Erstgeborene Schottlands Rose

GeschichteDrama, Romanze / P16
"Fergus" Claudel Fraser James "Jamie" MacKenzie Fraser Murtagh Fraser OC (Own Character)
02.07.2017
24.08.2017
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02.07.2017 1.812
 
Hallo,

schön das ihr bei meiner Fortsetzung zu Erstgeborene dabei seid :D
Es wird spannend weiter gehen, hier der Trailer

https://www.youtube.com/watch?v=5dE-XpsrGTQ

So und nun viel Spass beim Lesen ^^


„Siehst du diese Pflanze? Die können wir für Tinkturen verwenden. In der letzten Zeit gab es viele Unfälle in der Stadt, die wir damit gut behandeln können. Hörst du mir überhaupt zu? Faith?“, höre ich meine Mutter reden.

Blinzelnd schaue ich sie an und kann mir ein Lächeln nicht verkneifen. „Tut mir leid. Was hast du gefragt?“ Entschuldigend blicke ich meine Mutter an. Seitdem wir alle wieder glücklich vereint sind, sind zwei Jahre vergangen. Wir wohnen nicht mehr auf Lallybroch, sondern in der Nähe von Edinburgh wo Jamie, also mein Vater, ein Haus gekauft hat und seitdem wieder in seiner Druckerei arbeitet.

Mit meiner Tante Jenny haben wir uns versöhnt und auch wenn sie wollte, dass wir bei ihr auf Lallybroch wohnen bleiben, so war für uns alle klar, dass wir uns etwas eigenes erschaffen wollten. Und so ist es auch gekommen. Das Haus liegt auf einem Grundstück in der Nähe eines wunderschönen Sees und in weniger als zwei Stunden ist man in der Stadt. Also das perfekte Zuhause für uns drei.

„Ob du diese Pflanze dort siehst? Die mit den gelben Blüten, aber wie es aussieht hast du heute keine Augen dafür. Was ist es stattdessen?“ In manchen Momenten kann ich es immer noch nicht glauben, dass ich jetzt eine Familie habe. Es fühlt sich so unwirklich an, auch nach zwei Jahren, aber es ist auch das schönste Gefühl das ich kenne.

„Und? Wo drückt der Schuh?“, hakt sie nach. Sie wischt sich mit der Hand den Schweiss von der Stirn und sieht mich liebevoll an. „Es ist so ein schöner Tag, am See wäre es noch viel schöner weißt du?“ Sie lächelt wissend und streckt die Hand nach meinem Korb aus. „Dann geh, geniess den Tag, aber sei vor Sonnenuntergang zuhause. Ja?“, sagt sie und ich kann nicht anders als ihr um den Hals zu fallen.

„Danke, danke, danke“, erwidere ich fröhlich und küsse meine Mutter zum Abschied auf die Wange. „Ich werde pünktlich Zuhause sein, versprochen.“ Damit gehe ich durch den Wald zum nahegelegenen See, der mein liebster Platz geworden ist. Dort kann ich meinen Gedanken nachgehen und die Seele baumeln lassen. Die Sonne scheint durchs lichte Blätterdach und wirft bezaubernde Schatten auf den Boden.

Wie immer nehme ich den gleichen Weg um zum See zu gelangen, er führt durch den Wald und endet direkt am See. Es ist ein wunderschöner Maitag und die Sonne strahlt was den Menschen und der Natur gut tut. Es hebt die Stimmung aller und lässt uns nicht immer über die politische Lage nachdenken, sondern den Moment geniessen.

King Georg III regiert schon seit Jahren, doch noch immer ist in den Herzen der Schotten kein englischer König eingezogen. Ich bin in Frankreich in einem Kloster aufgewachsen, weit ab von den politischen Diskussionen über Krieg oder Frieden und dennoch habe ich die Auswirkungen die diese Entscheidungen mit sich gebracht haben, gespürt.

Seit ein paar Jahren herrscht Frieden, doch es brodelt auch weiterhin in den Schenken Schottlands. Die Bevölkerung akzeptiert keine englische Regentschaft in ihrem kleinen Land, doch es ist nun mal Tatsache das King Georg III der Herrscher über beider Länder ist und somit auch über uns bestimmen kann.

Aber in meinem Herzen bin und bleibe ich eine kleine Rebellin, die Saat meines Vaters würde meine Mutter dazu sagen. Ich sehe das ein klein wenig anders, mein Vater kann mir noch so viel über seine Vergangenheit im Gefängnis erzählen und mich damit formen wollen, doch ich bilde mir immer noch selbst ein Urteil über all das was in der Welt passiert. Ich bin am See angekommen und setze mich am Rande des Ufers hin.

Dort ist das Gras nicht so dicht und der Blick über das glänzende Wasser ist von hier aus viel schöner, als von einer anderen Stelle. Manchmal habe ich ein Buch dabei, doch dieses Mal möchte ich einfach die Sonne auf meinem Gesicht spüren und die Zeit für mich geniessen. Während ich dem Geschnatter der Enten und dem Rauschen des Windes zuhöre, wandern meine Gedanken von einem zum andern.

Nachdem wir uns mit Tante Jenny versöhnt haben, blieben wir einen Monat dort, damit Jamie Zeit hatte für ein Heim zu sorgen. Am letzten Tag des Monats fand er das kleine Anwesen, seitdem wohnen wir hier und ich würde nie woanders wohnen wollen. Fergus lebt in Edinburgh und hilft Jamie bei seinen Druckaufträgen und Robert arbeitet als Schmied ebenfalls in der Stadt.

Er wollte sich etwas eigenes aufbauen, meinte er, deshalb hatte er das Angebot abgelehnt bei uns zu wohnen. Aber ich denke es hat auch einen anderen Grund, den der mein Herz noch immer zum Weinen bringt. Das mit Fergus und mir…wie soll ich es sagen…hat sich nicht so entwickelt wie ich das wollte. Er ist viel unterwegs, lebt sein eigenes Leben und ich meines. Doch wann immer ich ihn sehe, hüpft mein Herz genauso schnell wie damals. Vielleicht gibt es ja noch eine Zukunft für uns…irgendwann einmal.

Ich öffne die Augen und sehe wie die Wolken am Himmel zu Schafen, Hasen und Füchsen werden. Lache, als sich der Hase vorbei an dem Fuchs schiebt und sich dann in eine schnatternde Ente verwandelt. So sehr ich dieses Plätzchen auch liebe, so egoistisch bin ich, dass ich hierher noch nie jemand mitgenommen habe. Hier kann ich meinen Gedanken nachgehen, mich einfach von den Geräuschen treiben lassen.

Doch als ich plötzlich einen Schrei vernehme, ist die Idylle dahin und ich weiss, ich bin nicht alleine. Ich schrecke hoch und halte mir die Hand schützend vor die Augen, denn die Sonne blendet mich stärker als sonst. Zuerst kann ich niemanden sehen, nur noch einen weiteren Schrei hören, aber dann entdecke ich jemand in der Mitte des Sees.

„Hilfe!“

Ohne nachzudenken wer das sein könnte, renne ich am Ufer entlang und springe danach ins kalte Wasser. Zuerst bin ich von der Eiseskälte wie gelähmt, doch dann löst sie sich und ich schwimme an die Oberfläche, schnappe nach Luft und sehe wie der Mann immer wieder untergeht, dabei rudert er wie wild mit den Armen.

So schnell ich kann schwimme ich zu ihm und kann ihn gerade noch festhalten, bevor er gänzlich untergeht. Ich versuche darauf zu achten, dass sein Kopf oben bleibt während ich ihn ans Ufer ziehe. Was gar nicht so leicht ist, doch ich schaffe es und ziehe ihn schwer atmend ans Ufer

. Doch um mich auszuruhen bleibt mir nachher noch genug Zeit, doch dieser Mann atmet kaum noch und ich will nicht, dass er stirbt. Also horche ich sein Herz ab, es schlägt leise in seiner Brust und kämpft um sein Überleben. Entschlossen drehe ich ihn auf die Seite und hoffe, dass das Wasser in seiner Lunge so abfliesst. Doch es passiert nichts und als seine Atmung aussetzt, gerate ich in Panik.

„Nein…nicht sterben…hast du gehört? Du wirst heute sicher nicht sterben“, sage ich verzweifelt und setze an ihn zu beatmen. Ich puste Luft in seinen Mund, während ich seine Nase zuhalte. Das alles habe ich von meiner Mutter gelernt und das rettet ihm jetzt vielleicht auch das Leben.

Ich wiederhole  diesen Vorgang immer wieder und dann plötzlich spuckt er Wasser und reisst die Augen auf. Schnappt nach Luft und versucht sich hustend aufzusetzen. Ich helfe ihm dabei und schaue ihm fasziniert in seine kristallblauen Augen. „Was ist geschehen?“, fragt er leise. Seine Atmung normalisiert sich und ich setze mich hin und atme selbst tief durch.

Dabei spüre ich seinen Blick auf mir ruhen und als ich meinen Kopf hebe, begegnen sich unsere Blicke und es ist, als würde ich direkt in seine Seele blicken können. Doch so schnell wie der Moment gekommen ist, ist er auch wieder weg und er schaut an mir vorbei, als würde er jemand suchen. Vielleicht seine Verlobte?

Ich schüttle kaum merklich den Kopf um diesen absurden Gedanken zu verscheuchen. „Hast du mich gerettet?“, fragt er beinahe ungläubig, als er ausser mir keinen entdecken kann. Stolz lächle ich und nicke mit dem Kopf.

„Ja das habe ich“, sage ich und sehe wie er lächelt. Ein warmes und schönes Lächeln, eines das einem das Herz erwärmt wenn man es sieht. „Wie bist du hierher gekommen?“, frage ich, nach einer Weile in der wir beide geschwiegen haben. Der Mann sieht sich um, als würde er die Antwort auf meine Frage irgendwo im hohen Gras finden.

Doch dann sieht er mich wieder an und will etwas sagen, als ein Wiehern durch die Luft hallt und uns beide darauf aufmerksam macht. Er will aufstehen, doch seine Beine wackeln und er setzt sich etwas ungalant auf den Boden. „Ich helfe dir“, sage ich und stehe  auf, helfe ihm auf die Beine zu kommen. Während er sich auf mir abstützt und nach dem Pferd sucht, betrachte ich sein Profil.

Er hat ein schmales Gesicht, wunderschöne blaue Augen und ein neckisches Kinn. Als ein Pferd samt Reiter auftaucht, zucke ich zusammen ganz ohne Grund. Der Mann dessen Name ich nicht kenne sieht mich mitfühlend an, was mir die Röte ins Gesicht treibt. „Eure Hoheit! Wieso seit ihr nicht auf Eurem Pferd?“, fragt der Reiter der braunes krauses Haar hat und mich mit einem feindseligen Blick ansieht, als er vor uns stehen bleibt.

„Lord Warrick, ich bin wohl vom Weg abgekommen und als ich mich durch das Dickicht gekämpft habe, hat sich mein Pferd erschreckt und mich durch die Luft geschleudert. So kam es, dass ich beinahe untergegangen wäre, wenn dieses Mädchen nicht gewesen wäre.“ Als er das sagt, funkeln seine Augen und ein Lächeln ziert seine Lippen. „Ist dem so?“ Die Frage gilt wohl mir, also nicke ich. „Nun gut. Wie dem auch sei, Ihr müsst wieder zurück zu Eurer Eskorte. Könnt Ihr aufsitzen?“

Dieser Lord sieht mich nach wie vor mit einem stählernen Blick an, als würde er mich am liebsten unter seinen Füssen zerquetschen wollen. „Ich versuche es“, sagt er und versucht alleine zu gehen. Zuerst etwas wackelig, doch dann immer sicherer. Wie von selbst folge ich ihm und sehe wie er sich hinter diesem Lord auf das schwarze Pferd setzt. „Habt Dank für Eure Rettung“, sagt er und lächelt mich besonders warmherzig an.

„Nichts zu danken“, erwidere ich und sehe wie der Lord das Pferd in die andere Richtung lenkt und davon reitet. Der Mann dreht seinen Kopf und winkt mir zum Abschied, lächelnd winke ich ebenfalls. Ich winke auch dann noch, als er längst aus meinem Blickfeld verschwunden ist.

„Eure Hoheit?“, flüstere ich und begreife wem ich an diesem schönen Maitag das Leben gerettet habe. Lächelnd und voller widersprüchlicher Gefühle trete ich den Heimweg an und frage mich, werde ich ihn jemals wiedersehen?

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Ich hoffe es hat euch gefallen? Was meint ihr wie es weiter gehen wird?
eure Amanda
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