Tautropfen des Glücks

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Alea der Bescheidene Falk Irmenfried von Hasenmümmelstein Jean Méchant der Tambour Lasterbalk der Lästerliche OC (Own Character)
17.06.2017
13.08.2019
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„Es gibt ein Bleiben im Gehen, ein Gewinnen im Verlieren, im Ende einen Neuanfang.“ - Volksweisheit

Am nächsten Morgen war es in dem sonst so lauten Tourbus totenstill. Vivienes und Connors Horrorgeschichte hatten nun alle erfahren. Der Schock saß tief und die Freunde fanden keine Worte.
In Viviene war aber eine gewisse Ruhe eingekehrt. Endlich hatte sie sich ihrer Vergangenheit stellen können. Alle Emotionen waren gestern Abend durch sie hindurch geflossen. Sie fühlte sich leer. Dies war aber kein schlechtes Gefühl. Es war eher so wie ein Gefühl der Reinigung. Sie war erstaunt welche Wende in ihrem Leben sich das Schicksal für sie ausgedacht hatte. Seit Viviene ihre Freunde hier kennen gelernt hatte, hatte sie begonnen ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Jeder Einzelne von ihnen hatte etwas dazu beigetragen, dass sie sich nun den ganzen schrecklichen Ereignissen stellen konnte. Sie fühlte sich zum ersten Mal dem gewachsen und war ihren Freunden für den starken Rückhalt mehr als dankbar.

Nun war auch noch Connor wieder in ihr Leben getreten. Viviene war sich nun ganz sicher, dass er nichts mit den illegalen Machenschaften seines Vaters zu tun hatte. Auch er hatte all die Jahre gelitten und getrauert. Dies hatte man ihm gestern Nacht am Lagerfeuer angesehen. Die Gedanken an ihn machten Viviene ein flaues Gefühl im Bauch. Connor wollte heute Mittag wieder herkommen. Was sollte sie zu ihm sagen?  Wie sollte sie sich verhalten? Ihr Magen schlug nun Purzelbäume vor lauter Aufregung und Verwirrung. An Frühstück war gar nicht zu denken. Sie schob die Schüssel Müsli bei Seite. Elsi, der neben ihr saß konnte das schöne Müsli nicht verkommen lassen und zog die Schüssel zu sich. Mit einem gewaltigen Appetit begann er dieses in sich rein zu schaufeln.  Diese Tat brach die Stille und gedrückte Stimmung der Businsassen auf. Alle mussten lachen und fanden allmählich wieder zurück in die Gegenwart. Viviene zog sich im Klo zurück um sich frisch zu machen. Sie putzte sich die Zähne, bürstete ihre Haare bis sie glänzten und trug ein bisschen Makeup auf. Zurück in ihrer Koje überlegte sie nun was sie anziehen sollte. So viel Auswahl hatte sie nicht dabei, trotzdem war es ihr unmöglich hierbei eine Entscheidung zu fällen. Katja konnte sich dies irgendwann nicht mehr ansehen. „Kann ich dir vielleicht dabei helfen deine Klamotten von hierhin nach dorthin zu schieben?“ fragte sie mit einem Grinsen im Gesicht. Viv blickte sie dankbar an. „Oh ja, bitte!!! Ich weiß nicht was ich anziehen soll.“ Katja lachte laut auf „Ja, dass habe ich mir gedacht. Du bist sehr aufgeregt Connor bald wieder gegenüber zu stehen, hmm?“ „Ja und wie. Die Situation überfordert mich. Ich weiß nicht was ich tun oder sagen soll.“ Viviene ließ ihren Kopf hängen. „Das ist doch mehr als verständlich“ meinte Katja. „Nach allem was ihr erlebt habt und nach all der Zeit die ihr euch nicht gesehen habt. Aber sei einfach nur du selbst. Geh mit ihm spazieren und redet miteinander. Du wirst sehen alles wird sich fügen und du wirst dann einen Weg für dich finden.“ Viv sah ihrer Freundin in die Augen und nickte, griff nach der nächstbesten Jeans und einem T-Shirt und ging sich umziehen. Als sie vor dem Spiegel stand und überlegte ob sie ihre langen Haare offen lassen oder doch lieber zu einem Pferdeschwanz zusammenbinden sollte kam Alea zu ihr und beobachtete sie eine Weile. „Lass sie offen. Das steht dir am besten.“ Er  lächelte sie an und auch auf ihrem Gesicht stahl sich ein Lächeln. „Oh man. Mein Verhalten tut mir gerade so Leid.“ sie schüttelte nun über sich selber den Kopf. Beide mussten Lachen. Dann wurde Alea ernst. „Wenn er dir zu Nahe treten sollte, oder du dich nicht wohl fühlst dann bitte melde dich. Ich hol dich dann da raus. Wenn wir einen Auftritt haben kannst du dich sicher an Gisi wenden.“ „Alea, Connor wird mir nichts tun. Er hat genauso viel Schlimmes erlebt wie ich. Ich weiß nicht wie das alles nun verlaufen wird und ob wir einen Weg zueinander finden werden und wie dieser wohl aussehen wird. Aber ich verspreche dir mich gleich bei einem von euch zu melden, wenn ich mich nicht wohl oder bedroht fühle.“ Alea atmete tief ein und strich sich eine lange blonde Strähne hinter sein Ohr. „Okay, danke. Ich mach mir nur Sorgen...“ Viviene nahm ihren besten Freund in die Arme. „Das weiß ich.“
Plötzlich kam Luzi auf die Beiden zu. „Connor steht draußen und wartet auf dich. Viel Glück, Kleine. Und melde dich wenn du Hilfe brauchst.“ Auch Luzi bekam eine Umarmung. Dann atmete Viviene tief durch und stieg aus dem Bus. So sah sie nicht mehr wie Alea den Kopf hängen lies und Luzi ihm eine Hand auf die Schulter legte.
Draußen begrüßte sie ein schöner warmer und sonniger Herbsttag und Connor der ein paar Meter vor dem Bus wartete. Er trug heute ebenfalls eine einfache Jeans und ein Shirt. Er sah müde aus. Nach einem weiteren tiefen Atemzug ging Viviene auf ihn zu. Er lächelte sie unsicher an „Sollen wir ein Stück laufen?“ fragte er. „Sehr gerne“ antwortete Viviene.

Eine ganze Weile liefen die Beiden nebeneinander über den Markt. Dieser hatte gerade erst geöffnet und langsam trafen immer mehr Menschen auf das Gelände ein. Viviene wählte einen Weg der sie an ruhigere Plätze brachte. Irgendwann begann Viv einfach von ihrem Leben auf Tour und über die MPS-Veranstaltungsorte zu erzählen. Sie erzählte Connor auch wie es dazu kam, dass sie eine Band auf ihrer Reise durch Deutschland begleitete und von ihrem zu Hause in Karlsruhe. Von ihrem Job im Museum über kam sie dann auf ihr Studium in Glasgow und so hatten sie das Sprungbrett in die Vergangenheit erreicht. Connor hörte ihr aufmerksam zu und begann dann auch von sich zu erzählen. Er allerdings begann in der Vergangenheit. Nach diesen furchtbaren Ereignissen wurde er von den Geheimdienst Agenten eine ganze Zeit lang überwacht, da diese eine Verbindung zu seinem Vater und seinem Waffenschmuggel vermuteten.  Dies war für ihn eine harte Zeit und Connor begann sich gehen zu lassen. Vor allem trank er zu viel. Zwei Jahre später suchte ihm sein Vater auf und wollte Connor auf seine Seite ziehen. Connor drehte darauf hin völlig durch. „Viv, ich habe rot gesehen und auf meinem Vater wie ein Irrer ein geprügelt. Allerdings war er nicht allein gekommen, sondern hatte noch drei seiner Leute dabei. Ich war sehr betrunken und so konnten sie mich überwältigten und prügelten mich krankenhausreif.“ Viviene blickte ihn erschrocken an. „Oh mein Gott. Und was passierte dann?“ Diesmal nahm Connor einen tiefen Atemzug. „Ich erwachte im Krankenhaus und wusste, dass ich so nicht mehr leben wollte. Es musste sich etwas ändern. Ich musste mich ändern.“ Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus zog er nach London und ging dort auf die Polizeischule. Danach ging er zum MI6 und wurde selber ein Agent. Er wollte alles tun um Männern wie seinem Vater das Handwerk zu legen.

Viviene war beeindruckt. Diesen Werdegang hätte sie sich für Connor nie denken können. Aber jetzt fand sie, dass es sehr gut zu ihm passte. „Was ist mit Duncan? Wurde er geschnappt?“ fragte sie. „Leider nicht. Er ist nicht dumm und weiß wie man untertauchen kann. Seine Fährte verliert sich in Ägypten.“ Viviene nickte nur. Es wäre auch viel zu schön gewesen, wäre Duncan schon hinter Gittern.

Und so umrundeten die Beiden immer wieder das Marktgelände und versuchten dem anderen die letzten 15 Jahre zu erzählen und zu erklären. Connor erzählte auch von Jane, seiner Exfrau. Sie waren fünf Jahre lang verheiratet. Die Ehe ging allerdings vor einigen Jahren zu Bruch, da Connor nie zu Hause war und eher mit seiner Arbeit verheiratet war. Dies traf Viviene sehr. Connor hatte sich noch einmal verliebt und hatte sogar geheiratet. Sie hingegen hatte ihn nie vergessen und sich auch sonst keinen anderen Mann in ihrem Leben vorstellen können. Oder? Ein Bild von einem wild auf der Bühne herum springenden Alea stahl sich kurz in ihre Gedanken. Lächelnd schüttelte sie den Kopf. Alea war ihr bester Freund. Nicht mehr und nicht weniger. …. Oder? Diese verwirrenden Gedanken schob sie bei Seite und konzentrierte sich wieder auf Connor und seinen Erzählungen. Allerdings meldete sich bei beiden bald der Hunger und sie steuerten den nächsten Essensstand an.
Währenddessen begann für die Saltaten wieder ein ganz normaler Arbeitstag auf dem MPS. Alea hatte sich nachdem Viviene mit Connor gegangen war erstmal zurückgezogen. Irgendwie hatte ihn eine innere Unruhe erfasst. Irgendwas fühlte sich für ihn nicht gut an. Allerdings konnte er den Ursprung dieser Unruhe nicht greifen.  Als es so langsam Zeit für den Soundcheck war kam Lasterbalk zu Alea nach hinten. „Na du? Alles klar?“ Alea sah zu seinem Freund und zuckte nur mit den Schultern. Lasterbalk schüttelte den Kopf. „Du sagst doch immer, wenn man dich danach fragt, dass ihr nur Freunde seid. Und jetzt schmollst du hier herum? Hast du vielleicht gemerkt, dass du doch mehr für Viv empfindest?“ „Ganz ehrlich Balki, ich hab keine Ahnung. Außerdem habe ich die Befürchtung das ich mich schon wieder in etwas verrenne.“ Lasterbalk trat näher an Alea ran und klopfte ihn auf die Schulter. „Das denke ich mir schon die ganze Zeit. Ihr habt euch beide abhängig voneinander gemacht, weil ihr zwei einsame Seelen seit, auf der Suche nach Liebe.“ Alea verdrehte die Augen. „Wird das ein neuer Songtext?“ Lasterbalk lachte laut los „Neeeeee, dass wäre nicht mein Stil....viel zu schnulzig.“ Nun lachten beide. „Alea, jetzt mal Spaß bei Seite...“ weiter kam er nicht, denn Alea prustete los. „Das ist ein Songtitel von Versengold....den kannst du nicht verwenden, sonst haut dich der Malte“ prustete er weiter. Lasterbalk schüttelte nur den Kopf und meinte „Im Ernst jetzt! Verrenne dich nicht. Schau erst mal wie sich alles zwischen Connor und Viviene entwickelt. Dann werde dir klar was du fühlst. Sollte es mehr sein als Freundschaft musst du mit Viv reden. Aber versuch ihr nicht bei der Entscheidung im Weg zu stehen.“ Bei diesen Worten wurde Alea ernst. „Keine Sorge, dass werde ich nicht.“

So machten sich die zwei Spielmänner auf dem Weg zur Bühne wo die anderen bereits auf sie warteten um mit den Soundcheck zu beginnen. Alea war froh um die Ablenkung und konzentrierte sich voll auf seine Aufgaben. Während dem Nachmittagskonzert erwischte er sich allerdings immer wieder dabei wie er das Publikum nach Viviene absuchte. Und plötzlich sah er sie. Sie war zum Konzert gekommen. Aber nicht allein. Neben ihr saß Connor ...
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