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Wie ich dem Geheimnis des Osterhasen nachspürte

von Waldi
Kurzbeschreibung
GeschichtePoesie, Familie / P6 / Gen
29.06.2017
20.09.2019
7
5.351
 
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30.06.2017 1.406
 
Ja, mein Kind. Ich bin es wirklich und nun da du hier bist kann ich auch alles endlich erklären. Ich hab all die Jahre ein schlechtes Gewissen gehabt weil ich euch gesehen habe, wie ihr nach mir gesucht und geforscht habt. Immer ohne den kleinsten Hinweis was mit mir geschehen war. Aber das musste so sein. Jetzt verstehst du es sicher was passiert ist. Ich traf Schnuffel genauso wie du auf einem Spaziergang. Ebenso wie bei dir gab es sofort eine Verbindung die uns half miteinander zu reden. Anders als bei dir erklärte mir Schnuffel alles auf diesem Spaziergang. Wir waren allein und es war auch die rechte Zeit und der richtige Ort. Ich glaube, ihr habt euch sogar an genau der gleichen Stelle gefunden wie wir damals.

Ich musste mich schnell entscheiden. Damals war ich schon lange allein und meine Kinder und Enkel längst groß und brauchten mich nicht mehr. Manchmal dachte ich sogar ich würde ihnen bald zur Last fallen und so musste ich nicht lang überlegen. Ich folgte Schnuffel und kam hierher. Ich habe es nicht bereut. Das einzig schlimme war zu sehen wie sehr ich von allen meinen Lieben vermisst wurde. Vor allem von deiner Oma wenn ich es recht in Erinnerung habe. Sie hat nie aufgegeben nach mir zu suchen. Oft hab ich mir gewünscht, ich könnte ihr alles erzählen und ihr sagen dass es mir gut geht und alles so sein sollte.

Du bist ihr sehr ähnlich und das freut mich sehr. Ich hoffe, du wirst dich dazu entscheiden hier zu bleiben. Ich fühle mich nach all den Jahren schon sehr einsam. Die Hasen sind zwar sehr lieb und nett aber es ist eben nicht das gleiche wie mit anderen Menschen oder seiner Familie zusammen zu sein. Daher bin ich auch sehr stolz darauf, dass du ihnen den Denkanstoß gegeben hast, dass du nicht für immer allein sein möchtest. Es wäre wirklich schön, meine Familie wieder um mich zu haben. Auch wenn es für einige von Ihnen bereits zu spät ist und sie für immer weg sind. Aber das ist der Lauf des Lebens. Komm wir gehen zu mir nach Hause und machen es uns dort ein wenig bequem. Hier ist nun doch viel Trubel entstanden. Ich denke wir sollten etwas Ruhe haben. Ich war immer noch total erschlagen von den ganzen Eindrücken und dem was ich hier erfahren hatte so dass ich nur nickte und ihr wortlos folgte.

Wir verließen die Fabrik auf einem anderen Weg der uns nur ganz am Rand an den Produktionsanlagen vorbei führte. Trotzdem überwältigte mich der Duft genau wie beim ersten Mal. Rosa lächelte und nahm mich bei der Hand und führte mich nach draußen. Dort atmeten wir beide erst mal tief durch und genossen die saubere klare Luft. Es roch nach Wiese und Blumen und Frühling. Rosa sah wie ich die Luft mit tiefen Atemzügen einzog und lächelte dabei. Sie meinte, hier riecht es immer so. Mal riecht es mehr nach Schokolade, wenn grad Hochbetrieb in der Fabrik herrscht, aber meist riecht man nur die Blumen und das Gras und die Blüten der Bäume.

Es war wunderschön und wir gingen einen kleinen ausgetretenen Pfad hinunter in eine Senke. Dort sah ich verwundert ein kleines altes Bauernhäuschen. Es ähnelte dem Haus in dem meine Urgroßmutter gelebt hatte sehr. Rosa schmunzelte und erklärte mir, dass es eine genaue Kopie sei. So hatte sie versucht ihr Heimweh zu bekämpfen. Fragend sah ich Sie an. Gelungen scheint es nicht ganz zu sein denn Rosa schüttelte den Kopf mit einem traurigen Blick. Sie öffnete die Tür und wir standen in einem kleinen gemütlichen Zimmer. In der einen Ecke stand ein großer offener Kamin der den ganzen Raum mit Wärme füllen konnte wenn er brannte. Daneben war eine Kochstelle mit Silbernen Töpfen und Pfannen und einem doch sehr modernen Herd. Wie passte das zusammen? Rosa grinste und meinte nur, dass es zwar ein altes Haus sei, man aber nicht auf Komfort verzichten müsse. Es ist gut zu wissen, dass auch hier Bequemlichkeit möglich ist.

In der anderen Ecke befand sich eine gemütliche große Eckbank und ein passender Tisch. Daran hatten mit Leichtigkeit 12 Personen Platz. Der Tisch war jedoch nur für zwei gedeckt. Fragend sah ich Rosa an. Sie meinte, sie hätte schon sehr lange auf mich gewartet und als ich endlich ankam bat Sie die Häsin die Ihr im Haushalt half alles für ein gemeinsames Essen herzurichten. Erst jetzt bemerkte ich, dass im Nebenzimmer jemand arbeitete. Das ist meine gute Seele Hopsi stellte mir Rosa die Hasenfrau vor. Diese kam zu uns gehoppelt und umarmte mich freudig. Endlich ist Rosa nicht mehr so allein! Ich freue mich sehr, dass jetzt jemand aus Ihrer Familie da ist! Ich sah verlegen auf den Boden und wusste nicht so recht was ich darauf erwidern sollte. Ich hatte mich ja noch gar nicht endgültig entschieden! Aber je länger ich hier war und all das kennenlernte, desto weniger zog es mich zurück in mein altes Leben. Ich hoffte, dass die Hasen es erlauben würden meine Lieben hierher zu holen.
Ein Leben ohne meine Eltern und Geschwister konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Rosa musste gemerkt haben woran ich dachte und winkte mich zu sich. Du kannst sie sehen wenn du willst. Ich zeige dir, wie ich meine Familie über die Jahre hinweg immer im Auge behalten habe. Komm lass uns in mein Lesezimmer gehen, meinte Sie zu mir. Also gingen wir durch den Flur und betraten ein kleines gemütliches Zimmer das vom Boden bis zur Decke mit Bücherregalen vollgestopft war. An jeder Wand des Zimmers stand eines nur von einem großen Fenster und der Tür unterbrochen. In jedem Regal standen unwahrscheinlich viele Bücher. Aus jeder Zeit und auch aus jedem Gebiet das man sich nur denken kann. In einer Ecke des Raumes stand ein gemütliches Sofa und ein kleines Tischchen davor auf welchem sich auch Bücher stapelten. Daneben stand aber auch eine Schale mit einem sehr großen Ei aus Glas. Zumindest hatte es die Form eines Eies. Rosa ging darauf zu und berührte es leicht mit der Hand und flüsterte etwas. Erst sah man nur grünes Gras aber dann kristallisierte sich immer mehr die Umgebung heraus. Man sah direkt in unser Esszimmer. Dort waren schon alle versammelt und wunderten sich wo ich denn geblieben bin. Mutter meinte wie seltsam es doch war wie ich auf den Hasen am Wegrand reagiert hätte und das sie das an eine Geschichte Ihrer Oma erinnern würde. Vater meinte ich wäre bestimmt noch Futter für den Hasen sammeln und würde gleich kommen sie solle sich keine Sorgen machen.


Rosa nahm mich in den Arm und meinte, ich hätte euch alle sehr gern bei mir. Das Haus ist groß genug für uns alle und es wächst mit seinen Bewohnern und Aufgaben. Ich bin mir inzwischen sicher, dass wenn ich meine Familie hier haben darf und irgendwann vielleicht auch den Mann mit dem ich eine eigene Familie gründen möchte, es keine Frage mehr ist dass ich Rosas Nachfolgerin werden kann und will.

Nun gingen wir zurück und setzten uns an den riesigen Esstisch und bekamen unser Essen gebracht. Es gab sehr leckeren Eintopf aus Gemüse und Getreide. Rosa lächelte und erklärte mir, dass es hier kaum Fleisch gäbe da es den Hasen widerstrebe Tiere zu töten. Ich lächelte und meinte dass ich das sehr gut verstehen könne und es für mich nicht so wichtig wäre oft Fleisch zu verspeisen. Während des Essens herrschte zwischen uns dreien eine angenehme Ruhe und nur ab und an wurde diese davon unterbrochen wenn einer von uns nach seinem Trinkglas griff.

Nach dem sehr leckeren Essen bedankte ich mich bei Hopsi für die guten Speisen und trat mit Rosa vor das Haus um im Garten ein wenig auf und ab zu gehen. Während unseres Spazierganges plauderten wir über die Familie und was alles so geschehen ist. Rosa konnte ja nur die direkte Linie beobachten. Nicht jedoch die vielen Cousinen und Cousins oder die Onkel und Tanten. Manches Mal wurde sie richtig still und traurig wenn sie vom Schicksal des ein oder anderen erfuhr. Aber die meiste Zeit freute sie sich einfach darüber, dass fast alle ein erfülltes und zufriedenes Leben gehabt haben oder auch noch haben. Und so verbrachten wir ohne es zu merken die ganze Nacht und den frühen Morgen damit spazieren zu gehen und uns zu unterhalten. Die Zeit verging wie im Flug und es gab ja auch so viel zu erzählen.
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