Ester

GeschichteFantasy / P16
Zauberer & Hexen
20.06.2017
10.10.2019
9
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2
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Liebe Leser,

ich bin aus meinem Urlaub zurück und wurde direkt mit einem lieben Kommentar von LuccaLucia begrüßt. Lieben Dank dafür, ich habe mich riesig gefreut <3

Auch für die Favoriteneinträge wollte ich mich herzlich bedanken. Es freut mich, dass euch Esters Geschichte gefällt. Das bedeutet mir wirklich viel.

Anbei kommt nun endlich Kapitel 8 und auch Kapitel 9 ist bereits in der Vorbereitung, also freu euch schon darauf :)

Liebste Grüße
Nijura


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Da der Berater zögerte fortzufahren, war es plötzlich totenstill im Saal. Ich beobachtete, wie der junge König die Stirn runzelnd zu seinem Berater sah. Daraufhin schenkte er mir endlich seine volle Aufmerksamkeit. Nervös krallte ich meine Hände in meinen Rock und versuchte seinem düsteren, durchdringenden Blick standzuhalten.
   „Hier steht, Sie, Hexe Ester, hätten angegeben im Jahr 1642 geboren worden zu sein. 1642, das ist jetzt wie lange, 253 Jahre her? Erklärt euch.“ Niemand im Raum rührte sich, es war kein einziger Ton zu hören. Hexen werden nicht so alt. Niemals. Ich war so dumm, so naiv gewesen. Ich schluckte und zog für einen Moment in Betracht zu lügen, das könnte mich vermutlich retten, doch selbst jetzt war ich nicht dazu bereit, meine Prinzipien fallen zu lassen.
   „Meine Angaben sind korrekt und wie ihr seht, stehe ich heute hier bei guter Gesundheit vor euch. Mein Vater war ein freier Magier. Darum schätzte meine Mutter meine Lebenserwartung einmal auf ungefähr 300 Jahre.“, ließ ich ihn wissen. Der Magier neben mir verzog amüsiert sein Gesicht.
   „Testet das!“, kam die direkte Anweisung vom König persönlich. Mein Herz setzte wieder einmal einen Schlag lang aus. Nein! Meine Quelle durfte nicht freigelegt werden! Doch noch während die Panik mein Herz rasen ließ, kam der Magier irritiert auf mich zu. Er schien nicht glauben zu können, dass der König mir Glauben schenkte. Die Hand des Magiers legte sich auf meine Schulter, wodurch ich aus meiner Starre erlöst wurde. Panik und Angst ergriffen Besitz von mir. Ich musste versuchen das Eindringen seines Geistes zu verhindern. Der Druck seiner Hand verstärkte sich, während seine Augen, die meinen suchten. In seinem Blick lag eine stille Drohung, welche mir keineswegs entging. Mein Herz pochte wild in meiner Brust, deutlich spürte ich, wie meine Handflächen schweißnass wurden, mein Atem immer heftiger ging. Bilder von Dahmesh schoben sich vor mein inneres Blickfeld, vernebelten mir meine Sinne. Abgelenkt und tief in meiner Panik gefangen, gelang es mir nicht, das Eindringen des Geistes des Magiers in den meinen zu verhindern. Deutlich spürte ich das Zerren und Ziehen, als er mein Innerstes unter die Lupe nahm. Wieder und wieder versuchte ich ihn hinauszudrängen, was nicht unmöglich gewesen wäre, doch die Angst hielt mich in ihren Klauen fest, ließ alles in weite Ferne rücken, so dass es mir nicht gelang mich zu fokussieren. Dann fand er, was ich in all den Jahren so erfolgreich vor meiner Umwelt verstecken konnte. Mein Geheimnis. Mein Fluch.
   Meine Panik war auf den Magier übergesprungen, der stolpernd versuchte eine größtmögliche Distanz zwischen uns zu bringen. Seine vom Schweiß feuchte Stirn, seine panisch geweiteten Augen zeigten blankes Entsetzen, pure Angst. Augenblicklich waren alle im Raum in Alarmbereitschaft, keiner hatte die Chance sich zu sortieren oder gar anzugreifen. Mein Herz schlug laut und heftig in meiner Brust, in meinen Ohren. Mit weit aufgerissenen Augen und einer Frisur, aus der sich wild einige Strähnen meines Haares gelöst hatten, nahm ich das Ausmaß der Geschehnisse wahr. Sie hatten mich entdeckt, hatten mein Geheimnis ans Tageslicht gezerrt und mich somit vor allen Magischen entblößt. Und das war noch nicht alles.
   „Gefunden!“, kreischte eine laute, unmenschliche Stimme durch die Halle. Im selben Augenblick schien das Blut in meinen Adern zu gefrieren. Alle blickten verwirrt umher, während ich mich ruckartig zum Tor umdrehte. Ich bemerkte nicht, wie weitere Magier den Saal betraten, sich schützend um den König scharten, welcher mich immer noch mit seinem Blick fixierte. Die Temperatur im Saal sank schlagartig, sodass man den eigenen Atem vor Augen sehen konnte. Ich keuchte, entließ eine Wolke meines heißen Atems und wappnete mich auf das Schlimmste, meine größte Befürchtung wurde mit einem ohrenbetäubenden Krachen des auffliegenden Tores wahr. Einer der Torflügel splitterte, riss halb aus seiner Verankerung. Panische Schreie erfüllten sogleich den eiskalten Raum, selbst der König hatte sich von seinem Thron erhoben und blickte sorgenvoll umher. Im offenen Tor ragte ein schauriges Wesen auf, zweimal so groß wie der kräftigste, größte Mann und von finsterer Erscheinung, dunkler als die düsterste Nacht. Beim Anblick der mir so unliebsam vertrauten Gestalt, lief mir ein eisiger Schauer den Rücken hinab. In mir begann mein verfluchtes Blut zu kochen und drängte mich zum Handeln. Der Dämon ließ seine blutroten Augen suchend durch den Raum wandern. Er erblickte die Magier, die für ihn eine einfache Mahlzeit darstellten, sein glutroter Blick wanderte gierig weiter. Als seine in Klauen endenden Hände sich versteiften, seine Reißzähne sich in einem boshaften Lächeln zur Schau stellten, zielte sein Blick auf mich. Seit damals hatte ich alles dafür getan, diese dunkle Seite von mir zu vergessen, so tief in mir zu vergraben, dass selbst ich sie nicht mehr finden konnte. Doch am Lagerfeuer war sie vor einigen Wochen zurück nah an die Oberfläche gelangt. Sie war ein Teil von mir. Ein Teil, so dunkel und verflucht. Auch wenn ich diesen Teil akzeptieren musste, wäre ich lieber tot, als ihm ein weiteres Mal Macht über mein Leben ergreifen zu lassen. Genau in diesem Moment geschah das, was ich nicht zulassen wollte, ich ließ mich ein weiteres Mal von der Düsternis vereinnahmen. Der Dämon stieß ein grollendes Lachen aus, ein schauriger Ton, der direkt aus den Untiefen der Dunkelheit zu kommen schien. Alle Anwesenden im Saal waren panisch in die letzten Winkel zurückgewichen. Nicht ich, denn ohne meine Hilfe, würde dieser Ort und alles Leben darin in einem grauenvollen Massaker sein Ende finden. Der Dämon beugte sich vor, spannte alle Muskeln an, dann stieß er sich ab. Darauf hatte ich gewartet. Meine Magie bahnte sich zügellos einen Weg durch meine Venen, durchdrang jeden Teil meines Körpers und ließ die Luft um mich herum flimmern. Ich öffnete mich dem dunklen Teil meiner Seele.
   Die Magier, welche sich rund um den König platziert hatten, griffen den Dämon mit ihren Zaubern an. Ihre Magie floss über meine Haut, gleichzeitig erschufen die Magier einen schützenden Schild, um den König und ihre Gruppe, doch ich wusste bereits, dass sie verloren wären. Solche Narren! Verärgert runzelte ich die Stirn. Selbst diesem einzelnen Dämon waren die Magier hilflos ausgeliefert. Ihre Magie zeigte keinerlei Wirkung.
   Dieser Moment würde mein Leben verändern. Das wurde mir schlagartig bewusst. Es war dieser Moment, der mich nicht mehr in den Norden zurückkehren lassen würde. Meiner Macht gewahr, ließ ich das Tuch von meinen Schultern gleiten und stellte mich dem Dämon. Ein Knall ertönte, als mein Speer dem Ruf meiner Seele folgte. Lang, metallisch schwarz, mit einer silbrig glänzenden Schneide lag er warm und vertraut in meiner Hand. Der Dämon war seiner Gier nach Blut und seinem Verlangen nach Macht gefolgt. Er stand gierig lechzend vor der Barriere der Magier.
   Der magische Schild zeigte bereits deutliche Risse, in den Augen der Magier stand blanke Angst. Ian Magnus stand regungslos und blickte ungläubig zwischen seinen Magischen hin und her. Keiner der Magier konnte seinen Blick von dem Ungeheuer abwenden, das zu überlegen schien, welcher der Magischen den Auftakt zu seinem Festmahl bilden sollte. Diesen Augenblick nutzte ich für meinen Vorstoß.
   In der nächsten Sekunde tauchte ich direkt hinter dem Dämon auf. Er bemerkte mich zu spät, was es mir ermöglichte ihn seitlich mit meinem Speer zu treffen und ihn quer durch die Halle in Richtung Eingang zurückzuschlagen. Der Dämon kam hart und wild gackernd auf dem Boden auf, wodurch dieser knirschend unter seinem Gewicht in Stücke brach. Er fixierte mich mit seinem glutroten, nun wutverzerrten Blick, welcher mir jedoch keine Angst einflößte und rieb sich die getroffene Seite.
   Ohne meinen Gegner aus den Augen zu lassen, übernahm und errichte ich die Barriere der Magier neu, indem ich meine Hand darauflegte. Niemand würde heute zu Schaden kommen. Meine leuchtenden Augen fanden jene des Dämons, der sich von meinem Angriff bereits erholt hatte. Wieder grinste er gefährlich.
   „Endlich habe ich einen von euch gefunden!“, kreischte er in dämonischer Sprache. „Mach dich auf dein Ende gefasst. Du wirst gleich sterben!“ Im selben Augenblick flog er wieder auf mich zu. Seine riesigen Krallen wie Schwerter benutzend, griff er mich an, ich parierte seinen Angriff geschickt mit meinem Speer. Durch die Kraft des Zusammenpralls, wehte ein schneidender Luftzug durch den Saal. Ich glaubte die Menschen schreien zu hören, doch ich musste alles ausblenden, um mich auf den Dämon zu fokussieren. Meine magische Aura brodelte. Mit den Tiefen meiner ureigenen Macht, wehrte ich den nächsten Schlag des Dämons ab und er prallte hart gegen einen der Pfeiler der Halle, der sich nun bedrohlich in seine Einzelteile auflöste. Als weitere Soldaten den Saal betraten, rappelte er sich erneut auf. Auch in ihm brodelte Wut, seine Aggressivität drang aus jeder seiner Poren. Er stieß einen tiefen, grollenden Schrei aus. Wer noch Zuversicht hatte, hier lebend heraus zu kommen, verlor sie augenblicklich. Wenn ich nicht wollte, dass er ein Massaker anrichtete, musste ich es zu Ende bringen. Sein nächster Vorstoß war zorniger, aber ich war darauf gefasst. Erneut schlug er hart auf, zertrümmerte mit seiner Wucht jede Menge an kostbarem Inventar und einige reicht verzierte Bodenplatten.
   Aber ich ließ ihn nun gar nicht erst zur Besinnung kommen, sondern nutzte verschiedene Zauber um ihn zu fixieren, bevor ich mit einer einzigen, fließenden Bewegung meinen Speer in sein Herz bohrte. Der Dämon ließ ein markerschütterndes Kreischen ertönen, ein grelles Spektrum aus Licht und umliegenden Teilen wirbelte wild um ihn, dann gab es eine berstende Explosion. Es dauerte einige Sekunden oder eher Minuten, bis sich der aufgewirbelte Staub lichtete. Vom Dämon war nur noch ein Haufen Asche am Boden zurückgeblieben.
   Keuchend und zitternd stand ich über dem zu Asche zerfallenen Dämon. Meine Brust war wie zugeschnürt, der Schweiß hatte Strähnen meines Haars zu dunkelgrauen Schnüren geformt. Ich musste mich auf meinen Speer lehnen, als meine Beine drohten unter mir nachzugeben. Die im Raum verteilten Wachen, welche bis eben noch verängstigt meinen Kampf beobachtet hatten, rafften sich nun auf und umzingelten mich. Noch schenkte ich ihnen keine große Aufmerksamkeit, zu sehr war ich im Anblick der Asche zu meinen Füßen gefangen. 50 Jahre war es her. Niemals hätte ich erwartet, wieder einen Kampf gegen einen Dämon führen zu müssen. Mir war plötzlich übel, überall sah ich Blut und Tod, hörte die Schreie der Sterbenden, das Kreischen der Monster. Am liebsten hätte ich mich vor Angst zusammengekauert, wollte all das endlich vergessen und tief in mir begraben. Doch noch während dieser Wunsch in meinem Inneren Gestalt annahm, wurde ich jäh aus meine Trance gerissen.

„Wer seid ihr?!“ Der König stand direkt an meiner Barriere, taxierte mich mit seinem Blick, während seine Hand prüfend über den Schild fuhr. Andächtig, fast schon zärtlich schien seine Hand darüber zu wandern. Ich zitterte immer noch und so sehr ich mich auch bemühte, es wollte nicht enden. Natürlich hatte ich geahnt, nie wieder in den Norden zurückkehren zu können, doch diese Begegnung ließ mich im Innersten erschaudern. Von nun an war es nur eine Frage der Zeit, bis Dahmesh mich fand – oder weitere Dämonen. Meine Macht war wie ein hellstrahlendes Leuchtfeuer, welches ihnen den Weg weisen würde. Ganz gleich, wo ich heute war oder morgen sein würde, sie werden mich finden.
   Da die Wachen noch immer mit ihren Waffen auf mich zielten, ließ ich die Barriere mit einem Wink meiner Finger in sich zusammenfallen. Es gab keinen Grund mehr, sich zu verstellen. Wieso sollte ich jetzt noch irgendetwas zurückhalten? Behutsam sperrte ich meine Magie zurück in mein Innerstes, woraufhin das Leuchten in meinen Augen erlosch. Mein Speer verschwand ebenfalls, ohne eine Spur zu hinterlassen. Der König quittierte das alles mit neugieriger Miene und einem Schmunzeln.
   „Ich bin Ester, eure Majestät. Meine Art bezeichnet sich selbst als Kriegsmagier.“ Verhaltenes Lachen und Gemurmel wurde laut, doch der Schreck saß noch zu tief. Die Anwesenden waren immer noch zu verstört über das, was sie gesehen hatten, die Angst stand ihnen im Gesicht.
   „Kriegsmagier sind eine Legende.“, sagte der König, jedoch viel zu leise, um es auch so zu meinen. Ich lächelte entschuldigend. Wieder lag sein durchdringender Blick auf mir, doch dieses Mal war ich vorbereitet und hatte keine Angst, dass er meine Geheimnisse aufdecken würde. Dafür war es nun wohl zu spät.
   „Jede Legende hat einen wahren Kern, eure Majestät. Die Kriegsmagier existieren wirklich.“ Nun trat ein Magier vor. Aus seiner Kleidung schloss ich, dass er der Meister der Magiergilde war, denn auch sein Auftreten sowie seine Aura waren von Selbstbewusstsein geprägt.
   „Redet keinen Stuss, Weib! Noch nie wurde ein Kriegsmagier gesichtet, geschweige denn jemand, der solch einem Titel gerecht werden würde.“ Nun war es an mir missbilligend eine Augenbraue in die Höhe zu ziehen. Ich stemmte meine Hände in die Hüften und richtete mich vor ihm auf. Nun gut, ich trug ein einfaches Wollkleid mit einer schlichten Schürze, doch dieser Wicht hatte anscheinend vergessen, wer ihm vor wenigen Minuten das Leben gerettet hat! Ein Magier seiner Rangstufe musste meine Macht gespürt haben, er musste meine Fähigkeiten einschätzen können.
   „Wer sagt uns, dass ihr dieses Wesen nicht selbst beschworen habt?!“, rief er plötzlich mit hoher nervöser Stimme. Sofort kippte die Stimmung. Die Wachen rückten näher, ebenso ihre Waffen. Ich war umzingelt. Dieser widerwärtige Wurm von einem Magier! Ich warf ihm boshafte Blicke zu. Forderte er mich etwa heraus?! Ich war bereits dabei, meinen Speer zurückzurufen, da hob der König die Hand. Er stand noch immer an derselben Stelle, seinen Blick auf mich gerichtet. Um uns herum wurde es totenstill, sodass ich das Herzklopfen der Männer neben mir hören konnte. Nervosität erfasste mich. Wenn Ian Magnus mich einsperren lassen würde, gäbe es hier auch ohne einen weiteren Dämon ein Massaker, denn einsperren ließ ich mich nicht. Niemals mehr.
   „Hexe Ester, wurdet ihr in der legendären Stadt Dahmesh zu einem sogenannten Kriegsmagier ausgebildet?“, fragte er laut und deutlich. Ich zuckte kurz vor Schmerz zusammen, versuchte jedoch nicht darauf zu achten und nickte.
   „Aus welchem Grund seid ihr nicht mehr in Dahmesh?“, fragte er nun und bei dieser Frage blitzten seine Augen. Dieser Mann war gefährlich, denn er war intelligent. Etwas, das man ihm aufgrund seines Alters nicht unbedingt zumutete. Ich richtete mich erneut auf und hob selbstbewusst den Kopf. Warum sollte ich nicht einfach die Wahrheit sagen? Man wird mir ja sowieso nicht glauben.
   „Vor vielen Jahren gab es einen Großangriff von Seiten jener Wesen, welches heute hier auftauchte. Zwar besiegten wir die Dämonen, jedoch wurden wir stark dezimiert. Die Chance, die sich durch die vorherrschende Verwirrung und das Chaos anbot, habe ich genutzt, um in meine eigentliche Heimat zurückzukehren.“ Wieder war es still im Saal. Der König überlegte und schätzte das Gesagte für sich ein, dann nickte er.
   „Ihr wart also nicht freiwillig in Dahmesh?“ Oh ja, dieser Mann war überaus klug, intelligenter als ich erwartet hatte. Ich lächelte. Getuschel brach aus, doch König Ian unterbrach es mit einer knappen Handbewegung.
   „Ihr seid eine Hexe und dennoch wurdet ihr als Kriegsmagierin ausgebildet. Wie kam es dazu?“ Seine Stimmlage hatte sich verändert. Er klang überzeugt, so als glaubte er mir, dass ich eine Kriegsmagierin bin. Auch seinem Meistermagier fiel diese Veränderung an ihm auf.
   „Ich erhielt nie eine wirkliche Bestätigung, jedoch wurde mir gesagt, mein Vater sei ein Kriegsmagier gewesen. Man war sich nicht sicher, ob ich die Kräfte meiner Mutter oder die meines Vaters geerbt hatte. Als ich klare Anzeichen von höherer Magie zeigte, holte man mich nach Dahmesh.“
   Ein spöttisches Lachen entwich dem Magier, welcher sich direkt hinter dem König positioniert hatte. „Ihr wollt also andeuten, dass eine einfache Hexe wie ihr es seid, über höhere Magie verfügt? Eine Kunst, welche selbst unter Magiern selten ist?!“ So langsam hatte ich wirklich genug von diesem einfältigen, überheblichen Wurm, welcher mit Sicherheit weniger Jahre zählte als ich. In all den Jahren meines langen Lebens hatte ich wirklich viel erdulden müssen, doch so einen engstirnigen und auf seine Vormachtstellung versessenen alten Sack noch nicht. Weder den Soldaten noch ihren Waffen um mich herum schenkte ich noch Beachtung, sie konnten mir nichts anhaben. Ich trat einen halben Schritt vor, meine Augen erstrahlten durch die freigesetzte Magie von innen heraus. Er wollte also einen Beweis für meine Kenntnisse der höheren Magie sehen? Dann würde ich ihm und allen Anwesenden diesen Beweis liefern. Ich nahm noch wahr, wie der Monarch zu schmunzeln begann, da ließ ich meinen Zauber bereits wirken.
   Höhere Magie einzusetzen, war für mich wie das Atmen. Schließlich musste es ja einen Grund geben, weshalb ich entgegen so vieler anderer den Krieg gegen die Dämonen überlebt hatte. Der Saal erstrahlte in gleißendem Licht, als ich die Realität nach meinem Willen bog und formte. Ein witziger Gedanke flackerte in mir auf und sogleich verschwanden die verzierten Wände des Palastes, ebenso der Marmorboden zu unseren Füßen. Ein angenehmer Sommerwind strich über uns hinweg. Wir befanden uns auf einer endlos weiten, von Wildblumen bewachsenen Wiese. Vereinzelte Strähnen kitzelten mich im Nacken, ich genoss den Moment und streckte mein Gesicht der warmen Sonne entgegen. Schreie waren zu vernehmen, teils entsetzt, teils entzückt. Selbst die Soldaten ließen in ihrer Wachsamkeit nach, senkten die Waffen und sahen sich erstaunt um. Der König selbst fand sich auf einem Hügel über uns wieder, welcher aus moosbeflecktem Fels zu bestehen schien. Hinter ihm ein Thron aus verflochtenen Stämmen und Wurzeln.
   Von einem Palast war weit und breit nichts mehr zu sehen.