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Scherbenmeer

von Queen Red
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 Slash
Alex Vause Galina "Red" Reznikov OC (Own Character) Piper Chapman
24.06.2017
01.08.2018
5
9.911
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24.06.2017 1.562
 
Natascha genoss ihre letzte Fahrt in Freiheit.  Neben ihr saß eine junge Frau mit langen schwarzen Haaren. Einen Arm trug sie in einer Schlinge.
„Zum ersten Mal im Knast“?
Natascha nickte.
„Ich bin Alex. Und du“?
„Natascha. Alle nennen mich Tash.“
„Okay Tash. Dann werden die anderen das auch machen.“
„Der Knast….ist es sehr schlimm da“?
„Naja, ein Knast halt. Es gibt Leute, vor denen du dich in Acht nehmen musst. Das wirst du selbst merken. Und es gibt Leute, mit denen du dich gut stellen solltest, damit du ein erträgliches Leben da drin hast. Aber die meisten sind okay.“
„Weswegen…“
„Weswegen ich sitze“?
Tash nickte.
„Drogenschmuggel. Und du?  Du siehst nicht aus, als hättest du jemanden umgebracht.“
„Hab ich aber. Ich hab das so nicht gewollt. Der Kerl wollte meine Tochter…das konnte ich nicht zulassen.“
„Oh…den hätte ich auch umgebracht.“
„Ich hab das nicht gewollt. Ehrlich. Ich wollte nur, das er meine Tochter in Ruhe lässt Meine Tochter ist alles, was ich auf dieser verdammten Welt habe.“
Der Rest der Fahrt verlief schweigsam. Alex spürte, das Tash nicht weiterreden wollte.

2 Stunden später betrat Tash den Bereich, der 5 Jahre ihr zuhause sein sollte.
Die Beamtin schien schon mal ganz in Ordnung zu sein.
„So, das ist ihre Bucht. Sie teilen sie mit Miss Vause.“
Alex richtete sich in ihrem Bett auf.
„Hey Tash. Da bist du ja wieder“.
„Hi.“
Die Beamtin ging.
„Keine Angst. Noch wirkt es alles ein bisschen karg. Aber mit ein paar persönlichen Sachen wird das schon.
Das Gefängnis wirkte wie leer gefegt. Nur ein paar Frauen waren anwesend. Vor nicht einmal vier Wochen hatte es eine Revolte gegeben. Das hatte sie erfahren, während sie ihre Sachen bekommen hatte.
Nach und nach würden die Frauen zurückkehren.
Als erstes hängte Tash ein paar Fotos auf.
Sie schwiegen. Alex wusste, wie es in Tash aussah.

Gegen Abend hatte Tash mit ihrer Tochter telefoniert. Sie kam gerade aus der Dusche, als sie Alex dabei beobachtete, wie sie sich versuchte, die Haare zu waschen.
„Soll ich dir helfen“? fragte sie.
Alex sah auf.
„Wenn du Zeit hast…wäre echt nett von dir“.
„Ich hab 5 Jahre Zeit“.
„So war das nicht gemeint.“
„Ich weiß. Also komm“.

Eine halbe Stunde später kehrten die beiden in ihre Bucht zurück.
„Danke nochmal. Was willst du dafür“?
„Nichts Ich bin Krankenschwester. Helfen ist mein Beruf“.
„Pass auf, dass das hier nicht ausgenutzt  wird.“
„Wie meinst du das“?
„Nur als Tipp.“
„Okay. Danke.“
Tash nahm ihr Handtuch vom Kopf und schüttelte ihre rot gefärbten Haare durch.
„Also wenn du unbedingt was für mich machen willst, dann hilf mir in zwei bis drei Wochen beim färben“.
„Gern. Noch so ein Rotschopf hier“, sagte Alex und grinste.
Kaum hatte sie das ausgesprochen, kam eine Frau mit roten Haaren um die Ecke.
„Red! Endlich bist du wieder da“
Alex fiel der Frau im den Hals. Tränen kamen Alex.
„Ist ja gut. Ich bin ja jetzt wieder da“.
„Haben sie dich gut behandelt im Krankenhaus“?
„Sie waren alle sehr nett zu mir. Ich wollte mich bei dir bedanken. Ohne dich…ich weiß nicht was dieser Kerl mir noch angetan hätte“.
Alex löste sich etwas von Red und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Piper kommt übrigens heute Abend. Ich soll dir sagen, das sie dich liebt.“
„Danke. Ach übrigens, das ist..
„Natascha Kalinowski. Genannt Tash. Ich weiß, wer sie ist“.
„Red…“
Red wollte aus und verpasste Tash eine solch heftige Ohrfeige, das Tash aus dem Gleichgewicht kam und auf ihrem Bett landete.
„Red! Was soll das“? fragte Alex mit einer Mischung aus Überraschung und Entsetzen.
„Das kann die Neue dir selbst sagen“
Red drehte sich um und ging.
„Was zum Teufel war das“? fragte Alex und sah Tash an.
„Egal Ich hab es verdient.“

In der Nacht wälzte Red sich unruhig hin und her.
„Hast du Schmerzen“? kam es leise aus dem Nachbarbett.
„Ja. Das auch. Es tut mir leid, das ich dich geweckt habe“.
„Macht nichts. Komm, ich reibe dir schnell den Rücken ein. Dann wird es bestimmt gleich besser.“
„Nein, es geht schon.“
„Ach komm Red. Und morgen kannst du dich dann wieder kaum bewegen vor Schmerzen.“
„Du gibst ja sowieso keine Ruhe.“
„Na also“. Piper stand auf und kramte im Dunkeln nach der Salbe, die sie vor einiger Zeit für Red hergestellt hatte, während Red ihren Rücken frei machte und sich dann auf den Bauch legte.
Piper verteilte die Salbe großzügig auf Reds Rücken und massierte sie vorsichtig ein.
„Geht es so oder tu ich dir weh“?
„Du machst das wunderbar“, antwortete Red und meinte das auch so.
„Was ist mit dir los, Red? Alex hat mir erzählt, was passiert ist“.
„Das geht euch nichts an.“
„Okay. Aber beantworte mir eine Frage. Nur eine“.
„Na gut“.
„Ist sie gefährlich“?
Red lachte bitter auf.
„Nein. Sie ist alles, aber nicht gefährlich“.
„Ich möchte, das du weißt, das du mir alles sagen kannst, ja? Bei dem was wir alles durchgemacht haben…“
„Das wird mir bis an mein Lebensende leid tun. Ich werde ewig in eurer Schuld stehen“.
„Quatsch. Aber wenn du etwas auf dem Herzen hast – sag es mir bitte. Vielleicht finden wir alle zusammen eine Lösung“.
„Ich weiß jetzt, warum Alex dich so abgöttisch liebt. Du hast so ein großes Herz“.
„Du doch auch.“
„Ja, aber ich habe dich am Anfang wie Dreck behandelt und…“
„Das ist vergeben und vergessen“.
„Ach Piper“….
Betreten sah Piper, das Reds Rücken zu zucken begann. Sie weinte.
Sie zog Reds Nachthemd nach unten und drehte sie dann vorsichtig um.
Red rückte an die Wand. Piper verstand die stumme Einladung und legte sich neben sie.
„Du musst es mir nicht sofort erzählen. Irgendwann, vielleicht. Wenn dir danach ist“.
„Kannst du nicht einmal still sein“? schluchzte Red leise.
„Doch. Klar kann ich das. Komm her“.
Eine Stunde später hatte sich Red ins Pipers Armen in den Schlaf geweint. Piper wagte es nicht, sich zu bewegen Also blieb sie einfach liegen.

Am nächsten Morgen wurde Piper von Alex geweckt.
„Alles in Ordnung bei euch“? fragte sie leise.
„Ja…ja, alles okay. Red hat heute Nacht vor lauter Schmerzen geweint und sie hatte Sehnsucht nach ihren Söhnen.“ Das war zumindest die halbe Wahrheit.
Genau in diesem Moment bewegte sich Red.
Alex verschwand.
„Hoffentlich denkt sie jetzt nichts falsches“, murmelte Red noch halb im Schlaf.
„Ich hab ihr eine kleine Geschichte erzählt. Für sie hattest du Sehnsucht nach deinen Söhnen und Höllenschmerzen.“
„Okay. Danke. Auch für heute Nacht“.
„Nichts zu danken.“
Piper stand auf und ging ins Bad.
Es dauerte nicht lange und da stand Tash vor ihr.
„Red, bitte, lass es mich erklären, bitte. Du wirst mich verstehen“.
„Verschwinde“.
Tash wollte etwas antworten, doch Red hob abwehrend die Hände.
„Verschwinde“, sagte sie noch einmal, diesmal auf Russisch. Ihre Stimme hatte etwas bedrohliches. Tash drehte sich um und ging.
Red sank in ihr Bett zurück.
„Reiß dich zusammen, Red“! sagte sie zu sich selbst und stand dann auch auf.

Beim Mittagessen beobachteten Alex und Piper, wie Tash darauf wartete, bis Red sich einen Platz suchte.
„Da läuft irgendwas, wenn du mich fragst“, murmelte Alex und beobachtete Tash mit Argusaugen.
„Das Gefühl hab ich auch“.
„Kann ich mich zu euch setzen“? fragte Red. Wie aus dem Nichts war sie aufgetaucht.
„Klar“, sagte Piper und machte noch etwas Platz.
Das Mittagessen verlief schweigsam.

In der Nacht wachte Piper auf. Im fahlen Mondlicht sah sie, das Red nicht da war.
Als sich auch nach zehn Minuten nichts tat, beschloss sie, im Bad nachzusehen.
Tatsächlich fand sie Red. Sie saß in einer Dusche. Das Wasser war eiskalt. Und sie weinte wieder.
Piper drehte das Wasser ab. Ihr Herz machte Platz für Mitleid mit Red.
„Ich hab sie so geliebt. Und sie hat mich einfach verlassen. Von heute auf morgen.“
„Tash“?
Red nickte.
„Jetzt bin ich baff.“
„Das dachte ich mir.“
„Ich hol dir jetzt ein Handtuch, in dieser Zeit duscht du dich warm ab. Okay“?
Red nickte.
Mittlerweile fror sie erbärmlich.
5 Minuten später kam Piper wieder und reichte ihr ein Handtuch. Sogar an einen frischen Schlafanzug hatte sie gedacht.
„Es ist jetzt fast 35 Jahre her“.
„Du musst es mir nicht erzählen“, sagte Piper leise und half Red in ihr Schlafanzugoberteil. Sie wirkte völlig kraftlos.
„Tash war mit dem besten Freund meines Ex-Mannes verheiratet. Sie war immer nur eine gute Freundin. Irgendwann hatte ich dann Gefühle für sie entwickelt. Nie und nimmer hatte ich mich getraut, ihr das zu sagen.“
„Und dann“?
„Ihr ging es genauso. Zumindest dachte ich das. Sie hat es mir gesagt. Fortan waren wir ein heimliches Liebespaar. 2 Jahre später wollten wir weg. Keine Ahnung wohin, Hauptsache weg und glücklich miteinander sein. 25.000 Dollar hatte ich für die Flucht auf die Seite gelegt. Und eines Tages war Tash einfach weg. Und mit ihr das ganze Geld.“
„Oh scheiße..“
„Ich habe nie wieder von ihr gehört. Nie wieder“.
„Das ist verdammt hart“.
„Ich hab sie so geliebt. Für sie hätte ich alles aufgegeben. Diese ganzen dreckigen Geschäfte, mein geliebtes Amerika…“
Piper schloss Red in ihre Arme.
Red begann bitterlich zu weinen.
Erst als Red sich beruhigt hatte, gingen sie in die Bucht zurück.
„Ich möchte, das du Alex erzählst, was passiert ist Ich möchte nicht, das du sie wegen mir weiter anlügst“.
„Wenn du das willst“.
„Tu es bitte“..
Piper nickte nur noch. Irgendwann waren beide eingeschlafen.
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