Wo Licht ist, ist auch Schatten

GeschichteDrama, Romanze / P16
Glaedr OC (Own Character) Oromis
27.06.2017
04.09.2020
98
302.379
43
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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18.12.2018 3.112
 
Hallo :)
Dieses Kapitel hatte ein bisschen länger gedauert wegen der letzten Klausuren, aber dafür umfasst es statt der normalen vier A4-Seiten fünf. Ich hoffe, es gefällt euch.
Ich bin vor allen Dingen gespannt, wie ihr den einen Charakter beurteilt, der in dieser FanFiction erstmals auftritt. Lasst es mich wissen!
Ach ja, und natürlich bedanke ich mich wieder bei den lieben Reviewschreibern Atrox, HakiNutzer63, Timonski und Thanata13.
Ich wünsche euch allen viel Spaß!

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Kapitel 29: Silvarí

Diese kleine Rache hatte Mileny eine gewisse Genugtuung verschafft. Der Bibliothekar war untröstlich gewesen, aber er hatte das Buch nicht finden können, sodass Mileny leider ohne es hatte gehen müssen.
Rhunön hatte sehr gelacht. Ihr Tante war so begeistert davon gewesen, dass sie Tränen gelacht hatte und beinahe von ihrem Stuhl gefallen wäre. Diamila war auch ziemlich amüsiert gewesen, sie hatte sich darüber gefreut.
Mileny hatte es niemand anderem erzählt. Wem auch! In Ellesméra hatte sie ja niemanden sonst, außer vielleicht Oromis, und den wollte Rhunön immer noch nicht sehen.
So hatte ihr Meister sie nur einmal kurz aufsuchen können, um ihr zu sagen, dass sie die zwei Wochen, die sie insgesamt in Ellesméra verbringen würden, ausfüllen dürfe, wie sie es wollte. Bis auf einen einzigen Tag, an dem Oromis, Glaedr, Diamila und sie den Monolith der Tränen aufsuchen würden.

Mileny fühlte sich noch immer unwohl in ihrer Haut, als sie daran dachte, wie unverschämt Rhunön zu Oromis gewesen war. Wie sie ihn behandelt hatte. Sie hätte sich das niemals getraut, nicht einmal in der Zeit, in der sie noch nicht von ihrem Vater und Oromis 'verzogen' worden war, wie Rhunön sich jetzt immer ausdrückte.
Aber die Elfenschmiedin war abgesehen von Gilderien die älteste lebende Elfe, sie war älter als Milenys Vater und als Oromis, und sie kümmerte sich nicht im geringsten um Anstand und Höflichkeit. Es tat Mileny unheimlich gut, wieder in der Gegenwart ihrer Tante zu sein.
Sie fand es wunderschön, erneut in der Schmiede zu sitzen, mit Rhunön über die Verwendung dieses Metalls oder die Bearbeitung jenes Schmuckstückes zu diskutieren, obwohl sie nur einen winzigen Bruchteil von dem wusste, was Rhunön an Wissen ihr eigen nennen konnte.
Es fühlte sich wie in 'alten Zeiten' an. Nur dass jetzt meist noch ein funkelnder Schuppenhaufen anwesend war, der sich schon beinahe liebevoll mit Rhunön verbal duellierte. Den beiden zuzuhören, wenn sie diskutierten, wurde zu einer von Milenys Lieblingsbeschäftigungen.

Seit Mileny kleiner Rache waren zwei weitere, friedliche Tage in Ellesméra vergangen. Am fünften Tag jedoch passierte etwas, was Mileny nicht vermutet hätte.
Wie jeden Morgen saß sie mit Rhunön schon in der Werkstatt und aß ihr Frühstück, während ihre Tante fleißig am werkeln, schimpfen und diskutieren war, als es klopfte.
„Erwartest du jemanden?“, fragte Mileny verwirrt.
„Eigentlich nicht.“ Rhunön legte ihre Werkzeuge beiseite und stand auf. Als sie die Tür öffnete, verdeckte sie mit ihren Körper denjenigen, der geklopft hatte, doch Mileny brauchte die Person nicht zu sehen, um sie zu erkennen.
„Es ist mir eine Ehre, Euch kennen zu lernen, Rhunön-Elda“, sagte eine überaus bekannte Stimme.
Mileny verschluckte sich an ihrem Essen und fing an zu husten, wobei ihr die Tränen in die Augen stiegen.
„Mein Name ist Auralia“, redete die Person weiter. „Ich hörte, dass Mileny hier sei und wollte sie besuchen.“
„Immer herein mit dir“, sagte Rhunön rau und trat einen Schritt zur Seite. „Milenys Freunde sind mir immer willkommen.“ Durch den Tränenschleier vor ihren Augen, der durch ihr starkes Husten bedingt wurde, konnte Mileny Auralia erkennen, die eintrat und, sobald ihr Blick auf Mileny fiel, anfing zu lachen.

„Lass das!“, brachte Mileny zwischen einigen Hustern heraus. Aber Auralia lachte weiter. Rhunön schaute kurz verwirrt zwischen ihrer Patentochter und der neu angekommenen Elfe hin und her, dann begann auch sie zu grinsen.
Es dauerte eine Weile, bis Mileny sich von ihrem Hustenanfall erholt hatte und klar sehen konnte, doch dann stand sie auf und umarmte ihre Freundin zur Begrüßung. Diese versuchte vergeblich, ein weiteres Glucksen zu unterdrücken.
„Das ist so typisch für dich“, sagte Auralia.
Mileny schnaubte. „Also wirklich, wie hätte ich denn mit dir rechnen sollen? Was machst du hier? Ist Amethysa auch da?“
Zumindest die letzte Frage erledigte sich sofort, denn ein großer, hellvioletter Drachenkopf erschien im Türrahmen und zwinkerte Mileny zu.
Hallo, kleine Reiterin, begrüßte Amethysa sie mit ihrer unverwechselbaren Stimme.
Hallo Amethysa, grüßte Mileny zurück, sich inzwischen nicht mehr über den 'Spitznamen' aufregend, den die Drachendame ihr verpasst hatte. Sie war nun mal die jüngste der Reiter in ihrer kleinen Gruppe, also wurde sie beharrlich von Amethysa so betitelt.

„Was macht ihr hier?“, wiederholte Mileny ihre Frage und wandte sich Auralia zu.
„Dich besuchen, was sonst?“ Auralia beobachtete Rhunön, die schon wieder in ihre Arbeit versunken war.
„Du kannst mir doch nicht ernsthaft weismachen wollen, dass du nur nach Ellesméra gekommen bist, um mich zu besuchen“, schnaubte Mileny.
„Das tatsächlich nicht, nein“, erwiderte Auralia. „Aber ein Teil meiner Familie lebt in Ellesméra, ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Und außerdem habe ich im Moment wirklich nichts zu tun. Der Orden ist so umfangreich...“ Sie seufzte. „Es gibt so viele von uns, dass es zu wenig Arbeit für jeden einzelnen gibt. Ich meine, ich könnte mich auch jetzt schon irgendwo niederlassen und über ein Stückchen Land gebieten, aber ich habe das Gefühl, dass ich mehr tun kann.“ Sie verstummte. „Und da du ebenfalls in Ellesméra weilst, ist mir die Entscheidung nicht besonders schwer gefallen. Jetzt mal ganz abgesehen davon, dass ich vielleicht etwas mehr über die Elfe erfahren kann, die dich aufgezogen hat und von der du so schwärmst.“
„Ach ja? Tut sie das?“ Wie es schien, war Rhunön doch nicht so sehr in ihre Arbeit versunken gewesen und hatte jedes Wort mit angehört.
„Allerdings.“ Auralia begann wieder zu lächeln. „Ich habe das Gefühl, es vergeht kein Tag, an dem sie nicht von Euch redet.“
„Hoffentlich nur gutes“, brummelte Rhunön.
„Natürlich nur gutes, Tantchen“, sagte Mileny. „Und lustiges.“
Wachsamkeit blitzte in Rhunöns Augen auf. „Und das Lustige wäre zum Beispiel?“
„Och...“ Mileny zog mit einer Fußspitze unsichtbare Kreise auf dem Fußboden. „Nur ein paar wahre Anekdoten, in denen du hochgestellte Elfen und Würdenträger schockierst.“
Auralia begann leise zu kichern, als sie Rhunöns selbstzufriedenen Gesichtsausdruck sah. „Dann ist ja gut. Aber, Grashüpferchen, du hast noch gar nicht gehört, was vor drei Monden passiert ist. Und wenn deine Freundin will, erzähle ich es ihr ebenfalls.“
Mileny liebte diese Geschichten ihrer Tante. „Ich glaube, Auralia hat nichts dagegen.“ Sie zog diese zu der Werkbank, holte einen weiteren Stuhl und setzte sich. „Wen hast du denn dieses Mal schockiert?“

~ ~ ~ ~ ~

Einige Stunden später verabschiedeten Auralia und Amethysa sich von Rhunön, Mileny und Diamila und machten sich auf den Weg, ihre Verwandten zu besuchen. Sie hatten Tränen gelacht bei Rhunöns überaus lebendiger Darstellung des pikierten und verwirrten Lord Fiolr, der – mal wieder – Bekanntschaft mit Rhunöns Sturheit und ihrer Angewohnheit, unangenehme Wahrheiten auch in unpassenden Momenten auszusprechen, hatte machen müssen.
Auralia machte sich auf den Weg zu ihren Verwandten und Rhunön schmiss Mileny aus der Schmiede raus, weil, wie sie sich ausdrückte, Milenys Anwesenheit ihre 'Verbindung zum Metall' beeinträchtigte.
Also stand Mileny wenige Momenten später etwas ratlos vor der Tür, Diamila war noch in der Schmiede. Anscheinend störte ihre Anwesenheit Rhunön nicht so sehr, doch die genuschelte Argumentation ihrer Patentante hatte Mileny nicht verstanden.
Nicht wirklich wissend, was sie mit sich anfangen sollte, schlenderte Mileny auf den verschlungenen Pfaden Ellesméras durch die Stadt, bis sie schließlich am Stadtrand ankam und sich einige Zeit später auf der Lichtung des Menoa-Baumes wiederfand.

Still ließ sie sich zu Füßen des Baumes nieder und lehnte sich an den mächtigen Stamm, die Ruhe genießend, die von dem alten Baum ausging und sich irgendwann auch auf sie übertrug. Mileny wusste nicht, wie lange sie so dort saß und manchmal einfach nur mit geschlossenen Augen den Geräuschen des Waldes lauschte, als sie das Gefühl überkam, beobachtet zu werden.
Doch auf den ersten Blick war niemand erkennbar. Erneut sah prüfend über die Lichtung und die Büsche, als ihr Blick an einem Busch hängen blieb. Selbst jetzt im Herbst blühte er noch, doch nicht deswegen wurde Milenys Aufmerksamkeit von dem Busch gefesselt.
Denn genauso wie sie ihn anstarrte – starrte der Busch zurück.

Goldene Augen. Der Busch hatte goldene Augen. Im Nachhinein konnte Mileny sich nur die Hand an die Stirn schlagen für den absolut dämlichen Gedanken, zu überlegen, ob irgendein Elf es tatsächlich geschafft hatte, den Busch so zu verzaubern, dass er Augen besaß und alles um sich herum mitbekam.
Denn die Augen wussten, was vor sich ging. Sie hatten einen amüsierten Ausdruck, als würden sie genau wissen, was Mileny gerade dachte.
Mileny hielt den Atem am, als sich langsam eine Katze aus dem Busch schälte und Schritt für Schritt die Lichtung überquerte. Aber nicht irgendeine normale Katze. Noch nie hatte Mileny eine in Wirklichkeit gesehen, sie kannte sie nur aus Büchern und Erzählungen.
Der Kater, der sie ignorierend vor ihr lang stolzierte, gehörte zu den Werkatzen. Sie waren eigentlich recht zahlreich, doch sie zeigten sich Menschen und Elfen nicht besonders gerne. Deshalb hatte Mileny noch nie eine zu Gesicht bekommen.
Ein paar Sonnenstrahlen glänzten auf dem hellbraunen Fell des Werkaters und seine Ohren, an denen er schwarze Fellbüschel besaß, lauschten aufmerksam auf jedes Geräusch.
So überquerte er fast gelangweilt wirkend die Lichtung. Auf der anderen Seite angekommen, kurz bevor er wieder in den Schatten trat, nahm er das erste Mal wirklich Notiz von Mileny, indem er ihr seinen großen Kopf zuwandte.
Mileny schluckte. Seine Augen hatten die Farbe gewechselt, von Gold zu Rot. Und jetzt wieder zu Gold. Es lag eine Aufforderung in seinen Augen, und als er sich wieder von Mileny abwandte und in den Halbschatten der Bäume eintauchte, stand Mileny zögerlich auf und folgte ihm.

Sie folgte ihm quer durch den Wald, wobei es den Kater nicht zu interessieren schien, dass Mileny sich dazu manchmal durch einige Büsche schlagen musste. Jede Lücke, durch die er passte, nutzte er auch, egal ob Mileny dann kurzzeitig in einer Sackgasse angelangt war oder nicht.
Er benutzte Pfade, die nicht mal Mileny kannte. Was wollte er von ihr? Wohin führte der Werkater sie?
Als Mileny das nächste Mal einem Baumstamm ausweichen musste, war der Kater verschwunden. Ratlos stand sie auf einer winzigen Lichtung, von großen und dichten Bäumen und Büschen umgeben. Der Weg zurück schien der einzige Ausgang zu sein. Oder doch nicht?
Mileny trat auf einen Busch zu, der nicht ganz so dicht zu sein schien, und schob die Blätter etwas auseinander. Dahinter erblickte sie nicht etwa weitere Bäume, sondern eine große Wiese, die einige hundert Meter weiter an einer hohen Klippe endete.
Ein schlanker, großer Werkater bahnte sich leise seinen Weg durch das selbst jetzt noch hohe, saftige, grüne Gras, welches im Wind hin und her wog. Der Kater steuerte eine Gestalt an, die direkt an der Klippe stand. Mileny konnte nur erkennen, dass diese Gestalt lange Haare besaß und ein Kleid trug, das im Wind wehte. Also wahrscheinlich eine Frau.
Wollte der Werkater sie zu dieser Frau führen? Und wenn ja, weshalb?

Kurz stand Mileny noch im Gebüsch, dann fasst sie sich ein Herz, zwängte sich vollends durch die dicht gewachsenen Zweige und betrat die Wiese. Sie folgte genau der Spur, die der Werkater schon gebahnt hatte. Bis zu ihren Knien reichte das Gras. Je näher Mileny der Frau kam, desto deutlicher konnte sie sie erkennen. Ihre Haare waren braun und stark gelockt und fielen ihr ungebändigt über den Rücken. Das grüne Kleid machte einen robusten Eindruck, und sobald es etwas hoch wehte wurden feste, braune Stiefel sichtbar.
Mileny war sich ziemlich sicher, dass diese Frau keine Elfe war.
Der Werkater war inzwischen bei ihr angekommen und setzte sich neben sie, um mit ihr gemeinsam über den vor ihnen liegenden Wald zu schauen. Mileny zögerte. Dem sich ihr bietenden Bild haftete beinahe etwas magisches an, sie wollte nicht stören, auch wenn sie inzwischen soweit herangekommen war, dass ein Wort in normaler Lautstärke ausreichen würde, um die Aufmerksamkeit der fremden Frau zu erregen.
Doch das war nicht nötig. Die Frau hatte sie schon längst bemerkt.

„Wen hast du mir denn mitgebracht, Solembum?“ Die Stimme der Frau schwankte zwischen Neugier und irgendeiner Art von Trauer, die Mileny nicht wirklich identifizieren konnte. Sie zuckte zusammen, als die Frau sprach.
Mileny hörte nicht, ob der Werkater antwortete, denn schließlich kommunizierten diese wählerischen Geschöpfe nur mit bestimmten, ausgewählten Menschen, Elfen und Zwergen, und das meist ausschließlich über ihren Geist.
„Oromis' Schülerin, soso.“ Und mit diesen Worten drehte die Frau sich um und musterte Mileny kritisch von oben bis unten. „Dich habe ich mir ja vollkommen anders vorgestellt“, meinte sie kopfschüttelnd.
„Verzeihung?“, fragte Mileny verwirrt.
„Nun ja, ich meine damit nicht, dass du hässlich bist oder so, nur eben vollkommen anders. Kaum zu glauben, dass ich mal eine Elfe mit von Natur aus andersfarbigen Haaren als immer dieses öde Schwarz und Silber zu sehen bekomme.“ Die Frau zwinkerte ihr zu. „Aber wo bleiben meine Manieren! Du bist Mileny, nicht wahr? Nun, da ich deinen Namen kenne, solltest du auch meinen wissen. Dieser Tage nennt man mich Silvarí, und der Werkater, der dich hergeführt hat, heißt Solembum.“

Solembum ignorierte Mileny und Silvarí jetzt vollkommen, aber Mileny konzentrierte sich sowieso mehr auf die braunhaarige Frau.
„Ihr seid die bekannte Wahrsagerin Silvarí?“, entschlüpfte Mileny ihr allererster Gedanke, nachdem Silvarí ihren Namen genannt hatte.
Diese seufzte. „Ts ts ts. Egal in welcher Zeit und unter welchem Namen, immer wissen die Leute nur, dass mir manchmal ein Blick in die Zukunft vergönnt ist. Dass ich eine ziemlich gute Heilerin bin und auch ganz passabel mit dem Schwert umgehen kann, interessiert niemanden.“
Mileny wunderte sich über die Worte der Wahrsagerin, dann fiel ihr Blick auf das Schwert, das an Silvarís Hüfte hing.
„Ein Hûthvír!“, rutschte es Mileny heraus. Es war ihr durch Rhunöns 'Unterrichtsstunden' in der Schmiede unmöglich, das Schwert nicht gleich zu identifizieren. Ein Hûthvír, ein Doppelschwert.
„Ja, ist es nicht toll?“, strahlte Silvarí und tätschelte die hölzerne Stange zwischen den beiden Klingen, die sich knicken ließ, wodurch es möglich wurde, das Doppelschwert einigermaßen ordentlich zu transportieren.
„Es wurde aber nicht von Elfen oder Menschen, sondern von Zwergen geschmiedet.“ Mileny verfluchte sich dafür, dass sie nicht die richtigen Fragen stellen konnte. Stattdessen erzählte sie absolut unnötiges Zeug, während sie eigentlich nur wissen wollte, was genau sie hier sollte. Und weshalb Solembum sie hierher geführt hatte.
„Weißt du was, ich mag dich.“ Silvarí lächelte noch ein wenig breiter. „Tatsächlich wurde es von Zwergen geschmiedet, und zwar von den Zwergen des Dûrgrimst Ingietum, die es dann dem Dûrgrimst Quan schenkten. Und dem habe ich es dann beim Kartenspielen abgeluchst.“ Sie gluckste leise bei der Erinnerung daran.

Jetzt schien es Solembum zu langweilig zu werden.
Werdet ihr heute noch fertig?, maulte der Werkater urplötzlich sowohl in Silvarís als auch in Milenys Geist.
Mileny erschrak sich furchtbar, während Silvarí Solembum nur schalt: Immer mit der Ruhe, auf den Moment mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an!
Solembum warf Mileny einen genervten Blick zu, dann erhob er sich und stolzierte an ihr vorbei.
„Beachte ihn einfach nicht, ich weiß nicht, warum er sich heute so auf den Schwanz getreten fühlt. Normalerweise ist er höflicher“, sagte Silvarí und stemmte die Hände in die Hüften. Dann verschwand das Lächeln, das sich nach ihrer kleinen Erzählung auf ihr Gesicht gelegt hatte, vollständig. „Auch wenn er irgendwo recht hat.“
„Was wollt Ihr von mir?“, fragte Mileny. „Weshalb hat Solembum mich hierher geführt?“
Silvarí sah Mileny ernst an. „Tatsächlich hatte ich ihn nicht gebeten, unbedingt dich zu mir zu führen. Ich hatte ihn gebeten, jemanden zu suchen, der mir vielleicht eine kleine Hilfe bei der Beantwortung meiner Fragen sein kann. Eigentlich habe ich dabei an eher an Oromis oder Evander gedacht... Aber hier bist du. Oromis' Schülerin. Und weil Solembum dich hierher gebracht hat, musst du etwas wissen. Denn egal, wie sehr er sich heute auf den Schwanz getreten fühlt, er würde bei so einer wichtigen Sache niemals allein aus schlechter Laune heraus jemand vollkommen unbrauchbares zu mir bringen.“

Schön, dass ich nicht 'vollkommen unbrauchbar' bin, schoss es Mileny etwas empört durch den Kopf.
„Um nicht weiter um den heißen Brei herum zu reden: Erzähl mir von der Prophezeiung des alten Drachen“, kam Silvarí sofort zum Punkt und sah Mileny erwartungsvoll an.
„Mooooment!“ Mileny hob die Hände. „Weshalb sollte ich Euch davon erzählen? Woher wisst Ihr überhaupt, dass ein alter Drache eine Prophezeiung ausgesprochen hat – wobei es keine Prophezeiung war, sondern eine Warnung?“
Plötzlich schimmerten Silvarís braune Augen unglaublich weise und alt. Dann war alles wieder wie vorher. Sie musterte Mileny erneut von oben bis unten, und die Elfe kam sich vor, als würde sie einer Prüfung unterzogen werden.
„Es stimmt, dass ich in die Zukunft sehen kann“, sagte Silvarí auf einmal. „Und was ich sehe, gefällt mir nicht. Zur gleichen Zeit, zu der meine Visionen mir eine... andere Zukunft als die normale zeigen, kursieren Gerüchte über eine Prophezeiung eines alten Drachen, und über den Tod dreier Drachenreiter und deren Drachen. Doch der Rat der Altvorderen äußert sich nicht zu der Warnung des alten Drachen. Und einige Drachenreiter wurden ausgeschickt, um das Rätsel um den Tod der Ordensmitglieder zu lösen. Dann stellt sich heraus, dass doch nur zwei Drachenreiter umgekommen sind und einer überlebt hat. Die Frage ist bloß, wie er das angestellt hat.
„Woher wisst Ihr das alles?“, fragte Mileny fassungslos.
Silvarí beantwortete diese Frage nicht, sondern sah sie einfach nur an. „Ich habe in den vielen Leben, die ich schon gelebt habe, gelernt, dass solche Vorzeichen nie etwas gutes nach sich ziehen. Ich habe gelernt, meinen Instinkten zu vertrauen“, sagte sie dann. Mileny fiel besonders der Ausdruck 'viele Leben, die ich schon gelebt habe' auf, doch als Silvarí einen Schritt auf sie zu trat und sie mit ihrem Blick an Ort und Stelle festnagelte, vergaß sie diese seltsamen Worte. Mileny schluckte.

„Ich bin jemand, der sich um das Schicksal dieser Welt sorgt, Mileny. Du könntest mir dabei helfen, dieses Schicksal zum Guten zu wenden. Denn das, was ich sehe, jagt mir zum ersten Mal seit langem wieder Furcht ein. Du kannst mir helfen. Und das einfach nur, indem du meine Fragen beantwortest.“ Silvarí beobachtete Mileny genauestens, als diese zögerte.
Durfte sie überhaupt Ordensangelegenheiten preisgeben, wenn der Rat der Altvorderen es nicht getan hatte? Und durfte sie überhaupt Informationen weitergeben, die sie eigentlich nur durch das Belauschen von Oromis' Gesprächen hatte?
Konnte sie Silvarí vertrauen?

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Naaaa? Was glaubt ihr, wer Silvarí ist? ;)
Ich meine, es ist ja ziemlich offensichtlich, aber ihr dürft mir trotzdem stolz eure Entdeckung in euren Reviews präsentieren :D
Wir lesen uns!
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