Ungezähmt

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Edmund Pevensie Peter Pevensie
03.07.2017
03.07.2017
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Narnia kann nicht gezähmt werden. Sie wird niemals stillschweigen, wird nicht ausbluten für uns. Wir gehören ihr und nur vor ihr und Aslan werden wir knien. – Peter der Prächtige, Hochkönig von Narnia, der erste der vier Könige und Königinnen der alten Zeit


Die Pevensies sind furchteinflößend. Darin sind sich die jungen Männer einig, die in derselben Einheit kämpfen wie Peter Pevensie, der groß und schlaksig ist, wie es viele junge Männer sind, der auf dem Schlachtfeld zuhause ist, mit grimmigem Lächeln und fließenden Bewegungen. Er wusste nicht, wie er mit einer Pistole umzugehen hatte, zuerst, sah sie an mit derselben verwirrten Neugierde, die seine Vorgesetzten schon oft sahen.

Er lernte schnell.

Schneller als all die anderen machte er die Pistole zu einem Teil seines Armes, Fingers ruhig und sicher, Augen freudig funkelnd. Er verletzte sich niemals während des Trainings, war schneller, sich seiner Umgebung bewusster als alle anderen Soldaten.

Kämpfe niemals mit Peter Pevensie, flüstern die Soldaten einander zu, als sie beisammen sitzen, Bier und Ale trinkend, einander Geschichten erzählend. Mach ihn nicht wütend, die ganze Welt ist ein Schlachtfeld für diesen Mann. Einer der jungen Soldaten neckte Pevensie wegen seiner altmodischen Sprache, der Art, wie er in einen Raum kommt als erwarte er, dass jedes Gespräch sofort zum Stillstand kommt. Der Kampf, der daraufhin ausbricht, ist brutal, ist nicht wie die spielerischen Balgereien, die die Soldaten immer wieder untereinander austragen.

Pevensie brach den Arm des Soldaten, stand hinter ihm mit blutiger, gebrochener Nase und nannte ihn ein unwissendes, bockiges Kind.

Der Junge war genauso alt wie Pevensie. Doch Pevensie ist kein Junge. Er hat weder einen Bart noch den Körperbau eines Mannes. Doch er spricht, lächelnd und charmant, spricht von Krieg und Blutvergießen so beiläufig als spräche er von seinen Abendplänen. Er hält sich, als wäre er älter als er ist, zieht die Aufmerksamkeit eines jeden Raumes auf sich.

Pevensie ist ein Mann.


Pevensies Bruder, wie ein Schatten, mit dunklem Haar und dem ruhigen Gebaren eines Mannes, der jedes seiner Worte vor sich selbst rechtfertigt, lernt Pistolen viel schneller, nimmt sie an wie Atmen, als käme er nach Hause nach Jahren im Exil in einem fernen Land. Er trat der Armee zwei Jahre später bei.

Als die Brüder herausfinden, dass sie in derselben Einheit kämpfen, feiern sie. Sie stoßen nicht darauf an, umarmen einander nicht wie andere Brüder es tun würden.

Sie kämpfen.

Fechten ist ein beliebter Sport unter den Soldaten. Es vertreibt die Zeit und niemand wird verletzt. Bis die Pevensie Brüder unter den Blicken vieler starrender Zuschauer miteinander fechten.

Als sie ihre Schwerter heben, sehen sie tödlich aus, wie die Waffen, die sie sein sollten bevor Feuer über das Schlachtfeld flog. Es sieht nicht aus wie ein Kampf, zu Beginn, sieht aus wie ein choreographierter Tanz – bis Pevensie die Abwehr seines Bruders durchbricht und ihm eine blutende Wunde zufügt. Dies ist kein Tanz, ist nicht Unterhaltung, dies ist ein Kampf zwischen zwei Männern, die ihre Schwerter mit Leichtigkeit handhaben, als hätten sie öfter mit ihnen gekämpft als mit den Pistolen, die seltsam und fremd aussehen in ihren Händen.

Die Zuschauer halten inne in dem Moment, in dem Pevensies kleiner Bruder zu bluten beginnt. Doch der Mann, denn er ist ein Mann, mit vorsichtigen Worten und bedachten Bewegungen, ein Mann, der spricht, ohne etwas zu sagen, grinst bloß und greift an. Er müht sich nicht einmal, das Blut wegzuwischen.

Danach möchte niemand mehr fechten.

Nun, die Pevensies sind furchteinflößend, einer laut, überlebensgroß, die Aufmerksamkeit eines Raumes auf sich ziehend, der andere leise und bedacht, seine Umgebung mit misstrauischen dunklen Augen beobachtend. Sie sind außerdem die besten Soldaten der Einheit. Sie sind schnell und effizient und Blut verschreckt sie nicht, so wie es das bei jungen Männern ihres Alters gewöhnlich tut. Die Vorgesetzten schieben es auf den Krieg. Die Kinder wurden aufs Land geschickt, sie alle kamen anders zurück, wilder.

(Sie ignorieren die Tatsache, dass die Pevensies nicht wild sind. Sie kamen anders zurück, höflich und umgänglich und erwachsen. Sie kamen zurück und wussten, wie sie einem Gesprächspartner glauben machen, dass ihm wertvolle Information gegeben wurde, obwohl er nicht klüger ist als zuvor. Sie kamen zurück und wussten, wie man kämpft, mit Schwertern, Pfeil und Bogen, Messern, kamen zurück mit Sehnsucht in ihren Augen die nicht nur nach dem Land sein konnte.)

Da war einmal ein Kampf, als, in der Mitte des Kugelhagels und der Granaten, Pevensie nicht auf seinen Vorgesetzten hörte, mit ihm stritt und seine Befehle missachtete, bis sein Bruder ihn zu Boden stieß und schrie: „Das ist nicht Narnia, Pete!“, in einer Stimme, die so anders war als seine gewöhnlichen leisen Worte. „Wir sind nicht mehr dort, bleib unten oder du wirst erschossen!“

Und natürlich, wenn einer der beiden furchteinflößendsten Männer der Einheit den anderen anbrüllt und dieser tatsächlich zuhört, und dieses Brüllen keinen Sinn macht für einen Außenstehenden, brodelt die Gerüchteküche. Und mit ihr kommt der Wettbewerb. Was ist Narnia, und warum bringt es gerade Edmund Pevensie dazu, die Fassung zu verlieren?

Sie finden es niemals heraus. Sie hören niemals, wie Edmund in sich schrumpft wenn der Schnee fällt, hören niemals, wie Peter ihn beruhigt mit sanften Worten und Wiegeliedern, die keiner von ihnen kennen kann. Sie hören keine der geflüsterten Gespräche über Lucy, über Susan, über fürchterlichen Cousin Eustace, über Narnia, über Aslan. Sie lesen niemals Helen Pevensies Brief an Peter, in dem sie von Lucy erzählt, wie das Mädchen mit Messern spielt und Bäumen spricht, sehen niemals, wie Susan langsam verblasst. Sie sehen niemals, wie Peters Rücken sich krümmt mit jedem Ruf seines Namens, sehen niemals, wie Edmund bei dem Anblick von türkischem Honig würgt.

Sie sehen Edmund, der in dunklen Ecken, in Pubs, seine Hände auf die Hüften junger Männer legt, seine Lippen auf ihren Nacken. Sie hören, wie Peter seine Vorgesetzten missachtet, immer und immer wieder, sehen, dass Edmund härter wird, wenn der Schnee fällt, und feindselig. (Sie wissen nicht, dass die weiße Hexe immer noch in seinen Adern lebt, dass er sich immer noch für einen Verräter hält.)

Die Pevensies sind furchteinflößend, sind Brüder, sind Männer. Und als sie in einem Zugunglück 1949 sterben, und die gesamte Einheit zu ihrem Begräbnis kommt, sprechen sie einer jungen Frau ihre Anteilnahme aus. Sie trägt Lippenstift in der Farbe frischen Blutes, ein maßgeschneidertes schwarzes Kleid und dunkle Strümpfe, und lächelt ihnen entgegen. Sie akzeptiert jede ihrer Reden, sieht ihnen in die Augen und vergießt nicht eine Träne.

Die Pevensies sind furchteinflößend.

Ich habe keine Frau geliebt in meinem Leben, außer Narnia. Meine Hingabe zu ihr wird nicht vergehen, nicht verblassen, bis die Sterne von ihrem Himmel regnen und wir sie wiedersehen. – Edmund der Gerechte, dritter der vier Könige und Königinnen der alten Zeit
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