Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Blutgefäß

GeschichteFantasy / P18 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
22.06.2017
22.06.2017
9
92.877
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
22.06.2017 11.540
 
Es war Mitte November. Ilse stand in der Küche des Hauses, das sie ihrem Wahlsohn Lucian Rayne geschenkt hatte, damit es ihr missratener, leiblicher Sohn nicht in die Hände bekam. Sie war Lucian auch sehr dankbar, dass er es auf seine Kosten renoviert hatte um es für sich und seine Familie bewohnbar zu machen und es somit auch vor dem Verfall gerettet hatte. Ilse genoss die Gesellschaft, der Familie Rayne, auch wenn diese ihren Hauptwohnsitz nach wie vor in Venedig hatte und durch seinen Job als Botschafter und dem Kindergarten der sich im Boulevard Haussmann in Paris befand, sich deren Leben meistens dort abspielte. Aber der Höllenfürst tauchte wie er schon angekündigt hatte öfter dort auf, wenn es ihm in Paris zu viel wurde.
"Hallo Lucian, schön dich zu sehen." begrüßte sie ihn erfreut, als er auftauchte und lächelnd an dem Türrahmen stehen blieb. "Freut mich auch, dich zu sehen Ilse." Sie warf ihm noch einen kurzen Blick zu und holte dann das erste Blech Weihnachtsplätzchen heraus. "Geht es dir gut? Du siehst müde und gestresst aus." Er lachte etwas bitter. "Ich bin geflohen vor dem ganzen Weihnachtsstress in Paris. Die Damen sind dabei zu dekorieren und Selvi ist, seit sie im Elternbeirat ist, voll engagiert was das Weihnachtsfest angeht. Und ich habe noch einiges an Papierkram zu erledigen. Ich werde das hier in meinem Arbeitszimmer erledigen. Und später vielleicht mit meiner schwarzen Schönheit ausreiten." Sie lächelte. "Du solltest deinem Pferd endlich mal einen Namen geben." Er seufzte. "Wenn mir nur etwas passendes einfallen würde für so einen prächtigen Hengst." "Lucian warte, ich mache dir einen schönen Pharisäer, dann lässt sich dein Papierkram besser bearbeiten." Dankbar nahm er den Pharisäer nach Ilses Art entgegen und verließ die Küche.
Er setzte sich an seinen Schreibtisch, der direkt vor dem Fenster, mit Blick auf das Meer stand. Er schnippte mit den Fingern und zauberte sich eine Schachtel Zigaretten herbei. Er hatte schon  seit Jahren nicht mehr geraucht. Früher hatte er das öfter gemacht, wenn er sich gestresst fühlte. Also dachte er, da das Nikotin und der Alkohol bei ihm keine gesundheitlichen Schäden anrichten konnte wie bei den Menschen, könne er sich mal wieder die ein oder andere Zigarette gönnen. Er hatte gar nicht bemerkt wie Ilse eingetreten war. Er bemerkte sie erst als sie ihm einen neuen Pharisäer hinstellte. "Danke. Hattest du geklopft?" Sie nickte, während er gleich einen Schluck trank. Er hustete kurz. "Du steigerst dich aber auch immer mit deinen Pharisäern. Da ist ja bald mehr Rum als Kaffee drin. Du willst mich wohl betrunken sehen." lachte er. "Na er schmeckt dir aber, das kannst du nicht abstreiten!" "Mach ich ja auch gar nicht. Ist nur doof, dass Alkohol bei mir diese unangenehmen Nachwirkungen hat, wie die Kopfschmerzen und die Übelkeit im Magen. Klar ich könnte sie im Vorfeld vermeiden, was aber auch leider das angenehme Gefühl des Rausches verhindern würde." Sie lächelte. "Da leidest du im nachhinein lieber? Nach dem Rausch kannst du doch..." Er unterbrach sie. "Das mit der Selbstheilung ist so eine Sache. Ich könnte jede Krankheit und Verletzung heilen. Aber keine körperlichen Auswirkungen von Alkohol, sowie die Kopfschmerzen, die Stress manchmal bei mir auslösen. Da ich in diesem Fall dann nur den Schmerz und nicht die Ursache bekämpfe - kehren die Symptome in diesen beiden Fällen wieder und ich muss auf Schmerzmittel zurück greifen."  "Oh - das wusste ich nicht. Schade nur, dass dir mein Hering auch nicht zu helfen scheint, so wie deinem himmlischen Bruder." Er lachte. "Er hat die Kopfschmerzen beseitigt, aber meinem Magen ging es im nachhinein nicht wirklich gut, muss ich gestehen." Sie nickte und verließ das Arbeitszimmer.
Nach einer Weile betrat er, wie ihr auffiel etwas unsicher die Küche. "Das duftet aber gut." "Ja, möchtest du noch einen Pharisäer?" fragte sie grinsend. "Nicht wirklich. Ich glaube ich brauche erst mal einen starken Kaffee, ohne Zusatz. Wie viele Pharisäer hattest du mir eigentlich gemacht? Ich habe irgendwie den Überblick verloren." Ilse lachte laut. "So vier bis fünf waren es schon. Und in jedem etwas mehr Rum, wie du selbst schon festgestellt hast." gestand die ältere Dame. "Willst du testen wie viel ich vertrage? Mit deinen fünf sehr starken Mischungen hast du mich jetzt schon ziemlich an meine Grenzen gebracht. Deshalb erst mal nur einen Kaffee." Er bediente sich an der Senseo-Kaffeemaschine und setze sich an den Küchentisch. "Möchtest du was essen? Das tut dir vielleicht auch gut." Er lächelte sie liebevoll an. Irgendwie tat es gut eine mütterliche Freundin zu haben, die sich auch mal um sein Wohlbefinden sorgte, da von den anderen meistens nur Erwartungen und Forderungen an ihn gestellt wurden. Sie setzte sich mit ihrem Kaffee zu ihm an den Tisch. "Ich bin sehr froh dich und deine Familie kennengelernt zu haben. Du bist der Sohn, den ich mir immer gewünscht habe und jetzt habe ich auch noch eine Tochter und tolle Enkelkinder bekommen. Also was willst du? Ein Schnitzel, oder einen eingelegten Rollmops?" scherzte sie. Belial presste eine Hand auf den Magen und unterdrückte die aufkommende Übelkeit. Schon der bloße Gedanke verstärkte das ungute Gefühl in der Magengegend, seit er einen hinuntergewürgt hatte um vor Michael nicht sein Gesicht zu verlieren. Dann lachte er. "Du traust dich ganz schön was. Aber das mag ich so an dir, du hast keine Angst in meiner Gegenwart und siehst mich sogar als deinen Sohn an." "Warum nicht?" fragte Ilse. "Zu mir bist du sehr nett und was du in der Hölle, oder während deiner Arbeit in Paris, als Fürst der Hölle machst das ist mir egal. Du tust da auch nur deine Pflicht und... böse bist du nicht." Er nickte zufrieden.
"Endlich mal ein Mensch der das gleich versteht. Ich kann aber schon sehr grausam sein, was das Höllische angeht. Aber das wirst du niemals mitbekommen. Meine Launen kennst du ja schon und ich finde es toll, wie du damit umgehst. Und danke für dein Schweigen, was die vielen Pharisäer angeht die du mir machst, wenn ich alleine hier bin." "Kein Problem, denn schließlich weiß ich ja wie Selvaggia dazu steht und dass sie es nicht mag, wenn du betrunken bist. Ich verstehe ihre Meinung da zwar nicht, da es dir auf gesundheitlicher Ebene ja nichts macht und ich für meinen Teil, würde dich gerne mal so richtig betrunken erleben... vielleicht lachst du dann mehr." Belial blickte sie nur an, sagte aber nichts dazu. "Ich glaube ich muss mich mal mit deiner Patentochter Katherine zusammensetzen, dass wir das mal hinbekommen." Er erhob sich und stellte seine Kaffeetasse in die Spülmaschine. "Dann mach das doch mal... ich bin gespannt, was euch einfällt und ob ihr es schafft! Ich reite jetzt ein wenig aus." sagte er ernst und verließ das Haus. Er ritt in den unbewohnten Teil der Insel um ganz allein sein zu können. Er genoss die Ruhe. Er wirkte sichtlich entspannt, als er zurückkam und sein Pferd versorgte, stellte Ilse fest.
Es war recht kühl auf Norderney und Ilse erwartete ihren „Adoptivsohn“ schon mit einer Tasse starken Kaffees, denn sie hatte gesehen, dass dem Höllenfürsten doch ein wenig kalt gewesen war. Dankbar nahm er das heiße Getränk entgegen und griff nach einem frisch gebackenen Heidesand. „Oh, die sind lecker – besser als Tillys Heidesand und das will was heißen!“ Ilse lächelte über sein Kompliment. „Dann muss ich demnächst mal mit ihr zusammen backen und ihr später mein Familien-Koch-und Backbuch hinterlassen – oder ich bringe es den Mädchen bei: Christina-Luciana, Sophia-Aurora und Linnea...“ sie zwinkerte. Er lachte. „Zeig es den Mädchen – manche „Geheimnisse“ sollten in der Familie bleiben. Wenn die kein Interesse daran zeigen, dann kannst du es immer noch Tilly beibringen.“ Errötend nickte Ilse und zog ein weiteres Blech mit Keksen aus dem Ofen um es gegen ein noch nicht gebackenes zu ersetzen.
In diesem Moment klingelte es. „Nanu, wer ist das? Deine Brüder kommen doch einfach so, von den „ganz Großen“ wie Metatron und Michael bis hin zu Samyaza, Satanael und auch Euangelion.“ sagte Ilse und sah Belial überrascht an. „Ich schaue mal,  Mutti.“ sagte der mit einem liebevollen Nicken in ihre Richtung und tauchte an der Tür wieder auf. Mit einem Wink öffnete die Haustür sich und er erblickte Pastor Bente. „Herr Pastor, was gibt es?“ „Oh, wie gut, dass Sie hier sind, Dr. Rayne! Ich habe von einer... ehemaligen Kommilitonin... also... ich muss dazu sagen, dass ich zwei Semester an der Gregoriana in Rom war... ähm... also aus Chile ein... nun ja...  ähm... seltsames Schreiben bekommen.“ „Und was habe ich damit zu tun?“ fragte der Höllenfürst. „Ja, also... ich dachte, dass Sie da vielleicht... also ich bin auch nicht sicher ob ich es richtig verstanden habe...“ murmelte der Pastor ein wenig eingeschüchtert. Belial seufzte. „Na, dann kommen Sie mal rein.“ sagte er freundlich und ließ den Geistlichen eintreten.
„Herr Pastor, was treibt Sie denn um?“ fragte Ilse überrascht und nickte Belial zu, der sie telepathisch gebeten hatte dem Mann einen Kaffee einzuschenken. „Ilse und ich waren gerade dabei die frischen Kekse zu testen. Vielleicht möchten Sie sich anschließen?“ lud Belial ihn ein. „Und du, Ilse, setz dich bitte auch. Die Kekse kann ich notfalls auch mit Magie aus dem Ofen holen. Ich möchte, dass du mitkriegst, was Pastor Bente zu erzählen hat.“
Ilse stellte für den Pastor eine Tasse Kaffee hin, neben Belials Tasse eine frisch aufgebrühte Kanne – handgefiltert und extra stark, wie der Höllenfürst wusste – und platzierte eine Schale mit frischen Plätzchen auf den Tisch bevor sie sich setzte. Belial nahm den Brief von Pastor Bente entgegen – er war in Spanisch geschrieben und so übersetzte er ihn für seine „Mutter“.
„Lieber Freund Bente, es gibt Gerüchte, dass bei euch auf der Insel Norderney zwei der Botschafter aus der Himmlischen Botschaft in Paris leben und du zu ihnen auch Kontakt hast. Darum schreibe ich dir. Hier in Santiago de Chile ist eine Schale aufgetaucht – zwar ist er einfacher Machart, aber er scheint wundertätige Kräfte zu haben. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um den Heiligen Gral handelt, doch dieser soll doch ein Kelch, befindlich in Oviedo sein? Das Problem ist nur, dass die Schale in die Hände eines bekannten Kriminellen gefallen ist und dieser davon schlimmen Gebrauch macht. Kannst du bitte die Botschafter davon in Kenntnis setzen und im Namen unseres Ordens und der hiesigen Schwestern der Congregación de las Hermanas de la Providencia en Chile um Hilfe bitten? Mit herzlichen Grüßen, deine alte Kommilitonin Frederica Casada.“
„Hm... ich denke, ich werde Kat und Julien dazu bitten...“ murmelte der Höllenfürst, konzentrierte sich auf die zwei, die mit den Fähigkeiten, die sie als Engel hatten, auftauchen konnten. Beide beschieden ihm ein kurzes Okay, doch teilten auch mit, dass sie am Ende der Schulstunde, beziehungsweise der Vorlesung erscheinen würden, was Belial akzeptierte.
„Was ist diese Schwester Frederica für eine Frau? Ist sie abergläubisch oder eher rational veranlagt?“ wollte er von dem Pastor wissen. „Fredi ist... klug, sie hat immer hinterfragt was sie gesehen und gehört hat. Sie gehörte mit zu den Besten im Studium und war neben zwei Kommilitonen die einzige die sich nicht daran gestört hat, dass ich eigentlich Protestant war und nur an der Gregoriana weil der Onkel meiner Mutter – die ist ursprünglich katholisch aus dem Süden – Bischof da unten ist...“ Der Pastor grinste verschmitzt. „Wahrscheinlich hat er gedacht, die Gregoriana würde mich vom „Ketzertum“ heilen, dem meine Mutter „anheim“ fiel.“ Belial lächelte. „Ohne Erfolg, wie man sieht.“ „Jou, aber das war Fredi gleich – ihr, dem Karl – der ist jetzt Professor für Mariologie an der Gregoriana – und Alfonso, der ist jetzt irgendwo in Spanien Pfarrer, in Barcelona... Wir vier waren die beste Lerngruppe des Jahrgangs...“ „Jetzt verstehe ich wieso Sie sich so gut mit Marco Bottaci, dem Sekretär des Papstes verstanden haben. Auch auf geistlicher Ebene.“ sagte Belial.
Der Pastor nippte an seinem Kaffee und griff nach einem Keks. „Jou, wobei der Papst ja nun echt weltlicher ist als sein Sekretär – und mit Rodrigo kann man sich auch gepflegt in Spanisch unterhalten und eine kleine Partie Schach spielen während man über das Weltgeschehen plaudert und die Kirche außen vor lässt. Ist echt okay, der Mann.“ „Tja... da muss ich Ihnen zustimmen. Und er hat Humor. Nicht umsonst ist er der Pate meines zweiten Sohnes Luca.“
In diesem Moment erschien Julien und begrüßte alle, kurz darauf tauchte auch Kat auf. „Hallo Onkel Lucifer, Oma Ilse, Pastor Bente.“ sagte sie freundlich und sah ihren Patenonkel an. „Was gibt es?“ „Lest erstmal.“ antwortete der Höllenfürst. Die beiden jungen Leute sahen sich erstaunt an nachdem sie den Brief gelesen hatten. „Das verstehe ich nicht. Der Reliquien-Verifizierer hat doch damals in Oviedo ganz klar angegeben: „Kelch des letzten Abendmahles, genutzt vom Höchsten in Gestalt des Sohnes.“ bemerkte Julien ratlos. Kat überlegte. „Ja... aber San Gral, Sang real... irgendwie ist nicht so richtig klar...“ murmelte sie. „Und in Oviedo ist der Kelch des Abendmahls... aber eine andere Variante der Überlieferung ist das Gefäß in dem das Blut Christi aufgefangen wurde als sie ihn am Kreuz „angestochen“ haben um zu sehen ob er tot ist.“ Sie sah den Höllenfürsten an. „Ist das so richtig Onkel Lucifer?“ Belial nickte. „Gut geschlussfolgert, Käthchen. Ja, es gibt diese zwei Varianten, bis hin zu der, das Jeschuha – oder Jesus Christus, wie er üblicherweise genannt wird... - überlebt hat und Begründer der Dynastie der Merowinger war – mit Maria Magdalena... daher gab es ja auch die Legende des „Sang Real“, des „Wahren Blutes“ im Unterschied zum „San Gral“, dem „Heiligen Kelch“. Und bezüglich des Kelches oder Gefäßes gab es beide Varianten...“ Julien zog eine Augenbraue hoch. „Das hieße dann allerdings, dass die Menschen im Frühmittelalter Jesus Christus als Ungetüm aus dem Meer gesehen haben? Als Meermonster Merowech?“ er klang zweifelnd.
Belial lachte leise. „Interessante These, aber da sehen wir schon wie abwegig die „Sang real“-Theorie ist, oder?“ Julien lachte leise, wurde jedoch fast gleich wieder ernst. „Okay, es gibt also zwei Grale – der eine vom Abendmahl, der eine vom Einstich am Kreuz... das ist an sich doch gut. Wieso sollte man etwas so... Gutes für Schlechtes nutzen können? Zwischen den beiden Gralen ist doch kein Unterschied.“ Belial sah ihn aufmerksam an, antwortete jedoch nicht. Ilse schloss nachdenklich die Augen. Julien sah etwas hilflos zu Kat und Belial, dann zum Pastor. „Denk noch mal nach...“ sagte der Höllenfürst leise. Kat räusperte sich. „Wein und Blut sind zwei verschiedene Substanzen – ich weiß jetzt nicht wie ich das anders ausdrücken soll – zumindest in der Magie... Blut ist... ist mit einem Individuum verbunden, Wein ist... na ja.. irgendwie Wasser mit Geschmack... und Alkohol... Blut ist Leben, Julien... Wein ist... nun ja... Symbol für Blut in der Kirche, aber es ist ansonsten etwas zu trinken was nicht dem Himmlischen Vater geweiht ist...“ Anerkennend nickte der Höllenfürst ihr zu. Julien überlegte, ließ die Informationen Revue passieren. „Also... wenn jemand... pardon, aber als ich in der Hölle war um dort zu lernen hat Magie nicht zu dem gehört, was ich gelernt habe... – Blut über einen dir geweihten Altar gießt... egal was für Blut – entweiht er damit praktisch die Schöpfung?“ Belial nickte. „Der Abendmahlskelch ist an sich schon mächtig, Julien, und der wurde nur mit den Lippen berührt. Kannst du dir vorstellen um wie unendlich mächtiger ein Kelch ist in den das Blut floss?“ Pastor Bente erblasste. Ilse dagegen blickte den Höllenfürsten direkt an und murmelte: „Dat is man übel!“
Belial lächelte flüchtig und nickte. In seinem Lächeln lag eine Wärme für die alte Frau, über die Kat sich freute. Sie war zwar die „große Tochter“ für Belial, doch in Ilse hatte er eine mütterliche Freundin gefunden die ihn mit Freuden ein wenig bemutterte und ihn nicht als sehr mächtigen Seraphen fürchtete, sondern ihm auch mütterliche Zuneigung schenkte und ihn verwöhnte, auch wenn es nur mit einem Pharisäer oder einem starken Kaffee war.
„Ich möchte, Kat, Julien, dass ihr beide anfangt in dem Fall zu ermitteln. Langsam müsst ihr lernen die Verantwortung zu übernehmen. Scriptoriel wird sicher ab und an wieder für dich in der Schule einspringen müssen, Käthchen, aber du weißt selbst, dass du eigentlich dein Baccalauréat sofort machen kannst und das mit einem Durchschnitt besser als sehr gut. Deinen Studienplatz für Medizin und für alles andere kannst du dir aussuchen. Jede Universität wird dich mit Handkuss nehmen.“ „Aber ich will es möglichst normal und...“ Belial seufzte. „Katherine-Lucia-Merina, du weißt doch genau, dass deine Mitschüler dich zwar nicht fürchten aber nachdem du ihnen eröffnet hast, dass du eine Seraphe bist haben sie mehr als Respekt vor dir. Zu deinem Glück hat Michael – auf Vaters Befehl – verhindert, dass euer Religionslehrer über die Engelshierarchien spricht. Sonst wäre deinen Klassenkameraden sehr schnell klar mit wem oder besser was sie es bei dir zu tun haben. Komm doch bitte zur Vernunft Katherine! Wie ich das sehe, wäre es besser, wenn du einfach die Prüfungen schreibst oder lass sie einfach von Scriptoriel erledigen, das ist im Endeffekt das Gleiche und dann fängst du nächstes Semester mit deinem Medizinstudium an.“
Kat funkelte ihren Onkel ärgerlich an. „Deinen Kindern soll Sandalephon möglichst nicht zu früh irgendwas beibringen, du bist verärgert, dass meine Geschwister und Luciano schon lesen können, aber ich soll...“ „Denk doch bitte mal nach!“ unterbrach Belial sie. „Du bist durch Vaters Entscheidung über dein Sein so hoch über den Sterblichen, Kat, genau wie Julien. Du bist eine Seraphe, Julien ist ein Dynameis. Ihr könnt Zeit und Raum manipulieren. Meine Güte, wach bitte auf! Du hast ein Wissen, das weit über dem menschlichem ist! Was willst du dich in der Schule langweilen? Und du brauchst gar nicht bestreiten, dass du dich eigentlich wahnsinnig langweilst...“ Kat errötete. „Das ist ein anderes Thema, Onkel Lucifer!“ Der Höllenfürst schüttelte den Kopf. „Wir reden nachher mal allein darüber. Für diesen Trotz und diesen Starrsinn bist du etwas zu alt, Käthchen. Und jetzt möchte ich, dass ihr zwei in Santiago de Chile als Gesandte der Botschafter erste Ermittlungen anstellt und euch an Schwester Frederica wendet. Stellt euch mit euren normalen Namen vor, deutet höchstens an, dass ihr Engel seid.“
„Ja, Chef.“ meinte Julien grinsend und der Höllenfürst schmunzelte. Der Student war schließlich in der Hölle zur Ausbildung gewesen und neben Kat und Astaroth einer der Erzengel beider Seiten – der drei einzigen die es gab. „Und reist über Paris und nehmt Euangelion mit. Ich will mal mit Vater reden, dass er ihn „hochstuft“. Das hat er für seine treuen Dienste verdient...“ Kat nickte und verschwand ohne weiteren Kommentar. Julien sah, dass der Höllenfürst darüber ein wenig verletzt war. „Sie kriegt sich wieder ein...“ murmelte er und verschwand mit einem freundlichen Abschiedsgruß.
Im Vorzimmer der Botschafter wartete Kat bereits und redete mit Astaroth und Euangelion. Sehr ernst erklärte er dem höllischen Sekretär, dass Belial ihn als Begleitung der beiden jungen Leute haben wollte. Sofort wurde Astaroth zu Astarte. „Ich komme mit.“ sagte sie mit kokettem Lächeln, legte einen Arm um Euangelion und verschwand gemeinsam mit ihrem Kollegen und Kat und Julien.
Vor einem Gebäude tauchten sie auf. „Das ist das Kloster...“ erklärte Astarte. „Recht modern... ich hätte gedacht, dass es... älter ist.“ murmelte Kat. Die attraktive Göttin wandte sich an ihren Kollegen und Julien: „Geht ihr schon mal vor? Kat und ich kommen gleich. Ihr könntet euch schon mal nach dieser Frederica erkundigen und dann sehen wir weiter. Ich will noch kurz mit Kat reden – von Frau zu Frau oder Pate zu Patenkind...“ Überrascht sah der Teenager sie an. Euangelion nickte jedoch und zog Julien mit sich.
„Du weißt, dass du Lucifer verletzt hast?“ fragte Astarte. „Er will, dass ich nicht mehr zur Schule...“ „Moment mal! Hat er das so gesagt oder hat er es erklärt?“ unterbrach Astarte sie streng. „Ja, erklärt irgendwie schon, aber... hat er sich bei dir beschwert?“ fragte Kat trotzig. „Nein! Das würde Lucifer niemals tun und das dürfte dir klar sein! Ich habe es in Juliens Gedanken gelesen. Und du weißt, dass ich Lucifer weniger als meinen Herrn sehe als vielmehr als Freund und du weißt, dass du für ihn wie seine älteste Tochter bist. Da verletzt ihn deine Verärgerung auf seine logischen Argumente natürlich.“
"Du meinst also ich soll mit ihm reden? Mich bei ihm entschuldigen, dass ich so verärgert reagiert habe und ihm keinen Abschiedsgruß oder Küsschen habe zukommen lassen, bevor ich verschwand." antwortete Kat etwas gereizt. Astarte nickte. "Das solltest du, ja. Du weißt wie weh es ihm tut, wenn du ihn so behandelst. Er hat seine Gefühle nicht vor dir verschlossen und du bist mit ihm auf besondere Weise verbunden was es ihm in gewisser Weise schwerer macht. Er möchte einfach nur, dass ihr beide lernt, die Botschaft zu führen. Lucifer ist jetzt sozusagen euer Ausbilder. Wobei Lucifer den Job als höllischer Botschafter im Gegensatz zu Metatron und Hagiel niemals loswerden kann, da er der Höllenfürst ist und er letztendlich zu allem was den höllischen Teil angeht seine Zustimmung geben muss, so wie auch bei bestimmten Fällen, in denen es um schwarze Magie geht die er niemandem lehrt, da sie bei falscher Anwendung sehr gefährlich sein kann. Und das hat er mit unserem Vater so abgesprochen. Er wird dich die schwarze Magie lehren, was bei all dem Wissen noch ein paar Jahre dauern wird. Und du wirst nie auslernen - was die Magie angeht. Aber du brauchst keine Angst zu haben, dass er von der Bildfläche verschwindet, wenn ihr die Botschaft leitet. Was ja auch erst nach deinem Studium ist."
Katherine nickte. "Ja, ich fürchtete Lucifer zieht sich zurück, wenn Julien und ich übernehmen." gab sie ehrlich zu. "Er wird kürzer treten und euch die meiste Arbeit tun lassen. Aber wie schon gesagt - er bleibt auch höllischer Botschafter und wird mit euch arbeiten, wobei er euch mehr Verantwortung überlässt und sich selbst mehr Zeit mit seiner Familie gönnen wird.  Außerdem ist er immer noch der Träger der Kita und die kann und möchte er auch nicht abgeben. Also muss er immer wieder im Boulevard auftauchen." grinste die schöne Göttin. "Zumal Ainé ja bald dort hin gehen wird und du glaubst ja nicht, dass er zulässt, dass dein kleines Geschwisterchen oder seine Neffen und Nichten in die Kita kommen in der er nicht das letzte Wort zu allem hat." "Na dann rede ich heute Abend mit ihm, wir müssen ja eh Bericht erstatten."  Astarte nickte zufrieden.
Zur gleichen Zeit verabschiedete sich Pastor Bente auf Norderney von dem höllischen Botschafter. "Vielen Dank, Dr. Rayne, dass Sie mir helfen, beziehungsweise meiner Freundin und Kollegin. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Auch dir ,Ilse. Wir sehen uns ja am Sonntag in der Kirche zum ersten Adventsgottesdienst. Die ältere Dame nickte und schenkte ihm ein freundliches Lächeln, wie auch Belial es schon getan hatte. Betroffen sah sie ihren selbst auserkorenen Sohn an. Er saß nach wie vor am Küchentisch und trank einen Schluck Kaffee und hielt die Tasse dann fest in beiden Händen und starrte traurig und nachdenklich in die Tasse. Ilse hatte sofort erkannt, dass es ihn sehr verletzt hatte, als Katherine ohne einen Gruß verschwunden war.  
"Soll ich dir aus dem Kaffee noch einen Pharisäer machen?" fragte sie aufmunternd. Er warf ihr kurz einen Blick zu. "An sich gerne. Nur ändert es nichts an der Sache. Kat ist mir böse, weil ich ihr einfach nur die langweilige Schule ersparen wollte, dass sie gleich mit ihrem Studium anfangen könnte - sie ist mir böse und straft mich indem sie mir... ihre töchterliche Liebe entzieht." Ilse seufzte. Sie setzte sich mit ihrer Tasse Kaffee zu ihm an den Tisch und reichte ihm eines der frisch gebackenen Plätzchen. "Wenn ich doch nur wüsste wie ich deine Laune wieder bessern kann." sagte sie traurig. "Ach Ilse. So ist Kat nun mal - sie versteht manche Dinge immer anders als sie gemeint sind und sie ist stur. Und ich scheine ein Talent dafür zu haben immer wieder ins Fettnäpfchen zu treten und das nicht nur bei Kat." sagte er nachdenklich."Ich liebe mein Leben wie es jetzt ist - mit meiner Familie, aber... definitiv war es früher leichter als ich allein war und keine Gefühle dieser Art zuließ. Das einzige Gefühl welches sehr an mir gezehrt hat, war meine Liebe zu Selvi. Es ist wunderbar zu lieben und geliebt zu werden, aber dieses Gefühl - wenn mein Käthchen so reagiert tut innerlich irgendwie echt weh, ebenso bei Selvi - sie ist die schönste und tollste Frau der Welt - nur streiten wir halt leider sehr oft. Ich glaube ich sollte mich mal wieder in mein Arbeitszimmer zurückziehen um den Rest meiner höllischen Unterlagen zu erledigen. Und anschließend werde ich mich um meine Frau kümmern. Es reicht wenn Kat auf mich sauer ist." Er erhob sich und stellte die Kaffeetasse in die Spüle. "Du meinst du suchst Trost bei deiner Frau." sagte Ilse grinsend. Er sah sie mit einem Blick an, den die ältere Dame nicht deuten konnte und verließ die Küche.
In seinem Arbeitszimmer zündete er sich erneut eine Zigarette an und starrte auf das Meer, während er in Gedanken nach Sandalephon rief. Dieser erschien kurz darauf. "Guten Tag, Lucifer. Was gibt es denn?" fragte der Erzengel freundlich. "Das ging ja schnell." murmelte der Höllenfürst. Sein himmlischer Bruder bemerkte sofort, dass er schlechte Laune hatte. "Seit wann rauchst du denn?" "Was geht das dich an? Deshalb habe ich dich nicht gerufen, dass du mich maßregelst oder so." Sandalephon lächelte. "Das will ich gar nicht - das war nur eine Frage. Das Maßregeln überlasse ich Vater, von dem ich dich übrigens grüßen soll und du sollst dich mal wieder sehen lassen." Belial reagierte nicht darauf. "Hast du heute Abend Zeit?" "Sicher - ich kann mir meine Zeit so einteilen. Darf ich auf deine Kinder aufpassen?" fragte der Erzengel sichtlich erfreut. "Das wäre sehr nett, denn ich möchte Selvi gerne heute Abend entführen." Sandalephon lächelte ihn an. "Das mache ich gerne Lucifer. Es ist sehr schön, dass du mal wieder mit Selvaggia ausgehen möchtest. Wann ist denn eigentlich die Taufe von Linnea? Wolltest du sie nicht mit den Drillingen von Hagiel auf Norderney taufen lassen?" erkundigte sich der Engel, der ja Pate der kleinen Linnea werden würde. "Gute Frage, das ist die letzten Wochen irgendwie untergegangen. Wir werden sehen. Keine Sorge ich habe nicht vergessen, dass ich dir diesmal das Patenamt versprochen habe." "Das habe ich auch gar nicht angenommen, ich war nur neugierig, wann sie denn nun getauft wird." Belial nickte. "Danke Sandalephon, komm dann bitte so gegen 19 Uhr in den Palazzo in Venedig." Er nickte seinem höllischen Bruder freundlich zu. "Ich bin pünktlich und ich freu mich auf die Kinder." antwortete er und verschwand.
Nachdem er seinen Höllenkram erledigt hatte, begab er sich mit samt seinen Unterlagen in die Küche, wo Ilse gerade dabei war die Küche nach dem Backen zu säubern. Sie lachte ihn an. "Na mein Sohn, hast du deinen Papierkram endlich geschafft?" fragte sie und warf einen Blick auf die Uhr, welche bereits 16:30 Uhr anzeigte. Belial nickte. "Ich wollte mich nur verabschieden. Ich gehe jetzt in den Boulevard und werde Selvi sagen dass sie sich heute Abend Zeit nimmt. Anschließend werden wir heute in Venedig übernachten. Ich möchte heute einen schönen Abend mit ihr verbringen." "Das ist schön Lucian. Ihr habt es euch verdient." Er schenkte ihr ein Lächeln. "Danke für deine Freundlichkeit mir gegenüber, es tut gut eine mütterliche Freundin zu haben die mich auch mal verwöhnt. Und danke, dass du bei gewissen Dingen Selvi gegenüber schweigst." sagte er leise und umarmte Ilse bevor er verschwand.
Er tauchte in der Küche des Boulevards auf. Ihn traf fast der Schlag als er das weihnachtliche Chaos erblickte. "Lucifer, das ist heute Männerfreie Zone!" sagte Cassandra gespielt böse. "Ich brauche nur einen Moment die Aufmerksamkeit meiner Frau." Er ging auf diese zu, küsste sie leidenschaftlich und bemühte sich nicht die Beherrschung zu verlieren. Selvaggia spürte seine Erregung als er sie küsste. "Heute Abend ab 19 Uhr gehörst du ganz mir. Ich habe eine Überraschung für dich." Die schöne Frau sah ihn etwas überrascht an. "Wo sind die Kinder?" unterbrach er ihre Gedanken. "Die Zwillinge und Luciano sind bei Derek und Rachel. Linnea schläft nebenan." Ich hole dich dann um halb sieben ab, so dass wir die Kinder noch soweit wie möglich bettfertig bekommen." antwortete er und verschwand nach einem weiteren leidenschaftlichen Kuss.
Er tauchte in seinem Arbeitszimmer in der Hölle auf, setzte sich in seinen Chefsessel und legte die fertigen Papiere auf den Schreibtisch. Es klopfte. "Ja!" Paymon trat ein. "Hallo Chef. Alles in Ordung?" fragte der Dämon, der sofort merkte, dass seinem Herrn etwas Sorgen bereitete. "Bestens! Wo ist Samyaza?" fragte er ohne weitere Auskunft über seine Sorgen zu geben. Paymon akzeptierte das und berichtete. "Er hat mich gebeten, dir auszurichten, dass er bei Samantha ist und morgen gerne die Zeit mit deinen Kindern verbringen möchte, zumindest mit den Zwillingen von denen er ja Pate ist, wenn Luciano vielleicht lieber bei der Kleinen von Derek ist. Und die Büroarbeit ist erledigt.  Die Ablage zu deiner Rechten ist für dich zur Durchsicht. Die Berechnungen hat er Euangelion gegeben." Der Höllenfürst nickte. "Danke Paymon." Dieser nickte ihm freundlich zu und verschwand. "Vom fertigen Papierkram in den nächsten." seufzte er genervt. Er griff nach einem Kugelschreiber und überflog die Akten, unter manche setzte er seine Unterschrift. Unter der letzten Akte fand er einen Zettel mit Samyazas Handschrift.
"Was machen wir mit Seraphiel oder Seraphielle? Je nachdem wie du ihn nennen willst?"
"Gute Frage. Den habe ich ganz vergessen. Wir reden morgen, wenn du vorbei kommst."
Schrieb er in seiner perfekten Handschrift darunter, ließ den Kugelschreiber fallen und verschwand um kurz nach halb Sieben in der Küche des Boulevards wieder auf zutauchen. Der Tisch war bereits gedeckt. "Treffen wir uns nach dem Essen in deinem Arbeitszimmer um zu besprechen, was wir in Erfahrung gebracht haben, Onkel Lucifer?" fragte Katherine ihren Lieblingsonkel. "Nein - morgen ...  morgen ist Freitag?" Julien nickte. "Dann nach der Schule und Uni in meinem Arbeitszimmer und du kannst danach gleich zum Magie-Unterricht bleiben!" Die junge Frau nickte traurig, da sie jetzt merkte, wie sehr er verletzt war und er sie jetzt sehr abweisend behandelte. Jedoch strafte er sie nicht wie sie ihn, indem er ohne Gruß verschwand. "Dann einen schönen Abend euch beiden, bis morgen. Wir sind jetzt weg und möchten nicht gestört werden, bis wir morgen früh von selbst auftauchen." sagte er und verschwand mit seiner Frau und den Kindern.
Selvaggia brachte die Zwillinge und Linnea zu Bett, während Lucifer mit Luciano im Bad war. "Ich will aber nicht Zähne putzen! Du kannst doch einfach zaubern. Oder ich." sagte der kleine Junge. "Nein! Es wird richtig geputzt!" "Nur weil Mama keine Zauberei mag." fauchte der er seinen Vater an und warf die Zahnbürste trotzig in die Ecke. "Aufheben - sofort! Sonst wende ich Zauberei an - aber ganz anders als du denkst!" drohte er seinem Sohn wütend. "Und jetzt putzen!" befahl er seinem Sohn, der plötzlich wieder seine Zahnbürste in der Hand hielt. Missmutig putzte der kleine Junge, während sein Vater zusah. "Warum bist du so böse auf Kat, Papa?" fragte er als er seine Zahnbürste aufräumte. "Böse? Na ja, das vielleicht nicht gerade. Sie hat mich verletzt." Er griff an die Stelle wo sich das Herz befindet. "Hier, verstehst du das?" Luciano nickte. "Ja Papa. Ich hab dich lieb und Kat hat dich auch lieb, auch wenn sie manchmal gemein zu dir ist." versuchte der kleine Junge seinen Papa zu trösten. Belial musste lachen. "Danke Luciano, und jetzt ab in dein Zimmer. Sandalephon wird gleich kommen und..." "Er ist schon hier!" wurde er von dem Erzengel unterbrochen. "Ich bin noch nicht müde, darf ich noch mit Onkel Sandalephon spielen? Bitte Papa!" Belial blickte kurz zu dem Erzengel. "Eine Stunde noch, aber dann wird geschlafen. Morgen geht es wieder in den Kindergarten." Er wandte sich an seinen Bruder. "Spielen - nicht irgendetwas lernen, bitte! Die Kleinen schlafen schon. Viel Spaß euch beiden!" sagte er und verschwand.
"Du siehst wunderschön aus!" sagte er als Selvaggia in einem schicken Kleid die Treppe herunter kam. "Ich hoffe ich bin nicht zu schick in meinem Abendkleid." Er verneinte dies mit einem Kopfschütteln. "Das ist genau richtig." Er hielt ihr seinen Arm hin und führte sie nach draußen, wo schon eine Gondel wartete. "Oh Lucifer! Das ist ja romantisch." Selvaggia strahlte vor Freude. Er stieg in die Gondel und reichte ihr die Hand. Nach einer romantischen Fahrt durch Venedig hielt die Gondel vor einem Nobelrestaurant. Als er ihr half, nachdem er selbst ausgestiegen war, umarmte sie ihren Mann. "Oh Lucifer - das ist mein Lieblingsitaliener und..." Er küsste sie. "Ich weiß. Und jetzt genieße den Abend. Ich habe nach dem Dinner noch eine Überraschung für dich."
"Guten Abend Signore Rayne, Signora Rayne. "Hallo Luigi, ich habe einen romantischen Tisch reserviert." "Ja, sicher. Folgen Sie mir bitte." Sie wurden an einen ruhigen Tisch in der Ecke geführt.
Selvaggia genoß das Abendessen mit ihrem Mann. Sie umarmte ihm abermals, als sie nach einem Spaziergang durch die romantische Stadt vor dem Theater anhielten und er sie hineinführte. Dort lief gerade eine Oper von der seine Frau in letzter Zeit immer wieder meinte, dass sie diese gerne sehen möchte. Während Selvaggia der Oper aufmerksam lauschte und diese in vollen Zügen genoss, konnte Lucifer sich nicht darauf einlassen. Er konnte einfach nicht aufhören an Kat zu denken. Es schmerzte ihn wie sie ihn heute behandelt hatte. Selvaggia bemerkte es vor lauter Begeisterung an diesem schönen Abend gar nicht.
"Danke Lucian, das war ein sehr schöner Abend." sagte sie zu ihrem Mann und gab ihm einen zärtlichen Kuss. Sie sagte Lucian, da die Leute, außer ein paar Vertraute, nicht wussten wer die beiden wirklich waren. Anschließend verbrachten sie die Nacht in dem Haus in Kanada um ungestört zu sein. Da sie die Kinder in guten Händen wussten, konnten sie ihre Liebesnacht so richtig genießen, da sein Vater ihm versichert hatte, dass Selvaggia die nächste Zeit nicht wieder schwanger werden würde.
Hand in Hand erschienen die beiden am nächsten Tag in der Küche des Boulevards. Mathilde stellte ihm einen Kaffee hin, ihrer Freundin einen Tee und für den kleinen Luciano gab es eine Tasse heiße Schokolade. "Wenn ihr wollt nehme ich Luciano mit in den Kindergarten, dann könnt ihr wieder nach Venedig zu dem Rest der Familie." bot Rachel an. Die beiden nahmen dankbar an und verschwanden anschließend wieder nach Venedig, wo sie Sandalephon von ihrem Babysitterjob erlösten und verbrachten anschließend den Vormittag mit den Kindern in Venedig. Als Selvaggia ihren Mann irgendwann fragte woran er denke, da er plötzlich so nachdenklich aussah, sagte er nur: " Lass dich überraschen, wenn es soweit ist. Ich habe ja erst mal nur überlegt." antwortete er geheimnisvoll.
Selvaggia ging nach dem Mittagessen in Paris gemeinsam mit ihren Kinder mit Rachel und Derek nach Angel Island. Die beiden Freundinnen genossen ihren gemeinsamen Nachmittag, während die drei älteren Kinder zusammen spielten.
Julien und Kat folgten dem höllischen Botschafter in sein Arbeitszimmer. Er wies sie an in der Sitzecke Platz zu nehmen. Die beiden setzten sich auf das bequeme Sofa und Belial nahm in dem Sessel ihnen gegenüber Platz. "Na dann lasst mal hören, was ihr herausgefunden habt!" sagte er ruhig, aber immer noch etwas kühl, wie die beiden fanden.
Kat räusperte sich: „Onkel Lucifer, ich möchte mich ent...“ „Das ist nicht das Thema, Katherine!“ unterbrach der Höllenfürst sie ruhig, aber doch kühl. „Aber Onkel...“ begann die junge Frau erneut, doch ein: „Was habt ihr rausgefunden?“ ließ sie schweigen. Sie stand auf. „Ich denke, Julien kann dir das auch allein berichten. Am besten rufst du noch Onkel Astaroth hinzu und Euangelion, denn die beiden waren ja mit, ich gehe jetzt besser und...“ „Setz dich! Ich habe dir gesagt, dass du danach noch Magie-Unterricht hast und wenn dieser vorbei ist, können wir reden, Katherine!“ sagte der Höllenfürst streng. Mit einem Kopfschütteln drehte sie sich um und wollte den Raum verlassen. In Gedanken hörte sie ihren Onkel: „Wenn du jetzt gehst, kannst du dich auf eine Strafe gefasst machen, Katherine! Ich habe dir und Julien als einer eurer Vorgesetzten einen Auftrag erteilt und dazu gehört auch dieser Bericht von euch beiden!“ Kat fuhr herum. „Drohst du mir?!“ fragte sie ärgerlich. Der Höllenfürst lächelte spöttisch. „Das ist keine Drohung, Katherine, sondern Fakt. Wenn du gehst, wirst du die Konsequenzen spüren!“ Der Teenager spürte, wie ihr kalt wurde... eiskalt... „Setz dich!“ hallte ein Befehl durch ihre Gedanken. Zitternd gehorchte sie und merkte, dass das Sofa zu zwei Sesseln geworden war und ihrer plötzlich so weit von Juliens entfernt war, dass dieser nicht mehr nach ihrer Hand greifen konnte um ihr Mut zu machen.
„Schwester Frederica war zuerst etwas skeptisch. Als allerdings Euangelion und Astarte sich als Sekretäre der Botschafter vorgestellt haben und wir uns als Gesandte taute sie etwas auf. Wobei sie bei „Frau Roth“ – so hat Asta sich vorgestellt – etwas misstrauisch wurde und sie für deine Sekretärin und „Buhle“ hielt, wie sie sich ausdrückte. Astarte hat ihr etwas indigniert versichert, dass sie Metatrons Sekretärin sei und außerdem mit dem Legatsleiter von Dublin glücklich liiert mit zwei Kindern lebe. Sie wollte kaum glauben, dass der liebe, nette Euangelion dein Sekretär ist.“ begann Julien. „Danke – und was höre ich von dir dazu, Katherine?“ fragte der Höllenfürst die inzwischen vor Kälte zitternde Kat. „Ni... nichts a...a....anderes....“ antwortete sie zitternd. „Ich möchte von dir hören, was die Schwester gesagt hat!“ Kat zuckte zusammen. „De...der D...Drogenbaron heißt Ernesto da Silva... u....u...und e....e...er....“ „Reiß dich zusammen! Du bist eine Seraphim!“ herrschte der Höllenfürst sie an.“
Kat sah ihn traurig an. „D...der be- beeinflusst damit seine D...D...Drogengeschäfte... u...und ve...vergiftet damit Leute. S...Sagt die Schwester.“ Ein kühler Blick und ein kurzes Nicken, dann wandte sich Belial wieder Julien zu. „Wie hat sie das ausgedrückt?“ „Bitte, Kat ist kalt und...“ „Das hat dich gerade nicht zu kümmern, Julien! Ich möchte es von dir detaillierter hören.“ Der junge Mann warf seiner Freundin einen mitfühlenden Blick zu. „Sie sagte: Er macht mit etwas was er aus der Schale gewinnt seine Drogen stärker, wirksamer und schneller zur Sucht führend. Und er gewänne ein Gift, dem er offenbar „zuflüstern“ könne, wen er beseitigt wissen wolle. Er habe einem Politiker gedroht und zwei Tage später sei der an einer nicht identifizierbaren Krankheit gestorben. Ein Priester, der Drogenverkäufer daran hindern wollte diesen Dreck an Minderjährige zu verkaufen blutete plötzlich aus den Wundmalen Christi, sprich an Händen und Füßen und eben auch an der Seite und an der Stirn und ist letztendlich verblutet, da die Blutungen nicht zu stoppen waren. Und sie hat die Schale gesehen, weil er sie einem Bekannten von ihr gezeigt hat und der Mann hat ein Foto mit dem Mobiltelefon aufgenommen und ihr gezeigt, weil wohl eine lateinische Inschrift drauf war und sie hat das versucht zu übersetzen... es stand irgendwas von wegen: Eigentum der so und so vielten Legion drauf. Sie hat nachgeforscht und rausgekriegt, dass diese Legion zur entsprechenden Zeit in Jerusalem stationiert war.“ Belial nickte. „Danke, Julien. Hat einer von euch Ideen wie man da etwas ändern kann?“
„Biete ihm einen Deal.“ flüsterte Kat. Der Blick des Höllenfürsten wurde etwas sanfter. Er blinzelte kurz, kaum wahrnehmbar und sofort spürte Kat, wie eine sanfte, warme Brise um sie herum strich und sie wärmte. „Interessante Idee... was meinst du, würde ihn interessieren?“ „Macht, Einfluss... Frauen... die meisten Männer sind eher einfach gestrickt... Vielleicht so ein Deal wie in James Krüss’ „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ – im übertragenen Sinn.“ Belial nickte nachdenklich. „Ein interessanter Ansatz... macht euch darüber Gedanken und dann reden wir morgen nochmal. Ich würde dann dich mit Astaroth schicken – oder dich allein, Julien... Katherine würde Gelüste in ihm wecken... Denkt nach, was man von meiner Seite aus bieten könnte... denn von himmlischer Seite kann man einem Drogenbaron wohl wenig bieten... und dann wirst du ihm das Angebot unterbreiten.“ Julien nickte.
„Dann geh jetzt bitte, Julien. Katherine hat noch Unterricht.“ Mit einem zärtlichen Blick zu Kat verließ Julien den Raum. „So, du wolltest mir etwas sagen, Katherine?“ fragte der Höllenfürst kühl. „Ich wollte mich entschuldigen – dafür, dass ich im Zorn gegangen bin und mich nicht verabschiedet habe, Onkel Lucifer. Ich wollte dich nicht verletzen ich war gedankenlos. Bitte verzeih.“
Der Höllenfürst schloss kurz die Augen und wandte den Blick von ihr ab. "Ach Kat. Du solltest eigentlich wissen, dass man mich nicht ungestraft so behandelt - auch du nicht. Und du weißt auch wie sehr mich das verletzt. Ich wollte dich eigentlich auch nicht verärgern, es war nur ein gut gemeinter Vorschlag." Kat nickte. "Aber ich möchte wenigsten ein paar Dinge des Lebens noch normal verbringen, Onkel Lucifer. Sicher ist die Schule gerade etwas langweilig, aber es ist mein letztes Jahr und ich möchte gerne im Sommer meinen Abschluß richtig machen. Mit Zeugnisübergabe und der Entlassungsfeier. Ich möchte auch richtig studieren gehen, okay bei dem Medizinstudium kann man ja dann darüber reden mal ein oder zwei Semester zu überspringen, das dauert ja eh ein paar Jahre. Aber ich gerne den Teil meines Lebens, den ich selbst kontrollieren kann, auch nach meinen Vorstellungen ausleben. Kannst du mich nicht ein bisschen verstehen, Onkel Lucifer?" Er nickte. "Also gut. Mach die Schule regulär zu Ende. Auch dein Studium mach es wie du möchtest, dir sollte aber klar sein, dass ich euch die nächsten Jahre immer öfter in die Fälle der Botschaft mit einbeziehen werde. Ihr führt diesen Fall zu Ende. Nennen es wir eine Art Test, in wie weit ihr selbstständig klar kommt. Ihr erstattet mir Bericht, ich stehe euch zur Seite wenn ihr Hilfe oder einen Rat braucht, oder helfe, wenn es um höllische Angelegenheit geht, aber im großen und ganzen ist das euer Fall. In die nächsten Fällen werdet ihr dann mehr mit einbezogen und hin und wieder bekommt ihr selbst einen, wo ich euch lediglich zur Seite stehe, wenn es Probleme gibt, oder meine Dienste als Höllenfürst gefragt sind, so wie jetzt. Wenn du das mit der Schule und dann der Uni unter einen Hut bringst, dann führe das meinetwegen auf regulärem Weg zu Ende. Ich wollte dir nur ein langweiliges letztes Jahr ersparen. Und wage es nicht mich noch einmal so zu behandeln. Geschweige denn... einfach wortlos gehen zu wollen, wenn ich mit dir rede!"
Katherine nickte und starrte zu Boden. Belial lächelte. "Komm her Käthchen!" flüsterte er liebevoll. Da wusste sie, dass er ihr nicht mehr böse war, wenn vielleicht auch noch immer ein wenig verletzt, aber zumindest nicht mehr böse. Sie stand auf, setzte sich auf seinen Schoß und umarmte ihn. Er erwiderte ihre Umarmung und drückte sie ganz fest, aber dennoch liebevoll, drückte ihr einen Kuss auf die Wange und sagte: "Na komm lass uns arbeiten, eigentlich hätten wir schon vor einer halben Stunde mit dem Unterricht beginnen sollen." Er erhob sich, mit der jungen Frau auf dem Arm und stellte sie sanft vor sich ab drehte sich um, lief zu seinem Schreibtisch und setzte sich in seinen Chefsessel. Kat folgte ihm und setzte sich wie immer bei ihrem Unterricht in den Stuhl gegenüber. "Ach wo hab ich nur meine Gedanken. Das Grimoire. Holst du es bitte, Käthchen." Sie saß einen Moment still da. Sie freute sich so sehr, dass er wieder Käthchen zu ihr sagte, denn das  zeigte ihr, dass er ihr verziehen hatte, auch wenn sie wusste dass er immer noch etwas verletzt war. Kat wollte aufstehen um das Buch zu holen. Sie wurde jedoch von ihrem Lehrer für Magie zurückgehalten. Er schüttelte nur den Kopf. Sie verstand sofort, holte das Buch mit Magie und schlug die letzte Seite auf, an der sie in der letzten Stunde gearbeitet hatte. Der Höllenfürst hatte ihr den Auftrag gegeben selbst einen Zauberspruch zu verfassen. Da sie nicht fertig geworden war, sollte sie ihn jetzt beenden. "Onkel Lucifer..." Er sah von seinem Papierkram auf. "Du sollst arbeiten... jetzt hast du Unterricht in Magie, du beendest jetzt deinen Zauberspruch und wenn ich sage der Unterricht ist beendet, dann widmen  wir uns wieder dem Vergnügen, außer du hast eine Frage zur Magie...,  Käthchen." Sie schüttelte den Kopf. "Dann wieder an die Arbeit Katherine Corrigan Rayne." befahl er streng. Sie befolgte seine Anweisung und widmete sich wieder ihrer Arbeit. Lucifer war ein strenger, aber auch guter Lehrer, wie Kat fand.
Das wusste sie schon seit der Unterricht in Magie bei ihm begonnen hatte. Jetzt musste sie feststellen, dass er als ihr Chef auch sympathisch war - seit jeher, schon als sie ihm das erste Mal begegnet war, auch wenn es damals auch zu Missverständnissen gekommen war. "Ich... glaube ich bin fertig." sagte sie nach etwa einer halben Stunde. Er sah sie an und musste lächeln. "Du glaubst?" "Ich bin fertig. Es ist nur... ich bin mir nicht sicher, ich weiß nicht ob der Spruch so funktioniert..." gestand sie. Kat wusste, dass ihr Lieblingsonkel in manchen Dingen ein Perfektionist war. Magie gehörte dazu. Er gestand sich da selbst keine Fehler ein und sollte ihm doch einer unterlaufen, konnte es sein, dass er mit Wut reagierte. Das war - wie jeder wusste-  eine negative Eigenschaft von ihm, schnell ungehalten und aufbrausend zu werden.
"Na dann lass mal sehen. Und ich erwarte gar nicht, dass du jetzt schon perfekt bist. Du lernst ja erst." sagte er ruhig und zu Kat`s Freude wieder mit der gewohnten Wärme in der Stimme. Im nächsten Moment saß er auf dem Stuhl dicht neben ihr und las was sie geschrieben hatte. Kat sah zu, wie er ihren verfassten Zauberspruch verbesserte. Sie lehnte sich plötzlich an ihn, während er den Spruch ein wenig umänderte. Ihr war nach etwas Nähe nach dem Streit. Er ließ es zu und erwiderte es kurz durch eine kleine Umarmung seinerseits und schrieb dann weiter. Anschließend besprachen sie seine Verbesserungen. Belial erklärte ihr warum er die Veränderungen vorgenommen hatte. Kat nickte und verstand seine Argumente. Er legte ein leeres Blatt auf die Seite wo der fertige Spruch stand und machte eine kurze Handbewegung. Der Text befand sich nun auf dem Blatt. "Nächste Lektion: "Den veränderten Spruch ohne meine Kritzeleien in das Buch zu bringen."  Kat sah ihn erst etwas hilflos an. Sie wusste, dass er erwartete, dass sie es versuchte, ohne dass er ihr den passenden Spruch vorsagte. Er widmete sich wieder seinem Papierkram. "Ich habe es geschafft." sagte Kat nach ca. 15 Minuten und reichte ihm das Grimoire. Er nickte zufrieden. "Es ist aber hässlich!" Er musste lachen. "Warum ist es hässlich?" fragte er belustigt. "Weil meine Schrift hässlich ist - im Gegensatz zu deiner schönen Schrift."
"Danke Käthchen, aber ich finde deine Schrift auch ganz schön." Das Mädchen lächelte. "Wann machen wir eigentlich mal wieder praktischen Unterricht und wir könnten mal wieder... etwas trainieren, wenn du Lust hast. Michael sagt, ich solle auch mal mit anderen starken Engel trainieren und du bist da doch perfekt. Ich könnte dich zwar nie besiegen in einem Kampf aber wenn... ich weiß gerade nicht wie ich mich richtig ausdrücken soll." "Ich weiß was du meinst. Können wir gerne mal wieder machen. Vielleicht können wir es morgen in den Tag einbauen, wenn es der Fall zulässt. Julien kann ja mitkommen, wenn er möchte ein wenig Kampfkunst schadet ihm auch nicht. Und jetzt geh zu ihm verbringe eine schönen Abend mit deinem Freund und macht euch bitte Gedanken wegen deines Vorschlags, damit wir das morgen nach dem Frühstück besprechen können. Wir sehen uns ja noch beim Abendessen." Kat lächelte. "Heute Abend nicht. Bis morgen dann, Onkelchen." Der Höllenfürst stutzte einen Moment. "Geht ihr beide heute aus zum Essen?" fragte er seine Patentochter, die gerade den Raum verlassen wollte. Sie drehte sich wieder um. "Ihr seid doch bei Ilse auf Norderney. Das sagte jedenfalls Selvi vorher. Ilse hat euch wohl zum Essen eingeladen und zu einem gemütlichen Abend mit Sohn und Schwiegertochter und Enkelkinder solange die Kleinen wach sind." antwortete sie. "Das ist ja nett, davon weiß ich gar nichts." Kat schluckte. "Ich dachte du wüsstest das." antwortete sie etwas verlegen. "Ich wünsche dir dennoch einen schönen Abend." grüßte sie freundlich und verließ dem Raum. Er rief nach Euangelion, der sofort eintrat. "Was gibt es Chef?" fragte der Engel. Belial reichte ihm die beiden letzten unterschriebenen Berichten der beiden letzten Fälle. "Danke für deine Hilfe bei den Berechnungen für die Hölle. Was das angeht bin ich nicht wirklich zu gebrauchen. Berechnungen sind eine meiner Schwächen." Euangelion lächelte keck.
"Das muss ich mir notieren - Lucifer gesteht sich Schwächen ein."  Belial grinste. "Pass bloß auf, dass ich mir nichts notiere!" Euangelion lachte, da er erkannte, dass Lucifer sein Kommentar auch als Spaß auffasste. "Ich bring die fertigen Unterlagen schnell in die Hölle, sag Selvi bitte, dass ich sie in zehn Minuten hier sehen möchte."  sagte er und verschwand.
Selvaggia erschrak im ersten Moment als er plötzlich in seinem Arbeitszimmer auftauchte. "Wann hattest du vor mir etwas von deinen Plänen mit Ilse zu erzählen?" fragte er leicht ärgerlich, wie seine Frau feststellte. Selvaggia sah ihn etwas erschrocken an. "Ich dachte ich hätte es dir bereits gesagt. Woher weißt du es dann?" Er schüttelte den Kopf. "Das tut nichts zur Sache, ich weiß es eben." antwortete er mit einem Tonfall den selbst Selvaggia nicht zuordnen konnte. "Aber du bist doch dabei? Ilse hat schon gekocht und... "Sicher, ich kann doch Ilse nicht enttäuschen. Wann sollen wir da sein?" Sie schluckte unmerklich. "In einer Stunde... so dass wir noch... wir würden dann dort übernachten und Ilse hat den Wunsch geäußert noch etwas Zeit mit den Kindern zu haben, deshalb schon in einer Stunde." gestand die schöne Hexe .
Kat und Julien saßen mit Rachel und Derek vor dem Fernseher. „Was interessiert Männer wirklich, Dad? Dieser Kriminelle... ich bin auf die Idee gekommen, dass man ihn mit einem Pakt ködern könnte...“ Derek sah sie verständnislos an. „Welcher Kriminelle?“ Kat seufzte. „Ich dachte, Onkel Merlin hätte dich unterrichtet. Ich weiß, dass Onkel Lucifer ihn informiert hat – über diesen Pfad der Seraphim – und da können sie dich ja an sich auch einschalten...“ Julien lächelte. „Kat, wir sollen diesmal handeln... Lucifer will sehen wie weit wir allein kommen.“ Er wandte sich Derek zu und erläuterte kurz was der Grund für Kats Frage war.
Derek überlegte. „Also an sich wäre es ganz gut, wenn ihr etwas mehr über diesen Señor Da Silva herausfindet. Wo ist er aufgewachsen? In den Favelas? Dann wird ihm Reichtum und Macht viel bedeuten. Wenn er in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden ist, dann mehr Einfluss, mehr Macht als seine Familie ohnehin schon hatte... vielleicht Frauen oder ein sehr langes Leben. Ich bin da glaube ich nicht wirklich als Beispiel zu nehmen, Kat. Du weißt, dass mir Familie sehr viel bedeutet, ihr alle. Auch meine Patenkinder bedeuten mir viel. Aber ich muss mir keine Sorgen um Dinge wie mein Leben oder Geld machen. Dafür hat Luci... Lucifer gesorgt und sollte ich nicht in der Lage sein finanziell für euch zu sorgen würde er einspringen. Aber das wird dank der Hilfe des himmlischen Vaters nicht nötig sein. Aber dadurch bin ich auch nicht mehr an das gebunden was für andere Menschen gilt. Durch die Frucht vom Baum des Lebens sind deine Mutter, deine Geschwister und ich nicht mehr sterblich. Du bist eine Seraphim. Ich habe alles Glück – ich könnte mir nicht mehr erhoffen.“
„Was hättest du dir gewünscht, Dad? Ich meine... wenn du Onkel Lucifer nie begegnet wärst?“ fragte der Teenager. „Kat, das wird immer etwas anderes sein. Ich hätte gehofft nicht von der Finsternis – ja, von Lucifer – verführt zu werden zum Bösen. Inzwischen würde ich ihm wahrscheinlich in die Hölle folgen, denn er ist für mich wie ein Bruder geworden.“ Er lachte leise. „Und das passiert mir, der ich das Böse mein Lebtag lang bekämpft habe...“ Kat grinste ihren Stiefvater an.
Julien konzentrierte sich. „Der gibt gerade eine Party – und wir könnten hin... wir sind beide Engel und dadurch beide... überirdisch attraktiv... er würde uns nicht die Tür weisen.“ sagte er dann grinsend. „Julien, das ist zu gefährlich!“ mahnte Derek. Der junge Mann sah ihn an. „Also bitte, wir sind beide Engel und...“ „Ich sage nein!“ unterbrach Derek ihn. „Ich glaube auch nicht, dass Lucifer damit einverstanden wäre!“ Kat konzentrierte sich auf Metatron, der auch sofort für sie erreichbar war. „Wie kann ich dir helfen?“ fragte ihr erster himmlischer Pate, der gleichzeitig auch himmlischer Botschafter war. Sie schilderte ihm kurz das Problem. „Ich werde Camael und einige Exusiai unsichtbar mitschicken als Leibwache. Ich denke, dann dürftet ihr sicher sein.“ Kat wusste, dass ihr Vater die Antwort von Metatron mitbekommen hatte, da er sich einmischte: „Was sagt Lucifer dazu?“ Der himmlische Botschafter lachte leise. „Derek, Kat und Julien werden absolut sicher sein. Abgesehen davon, dass sie selbst Engel sind, bekommen sie noch Begleitung!“
„Ich halte das trotzdem für eine schlechte Idee!“ murmelte der besorgte Vater. „Vertraue den Fähigkeiten deiner Tochter und deines zukünftigen Schwiegersohnes, Derek! Und meinem Willen die beiden beschützt zu wissen!“ hörte Kat ihren Paten. „Ganz zu schweigen von meinem Willen, meine große Patentochter in Sicherheit zu wissen!“ mischte sich Michael plötzlich ein. „Also was kann passieren? Kat und Julien können uns jederzeit erreichen, Camael würde uns beide kontaktieren, wenn die zwei in Gefahr wären.“ „Mir gefällt es trotzdem nicht!“
Kat und Julien standen im nächsten Moment in hocheleganter Abendgarderobe da. Kat in einem hautengen silbernen Kleid, hoch geschlitzt, Julien im Smoking. „Allons nous, mon chaton feroce.“ flüsterte der Student lächelnd und die beiden verschwanden.
Vor dem Anwesen da Silvas manipulierte Julien die Erinnerung eines Gastes, der sich sofort umdrehte und über das ganze Gesicht strahlend rief: „Julien, Katherine! Buenos Tardes! Wie schön, dass ihr es geschafft habt!“ Er umarmte sie beide herzlich. „Buenos Tardes, Hortensio. Ja, wobei Senor da Silva sicher nicht möchte, dass seine Gäste alle noch Freunde mitbringen.“ „Ah, Unsinn! Ernesto freut sich sicher!“ Kat sah sich um und entdeckte Camael und zwei weitere Exusiai, die nur für sie und Julien sichtbar waren. Der Mann redete kurz mit einer der Wachen und dieser sprach in sein Funkgerät. „Senor da Silva freut sich, Ihre Freunde kennen zu lernen, Senor Batavo.“ „Na kommt, dann stelle ich euch Ernesto vor!“ rief der Eingeladene und Kat und Julien folgten ihm.
Eine Stunde später tauche die Familie Rayne in ihrem Haus auf Norderney auf. Luciano umarmte die ältere Dame. "Oma Ilse!" rief er freudig. Auch Selvaggia schenkte ihr eine freundschaftliche Umarmung und brachte anschließend die schlafenden Zwillinge nach oben in ihr Zimmer. Luciano naschte ein Plätzchen, von der Schale die auf dem Tisch stand. Ilse umarmte auch den Höllenfürst, der noch mit Linnea auf dem Arm im Türrahmen der Küche stand. "Was ist los, Lucian?" fragte sie freundlich und mitfühlend. "Wie kommst du darauf, dass etwas ist?" Sie zuckte mit den Schultern. "Nenn es mütterlichen Instinkt, wenn du willst." Ilse war ja eigentlich immer noch dabei die Familie Rayne kennenzulernen. Sie stellte gerade zum zweiten Mal fest, dass sie momentan keinerlei Emotionen erkennen konnte. Normalerweise war sie recht gut darin und konnte an Blicken oder Gesten erkennen, was in anderen Personen vor sich ging. "Sagen wir mal - ich mag es nicht, wenn man mich erst im letzten Moment informiert. Oder mich vor vollendete Tatsachen stellt." sagte er zwar ruhig, aber man könnte an der Art wie er es sagte hören, dass er gereizt war.
"Gib mir die Kleine, mal." sagte Ilse schnell und griff nach der jüngsten Tochter der Raynes. Selvaggia trat in das Esszimmer. "Die Zwillinge schlafen wohl noch eine Stunde. Dann haben sie vermutlich Hunger, vermute ich." Ilse und Lucifer nickten. "Setzen wir uns doch ich habe schon Tee für uns gekocht und für Lucian einen frischen Pharisäer. Trinkt Luciano lieber Tee oder eine heiße Schokolade?" "Das zweitere." antwortete Selvaggia. Ilse machte schnell eine Tasse des süßen Getränks für den kleinen Mann. Sie tranken ihre Getränke, aßen die ersten Plätzchen und plauderten ein wenig. "Papa, gehst du mit mir an den Strand zum Muscheln sammeln? Ich habe Luciana versprochen, dass ich ihr noch ein Armband mache aus Muscheln." Sein Vater warf einen Blick aus dem Fenster und nickte. "Na dann zieh dich schon mal an, ich trinke nur schnell aus und komme dann auch.
Als er sich selbst warm angezogen hatte und seinem Sohn geholfen hatte, traten die beiden hinaus in die Kälte. Lucian atmete tief ein um die angenehme Luft zu schmecken. Sein Sohn machte es ihm nach und Belial lächelte stolz. Dann rannte der kleine Junge über den Strand.
Währenddessen beschäftigten sich Ilse und Selvaggia mit der kleinen Linnea und unterhielten sich nebenbei. "Warum bist du eigentlich so dagegen, dass Lucian Alkohol trinkt? Ich meine er ist doch ein sehr mächtiger Engel und kann nicht an einer Alkoholvergiftung sterben, oder sonst irgendwie krank werden. Und er hat sich eigentlich immer unter Kontrolle. " wollte die ältere Dame wissen. Selvaggia seufzte. "Ach ich weiß auch nicht, ihr habt ja recht - ich bin halt manchmal etwas empfindlich." Ilse lächelte. "Dann laß ihn doch einfach. Wobei es echt schwer ist Lucian richtig betrunken zu machen. Er verträgt mehr wie andere." Selvaggia sah die Frau fragend an. "Hast du vor Lucifer betrunken zu machen." Ilse grinste. "Na ja, ich hatte es beabsichtigt und auch schon mal versucht, aber das ist schwerer als ich dachte. Ich hoffe, dass er im Rausch dann auch mal richtig lacht. Ich möchte ihn mal richtig entspannt und locker erleben." Selvaggia grinste. "Viel Glück! Ich habe ihn bisher einmal herzhaft lachen hören. Das war bei einem Gespräch mit Maria, die hat ihn mit ihrer Art dermaßen zum Lachen gebracht, wie noch keiner zuvor und auch seitdem nicht mehr." Als Linnea auch eingeschlafen war räumten sie den Kaffeetisch auf. Die beiden Frauen warfen einen Blick auf den Strand wo Lucian mit seinem Sohn gerade einen Drachen steigen ließ. "In solchen Momenten ist er entspannt - wenn er Zeit mit seinen Kindern oder seinen Patenkindern verbringt. Und auch die Kinder mögen ihn sehr. Es gibt kein Kind, das sich nicht von ihm angezogen fühlt. Auch Christian, der Sohn von Philip und Astarte. Wenn der kleine Mann mal da ist, will er ständig etwas mit seinem Onkel Lucian machen. Allerdings gibt es ja leider immer noch Spannungen zwischen ihm und Philip Callaghan."
Ilse nickte, ohne etwas zu sagen. "Ich hoffe ihr esst Fisch, ich habe eine Lachs-Quiche gemacht." "Lucifer isst Fisch, auch wenn er nicht gerade zu seinen Lieblingsessen gehört und es sich nicht um rohen Fisch handelt. Für Luciano... hast du Fischstäbchen da, und Kartoffeln?" Ilse nickte.
Nach fast zwei Stunden kamen Lucian und sein Sohn wieder rein. Während es Luciano nicht kalt zu sein schien wirkt sein Vater richtig durchgefroren. Ilse warf seiner Frau einen fragenden Blick zu, diese nickte und grinste. Kurz darauf hatte er einen megastarken Pharisäer in der Hand. Er verschluckte sich und musste husten, als er den ersten Schluck trank. "Ilse! Was hast du vor? Deine Pharisäer werden auch von mal zu mal stärker." Ilse lachte. "Ich denke, ich habe genau das vor was du denkst und irgendwann gelingt es mir und wenn ich dir Rum mit einem Schuß Kaffee machen muss." "Na da bin ich aber gespannt - viel Glück." sagte Selvaggia. Jetzt lachte auch er, zog die alte Dame an sich, legte ihr einen Arm um die Hüfte und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. "Ich mag deine ehrliche, direkte Art. Ich bin so froh dich kennengelernt zu haben." Sie erwiderte seine Umarmung. "Ich auch, Lucian. Du bedeutest mir mehr als mein leiblicher Sohn und gibst mir das Gefühl gemocht zu werden, ihr alle beide, sowie eure Kinder. Selvi trat näher heran und umarmte sie ebenfalls.
Kurz darauf saßen sie am Esstisch und Ilse servierte ihre Lachs-Quiche. Luciano sah seine Eltern fragend an. Und freute sich, als seine neu gewonnene Oma die Fischstäbchen und die Bratkartoffeln auf den Tisch stellte. "Schmeckt es euch?" fragte sie ihre Wahlfamilie. Luciano nickte heftig, während er weiter aß. "Sehr lecker, deine Lachs-Quiche." antwortete Selvaggia. "Und schmeckt es dir auch, Lucian?" wollte Ilse wissen. "Sonst würde ich es nicht essen." antwortete dieser trocken. "Lucifer!" entfuhr es seiner Frau überrascht über dessen Antwort. Ilse jedoch lachte. Sie fand diese Art von Antworten lustig, und sie mochte zum Teil seine arrogante, etwas überhebliche Seite.
Nach dem Essen bekamen die Zwillinge noch einen selbstgekochten Gemüsebrei. Selvaggia stillte ihre jüngste Tochter, während Belial Luca fütterte und Ilse dessen Schwester Sophia Aurora. Anschließend wurden die drei Kinder ins Bett gebracht und die drei Erwachsenen spielten mit Luciano ein Spiel für Kinder, Luciano fand es lustig, dass sein Papa immer wieder in die Fallen des Geisterschlosses geriet und nicht weiter kam. Dieser nahm es mit Humor und meinte mit einem Zwinkern zu seiner Frau: "Pech im Spiel - Glück in der Liebe."
Sie spielten insgesamt drei Runden, bis Selvaggia ihren Sohn schließlich ins Bett brachte.
"Hab ich mich eigentlich vorher geirrt, oder habe ich das richtig rausgehört, dass Selvi... mir die Erlaubnis gab mich zu betrinken, dass du sehen kannst ob du es schaffst?" fragte er Ilse verwundert, als er ihr in der Küche beim Aufräumen half, nachdem seine Frau im ersten Stock war. Diese grinste. "So sieht es aus. Ich denke mal sie wird in Zukunft nicht mehr so ungehalten reagieren, wenn du mal wieder etwas mehr getrunken hast." zwinkerte sie. "Was hast du zu Selvi gesagt?" Ilse zuckte mit den Schultern und wechselte das Thema. "Hast du jetzt eigentlich schon einen Namen für dein Pferd gefunden?" Er schüttelte den Kopf. "Dein Hengst ist so prächtig. Ein Schatten in der Dunkelheit ..." "Schwarz wie die Nacht." ertönte die Stimme von Selvaggia, die gerade die Küche betrat. "Nachtschatten." überlegte Ilse. Belial sah die zwei Frauen nachdenklich an. "Nightshadow." sagte er dann. "Ja, ich denke das gefällt mir." Nachdem Ilse einen weiteren starken Pharisäer für ihn zubereitet hatte und ihm diesen, sowie eine Flasche lieblichen Weißwein in die Hände drückte, Selvaggia verschiedenes Knabberzeug, nahm sie zwei Weingläser aus dem Schrank. "Ilse, ich stille Linnea noch, ich sollte ..." sie wurde von der ältern Dame unterbrochen. "Du trinkst ein Gläschen Wein mit mir, Lucian zaubert einfach ein bisschen." antwortete sie ohne eine andere Antwort zuzulassen. Belial grinste. Selvi nickte, da ihr klar war, dass ihre Schwiegermutter kein "Nein" duldete. Kurz darauf saßen alle drei im Wohnzimmer vor dem  brennenden Kamin.
"Ilse deine Plätzchen sind total lecker! Ich backe dieses Jahr wie immer zusammen mit Tilly. Wir backen bei ihr zu Hause gemeinsam für uns und den Boulevard, vielleicht auch mit Rachel und Cassie." Ilse nickte. "Das Backen habe ich schon beendet. Ich muss noch dekorieren." Belial seufzte und trank schweigend seinen Pharisäer. "Wir Frauen haben in Paris schon alles geschmückt. Venedig ist auch fertig, wenn du willst können wir ja morgen, das Haus gemeinsam schmücken." schlug Selvaggia vor. Ihr Mann  vedrehte leicht genervt die Augen. Er war ohnehin noch etwas gereizt von den letzten Tagen. Auch wenn er sich mit Kat wieder versöhnt hatte und ihr auch wirklich verziehen hatte, fühlte er immer noch diesen gefühlsdusseligen Schmerz in sich. Dieser Vorfall hatte ihn sehr nachdenklich gestimmt. Hinzu kam die nervige Weihnachtszeit, die ihn jedes Jahr wieder nachdenklich und genervt stimmte. "Ich hoffe du hast noch Kaffee und Rum." sagte er plötzlich und hielt Ilse seine Tasse hin. Diese lächelte. "Natürlich - du glaubst doch nicht dass ich mal nicht genug Zutaten für deinen geliebten Pharisäer haben könnte." Lachte sie und erhob sich.
"Lucifer, wir haben im Kindergarten, eine kleine Weihnachtsfeier geplant für den 20. Dezember um 10 Uhr. Die Kinder werden ein paar Aufführungen machen für die Eltern und ich muss als Mitglied des Elternbeirats, bei der Bewirtung mithelfen. Und du bist abgesehen davon dass du ein Vater bist auch als Träger noch recht herzlich eingeladen." Ilse brachte ihm seinen Pharisäer und setzte sich wieder. "Und den 3. Advent solltest du dir freihalten für den Adventsgottesdienst am Vormittag im  Boulevard für die Kinder der Kita und ihre Familien und dem anschließenden Adventsbasar mit Kaffee und Kuchen. Und ich bin Dienstagabend beim Bastelabend für den Basar und am Mittwoch bei der Elternbeiratssitzung." Er seufzte etwas genervt, von den zwei weihnachtlichen Aktionen, an denen er sozusagen teilnehmen musste und trank einen Schluck seines frischen Pharisäers. "Na wenigstens hält jetzt Maria den Gottesdienst ab, das ist ja immerhin schon mal ein Lichtblick." murmelte er vor sich hin.
Ilse die merkte wie genervt und angespannt er seit ein paar Tagen war wechselte das Thema. "Wie geht es denn... Rachel? Sie ist doch schwanger, wenn ich das richtig mitbekommen habe?" Selvaggia nickte. "Es geht ihr sehr gut. Nach dem ersten Schock freuen sich Derek und Rachel auf ihren Sohn. Ich werde den beiden morgen einen Besuch abstatten und mich sozusagen selbst versichern, dass es ihr gut geht." berichtete er. "Lucifer hat durch seine Engelskräfte die Fähigkeit Schwangerschaften bei einer Frau manchmal schon zu erkennen, wenn sie selbst noch gar nichts davon weiß oder Bewegungen schon früher wahrzunehmen als die Schwangere selbst. Und Lucifer passt auf die Rayne-Familie aus San Fransisco, einschließlich Julien sozusagen zusätzlich zu ihren Schutzengeln, sehr auf und ist eigentlich immer für sie da."erklärte Selvaggia. Ilse nickte jetzt verstehend. "Ich kenne die Familie noch gar nicht richtig, dazu war meine Zeit in Paris zu kurz,aber sie scheint dir sehr am Herzen zu liegen. Belial nickte und ein warmes Lächeln huschte über sein Gesicht.
"Wir müssen Linnea noch taufen lassen. Eigentlich wollte ich das dieses Jahr noch machen." sagte Selvaggia plötzlich. "Ein bisschen knapp, oder?" meinte ihr Mann, knapp. "Wann wird denn Aine getauft?" fragte Selvaggia. "Im Januar glaube ich, aber in Dublin, da besteht Philip drauf und da wird unser Kind bestimmt nicht getauft, falls du auf eine Doppeltaufe ansprichst. Da schon lieber im Vatikan. Zumal das die einzige Möglichkeit ist, wenn du Linnea noch diese Jahr taufen lassen willst. Rodrigo schiebt uns bestimmt noch irgendwo rein." Nach einer kurzen Pause antwortete Selvaggia. "Aber du fühlst dich nicht wohl im Dom des Vatikan." Belial seufzte. "Aber dir würde es Freude bereiten, wenn Linnea in Italien getauft wird und Rodrigo ist keine schlechte Wahl. Für mein Töchterchen nehme ich das gerne in Kauf. Und außerdem muss ich es im Januar wieder durchstehen, da ich einer der Taufpaten von Aine bin." Selvaggia sah nachdenklich aus. Ilse hörte den beiden zu, da sie zu dem Thema nicht viel betragen konnte. "Ich habe da gerade eine Idee. Lass dich überraschen. Ich hoffe es funktioniert so wie ich mir das vorstelle. Nur kann ich das erst morgen klären."
Am nächsten Morgen wurden sie von Linnea geweckt, da diese Hunger hatte. Belial fühlte sich noch nicht wieder ganz fit, nach den ganzen Pharisäern, die Ilse ihm gemacht hatte. Er warf einen Blick auf die Uhr und stöhnte. "Sechs Uhr dreißig!" Selvaggia die auch noch etwas müde war verdrehte die Augen. "Na dann soll sie schnell was zu Trinken haben und dann schlafe ich nochmal ein wenig." Belial nickte. "Ich bin jetzt erst mal wach. Ich mache mir einen Kaffee." Er stand auf und zauberte etwas, da er gerade zu faul war sich anzuziehen. Seine Frau grinste, als er Jeans und Hemd anhatte. Das Hemd, über der Hose und Ärmel nicht zugeknöpft, was er aber auch nachher so lassen wird, dachte sie. Meist zog er in letzter Zeit nur sein Jacket drüber und selbst so wirkte er noch schick.
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast