Dakota Crimson und das Geheimnis des Spiegel Nerhegeb

von Melissi
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Fred Weasley Harry Potter Justin Finch-Fletchey OC (Own Character) Padma Patil Parvati Patil
01.07.2017
12.09.2019
13
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Es war ein kleiner Raum. Kein Fenster und nur ein schmales Loch in der Wand, um hinauszugelangen. Es fiel schwer zu atmen. Der ganze Staub, der sich an den Holzwänden und auf den modrigen Bodendielen abgesetzt hatte, zog alle Feuchtigkeit aus der Luft.
   Ein leises Keuchen, welches alle Kellerasseln durch das kleine Loch in der Wand vertrieb, kam aus der Ecke des dunklen Zimmerchens. Dakota saß mit angewinkelten Beinen auf dem Boden, gekleidet in ihrem Nachthemd. Ein rosafarbenes Kleidchen; der einzige Farbtupfer im kargen Raum. Ihre Haut war so blass und ihr Haar so pechschwarz; hätte sie das Nachthemd nicht getragen, könnte man glatt meinen, sie gehöre zur Zimmereinrichtung. Sie hatte sich schon einige Stunden dort in ihrem kleinen Kabuff versteckt und geweint. Diesen Morgen war ein Brief für sie angekommen. Zuerst hatte sie sich gefreut, denn so selten bekam sie Briefe; doch als sie den Absender sah, brach sie in Tränen aus, kroch durchs Loch in der Wand und schleppte sich in die Ecke.
   Dakota klammerte sich immer noch schluchzend an den Brief, welcher mittlerweile knittrig und in der Mitte sorglos zusammengefaltet war, und versuchte all ihren Mut zusammen zu nehmen, ihn zu öffnen. Sie knubbelte eine gute Weile am violetten Wachs, der den Brief versiegelte.

               Ms Dakota Crimson
               Das rostige Bett am Fenster
               Avalon Waisenheim
               Schottland

Das war die Adresse, an die der Brief gesendet wurde. Sie schienen also genau zu wissen, wer und vor allem, wo Dakota war. Sie atmete noch einmal tief durch und riss den Briefumschlag ungeschickt auf. Im Umschlag fand sie ein Stück Pergamentpapier.

Howarts-Schule für Hexerei und Zauberei

Schulleiter: Albus Dumbledore

(Orden der Merlin, Erster Klasse, Großz., Hexemst., Ganz hohes Tier, Internationale Vereinig. d. Zauberer)


   Sehr geehrte Ms Crimson,
   wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei aufgenommen sind. Beigelegt finden Sie eine Liste aller benötigten Bücher und Ausrüstungsgegenstände.
   Das Schuljahr beginnt am 1. September. Wir erwarten Ihre Eule spätestens am 31. Juli.

   Mit freundlichen Grüßen

   Minerva McGonagall
   Stellvertretende Schulleiterin

Von klein auf hat Madam Podmore ihr beigebracht, dass Hexen nur einen Platz in dieser Welt hatten. Hogwarts. Ein grausamer Ort, beherrscht von dunklen Mächten, die alles Leben aus deinem Körper saugten. Ein Ort, heimgesucht von den gefürchtetsten Geistern unseres Jahrhunderts, die schon zu ihren Lebzeiten Furcht und Schrecken verbreitet hatten.

   Vor ein paar Jahren hatte ein Mädchen ein paar Betten weiter von Dakotas Bett den gleichen Brief bekommen. Sie kam nur noch einmal im Jahr hierher. Jeden Sommer, für ein paar Wochen. Madam Podmore hatte dem Mädchen verboten, darüber zu reden, was an diesem schrecklichen Ort passieren möge; sie fand nicht, dass diese Horrorgeschichten für Kinder geeignet waren.
   Madam Podmore hatte Dakota zum ersten Mal von diesem Ort erzählt als sie, Dakota, den Schnee im Hinterhof des Waisenheims hatte in der Luft tanzen lassen. Immer wieder hatte sie die glitzernden Schneeflocken in die Höhe gewirbelt bis sie Kopfschmerzen bekam und noch länger. Und dann kam Madam Podmore und zog sie am Arm rein in die Besenkammer, wo sie sie beschimpft und mit der Rute geschlagen hatte, bis alles Gefühl aus Dakotas Körper gewichen war.
   Noch am selben Abend war Madam Podmore zu ihr ans Bett gekommen und hatte sich für die Prügelei entschuldigt (vermutlich hatte Schwester Barbara mitbekommen was passiert war und hatte Madam Podmore dann dazu genötigt).
Ich bin hier, um mich für meine Taten heute Mittag zu entschuldigen, Liebes. Mir ist klar, dass du nicht wissen konntest, was du da angestellt hast. Ich mach mir doch nur Sorgen um dich. Ich möchte nicht, dass du ...“
   „Sie möchten nicht, dass ich was, Madam Podmore? Bin ich jetzt in großen Schwierigkeiten?“
   Madam Podmore hatte geseufzt. „Ich fürchte schon, mein Liebes. Dunkle Mächte scheinen deine unschuldige Seele in Gewahrsam zu nehmen. Versprich mir, dass du – so gut es dir möglich ist – versuchst, diese dunklen Mächte von deinem Verstand fernzuhalten oder sie werden dich uns wegnehmen.“
   „Sie? Wer? Und wohin?“
   „Ein ganz furchtbarer Ort mit dem Namen Hogwarts“, hatte Madam Podmore ihr erzählt, wobei sie das Wort 'Hogwarts' nur gewagt hatte zu flüstern. „Es ist eine Schule, die dich lehrt, deinen Verstand und deine Seele zu leeren, um all das Böse hineinzulassen, vor welchem du fliehen solltest. Sie hat meine ganze Familie in den Abgrund gerissen. Ich würde keineswegs wollen, dass dir ein ähnliches Schicksal bevorsteht wie ihnen, Liebes.“
   „Aber ich bin nicht böse … I-ich gehöre zu den Guten. Ich versuche doch immer alles richtig zu machen.“ Dakota war in Tränen ausgebrochen und alle anderen Mädchen hatten einen irritierten Blick auf sie gerichtet.
   „Ich weiß, mein Liebes, ich weiß. Es liegt jetzt an dir, auch weiterhin alles richtig zu machen. Das heißt, keine Magie!“ Und dann hatte Madam Podmore den Raum verlassen und Dakota hatte die ganze Nacht kein Auge zubekommen.
   Und jetzt starrte sie auf den Brief und konnte es nicht glauben. Sie hatte tatsächlich versagt. Seit dem Vorfall mit den tanzenden Schneeflocken hatte sie alles getan, um diese dunklen Mächte tief in ihrem Inneren zu verschließen und wegzusperren, um ihr Herz und ihren Verstand vor dieser Magie zu bewahren. Es war ihr jedoch nicht immer gelungen; sie war wie eine Zeitbombe. Von Zeit zu Zeit gewannen die dunklen Mächte in ihr die Überhand und so würden sie aus ihr ausströmen wie ein Tornado. Vor ein paar Monaten war es so schlimm, Madam Podmore hatte sie in den Keller gesperrt und jedes Mal, wenn die Magie in Dakotas Inneren zu explodieren schien, bestrafte sie sich selbst; aß für Tage nichts oder verweigerte sich selbst den Schlaf.
   Sie tat alles, um ihre Kräfte loszuwerden, doch hier war sie, mit dem Brief in ihrer Hand und diesem widerlichen Gefühl in ihrer Kehle, das das Dunkle sie jeden Augenblick übermannen könnte.
   „'Wir erwarten Ihre Eule' …“, murmelte Dakota.
Sie schlüpfte aus dem kleinen Loch in der Wand und ging dann den langen Korridor entlang zum Gemeinschaftsraum. Eine vermeintlich einladende Atmosphäre wurde geschaffen, doch Dakota konnte dem Zimmer nicht viel abgewinnen. Jede Woche oder so kamen Familien zu Besuch und schauten nach einem Kind, das sie vielleicht adoptieren wollen, doch wer wollte schon ein elfjähriges Mädchen mit Hang zur Selbstzerstörung haben? Dakota wurde von Madam Podmore und Schwester Barbara auf jeden Fall immer als Problemfall angepriesen und junge Pärchen schienen nie wirklich nach einem Problemfall zu suchen.
   Im Gemeinschaftsraum, der vom Tageslicht, welches durch die bodentiefen Fenster fiel, erleuchtet wurde, suchte Dakota den Raum nach Penelope, das Mädchen, welches ebenfalls überfallen von diesen magischen Mächten war, ab.
Penny, hast du kurz Zeit?“, fragte sie, als sie das blonde Mädchen erblickte.
   Penelope, die gerade ein großes Buch las, schaute auf und versuchte Dakotas Gesicht einem Namen zuzuordnen.
   „Dakota, richtig?“, fragte sie nach, obwohl in ihrer Stimme eine gewisse Sicherheit lag.
   „Ähm, ja, richtig. Ich, äh, können wir vielleicht wo reden, wo es, ähm, ruhiger ist?“
   Penelope nickte freundlich und verstaute ihr Buch dann sorgsam in einer Tasche, die sie sich über die Schulter warf, und begleitete Dakota dann in den Speiseraum, der vom Frühstück bereits wieder aufgeräumt und frei von neugierigen Köpfen war.
   „So, worüber möchtest du denn reden?“, hakte sie nach, als sie einen Stuhl vom langen Tisch rückte und Platz nahm.
   „Ich, äh, ich hab da -“, stammelte Dakota und versuchte dann den Brief, der zerknüllt in ihren Fäusten lag, vergeblich wieder glatt zu streichen. Sie reichte ihn Penelope, die nur einen kurzen Blick auf den Absender blicken musste, um zu verstehen, was Dakota von ihr wollte.
   „Es ist die Eule, stimmt´s? Wie können die auch erwarten, dass jede Muggle-Familie oder Waisen, wie wir, einfach mal eine Eule parat haben, was?“ Sie lachte. „Du kannst meine gerne mitbenutzen. Ist doch gar kein Problem.“
   „I-ich will nicht“, murmelte Dakota.
   „Auch nicht schlimm. Ich versteh das total.“
   „Wirklich?“
   „Natürlich! Wenn du eine eigene Eule willst, musst du aber noch ein bisschen warten. Ich muss eh noch meine neuen Schulsachen kaufen, dann kommst du einfach mit. Wir finden bestimmt eine Eule, die dir gefällt. Du wirst überwältigt sein! Die Winkelgasse ist ein ganz magischer Ort. Als ich das erste Mal dort war, fühlte ich mich ganz -“
   „ICH WILL NICHT NACH HOGWARTS!“, schrie Dakota, und murmelte dann: „Das meinte ich eigentlich.“
   „Oh.“ Penelope seufzte. Jetzt war sie die Verunsicherte. „Tja, das … das verstehe ich, glaub ich, nicht ganz. Ich bin dort jetzt Vertrauensschülerin, also kannst du mir vertrauen, wenn ich sage, dass es dir dort sicher gefallen wird.“
   „Ich möchte dort aber nicht hin, da bin ich mir sehr sicher.“
   „Das ist ein Privileg, das wir hier haben! Eine richtige Möglichkeit aus unserem Leben etwas zu machen; du wirst dir diese Chance doch nicht etwa einfach so entgehen lassen, oder?“
   „Doch, doch. Ich glaube, diese Gelegenheit schon“, sagte Dakota ruhig. Penelope klang wie eine Verrückte. Ganz offensichtlich tat diese Schule ihrem Kopf nicht ganz gut. „Könntest du mir vielleicht, äh, den Gefallen tun und deine Eule mit einer Absage losschicken? Ich möchte mit der ganzen Sache schnellstmöglich abschließen.“ Dakota war ein bisschen peinlich berührt von der ganzen Situation.
   „Nein, nein, nein. Ich lass dich damit nicht einfach davonkommen. Ich sag dir was! Wir gehen in den nächsten Tagen in die Winkelgasse und – also die Winkelgasse ist der Ort, wo wir all unsere magischen Utensilien und Schulsachen herbekommen können – und dann entscheidest du nochmal, ob du wirklich nicht gehen möchtest. Na, wie klingt das?“
   Penelope schien absolut überzeugt von ihrer Idee, aber Dakota war immer noch unsicher.
   „Na komm, kleiner Zwerg. Wir finden bestimmt etwas, das deine Meinung ändert. Eine Eule zum Beispiel!“ Und mit diesen Worten erhob Penelope sich vom Stuhl, winkte mit dem Brief („Den behalte ich lieber vorerst, nicht, dass du ihn … verbrennst oder so.“) und grinste Dakota dann breit an.
   „Normalerweise sagt man: Herzlichen Glückwunsch! Aber bei dir warte ich lieber bis nach der Winkelgasse.“ Sie zwinkerte und stolzierte dann mit ihrer Tasche über ihrer Schulter davon.
   Na toll, dachte sich Dakota. Herzlichen Glückwunsch, du hast offiziell versagt.

(Brief aus Harry Potter und der Stein der Weisen zitiert)
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