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Wo Licht ist, ist auch Schatten

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Glaedr OC (Own Character) Oromis
27.06.2017
08.07.2022
162
478.241
66
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
10.09.2021 2.318
 
Hallo Leute,
ich weiß, lang lang ist’s her. Leider hatte ich wirklich keine Zeit zum Schreiben, zwischen Arbeit, Lernen und Krankheit war bei mir nicht viel los.
Ich hoffe, ihr verzeiht mir.
(Und danke für die Reviews!)

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Kapitel 133: Schlechte Laune

Sobald die Tür hinter Formora ins Schloss fiel, begann sie zu zittern. Bis jetzt hatte sie sich noch zusammenreißen können, aber nun wurde ihr allzu deutlich bewusst, in welcher Gefahr Uranus und sie geschwebt hatten.
Wir haben es überstanden, flüsterte Uranus.
Formora schluckte. Vorerst, erwiderte sie. Wir haben es vorerst überstanden. Wir haben… Sie brach wieder ab und fuhr sich durch die Haare. Sie hatte noch nie von den Ratsmitgliedern als Personen gedacht, vor denen sie sich so fürchten musste. Ja, ihr war bewusst, was sie taten, wem sie sich angeschlossen hatten, aber irgendwie war es ihr nie klar gewesen. Heute hatte sie zum ersten Mal wirklich gesehen, gegen wen sie rebellieren würden.
Die Atmosphäre im Ratssaal hatte ihr einen kalten Schauer nach dem anderen über den Rücken laufen lassen, von jedem körperlich anwesenden Ratsmitglied waren Energiewellen ausgegangen, die sie hatte wünschen lassen, ein Loch möge unter ihr erscheinen und sie verschlucken. Nur, damit sie dieser Energie, diesem angestauten Meer an kaltem Zorn entkommen konnte.

Formora erschauderte erneut bei der bloßen Erinnerung. Sie war unendlich froh, dass sie den Schwur wahrheitsgemäß hatte leisten können. Genau genommen hatte sie nämlich nicht gelogen.
Die Eldunarya, die verschwunden waren, hatten Uranus und sie nicht aus den Städten entfernt oder zwischen zwei Standorten transportiert. Das hatte immer Golrid getan.
Formora hatte nur mit von Kialandí gefälschten Dokumenten und ein paar Illusionszaubern den ein oder anderen Eldunarí aus den Lagerräumen mitgenommen. Aus der jeweiligen Stadt jedoch waren diese Eldunarya immer nur durch Golrid transportiert worden. Das galt für alle Anhänger Galbatorix’. Sie hatten entwendet, Golrid hatte transportiert.
Außerdem hatte Golrid selbst seit Jahren nicht mehr offiziell Eldunarya von einem Ort zum anderen gebracht. So würde er auch garantiert nicht vom Orden befragt werden, weil er auf keiner Liste auftauchte, und würde sich auch nicht verraten, indem er den Schwur nicht leisten konnte.

Das Zittern ließ langsam nach. Formora atmete tief durch. Wie es schien, hatte Galbatorix genau das erwartet. Ihr Herzschlag beruhigte sich langsam wieder.
Sie hatten mit Galbatorix die richtige Entscheidung getroffen. Er war auf alles vorbereitet, schien für jede Eventualität einen Plan zu haben, während der Rat gerade erst bemerkt hatte, dass so viele Eldunarya fehlten. Und momentan tappten die noch vollkommen im Dunkeln, was die Verursacher anging.
Das Zittern hörte vollständig auf. Formora ordnete ihre zerzausten Haare. Sie musste Galbatorix kontaktieren, aber wie sollte sie ihn warnen, wenn sie Geheimhaltung geschworen hatte? Sie durfte nichts von dem Gespräch an sich berichten, aber vielleicht…

Sie musste nicht lange warten, bis Galbatorix’ Gesicht in ihrem speziellen Kommunikationsspiegel erschien.
„Guten Abend, Galbatorix-Elda“, sagte Formora. Sie verbeugte sich, soweit das im Sitzen überhaupt ging.
„Formora“, erwiderte Galbatorix. „Was gibt es für Neuigkeiten?“
Diese Stimme… Formora versuchte, die hypnotische Wirkung von Galbatorix’ Stimme abzuschütteln, aber wie immer gelang ihr das nur bedingt. „Ich fürchte, dass Euch in nächster Zeit keiner unserer neuen, aber doch so mächtigen Freunde besuchen werden. Sie werden wohl aufgehalten werden. Ihre Wächter sind der Meinung, sie stärker überwachen zu müssen.“
Formora sah, dass Galbatorix auf Anhieb verstand, was sie meinte. Das war einer der Dinge, die sie so an ihm bewunderte. Und auf die sie neidisch war. Galbatorix war nun einmal unheimlich intelligent. Das musste er sein, wenn er es seit Jahren mit dem gesamten Orden aufnahm und bisher immer gewann. Dann sah sie, wie Galbatorix den Mund zu einem amüsierten Lächeln verzog, und plötzlich lief ihr wieder ein Schauer über den Rücken.
„Das ist natürlich schade“, sagte er. „Aber es war zu erwarten. Teilt mir bitte mit, sollte sich etwas an diesem Zustand ändern. Ich werde dafür sorgen, dass die Anderen ebenfalls davon erfahren und vorerst niemand mehr… eskortiert zu werden braucht.“
„Natürlich“, sagte Formora.
„Gibt es noch etwas anderes?“, wollte Galbatorix wissen.
Sie schüttelte den Kopf.
Galbatorix nickte ihr nur kurz ohne ein weiteres Wort zu, dann beendete er die Verbindung. Formora lehnte sich aufatmend zurück. Ein kleiner Teil von ihr hatte sich vor Galbatorix’ Reaktion gefürchtet. So rational er meist auch erschien, sie hatte schon – wenn auch selten – andere Seiten von ihm erlebt. Wenn Galbatorix seiner Wut oder seiner Enttäuschung freien Lauf ließ, sollte man sich idealerweise am anderen Ende der Welt befinden.

Auch wenn mir bewusst ist, dass das den Plänen nicht zuträglich ist, ich… bin irgendwie erleichtert, dass wir für jetzt keine Seelensteine mehr stehlen müssen, sagte Uranus nach einer kurzen Pause vorsichtig.
Formora hob ruckartig den Kopf und starrte in die Richtung, in der sie Uranus vermutete. Wie bitte?
Ich bin froh, dass wir keine Seelensteine mehr stehlen müssen, sagte Uranus etwas lauter.
Du freust dich also über die Tatsache, dass unsere Pläne in Verzug geraten?, fragte Formora entgeistert.
Ja!, schnaubte Uranus. Er klang immer sicherer.
Was ist mit dir passiert?, fragte Formora beinahe schon angewidert. Sie spürte, wie Uranus bei ihrem Tonfall zusammenzuckte. Bedauern überlagerte alles andere. So hatte sie das nicht klingen lassen wollen.
Uranus ließ sich jedoch nicht einschüchtern, auch wenn ihre Worte ihn verletzt hatten. Mir war schon immer unwohl bei dem Gedanken, Eldunarya zu entwenden. Da sollte es dich nicht verwundern, wenn ich für eine Pause mal dankbar bin!
Aber wir brauchen diese Eldunarya, hielt Formora dagegen. Sie sind Teil des Plans!
Es sind Drachen!, zischte Uranus. Echte, lebendige Drachen! Ob Galbatorix sie braucht oder nicht! Und du weißt, was er mit ihnen tut, Formora. Er versklavt sie. Wir haben es gesehen und gehört. Wir haben es gespürt. Formora, er bricht sie.
Also möchtest du diesen Weg nicht weiter beschreiten, sagte Formora beinahe schon sachlich. Ihre Wut war verflogen, wurde durch Leere ersetzt.
Das habe ich nicht gesagt. Uranus klang so unglaublich müde. Und das weißt du. Ich habe dir versprochen, diesen Weg bis ans Ende zu gehen. Genau das werde ich tun. Alles, was ich will, ist, dass du dich zwischendurch umsiehst und dem Pfad nicht mit geschlossenen Augen folgst.
Formora fand darauf keine Antwort. Wenn sie Uranus so zuhörte… War sie wirklich blind Galbatorix’ gefolgt? Nein, eigentlich nicht. Sie hatte jeden Schritt des Weges gewusst, was sie tat. Sie hatte immer bewusst gewählt.
Formora fragte sich, ob es das besser machte.

~ ~ ~ ~ ~

Oromis hatte schlechte Laune und auch wenn er es zu verstecken suchte, gelang es ihm nicht. Er hatte erst schwer einschlafen können und war dann in der Nacht immer wieder aufgewacht. Permanent kreisten seine Gedanken um den Streit mit Mileny. Einen Streit, in dem er – zugegebenermaßen – zum Teil im Unrecht war. Vielleicht. Ein bisschen. Es war zumindest definitiv klar, dass er sich im Ton vergriffen hatte. So viel hatte Glaedr ihm auf jeden Fall an den Kopf geworfen, als er von der Jagd zurückgekommen war. Früher oder später hätte er es sicher auch selbst erkannt, aber Glaedr hatte diesen Prozess ein wenig… beschleunigt.
Und abgesehen von dem Streit waren da ja immer noch die Eldunarya.
Oromis bedachte die arme Seele, die ihm gerade einen Bericht überreichte, mit einem eiskalten Blick, der dafür sorgte, dass sein Gegenüber rückwärts stolpernd und sich verbeugend das Weite suchte.
Er fühlte sich nur ein kleinen bisschen schuldig deswegen.

Offensichtlich war sein Gesichtsausdruck jedoch so finster, dass er es selbst schaffte, die Gespräche der anderen Altvorderen zum Verstummen zu bringen, als er den Raum betrat.
„Schlechte Nachrichten?“, fragte Aelrie mit einem Blick auf den Bericht in Oromis’ Hand.
„Zählen ‚keine Ergebnisse‘ auch als schlechte Nachrichten?“, gab Oromis zurück. Denn natürlich war über Nacht nichts passiert. Was denn auch sonst? Sie hätten ja mal Glück haben können, aber das war ihnen ganz offensichtlich nicht vergönnt.
Er war versucht, dass Pergament in Flammen aufgehen zu lassen – wer weiß, vielleicht half das ja gegen seine schlechte Laune? – unterließ es dann aber. Das wäre dann doch zu dramatisch gewesen.
Was du nicht sagst, schnaubte Glaedr. Mach ruhig so weiter, dann wird bald ganz Dorú Areaba wissen, dass du heute dermaßen schlechte Laune hast. Bei Eragon, du bist erwachsen, Oromis! Benimm’ dich gefälligst so!
Oromis schickte Glaedr einige detaillierte Vorschläge, wohin dieser sich seine Worte stecken konnte, dann konzentrierte er sich wieder auf die anderen Ratsmitglieder. Was jetzt kam, würde definitiv an seinem Stolz kratzen, aber zum Glück wusste das niemand außer Glaedr. Alle anderen würden denken, es wäre seine Idee gewesen.

„Ich möchte den Vorschlag unterbreiten, den gesamten Orden über das Verschwinden der Eldunarya in Kenntnis zu setzen“, sagte Oromis ohne Vorankündigung. Das brachte auf jeden Fall wieder alle Gespräche, die erneut begonnen hatten, abrupt zum Verstummen. Er hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit der restlichen Ratsmitglieder.
Munial nickte ernst. „Dafür“, sagte er ruhig. Jetzt wandten sich ihm alle Blicke zu, manche erstaunt, manche überhaupt nicht begeistert. Normalerweise wurde die Angelegenheit diskutiert, bevor es zur Abstimmung kam.
Munial sah sich zu einer Erklärung genötigt. „Ich nehme an, dass Oromis gestern nach der Ratsversammlung auf diese Idee kam, als er Zeit in der Stadt verbrachte.“
Das würde Oromis mal unkommentiert lassen.
„Mir erging es zumindest ähnlich“, fuhr Munial fort. „Hättet Ihr dieses Thema heute nicht angeschnitten, hätte ich es getan. – Ich bin erschrocken, welches Misstrauen auf einmal zwischen Drachenreitern und Drachen herrscht. Es kursieren alle möglichen Gerüchte und Theorien darüber, warum einige Gespanne befragt wurden und andere nicht. Diejenigen, die nicht befragt wurden, fühlen sich entweder ausgegrenzt oder sind der Auffassung, dass alle die, die befragt wurden, gegen irgendwelche Regeln verstoßen haben. Umgedreht können die Befragten nichts sagen, weil sie ein Schweigegelübde abgelegt hatten, müssen sich aber trotzdem verteidigen, und haben aber selbst absolut keine Ahnung, was eigentlich vor sich geht. Sie sind genauso ahnungslos wie der Rest. – Kurz gesagt, sobald man einen Fuß in die Stadt setzt, fühlt man sich, als könnte jeden Moment etwas in die Luft gehen.“

Auf Munials Worte hin folgte erst einmal sehr langes Schweigen. Die Altvorderen sahen sich untereinander an, dann blickten sie wie auf ein Zeichen alle zu Oromis.
Oromis nickte bloß kurz. Dem hatte er nichts mehr hinzuzufügen. Er selbst hatte es zwar nicht so erlebt, aber Milenys Worte waren deutlich genug gewesen. Und dann war sie in die Luft gegangen. Er hütete sich allerdings davor, irgendetwas über die wahre Quelle dieses Vorschlags verlauten zu lassen. Ansonsten würde nämlich noch etwas in die Luft gehen, und das wäre dann Vrael.
Ich sehe jetzt keinen Schaden mehr darin“, erhob Ithronel das Wort. „Wir haben alle befragt, die befragt werden mussten. Es ist dabei nichts herausgekommen. Wenn alle eingeweiht sind, vielleicht meldet sich jemand, der einen Verdacht hat? Irgendetwas gesehen hat, das erst jetzt Sinn ergibt?“
Reihum sah Oromis die anwesenden Altvorderen zustimmend murmeln. Natürlich hatte Ithronel recht.
„Dann lasst uns die anderen kontaktieren und diesen Vorschlag unterbreiten“, sagte Vrael. „Vielleicht bringt es ja wirklich etwas.“
Vielleicht. Hoffentlich.
Wenn dieser Vorschlag kein einstimmiges Ergebnis erhielt, würde Oromis als nächstes denjenigen Altvorderen befragen, der dagegen gestimmt hatte.

~ ~ ~ ~ ~

Es klopfte an seiner Tür.
„Herein!“, rief Oromis unwirsch. Er setzte seine Unterschrift auf dem Dokument so heftig, dass er mit der Spitze seiner Schreibfeder das Papier durchbohrte.
„Was hat denn dein eigens formuliertes Dokument dir angetan?“, fragte Ithronel, während sie die Tür hinter sich schloss.
Oromis warf ihr nur einen demonstrativen Blick zu. „Was brauchst du?“, fragte er kurz angebunden. Er war nicht in der Stimmung für freundschaftliche Unterhaltungen.
Ithronel ließ sich davon natürlich nicht im geringsten beeindrucken. Sie ließ sich eher unelegant in einen der Sessel fallen und fragte: „Was ist mit dir los? Du siehst schon den ganzen Tag so aus, als würdest du jemandem den Kopf abreißen wollen.“
„Tue ich das?“, fragte Oromis kühl. Ja, Ithronel war seine Freundin, aber er konnte ihre Fragen gerade gar nicht gebrauchen.
Ja, tust du, sagte Glaedr.
„Ja, tust du“, erwiderte Ithronel. Sie hörte Glaedr nicht, er war nur mit Oromis verbunden.
„Und ich kann mir schlicht keinen Reim darauf machen, was passiert sein könnte“, fuhr sie fort. „Gestern warst du zwar angespannt, aber keineswegs so…“
Ekelhaft, schlug Glaedr vor.
Wieder hörte Ithronel ihn nicht. „Ungenießbar“, sagte sie schließlich. „Ja, wir haben keine Fortschritte gemacht. Glaub mir, das frustriert mich ebenso wie dich. Aber das ist noch lange kein Grund, es jeden um dich herum so spüren zu lassen.“
Oromis blieb stumm. Das wusste er selbst.

Ithronel seufzte. „Ehrlich, das letzte Mal, dass du so schlechte Laune hattest und es jeden hast ausbaden lassen, hattest du mal wieder Probleme mit deiner… Lebensgefährtin, wenn wir sie mal so nennen wollen. Wie lange ist das schon her?“
Oromis zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Jahrzehnte?“, schlug er vor.
„Genau, und da warst du genauso wie jetzt.“ Ithronel wedelte ungeduldig mit der Hand. „Aber das kann es jetzt offensichtlich nicht sein, schließlich bist du momentan mit niemandem zusammen, oder habe ich da was verpasst?“ Den letzten Halbsatz sagte sie eher scherzhaft.
Leider brauchte Oromis einen Moment zu lange, um zu reagieren. „Natürlich nicht.“ Sobald die Worte seinen Mund verließen, wusste er schon, dass er einen Fehler gemacht hatte.
Ithronel fuhr im Sessel hoch und kippte fast nach vorne. „Das darf doch nicht wahr sein!“, rief sie fassungslos. „Ist das dein Ernst?“
„Ich sagte doch gerade ‚natürlich nicht‘“, wiederholte Oromis. „Haben deine Ohren gelitten?“
Ithronel schnaubte. „Veralbere jemand anderen, Oromis. Heraus damit, wer ist es?“
Selbst in seiner momentanen Stimmung wusste Oromis, wann er verloren hatte. Das hieß allerdings nicht, dass er sich ausquetschen ließ. Schon gar nicht zu diesem Thema.
„Lass es sein“, sagte er.
„Aber-“
„Lass. Es. Sein.“ Oromis starrte Ithronel durchdringend an. Nach einigen Augenblicken gab sie nach und lehnte sich wieder zurück.

Oromis wandte sich erneut seinen Dokumenten zu. Er wusste, dass er diese Runde gewonnen hatte, aber genauso gut war ihm bewusst, dass Ithronel ihn nicht mehr in Ruhe lassen würde.
Ich muss mit Mileny reden. Oromis biss die Zähne zusammen. Dafür muss ich sie erst einmal dazu bekommen, wieder mit mir zu reden.
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