From Vengeance To Forgiveness (Sequel zu 'The Choices We Make')

von MonaGirl
GeschichteDrama, Romanze / P12
Daniel Grayson Emily Thorne / Amanda Clarke Jack Porter Nolan Ross OC (Own Character) Victoria Grayson
04.07.2017
07.09.2017
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Am Strand, Hamptons

Acht Wochen später – 22. März

Behutsam nahm Emily ihren kleinen Sohn aus seinem Kinderwagen und trug ihn hinüber zum Wasser. Als die Wellen ihren Füße umspülten, blieb sie stehen und schaute lächelnd auf Julian herab, der sie mit großen Augen ansah.

“Was tust du da eigentlich?”, rief Daniel ihr zu, der ein paar Meter vom Wasser entfernt auf einer Decke saß.

“Ich zeige ihm das Meer.” Lächelnd drehte sie sich zu ihm. “Es ist das erste Mal, dass er hier ist. Ich weiß noch, wie sehr ich als Kind den Strand und das Meer geliebt habe...” Sie stoppte mitten im Satz, als sie Daniel's gerunzelte Stirn sah. Natürlich, dachte sie innerlich seufzend. Wie sollte er auch wissen, dass sie, genau an dieser Stelle, auch schon als kleines Mädchen gespielt hatte, bevor seine Eltern ihren Vater verraten, ihn ins Gefängnis gesteckt und dann hatte ermorden lassen. “Meine Eltern waren oft mit mir am Strand”, fügte sie erklärend hinzu, bevor Daniel misstrauisch werden konnte.

Sie war glücklich mit ihm. Glücklich mit ihrem Baby. Und sie hatte das Gefühl, als ob sie auch von Victoria allmählich akzeptiert wurde. Zumindest hatten sie so eine Art Waffenstillstand geschlossen, seitdem Emily wieder im Manor wohnte. Und Daniel's Heilung machte gute Fortschritte. Er konnte zwar immer noch keine langen Märsche machen, geschweige denn regelmäßig seine Joggingrunden drehen, doch er musste nicht mehr die ganze Zeit im Bett liegen oder herumsitzen. Der Wunsch, zurück ins Strandhaus zu ziehen, war in den letzten Tagen übermächtig geworden. Sie wollte endlich wieder ungestört mit Daniel sein. Doch sie wusste, dass es nicht einfach sein würde, Victoria zu überzeugen, aus dem Manor auszuziehen.

“Denkst du nicht, dass er noch ein wenig zu jung ist, um Schwimmen zu lernen?”, meinte Daniel schmunzelnd.

“Man kann nicht früh genug damit anfangen.” Emily trat aus dem Wasser und ging zu ihm. “Hier, halt ihn mal!” Sie drückte ihm den Säugling in den Arm. “Ich muss die Wellen ausnutzen, so lange wir Flut haben”, sagte sie und rannte zurück ins Wasser.

Lächelnd beobachtete Daniel, wie sie sich, wie ein Delphin, in die Fluten stürzte und in den Wellen untertauchte. Wie gerne hätte er es ihr gleichgetan. Doch die Ärzte hatten noch jegliche körperliche Anstrengung verboten. Er erinnerte sich an das eine Mal am Strand, wo sie sich leidenschaftlich geliebt hatten. Alles Aktivitäten, die er bisher vermieden hatte. Dabei wünschte er sich nichts mehr, als ihr auch wieder körperlich zu zeigen, wie sehr er sie liebte und begehrte. Doch er war auch dankbar dafür, dass er überlebt hatte und überhaupt eine weitere Chance, auf ein gemeinsames Glück mit Emily bekommen hatte. Die Ereignisse auf der Insel hatten ihn und auch sie verändert. Er wusste jetzt, dass Emily bedingungslos hinter ihm stand und sogar bereit war, für ihn zu sterben. Sie hatte ihm verziehen. Er konnte es immer noch nicht glauben. Und obwohl er Aiden erschossen hatte, wurde er nicht dafür zur Verantwortung gezogen. Notwehr, hieß es von Seiten der Polizei. Er wusste, dass es Emily nicht kaltließ, dass ihr ehemaliger Gelieber tot war. Doch sie redeten nicht darüber. Sie versuchten sich auf das zu konzentrieren, was sie beide hatten. Er sah lächelnd zu seinem Sohn und streichelte sanft seine Wange. Es gab sovieles, für das er dankbar sein musste. Nicht nur, dass er überlebt hatte, es ging auch Julian von Tag zu Tag besser. Niemand würde mehr vermuten, dass er vor zwei Monaten als Frühchen zur Welt gekommen war. Er hatte ordentlich zugenommen und zeigte erstaunliches Interesse an seiner Umwelt, wenn er wach war. Sein Gedankengang wurde plötzlich unterbrochen, als Emily zurückkam und nach dem Handtuch griff.

“Es ist noch ganz schön frisch da draußen. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen.” Sie beugte sich zu ihm herab und gab ihm einen leichten Kuss auf den Mund.

“Warte mal...” Er erhob sich und legte Julian zurück in den Kinderwagen, bevor er Emily packte und sie an sich zog. “Ich glaube, das können wir besser...” Er wartete erst gar keinen Kommentar von ihr ab, sondern beugte sich über sie und küsste sie mit solcher Leidenschaft, dass er spüren konnte, wie sie unter seinem Drängen nachgab.

Leise stöhnend öffnete sie ihre Lippen und erlaubte seiner Zunge Einlass, während sie mit ihren Fingern durch sein Haar fuhr und ihn noch fester an sich presste. Wie lange war es her, dass sie miteinander geschlafen hatten? Sie wusste es nicht. Doch in diesem Moment war der Wunsch, ihn in sich zu spüren, so groß, dass er jeden weiteren Gedanken verdrängte. Mit bebenden Fingern schob sie sein Shirt über den Kopf und stöhnte leise auf, als er die Träger ihres Bikini-Oberteils zur Seite schob und seine Lippen über den Ansatz ihrer Brüste gleiten ließ. Als er sie mit zu sich auf die Decke zog und erneut leidenschaftlich zu küssen begann, schmolz ihr Widerstand komplett dahin. Vermutlich hätten sie ihren Gefühlen einfach ihren freien Lauf gelassen, wenn nicht eine Stimme sie aus ihrer Ekstase geholt hätte.

“Daniel! Emily!”

Erschrocken hielten beide inne. Emily war die erste, die reagierte und sich langsam von Daniel löste und aufsetzte. Hastig schob sie ihr Bikinioberteil zurück in seine ursprüngliche Position. “Victoria! Wir haben dich gar nicht kommen hören”, stieß sie, immer noch schweratmend hervor.

“Ja, den Eindruck hatte ich auch.” Sie sah ihren Sohn missbilligend an. “Also wirklich, Daniel! Was habt ihr euch nur dabei gedacht? Und dann auch noch in Gegenwart des Jungen!” Sie schaute schnell zu ihrem Enkel, der friedlich im Kinderwagen schlief.

Er griff nach seinem Shirt und zog es über. “Ich glaube kaum, dass es ihn gestört hat”, meinte Daniel augenrollend. Er erhob sich. “Mom, ich glaube, es ist an der Zeit, dass Emily und ich wieder zurück ins Strandhaus ziehen”, sagte er entschlossen.

“Aber wieso denn nur?”, fragte Victoria sichtlich betroffen. “Du bist noch längst nicht gesund genug, um...”

Sie kam nicht weiter, als er eine unwirsche Handbewegung machte. “Zwei Monate, Mom! Ich glaube, die Ärzte hatten etwas von Wochen gesagt. Jetzt sind es schon Monate. Es geht mir gut. Ich bin wieder fast komplett gesund. Und es gibt keinen Grund, wieso Emily und ich noch länger unter Pflegern und Kindermädchen leben sollten!”

“Wir können dem Pflegepersonal und dem Kindermädchen sagen, dass ihre Hilfe nicht mehr benötigt wird”, warf Victoria ein. “Aber das ist kein Grund, aus dem Manor auszuziehen.”

“Wir wollen wieder unser eigenes Leben leben”, machte er noch einmal klar. “Auch Privatsphäre genannt. Wenn du das nicht verstehen kannst, dann tut es mir leid!” Er bückte sich nach der Decke, faltete sie zusammen und legte sie auf den Kinderwagen. “Em, kommst du?”

Emily warf einen Blick zu ihrer Schwiegermutter hinüber, der man ansehen konnte, dass sie es nicht gewohnt war, dass man so mit ihr redete. Umso beeindruckter war sie, dass er die Courage aufgebracht hatte. Sie wusste, er hatte es hauptsächlich für sie getan, weil sie schon öfter geklagt hatte, dass ihr die Privatsphäre im Haus fehlte, trotz der vielen Zimmer, die das Manor zu bieten hatte. Sie griff den Kinderwagen und folgte ihm.

“Puh...” Er wischte sich eine imaginäre Schweißperle von der Stirn. “Ich hoffe, sie hat es jetzt kapiert.”

Emily drehte sich um und stellte fest, dass ihre Schwiegermutter immer noch an derselben Stelle stand und aufs Meer hinausschaute. Es war nicht das erste Mal, dass sie sich fragte, wieso ihr Vater sich ausgerechnet damals in Victoria verliebt hatte. Er, den sie als einfühlsam und liebevoll in Erinnerung behalten hatte. Sie war zwar noch sehr klein gewesen, als sie damals getrennt worden waren, doch sie konnte sich an jedes kleinste Detail erinnern. Was war es gewesen, dass ihn zu dieser kühlen, berechnenden Frau, hingezogen hatte?

“Emily?”

Daniel's Rufen riss sie aus ihren Gedanken. Und während sie dann mit ihm zurück zum Manor ging, um alles für eine Rückkehr ins Strandhaus vorzubereiten, fragte sie sich, ob ihr Leben anders verlaufen wäre, wenn man ihren Vater damals nicht ermordet hätte.





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