Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Glaedr OC (Own Character) Oromis
27.06.2017
13.05.2022
155
457.958
65
Alle Kapitel
898 Reviews
Dieses Kapitel
13 Reviews
 
07.01.2022 2.563
 
Hallo liebe Leser,
dieses Mal denke ich pünktlich an das neue Kapitel.
Ich bedanke mich für die Reviews bei Kolliy, Phantomdrache, Lol, alexeragon, Ijisain of Zigoola, Angvard, Yandaske Tampewats und Ijasain.
Viel Spaß beim Lesen!

- - - - - - -

Kapitel 144: Loyalitätsprüfung

„Töte ihn.“
Nichts tat Phethi lieber als das. Darauf hatte sie seit Jahren gewartet. Es würde sich unfassbar gut anfühlen, diesem Versager seinen Platz zu zeigen. Jahrelang hatte sie es ertragen müssen. Das Knurren, die Herausforderungen, die Beleidigungen. Nie mehr. Dieser Wilde verdiente es nicht einmal, ihr Halbbruder genannt zu werden.
Phethi fletschte die Zähne und knurrte. Und dann stürzte sie sich auf den wilden Drachen.
Sie wusste, dass sie gewinnen würde. Sie hatte sich schon vier Mal gegen ihn wehren müssen und jedes Mal gewonnen. Sie kannte seine Techniken, seine Denkweisen. Aber Phethi wusste genauso gut, dass er auch ihre kannte. Sie würde diesen Wilden töten, für sich – und für Galbatorix.

Der wilde Drache brüllte auf, als sie es schaffte, seinen rechten Flügel mit ihren Klauen zu zerfetzen. Noch nicht genug, dass er nicht mehr fliegen konnte, aber sie hatte wortwörtlich Blut geleckt. Phethi leckte ihre Klaue fein säuberlich ab und präsentierte ihrem Halbbruder ihr blutverschmiertes Gebiss. Es hatte exakt den gewünschten Effekt.
Der wilde Drache stürzte sich ohne einen weiteren Gedanken auf sie. Phethi musste ausweichen. Seine Wut machte ihn unbedachter, aber auch unberechenbarer. Mehrmals verschätzte Phethi sich, was die Bewegungen ihres Gegner anging. Zum Glück glitten seine Krallen und Zähnen nur an ihrem harten Schuppenpanzer ab.
Phethi ging in die Defensive und wartete, den Wilden immer im Auge behaltend. Sie fletschte herausfordernd die Zähne.
Der Wilde nahm ihres Herausforderung an, er schoss auf sie zu, das Maul zum Feuerspeien weit geöffnet.
Phethi tauchte unter ihm hinweg. Sie dreht sich leicht, mit ihrer Schwanzspitze riss sie ihm seinen ungeschützten Bauch auf. Wieder brüllte der Wilde schmerzerfüllt, und für Phethi gab es kein schöneres Geräusch.

Nie wieder, knurrte sie. Nie wieder wirst du auf mich herabsehen, du Wurm. Blitzschnell drehte sie sich um und griff mit ihren Klauen nach dem Wilden, der noch unkontrolliert in der Luft trudelte. Sie ruinierte seinen rechten Flügel endgültig.
Der Wilde versuchte verzweifelt, sie loszuwerden und irgendwie mit seinem noch intakten Flügel den Fall zu bremsen, aber das ließ Phethi nicht zu. Sie zerfetzte mit ihren Zähnen auch noch den anderen Flügel. Im nächsten Moment stieß sie sich mit aller Kraft von ihm ab und ließ ihn alleine auf den Boden aufschlagen, während sie selbst sich mit ihren Flügeln abfing und nur wenige Meter entfernt landete. Mit einem Satz befand sie sich wieder auf ihm und hielt ihn zu Boden.
Der Wilde schnappte verzweifelt nach ihr, seine Augen trüb vor Zorn und Schmerz.

Phethi hob den Kopf und sah zu Galbatorix und Golrid. Ihr Reiter versuchte sein Entsetzen zu verbergen, aber es gelang ihm nicht wirklich. Dazu kannte Phethi ihn zu gut. Golrid schluckte, als er Phethis Blick traf. Er hatte keine Worte für die Szene, die sich ihm bot.
Wir haben jetzt keine andere Wahl, wollte Phethi ihm zurufen. Wir haben uns für Galbatorix entschieden. Das ist unser Weg.
Sie bereute es kein bisschen, Galbatorix gewählt zu haben. Golrid hatte das auch nicht getan, selbst nicht, als sie die Eldunarya* gestohlen hatten. Was gab ihm das recht, sie jetzt so entsetzt und angewidert anzusehen? Ekelte er sich vor ihr? Wie konnte er nur?
Ihr Blick wanderte zur Seite und traf den von Galbatorix. Phethis Zorn klang ein wenig ab. In Galbatorix’ Augen lag Stolz. Er war stolz auf sie. Er war zufrieden mit ihr. Ein bisschen dämpfte das ihre aufgepeitschten Gefühle.

„Einen Moment, Phethi.“ Langsam trat Galbatorix nach vorne.
Phethi hielt inne. Der Kopf des wilden Drachen wandte sich zur Seite und er sah zu, wie sich Galbatorix auf ihn zu bewegte, als hätte er alle Zeit der Welt.
Galbatorix kam neben ihnen zu stehen. Der wilde Drache versuchte, nach ihm zu schnappen oder ihn irgendwie mit seinen Klauen zu erwischen, aber Phethi unterband jegliche Bewegung.
Einen Moment lang starrte Galbatorix ungerührt in die Augen des besiegten Drachen. Er schien die zunehmende Angst darin richtiggehend zu genießen. Ebenso wie Phethi.
Galbatorix sah auf und begegnete Phethis Blick. „Wir können so einen schönen Eldunarí doch nicht einfach verschwenden.“
Phethi bleckte zustimmend die Zähne. Sie sah zurück zu ihrem Gegner, der sich wie besessen zu wehren begann, aber Phethi ließ ihm keine Möglichkeit zu entkommen. Der Wilde versuchte ihren Geist zu berühren und Phethi konnte hinter seinem Schmerz und seiner Angst seinen Hilferuf spüren, aber sie ignorierte ihn.
Das kommt davon, wenn man sich mit den falschen Drachen anlegt, Bruder, flüsterte sie. Euphorie umfing sie. Ihren Gegner dermaßen am Boden zu haben, sein Schicksal in den Klauen zu halten, zu wissen, was als nächstes passieren würde… Es machte sie schon beinahe süchtig.

„Bring mir seinen Eldunarí“, sagte Galbatorix ruhig.
Der Drache schrie auf, noch bevor sie seinen Brustkorb durchbohrte und die Rippen zur Seite bog. Er schlug und trat mit unnatürlicher Kraft um sich, versuchte seinem Schicksal zu entkommen und sich letzten Endes sogar so zu bewegen, dass Phethi aus Versehen sein Herz durchbohrte, bevor sie an seinen Eldunarí kommen konnte, aber sie ließ es nicht zu.
Das hier ist mein Sieg. Du wirst ihn mir nicht nehmen.
Der Blutgeruch benebelte ihre Sinne. Endlich fand sie den Eldunarí. Bedacht darauf, das Herz und die Lungen nicht zu verletzen, griff sie mit ihren Klauen danach und zog daran.
Das Geräusch, das der wilde Drache von sich gab, hatte sie noch nie gehört. Er schrie gellend auf, wahnsinnig vor Schmerz und dem Wissen, was passieren würde.

Galbatorix streckte die Hände aus und Phethi ließ den noch farblosen Eldunarí hinein fallen. Beinahe schon gierig betrachtete Galbatorix den Seelenstein. Langsam wischte er einige Blutschlieren fort.
Nach endlosen Sekunden sah er schließlich auf und begegnete Phethis Blick. „Bring es zu Ende.“
In seinen Augen fand Phethi sich selbst.
Ich habe mich richtig entschieden, dachte sie. Sie sah ihren Halbbruder wieder an. Den Brustkorb zerfetzt, die Rippen zurückgebogen, aber keine lebenswichtigen Organe wirklich verletzt. Blut strömte unaufhörlich, die ganze Luft roch und schmeckte danach. Sie kostete sie immer und immer wieder.
Und ich würde mich jedes Mal wieder so entscheiden.
Phethis Kopf schnellte vor. Blut spritzte ihr entgegen und nahm ihr für einen Moment die Sicht, als sie ihrem Halbbruder die Kehle herausriss.

~ ~ ~ ~ ~

Vollkommen erstarrt sah Golrid dabei zu, wie Phethi ihren Bruder tötete. Halbruder. Er hatte gewusst, dass es irgendwann so enden würde, von dem Augenblick an, als sie sich für Galbatorix entschieden hatten. Aber es jetzt zu sehen… Zu fühlen, wie sehr Phethi es genoss, diesen wilden Drachen zu töten, sorgte dafür, dass Golrid sich am liebsten übergeben würde. Und erst ihre Euphorie, als sie den Wilden aufgeschlitzt und den Eldunarí herausgerissen hatte...
Er zwang sich tief durchzuatmen. Das fehlte gerade noch, dass er sich jetzt auf Galbatorix übergab.
Golrid zuckte zusammen, als neben ihm plötzlich ein befriedigtes Zischen ertönte. Vorsichtig blickte er zur Seite.
„Die hat Feuer“, stellte Durza mit glühenden Augen fest. Fast schon gierig klebte sein Blick an Phethi. „Sie gefällt mir.“
Alles in Golrid schrie danach, sein Schwert durch Durzas Herz zu bohren. Egal, was Phethi gerade getan hatte, ob es ihn schockiert hatte oder nicht, Phethi gehörte ihm und er gehörte ihr. Niemand würde ihm seine stolze Drachendame wegnehmen. Niemals.

Phethi trat von dem reglosen Körper ihres Halbruders weg. Blut tropfte ihr aus dem Maul und sie schien ein paar Schuppen auszuspucken. Langsam kam sie gemeinsam mit Galbatorix zu ihnen hinüber. Ihr Schritt war nicht zögerlich, sondern sehr selbstsicher. Hoch erhobenen Hauptes kam sie vor ihnen zum Stehen.
Golrid hielt seine Eifersucht im Zaum und warf einen vorsichtigen Blick hinüber zu dem abtrünnigen Drachenreiter. Erleichtert bemerkte er, wie in dessen Augen Befriedigung aufglühte.
„Phethi ist offensichtlich doch nicht unnütz“, sagte Galbatorix sachlich. Sein Tonfall war neutral, als hätte er gerade nicht einem wilden Drachen seinen Eldunarí gestohlen und würde den blutverschmierten Seelenstein noch immer in den Händen halten. Der Eldunarí pulsierte schwach.
Golrid zuckte zusammen. Das bedeutete, dass Galbatorix ihn für unnütz hielt. Er wollte eigentlich nicht herausfinden, was Galbatorix mit jenen anstellte, die ihm Probleme einbrachten.
Auch Phethi hatte die Spitze in Galbatorix’ Worten gehört. Trotz ihres Sieges sah sie nicht mehr ganz so zufrieden aus, sondern bedachte ihren Reiter mit einem besorgten Blick. Ihr Blutrausch schien langsam zu weichen.

„Der komplette Orden ist auf der Suche nach euch“, wechselte Galbatorix das Thema. Es war eine neutrale Feststellung, keine Wut klang in seiner Stimme mit.
Trotzdem wurde Golrid immer unruhiger und tauschte einen Blick mit Phethi. Er war sich bewusst, dass Durza noch immer neben ihm stand. Der Schatten hatte bisher seine Augen noch nicht von Phethi gelassen, erst jetzt bedachte er Golrid mit einem Blick, der diesen erschaudern ließ.
Durza freute sich auf irgendetwas. Die Frage war nur: Was konnte einen Schatten dermaßen erfreuen?
Golrid zwang seine Aufmerksamkeit wieder auf Galbatorix. Er schluckte. „Es tut uns leid, dass wir entdeckt wurden.“
Galbatorix hob die Augenbrauen. „Das wäre früher oder später sowieso passiert. Glaubt ihr, dass ich daran nicht gedacht hätte? Ich hätte euch mit mehr Zaubern umgeben können, euch mehr Magie zur Verfügung stellen können, aber Magie hinterlässt immer Spuren. Vielleicht wärt ihr damit noch früher aufgeflogen. Nein, das war nicht eure Schuld. Das habe ich erwartet.“

Golrids Atem stockte. Aber wenn das nicht der Grund für Galbatorix’ Wut war… Was hatten sie dann getan? Warum konnte er dann sehen, dass Galbatorix eindeutig zornig war? Man konnte es zwar nicht in seiner Stimme lesen oder seiner Körperhaltung, aber Golrid sah nur zu gut, wie Galbatorix’ rechtes Augenlid ab und an zuckte. Wie er die Hände an seiner Seite regelmäßig zu Fäusten ballte und sie dann wieder entspannte. Ein sicheres Zeichen dafür, dass man ihn nicht weiter reizen sollte.
„Was haben wir dann getan, dass Euch erzürnt hat?“, formulierte Golrid vorsichtig seine Frage. Er spürte, wie Durza ihn jetzt fokussierte, ignorierte den Schatten aber so gut es ging.
Galbatorix legte seinen Kopf leicht schief. Seine Augen bohrten sich in Golrids. „Phethi und du habt einen wilden Drachen direkt vor meine Haustür gebracht“, sagte er trügerisch sanft. „Ihr habt euch verfolgen lassen. Ihr habt ihn direkt zu mir geführt. – Glaubt ihr, dass niemand diesen Drachen vermissen wird?“
Aber Ihr wolltet doch, dass ich ihn töte, warf Phethi zögerlich ein. Die Euphorie ob ihres Sieges war verschwunden.
„Und das war auch die einzige Möglichkeit.“ Galbatorix’ Blick wanderte zwischen Phethi und Golrid hin und her, bis er auf letzterem liegen blieb. „Sonst hätte er weitergegeben, dass ich mich hier seit Jahren aufhalte. Ich muss jetzt wieder untertauchen, aber zumindest habe ich ein wenig mehr Zeit dafür. Früher oder später wird allerdings jemand diesen Drachen finden.“
Golrid wagte es nicht, sein Schwert loszulassen. Er hatte das Gefühl, dass Galbatorix ihn gleich angreifen würde für sein – ihr – Versagen. Er wagte es nicht, das Wort zu erheben.

„Zumindest Phethi hat mir soeben ihren Wert erwiesen“, fuhr Galbatorix fort. Sein Blick traf Golrids. „Du allerdings… Du brauchst offensichtlich noch eine Erinnerung, was passiert, wenn man mich enttäuscht. Und ich bin sehr – sehr – enttäuscht von dir, Golrid.“
Meister Galbatorix–, begann Phethi entsetzt, wurde aber sofort von Galbatorix unterbrochen.
„Durza, bring ihm eine Lektion bei.“ Galbatorix blickte zu Phethi. „Und du – wenn du es wagst, eine Klaue gegen Durza zu erheben, ihn irgendwie daran zu hindern, meine Befehle auszuführen, dann wird die Strafe deines Reiters doppelt so schmerzhaft ausfallen. Und falls du daran zweifelst, dass ich dazu im Stande bin, meine Drohungen wahrzumachen…“ Er ließ den Satz unvollendet und nickte in Richtung des Körpers ihres Halbbruders.
Phethis entsetzter Blick schwankte zwischen Golrid, Durza und Galbatorix. Ebenso gut wie Golrid wusste sie, dass Galbatorix keine Drohungen machte. Er machte Versprechungen.

~ ~ ~ ~ ~

Mileny brütete über einem Bericht über einen Prozess, in dem ein Graf einen Drachenreiter des Diebstahls beschuldigt hatte, als jemand sie plötzlich an der Schulter berührte. Heftig schrak sie zusammen und blickte auf.
Aelrie hob beruhigend die Hände. „Es war nicht meine Absicht, dich zu erschrecken.“
Alles in Ordnung?, fragte Diamila gleichzeitig. Sie beruhigte sich sofort, sobald sie Aelrie durch Milenys Augen erkannte.
„Ist schon in Ordnung“, winkte Mileny ab. Ihr Herzschlag normalisierte sich wieder. „Was kann ich für Euch tun?“
Aelrie warf einen Seitenblick auf den Bericht in Milenys Händen. „In den letzten Tagen konnte man glatt vergessen, dass das normale Tagesgeschäft auch noch weitergeht“, sagte sie mir einem halben Lächeln.
Mileny nickte bloß, unsicher, was sie mit dieser Aussage anfangen sollte.
„Ich wollte mich bei dir bedanken“, kam Aelrie endlich zum Punkt. „So wie es aussieht, hat dein Gespräch mit Vrael endlich etwas bewirkt. Es ist wieder etwas Normalität im Rat eingekehrt – oder zumindest so normal, wie es unter diese Umständen nun einmal sein kann.“
Mileny traute ihren Ohren kaum. „Ge- gerne“, stotterte sie. „Ich muss zugeben, ich hatte nicht besonders große Hoffnungen, was das anging.“
Aelrie zuckte mit den Schultern. „Mich interessiert nur das Ergebnis.“
Mileny blinzelte mehrmals. Sie konnte es kaum glauben, dass sie es tatsächlich geschafft hatte, ein wenig Einsicht in den sturen Schädel ihres Vaters zu bekommen.

Aelrie nickte ihr zum Abschied noch kurz zu, dann verschwand sie aus dem Raum. Kaum war die Tür hinter ihr zugefallen, stand Gala vor Mileny und stemmte die Hände in die Hüfte.
„Also langsam komme ich mir ausgeschlossen vor“, sagte sie. Sie tippte ungeduldig mit der Fußspitze auf den Boden. „Erst wirst du von Meisterin Ithronel dringend gebraucht, dann hast du irgendeinen Streit mit deinem Vater, dann verhält sich Primor Argetlam** Vrael Gerüchten zufolge total seltsam gegenüber Meister Oromis und jetzt bedankt sich Meisterin Aelrie dafür, dass du mit deinem Vater geredet hast? Was ist hier wirklich los?“
„Hast du etwa gelauscht?“, fragte Mileny amüsiert.
„Hör’ auf, vom Thema abzulenken“, erwiderte Gala aufgebracht.
Mileny musste lachen. „Es ist nichts schlimmes, falls du darüber besorgt bist“, versicherte sie ihr. „Und es hat nichts mit den Eldunarya oder Golrid und Phethi zu tun. Oder Galbatorix.“
Galas Blick sagte eindeutig, dass sie mit dieser Antwort nicht zufrieden war.
„In Ordnung, pass auf. Wie wäre es, wenn wir uns heute nach der Arbeit treffen und dann erkläre ich dir alles?“, bot Mileny an.
„Uns“, korrigierte Dut, der soeben neben seiner Zwillingsschwester erschienen war. „Du erzählst uns alles. Und keine Ausflüchte.“
„Euch“, bestätigte Mileny.
Damit schienen die Zwillinge zufrieden zu sein, sie wandten sich wieder ihren Aufgaben zu und ließen Mileny allein.

Denkst du, das ist eine gute Idee?, fragte Diamila vorsichtig.
Mileny zuckte mit den Schultern. Ich habe keine Ahnung. Fakt ist, dass es jetzt sowieso früher oder später herauskommen wird. Und jetzt wo Vater Bescheid weiß, ist mir der Rest ziemlich egal. Ich würde es nur gerne meinen Freunden erzählen, bevor sie es über die Gerüchteküche mitbekommen.
Und Oromis?
Den werde ich natürlich vorher noch fragen, ob es auch für ihn in Ordnung geht, aber ich hoffe doch sehr, dass er auch meiner Meinung sein wird.
Diamila schwieg kurz. Das wird ganz schön Staub aufwirbeln.
Energisch schob Mileny sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Das wussten wir schon vorher. Sollen sie doch reden, wenn ihr eigenes Leben nicht interessant genug ist.
Vielleicht hältst du mich für verrückt, aber ich bin wirklich gespannt, was für Geschichten die Leute sich ausspinnen werden. Diamila klang schon beinahe ungeduldig.
Gut zu wissen, dass du so auf meiner Seite bist.

- - - - - - -

* Eldunarí (Pl.: Eldunarya) = Seelenstein, Herz der Herzen
** Primor Argetlam = Anführer der Drachenreiter
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast