Plötzlich Fee - Ricky Winter

von daisy730
GeschichteAbenteuer, Romanze / P12 Slash
07.07.2017
12.11.2017
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Vor knapp einem Jahr zogen Dad und ich aus L.A. hier her – eine Kleinstadt in Louisiana. Ich hasste es, die Neue zu sein, doch ich fand sehr schnell Anschluss in meiner neuen Schule und auch neue Freunde. Nicht nur das, ich war Kapitänin der Cheerleader und damit das beliebteste Mädchen der ganzen Schule – Die Queen der High-School. Zur Entstehung dieser Beliebtheit trugen natürlich auch der Reichtum meines Vaters, der Inhaber einer hochangesehenen Firma war, und meine beinahe märchenhafte natürliche Schönheit bei. Mit meiner makellosen Haut, den kristallblauen Augen, den natürlich rosa Lippen und pechschwarzen Haaren sah ich nun einmal aus, wie eine anmutige Schönheitskönigin. Das einzige, was dieses elegante Bild zerstörte, waren die paar blauen Strähnen, die mein Haar verzierten, und das silberne Piercing, das aus zwei kleinen Steckern bestand, an meiner linken Augenbraue. Jedes Mädchen beneidete mich und wollte so sein, wie ich. Vor allem auch, weil mir alle Jungs, das gesamte Footballteam eingeschlossen, zu Füßen lagen. So ziemlich darin bestand mein Alltag. Ich stolzierte jeden Tag durch die Schulflure, so als würden sie nur mir ganz allein gehören. Von allen Seiten neidische Blicke. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste war, dass in weniger als vierundzwanzig Stunden mein komplettes Leben auf den Kopf gestellt werden würde.



Mein Name ist Erica Winter. Ich bin süße sechzehn Jahre alt, Tochter eines angesehenen Unternehmers und die Königin der Schule. Und außerdem hundemüde. Seufzend schlug ich auf die Schlummertaste meines Weckers, nur um das Ganze fünf Minuten später zu wiederholen. Als dann zum dritten Mal die Melodie von „Walking on sunshine“ ertönte stöhnte ich kurz genervt auf und stand schlussendlich auf. Im Katzenbett neben meinem Bett lag Feliah, die kurz blinzelte, dann den Kopf schief legte und ich mit ihren großen blauen Augen eindringlich ansah. Ich lächelte und streichelte ihr durchs schwarze Fell. Sie erhob sich, streckte sich und trottete dann hinter mir her, runter in die Küche, wo ich mir einen Kaffee machte. Dad war, wie immer, schon sehr früh raus, sodass ich ihn verpasst hatte. Ich fütterte die Katze und setzte mich dann an den Küchentisch, um selbst zu frühstücken. Schweigend beobachtete ich Feliah, wie sie genüsslich ihr Essen kaute und dabei zufrieden schnurrte. Das entlockte mir ein Grinsen. Ich liebte diese Katze einfach. Sie lebte schon seit meiner frühen Kindheit bei uns und ich könnte mir keinen Tag mehr ohne sie vorstellen. Es mag vielleicht komisch klingen, aber sie war meine beste Freundin. Ich konnte ihr einfach alles erzählen. Sie war zwar nur eine Katze, doch ich hatte das Gefühl, sie würde jedes Wort, das ich sagte, verstehen, so aufmerksam, wie sie zuhörte. Sie merkte immer, wenn es mir mal schlecht ging und kam dann zu mir, um mich zu trösten. Sie verfolgte mich auf Schritt und Tritt und wich mir so gut wie nie von der Seite. Man könnte sagen, sie wäre so etwas wie mein Schutzengel.

Wieder in meinem Zimmer stellte ich mich vor meinen Kleiderschrank und stemmte die Hände in die Hüfte. Nach langem Überlegen entschied ich mich für ein etwas schlichteres Outfit, das aus einer ripped Jeans und einem hellblauen bauchfreien Top bestand. Dazu zog ich mir meine geliebten schwarzen Boots an und ging dann rüber zu meinem Schminktisch. Ich zog mir einen Lidstrich, trug Mascara auf und tupfte zum Schluss noch etwas Lipgloss auf meine Lippen. Ich kämmte meine Haare, die ich offenließ, sodass sie in leichten Wellen über meine Schultern fielen. Ich wollte schon die Treppe runterlaufen, als ich mich nochmals umdrehte und schnell meine Cheerleader Uniform in meine Tasche stopfte. Ich streichelte Feliah noch ein letztes Mal, hängte mir die Tasche um eine Schulter und ging dann raus zu meinem weißen Cabrio. Ich setzte meine Sonnenbrille auf, drehte den Schlüssel und fuhr los.

Als ich vor er Schule parkte und aus meinem Auto ausstieg entdeckte ich ein Mädchen mit langen blonden Haaren direkt auf mich zukommen. Dicht gefolgt von zwei weiteren Mädchen. Eines mit kurzen schwarzen, das andere mit lockigen braunen Haaren. „Ricky“, flötete die Blonde und umarmte mich. „Hey, Angie“, begrüßte ich sie und sah dann die zwei anderen lächelnd an, „Jasmine, Bianca.“ „Bitch!“, rief Angie aus und musterte mich mit strahlenden Augen, „Hammer Outfit! Ich hätte statt den Boots zwar High Heels bevorzugt, aber total scharf.“ Zufrieden grinsend hakte ich mich auf der einen Seite bei ihr und auf der anderen bei Bianca ein. Und so betraten wir dann das Schulgebäude.

Langsam schritten wir durch den Gang. Alle Blicke lagen auf uns. An einem der Schließfächer stand Scott Waldron mit einigen seiner Footballkumpels und sie unterhielten sich aufgeregt über irgendetwas. Als sie uns bemerkten, verstummten sie augenblicklich und gafften uns an. „Morgen, Jungs“, sagte ich und schenkte ihnen ein freundliches Lächeln. „Hi, Ricky“, erwiderte Scott und zwinkerte mir zu, dann sah er auch meine Begleiterinnen an, „Mädels. Wir sehen uns.“ Er und seine Freunde gingen Richtung Klassenzimmer und ich winkte ihnen nur hinterher. Angie kicherte. „Er ist ja so heiß. Ich würde alles tun, um mit ihm ausgehen zu können.“ Ich zog eine Augenbraue hoch und sofort wurde sie leiser und blickte zu Boden. „Ich, also, ähm, meinte, dass du mit ihm ausgehen solltest. Das wollte ich sagen. Ihr seid einfach so ein perfektes Paar. Ich verstehe einfach noch immer nicht, warum ihr euch überhaupt getrennt habt.“ Ich lächelte. „Belass es einfach dabei, Schätzchen.“ „Ja, Bitch, das geht uns nichts an“, stimmte Jasmine mir zu. „Kommt, ihr Süßen, wir gehen. Unterricht“, sagte ich und schritt voran.

Der Vormittag zog sich eine halbe Ewigkeit lang. Während der letzten Stunde – Physik -  zählte ich die Minuten bis zum Gong, der mich befreien sollte. Als die Klingel endlich ertönte packte ich hastig meine Sachen zusammen und verließ das stickige Klassenzimmer. Ich durchquerte die halbe Schule, bis ich an der Turnhalle ankam. Ich betrat die Umkleide, zog mich um, band meine Haare zu einem hohen Pferdeschwanz und ging dann in die Halle. Dort stellte ich mich vor mein Cheerleader Team und stemmte die Hände in die Hüfte. „Alles klar, Ladies“, sagte ich und schaltete die Musik an, „Legen wir los. Fünf, sechs, sieben, acht…“

Nachdem das Training vorbei war freute ich mich einfach nur darauf, endlich wieder nach Hause zu kommen. Als ich auf den Parkplatz rausging hörte ich das Klappern von Absätzen hinter mir und drehte mich um. „Ricky!“, rief Bianca und kam auf mich zugelaufen, „Ricky! Warte!“ Ich lachte. „Ich warte doch. Was ist?“ „Brandon hat mich heute Morgen mitgenommen, aber der ist schon weg. Da habe ich mich gefragt, ob du mich vielleicht nach Hause fahren könntest?“, fragte sie und sah mich bettelnd an. „Klar, meinetwegen. Spring rein“, antwortete ich. Glücklich sah sie mich vom Beifahrersitz aus an. „Bitch, ich liebe dich.“ Lachend fuhr ich rückwärts raus und von der Schule weg, Richtung Innenstadt.

Ich setzte meine Freundin bei sich zuhause ab und fuhr dann weiter zu meinem eigenen Haus, das eigentlich eher einer Villa entsprach. Ich bog in die Einfahrt ein und parkte dann vor dem Garten. Ich stieg aus dem Wagen, öffnete die Haustür und warf meine Tasche in eine Ecke im Flur. Als ich das Wohnzimmer betrat lag Feliah auf der Couch, sah mich kurz verschlafen an und döste dann weiter. Ich ließ mich neben sie plumpsen und fuhr mit einer Hand durch ihr weiches Fell. „Na, Feli? Wie war dein Tag so? Scheinbar ja viel entspannter, als meiner.“ Ich stand auf und ging raus in den großen Garten, wo ich es mir in der Hängematte neben dem Pool gemütlich machte. Ich zog mein Handy und die Kopfhörer aus meiner Hosentasche heraus und schaltete Musik ein. Ich schloss die Augen und sang leise mit.  

Ich musste wohl eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal meine Augen öffnete dämmerte es bereits. Mir wurde langsam ein wenig kalt und ich beschloss, wieder reinzugehen. Es war zwar Anfang Sommer, doch abends konnte es noch immer ziemlich kühl werden. Verdutzt blieb ich vor der Terassentür stehen. Sie war verschossen. Obwohl ich hätte schwören können, dass ich sie hatte offengelassen. Ich zuckte mit den Schultern und zog sie auf – nur, dass sie nicht aufging. Das verdammte Ding klemmte. Ich rüttelte daran, doch die Tür wollte einfach nicht aufgehen. Ich versuchte es an der Eingangstür, doch erfolglos. Scheiße, verdammte! Was jetzt? Die Fenster sind auch alle zu und mein Schlüssel liegt drinnen. Als ich rausgegangen bin habe ich die Tür doch extra offengelassen. Wer hat das dämliche Ding wieder zugemacht? Die Putzfrau konnte es nicht gewesen sein, die kam normalerweise immer erst freitags. Dad? War er etwa schon zuhause? „Dad?“, rief ich. Ich nahm mein Handy und rief ihn an. Mailbox. Er war also noch nicht da. Auf einmal hörte ich ein rascheln hinter mir. Irgendjemand war hier. „Hallo? Wer ist da?“, fragte ich. Stille. „Hallo? Komm schon, ich weiß, dass da jemand ist. Los, zeig dich!“ Ich bekam noch immer keine Antwort, da war nur wieder dieses Rascheln. Es kam eindeutig aus dem Gebüsch. Ich hob einen Stock vom Boden auf und stach in das Gewächs hinein. Da ertönte daraus ein lautes Zischen. Ein metallenes etwas kroch heraus und sah mich mit seinen leuchtenden Augen an. Plötzlich wurden es immer mehr. Immer mehr dieser Viecher krochen aus dem Gebüsch hervor, bis fast die gesamte Einfahrt voll mit ihnen war. Ich bleib wie angewurzelt stehen. Den Stock fest umklammert starrte ich die Wesen an. Was zur Hölle?, fragte ich mich. Da erschien Feliah wie aus dem Nichts neben mir und fauchte die käferartigen Gestalten an. Die Viecher gaben ein lautes Zischen von sich und lösten sich dann in Luft auf. Ich sah mich um, um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich alle verschwunden waren, dann ließ ich den Stock fallen. Ich sah meine Katze an und fragte mich, wie sie hierhergekommen war. Da entdeckte ich, dass die Tür sperrangelweit offenstand. Das war eigenartig. Noch vor einigen Minuten war sie doch abgesperrt gewesen. Ich folgte Feliah nach drinnen und schloss die schwere Holztür hinter uns.

Ich atmete tief aus und lehnte mich gegen die Wand. „Miss?“, ertönte eine glockenhelle Stimme. Ich runzelte die Stirn und ließ meine Augen durch den Flur schweifen. Hatte ich mir das nur eingebildet? Ich seufzte. Ich brauchte wohl dringend Schlaf, denn so langsam begann ich nämlich, an meinem Verstand zu zweifeln. Hier war niemand. Abgesehen von mir und einer Katze natürlich. „Miss“, hörte ich es wieder. „Wer spricht da?“, fragte ich verunsichert. „Ich, Miss. Es tut mir leid, Sie so zu überrumpeln, aber wir haben nicht viel Zeit für Erklärungen. Sie haben Sie gefunden. Wir müssen sofort verschwinden.“ „Feli?“, fragte ich ungläubig. Bildete ich mir jetzt ernsthaft ein, meine Katze könne sprechen? „Jawohl, Miss“, antwortete sie, was mich noch verwirrter schauen ließ. Okay. Meine Katze kann also tatsächlich sprechen. Sonst noch was? „Du kannst sprechen?“, fragte ich und kam mir dabei unheimlich bescheuert vor. „Ja, Miss“, sagte sie und lief leichtfüßig die Treppe rauf, „Folgen Sie mir, die Zeit drängt. Ich werde Ihnen alles gleich erklären.“ „Was denn erklären?“ „Erica, Sie sind kein gewöhnliches Mädchen. Genauso wenig, wie Ihr Vater ein gewöhnlicher Mensch, oder ich eine gewöhnliche Katze bin“, fing sie an, „Sie sollten die Wahrheit eigentlich nie erfahren. Aber nun ist der Ernstfall eingetroffen und es geht nicht anders.“ „Kommen Sie“, drängte sie, als sie bemerkte, dass ich stehen geblieben war. Ich folgte ihr weiter bis zum Arbeitszimmer meines Vaters. Ich öffnete die Tür und trat, gefolgt von Feliah, ein. „Was wollen wir hier?“, wollte ich wissen. Die Katze sprang auf den Tisch und sah mich abwartend an. „Öffnen Sie die Schublade.“ Ich tat, was sie mir sagte und riss die Augen auf, als ich den Inhalt sah. Dort lagen eine Pistole und ein großes Messer. Die Katze bedeutete mir die Sachen herauszunehmen und verließ das Zimmer dann wieder. „Feli!“, rief ich ihr hinterher, „Erklärst du mir jetzt bitte, was zum Teufel hier eigentlich abgeht?“ Sie blieb stehen, drehte sich um und setzte sich direkt vor mir hin. Ich zog ungeduldig die Augenbrauen hoch. „Also? Was meintest du mit Dad und ich wären keine gewöhnlichen Menschen? Und verdammt nochmal, wieso kannst du sprechen?“ Sie seufzte. „Wir haben leider keine Zeit für Sensibilitäten, deshalb werde ich es Ihnen jetzt einfach sagen, so wie es ist. Wir müssen sofort hier weg. Möchten Sie etwas mitnehmen? Wir werden wohl eine etwas längere Reise für ungewisse Zeit machen müssen.“ „Moment Mal, was?“, unterbrach ich sie, „Reise? Wohin denn? Verfluchter Mist, Feliah, jetzt mal Klartext. Was bist du?“ „Eine Cat Sidhe. Ein Feenwesen. So, wie Sie.“ Ich starrte sie einfach nur an, während wir in mein Zimmer gingen und ich meine Lederjacke aus dem Schrank hervorkramte und sie, zusammen mit einer Wasserflasche und einem Sandwich, das noch vom Vormittag übriggeblieben war, wie auch den Waffen, in eine kleine Umhängetasche stopfte. „Feenwesen?“, fragte ich ungläubig. Die Katze sah mich nur mit einem ernsten Gesichtsausdruck an. „Alles klar. Ich gehe nirgendwohin, bis du mir alles erklärt hast“, sagte ich und setzte mich auf mein Bett. „Miss, bitte. Wir müssen uns beeilen. Jetzt, wo sie wissen, dass Sie hier sind, werden sie hinter Ihnen her sein.“ „Wer sind sie?“, wollte ich wissen. „Feen. Ihr Vater wollte Sie vor dieser Welt versteckt halten. Er wollte Sie nur beschützen. Ihr Vater war, bevor er verbannt wurde, einer der mächtigsten Herzöge am Winterhof und das, obwohl er ein Halbblut ist. Das bedeutet, er ist halb Mensch und halb Fee. Normalerweise würden die Sidhe, die adeligen Feen, das nicht dulden, doch Ihr Vater war besonders. Er ist ein sehr altes Feenwesen. Seine Mutter war Herzogin am dunkeln Hof und sein Vater ein großer König in der Menschenwelt. Ihr Vater wuchs am Winterhof auf und erlangte den Titel eines Herzogs.“ „Halt, stopp. Das bedeutet also, ich bin die Tochter eines Herzogs und dazu auch noch eine Fee?“, fasste ich zusammen. Die Cat Sidhe nickte. Abgefahren. Ist das ein Traum? Fühlt sich eigentlich ganz real an. Aber so etwas, wie Feen, gibt es doch gar nicht. Obwohl, immerhin spreche ich hier mit einer Katze. „Und warum sind die Feen jetzt hinter mir her?“ „Es wird getuschelt, dass dem Nimmernie, der Feenwelt, ein Krieg bevorstehen könnte. Sie könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen. Man könnte Sie als Waffe verwenden. Ich muss Sie in Sicherheit bringen, damit Ihnen nichts geschieht. Wir müssen uns unverzüglich auf den Weg ins Nimmernie machen, an den Winterhof, unter Königin Mabs Schutz“, erklärte sie. Mir drehte sich der Kopf. Ich trottete der Katze hinterher in den Keller und blieb dann abrupt stehen. „Aber was ist mit Dad?“ „Ihr Vater kann uns nicht folgen. Er wurde aus dem Nimmernie verbannt. Machen Sie sich jedoch keine Sorgen, es geht ihm gut.“ „Wieso wurde er denn verbannt?“, fragte ich. „Er hat Verrat an Mab, der Königin von Tir Na Nog, begangen. Es steht mir nicht zu, genaueres zu verraten“, sagte Feliah. „Und wie kommen wir in dieses Nimmernie?“ „In Ihrem Keller befindet sich ein Tor, ein sogenannter Steig, dort hin.“
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