I´m only human after all

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Buzz Lightyear Jessie Woody Pride
20.06.2017
24.02.2018
17
21516
5
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Info: Nun bin ich doch noch mal auf Toy Story zurück gekommen, was ich nicht gedacht hätte. Die Idee hierzu kam mir spontan. Auch will ich mein Gebiet ausweiten und queere Geschichten jeglicher Art schreiben. Fast Car ist hierbei mein Hauptprojekt und teils autobiographisch. Diese Geschichte ist ebenfalls ein Abstecher in diese Richtung. Sie wird nicht so umfangreich wie mein Hauptprojekt (ich denke an ca. zwanzig Kapitel). Ich will damit zeigen, dass Slash so viel mehr zu bieten hat und nicht alles normativ geprägt sein muss. Auch will ich für mehr Toleranz plädieren, was trans Personen angeht. Wir sind auch nur Menschen und beißen nicht ;). So nun genug Einleitung. Ich hoffe euch gefällt diese Story.

Es war ein warmer Sommertag. Die ersten Sonnenstrahlen weckten ihn sofort auf und hüllten ihn in ihr goldenes Licht ein. Geräuschvoll gähnte Woody. „Sieben Uhr“, murmelte er, den Blick auf seinen Wecker gerichtet. Heute hatte er endlich das Vorstellungsgepräch, in jener Firma, für die er bereits in der Vergangenheit arbeiten wollte. Sie hatte ihren Eigentümer gewechselt und schien nun toleranter zu sein. Optimistisch stieg er aus dem Bett, streckte sich und ging ins Bad. Dort fiel sein Blick in den Spiegel. Woody war zufrieden mit dem, was er da sah. Das war nicht immer der Fall gewesen. In der Vergangenheit hatte ihn stets eine fremde Person angeschaut, mit der er sich Jahrelang arrangieren musste. Bis er endlich seine Angst überwunden hatte und seinen Weg beschritt. Einige Freunde hatten sich leider von ihm abgewendet, aber seine über alles geliebte Schwester Jessie stand hinter ihm. Dies hatte sie stets getan. Als ihre Eltern gestorben waren, kümmerte sie sich aufopferungsvoll um ihren Bruder, der in der Nachbarschaft als „Freak“ nahezu verschrien war. Sie machte sich nichts aus alldem. Denn für Jessie war Woody etwas Besonderes. Zudem war sie überaus stolz auf ihn. „Hoffentlich kannst du dies auch heute sein“, sprach Woody leise, die Gedanken bei seinem Vorstellungsgepräch.

Er fuhr die Naht auf seiner Brust entlang, die ihn an jene Operation erinnerte. Egal was sie sagten, Woody trug diese Narbe mit Stolz. Er nickte sich selbst zu, schlüpfte aus der Boxershorts und gönnte sich eine kalte Dusche, die ihn recht schnell aufweckte. Nach dem Duschen, putzte er sich die Zähne, holte sein bestes Outfit hervor und machte sich für den Termin fertig. „Du schaffst das“, sagte er, den Blick ein letztes Mal auf sein Spiegelbild gerichtet. Dann verließ er die Wohnung. Die Menschen draußen schienen alle in ein reges Treiben verfallen zu sein. Der ganz gewöhnliche, normale Alltagsstress. Woody wollte endlich auch wieder dazu gehören. Lange genug konnte er am Arbeitsmarkt nicht teilnehmen. Daher wünschte er sich nichts sehnlicher als eine sichere Stelle. Die Firma war nicht weit entfernt. Sie nannte sich „Star Command“ und war eine international anerkannte Werbeagentur. Woody schluckte als er schließlich vor den Türen der Firma stand. „Nur Mut“, munterte er sich selbst auf. Hoffentlich merkten sie nichts. Das war eine seiner größten Sorgen. „Guten Morgen“, grüßte Woody die Frau am Empfang. „Ich habe hier ein Vorstellungsgespräch.“ „Der Name?“, die Frau lächelte ihn an, während ihre Augen für einen kurzen Moment aufleuchteten. Ihr schien Woody zu gefallen. Überhaupt kam er gut beim weiblichen Geschlecht an, selbst vor seinem langen Weg. Allerdings interessierte sich Woody nicht dafür, denn er war homosexuell. Etwas, was damals keiner verstehen wollte. Außer Jessie.

„Woody Pride“, er räusperte sich, da seine Stimme beinahe versagt hatte. „Ah, ich sehe es. Sie haben ihren Termin bei unserem Abteilungsleiter, Herrn Lightyear. Nehmen Sie einfach den Aufzug, fahren bis zum dritten Stock, danach links abbiegen und den Gang bis zum letzten Zimmer hinunter. Dort ist sein Büro.“ „Vielen Dank“, Woody nickte und machte sich auf den Weg. Das Gebäude war hochmodern errichtet. Selbst der Aufzug war gläsern und an seinen Wänden hingen Bildschirme, die laufend Werbung für Star Command machten. Im dritten Obergeschoss war der Boden mit einem roten Teppich bedeckt. Woody kam sich fast so vor als wäre er bei den Oskars. Endlich stand er vor seinem Büro. Dort thronte auf einem goldenen Schild der Name „Buzz Lightyear“.

Ein wenig zaghaft klopfte Woody. „Herein“, ertönte eine charismatische Männerstimme. Woodys Knie wurden weich, jedoch überwand er sich und betrat das Büro. „Ah, Sie müssen Herr Pride sein“, begrüßte ihn sein Gegenüber. Der Abteilungsleiter war zwar nicht besonders groß, allerdings von durchtrainierter Statur, die sich deutlich anhand seines weißen Hemdes abzeichnete. Seine Haare waren hellblond und die Augen stechend blau. Die Haut verfügte über einen gesunden, leicht gebräunten Teint. „Ja der bin ich“, riss sich Woody zusammen. Buzz, wie ihn Woody unwillkürlich bereits in Gedanken nannte, reichte ihm die Hand und bat ihn sich zu setzen. „Schön, dass sie hergefunden haben“, der Blonde lächelte ihn an. Er fragte Woody nach seinem Befinden, woraufhin dieser sagte, dass es ihm gut ginge. Danach bat ihn Buzz seinen Lebenslauf genauer zu schildern. Woody erwähnte seine Schullaufbahn sowie das erfolgreich absolvierte College, ebenso wie die ersten Arbeitsstellen. „Hmm … hier haben sie ein Jahr eine Lücke“, sprach Buzz an. Woody wusste, dass dies kommen würde. Jessie hatte ihm geraten, nicht zu sehr ins Detail zu gehen.

„Ich hatte einige private Schwierigkeiten“, umschrieb er es, was er sogleich wieder bereute. Buzz hob eine Augenbraue empor. „Aber nun habe ich alles geregelt“, redete Woody schnell weiter. „Zudem arbeite ich gewissenhaft, eigenständig und Überstunden sind kein Problem für mich. Ich bin gerne bereit mein Arbeitspensum zu erhöhen.“ „Das klingt ja schon ganz gut“, Buzz hustete. Er fragte ihn einige andere Fragen, bis er das Gespräch beendete. „Ich habe noch ein paar Bewerber, werde mich allerdings bei ihnen melden. Ende der Woche sollte eine Entscheidung gefallen sein“, erklärte er. „Vielen Dank“, Woody erhob sich. Sie reichten einander die Hände und verabschiedeten sich. Zweifel staute sich in seiner Brust. Er konnte Buzz nur schwer einschätzen. Allerdings hoffte er, dass er trotz dieser Lücke im Lebenslauf überzeugt hatte. Und so ging er Heim. Jessie rief später an um sich zu erkundigen, wie es gelaufen war. Leider konnte ihr Woody dazu nicht viel sagen.

Eine Woche verging und Woody rechnete schon gar nicht mehr damit, dass eine positive Nachricht seitens der Agentur kam. Bis eines Morgen sein schrill läutendes Telefon ihn nahezu aus dem Bett warf. „Pride“, nuschelte Woody, fast noch im Halbschlaf versunken. „Guten Morgen, Herr Pride. Smith hier“, erkannte er die Frau vom Empfang wieder. „Wir wollten Ihnen mitteilen, dass wir uns für Sie entschieden haben. Montag ist Ihr erster Arbeitstag und Herr Lightyear freut sich darauf, Sie in ihr Gebiet einzuweisen.“ Sie erwähnte noch die Unterlagen, an die er unbedingt denken sollte.
Woody konnte es kaum fassen. Er hatte die Stelle. Obwohl er so ein schlechtes Gefühl gehabt hatte.Zittrig griff Woody nach seinem Handy und wählte Jessie an. „Ja?“, erklang ihre Stimme. „I-ich“, Woody atmete tief durch. „Ich habe die Stelle bekommen.“ Freudig schrie seine Schwester in den Hörer. Sie wollte heute ein besonderes Essen zur Feier des Tages für ihren Bruder kochen. Er sollte um achtzehn Uhr bei ihr vorbei kommen. Woody ließ sich das nicht zwei Mal sagen und so verbrachten sie einen relativ entspannten Abend, der sich auf den Samstag ausweitete. Sonntag fuhr Woody zurück und bereitete sich mental auf seine Arbeitsstelle vor. Er war nervös, jedoch glücklich, dass man ihm endlich eine reale Chance gegeben hatte, sich im Jobleben zu beweisen.