, sollten wir entdeckt werden.“ Ich nickte nur und stapfte dann weiter stumm hinter ihr her.

Es ist komisch, ich bin zwar erst seit einem Tag im Nimmernie, doch diese Welt kommt mir schon jetzt so heimisch vor. Wenn man kein Problem mit Eis, Schnee und Kälte hat, dann ist Tir Na Nog eigentlich wirklich schön. An den Bäumen glitzerten Eiszapfen, die aussahen, wie blaue Kristalle. Staunend sah ich mich um und versuchte dabei, mit Feliah Schritt zu halten. Da hörte ich von ganz in der Nähe Stimmen. Ich hörte genauer hin und erkannte, dass sie sich zu streiten schienen. Während wir näher rangingen kamen drei Personen in mein Blickfeld -  Zwei Jungs und ein Mädchen, offensichtlich alle Feen. Neben ihnen saß im Schnee ein graues Etwas. Dann erkannte ich, dass es sich um eine graue Katze handelte, die nun in unsere Richtung schaute. „Ich unterbreche nur ungern deinen amüsanten Monolog, Goodfellow, aber ich befürchte, wir bekommen Besuch“, ertönte die desinteressiert klingende Stimme der Katze. Aha, noch mehr sprechende Katzen also. Augenblicklich verstummte der rothaarige und vier Augenpaare richteten sich auf mich, denn Feliah war auf einmal spurlos verschwunden. Im nächsten Moment richtete der andere Feenjunge sein Schwert in meine Richtung und musterte mich mit einem abschätzigen Blick. „Wer bist du? Ich habe Narissa schon gesagt, dass ich das Halbblut selbst zu Mab bringen werde. Wer hat dich geschickt?“ Ich blinzelte verwirrt. „Bitte was?“, fragte ich, was vermutlich ziemlich dumm rüberkam. „Du bist unverkennbar eine Winterfee“, stellte er fest, „Und da du uns gefunden hast, gehe ich davon aus, dass auch du hier bist, um den Auftrag der Königin zu erfüllen. Also frage ich nochmal, wer schickt dich? Ist es Rowan?“ Ich räusperte mich und schob langsam das Schwert weg von meiner Kehle. Der schwarzhaarige sah mich noch immer an und blieb in Kampfposition. „Niemand schickt mich. Ich bin hier, weil…“, begann ich, doch wurde unterbrochen. „Ricky?“, fragte das Mädchen, auf das ich bisher noch nicht geachtet hatte. Sie starrte mich verwundert an. „Du bist eine Fee?“ „Du doch auch“, gab ich zurück und fragte mich, woher sie mich kannte. Da fiel der Groschen. „Meghan?“, fragte ich, „Meghan Chase?“ Sie nickte. „Du kennst meinen Namen?“ „Natürlich“, sagte ich, „Wir hatten doch immer Französisch und Mathe zusammen und, naja, dank diesem kleinen Zwischenfall mit Scott kennt ihn die ganze Schule.“ Die Blondine wurde augenblicklich rot. „Wer bist du?“, fragte der Feenjunge, der noch immer dicht vor mir stand. Da erschien Feliah wieder neben mir. „Prinz Ash“, sagte sie und neigte ihren Kopf, „Bitte entschuldigt. Wir kommen in friedlichen Absichten.“ Der Prinz nickte kalt und trat ein Stück von mir zurück. Ich schenkte ihm ein Lächeln. „Hi, ich bin Erica.“ „Ähm, also, Ricky, was tust du hier?“, fragte Meghan. „Echt lange Geschichte. Kurzfassung: Meine, anscheinend sprechende, Katze will mich an den Winterhof schleppen, da ich scheinbar eine Winterfee bin, wie ich seit gestern weiß. Und was ist mit dir?“ „Du bist also eine Winterfee und wusstest nichts davon?“, entgegnet sie. „Ihr habt es also nicht bemerkt?“, meldete sie die graue Katze zu Wort, „Ja, sie ist eine Winterfee, eine sehr starke sogar, um genau zu sein. Mächtiger Schein umgibt sie. Aber ebenso, wie du, ist sie zum Teil Mensch.“ „Willst du damit sagen, sie ist, wie ich, Grim?“, fragte Meghan. „Nicht ganz. Sie ist, wie du halb menschlich und halb Fee, doch sie ist der komplette Gegensatz zu dir. Da ist noch mehr, ich weiß nur noch nicht, was es ist“, meinte er nachdenklich, „Das ändert alles. Niemand konnte auch nur ahnen, dass so etwas möglich ist.“ „Das ist aber nicht dein Problem, Grimalkin“, sagte Feliah, „Wir müssen nun weiter.“ „Ich bin mir nicht sicher, ob es so eine gute Idee ist, das Mädchen zum jetzigen Zeitpunkt zur dunklen Königin zu bringen. Die Höfe stehen kurz vor einem Krieg und würde Oberon von ihr und ihrer Macht erfahren, würde er auf der Stelle ausbrechen. Es wäre klug, sie vorerst noch verdeckt zu halten und keine Aufmerksamkeit zu erregen“, erwiderte Grimalkin. Feli seufzte. „Das hast du wohlmöglich Recht. Aber hier draußen ist sie nicht sicher.“ „Dann begleitet uns. Wir sind auf der Suche nach dem Orakel. Das führt uns zurück in die Menschenwelt.“ Ich sah zwischen den beiden diskutierenden Katzen hin und her. Zum Schluss hatte der Kater wohl gewonnen und Feliah gab nach. „Na schön. Es wäre wohl wirklich das klügste, Grimalkins Vorschlag zu folgen.“ „Und wo genau stürzen wir uns da jetzt rein?“, fragte ich. Grimalkin streckte sich und gähnte. „Der Mensch will seinen Bruder finden. Ein wenig mehr Hilfe dabei kann sicher nicht schaden. Dadurch wird die ganze Sache gleich viel unterhaltsamer. Ich habe einen Steig gefunden, folgt mir.“ Damit stolzierte er nach vorne und wir alle ihm hinterher. „Hey“, sagte ich zu Meghan, woraufhin sie nur leicht lächelte. „Dein Bruder ist also hier?“ Sie nickte stumm. „Er wurde vom Eisernen König entführt. Ich bin nur hergekommen, um ihn zu retten.“ „Tut mir leid“, sagte ich, „Wir werden ihn finden, okay? Und wenn ich irgendwie dabei helfen kann, dann verspreche ich, werde ich es tun.“ In ihren Augen stand Verwunderung. „Meinst du das Ernst?“, fragte sie. „Ja, klar.“ „Wow, danke“, meint sie schüchtern. Dann erzählte sie mir ihre ganze Geschichte. Wie es zur Reise ins Nimmernie kam und allem, was sie bisher erlebt hatte und auch von ihrem Handel mit dem Winterprinzen, weswegen Puck vorhin so ausgeflippt ist. „Also bist du König Oberons Halbblut Tochter? Hab schon von dir gehört“, sagte ich lächelnd, „Und wie es aussieht, sitzt du mächtig in der Scheiße.“ Sie lachte kurz auf. „Kann man so sagen. Ich hab echt ziemlich verkackt“, meinte sie mit einem Seitenblick auf Puck, der trotzig einige Meter neben uns ging. „Das wird schon wieder“, versuchte ich, sie aufzumuntern. Danach sagte keiner mehr ein Wort.

Es wurde langsam dunkel und ich hätte schören können, hinter den dichten Bäumen ein paar gefährlich leuchtender Augen gesehen zu haben. Ich kam mir allgemein so beobachtet vor. Und dabei war ich nicht die einzige. Ash blieb stehen und ließ seinen Blick durch die Umgebung schweifen, wobei er die eine Hand an seinem Schwert hielt. „Wie weit ist es noch bis zu dem Steig, Cat Sidhe?“, fragte er. „Noch etwas weniger als einen Tagesmarsch“, antwortete Grimalkin, „Durch die ewigen Diskussionen haben wir viel Zeit verloren.“ „Ich schlage vor, wir legen eine Rast ein und gehen morgen weiter“, sagte Feliah. Der Winterprinz nickte. „Also gut, nicht weit von hier gibt es eine kleine verlassene Hütte. Wir verbringen die Nacht dort. Morgen, bei Sonnenaufgang, geht es weiter.“ Dann drehte er sich um und ging zielsicher weiter. Ich verdrehte die Augen. „Ist der Kerl immer so?“, flüsterte ich Meghan zu. Sie nickte. Ich kicherte leise. „Er ist so kalt, dass es schon wieder heiß ist.“ Sie wurde sofort rot. Ah, so war es also. Interessant. Von Puck kam ein verächtliches Schnauben. Ich ging zu ihm rüber und boxte ihm leicht gegen den Oberarm. „Ach, komm schon. Bist du nicht der Streichekönig? Der legendäre und berüchtigte Robin Goodfellow? Wo bleibt denn dann die gute Laune? Ich bemerke davon grad gar nichts.“ Auf seinen Lippen erschien ein schwaches Grinsen. „Na geht doch“, sagte ich. „Und bist du nicht eigentlich die perfekte Cheerleaderschlampe? Müsstest du nicht zusammen mit deinen Tussen irgendwelchen Typen hinterherrennen?“, gab er scharf zurück. „Puck!“, zischte Meghan und sah mich schon fast ängstlich an, so als würde sie befürchten, ich wolle sie in Stücke zerreißen. Seit ich hier war, fühlte sie sie schon so unwohl, das konnte man ihr ansehen. Ich brach in Gelächter aus. „Du bist wohl auf Angriff aus, was? Wie kommst denn darauf, ich wäre eine Schlampe?“ „Ach? Bist du, oder bist du nicht die Ricky Winter? Beliebtestes Mädchen der Schule und Kapitänin des Cheerleader Teams?“, fragte er. „Doch, und weiter? Das erklärt noch immer nicht deine Anschuldigung, ich wäre eine Schlampe.“ Meghan seufzte. „Das ist doch nicht mehr wichtig. Vergessen wir es einfach.“ „Nein, wieso? Ich will es wissen. Also, Puck, raus damit. Wieso glaubst du, ich wäre eine Schlampe? Meinetwegen kannst du zu mir sagen, was du willst, aber bitte nur Sachen, die wahr sind“, entgegne ich. „Also ist es nicht wahr, dass du was mit dem halben Footballteam hattest?“ „Puck, hör auf“, bat Meghan. Er verdrehte seine grünen Augen und ließ mich dann in Frieden. „Es tut mir leid“, sagte die Blondine, „Er ist mein bester Freund und Beschützer und manchmal übertreibt er es ein bisschen. Er ist grad wirklich sauer auf mich und lässt es an dir aus. Und er weiß, wie sehr ich euch Cheerleader immer beneidet und gleichzeitig auch verabscheut habe. Um ehrlich zu sein hatte ich immer panische Angst vor dir. Deshalb wundert es mich auch so sehr, dass du so nett zu mir bist. Vor allem auch wegen der Sache mit Scott.“ „Meghan, mit dieser Geschichte hatte ich rein gar nichts zu tun. Ich war genauso geschockt, wie du. Scott ist ein Arsch. Er hätte das nicht bringen dürfen. Das habe ich ihm auch gesagt. Ich war nie deine Feindin, Meghan“, erklärte ich sanft. Sie schien überrascht. „Das hast du getan? Du hast dich meinetwegen gegen sie alle gestellt?“ Ich nickte. „Ja. Das war nicht fair von ihm. Du hattest es nicht verdient. Und du brauchst dich nicht für Puck zu rechtfertigen. Ich weiß ganz genau, warum er so von mir denkt. Ich wollte nur sehen, ob er es mir direkt ins Gesicht sagen würde. Ich bin nicht blöd. Ich kenne die Gerüchte. Ricky Winter, die heiße Neue aus Kalifornien. Die muss doch schon dutzende Typen gehabt haben. Bestimmt ist sie eine Bombe im Bett. Das denken sie doch alle von mir, nicht?“ Schuldbewusst senkte sie den Blick. Ich lächelte. „Weißt du, mit wie vielen Jungs ich bisher tatsächlich geschlafen habe?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Die Wahrheit ist, mit keinem. Und weißt du, wie viele Freunde ich bisher hatte? Dabei hatte Puck vielleicht ein bisschen recht gehabt. Ich bin schon mit so vielen ausgegangen. Aber ich hatte noch nie eine richtige Beziehung. War noch nie so richtig verliebt. Ich bin wohl doch nicht so eine Bitch, wie alle glauben. So, das ist die Wahrheit. Mein ganzes Leben ist eine verdammte Lüge. Und soll ich dir etwas verraten? Ich habe es so satt. So satt, immer nur auf meinen Reichtum, mein Äußeres und meine Beliebtheit reduziert zu werden. So satt, mich jeden einzelnen Tag verstellen zu müssen.“ „Wow. Das hätte ich nie gedacht. Aber was ist mit Scott? Ich dachte immer, zwischen euch wäre etwas gelaufen“, erwiderte sie. „Naja, ich bin einmal mit ihm ausgegangen. Da merkte ich, was für ein Hohlkopf er ist und beließ es dabei. Er wollte aber mehr, um dadurch seinen Status an der Schule zu steigern, also kamen mit der Zeit Gerüchte auf. Er behauptete sogar, er hätte mit mir geschlafen. Nichts von all dem war wahr. Doch ich sagte nichts, um meinen, wie auch seinen, Ruf nicht zu zerstören. Was machte es auch schon aus? Die meisten dachten doch eh, ich würde es mit jedem, der beliebt genug war, treiben. Irgendwann machten wir offiziell Schluss und beendeten eine Beziehung, die nie existiert hat.“ „Wieso hast du das alles denn überhaupt zugelassen?“, wollte sie wissen. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Irgendwie gefiel mir diese Anerkennung. Ich war Jemand. Aber mit der Zeit fragte ich mich, ob ich die Person, die ich war, überhaupt sein wollte. Aber ich steckte schon zu tief drin, also setzte ich eine Maske auf und ließ es über mich ergehen. Aber eins schwöre ich dir, auch wenn ich Kapitänin der Cheerleader bin, mit dem Mobbing dir gegenüber hatte ich nie etwas zu tun. Das ging alles nur von Angie aus. Ich habe es viel zu spät gemerkt. Und bevor ich etwas tun konnte, warst du auch schon verschwunden. Ich will dir damit nur sagen, es tut mir leid, dass ich nichts unternommen habe, obwohl ich die Macht dazu gehabt habe.“ Sie schenkte mir ein freundliches Lächeln. „Ich schon okay. Und jetzt sitzen wir wohl im selben Boot.“ „Sieht so aus“, stimmte ich ihr zu. „Wir sind da“, drang Ashs Stimme zu uns nach hinten. Wir betraten die kleine Holzhütte und beschlagnahmten jeder ein Zimmer für sich. „Meghan“, sagte ich, bevor sie die Tür hinter sich schloss, „Ich hoffe wirklich, wir könnten Freundinnen werden.“ Sie nickte. „Das wäre schön.“ Dann gingen wir beide in unsere Zimmer.
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