Ungebrochen

GeschichteHumor, Thriller / P18
18.06.2017
06.12.2018
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Hi Leute,

nachdem ich mir noch einmal die Folgen der Grand Magic Games angeschaut habe, wollte ich unbedingt wieder schreiben. Es hat Spaß gemacht. Ich hoffe es ist nicht zu übertrieben irgendwie. Kein Plan, der Humor von Fairy Tail ist wohl etwas mehr eingeflossen :D

Viel Spaß beim Lesen!


Kapitel 3 – Zart knüpfende Bande

Tag zwei…

Gedankenversunken beobachtete sie die in einem gleichmäßigen Rhythmus heranrauschenden Wellen, die mit jedem Zug einen weiteren Teil des Sandes einnahmen und sich nach der Anstrengung wieder ins Meer zurückzogen.
Es war schwer zu sagen, wie lange sie schon hier hockte und das Treiben beobachtete. Seitdem sie keine funktionstüchtige Uhr mehr besaß, hatte sich ihr Zeitgefühl rasch verabschiedet. Nur die am Himmel stehende Sonne zeigte an, dass der Tag bereits seit einiger Zeit begonnen hatte.

„Na, irgendetwas Neues?“ Eine bekannte Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Wie selbstverständlich ließ Gray sich neben Alyssa in den Sand fallen.
Sie warf ihm einen kurzen Blick zu und fand ihn wie nicht anders zu erwarten nur in Boxershorts vor. Es war eine seltsame Angewohnheit, zumal ihn nicht einmal die Kälte davon abzuschrecken schien. Wenn sie an den gestrigen Abend zurückdachte, dann war sie über den Pullover doch recht dankbar gewesen, den sie aus einem Rucksack gezogen hatte. Gray hingegen gab sich besondere Mühe, so wenig wie möglich am Körper zu tragen.
Alyssa stieß ein tiefes Seufzen aus. „Nichts Neues. Weit und breit ist absolut nichts zu sehen. Ich verstehe das einfach nicht. Es ist als wären wir unentdeckt vom Radar verschwunden.“  

Gray betrachtete sie eine Weile, bevor er sich nach hinten lehnte. Er stützte sich auf seinen Armen ab, die bei der Bewegung ein faszinierendes Spiel seines Trizeps darboten. Er musste viel trainieren, wenn seine Muskeln so klar hervortraten.
„Es ist seltsam“, stimmte er zu. „Sie müssten zumindest die letzte Position haben, bevor das Flugzeug abgestürzt ist. Der Suchradius dürfte damit nicht so groß sein.“
„Eigentlich nicht.“ Ein mulmiges Gefühl breitete sich in Alyssa aus. Irgendetwas stimmte nicht. Es war schwer sich einen Reim darauf zu machen, aber vermutlich gab es triftige Gründe dafür, dass noch niemand aufgetaucht war. Sie müssten abwarten und das Beste aus der Situation herausholen.

„Sag mal, hast du diese Nacht überhaupt ein wenig geschlafen?“, fragte Gray mit einem Mal. Verwunderung spiegelte sich in Alyssas Augen wieder, während sie ihren Kopf zu ihm drehte. Was interessierte er sich denn dafür?
„Ein wenig schon“, entgegnete sie knapp und zuckte die Achseln. Aber vielmehr hatte sie sich mit ihren Gedanken über ihre weitere Vorgehensweise beschäftigt und den Geschehnissen seit dem Absturz. Es waren gerade mal ein paar Stunden vergangen und trotzdem drehten einige Leute vollkommen durch. Sie musste an diesen Sting und seinen Freund denken und an die Gruppe von Idioten, die in der Nacht trotz der Warnungen in den Dschungel aufgebrochen und immer noch nicht zurückgekehrt war. Es gab einen Haufen Verletzter, die nicht richtig medizinisch versorgt werden konnten. Außerdem brauchten sie dringend Trinkwasser.

„Du siehst so aus, als hättest du die ganze Nacht in die Dunkelheit gestarrt und über irgendwelchen Sachen gebrütet“, konkretisierte Gray. Ein schiefes Grinsen legte sich auf seine Lippen, als er sich auf die Beine schwang und in der Hocke blieb. Seine Arme baumelten locker über seinen Knien, sodass seine Fingerspitzen den Sand berührten.
„Seh ich etwa so schlimm aus?“, fragte sie schmunzelnd. Darauf spielte er also an.
„Ja, definitiv.“

Ganz schön unverschämt. Sie lächelte über seine Direktheit und schüttelte den Kopf. War es ein Zufall, dass gerade er ihr Aussehen ansprach? „Aber dir ist schon bewusst, dass wir trotz einsamer Insel mitten im Ozean nicht gleich nackt durch die Gegend irren müssen?“, erwiderte sie belustigt und deutete auf seine blauen Blümchenboxershorts. Überrascht sah er an sich herunter und riss mit einem Mal die Augen auf. „Wah, wann ist das denn passiert?“ War das sein ernst?
„Sag bloß, dich hat jemand ausgezogen“, sagte Alyssa skeptisch, während sie eine Augenbraue hochzog.
„Ich schwöre es dir - ich war das nicht.“

Wer sollte das denn glauben? Es war zwar ein seltsamer Tick, aber Alyssa hatte ihn schon dabei beobachtet, wie er einfach mitten im Gespräch sein Shirt über den Kopf zog und sich die Hose aufknöpfte. Damit war jegliche Fremdeinwirkung widerlegt.
Schweigen breitete sich unter ihnen aus und obwohl jeder seinen Gedanken nachging, war die entstandene Stille, in der man nur das Rauschen der Wellen vernahm, nicht unangenehm. Es war ein schönes Gefühl ruhig im Sand zu sitzen und zu wissen, dass man nicht alleine war. Es spendete Trost, selbst in dieser misslichen Lage. Wie viel so kleine Momente doch ausmachen konnten.

„Wir wollten mit ein paar Leuten ein wenig den Dschungel erkunden“, unterbrach Gray schließlich die Stille. „Die Gruppe von gestern ist immer noch nicht zurück und allmählich werden die Leute nervös.“
„Die Leute sind bereits nervös“, korrigierte Alyssa ihn. Sie waren es die ganze Zeit, das konnte man am Abend zuvor bestens erkennen. Es war auch kein Wunder, schließlich breitete sich immer mehr Angst unter ihnen aus. Das stille Ausharren ohne neue Hoffnung setzte allen zu. Je weniger man unternahm desto unruhiger wurde man. Ablenkung war das Beste, was man in dieser Situation gebrauchen konnte. „Kann ich noch mitkommen?“, fragte sie nach. Es würde ihr gut tun, wenn sie nicht den ganzen Tag auf das Meer hinausstarrte.

Gray nickte. „Klar, bislang sind wir nur zu dritt. Ich wollte dich eh fragen, also trifft sich das ganz gut.“ Alles klar, dann wäre sie dabei. Vielleicht würden sich ja noch ein paar andere Leute zu dem Ausflug bereit erklären. Sie würde sich umhören.
„Wir sollten dringend nach Wasser suchen.“ Alyssa warf Gray einen Blick zu und zog ernst die Augenbrauen zusammen. „Wir müssen zusehen, dass wir die Situation unter Kontrolle kriegen, bevor sie aus dem Ruder läuft.“
Grays Gesichtsausdruck verdunkelte sich, während er die Wellen beobachtete. „Es nervt mich richtig, dass sich einige Personen gegen alles stellen, was wir zum Wohle von allen unternehmen wollen. Es wäre viel einfacher, wenn die uns helfen würden, anstatt uns nur zu bremsen.“

Alyssa wusste ganz genau, wen Gray damit meinte. Unter anderem ging es ihm um Bacchus, der bislang jeden Vorschlag vehement abgelehnt hatte. Er kümmerte sich nur um sich und um seine Kumpels. Während Gray versucht hatte, das gefundene Wasser und die Nahrung zu teilen, hatte Bacchus jeden Fund für sich und seine Leute eingesackt.
Aber er war nicht der einzige, es gab genug solcher Grüppchen, die die Egonummer abzogen. Sting und Rufus gehörten auch zu der Kategorie.

„Menschlichkeit ist ein kostbares Gut“, murmelte Alyssa, während sie mit einer Hand die Sonne abschirmte und versuchte auf das weite Meer hinauszublicken. „Denn wenn es ums Überleben geht, dann ist oftmals sie es, die als erste weggeworfen wird.“
„Es kotzt mich richtig an“, brummte Gray. „Wir stecken alle in der gleichen Situation. Was soll also der Mist. Außerdem vermissen wir immer noch Leute. Wenn sie zu uns stoßen, dann sollen sie nicht nur auf Verwüstung treffen.“
Überrascht zog Alyssa eine Augenbraue hoch. Was sagte Gray da? „Du denkst sie leben noch?“, rutschte es ihr heraus, bevor sie die Frage bremsen konnte. Sogleich bereute sie Aussage. Das war dumm und viel zu direkt.

Anstatt bei dem Gedanken an die Antwort Trauer zu verspüren, erschien ein schiefes Grinsen auf Grays Gesicht. „Na klar, leben die noch. Da kennst du unsere Leute nicht. Vor Erza würde sogar der Sensenmann weinend davon laufen.“

Während Alyssa verwundert da hockte und Gray dabei beobachtete, wie er ausgelassen lachte, regte sich in ihrem Inneren ein zarter Hoffnungsschimmer. Er hatte Vertrauen in seine Leute. Er glaubte daran, dass seine Freunde lebten. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Züge, als ihre Gedanken zu Wendy wanderten. Vielleicht war die Chance verschwindend gering, aber wer wollte schon daran glauben, dass es keine mehr gab?



Aufmerksam ließ Alyssa ihre Augen den Strand entlang wandern. Einige der Passagiere hatten sich in kleinen Grüppchen zusammengesetzt und unterhielten sich miteinander. Andere gruben sich durch die zerstreuten Koffer und Reisetaschen, um die brauchbaren Dinge herauszufiltern. Die Gruppe von Bacchus stemmte gemeinsam ein Wrackteil des Flugzeugs in die Luft und trug es von den restlichen Trümmern weg. Was hatten die denn jetzt schon wieder vor?
Als ihr Blick weiter zum Rand des Dschungels wanderte, entdeckte sie schließlich die gesuchte Person. Schnurstracks schritt sie auf diese zu.

Achtlos warf Alyssa ihm die Brieftasche gegen den Brustkorb, die einfach daran abprallte und auf dem Boden landete. „Die hast du gestern bei deinem peinlichen Auftritt verloren“, leitete sie sogleich ohne Begrüßung das Gespräch ein.
Sting, der es sich im Schatten einer Palme bequem gemacht hatte und lässig an deren Stamm lehnte, schenkte der im Sand liegenden Brieftasche einen kurzen Blick. Skeptisch inspizierte er Alyssa, bis er sie schließlich erkannte. Ein schiefes Grinsen legte sich auf sein Gesicht. „Begegnet man sich also auch mal bei Tageslicht. Siehst langweiliger aus als erwartet.“

Er hatte sie gestern doch genau erkennen können. Wollte der sie verarschen?

„Bisschen niveaulos, findest du nicht?“, entgegnete sie unbeeindruckt, während sie demonstrativ die Arme vor der Brust verschränkte. Wenn er es auf die Tour wollte, würde Alyssa ihn nicht davon abhalten. Aber er könnte sich auf das gleiche gefasst machen.
„Was verschafft mir die Ehre?“, fragte er desinteressiert und unterdrückte dabei ein Gähnen. „Erfolgt jetzt eine Festnahme durch die Inselpolizei?“ Seine Augen bohrten sich in ihre, offensichtlich darauf bedacht sie zu reizen. Hatte Alyssa ihn gestern noch für einen schlichten Idioten gehalten, so arbeitete er sich gerade auf der Skala zum absoluten Vollidioten hoch. Aber jeder brauchte seine goldenen Ziele.

Anstatt sich der Stichelei hinzugeben, brachte sie den Grund ihres Auftritts zur Sprache. „Wir wollten mit ein paar Leuten den Dschungel erkunden. Wie wäre es, wenn du mitkommst?“
Verwundert zog er eine Augenbraue hoch. „Du willst mich dabei haben? Da bist du aber schnell meinem unwiderstehlichen Charme verfallen. Dabei hab ich mich gestern nicht einmal von meiner besten Seite gezeigt.“  

„Ach was, es gibt eine noch bessere Seite?“, kommentierte Alyssa humorlos, während sie sich Mühe gab, nicht genervt die Augen zu verdrehen. Es lag keinesfalls daran, dass sie sich die Exkursion durch den Dschungel nicht ohne ihn vorstellen konnte. Ganz im Gegenteil. Aber ihr Gefühl sagte ihr, dass sie diesen aufgeblasenen Typen im Auge behalten sollte und es wäre für alle Anwesenden von Vorteil, wenn Sting und seine Gruppe sich nicht abkapselten, sondern mit ihnen zusammenarbeiteten.

Nachdem Sting einen Moment überlegte und dabei so tat, als würde ihm die Entscheidung ausgesprochen schwer fallen, gab er schließlich gönnerhaft seine Zustimmung. „Na schön, nur weil du es bist, tue ich dir diesen riesigen Gefallen.“ Es war unnötig zu erwähnen, wie lächerlich seine Formulierung und die darauffolgende dramatische Pause waren. Alyssas Blick verfinsterte sich, als er fortfuhr. „Aber im Gegenzug wirst du mir auch einen Gefallen schuldig sein.“
Das konnte der knicken. So lief das nicht. „Okay tschau, vergiss es.“ Dummer Trottel. Sie wandte sich ab und wollte schon durch den Sand davon stapfen, als sie am Handgelenk zurückgehalten wurde.
„Du bist echt keine leichte Verhandlungspartnerin“, stellte Sting fest, der sich tatsächlich damit abgemüht hatte aufzustehen. Wenn er ihr direkt gegenüber stand, wirkte er viel bedrohlicher als zuvor. Die Erinnerungen an die letzte Nacht schlugen in ihr hoch und mit einem Mal war er wieder ihr Gegner. Schlagartig riss sie sich von ihm los. „Ich hab keinen Bock auf deine Spielchen. Komm mit oder lass es sein. Gebraucht wirst du keinesfalls.“
Theatralisch griff er sich mit einer Hand an die Brust. „Autsch, das bricht mir das Herz.“
„Welches Herz?“, feixte Alyssa.
Ein breites Grinsen bildete sich auf seinem Gesicht. „Du bist ganz schön frech für so ein langweiliges Mädchen. Im Grunde schulde ich dir noch eine Abreibung wegen der Aktion von gestern.“  

Charmant. Es war schon klar gewesen, dass er es nicht auf sich beruhen lassen würde. Aber das würde sie nicht von ihrem Vorhaben abbringen, die zersplitteten Gruppen irgendwie einander näher zu bringen. Was hatte sie auch anderes zu tun?

„Wo ist eigentlich dein Verbrecherkumpane?“, fragte sie ganz beiläufig, während sie sich ihre Haare nach hinten strich, die von dem Wind vollkommen zerzaust waren. Sie sollte lieber noch irgendwo ein Haargummi auftreiben.  
Verwundert zog Sting eine Augenbraue hoch. „Was interessiert dich das denn? Willst du etwa, dass er auch mitkommt?“ Er hielt inne, als würde er sich kurz einem Gedanken hingeben und runzelte schließlich die Stirn. „Warte, willst du uns etwa nur im Auge behalten?“
Bling, bling, bling. Er war schneller drauf gekommen als angenommen. In seiner Stimme schwang tatsächlich Enttäuschung mit. Aber was hatte er auch erwartet? Dass Alyssa sich nach dem gestrigen Zusammentreffen in ihn verliebt hatte?

„Welchen Grund könnte ich sonst haben dich zu fragen?“, reizte sie das Thema weiter aus. Es ärgerte Sting, das konnte man ihm ansehen. Anscheinend kratzte das zu sehr an seinem Ego, als dass er das so auf sich sitzen lassen würde. Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht, während sich Stings Züge verdunkelten. Er würde mitkommen. Alleine um ihr eins auszuwischen.



Bereit zum Aufbruch hatten sie sich an der Stelle versammelt, an der die gestrige Gruppe den Dschungel betreten hatte. Natürlich würden sie versuchen die Leute zu finden. Das stand gar nicht zur Diskussion, aber den gleichen Wert hatte die Suche nach Wasser und Nahrung und nach anderen Überlebenden.

Während Alyssa die vorherrschende Szene beobachtete, bereute sie es doch ein wenig Sting danach gefragt zu haben mitzukommen. Die Zusammenführung der einzelnen Gruppen war hiermit offiziell in die Hose gegangen. Vielleicht sollte sie solche Projekte in Zukunft einfach unterlassen.
Ein wildes Blickduell spielte sich vor ihr ab, das mit jeder Sekunde an Intensität zunahm. Alyssa stieß entnervt die Luft aus. Sie sah zu Lucy herüber, welche die Situation nicht minder beunruhigend fand.

„Vielleicht solltest du dich einfach damit abfinden, dass ihr zu schwach und erbärmlich seid, um hier irgendetwas zu reißen“, stichelte Sting, voll in seinem Element. Am liebsten hätte Alyssa ihn dafür so lange ins Meer getaucht, bis er wieder bei klarem Verstand wäre. Konnte dieser Typ es nicht wenigstens einmal lassen?
„Wenn du nicht aufhörst auf uns hinunterzublicken, reiß ich dir dafür den Arsch auf“, blaffte Natsu ihn an und ballte die Hände zu Fäusten. Demonstrativ machte er einen Schritt vor und kam Sting damit bedrohlich nahe.
„Oh? Du willst dich also zu nem Kampf hinreißen lassen? Mit dem größten Vergnügen“, gab Orga sein Einverständnis, während er seine dicken Oberarme vor seinem Brustkorb verschränkt hielt. Sting hatte diesen Typen tatsächlich noch aus dem Ärmel geschüttelt und er präsentierte sich nicht weniger negativ als Sting selbst.

Orga Nanagear. Groß, muskulös, durchtrainiert. Neben Sting und Rufus sah er aus wie eine Kampfmaschine, aber wer wollte nur nach dem Äußeren urteilen? Charakterlich war er genauso verdorben wie die anderen beiden. Ob er Konflikten aus dem Weg ging? Offensichtlich nicht!

Absolut genervt verschränkte Gray ebenfalls die Arme vor der Brust. „Was soll die Scheiße? Wir verfolgen hier einen Plan und lassen uns jetzt nicht zu einem lächerlichen Kampf hinreißen.“
„Würde ich auch nicht empfehlen“, erwiderte Rufus, der in gerade Haltung vor Gray stand und elegant einen Arm an seinem Rücken platziert hatte. „Es wäre eine verheerende Niederlage.“
„Was? Willst du mich verarschen?“, brauste Gray auf und hatte damit innerhalb von Sekunden sein eigentliches Ziel aus den Augen verloren. Und Alyssa dachte noch, dass wenigstens er bei der Sache wäre.

Rufus Lore. Ungeachtet der Tatsache, dass sein Verhalten wirklich zu wünschen übrig ließ, war er der einzige von ihnen, der es schaffte ein angemessenes Maß an Kleidung an seinem Körper zu tragen. Nunja, vielleicht war der Hut etwas übertrieben. Na gut, und auch das lange Hemd samt Frack waren bei den schwülen 40 Grad im Schatten ziemlich unnötig, aber wenigstens machte er keinen Wettkampf daraus seinen Körper zu präsentieren. Ganz im Gegensatz zu Gray, bei dem gerade bis auf seine Boxershorts wieder sämtliche Klamotten davon flogen.

„Geehee, dann müssten wir das wohl vorher klären.“ Gajeel mischte sich in das Gespräch ein. Das Grinsen auf seinen Lippen zeigte mehr als deutlich, dass er die kleine Streiterei genoss und liebend gerne mal auf den Putz hauen würde. Er stand Orga direkt gegenüber und starrte ihm provokativ in die Augen, ohne auch nur für eine Sekunde nachzugeben.

Gajeel Redfox. Mit ihm hatte Alyssa bislang wenige Berührungspunkte gehabt. Seine ganzen Piercings und zerschlissenen Klamotten ließen ihn wie einen Rowdy wirken und nach dieser oberflächlichen Verurteilung zeigte sein Verhalten genau das gleiche.

Orga schien mit einem Mal sichtlich gelangweilt. Er popelte in seinem Ohr herum und schnippte den gefundenen Goldschatz mit einem Finger weg. „Das hat bei euch Losern eigentlich gar keinen Sinn.“
Mit seinem Verhalten traf er genau den beabsichtigten Nerv. „Wir wäre es, wenn du deine Fresse hältst, he?“, fuhr Gajeel ihn sogleich an. Bevor Orga sich weiter dazu äußern konnte, fühlte Natsu sich plötzlich angegriffen. „Wie wäre es, wenn du deine Fresse hältst, he?“, blaffte er Gajeel an und war drauf und dran auf ihn loszugehen. Zum Glück stand Gray noch dazwischen, der Natsu mit einem gekonnten Hieb ins Gesicht aufhielt. Waren die nicht irgendwie auf der gleichen Seite?
„Sag mal hast du sie noch alle“, brauste Gajeel auf, „suchst du jetzt Streit mit jedem?“
Natsu waren inzwischen alle Sicherungen durchgeknallt. „Ich mach euch alle platt!“, schrie er los und begann sich mit den anderen wild zu prügeln.

Alyssa warf den anderen einen Blick zu. Man konnte es nicht in Worte fassen. Das hier war ein Desaster. Entschuldigend lächelte sie die Anwesenden an, die neben Lucy noch aus Mirajane und Freed bestanden. Es war einzig und allein ihr Verdienst, dass sie hier niemals vom Fleck kommen würden. Aber wer konnte auch ahnen, dass Sting durchgehend ein überheblicher Arsch war und es sich gleich mit jedem verscherzte? Alyssa war sich sicher, er könnte seine Leute unter Kontrolle halten, wenn er es wollte. Also wollte er nicht!

„Es tut mir echt Leid, Leute. Irgendwie habe ich mir das nicht so schwierig vorgestellt. Wohlmöglich sollten wir diese Idioten einfach zurücklassen und uns alleine auf den Weg machen.“ Alyssa versuchte die Situation irgendwie zu retten, aber der Zug war schon lange abgefahren. Dafür würde sie Sting umbringen. Machte er das etwa extra? Sie warf ihm einen angesäuerten Blick zu und als sie tatsächlich ein zufriedenes Grinsen auf seinem Gesicht entdeckte, das natürlich direkt ihr galt, wäre sie am liebsten auf ihn losgegangen.

„Ach das macht nichts“, entgegnete Mirajane freundlich. Ihre hellen langen Haare wellten sich ihren Körper entlang und bildeten einen wunderschönen Kontrast zu dem himmelblauen Kleid, das sie trug. Auch wenn sie wohlmöglich genervt war, zeigte ihr Lächeln nichts dergleichen. „Die werden sich gleich wieder einkriegen.“ Sie schien sich vollkommen sicher zu sein, Alyssa hingegen hegte noch berechtigte Zweifel.

Mirajane Strauss. Es war unnötig zu betonen, wie hübsch sie war… aber sie war unfassbar hübsch. Ihr Lächeln wirkte ehrlich und warm und vermittelte einem das Gefühl willkommen zu sein. Sie war auf der Suche nach ihrer Schwester und wollte der Gruppe helfen. Sie und ihr Bruder Elfman gehörten zu den Personen, die sich direkt damit einverstanden erklärt hatten, sie zu unterstützen.

„Ich gehe eher davon aus, dass das auch morgen noch so weiter geht“, kommentierte Freed das sich ihm darbietende Schauspiel unzufrieden. Erstaunlicherweise ähnelte er Rufus ungemein. Das lag nicht einmal nur an seiner Haarlänge, sondern auch an seinem Kleidungsstil und der beharrlichen Einstellung selbst bei schwülen 40 Grad im Schatten ein Frack zu tragen.

Freed Justine. Über ihn wusste Alyssa nicht sonderlich viel. Auch er war auf der Suche nach einem Kameraden. Für gewöhnlich war eine Frau mit einer Brille bei ihm, Evergreen, jedoch war sie mit Elfman bei den anderen am Strand geblieben, falls sich dort neue Entwicklungen ergeben würden.

So ungern Alyssa es zugab, aber sie glaubte auch, dass sich diese witzlose Szene noch ewig ziehen würde. Sie wollte sich gerade mit den anderen über ihr weiteres Vorgehen beraten, als Mirajane plötzlich an ihr vorbeischritt und sich vor den streitenden Männern aufbaute.
„So Jungs, ich hab jetzt die Schnauze voll.“ Sie lächelte liebevoll in die Runde, während sie die Hände hinter dem Rücken verschränkt hielt. „Ich möchte endlich nach meiner Schwester suchen. Also entweder brechen wir jetzt auf oder ich knöpf euch an einem Baum auf und lass euch so lange dort hängen, bis die Maden eure Körper zerfressen haben. Verstehen wir uns?“ Sie legte den Kopf schief und lächelte. Mit einem Mal bekam ihr Lächeln eine ganz andere Bedeutung. Alyssa spürte einen heftigen Schauer ihren Rücken hinabrasen, der sich offensichtlich selbst versuchte in Sicherheit zu bringen. Was ging da gerade ab? Das konnte nicht sein, was war mit dieser herzlichen Frau passiert? Sie starrte Mirajane an, die den nächsten wohlmöglich töten würde, der die Suche nach ihrer Schwester weiter hinauszögerte. Alyssa musste dringend ihre Beschreibung korrigieren!

Mirajane Strauss. Es war unnötig zu betonen, wie hübsch sie war… aber sie war unfassbar hübsch. Ihr Lächeln wirkte ehrlich und warm und vermittelte einem das Gefühl willkommen zu sein. Sie war auf der Suche nach ihrer Schwester und wollte der Gruppe helfen. Sie und ihr Bruder Elfman gehörten zu den Personen, die sich direkt damit einverstanden erklärt hatten, sie zu unterstützen. Korrektur: Ihr Lächeln wirkte satanisch.

Die Jungs hatten aufgehört sich zu bekämpfen, wobei bislang nur Natsu, Gray und Gajeel sich miteinander gekloppt hatten. Warum auch immer, diese Vollidioten!
Mit weit aufgerissenen Augen starrten sie Mirajane an, als würde sie versuchen abzuschätzen, inwieweit ihre Warnung ernst zu nehmen war. Sehr ernst, das konnten die glauben. Alyssas Menschenkenntnis gab da klare Warnungen von sich.
„Das hat sie nicht wirklich gesagt“, murmelte Lucy sichtlich von der Rolle. Es hatte sie genauso kalt erwischt wie Alyssa, dennoch war sie diejenige, die sich am schnellsten wieder sammelte. Geräuschvoll räusperte sie sich. „Ehm also, können wir dann aufbrechen?“
Zufrieden mit der guten Entwicklung gab Mirajane stellvertretend für alle ihre Zustimmung. „Aber sicher doch.“

„Und was wenn ich dem jetzt widerspreche?“, fragte Natsu blöd nach. Machte er das eigentlich mit Absicht oder war er echt so doof?
„Schnauze jetzt!“, blaffte Gray ihn an und schlug die flache Hand gegen seinen Hinterkopf, sodass Natsu nach vorne stolperte. Sogleich fuhr er zu Gray herum. „Mach das nochmal du Pissbeule!“
„Geht das jetzt wirklich wieder los?“, fragte Rufus wehleidig, als würde er sich nur mit unterbemittelten Idioten abgeben. Natürlich ließ Gray so eine Arroganz nicht auf sich sitzen und bereits in der nächsten Sekunde brach der nächste wilde Streit aus, an dem sich auch Gajeel und Orga beteiligten.

Währenddessen schlenderte Sting gemütlich zu Alyssa und den anderen. Er stellte sich neben sie, seine Augen immer noch auf die zankende Gruppe gerichtet. „Ich hoffe das wird deinem Vorhaben gerecht, mich im Auge zu behalten“, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht. Oh ja natürlich, am besten streute er noch mehr Salz in die offene Wunde. Als Antwort auf seine dumme Bemerkung streckte sie ihm den Mittelfinger entgegen, was sein schiefes Grinsen nur noch breiter werden ließ. So eine Reaktion war von ihm abzusehen gewesen. Trotzdem ärgerte sich Alyssa darüber.  

Nachdem Mirajane ihre Warnung wahr gemacht und Natsu mit einem teuflischen Treffer ausgeknockt hatte, löste sich der Streit wie durch ein Wunder von selbst auf. Es schien der Zeitpunkt gekommen zu sein, an dem sie endlich zum eigentlichen Grund ihres Zusammentreffens kommen und mit der Suche beginnen konnten. Dank Mirajane. Die immer noch zu unheimlich und unberechenbar für ihr hübsches Gesicht war.
Gerade wollte die ungleiche Gruppe in den Dschungel aufbrechen, als wilde Rufe sie davon abhielten.

„Heeey“, rief ihnen die weibliche Stimme hinterher. Verwundert blickte Alyssa über die Schulter. Als sie Millianna wie eine Verrückte winken und auf sie zulaufen sah, bildete sich der Anflug eines Lächelns auf ihren Lippen. „Ich will noch mitkommen, wartet auf mich!“
Außer Atem kam sie bei ihnen an und musste sich nach der Anstrengung erst einmal mit den Armen auf den Beinen abstützten. Ihr zierlicher Brustkorb bewegte sich energisch auf und ab, während sie versuchte wieder gleichmäßig zu atmen.

Was für eine Überraschung. Alyssa hatte bei ihrem Versuch die kleinen Grüppchen einander näher zu bringen auch mit Kagura und Millianna über die Dschungelexpedition gesprochen und von ihnen eine klare Abfuhr erteilt bekommen. Dass Millianna nun doch mitkommen wollte, konnte nur bedeuten, dass sie ihre festgefahrene Meinung geändert hatten.

Na bitte, es passierten doch noch Wunder. Dann konnte ja nichts mehr schief gehen.

Fortsetzung folgt…
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