Oel ngati kameie - Ich sehe dich

von Fanny123
GeschichteDrama, Romanze / P16
Dr. Grace Augustine Jake Sully Neytiri te Tskaha Mo'at'ite OC (Own Character) Tsu'tey te Rongloa Atey'itan
26.06.2017
18.10.2020
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18.10.2020 2.533
 
Ohne große Worte, ich habs endlich geschafft dieses Kapitel fertigzustellen. Würde mich sehr freuen wenn noch jemand Interesse hat, ich habe mir fest vorgenommen, die Geschichte fertig zu stellen. Ich weiß bloß noch nicht wie lange ich dafür brauche

Lasst mir eine Kleinigkeit da❤️
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9. Aufruhr

Es war, als wäre kaum Zeit vergangen. In den folgenden Tagen und Wochen verbrachte Alaila ihre Zeit wieder genau so, wie Jahre zuvor. Immer wenn Tsu‘tey neben seinen Aufgaben als künftiger Oloeyktan Zeit entbehren konnte, streiften sie gemeinsam durch die Wälder. In der restlichen Zeit ließ sie sich von Mo‘at alles über die Heilkunde der Na‘vi beibringen. Und wenn sie dann noch Zeit hatte, vervollständigte sie ihre Studien, in denen sie die moderne Medizin mit der der Omaticaya kombinierte.

Tsu‘tey hatte sich im großen und ganzen nur wenig verändert. Doch er war ernster geworden. Alle waren sich der angespannten Situation zwischen Menschen und Na‘vi bewusst, doch in manchen Momenten kam es Alaila so vor, als würde Tsu‘tey versuchen, alle Last auf seinen Schultern zu tragen. Sie hatte Angst, ihn darauf anzusprechen, wollte sie doch nicht, dass er vielleicht doch noch einmal Wut verspürte.
Außerdem konnte sie spüren, dass er dennoch versuchte, sie irgendwie von sich fern zu halten. Als hätte er Angst, dass sie versuchte, sich ihm wie früher auf romantischer Ebene zu nähern. Doch diesen Fehler würde sie nicht noch einmal begehen.
Sie liebte ihn, ja. Aber sie wusste, dass er niemals eine solche Verbindung zu ihr eingehen würde. Wenn er es schon als Jugendlicher nicht getan hatte, würde er es erst recht nicht jetzt tun, wo er als Erwachsener noch pflichtbewusster und ernsthafter geworden war. Sie würde sich zurückhalten, würde ihn niemals dazu zwingen wollen, dass er sich ihr verpflichtet fühlte.
Ja, sie liebte ihn. Und Tsu‘tey würde mit Sicherheit der einzige Mann sein, den sie jemals lieben würde. Ihm gehörte ihre Seele. Und eben weil Alaila ihn liebte, wollte sie, dass er glücklich war. Und wenn er das mit Neytiri sein konnte, freute sie sich für ihn.

Die Klappe der Verbindungskammer öffnete sich und eine ausgemergelte, müde Alaila stieg heraus. Sie war bis spät in die Nacht mit Tsu‘tey durch den Wald gestreift, sie hatten sich viel über Jake unterhalten. Tsu‘tey hatte angedeutet, dass er Jake nicht wirklich vertraute, seine Absichten nicht durchschaute und zudem schien er eifersüchtig zu sein. Jake verbrachte viel Zeit mit Neytiri, welche dem auch nicht gerade abgeneigt war. Sie verstanden sich sehr gut und Alaila hatte den Eindruck, dass Jake mehr für Neytiri empfand. Leider würde er damit genauso weit kommen, wie Alaila bei Tsu‘tey.
Was war das nur mit den Na‘vi und den Menschen? Sie schienen eine ziemliche Faszination und Anziehung in ihnen auszulösen, sie waren schön und mysteriös, so anmutig.
Leise ging Alaila auf ihr Zimmer, legte sich schlafen, konnte aber partout nicht einschlafen. Also schlich sie sich in die Kantine mit dem Ziel, sich einen heißen Tee zu machen, stoppte jedoch abrupt vorm Eingang, als sie Stimmen hörte.
Eine erkannte sie sofort. Quaritch.

>> Jake, ich werde langsam ungeduldig. Ich brauche noch etwas mehr, um diese blauen Affen fertig zu machen. Dieser Wald ist riesig, es reicht nicht, wenn wir nur dieses Ungetüm von einem Baum in die Luft jagen. Ich brauche mehr Ziele. Besorgen sie mir welche oder der Deal platzt. <<

Sie hörte, wie ein Stuhl zurückgeschoben wurde und versteckte sich schnell in einem Seitengang, wartete bis Quaritch weg war und ging zu Jake in die Kantine. In ihr brodelte es.

>> Jake, erinnerst du dich, was ich zu dir sagte, als wir uns das erste mal trafen? << Jake schreckte mit aufgerissenen Augen zu ihr herum.
>> Laila, ich …<< >> Sei still! Du hast mir versprochen, ihnen nicht zu schaden! Quaritch will sie vernichten und du hast ihm die Möglichkeit dazu geliefert! Wie konntest du nur, Jake! <<

>> Laila, das werde ich nicht zulassen, ich muss sie zur Umsiedlung bringen. Sobald ich in den Clan aufgenommen wurde, werde ich das veranlassen! <<

>>Wie naiv bist du eigentlich, Jake? Du hast nichts über sie gelernt! Sie werden diesen Ort niemals verlassen. << Alaila wollte schreien und toben. Er hatte sie alle verraten. >> Nein, Laila, lass es mich versuchen. Ich will ihnen genauso wenig schaden, wie du. << Verzweifelt kniff er die Augen zusammen. Und Alaila erinnerte sich daran, wie er im Dorf gewesen war. Wie er sich in Neytiri‘s Gegenwart verhielt.
>> Liebst du Neytiri? << Er überlegte sichtlich angestrengt, hielt die Augen geschlossen. Aber seine Antwort klang sicher.
>> Ja. << >>Dann beschütze sie. Lass nicht zu, dass den Omaticaya ein Leid geschieht. Denn wenn doch, werde ich dich dafür verantwortlich machen und dich töten. Verlass dich drauf. <<
Er nickte nur. Alaila drehte sich um und ging, sicher, dass sie in dieser Nacht kein Auge mehr zubekommen würde. Doch Jake hielt sie noch einmal auf.
>> Und du liebst Tsu‘tey, nicht wahr? <<
Sie drehte sich um, sah bei ihrer Antwort aber auf den Boden.
>> Ja das tue ich. Aber Tsu‘tey und Neytiri gehören zueinander, Jake, und wir dürfen dabei keine Rolle spielen. Sie müssen den Klan führen und das geht nur, wenn sie eine Einheit bilden. <<
>> Wer sagt das? Man muss nicht unbedingt mit einem Partner verheiratet sein den man nicht liebt, sie könnten den Dorf auch als Freunde gemeinsam führen. <<

>> Aber Tsu‘tey liebt sie doch, Jake. Er ist so furchtbar eifersüchtig auf dich. << Verwirrt schüttelte er den Kopf.
>> Nein Laila. Tsu‘tey ist höchstens in seinem Stolz gekränkt, aber nicht eifersüchtig. Er liebt dich, offensichtlicher geht es kaum. Die einzigen, die es nicht erkennen, seid ihr beide. << Verdutzt starrte Laila Jake an.
>> Das ist Schwachsinn, Jake. Ich habe mich Tsu‘tey schon vor Jahren offenbart und er wollte mich nicht so. Dann war dieser Vorfall und er hat mich gehasst. Jetzt erträgt er mich höchstens. Und abgesehen davon wird er seinen Clan niemals enttäuschen, oder Neytiri. <<
Jake schüttelte nur mit dem Kopf. >>Wenn du meinst...<<

Alaila wollte die Kantine verlassen, doch entschied sich dagegen, setzte sich stattdessen zu Jake an den Tisch.
>> Aber um noch einmal auf das andere Thema zurück zu kommen. Jake, selbst wenn du zum Klan gehörst, die Omaticaya werden sich von dir nicht dazu überreden lassen, den Heimatbaum zu verlassen. Wenn sie dem Krieg hätten entfliehen wollen, hätten sie das schon vor Jahren getan, als die Menschen hier aufgetaucht sind. Hier sind ihre Ahnen. Sie werden diesen Ort niemals kampflos aufgeben.<<

Jake nickte ergeben. >> Aber wir müssen doch irgendwas tun können… <<
>> Wenn mir etwas einfällt, lasse ich es dich wissen. Aber Quaritch Informationen zuzuspielen ist nicht hilfreich. <<
>>Ich weiß, es tut mir leid. Ich werde versuchen, das Schlimmste zu vermeiden. <<
Alaila nickte resignierend.
>> Gute Nacht, Jake. <<

Sie stand auf und ging, legte sich ins Bett und wälzte sich für den Rest der Nacht umher.
Es vergingen weitere Tage, Wochen.

Und irgendwann kam der Tag von Jakes letzter Prüfung. Er sollte lernen, einen Ikran zu fliegen, eine Aufgabe, der Alaila sich nicht stellen musste. Aber sie wurde auch nie in den Klan aufgenommen. Als er mit Tsu‘tey und den anderen jungen Jägern aufbrach, konnte sie ihm seine Aufregung deutlich ansehen. Tsu‘tey würde es ihm definitiv nicht leicht machen. Sie kannte die Wege in die Berge, Tsu‘tey war sie mit ihr gegangen. Und es gab recht einfache Strecken, um zu den Ikrannestern zu gelangen, doch würde Tsu‘tey keine solchen gehen. Sie konnte es an seinem hinterhältigen Lächeln erkennen. Er sah zu ihr, sie lachte zurück. Sie kannten einander viel zu gut. Die Jäger würden Stunden unterwegs sein.

Nachdem sie aufgebrochen waren, ging Alaila zu Mo‘at. Die Tsa‘hik hatte sie zu sich gebeten, um ihre Lehrstunden fortzusetzen. Sie hatte Alaila über sämtliche Kräuter und deren Wirkung berichtet, wann und wie sie eingesetzt wurden, welche Schmerzen linderten und welche Infektionen ausbrannten. Es hatte Alaila schon immer interessiert, was es für verschiedene Heilungsmethoden gab, auf der Erde, in der Vergangenheit und besonders hier auf Pandora. Doch die Heilkunde der Na‘vi war mit Abstand am faszinierendsten. Selbst ihre Mutter hatte nicht alles in ihren Büchern über die Pflanzen auf Pandora erfasst. Nur die Tsa‘hik eines Clans kannte und wusste dies alles. Alaila war in ihren Aufzeichnungen vertieft, als Mo‘at sie erneut ansprach.

>> Ich habe dir nun alles beigebracht, was du als Heilerin des Klans wissen musst. Du hast schnell gelernt. Und gut. <<
>> Danke Mo‘at. Es war mir eine große Ehre. Ich will alles tun, um dem Klan zu helfen. Ihr seid mein zu Hause. <<
Mo‘at nickte darauf nur und Laila dachte, dass das ihre Bestätigung war, dass sie gehen konnte. Doch die Tsa‘hik hielt sie erneut auf.

>> Doch du kannst nicht die Heilerin des Klans sein, wenn du nicht zum Klan gehörst. <<
Ihr Herz blieb beinahe stehen. War das nun doch das Ende? Würden sie sie nun fortschicken?
>> Mo‘at, ich - ...<<

Mit einer erhobenen Hand ließ Mo‘at Alaila verstummen.

>> Du hast dem Klan schon vor Jahren deine Treue bewiesen. Und die Ehre die dir schon damals zuteil werden sollte, soll dir nun erteilt werden. Wenn Jake erfolgreich von seiner ersten Jagt zurückkehrt und die Traumjagd übersteht, sollst du mit ihm gemeinsam in den Klan aufgenommen werden. <<

Die Freude und Dankbarkeit überwältigten sie beinahe. Eine Träne entwischte ihr. >> Danke…. Danke, Mo‘at. <<
>> Dein Dank gilt auch Tsu‘tey. Er hat es vorgeschlagen. << Ein Lächeln, welches sie nicht unterdrücken konnte, glitt über ihr Gesicht. Mo‘at hatte es gesehen.

>> Ich weiß, dass Tsu‘tey und du euch sehr nahe steht. Du weißt, was vorgesehen ist, doch kann ich Eywas Willen dazu nicht mehr deuten. Es wird sich bald zeigen, was sie eigentlich plant. <<
Damit ließ sie Alaila stehen.

Sie konnte es kaum fassen. Es war eine riesige Ehre, in den Klan aufgenommen zu werden, nicht einmal ihrer Mutter war dies je angeboten worden. Tsu’tey hatte sich für sie ausgesprochen, hatte sich für sie eingesetzt, ohne es ihr zu sagen. Er wusste, dass sie sich das mehr als alles andere gewünscht hatte, seit sie das Dorf das erste Mal betreten hatte. Die Omaticaya waren ihr zu Hause. Er war ihr zu Hause.


Einige Stunden später kehrte Tsu’tey mit Neytiri, Jake und den jungen Jägern zurück. Jake präsentierte stolz seinen Ikran. Es war ein schönes, kraftstrotzendes Tier, welches ihm stets treu zur Seite stehen würde.

Tsu’tey amüsierte sich über Jake’s ersten Flug, dass er beinahe abgestürzt wäre, weil seine Gedanken viel zu unruhig waren und wie er pausenlos geflucht hatte. Alaila konnte es sich bildhaft vorstellen, wenn sie sich an Jake’s Reitkünste erinnerte.

Den Rest des Tages erlebte sie wie in Trance. Sie hatte Tsu’tey nicht darauf angesprochen, was er für sie getan hatte und er schien dazu auch keinen Redebedarf zu haben.
Als sie schließlich nach Jake’s erfolgreicher Traumjagt mit ihm in der Mitte aller Omaticaya wiederfand, legte Neytiri ihre Hände auf Jake’s Schultern und Tsu’tey seine auf Alailas. Er sah ihr in die Augen und Alaila verlor sich in seinen. Durch ihn spürte sie die Verbindung zu allen und zu Ey’wa selbst. Und sie wurde sich wieder bewusst, wie sehr sie ihn liebte. Er war alles was sie brauchte, er war ihre Luft zum atmen. Und sie wollte, dass er glücklich war.

Als das Ritual endete, wurde gefeiert. Die Omaticaya tanzten, aßen und sangen. Es wurde gelacht und das Leben gefeiert und ihre zwei neuen Stammesmitglieder.
Alaila saß gelassen am Feuer, nachdem sie mit den Frauen ausgelassen um das Feuer getanzt hatte. Sie hatte die Blicke der ungebundenen Männer auf sich gespürt. Nun, da sie zum Klan gehörte, war sie schließlich als Heilerin eine potentielle Partnerin, die zudem einen guten Stand innehatte.

Kurz nach Mitternacht beobachtete sie, wie Jake gemeinsam mit Neytiri heimlich das Fest verließ. Alaila blickte vorsichtig zu Tsu’tey, welcher das Verschwinden der beiden jedoch zum Glück nicht mitbekommen hatte. Tsu’tey saß am Rand der Feier und beobachtete die fröhlichen Na’vi. Sie näherte sich ihm langsam und setzte sich zu ihm.

>> Ich würde gerne noch etwas zu unserem See gehen. Begleitest du mich? <<

Ohne ein Wort erhob er sich und machte sich zügig auf den Weg. Alaila sprang schnell auf und folgte ihm. Er redete nicht viel und machte allgemein einen recht verstimmten Eindruck auf sie. Sie verkniff sich jedoch die Frage nach dem ‚Warum‘.
Als sie am See ankamen und sich ins Wasser gleiten ließen, konnte sie sich schließlich überwinden, die Stille zu durchbrechen.

>> Ich wollte dir dafür danken, dass du dich bei Mo’at dafür ausgesprochen hast, dass ich in den Klan aufgenommen werde. Du ahnst nicht, wie viel mir das bedeutet. Danke. <<

>> Du gehörst zum Klan, das hätte schon viel eher passieren sollen, du hast es dir verdient. <<

>> Aber es war nicht selbstverständlich, was du getan hast, nach allem was passiert ist. Ich bin endlich zu Hause angekommen, dafür danke ich dir aufrichtig. <<
Er reagierte mit einem anerkennendem Nicken darauf. Danach war es vorerst still. Doch nach einer Weile durchbrach Tsu’tey unerwartet die angenehme Stille. Sie hatte schon seit einer Weile bemerkt, dass ihm etwas auflastete.

>> Du kannst dir nun einen Gefährten erwählen. Einige der jungen Männer haben bereits ihr Interesse verkündet. <<
Damit hatte sie nun nicht gerechnet. Sie hatte das Gefühl, dass sie ihm eine Antwort schuldig war, doch wollte ihr die Wahrheit nur schwer über die Lippen kommen. Sie konnte ihn kaum ansehen, als sie ihm antwortete.

>> Du weißt, wen ich wählen würde… Und die gegebenen Umstände werden daran niemals etwas ändern. Ich werde keinen anderen wählen. <<

Es brach ihr beinahe das Herz. Er hatte diese Wunde, die sie so sorgfältig verschlossen hatte, mit nur zwei Sätzen wieder aufgerissen. Sie konnte seine Anwesenheit in diesem Moment kaum noch ertragen, also floh sie schnell aus dem Wasser und rannte zurück ins Dorf und wagte keinen Blick zurück.

Tsu’tey blieb allein zurück. Und obwohl er ein schlechtes Gewissen haben sollte, verspürte er Erleichterung darüber, dass sie sich keinen Gefährten nehmen wollte. Obwohl er ihr alles Gute wünschte, stach es in seiner Brust, bei dem Gedanken, ein anderer würde sie glücklich machen, während er selbst es nicht konnte. Doch nach wie vor banden seine Verpflichtungen ihn.
Sosehr er sich auch wünschen sollte, dass es anders war.


Doch hätte er geahnt, was die nächsten Tage bringen würden. Welches Schicksal sie alle ereilen würde…
Vielleicht hätte er eine andere Entscheidung getroffen.
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