Clary, der teuflische Engel 2 - Das Erwachen

GeschichteFantasy / P18
07.07.2017
26.11.2017
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so, hat dieses Mal ein wenig länger gedauert. Aber jetzt ist ein neues Kapitel online. Wir hoffen, es gefällt :)
Viel Spaß und Feedback in jedwede Richtung ist seeeeeeeeeeeeehr erwünscht. Nur so lernt man und weiß man, worauf ihr so achtet :)

Ah und danke, für die vielen (teils unbekannten) Leute, die unsere beiden Geschichten favorisiert haben :) Da macht das Schreiben gleich viel mehr Spaß :) Danke dafür :)
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Marc zeigte mit der freien Hand nach unten. So ließ Sebastian auf annehmbarer Höhe den Vampir fallen, der auf einem Dach eines Hochhauses zunächst auf die Füße fiel. Dagegen landeten Clary und Sebastian sanft hinter ihm. Marc machte erst gar nicht den Versuch zu flüchten, trotz seiner Fähigkeiten war ihm durchaus bewusst, dass er ein Wettrennen nicht bestehen konnte.
»Nun? Wohin jetzt?«, fragte Sebastian ruhig.
Clary wusste, dass diese Ruhe auf viele Gegner ungewohnt und damit beunruhigt wirkte. Und auch bei Marc trug es Früchte. Er zeigte auf eine im Boden versenkte Tür, die er wie zwei Flügel hochklappte.
»Da hinunter!«, wies er Sebastian hin, doch er schubste Marc voraus.
Dieser stolperte und hielt sich am Geländer fest. Zaghaft trat er Schritt für Schritt vor, bis eine riesenhafte Gestalt sich vor ihm auf dem Flur aufbaute. Es war ein Golem. Clary sah erstaunt zu Sebastian, der hinter seinem Rücken einen Zeigefinger nach unten ausstreckte.
»Was wollt ihr?«, tönte der Golem.
Wer auch immer diesen zum Leben erweckt hatte, war äußerst mächtig.
Marc sah sich zögerlich um und räusperte: »Wir sind hierhergekommen, um zu feiern.«
»Wie lautet das Passwort?«, brummte der lebendig gewordene Steinfels.
Sebastian nahm die Hand vom Rücken und klatschte sich sanft auf den linken Oberschenkel.
Marc flüsterte: »Adora quod incendisti, incende quod adorasti!«
»Wie?«, donnerte die Gestalt und schubste den Vampir nach hinten. Jener strauchelte durch die Kraft und plumpste auf seinen Hintern.
»Ita erit Solis!«, schrie plötzlich Clary und erhob ihr Engelsschwert.
Sebastian sprang im gleichen Moment zur Seite und kurz darauf entfachte ein Lichtstrahl sich aus der Spitze der Schneide und brannte wie Sonnenlicht in den Flur hinein. Der Vampir kreischte und zerfiel in kürzester Zeit zu Asche, ganz so, wie als würde er im Tageslicht stehen. Der Golem brüllte und auch er versuchte sich zu retten. Er stampfte in Clarys Richtung, doch bei jedem Schritt büßte er Gesteinsbrocken ein, die auf den Boden prasselten. So verlor er sein Gleichgewicht und fiel in sich zusammen. Ein letztes dumpfes Grollen ertönte, als sein Kopf in Einzelteile aufsplittete.

Sebastian besah es mit einem Lächeln und streckte die Hand nach Clary aus, die ihr Schwert wieder einsteckte. »Komm, Liebes. Ich vermute, hier sind wir richtig!«
Auch wenn Clary ihre Tochter vermisste, so musste sie Sebastian anlächeln. Sie war froh darüber, wie sehr ihre Beziehung über das Jahr gewachsen war und wie oft es sich zeigte, dass sie sich selbst mit wenigen Zeichen verständigen konnten.
Wie auch Bethany versteckten sie nun ihre Flügel, doch hinzukommend schnipste Sebastian einmal und ihre mächtige Rüstungen wurden zu alltäglicheren Kleidungsstücken verzaubert. Clary trug nun ein grünes Kleid, so wie damals, als Sebastian Jace und sie in eine Disco eingeladen hatte. Er hingegen kleidete sich in einer schwarzen Hose und in einem blauen T-Shirt mit einem ansprechenden V-Ausschnitt.
So ergriff Clary seine Hand und den dumpfen Klängen der Musik folgend führte er sie in die Tiefe des Gebäudes.
Ein Fahrstuhl wartete bereits auf sie und vorsichtig betraten sie diesen.
Die Türen schlossen sich wie von selbst und genauso fuhr er wie von Geisterhand selbstständig herunter. Clary rutschte in Sebastians schützende Arme. Ihr war nicht ganz wohl dabei. Mit einem sanften Rumpeln endete ihre Talfahrt und die Schiebetüren öffneten sich. Vor ihnen hallte Musik durch eine schwere Eisentür. Ein Dämon grinste sie an und zog jene für sie auf.

Da standen sie nun, in dieser riesiger Halle. Dieser Tanzfläche auf mehrstöckigen Ebenen, die umringt von Balustraden waren, und an deren Decken Kronleuchter und Flutlichter im Takt der Musik schwangen und blinkten.
Clary schaute sich um und erblickte Schattenweltler, Dämonen, Elfen und Hexen aller Art. Sie bewegten sich geschmeidig, sinnlich, anziehend auf dem Parkett dieser illegalen Tanzhöhle.
Fasziniert zog sie Sebastian an sich und schmiegte sich an seine Brust. »Es erinnert mich an damals. Ich trage selbst das gleiche Kleid. Wie damals, nur hast du es dir heute ausgesucht.«
Sebastian lächelte sie an und gab ihr einen sanften Kuss auf den Lippen. In Clary explodierten die Sinne, die Gefühle, all die letzten Geschehnisse verschwommen dahinter, und sie wollte nie wieder von hier fort. Sebastian erwiderte leidenschaftlich und drückte sie noch näher an sich heran. Er spürte ihren Po an seinen Lenden und gemeinsam ließen sie ihre Hüften im Rhythmus des aktuellen Liedes kreiseln. Clary verspürte, wie die Musik sie entflammte, wie ihre Begierde geweckt wurde, immer mehr von ihm zu verlangen. Sie zerrte ihn zur Tanzfläche, wollte sie zumindest. Denn Sebastian blieb eisern stehen. Er schüttelte den Kopf und rief gegen die Melodien an: »Konzentriere dich. Verliere dich nicht! Denk an Bethany!«

Im nächsten Moment fiel ihr alles wieder ein und still und starr beobachtete sie erneut die Masse. Sie wurde verzaubert. Wie konnte sie nur ihr Kind vergessen. Sie fühlte sich schuldig, doch Sebastian strich ihr sorgsam über den Rücken.
»Es ist nicht deine Schuld, dieser Ort will uns vergessen lassen. Komm, wir suchen jetzt Antworten!«
Clary nickte und folgte Sebastian mit freudloser Miene. Sie kam nicht umhin, sie konnte diesen letzten Moment nicht ignorieren, zu lang war es her, dass sie so miteinander tanzten.
Sebastian sah zu ihr zurück und auch er vermisste dieses Tanzvergnügen. Er spürte, dass Clary ähnlich fühlte und so zog er sie plötzlich an sich.
»Schenk mir noch einen Tanz!« Er grinste sie liebevoll an und schlang die Arme um ihre Taille.
Clary konnte nicht anders, sie hielt sich in seinem Nacken fest und gemeinsam bewegten sie sie sich rhythmisch. Es lief zwar ein schnelles Techno-Lied, doch es war ihnen gleich. Sie träumten mit ihren Füßen von unbekümmerteren Zeiten, in denen ihnen noch nicht so vielen Aufgaben auferlegt wurden.
Clary schloss die Augen und dachte zurück an die Zeit, wie er sie auf Armen trug, wie Bethany, er und sie im Wohnzimmer im Kreis tanzten und sich zu allerlei Kinderliedern die Arme ausbreiteten und zusammen mit Flügeln die Welt bereisten.
Ihr lief eine Träne herunter und im nächsten Moment tupfte Sebastian ihr diese ab. Sie drückte sich an ihn und öffnete ihre Augenlider wieder.
»Es wird Zeit«, seufzte sie, »lass uns.«
»Unsere Tochter finden!«, beendete Sebastian selbstbewusst ihren Satz und küsste ihre Schläfe, »keine Sorge, das wird schon!«

In dem Moment erblickte er eine ihm allzuvertraute Gestalt auf einer Etage über ihnen.
»Nicht möglich!«, rief er aus und sprang mit einem Satz hinauf. Er schwang sich über das Geländer und landete direkt vor einem allzubekannten Gesicht.
»Sebastian! Ich könnte ja jetzt sagen, wie es die Menschen pflegen, die du beschützt, dass ich mich freue dich hier zu sehen. Aber das wäre gelogen!«
»Du mich auch, Meliorn!«, erwiderte Sebastian, während Clary die Treppenstufen hinauflief, um kurz danach bei ihm an der Seite zu stehen.
»Ah, liebste Clary! Da frage ich mich doch glatt, wo ist eure liebreizende Tochter?«
Mit großen Augen starrte Clary ihn an, umrundete blitzschnell Sebastian und packte Meliorn an der Kehle. So hob sie ihn und betrachtete ihn wütend.

»Was weißt du?«, zischte sie, »antworte mir! Sag mir, welchen Befehl die Feenkönigin ihrer Armee genannt hat. Sollt ihr euch aufstellen oder die Waffen ruhen lassen.«
»Antworte mir!«, schrie sie erzürnt direkt darauf, sie hatte ihm nichtmal Zeit gegeben zu reagieren.
Meliorn versuchte sich weiterhin in einem Lächeln, gab aber seine Geheimnisse preis. »Wir wappnen uns. Und man habe sich erzählt, dass die Schattenjäger wohl wieder hier sind. Zumindest einer.«
Sebastian hakte nach: »Wie ist sein Name?«
»Das«, säuselte Meliorn feixend, »weiß leider keiner. Er scheint sich auch vor unseren Augen zu verstecken. Aber anscheinend schafft er es ja gar ebenfalls bei euch. Also ist er ein mächtiger Gegner. Und er wird nicht alleine kämpfen!«
Clary schüttelte den Kopf, »wer war für die Explosion im Restaurant zuständig? Das war nicht der Nephilim.«
Meliorn sah sie ernst an. »Ich schätze, ab jetzt kann ich euch nicht mehr sagen. Nur laute Vermutungen. Ich vermute, ihr solltet an alten Orten suchen. Orte, die ihr kennt.«
Clary ließ ihn langsam hinunter und nickte ihm zustimmend zu.
Sie ergriff Sebastians Hand und führte ihn von Meliorn fort.
»Wir werden wiederkommen«, rief er, »und werden dann diese Hölle niederreißen!«
Einzelne Wesen erkannten schließlich, wer unter ihnen wandelte und rückten voller Respekt von ihnen ab, als sie gingen.

Als sie wieder auf dem Dach des Hochhauses standen, entzauberten sie sich und flogen schweigend fort. Sebastian beobachtete Clary, die vor ihm schwebte. Er wunderte sich erst über sie, wie stark sie scheinbar war, allerdings als er sich mit harten Flügelschlägen voranstieß, sah er, wie sehr sie dem Weinen nah war.
Er ließ ihr die Flugzeit für sich alleine, erst als sie beim alten, verlassenen Institut der Lightwoods landete, kam er zu ihr und bettete sie in seine Flügel.
»Hab keine Angst, Liebste!«, er strich sorgsam über ihre Taille und hielt mit der anderen Hand ihre Wange. Sie schmiegte sich in diese hinein und wimmerte sachte. Ein zaghaftes Nicken stimmte ihm vorsichtig zu.
Arm in Arm betraten sie so das Institut.



Simon zeigte auf das freie Bett, "setz dich ruhig da hin. Mach es dir bequem. Möchtet ihr etwas trinken?"
Bethany schüttelte den Kopf und Jace reagierte gar nicht erst.
"Woher kennt ihr beiden euch eigentlich?", fragte sie neugierig.
Jace und Simon waren so ungleich, ein magischer Kämpfer und ein Mensch, dafür musste es eine Erklärung geben.
"Er hat mir das Leben gerettet", Simon strahlte voller Stolz.
Bethany betrachtete ihn überrascht. "Wovor? Vor Dämonen?"
Jaces Miene verzog sich und er sah sie warnend an.
Simon lachte hingegen nur auf. "Guter Witz. Du hast ja mehr Fantasie als ich. Nein, nein, er hat mich vor ein paar Schlägern gerettet."
Bethany schaute liebevoll in Jaces Richtung und lächelte. "Ja, das kann er sehr gut."
"Was ist dir denn passiert?", reagierte Simon und setzte sich auf sein Bett.

Plötzlich riss ein Mädchen die Tür auf und rief schief lachend: "Simon, Siiiiimooon! Uh, du hast ja Besuch. So, sogar Freunde? Du siehst ja süß aus. Genauso wie Simon, der Loser!"
Lauthals kichernd lief sie weiter und plärrte Simons Namen über die Gänge.
Bekümmert und beschämt sah Simon zum Teppich und wich Bethanys und Jaces Blicken aus.
Ein weiteres Mädchen trat in den Türrahmen und Simon stand wütend auf: "Na, willst du auch auf mir rumhacken?"
Das junge Ding grinste, "nein, ich will sie!", und zeigte dabei auf Bethany.
Ohne die Füße zu bewegen, bewegte sie sich auf sie zu und die Pupillen verfärbten sich tiefschwarz. Simon kreischte panisch auf, während Bethany den Dolch herausnahm. Jace brannte sich sofort mit seiner Stele die Schutzrune ein und stellte sich zwischen ihnen.
"Oho, der eine Schattenjäger", krächzte der Dämon, "der mysteriöse, sich selbst verbannende."
Bethany staunte und rückte von Jace ab. Sie dachte an ihren Vater, an die Gesetze des Himmels. Und sie ließ sich von einem Schattenjäger helfen, war denn das richtig? Handelte sie falsch? Fragen über Fragen überkamen sie. Ihre Hände fingen an zu zittern. Verschreckt sah sie Jace und den Dämon an.
Jace beachtete sie hingegen kaum, er wandte sich einzig dem untoten Mädchen zu.
"Warum willst du sie?", fragte er zischend.
Das Mädchen kicherte. "Oh, sie hat es dir nicht erzählt. Naja, das würde ich an ihrer Stelle auch nicht!"
"Es reicht!", erwiderte Jace.
Er wusste, dass er eher selbst Bethany fragen musste, als diesem Dämon zu vertrauen. So zog er sein Schwert.
Jene grinste und breitete die Arme aus. "So sei es!"
Hinter dem Mädchen tauchten schwarze, wabernde, ölige Wesen auf, die am Boden entlang sich bewegten. Aus ihnen quollen lange, knöchrige Greifarme heraus, die über den Teppich kratzten. Jace schlug eine Hand mit einem Hieb ab, aber aus der Wunde formte sich sogleich eine neue Kralle. Der Dämon kicherte abstoßend und schüttelte lachend den Kopf. Simon schrie vor Angst und Unglaube. Und Bethany zückte ihren Dolch. Selbstsicher sah sie sich um.
Dann schloss sie die Augen und sagte tonlos: "Eret Lumen, Non tibi placet diem et mortem ortum est in caelis! Amen."
Aus ihren weißen Runen schien ein Licht sich in die Waffe in ihren Händen zu pumpen, an dessen Spitze ein greller Schein erleuchtete. Die Dämonen kreischten schrill voller Furcht auf. Wie eine riesige Lanze schnitt ein Lichtstrahl durch sie hindurch und gab Bethany, Jace und Simon einen Weg zur Flucht frei.
Jace staunte, aber erkannte sogleich Bethanys Strategie. Er packte den beinahe ohnmächtigen Simon am Arm und riss ihn mit sich. Gemeinsam rannten sie durch die Schneise, während das dämonische Mädchen hilflos weinte. Jace lief vor und hüpfte die Treppenstufen hinab, immer zwei auf einmal. Bethany kam ihm kaum hinterher, denn sie keuchte vor Überanstrengung. Die magischen Fesseln hatten ihr die letzte Kraft genommen, als sie ihr Runenzauber ausführte. Wie durch ein Wunder musste sie dabei nicht die Verzauberung ihrer Flügel nehmen, allerdings hatte das zusätzliche Kraft geraubt.

Sie stöhnte, "ich kann nicht mehr!", da rutschte sie schon mit dem Fuß ab.
Panisch griff sie nach dem Geländer, erfasste es und schlidderte mit dem zweiten übergroßen Stiefel von der Stufe. Ein Finger nach dem anderen löste sich wieder, sie drehte sich um die eigene Achse und kippte nach hinten über. Kreischend streckte sie die Arme hilfesuchend zu den sich immer weiter entfernenden Geländerstangen, da wurde sie plötzlich unterhalb der Schultern von zwei starken Händen aufgefangen und behutsam aufgestellt.
Vorsichtig wandte sie sich um, und sah Jaces goldene Augen. Ihr Herz blieb für einen Moment stehen, bis sie sich wieder fasste.
"Danke!"
"Ich glaube, es wird zu meiner Gewohnheit. Auch wenn wir ohne deine Kräfte nicht so weit gekommen wären.« Jace lächelte sie schief an.
Bethany stellte sich sogleich aufrecht hin und lief stillschweigend weiter. So ließ sie Jace auf der Treppe hinter sich stehen, der sich fragte, was das nun sollte. Er verstand sie nicht und ihre widersprüchliche Handlungen verwirrten ihn. Dennoch zuckte er bloß mit den Schultern und lief zu ihr hin, an ihrer Seite. Die Fragen über sie türmten sich ins Unendliche bei ihm auf.

Sie erreichten den Keller und Simon zeigte ihnen ein aufschließbares Gitter, das in die begehbare Kanalisation New Yorks führte.
"Keine Sorge, hier gibt es keine Alligatoren", scherzte er, "zumindest glaube ich das. Nachdem was ich heute gesehen habe, was ihr könnt, da bin ich mir gar nicht mehr sicher."
Er strich mit der Hand an der Wand entlang, als sie sich auf einem schmalen Steg entlanghangelten.
Als sie gut zehn Minuten stillschweigend voranschlichen, platzte es schließlich aus Simon heraus: "Jace, wieso warst du wirklich da in dieser Gasse? Ich meine, ich war weit, weit weg von jeder Menschenmenge. Wieso warst du da? Und was zur Hölle war das eben?"
»Fragst du dich nie was du vor den letzten anderthalb Jahren gemacht hast? In den zwei Jahren zuvor?«
Simon traute nicht dem, was er hörte. Er hatte diesen Schleier schon immer verspürt, allerdings hielt er es für eine Art Filmriss durch zu viel Stress oder anderes. »Was, woher weißt du das?«
»Ich wüsste jemand, der dir da helfen könnte. Er ist fast so magisch wie sie!« Jace zeigte auf Bethany.
Da polterte sie dazwischen: »Jace, er darf es nicht wissen, er hat Gottes Segen, er hat eine zweite Chance erhalten, dafür musste er!«
Sogleich verstummte sie. Sie war drauf und dran sich selbst zu verraten. Und das gegenüber ihr Fremden.
Doch Jace reagierte schon längst mit einem böswilligen Blick: »Wer bist du? Wie kommt es dazu, dass du so etwas weißt?«
Die gleiche Frage stellte sich Bethany über Jace. Woher hatte er all diese Informationen, wenn er einzig nur ein Schattenjäger war?
»Er trug das Kainsmal einst, er hat ein Leuchten an sich, das kaum ein anderer Mensch trägt, nur diejenigen, die.« Bethany stoppte sich selbst im Satz. Sie merkte, dass sie zuviel gesagt hatte und schwieg.
Jace hingegen fuhr fort: »Die was? Und wie Simon schon fragte, was für Kräfte waren das eben?«
Simon nickte bejahend: »Ja das wüsste ich gern, ich habe noch nie so etwas gesehen.«
Sie schüttelte den Kopf: »Ich darf es nicht sagen, das wäre unrecht. Aber warum weißt du davon, Jace? Und warum bist du nicht bei den anderen Schattenjägern? Du gehörst doch nicht hierhin!«
Jace runzelte die Stirn und antwortete ernst: »Ich erzähl dir meine Geheimnisse, wenn du deine auch verrätst.«
Das hatte sie nicht erwartet. Und im nächsten Moment dachte sie an ihre Mutter, die immer eine Antwort parat hatte. Sie hier jedoch nicht. Aber allein der Gedanke an sie ließ ihr eine Träne hinunterkullern.
Jace sah sie erstaunt an und kam ein Schritt auf sie zu.
»Entschuldige! Ich wollte dir nicht wehtun«, er wischte den Tropfen von ihrer Wange.
Sogleich stürmte sie in seine Arme und bettete ihr Gesicht an seiner starken Brust. Sie wusste, ohne ihn, wäre sie längst nicht hier, wäre niemals gerettet worden. Aber gleichzeitig hatte sie solch eine Angst davor herauszufinden, wer dieser mysteriöse Schattenjäger und dieser junge Student waren.
Jace strich ihr vorsichtig über die hellblonden Haare und flüsterte ihr aufmunternd zu: »Wir finden schon noch deine Eltern, wir müssen nur hier irgendwie weg. Weißt du denn gar keinen Ort?«
»Wir sind in New York, oder? Dann müsste ich sie vielleicht in der Saint John Kathedrale antreffen.«
Simon zog eine Augenbraue hoch: »Warum ausgerechnet da?«
Bethany löste sich aus Jaces Armen und seufzte: »Bitte vertraut mir!«
Sogleich zuckte Jace erneut mit seinen Schultern. »Gegebenenfalls können ja deine Eltern Licht ins Dunkel bringen, was hier los ist. Also kommt! Aber unterwegs suchen wir uns etwas zu essen. Ich verhungere!«
Sie lächelte zustimmend dazu. Auch ihr Magen hing schon in den Kniekehlen.
»Na dann«, erwiderte Simon, »ich kenne hier in der Nähe ein gutes Restaurant.«
»In der Kanalisation?«, antwortete Jace schnippisch.
Simon rollte mit den Augen und zeigte in eine Richtung vor ihnen. »Nein, ich war schon ein paar Mal hier. Ich kenne den Weg!«
Jace erhob die flache Hand und streckte den Arm aus. »Ach so, na dann. Nach ihnen!«
Bethany kicherte und grinste Jace zu.
Sie mochte seine Art.
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