You can't leave me now.

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
28.06.2017
28.06.2017
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Wisst ihr, ES GIBT NUN DREI VANITAS NO CARTE GESCHICHTEN HAHA ICH BEANTRAGE NUN DIE KATEGORIE MÖPF.

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„Ich muss gehen“, flüsterte ich, ganz leise und es tat mir selbst weh.
Ich konnte doch nicht gehen, wenn er sich so fest an mich drückte. Ich konnte die Verzweiflung sogar spüren, die von seinem kleinen Körper ausging.
Was war los mit ihm? Ich hatte ihn noch nie so gesehen.
Wie lang kannte ich ihn jetzt schon? Wie alt war ich? 19. Ja, ich kannte ihn also schon seit 18 Jahren, weil ich ihn kurz nach seiner Geburt kennen gelernt hatte.
Und irgendwann war er weggezogen, einfach so. Neue Schule, neue Stadt, 150 km weit weg.
Niemand wusste, was passiert war.
Sieben Jahre ohne ihn – es war grausam. Als ich dann 14 war, hatte ich ihn wiedergefunden. Oder eher, er mich. Er hatte mich angerufen.
Ehrlich, als ob er meine Nummer sieben Jahre lang aufbewahrt hat, oder vielleicht sogar auswendig gekonnt hat.
Getroffen hatten wir uns erst mal nicht. Aber wir hatten viel telefoniert und geskyped und uns alles erzählt, was in all den Jahren passiert war.
Diese Gespräche reichten von seiner ersten Freundin bis zu meinem Coming-Out, was leider nicht ganz so einfach war, weil ich eine Pfeife war.
Ich stand vor meinen Eltern und habe kein Wort raus bekommen, obwohl ich sonst nie Probleme mit so etwas hatte.
Sie fanden es aber gar nicht schlimm, dass ich nicht nur auf Mädchen stand.
Einen Freund oder eine Freundin hatte ich aber nie.
Erst als er 17 war, hatte er dann eingewilligt, sich endlich zu treffen.
Als er am Bahnhof bei mir ankam, lagen wir uns zwei ganze Stunden in den Armen.
Eins war sicher – wir würden uns nie wieder verlieren.
Und jetzt standen wir hier und er stand unglaublich nahe an mir, seine Nase in mein Schlüsselbein gepresst, ich konnte sogar seine gottverdammten Tränen spüren, wie sie mein Shirt durchnässten und in mich eindrangen, sich langsam durch meine Seele fraßen und mich auch dazu brachten, zu weinen.
„Aber der Zug fährt. Ich kann nicht hierbleiben“, murmelte ich und vergrub meine Finger weiter in seine Haare.
Die dunklen Strähnen waren weich zwischen meinen Fingerspitzen, mir war warm, meine Hand an seinem Rücken streichelte diesen ganz langsam, in der Hoffnung, ihn zu beruhigen.
Es klappte nicht.
„Bitte geh nicht“, flüsterte er leise, kaum hörbar, ließ mich aber los.
Wir hatten bei den meisten unserer Abschiede geweint, aber so schlimm war es noch nie.
Ich ging zur Tür, zog den schweren Koffer hinter mir her, man konnte hören, wie der Holzboden unter ihm knarrte und ächzte.
Es tat weh, ihn so sehen zu müssen. Er sah so verloren aus.
Als wäre er eine einzelne Blume auf einem Feld, welche der Wind schneller pflücken konnte, als eine Hand.
„Tschüß“, flüsterte ich, zwang mich zu einem Lächeln und winkte, trat aus der Tür hinaus.
Bevor ich diese schließen konnte, hörte ich seinen Schrei.
Es war mein Name, den Rest konnte ich nicht verstehen, weil es unheimlich laut war.
Seine dünnen Finger schlossen sich um mein Handgelenk, so fest wie ein Schraubstock und ich ließ den Koffer fallen.
Das hier war wichtiger als 20 Euro für die Rückfahrt.
Vanitas war wichtiger.
„Noé...!“, schrie er wieder, zog mich wieder ins Haus, ließ mich los und sank dann auf die Knie.
Ich folgte fast sofort und zog ihn an mich, er weinte, er weinte so laut.
Er schrie immer noch und schluchzte.
Warum war er nur so verzweifelt?
„Hey... hey, ich bleibe hier, ok? Ich bleibe hier Vanitas, beruhige dich, bitte...“
Seine Hände verkrampften sich in mein Hemd, er zitterte und atmete gehetzt.
„Atmen. Ein und aus, ok? Ein und aus. Ich bleibe hier.“
„Tut mir leid...“, murmelte er, dann sagte er es noch mal lauter.
„Es ist gut. Aber ich möchte, dass du mit mir redest, ok? Warum geht es dir so? Und warum seid ihr weggezogen verdammt noch mal?“
Er atmete jetzt regelmäßig und richtete sich dann wieder auf. „Geh, Noé. Du bekommst den Zug noch. Es ist ok. Ich komme klar.“
Ich nahm den Koffer wieder und stellte ihn demonstrativ neben das kleine Sofa und setzte mich hin.
Seine rechte Hand hatte er zu einer Faust geballt, wie als ob er versuchen würde, sich an irgendetwas fest zu klammern, was gar nicht da war.
Ich stand wieder auf.
Es tat mir so unendlich weh, diesen Jungen – oder mittlerweile wahrscheinlich eher Mann – so sehen zu müssen.
Was hatte ihn so gebrochen werden lassen?
„Hey. Komm her, ok? Lass uns hinsetzen. Und dann reden wir. Dann rufe ich meine Eltern an. Und dann gehen wir ein Eis essen oder so, ok?“ Ich war bemüht, meine Stimme möglichst sanft zu halten, so, dass er das wirklich heraushören konnte, dass ich mir Sorgen um ihn machte.
Er nickte langsam und setzte sich auf die Couch.
Ich griff nach der Decke, die am Rand des Sofas lag, setzte mich auch hin und breitete sie über uns aus.
„Also. Komm, erzähle es mir bitte, ja? Ich will dir helfen. Ich will dich nie wieder so sehen wie gerade eben. Kann ich dir jetzt auch schon irgendwie helfen? Vielleicht damit du dich richtig beruhigst?“
Ich konnte fühlen, wie seine Fingerspitzen leicht die Innenseite meiner Hand berührten und ein Schauder durch meinen Körper lief.
„Ok“, flüsterte ich und nahm seine Hand ganz vorsichtig in meine, weil ich Angst hatte, ihn zu zerbrechen.
„Ich... warum ich weggezogen bin... meine Eltern... sie wurden umgebracht und ich wurde hierher in eine Wohngruppe geschickt, weil ich keine Verwandten hatte. Bevor du etwas sagst... die Polizei hat alles geheimgehalten. Sie hatten den Mörder erwischt.“
Ich starrte ihn komplett geschockt an. Davon hatte ich tatsächlich nichts mitbekommen. Er war nur auf einmal weg, das ist das einzige, was ich noch wusste.
„Die Wohngruppe war zwar schön und gut, aber mir ging es trotzdem schlecht. Ich habe Depressionen bekommen. Sie waren so schlimm, dass ich nichts mehr gefühlt habe. Und dann... kamst du! Und irgendwie wusste ich, dass du mich immer noch magst, also, so wirklich und... dass du das nicht spielst! Und ich habe angefangen... meine ganzen aufgebauten Mauern wieder runterzulassen!“
Er drückte meine Hand, und zwar wirklich fest.
„Vanitas. Bitte sieh mich an, ok? Sieh mich an.“
Ich streichelte mit meinem Daumen über seinen Handrücken, in der Hoffnung, dass er endlich aufhörte, so zu verzweifeln. Es brach mir das Herz.
Er drehte seinen Kopf zu mir und sah mich an, er keuchte immer noch, die dünne Haut um seine Augen war gerötet.
Vorsichtig strich ich ihm ein paar Strähnen hinter die Ohren und presste meine Lippen kurz auf seine Stirn.
Nun färbten sich auch seine Wangen leicht rosa und ich musste lächeln.
Warum war er so süß?
„Dank dir... habe ich irgendwie... es geschafft... wieder etwas zu fühlen. Auch, wenn ich nicht weiß... was es ist. Aber... du bist mir wichtig, Noé. Mehr als alles andere.“
Er hob seine andere Hand, die Decke glitt unsere Körper hinunter.
„Ich brauche dich.“
Seine Finger gruben sich in den Kragen meines Hemdes, er sah mir immer noch in die Augen.
„Jedes Mal, wenn du weggegangen bist, bin ich zusammengebrochen! Am Anfang hat es noch gereicht, mit dir zu schreiben! Aber irgendwie... ging es mir immer besser, wenn du hier warst! Weil ich dann nicht allein war! Ich bin sonst immer allein hier und es ist so dunkel und das macht mir Angst! Ich will nicht... dass es wiederkommt. Ich will einfach, dass es aufhört. Ich schlafe kaum noch! Ich kann nur richtig schlafen, wenn du da bist, weil ich dann weiß, dass jemand hier ist, wenn ich einen Albtraum hatte! Ich will nicht... ich will nie wieder ohne dich irgendwo hier sein. Du bist der Einzige in meinem Leben, der mir irgendwie noch Halt geben kann.“
Ohne es überhaupt richtig wahr zu nehmen legte ich meine rechte Hand an seine Wange, die linke hielt immer noch seine.
Er lehnte sich hinein, löste seine Finger aus meinem Kragen und strich mir durch die Haare.
„Ich bleibe hier. Ich werde bei dir schlafen.“
„Aber, was ist, wenn das einfach irgendwann nicht mehr reicht?“ Seine Augen glänzten schon wieder, er blinzelte und eine weitere Träne floss in Richtung meiner Hand.
„Dann schlafe ich direkt neben dir.“
„Und wenn das auch nicht mehr reicht?“
„Dann halte ich dich fest. Es wird reichen, Vanitas. Ich kann deine Hand halten. Das hilft dir ja, oder?“
Er nickte ganz langsam.
„Und ich will, dass du weißt dass du wunderschön bist. Aber ich... ich habe eine Frage.“
Meine Kehle fühlte sich plötzlich an wie zugeschnürt, mein Mund wurde staubtrocken und ich bekam kaum Luft.
Er massierte meine Kopfhaut, ich fühlte mich warm und geborgen und eigentlich sollte er sich so fühlen, nicht ich.
„Was? Komm, frag es einfach. Es ist ok.“
Er rückte ein Stück näher an mich, ich vergaß für einen kurzen Moment meine Frage und zwang mich dann dazu, es einfach auszusprechen.
„Was meintest du vorhin damit, dass du nicht weißt, was du für mich fühlst?“
Er zuckte zusammen und wollte mich loslassen, aber ich hielt ihn fest.
Mein Herz klopfte so laut, dass ich kaum etwas hören konnte. Er wendete seinen Blick von mir ab und schluckte, ein Tropfen traf auf die mittlerweile ganz heruntergefallene Decke.
„Vanitas, bitte antworte mir. Ich muss das wissen.“
Ich wusste selbst schon kaum mehr, wie ich diese Worte geformt hatte.
„Noé, bitte, ich kann es nicht sagen, ich will nicht, dass du dich zu irgendetwas gezwungen fühlst, ich will... es ist ok wenn wir einfach so blei-“
„Schau mich an.“
Er tat es nicht und ich konnte spüren, wie ich wütend wurde.
„Bitte schau mich an. Ich will dein Gesicht sehen.“
Keine Reaktion.
„Vanitas. Wie... wie soll ich... wie soll ich... wie soll ich dich denn bitte küssen, wenn du mich nicht ansehen willst?“
Ruckartig schnellte sein Kopf zu mir herum und ich legte meine Lippen auf seine, löste mich aber sofort um zu wissen, ob das überhaupt ok für ihn war.
„No-“
„Pscht“, machte ich, legte meine Lippen wieder auf seine, atmete tief durch. Seine Lippen waren rau, meine Hände zitterten, ich konnte kaum meine Arme spüren, es waren zu viele Gefühle in meinem Körper.
Ich wisperte es ganz leise, weil ich es nicht laut sagen konnte, bei jedem Buchstaben öffneten sich seine Lippen ein bisschen mehr und am Ende zog ich ihn einfach in eine Umarmung, weil ich die Reaktion nicht sehen wollte.
Ich hatte viel zu viel Angst, obwohl es doch eigentlich klar war, dass er wahrscheinlich auch so fühlte wie ich.
„Ich liebe dich doch, du Idiot.“
Ich konnte hören, wie er zu schluchzen begann und mich umklammerte, als könnte es ihn retten.
„Noé... ich... wie... wie soll ich dich denn küssen, wenn du mich nicht ansiehst?“
Glücklich lachend ließ ich ihn los und küsste ihn.
Wir küssten uns lang. Ich wusste nicht, wie lang, aber wir liefen irgendwann zu seinem Schlafzimmer, um uns ins Bett zu legen. Er war müde, ich sah ihm das an. Und ich würde bei ihm bleiben und ihn beschützen.
Ich breitete wieder die Decke über uns aus, nahm seine Hand und legte meinen Arm um ihn. Er lächelte glücklich, ich konnte ihn atmen fühlen, sein Brustkorb hob und senkte sich, sein Herz schlug schnell und ich presste mein Gesicht in seinen Schulter, ich liebte seinen Geruch, ich liebte ihn so sehr.
„Noé... du wolltest deine Eltern anrufen...“
Ich seufzte und rollte wieder von ihm herunter, griff in meine Hosentasche und zog mein Handy hinaus.
Ich tippte die Nummer ein und hörte eine Weile dem Freizeichen zu, bis meine Mutter endlich dran ging.
„Mama? Ich bin noch bei Vanitas.“ Jetzt rollte er sich auf mich. Ich hoffte, dass es ihm jetzt besser ging.
„Ich komme in 5 Tagen, ok? Dann muss ich mit euch reden Ich muss irgendwie mit ihm zusammen wohnen. Es geht ihm nicht sonderlich gut. Er-“
„Noé, seit ihr denn jetzt endlich zusammen?“ Es klang fast schon genervt. Ich wurde rot und Vani hielt sich die Hand vor den Mund, wahrscheinlich um nicht loszulachen.
„Mama!“, rief ich verzweifelt und presste seine Hand noch mehr.
„Keine Ahnung“, fügte ich dann noch kleinlaut hinzu.
„Na dann, komm wann immer du willst! Du kannst ihn auch mitbringen! Wir sind in der zweiten Ferienwoche eh nicht d-“
„Mamaaa!“, rief ich, jetzt noch verzweifelter. Seit wann war meine Mutter so pervers?
Ich legte auf, weil mir das zu bunt wurde.
„Ich... liebe dich...“, murmelte Vanitas, schon halb im Schlaf und sah mich aus schweren Augen an. Er war so süß. Ich lächelte gegen meinen Willen.
„Gute Nacht“, flüsterte ich und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.
Es war gut, ihn nicht allein zu lassen.
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