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Wo Licht ist, ist auch Schatten

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Glaedr OC (Own Character) Oromis
27.06.2017
24.06.2022
160
471.853
65
Alle Kapitel
944 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
20.05.2022 2.797
 
Hallo liebe Leser,
diese Woche geht es mit einem kompletten Mileny-und-Diamila-Kapitel weiter. Das ist etwas ausgeartet, muss ich zugeben. Und es tut mir nicht leid.
Danke an Yandaske Tampewats, Ijisain, Ichaddosh Azranaish, Kolliy, Saphiraeragon, Silberschatten, alexeragon und Phantomdrache für die Reviews.
Viel Spaß!

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Kapitel 155: Unfreiwillige Zuhörerin

Am nächsten Morgen machten Mileny und Diamila sich schon früh auf den Weg in den Buckel. Da sie ohnehin nicht mehr schlafen konnten, brachen sie eine Stunde früher als geplant auf. Um diese Uhrzeit war Nora zwar noch nicht wach, aber sie hatten sich schon am Abend zuvor voneinander verabschiedet. Thuviel jedoch war zu ihrer großen Überraschung schon auf und verabschiedete sie.
Ihr früher Aufbruch sorgte demnach dafür, dass sie auch schon früher als geplant am temporären Stützpunkt des Ordens in Buckel ankamen. Kaum hatten Diamilas Pranken den Boden berührt, kam auch schon ein Mann auf sie zu.
Er blickte sowohl Mileny als auch Diamila für einen Moment wortlos an, dann erkannte er sie und neigte den Kopf vor ihnen.
Hastig erwiderte Mileny die Geste.
„Seid gegrüßt, Argetlam* Mileny, Scublaka** Diamila“, sagte er. „Es ist eine Freude, Eure Bekanntschaft zu machen. Eure Anwesenheit kommt überraschend, aber Eure Unterstützung ist sehr willkommen.“
Mileny blinzelte verwirrt.
Hä?, machte Diamila wenig elegant. Sie sorgte dafür, dass der Drachenreiter sie nicht hören konnte. Habe ich was verpasst?
Ich bin mir nicht ganz sicher

„Darf ich fragen, warum Ihr Euch entschieden habt, jetzt an den Patrouillen teilzunehmen?“, fragte der Drachenreiter. „Immerhin wurdet Ihr nicht zugeteilt.“
Endlich verstand Mileny, was er meinte. Sie unterdrückte den Drang, das Gesicht zu verziehen. „Ich befürchte, hier liegt ein Missverständnis vor“, sagte sie. „So gerne wir Euch auch bei den Patrouillen unterstützen würden, leider sind wir nicht deswegen hier. Wir warten nur kurz auf Oromis-Elda und Glaedr-Elda, bevor wir weiterfliegen müssen.“
Du würdest wirklich lieber nach Galbatorix, Golrid und Phethi suchen, als nach Luthivíra zu gehen, oder?, murmelte Diamila.
Das fragst du noch?, gab Mileny zurück.
Der Drachenreiter hatte diesen kleinen Austausch natürlich nicht gehört. Bei Milenys Erklärung war der anerkennende Ausdruck in seinen Augen verschwunden und hatte einem finstereren Platz gemacht. Unangenehm berührt räusperte sie sich.
Könntet Ihr uns sagen, wo wir Oromis-Elda und Glaedr-Elda finden?, richtete Diamila das erste Mal das Wort an ihren Gegenüber und durchbrach damit die angespannte Stille, die sich über sie gelegt hatte.
Abrupt drehte der Drachenreiter sich um und deutete zwischen den Zelten hindurch, die den Landeplatz säumten. „Immer dort entlang, dann stoßt Ihr direkt darauf. – Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag.“
Als er jetzt den Kopf neigte, fiel die Bewegung deutlich steifer aus als zur Begrüßung.

Mit einem lautlosen Seufzen sah Mileny ihm für einen Moment hinterher. Ihr schlechtes Gewissen unterdrückend folgte sie schließlich Diamila, die sich schon in Bewegung gesetzt hatte. Die Zelte standen so weit auseinander, dass ein Drache von Diamilas Größe bequem dazwischen laufen konnte, ohne dass sie etwas umreißen würde, aber viel größer dürfte sie nicht mehr sein.
Wie der Drachenreiter gemeint hatte, konnten sie Oromis’ Zelt nicht verfehlen. Vermutlich war das gar nicht seines, sondern schlicht das Kommandozelt des Lagers. Links neben dem Zelt befand sich jedoch ein so großer Platz, dass einer der Altvorderendrachen sich bequem hinlegen konnte. Ohne viel Federlesens nahm Diamila diesen Platz in Anspruch.
Mileny rief indessen von außen durch die Zeltplane: „Darf ich eintreten?“ Klopfen konnte sie ja schlecht.
„Ja“, erscholl Oromis’ Stimme zurück.
Mileny wischte sich das kleine Lächeln, das sich auf ihre Lippen legen wollte, sofort weg und trat ein.

Abgesehen von Oromis befanden sich noch zwei weitere Drachenreiter im Zelt, beides Menschen. Die Frau nickte Mileny höflich zu, während der Mann über die Unterbrechung alles andere als erfreut erschien und ihr stattdessen einen finsteren Blick zuwarf. Bevor Mileny sich jedoch für die Unterbrechung entschuldigen konnte, ergriff Oromis das Wort.
„Mileny, schön dass du schon da bist“, sagte er. Er berührte ihren Geist und machte damit seinen geschäftsmäßigen Ton wieder wett. Eine inzwischen vertraute Melodie umfing sie, der sie stundenlang lauschen könnte.
Ich habe dich vermisst.
Der Mann erkannte Mileny nun scheinbar und sofort war der finstere Gesichtsausdruck verschwunden. Stattdessen musterte er sie abschätzend. Die Frau hatte eine Augenbraue hochgezogen und tat es ihm gleich.

„Du bist früher als geplant hier“, stellte Oromis fest.
„Wir sind schon früher aufgebrochen und hatten glücklicherweise keine Verzögerungen.“
„Ich befürchte leider, dass wir noch etwas brauchen werden“, sagte Oromis entschuldigend.
Mileny verneigte sich leicht. „Natürlich, kein Problem. Ich werde draußen warten.“ Sie nickte den beiden Drachenreitern zu und trat den Rückzug an.
Vor dem Zelt wurde sie schon von Diamila erwartet.
Und, wieder glücklich?, neckte sie ihre Reiterin.
Noch nicht ganz, oder ist Oromis mir etwa hinaus gefolgt?, erwiderte Mileny.
Diamila schnaubte. Tu nicht so, ich kann das Grinsen sehen, dass du dir so verbeißen willst. Sie stupste Mileny an. Ich freue mich, dass du dich jedes Mal wieder so fühlst, wenn du ihn nach einer Trennung in Person wiedersiehst. Und außerdem bedeutet das, dass ich ein paar Gedanken zu Oromis weniger mitkriegen werde, und das ist doch immer ein Bonus. Das Zwinkern, das in ihren Augen lag, zeigte deutlich, dass sie ihre Reiterin nur necken wollte.

Mileny verdrehte die Augen und wollte schon zu einer Antwort ansetzen, wurde aber plötzlich von der Seite angesprochen.
Scublaka Diamila und Argetlam Mileny, nicht wahr?“
Mileny drehte sich zur Seite und fand sich einer Elfe gegenüber wieder. „Ja. – Darf ich nach Eurem Namen fragen?“
Die Elfe verneigte sich leicht. „Ich bin Ímued. Es freut mich sehr, Eure Bekanntschaft zu machen.“ Sie verbeugte sich auch vor Diamila, die die Begrüßung mit einem leichten Kopfneigen erwiderte.
„Und ich bin Thosha“, schloss sich eine Menschenfrau ihrer Unterhaltung an. Sie war neben Ímued aufgetaucht und begrüßte Diamila und Mileny ebenso wie zuvor Ímued.
Der Seitenblick, mit dem Ímued Thosha bedachte, sagte deutlich, dass sie über die Unterbrechung nicht erfreut war. Thosha interessierte das nicht.

„Mir war gar nicht bewusst, dass heute neue Gespanne ankommen“, sagte Ímued. „Aber es ist natürlich gut, Unterstützung zu bekommen. Ist dies Eure erste Patrouille?“
Dieses Mal übernahm Diamila es, das Missverständnis aufzuklären. Wir sind leider nicht wegen der Patrouillen hier, auch wenn wir Euch gerne unterstützen würden. Wir sind nur auf der Durchreise.
Ímueds Blick wanderte über Milenys Schulter zu dem großen Zelt und ihr Mund verzog sich zu einem schmalen Strich.
Wie viele Leute werden wir denn heute noch verärgern, nur weil wir nicht hierbleiben werden?, fragte Mileny.
Das ist doch nun wirklich nicht unsere Schuld, erwiderte Diamila. Immerhin nehmen die andauernd an, dass wir hier sind, um Teil der Suchtrupps zu werden.
Irgendwie auch logisch, warum sollten wir sonst hier sein?, meinte Mileny.

Genau diese Frage stellte Ímued ihnen nun in einem Tonfall, der einen Hauch kälter als zuvor war.
„Wir sind auf den Weg in den Silberwald“, erwiderte Mileny.
„Zu welchem Anlass, wenn man fragen darf?“
Diamila gefiel Ímueds Tonfall wirklich nicht. Sag ihr doch einfach, sie darf nicht fragen.
Mileny überhörte Diamilas Vorschlag. „Wir werden Dagshelgr*** in Luthivíra verbringen.“
„Der Silberwald ist wunderschön im Frühling“, sagte Thosha. „Und gerade zu Dagshelgr sollen die Kristallhöhlen ein nahezu magischer Ort sein. Ich muss zugeben, ich beneide Euch sehr um diese Erfahrung.“

Kommt es mir nur so vor oder übertreibt sie es gerade ein bisschen?, fragte Mileny.
Das kommt dir definitiv nicht nur so vor, erwiderte Diamila. Und Ímued scheint davon überhaupt nicht begeistert zu sein.
Diamila hatte recht. Ímued sagte zwar nichts und wenn man sie nur oberflächlich beobachtete, könnte man meinen, sie lausche Thosha interessiert, aber der empörte Ausdruck, der kaum verborgen in ihren Augen lag, sprach Bände. Genauso wie ihre linke Hand, die sie immer wieder zur Faust ballte und dann entspannte. Anscheinend genossen momentan nicht nur Diamila und Mileny kein großes Ansehen bei ihr.
Bevor Ímued jedoch etwas sagen konnte, hörte Mileny, wie die Zeltbahn hinter ihrem Rücken zurückgeschlagen wurde. Die beiden menschlichen Drachenreiter gingen an ihnen vorbei, während Oromis neben Mileny trat und ihr kurz zulächelte.
Diamila begrüßte ihn nun auch. Thosha und Ímued verneigten sich kurz und sahen Oromis’ Ankunft als ihr Zeichen, das Gespräch zu beenden, wofür Mileny sehr dankbar war.
Dass Thosha und Ímued sich von ihnen abwandten, bedeutete aber nicht, dass sie unbeobachtet blieben. Nur zu gut konnte Mileny diverse Blicke spüren. Sie versuchte, sie einfach zu ignorieren.

„Ist alles geklärt?“, fragte sie Oromis. „Können wir losfliegen?“
„Leider noch nicht“, erwiderte er entschuldigend. „Ich muss noch einige Sachen erledigen und ich befürchte, dass das noch eine bis anderthalb Stunden dauern könnte. Ich hoffe, es macht euch nichts aus, noch etwas zu warten.“
Wir waren ja auch eine Stunde zu früh dran, meinte Diamila. Und ich bin mir sicher, dass wir eine Beschäftigung finden, nicht wahr? Sie stupste Mileny sacht an.
„Sie hat recht“, bestätigte Mileny. „Aber lass’ dir ja nicht zu viel Zeit, sonst könnten wir vielleicht auf den Gedanken kommen, uns alleine auf den Weg zu machen.“
Das entlockte Oromis ein kleines Lachen. „Alleine zu meinen Eltern? Da musst du dir schon realistischere Drohungen ausdenken.“
Mileny verdrehte ein wenig die Augen. „Mach dich lieber wieder an die Arbeit, wir wollen heute doch noch bis zum Woadark-See kommen.“
„Ich gebe mir Mühe“, versprach Oromis. Er küsste sie auf die Stirn und verschwand dann wieder im Zelt.

Ich verstehe wirklich nicht, warum es dir unangenehm sein sollte, wenn er dich vor anderen Leuten küsst, meinte Diamila. Immerhin seid ihr schon seit Monaten zusammen. Solltest du nicht lieber froh sein, dass ihr euch nicht mehr versteckt?
Natürlich bin ich das, erwiderte Mileny. Aber nur, weil ich mich darüber freue, dass wir kein Geheimnis mehr daraus machen müssen, heißt das nicht, dass ich von fremden Personen beim Küssen beobachtet werden will.
Dir ist schon klar, dass das in Luthivíra nicht gerade besser wird? Jeder wird euch anstarren.
Danke für die Erinnerung, das wäre mir fast entfallen. Mileny verdrehte die Augen.
Diamila schnaubte. Sei’ nicht beleidigt. – Nimmst du mir den Sattel ab? Wir haben jetzt ja noch ein wenig Zeit und die Gelegenheit würde ich gerne zum Baden nutzen. Kommst du mit?
Mileny zuckte mit den Schultern. Warum nicht? Ich habe nicht wirklich das Bedürfnis, mich wieder mit Thosha oder Ímued zu unterhalten.

~ ~ ~ ~ ~

Um diese Tageszeit hatten sie die Badestelle ganz für sich allein, worüber Mileny sehr froh war. Sie hatte nicht gerade Lust, wieder höfliche Konversation mit wildfremden Frauen zu führen, wenn sie nackt im Wasser saß. Dass sie alleine waren, lag natürlich daran, dass sich die meisten Gespanne auf Patrouillenflug befanden. Und das wiederum löste in Mileny wieder ein schlechtes Gewissen aus.
Wie oft soll ich es denn noch sagen, Mileny?, fragte Diamila. Es ist nicht unsere Schuld. Wir haben eben andere Aufgaben als diese Gespanne, also waren wir bisher nicht Teil der Patrouillen. Wir unterstehen Junji und Drugarth und nicht Wokurs.
Ich weiß ja, erwiderte Mileny genervt. Nur leider kann ich es nicht einfach abstellen, in Ordnung? Sie seufzte und erhob sich. Das hier wird mir langsam zu kalt. Ich trockne mich ab und gehe zurück.
Ich bleibe noch ein bisschen. Diamila atmete unter Wasser aus und brachte so das kalte Seewasser zum Sprudeln. Ich bin nicht so empfindlich wie du.
Mileny verdrehte die Augen, sagte aber nichts weiter, sondern trocknete sich ab und zog sich wieder an. Dann machte sie sich auf den Rückweg.
Im Nachhinein betrachtet hätte sie sich einfach ans Seeufer setzen sollen. Was wollte sie auch schon im Lager? Immerhin würde Oromis sicher noch nicht fertig sein, eine Stunde war noch nicht vergangen.
Aber ihre Füße hatten sie automatisch wieder zu den Zelten getragen, und so kam es, dass Mileny fast über eine kleine Gruppe an Drachenreitern stolperte. Zum Glück hörte sie ihre Stimmen, bevor sie um das Zelt bog. Als ihr Name fiel, blieb sie stehen.

Mileny erkannte Ímueds Stimme wieder. „Bitte, Mileny ist doch nur privilegiert.“
„Ich wette, sie muss keine Patrouillen absolvieren, weil Vrael-Elda ihr Vater ist und sie dafür gesorgt hat, dass er sie davon befreit.“ Und das war Thosha. Von der übertriebenen Freundlichkeit von vorhin war nichts mehr übrig geblieben.
„Ich würde da ja eher auf Oromis-Elda tippen“, mischte sich eine männliche Stimme ins Gespräch ein, die Mileny nicht zuordnen konnte.
„Irgendwelche Vorteile muss es schließlich haben, wenn man sich mit einem Altvorderen einlässt“, stimmte Ímued ihm zu.
„Als ob du nicht die Möglichkeit genutzt hättest, wenn sie sich dir geboten hätte“, schnaubte eine Frau, die Mileny auch nicht kannte. „Mehr Einfluss auf einem Haufen findest du selten.“
„Obwohl ja gesagt wird, dass er sich seit Jahrhunderten weigert, seinen Titel als Erbe anzunehmen“, sagte der Mann.
„Und das glaubst du? Ich bitte dich, das ist doch nur ein Gerücht!“

„Ich wette, sie hat ihre Arbeit in Junji-Eldas Abteilung auch nur bekommen, weil sie sich mit ihm eingelassen hat“, sagte Thosha plötzlich.
Mileny blinzelte verstört.
Was?, machte Diamila fassungslos.
„Redest du wieder von Mileny?“, fragte die unbekannte Frau.
„Von wem denn sonst? Was glaubst du denn, wie sie sonst an diese Stellung gekommen ist? Ich schätze mal, das ist der Preis dafür, wenn sie direkt von Junji-Elda lernen will. Und so kann Vrael-Elda auch gleich dafür sorgen, dass Junji-Elda einen Nachfolger hat, der ihm nahesteht, falls Junji-Elda zurücktritt oder ihm irgendetwas passiert.“

Soll ich sie anzünden?, grollte Diamila.
Nein, du bleibst wo du bist, sagte Mileny warnend. Das hier schaffe ich auch alleine. Und glaube ja nicht, dass ich vergessen habe, was Saphira und du für Geschichten in die Welt gesetzt haben.
Das war doch aber nicht ernst gemeint!, protestierte Diamila. Diese Idioten denken das ja wirklich! Wie können sie es wagen!
Irgendjemand wird auch eure Geschichten für voll genommen haben. Mileny atmete tief durch. Ist jetzt auch egal. Wenn du mich entschuldigst, ich muss ein paar Leute erschrecken.

Sie verbannte ihre Abscheu und ihren Ärger in eine Ecke ihres Geistes und setzte ein Lächeln auf. Als sie lautlos um das Zelt herumtrat, gelang es ihr tatsächlich, die Vierergruppe zu erschrecken. Thosha zuckte heftig zusammen, während Ímued sich mit leicht geweiteten Augen rasch zu ihr umdrehte. Die anderen beiden Drachenreiter, eine Menschenfrau und ein Elf, erkannte Mileny zwar nicht, aber sie bedachte sie mit einem strahlenden Lächeln. Sie konnte förmlich sehen, wie sie realisierten, dass Mileny zumindest den letzten Teil gehört haben musste.
Sie war sich ziemlich sicher, dass die Drachenreiter eine Schimpftirade erwarteten. Mileny tat nichts dergleichen.

Sie lachte kurz und meinte: „Ich muss zugeben, ich hatte nicht erwartet, dass das Wasser hier noch so kalt ist. Allerdings liegt dieses Lager auch deutlich höher als Dorú Areaba und seine Seen.“
Für einen langen, unangenehmen Moment herrschte Stille. Der Elf fing sich als Erster wieder. „Die wärmeren Jahreszeiten kommen hier immer zwei Monate später und die kälteren zwei Monate zu früh.“
Mileny zuckte mit den Schultern. „Ich merke es mir für das nächste Mal. Diamila ist da nicht so kälteempfindlich. Sie neckt mich immer deswegen. Ich glaube, Drachen sind was das angeht sowieso nicht so wählerisch.“
Ímued schluckte und fand ihre Stimme wieder. „Obwohl ich tatsächlich auch einige Drachen kenne, die kaltes Wasser auf den Tod nicht ausstehen können.“
„Wirklich?“ In Milenys Augen trat ein kalter Glanz. Die vier Drachenreiter wichen kollektiv einen kleinen Schritt zurück, was Mileny eine große Genugtuung verschaffte. „Vielleicht solltet Ihr diesen Drachen nichts von Diamila erzählen, nicht dass sie sich dann… inadäquat fühlen. Meint Ihr nicht?“
Ímued klappte den Mund auf und wieder zu, aber es kam kein Ton heraus.
Thosha setzte gerade zum Sprechen an, als ein Schatten über sie hinweg huschte.

Mileny, ich fürchte, du musst dein Gespräch beenden, sagte Glaedr so, dass auch die anderen Drachenreiter ihn hören konnten. Oromis ist endlich fertig.
Es war schon beinahe komisch zu sehen, wie die Drachenreiter sich reflexartig verneigten, obwohl sich Glaedr gar nicht vor ihnen befand.
Natürlich, ich bin auf dem Weg, erwiderte Mileny.
Sie wandte sich wieder den Drachenreitern zu. Thosha war noch immer blass. „Es hat mich außerordentlich gefreut, Eure Bekanntschaft zu machen“, sagte Mileny mit einem strahlenden Lächeln. „Ich freue mich schon sehr auf unsere nächste Begegnung.“
Ohne auf eine Antwort zu warten machte sie auf dem Absatz kehrt und entfernte sich von der Gruppe.

Warum durfte ich sie nicht anzünden?, fragte Diamila. Das wäre wesentlich angenehmer gewesen.
Und hätte was gebracht?, gab Mileny zurück. Ich danke dir für deinen Einsatz, aber ich glaube, wir hätten Probleme bekommen, hättest du die vier in Fackeln verwandelt.
Wäre zumindest kein Verlust für den Orden gewesen, grummelte Diamila.
Mileny zuckte mit den Schultern. Ist doch egal. Es ist vorbei. Und was die für idiotische Sachen von sich gegeben haben, glaubt doch eh keiner.
Zumindest das mit Junji glaubt keiner, flüsterte eine Stimme so leise in ihrem Kopf, dass selbst Diamila sie nicht hören konnte.

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* Argetlam = Drachenreiter (wörtlich „Silberhand“)
** Scublaka = Drache (wörtlich „Schuppenwedler“)
*** Dagshelgr = Frühlingsfest der Elfen
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