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Wo Licht ist, ist auch Schatten

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Glaedr OC (Own Character) Oromis
27.06.2017
24.06.2022
160
471.853
65
Alle Kapitel
944 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
13.05.2022 2.364
 
Hallo liebe Leser!
Ich muss zugeben, dass ich mit diesem Kapitel nicht zufrieden bin (wieder mal viel zu viel gelabert), aber es ist Freitag und ich war noch nie gut darin, bereits Geschriebenes vollkommen umzustellen. Deswegen bleibt es jetzt einfach so.
Ich bedanke mich bei Kolliy, Saphiraeragon, alexeragon, Yandaske Tampewats, Azanaish Azhayo, Aynela und Phantomdrache für die Reviews.
Wenn alles glatt geht, bis nächste Woche!

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Kapitel 154: Reisegefährten

Laetrí musste zugeben, dass es schlechtere Reisegefährten gab als Solembum und Silvarí. Anfangs hatte er dem Vorhaben noch ein wenig skeptisch gegenübergestanden, sich jedoch wohl aber übel darauf eingelassen. Nach zwei Wochen konnte er sich sogar vorstellen, öfter Zeit mit den beiden zu verbringen. Sich vielleicht auch mit ihnen anzufreunden.
Solembum nervte nicht und stellte keine sinnlosen Fragen. Der Werkater tat nur das, was ihm gefiel, und da er damit nicht Laetrís Geduld auf die Probe stellte, kamen sie gut miteinander aus. Natürlich hatte Solembum seine Eigenheiten, aber immerhin war er auch ein Werkater und kein Mensch.
Gleiches traf auf Silvarí zu. Auch wenn die Kräuterhexe sich den größten Teil der Zeit menschlich gab, wusste Laetrí nur zu gut, dass sie das definitiv nicht war. Ein wenig verrückt war sie allerdings schon. Sie führte von Zeit zu Zeit Gespräche mit Bäumen, Tieren und sogar Felsen. Laetrí war nur in der Lage, Silvarí selbst zu hören, aber was auch immer sie für einen Zauber in ihre Stimme wob, anscheinend gelang es ihr tatsächlich, Laetrí so bei der Spurensuche zu unterstützen.
Er hinterfragte ihre Methode nicht. Es interessierte ihn nicht, wie sie es machte, für ihn zählten nur die Ergebnisse. Und bisher hatten ihre Ergebnisse immer mit seinen Beobachtungen überein gestimmt.
Silvarí rückte ihm nicht auf die Pelle, sie fragte ihn nicht aus und sie wusste, wann sie den Mund halten sollte. Sie hakte nicht nach, wenn Laetrí sich für einige Stunden aus ihrer kleinen Gruppe löste, weil er Zeit für sich brauchte, und sie verlangte nicht zu wissen, wo er gewesen war.
Laetrí fragte sich, warum er Silvarí und Solembum nicht schon früher getroffen hatte. Es tat gut, sich mit Personen zu umgeben, in deren Gesellschaft er sich ausnahmsweise einmal wirklich wohlfühlte. Eragon wusste, dass er solche Leute selten genug traf, seit er sich seinen Titel als ‚Schattentöter‘ verdient hatte.

Alleine hätte er der Spur des Schattens zwar auch folgen können, aber es fühlte sich gut an, fähige Kameraden zu haben, die einem zur Not Rückendeckung geben konnten.
Seit seinem Kampf mit dem Schatten waren Jahrhunderte vergangen und wenn er darauf zurückblickte, musste er zugeben, dass er damals mehr Glück als Verstand gehabt hatte. Aber dieser Schatten hatte ihm einige Lektionen gelehrt, die er niemals vergessen würde.
Er konnte sich noch immer an das Gefühl der Schattenmagie auf seiner Haut erinnern, wie klebrige schwarze Fäden, denen er sich einfach nicht entledigen konnte. Manchmal wachte er heute noch schweißgebadet in der Nacht auf und glaubte, die Magie spüren zu können. Er konnte sich daran erinnern, wie der Schatten versucht hatte, seinen Geist zu brechen, wie er jede winzige Schwachstelle ausgenutzt und zu seinem Vorteil eingesetzt hatte. Und alleine die Erinnerung an die bloße Präsenz des Schattens sorgte noch heute bei ihm für eine Gänsehaut.
Jahrhundertelang hatte er es gehasst, dass er sich so gut daran erinnern konnte. Hatte die Erinnerungen loswerden wollen. Es hatte sein Leben so unglaublich verändert – hatte ihn so unglaublich verändert, dass er sich an manchen Tagen kaum wiedererkannt hatte.

Heute war Laetrí dankbar dafür. Es ermöglichte ihm, den Bewegungen des Schattens zu folgen, ohne physische Spuren zu benötigen. Würde ihn jemand fragen, wie genau er das bewerkstelligte, könnte er keine klare Antwort geben. Manchmal glaubte er, es in der Luft schmecken zu können, wo der Schatten gegangen war, sehen zu können, welche Blätter sein Umhang gestreift hatte. Als würden sie noch immer hin und her schwingen.
Schatten verdarben alles, womit sie in Berührung kamen. Je kürzer die Berührung anhielt, um so geringer war ihr Einfluss, aber für Laetrí konnte es keine offensichtlichere Spur geben.
Manchmal hatte er sich Sorgen darüber gemacht, was diese Fähigkeit für ihn bedeutete – was sie über ihn aussagte. Inzwischen war es ihm egal. Er konnte es, also würde er es nutzen.

Hätte der Orden ihn früher um Hilfe gebeten – hätte er ihn überhaupt um Hilfe gebeten, als sie zum ersten Mal von dem Schatten erfahren hatten, hätte er die Spur schon viel früher aufnehmen können. Aber wie immer weigerte sich der Orden, Informationen zu teilen, die ihn schwach aussehen ließen. Sie versuchten, solche Situationen intern zu lösen und niemanden erfahren zu lassen, dass es jemanden gab, der ihnen auf der Nase herumtanzte. Für andere Probleme mochte dass vielleicht eine richtige Herangehensweise gewesen sein, für den Schatten allerdings definitiv nicht.
Besonders war Laetrí von Oromis enttäuscht. Oromis hielt sich gerne für nicht so abgehoben wie der Rest der Drachenreiter, als wäre er mit den Füßen auf dem Boden geblieben, während die Anderen ihren Kopf nur in den Wolken hatten. Dabei war ihm sein Status genauso zu Kopf gestiegen. Laetrí musste zugeben, dass es vermutlich ziemlich schwer war, sich diesem Sog zu entziehen, aber zumindest sollte Oromis die Größe haben, es dann zuzugeben.
Oromis kannte ihn und war von Anfang an über den Schatten informiert. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, Laetrí zu erreichen und ihn um Hilfe zu bitten oder auch nur um Rat zu fragen. Aber selbst Oromis schien inzwischen der Meinung zu sein, dass dies ein Problem war, dem nur die Drachenreiter gewachsen waren. Und das Ergebnis konnte man ja jetzt sehen.

~ ~ ~ ~ ~

„Ich würde ja fragen, wie es vorangeht, aber leider kenne ich die Antwort“, sagte Mileny, nachdem sie einen Blick auf Oromis’ frustriertes Gesicht geworfen hatte.
„Damit dürftest du richtig liegen“, erwiderte er. „Wir treten mal wieder – oder wohl eher immer noch – auf der Stelle. Genauso wie bei den anderen Malen, als Galbatorix uns entwischt ist. Und Laetrí… Er meldet sich meiner Meinung nach viel zu selten und wenn, gibt er kaum irgendwelche Informationen über seinen Aufenthaltsort preis.“
Mileny runzelte die Stirn. „Aber wäre es nicht sinnvoll zu wissen, wo er sich befindet, sollte er dem Schatten tatsächlich auf die Spur kommen? Immerhin ist die Wahrscheinlichkeit nicht gerade gering, dass sich Galbatorix bei ihm befindet.“
Oromis seufzte. „Allerdings. Aber Laetrí hat vermutlich Angst, dass ihm einige Gespanne auf Abstand folgen werden, sobald wir wissen, wo genau er sich befindet. Das könnte dafür sorgen, dass Silvarí, Solembum und er eher entdeckt werden, bevor sie überhaupt die Möglichkeit haben, den Schatten auch nur zu sehen.“
„Also haben die drei vor, es alleine mit Galbatorix, dem Schatten und vielleicht auch Golrid und Phethi aufzunehmen?“, fragte Mileny ein wenig fassungslos. Ihr graute es bei der Vorstellung, auch nur einem der Vier gegenüber zu treten, selbst mit Diamila an ihrer Seite.

Ich würde gerne sagen, dass wir das schon schaffen, leider muss ich zugeben, dass ich daran auch so meine Zweifel hege, murmelte Diamila. Es schien ihr fast schon peinlich zu sein, es auszusprechen.
Lieber so als andersherum, meinte Mileny. Zumindest kann uns niemand Größenwahnsinn unterstellen.
Das bleibt abzuwarten.

„Er meinte, dann würden sie sie nicht konfrontieren“, antwortete Oromis auf Milenys Frage. Sein Tonfall ließ Mileny allerdings aufhorchen.
„Du scheinst dem nicht so recht zu trauen“, stellte sie fest.
Oromis schnaubte. „Natürlich nicht. Laetrí hatte noch nie einen großen Selbsterhaltungstrieb. Er hat gegen einen Schatten gekämpft und auch wenn er ein großartiger Kämpfer ist, war dabei viel Glück im Spiel. Und seitdem… Ich weiß nicht, ob er seinen Verstand einschaltet, sobald er in die Nähe des Schattens kommt, egal in welcher Begleitung sich der Schatten befindet. Ich befürchte, dass er sich ohne Überlegung in einen Kampf hereinstürzt.“
„Aber er hat ja noch Silvarí und Solembum.“
Der Blick, den Oromis ihr schenkte, erinnerte Mileny unangenehm an ihre Ausbildung. „Die beiden mögen bisher keine selbstmörderischen Tendenzen aufgewiesen haben, aber als einwandfrei kann man ihre Urteilskraft auch nicht einschätzen.“
Oromis musste wirklich schlechte Laune haben, wenn er dermaßen über Silvarí und Solembum sprach. Mileny entschloss sich, das Thema zu wechseln.

„Diamila und ich brechen morgen Vormittag hier auf“, sagte sie. „Wir verbringen dann eine Nacht in Narda und dürften am frühen Nachmittag bei euch sein.“
„Ich kann nicht versprechen, dass wir dann sofort hier losfliegen können“, warnte Oromis.
„Solange wir es innerhalb der nächsten sechs Tage bis nach Luthivíra schaffen, ist alles andere egal“, meinte Mileny schulterzuckend. „Ich befürchte, wenn wir dann noch nicht angekommen sind, werden deine Eltern… enttäuscht sein.“
„Es tut mir leid, dass sie dich dermaßen überfallen haben“, sagte Oromis entschuldigend.
„Du hast dich schon oft genug dafür entschuldigt, denkst du nicht, das sollte langsam reichen?“
Oromis zuckte mit den Schultern. „Ich glaube nicht, dass du noch so denkst, sobald du ein paar Tage in Luthivíra verbracht hast. Ich entschuldige mich sozusagen auf Vorrat.“
Mileny lachte ein bisschen. „Ich befürchte, so funktioniert das nicht.“
„Man kann es ja mal versuchen.“

Kurz herrschte Stille, dann seufzte Oromis und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Ich hasse es, mitten in einer Mission für so etwas unterbrochen zu werden“, sagte er finster.
„Zumindest ist in den letzten Tagen nichts Wichtiges passiert, also besteht die Möglichkeit, dass auch nichts Interessantes passiert, während du für zwei Wochen nicht da bist.“
Oromis’ finsterer Blick sagte deutlich, dass ihr Aufmunterungsversuch nicht gewirkt hatte.

~ ~ ~ ~ ~

Nora wartete schon im Innenhof, als Diamila zur Landung ansetzte. Sie lachte laut auf, sobald Diamila sie direkt mit einem kräftigen Stupser begrüßte.
Du siehst gut aus, sagte die weiße Drachendame. Glücklich.
„Natürlich, immerhin bist du jetzt hier“, erwiderte Nora mit einem Augenzwinkern.
„Und was ist mit mir?“, rief Mileny. Sie rutschte von Diamilas Rücken und verdrängte Diamila mit einem Klaps auf die Schulter, damit sie Nora umarmen konnte.
„Das wird sich wohl noch herausstellen“, sagte Nora lachend. Sie genoss die Umarmung sehr, sie hatte Diamila und Mileny wirklich vermisst.
„Mileny, Diamila, schön euch wieder zu sehen“, ertönte Thuviels Stimme hinter ihnen.
Nora ließ Mileny los, die sich leicht vor Thuviel verbeugte. „Ebenfalls, Thuviel-Elda“, erwiderte sie.
Thuviel schnaubte und streckte die Hand aus, die Mileny nach Art der Menschen ergriff und schüttelte. Sie hatte schon wieder vergessen, wie Thuviel eigentlich war.
„Ich befürchte, ihr müsst heute nur mit Nora vorlieb nehmen, da ich ziemlich beschäftigt bin, aber ich glaube, das hattet ihr sowieso geplant, nicht wahr?“
Ihr könnt unsere Gedanken lesen, sagte Diamila ohne mit der Wimper zu zucken.
Halb fürchtete Mileny, dass Thuviel bei dieser unverblümten Antwort beleidigt reagieren könnte, aber das hier war immer noch Thuviel, der ihnen in ihrer Ausbildung auch andere Sachen hatte durchgehen lassen. Nicht, dass sie es jemals wirklich darauf angelegt hätten, ihn zu beleidigen.
Thuviel lachte bloß und verabschiedete sich schon wieder nach drinnen.

„Sehr stressig?“, fragte Mileny Nora.
„Du hast ja keine Ahnung“, erwiderte sie. Sie wollte Mileny eine Tasche abnehmen, aber das ließ diese nicht zu. „Warum seid ihr eigentlich hier? Thuviel hatte mir nur gesagt, dass ihr euch für heute angemeldet habt, aber keine weiteren Angaben gemacht habt, als dass ihr auf der Durchreise seid. Gehört ihr auch zu den Suchtrupps, die nach Golrid und Phethi suchen?“
Mileny schüttelte den Kopf. „Leider nicht.“
Nora zog die Augenbrauen hoch. „Leider?“, wiederholte sie.
Wir sind auf dem Weg nach Luthivíra, sagte Diamila. Weil Oromis’ Eltern nach Mileny verlangt haben und sie kennen lernen möchten.
Nora sah Milenys kleine Grimasse und lächelte mitleidig. „Wie läuft es denn überhaupt mit Oromis?“, fragte sie.
„Wir holen ihn morgen ab“, sagte Mileny. „Ich muss zugeben, dass ich ihn schon ganz schön vermisst habe in den letzten Wochen.“

Zum Glück musste sich ja niemand täglich anhören, dass du ihn vermisst, warf Diamila trocken ein.
Mileny verdrehte die Augen. So schlimm war es nun auch nicht.
Stimmt. Ich kenne das noch auf einem anderen Niveau.
„Ignoriere sie einfach, sie ist nach dem Flug nur müde“, sagte Mileny zu Nora.
Das stimmt gar nicht! Als ob mich so eine Strecke inzwischen noch anstrengen würde!
Nora musste sich wie immer konzentrieren, wenn Diamila und Mileny schnell zwischen geistiger Kommunikation und lautem Aussprechen hin und her wechselten. Sie rätselte häufig, wie Mileny sich dabei nicht verhaspeln konnte.

„Wie waren denn die Reaktionen bisher?“, wechselte sie das Thema, während Mileny und sie das Gebäude betraten.
„Tatsächlich sehr moderat“, sagte Mileny. „Nicht, dass ich mich darüber beschweren will. Einige versuchen, sich jetzt noch mehr anzubiedern, andere ignorieren mich vollkommen…“ Sie zuckte mit den Schultern. „Nichts außergewöhnliches. Die wichtigsten Leute wussten es ja schon vorher. Ich glaube, Oromis hat tatsächlich größere Probleme als ich, immerhin gab es einige Altvordere, die ihn direkt suspendieren wollten.“
Den letzten Teil bekam Nora kaum mit, sie war schon vorher zusammengezuckt und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr Milenys Worte sie verletzt hatten. Mileny schien ihre Bewegung allerdings im Augenwinkel gesehen zu haben. Sofort legte sich ein schuldbewusster Ausdruck auf ihr Gesicht und sie ruderte zurück.
„Das meinte ich nicht so, tut mir leid“, sagte sie hastig. „Ich meinte, dass es diejenigen schon wussten, vor denen ich Angst hatte, wenn ich es ihnen erzählen würde. Also eigentlich habe ich damit auf meinen Vater und Tante Rhunön abgezielt.“

„Ihr seid schon seit einem knappen Jahr zusammen“, sagte Nora, die Entschuldigung ignorierend. „Auch schon, als ich zum Jahreswechsel in Dorú Areaba war.“
Mileny öffnete den Mund, aber Nora fuhr fort: „Wenn ich mich recht erinnere, habe ich dich damals wegen Thuviel um Rat gefragt und du meintest, du könntest mir leider nicht helfen, weil du absolut keine Erfahrung in solchen Dingen hättest.“
Wenn das überhaupt möglich war, sah Mileny noch schuldbewusster drein als zuvor. „Es tut mir wirklich leid, Nora, damals wusste niemand davon. Auch nicht Arthur oder Auralia oder Brom. Ich – Oromis und ich hatten miteinander abgesprochen, dass wir es für uns behalten würden, und ich konnte dieses Versprechen nicht einfach brechen. Es lag wirklich nicht daran, dass ich dir nicht vertraue, bitte glaub mir.“
Nora beschleunigte und ließ Mileny etwas hinter sich. Sofort lief auch Mileny schneller, um sie weiterhin mit Entschuldigungen zu überschütten. Fast musste Nora sich ein Grinsen verbeißen. Milenys Schweigen hatte sie wirklich verletzt, aber sie verstand auch, weshalb sie es getan hatte. Das hieß jedoch nicht, dass sie Mileny nicht ein wenig schmoren lassen konnte.
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