Faded

SongficFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Homura Akemi Madoka Kaname
27.06.2017
27.06.2017
1
1912
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Entschlossenen  Schrittes ging Homura auf die Tür des Klassenzimmers zu. Ihre Lehrerin folgte ihr etwas langsamer und bat sie, einen Moment vor der Tür zu warten. Homura seufzte. Sie wusste, was nun folgen würde. Die Lehrerin würde den Schülern mal wieder lang und breit von ihrer neusten missglückten Beziehung erzählen und Homura danach hereinbitten.
"Wenn sie wüsste, wie oft ich schon 'neu' an diese Schule gekommen bin", dachte sich Homura verächtlich. Doch außer dem schwarzhaarigen Mädchen kannte niemand die Wahrheit. Alle anderen würden denken,  dass Homura die letzten Monate in einer speziellen Klinik für Herzkrankheiten verbracht hatte und nun nach langer Zeit das erste mal wieder zur Schule gehen konnte. Homura bekam bereits bei dem Gedanken an das Geschwirre und Geplapper, welches sie schon unzählige Male erlebt hatte und welches gleich erneut über sie hereinbrechen würde,  Kopfschmerzen.  Doch sie versuchte sich auf ein bestimmtes Gesicht zu konzentrieren. Das Gesicht jenes Mädchens,  für das sie das alles durchstand und für welches sie immer wieder durch die Hölle gehen würde,  wenn sie es dadurch nur retten könnte.  
Einen Moment später öffnete sich die Tür und Homura konnte eintreten. Sofort entdeckte Homura sie in den Reihen der Schüler: Madoka- die wichtigste Person ihres Lebens. Diejenige, für die sie es immer wieder auf sich nehmen würde,  sich in diesem Labyrinth aus unzähligen Zeitlinien einsperren zu lassen. In Madokas Gesicht erkannte Homura Erstaunen und Neugier. Die ersten Male war Homura das egal gewesen, doch mittlerweile versetzte es ihr jedes mal einen Stich.
"Ich weiß ja, dass du das freundschaftliche Band zwischen uns jedes mal vergisst,  wenn ich die Zeit zurückdrehe, doch manchmal wünsche ich, es wäre anders. Dass ich nicht immer wieder nur eine Fremde für dich wäre und dass wir in einer Welt leben könnten,  in der nicht ständig dein Leben bedroht ist. In diesem Augenblick führst du noch ein unbekümmertes Leben, doch bald wirst du alle Schrecken der letzten Zeitlinien erneut erleben.", dachte Homura betrübt.
Nachdem sie die Unterrichtsstunde und das Geschnatter ihrer Klassenkameradinnen überstanden hatte, kam der Teil des Tages,  auf den sie gewartet hatte. Endlich war sie mit Madoka auf dem Weg zum Krankenzimmer und sie hatte ein paar Minuten allein mit ihrer Freundin. "Wie stelle ich es am besten an? Ich muss sie auf jeden Fall warnen!", überlegte Homura in Gedanken. Doch in diesem Moment sagte Madoka,  welche vor ihr lief: "Du musst mich nicht mehr vor Kyubey retten."  Fassungslos riss Homura die Augen auf.  "W w was hast du da gesagt?", stotterte Homura, "warum?" In diesem Moment drehte Madoka sich um und sah Homura mit goldglühenden Augen an und sagte:"Weil ich ganz weit weg bin."  Bei diesen Worten begann Madokas Gestalt zu verblassen. Entsetzt schrie Homura auf.

Schweißgebadet schreckte sie aus dem Traum auf.


"You were the shadow to my light
did you feel us
another start
you fade away
afraid our aim is out of sight" *


"Es war wieder nur ein Traum", begriff Homura.  Nach der Hoffnung und der Freude, Madoka wiederzusehen,  erfüllte Homura wie bei jedem Erwachen ein Gefühl von unendlicher Leere. Es war ihr einziges Ziel gewesen, Madoka vor Kyubey zu retten.  Im endlosen Netz unzähliger Parallelwelten hatte Homura immer und immer wieder versucht,  einen Weg zu finden, Madoka vor ihrem Schicksal zu bewahren.  Die Rettung ihrer besten und einzigen Freundin war zu Homuras Lebensinhalt geworden.  Dadurch, dass Madoka zum Gesetz des Kreises geworden war- ein Schicksal viel schwerer zu ertragen als der Tod- war Homura der Boden unter den Füßen weggerissen worden.
"Das kann unmöglich das sein, was du gewollt hast, Madoka", dachte Homura,  als die erste Träne ihre Wange hinunterlief, "ich weiß,  dass du all deine Lieben beschützen wolltest.  Doch du hättest sicher auch lieber in einer Welt gelebt, in der du mit ihnen- und vielleicht auch mit mir- zusammen leben könntest. Ich habe dir doch damals versprochen,  dich vor Kyubey zu beschützen, kurz bevor du in meinen Armen gestorben bist. Es tut mir so leid, dass ich versagt habe, Madoka." Mittlerweile stürzten ganze Tränenbäche Homuras Wangen hinab.
Als sie sich wieder etwas beruhigt hatte, überlegte sie kurz, mit Kyoko über alles zu reden. Doch dies versetzte ihr erneut einen Schlag: Kyoko konnte sich nicht mehr an Madoka erinnern. Genauso wenig wie Mami, Kyubey,  ihre Klassenkameraden oder gar Madokas Familie. Niemand außer Homura konnte sich an Madoka erinnern.  Niemand außer ihr wusste, dass dieses freundliche und warmherzige Mädchen einst existiert hatte und für das Wohl aller zu einer Göttin geworden war.  Zumindest glaubte Homura, sich daran zu erinnern. Plötzlich stiegen Zweifel in ihr auf. "Was, wenn ich mir das alles nur eingebildet oder ausgedacht habe, so wie Kyubey es vermutet?", fragte Homura sich verzweifelt, " hat es Madoka vielleicht nie gegeben und sie entstammt tatsächlich nur meiner Fantasie? ". Energisch drängte Homura diesen Gedanken zurück. "Ein Gesicht , dass ich jede Nacht so klar vor mir sehe und so tiefe Gefühle kann ich mir doch nicht einfach ausgedacht haben! Wenn ich doch nur wüsste, wo Madoka gerade ist und ob es ihr gut geht."


"Where are you now?
Was it all in my fantasy
Where are you now
Were you only imaginary" *


Homura fuhr sich durchs Haar, wobei ihre Finger etwas streiften.  Mit einem Schlag war Homura wie elektrisiert und sie sprang auf,  um sich im Spiegel zu betrachten. Da war sie: die knallrote Schleife, welche Madoka ihr zum Abschied geschenkt hatte und die Homura seitdem trug. Vorsichtig löste sie die Bänder aus ihren Haaren und betrachtete sie. Wenn sie sie ganz nah an ihr Gesicht hielt, glaubte Homura , eine kleine Spur von Madokas Duft daran wahrzunehmen.  "Nein, ich kann und will nicht glauben,  dass ich mir das alles nur eingebildet habe!", dachte Homura und drückte die Bänder einige Augenblicke an ihr Herz. Als sie ihre Hand wieder sinken ließ, fiel ihr Blick auf ihren Ring. Sie ließ ihren Soul Gem seine gewöhnliche Form annehmen und seufzte. Ihr Soul Gem war von Flüchen verdunkelt.  Homura betrachtete die Schatten, die wie gesichtslose Monster durch ihre Seele waberten. Ihre anhaltenden Zweifel,Ängste und Sorgen belasteten Homura enorm, was  ihren Soul Gem ungewöhnlich schnell mit Flüchen erfüllte. "Madoka,  wärest du doch nie an einen Ort gegangen, an den ich dir nicht folgen kann", dachte Homura traurig.


"Where are you now
Atlantis
under the sea
under the sea
where are you now
another dream
the monsters running wild inside of me
I'm faded
I'm faded
so lost
I'm faded"  *


Doch Homura wusste,  dass es keinen Sinn hatte, noch länger Trübsal zu blasen. Sie musste einen Dämonen besiegen, um mit seinen Überresten ihren Soul Gem zu reinigen. Außerdem musste sie die Dämonen davon abhalten,  Menschen zu verletzen. Kaum war ihr dieser Gedanke gekommen,  sah sie aus dem Augenwinkel,  wie eine flinke, weiße Gestalt durch ihr Zimmer huschte. Homura seufzte schwer. "Kyubey", sagte sie wie immer mit einer Spur von Misstrauen und Bitterkeit in der Stimme. Kyubey achtete jedoch nicht darauf und schaute mit gewohnt ausdrucksloser Mine auf Homuras Soul Gem. "Es sieht so aus,  als hättest du wieder von deiner Fantsiewelt geträumt", stellte Kyubey mit neutraler Stimme fest," wenn du so weitermachst, wird er sich bald nicht mehr reinigen lassen."
Genervt funkelte Homura den Inkubatoren an. "Das weiß ich selbst", murrte sie, " doch diese Welt entstammt nicht meiner Fantasie,  sondern hat wirklich einmal existiert." Kyubey schaute sie einfach nur an und Homura wusste,  dass es hoffnungslos war. Niemand außer ihr konnte sich an damals erinnern. Homura starrte nachdenklich auf ihren Soul Gem. Sie hatte schon mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt,  ihn einfach nicht mehr zu reinigen,  bis er sich auflösen würde und das Gesetz des Kreises sie davor retten würde,  eine Hexe zu werden. "Vielleicht könnte ich so endlich Madoka wiedersehen", überlegte Homura, doch schnell verwarf sie diesen Gedanken,  "Nein!  Madoka ist nun ein überirdisches Wesen, welches für jedes Magical Girl aus jeder erdenklichen Zeit Sorge trägt.  Sie wird wohl kaum Zeit haben, um mit mir Kaffeekränzchen zu halten.  Außerdem ist es auch meine Schuld,  dass sie nun in dieser Lage ist, weil ich sie damals nicht beschützen konnte. Das Mindeste, was ich tun kann, ist nun diese Welt zu beschützen,  die Madoka so sehr geliebt hat, dass sie alles für sie geopfert hat."

Kurz darauf hatte Homura sich verwandelt und hatte einige Dämonen ausfindig gemacht. Sie waren nicht weniger gefährlich als die Hexen von einst und noch dazu schwieriger zu finden. Doch Homura stürzte sich in den Kampf.  Auch wenn Madoka ihr seit der ersten Nacht in dieser neuen Welt kein Zeichen mehr gegeben hatte, so fühlte sie sich, während sie kämpfte, ihrer besten Freundin etwas näher als sonst. Im Kampf vergaß sie für eine kurze Zeit die unüberwindbare Distanz zwischen ihnen und fühlte sich viel lebendiger, als wenn sie ihrem Alltag in dieser neuen Welt ohne Madoka nachging.


"These shallow waters never met
what I needed
I'm letting go
a deeper dive
eternal silence of the sea
I'm breathing
alive" *


Kyubey betrachtete Homura,  die die Dämonen in einem harten Kampf ausfocht. "Ich frage mich, ob an ihrer Geschichte doch etwas dran ist und es das Gesetz des Kreises wirklich gibt", überlegte Kyubey, " Vielleicht sollte ich mal ein Experiment dazu durchführen."
Homura hingegen war ganz in das Kampfgeschehen eingetaucht. Sie nahm den Bogen, der ihr neuerdings im Kampf zur Verfügung stand. Sie feuerte einige Pfeile ab, bis sie zwei der Dämonen getroffen hatte. Doch darüber hatte sie den dritten Dämonen aus den Augen verloren.  Dieser nutzte die Chance sogleich, packte Homura von hinten und schnürte ihr die Kehle zu.
"Er wird mich umbringen! ", schoss es Homura durch den Kopf. Sie glaubte sich schon verloren, als sie mit einem mal wahrnahm, wie eine warme Aura sie umschloss. "Madoka", hauchte Homura atemlos," nein, ich darf jetzt nicht aufgeben! Ich muss überleben,  um Madokas Willen zu erfüllen und die Menschen zu beschützen! "
Mit letzter Kraft hob sie ihren Bogen und rammte ihn in den Körper des Dämonen. Sofort lockerte sich der Griff, sodass Homura sich befreien und den Dämonen unschädlich machen sowie ihren Soul Gem reinigen  konnte. Freude über ihren Sieg stieg in Homura auf, doch diese verschwand augenblicklich,  als sie merkte, wie Madokas Aura verblasste. "Bitte bleib", bat Homura mit tränenerstickter Stimme, obwohl sie wusste,  dass es keinen Sinn hatte. "Ich kann nicht", sprach die Göttin in Gedanken zu ihr und Homura glaubte, eine Spur von Traurigkeit darin zu hören. Während Homura mit feuchten Augen in die Ferne starrte,  merkte sie nicht, wie ihr Soul Gem sich erneut verdunkelte. Kyubey hingegen ließ das Juwel mit den finsteren Schatten nicht aus den Augen. Eine Träne rollte ihre Wange hinunter, als Homura sich selbst ein Versprechen gab:" Madoka, ich werde alles versuchen, um einen Weg zu finden, wie ich dir helfen und  dich möglicherweise vor deinem Schicksal retten kann. Auch wenn ich mich selbst dafür aufgeben muss."


"I'm faded
I'm faded
So lost
I'm faded" *


__________________________________________
*Zitate: Songtext  zu "Faded" von Alan Walker
Review schreiben