Eine neue Familie?

GeschichteDrama, Romanze / P18
Hitomi Kanzaki Van Fanel
25.06.2017
19.07.2017
11
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Willkommen zu einer kleinen Geschichte über Van und Hitomi: Eine neue Familie?
Viel Spaß beim Lesen!




Frustriert ließ er die Weinflasche zu Boden fallen. Sie war leer und ihre Splitter bedeckten den nackten Marmorfußboden seines Arbeitszimmers. Das ohrenbetäubende Klirren ignorierte der junge Mann gekonnt, ebenso wie seine pulsierenden Kopfschmerzen. Er kniff die braunen Augen zusammen, als er sich schwankend von seinem Holzstuhl erhob und mit einer plötzlichen Bewegung seines Armes die Stapel vermeintlich wichtiger Dokumente vom Tisch schleuderte, der vor Papieren nur so überquoll. Raschelnd segelten die Blätter gen Boden, wo sie, mit Bierpfützen durchtränkt, nass und durcheinander liegen blieben. Schwer atmend betrachtete der junge König das Werk seiner Zerstörungswut. Kein Buch in den Regalen stand mehr an seinem Platz, das Mobiliar war verrückt, die Wand zu seiner Rechten zählte eine weitere Wunde im Putz, seit er seinen Bierkrug dagegen geworfen hatte. Wie oft er ihn zuvor gefüllt hatte, konnte er nicht richtig sagen. Doch es hatte seine Nerven nicht beruhigen können, weshalb er zur Weinflasche gegriffen hatte. Mit den Papieren war auch das Gefäß voller hochprozentigem Schnaps von der Arbeitsplatte verschwunden. Er vernahm das Glucksen der sich leerenden Karaffe neben sich und kam wankend darauf zu. Stumm beobachtete er, die das flüssige Gold schluckweise den Marmor bedeckte. Der Schwindel befahl seinem Körper, sich an der Wand abzustützen. Die Kraft verließ seine Beine, und er sank an dem hellen Putz zu Boden. Er legte den Kopf in den Nacken und fixierte mit finsterem Blick die Decke. Es war wieder einer dieser Tage gewesen, an denen er jeden Atemzug darauf verwendet hatte, sein Land zu führen und es jedem verdammten Bittsteller recht zumachen. Auch heute war er zu keiner freien Minute gekommen, in der er hätte trainieren oder einfach an etwas anderes hätte denken können – oder an jemanden.
Ein tiefes Seufzen verließ seine Kehle und durchbrach die gefährliche Stille. Er bekam sie einfach  nicht aus dem Kopf. Die Erinnerung an ihre stechend grünen Augen, die ihn jedes Mal in ihren Bann gezogen hatten, wenn sie ihn ansah, bereitete ihm eine Gänsehaut. Heiß und kalt war ihm geworden, wenn sie einfach nur in seiner Nähe gewesen war, und er musste sich ständig selbst daran erinnern, sich nichts anmerken zu lassen. Ob es ihr, nach all der Zeit, genauso erging wie ihm? Schließlich war es schon ein ganzes Jahr her, seit sie Gaia wieder verlassen hatte – und damit auch ihn. Sein Herz wurde schwer, und langsam spürte er die Wirkung des Alkohols in seinen Adern, sein Verstand war vernebelt. Was, wenn sie ihn schon vollkommen vergessen, alles nur für einen langen Traum gehalten hatte? Oder, noch schlimmer, ihn mit jemandem ersetzt hatte? Er konnte es ihr kaum verübeln, er war es ja gewesen, der zu feige gewesen war, ihr noch vor ihrer Rückkehr seine Gefühle zu offenbaren. Er hatte zu lange gezögert, denn er war sich nicht sicher gewesen, ob das Mädchen nicht einfach nur seine erste Schwärmerei war. Aber nun, zwölf Monate nach ihrem Verschwinden, musst er sich eingestehen, sein Herz an sie verloren zu haben. Zu lange hatte der junge König versucht, es sich auszureden und in Arbeit zu entfliehen, doch er musste jede freie Sekunde an sie denken. Angestrengt versuchte er, sie sich vor seinem inneren Auge vorzustellen: Ihr kurzes, dunkelblondes Haar, kürzer als sein eigenes, das fröhliche Lächeln, die Schuluniform mit dem kurzen Rock, die sie getragen hatte, weil sie sich darin am wohlsten fühlte… Die weichen, rosigen Lippen - er war sich sicher, sie würden weich sein – und ihre vorwurfsvolle Art, wenn er sich ihr gegenüber nicht richtig verhalten hatte. Ein trauriges Lächeln schlich sich kurz auf seine Lippen, als er sich vorstellte, wie sie ihm in diesem Moment einen wütenden Vortrag über den übermäßigen Konsum von Alkohol hielt, so wie Merle es schon unzählige Male in den letzten Wochen getan hatte.
Wehmütig schloss er die braunen Augen und bettete das Kinn auf seiner Brust. Seit Tagen dachte er darüber nach, sie zu besuchen. Vielleicht würde sie ihn ja auch gar nicht sehen wollen und wieder wegschicken. Dann wüsste er zumindest auch, woran er bei ihr war. Sein trüber Blick wanderte zur Schnapsflasche neben sich, die er ergriff und an die Lippen setze, nur um zu merken, dass diese mittlerweile ebenfalls völlig leer war. Verärgert schleuderte er das Gefäß gegen das teure Holz des Tischbeins; Die Scherben hinterließen tiefe Kerben darin. Er tastete nach ihrem rosafarbenen Glücksbringer in seiner Hosentasche. Er trug ihn immer bei sich, seit dem Tag ihrer Rückkehr, an dem sie ihn ihm geschenkt hatte. Nichts wünschte er sich sehnlicher, sie endlich wiederzutreffen, ihr alles zu sagen, was er sagen wollte. Schwerfällig erhob er sich wieder, die Scherben der Weinflasche knirschten unter seinen Lederstiefeln, als er zum Balkon trat und den Blick sehnsüchtig zum Nachthimmel hob, an dem der Mond der Illusionen stand. Nur am Rande bemerkte er ein zögerliches Klopfen an der Tür und danach Merles besorgte, leise Stimme hinter sich.
„…Van? Ist alles in Ordnung? Ich… hab etwas zerbrechen hören…“
Vorsichtig trat sie näher, ließ den Blick über das Chaos im Büro schweifen.
„M-Majestät?“, versuchte sie es noch einmal.
„Ich kann nicht mehr, Merle. Ich muss sie wiedersehen…“, flüsterte er vor ihr. Sein Wunsch erreichte die Sterne und der Anhänger begann, zu leuchten, Sein Körper hob sich langsam vom Balkon, als die Lichtsäule ihn erfasste und Merle mit großen Augen in seinem Arbeitszimmer zurückließ.
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Eine lange, anstrengende Klausurenwoche ging zu Ende und Hitomi saß entspannt auf einem Liegestuhl auf der Terrasse zu ihrem Zimmer im Erdgeschoss ihres Elternhauses. Ihr kleiner Bruder hatte sich einen Ausflug zu ihrer Tante übers Wochenende gewünscht, doch weil Hitomi mitten im Schulstress festsaß, waren ihre Eltern und ihr Bruder ohne sie gefahren. Daher genoss sie die verdiente Ruhe der Nacht, die sich über das Viertel gelegt hatte, seit es Mitternacht war. Die Dunkelheit wurde auf einmal von einem hellen Lichtstrahl unterbrochen. Hitomis Augen weiteten sich und sie sprang von ihrem Stuhl auf, spürte das kühle Gras des Gartens unter ihren nackten Füßen.
Taumelnd landete Van auf dem weichen Gras vor ihr. Er sah sich auf dem Grundstück um und erkannte sie sofort. Ihr Haar war noch genauso lang wie damals, und ihre großen, grünen Augen blickten ihn überrascht an. Sein Mund wurde trocken und er verspürte ein angenehmes, ihm fremdes Gefühl tief in seinem Innern aufkommen. Schon so oft hatte er davon geträumt, ihr endlich zu beweisen, was er für sie empfand, hatte sie geküsst und ihren Körper erkundet…  Er kam auf sie zu und blieb vor ihr stehen, während sie ihn noch immer musterte. Er war gewachsen, muskulöser geworden – und auch um ein vielfaches attraktiver als noch vor einem Jahr. Noch immer hing ihm sein schwarzes Haar lang und wirr ins Gesicht und warf einen finsteren Schatten über seine dunkelbraunen Augen. Auch die Kleidung war ähnlich geblieben, ein lockeres, rotes Hemd, braune Hose sowie Handschuhe und Stiefel aus dunklem Leder. Mit einem herausfordernden, verklärten Blick erwiderte er den Ihren und hauchte ihren Namen in die Stille. Er betrachtete ihren jungen Körper. In nur einem Jahr was beinahe alles Kindliche von ihr abgefallen; vor ihm stand eine fast erwachsene Hitomi mit beneidenswerten Rundungen an ihrem trainierten Körper. Van biss sich auf die Lippe. So lange hatte er darauf gewartet, endlich eine Nacht allein bei ihr zu verbringen, auch wenn er sich immer für diese Art von Gedanken, die ihm völlig neu waren, geschämt hatte. Doch der Alkohol machte ihn mutig, und er trat noch einen Schritt näher, sodass sich ihre Körper fast berührten. Hitomi sah verwirrt zu ihm auf, als sein Atem sie streifte und ihr der Geruch an ihm in die Nase fuhr.
„Van… hast du etwa getrunken?“
Hitomi. Sie sprach mit ihm, sie nannte seinen Namen, sah ihn an. Das seltsame Ziehen in seinem Unterleib wurde stärker und verdrängte jegliche Rationalität aus seinem Gewissen. Er gab den Trieben in sich nach, nahm ihr Gesicht in beide Hände und legte seine warmen Lippen auf ihre – endlich. Hitomi wurde ganz heiß, als er sie küsste. Vans Atem streifte ihre Wange und ihr ganzer Körper begann zu kribbeln. Schließlich ließ sie sich völlig auf ihn ein, seufzte leise und legte ihre Arme um seinen Hals. Es war noch viel überwältigender, als Van es sich jemals ausgemalt hatte. Als sie sich dann auch noch an ihn klammerte und er ihren perfekten Körper an seiner Brust spürte, raste sein Herz bereits und es war um ihn geschehen. Kein Zurück mehr. Vorsichtig löste er die Hände von ihren Wangen und streifte sich die Handschuhe ab, die lautlos neben ihnen zu Boden fielen. Er erkundete ihren Hals, ihre Schultern, die seitlichen Wölbungen ihrer Brüste, ihre schmale Taille, die Hüften und schließlich ihre Oberschenkel, die er mit einer schnellen Bewegung umfasste, um Hitomi hochzuheben. Überrascht keuchte sie auf, schlang aber ihre schlanken Beine um Vans Hüfte, der den immer intensiver werdenden Kuss nicht unterbrach. Sie fühlte sich ihm unterlegen, war seinem Willen verfallen, spürte bereits dem Drang nach Mehr, der in ihr aufstieg. Van trug sie durch die Balkontür in ihr Zimmer, lief weiter durch den dunklen Raum, ohne von seiner Liebe abzulassen, bis seine Knie die Bettkante berührten. Sanft legte er Hitomi auf die Matratze und beugte sich über sie. Ihre Wangen waren gerötet und sie atmete schwer. Ihre Reaktion ließ alle verbleibenden Zweifel in Vans Unterbewusstsein schwinden. Er ließ sie das Gewicht seines Körpers spüren, griff nach ihren Handgelenken und drückte Hitomi fest unter sich auf das Bett. Er ignorierte dabei ihren verwirrten Blick und küsste sie wieder, härter, verlangender, spielte mit ihrer Zunge. Van spürte, wie sie sich unter ihm wandte und er ihr leise Laute entlockte. Erregt löste er die rechte Hand von ihrer und hielt beide Handgelenke über ihrem Kopf mit einer Hand fest. Er wandte sich ihrem Hals zu und übersäte ihn mit stürmischen Küssen, ließ sie nicht entkommen. Als er ihr plötzliches Aufstöhnen hörte, spürte er, wie seine Hose enger wurde, und sein Atem schwerer. Gierig wanderte seine freie Hand unter ihr weißes Top, fuhr über die glatte Haut ihres Bauches nach oben zu ihren Brüsten. Hitomi zappelte stärker und hob ihre Hüfte gegen seine. Auf einmal ließ er sie los, befreite sie und sich selbst von ihrer Kleidung und ehe Hitomi reagieren konnte, presste er wieder grob seine Lippen auf ihre und legte sich auf sie. Sie wollte sich wehren, mit ihm reden, ihn bitten, zu warten, doch merkte schon, wie Van sich zwischen ihre Oberschenkel drängte und wieder ihre Hände festhielt. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Unterleib, und ein erstickter Schrei hallte durch das Haus, bevor die Ohnmacht sie übermannte.
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