Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Cœur de Pirate   ||   Piratenherz

von Aersling
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Gen
Bepo Don Quichotte de Flamingo Ikkaku OC (Own Character) Shachi Trafalgar Law
17.06.2017
14.10.2021
137
539.733
79
Alle Kapitel
530 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
14.10.2021 3.163
 
Als das warme Orange der untergehenden Sonne Nassau in ein weiches Licht tauchte, wurde Damian schrecklich kalt. Er hatte getan, was er konnte. Hatte seine Männer auf den Berg beordert. Hatte ihnen nochmal klar gemacht, wie kritisch die Lage mittlerweile war.

Und er scheiterte trotzdem auf ganzer Linie.

Sie hatten Alyah immer noch nicht gefunden und dass der Chirurg des Todes keine leere Drohung ausgestoßen hatte, war Damian ebenfalls klar.

Aber warum zur Hölle nahm Trafalgar Law diese Sache, so grausam sie auch war, derart persönlich?! Die Heart-Piraten hatten nichts damit zu tun. Dass Alyah und Io sich ähnlich sahen, war Damian voll bewusst, aber es war nicht ihre Schuld, dass Salvadors Crew auf widerwärtigste Weise kriminell war. Es lag nicht in ihrer Verantwortung, Nassaus Bevölkerung zu schützen.

Und angesichts von Trafalgar Laws Ankündigung befürchtete Damian mittlerweile, dass das auch gar nicht die Intention der Heart-Piraten war. Er war sich nämlich längst nicht mehr sicher, ob der Shichibukai bewusst offen gelassen hatte, ob er vom Blut der Salvdor-Bande oder von Damians Leuten gesprochen hatte.

„Mach dir keine Sorgen. Wenn Trafalgar wirklich so weit geht, werde ich gegen ihn kämpfen.“

Aber wenn Damian etwas nicht wollte, dann war es diese Auseinandersetzung!

Er war mit 28 Jahren zwar noch relativ jung, aber lange genug über die Meere gesegelt. War ein Veteran. Hatte genug Schlachten hinter sich, um zu wissen, dass diese ganz anders ablaufen würde als der Kampf gegen die Salvador-Bande. Die Heart-Crew umfasste nur wenige Mitglieder, aber das hieß nur, dass sie es gewohnt sein mussten, gegen eine Überzahl anzutreten. Es bedeutete, dass jeder einzelne von ihnen stark war, denn sonst wären sie nie so weit gekommen.

Und wenn etwas noch schlimmer war als der Zusammenprall einer Teufelskraft mit Sprengstoff, dann war es ein Kräftemessen zwischen zwei Teufelskräften.

Selbst wenn der Chirurg des Todes unterliegen würde, würde Nassau einen hohen Preis dafür bezahlen und die Menschen hier hatten schon genug gelitten. Diese Insel war beinahe von Whitebeards Erdbeben-Frucht zerrissen worden, als er damals Kelet, die Tyrannin, die Nassau und die umliegenden Gewässer terrorisiert hatte, unschädlich gemacht hatte. Damians Blick huschte den sichelförmigen Berg hinunter, der während dieses Kampfes zerschmettert worden war. Legte sich direkt auf die unzähligen Lichter, die die florierende Stadt erhellten. Er hatte geschworen, dieses Eiland zu beschützen. Hatte eigenhändig geholfen, diese Häuser wieder aufzubauen, nachdem Shiryuu des Regens die Insel während dem Vergeltungskrieg erneut in Schutt und Asche gelegt hatte.

Damian richtete sich wachsam auf, als Halefs Stimme leise zu ihm herüber wehte. „Wir haben Neumond. Wenn es hier Spuren geben sollte, dann werden wir sie nicht mehr erkennen, sobald es richtig dunkel ist, Käpt’n.“

„Bei Nacht über das Geröll und die steilen Felsen zu klettern, wird ebenfalls riskant. Wenn der Hang rutscht, könnte es sie auch treffen.“ Jean Barts tiefes, grollendes Brummen.

Unauffällig wandte sich der ehemalige Whitebeard-Pirat zu Trafalgar Law um, der keine zehn Meter von ihm entfernt auf eine hoch aufragende Felsnadel geklettert war, um die Umgebung zu sondieren und gleichzeitig die Suchmannschaften im Auge zu behalten. Damian konnte regelrecht spüren, wie die Temperaturen sanken, als der eiskalte Blick des Chirurgen über den Berg schnitt. Aber der Kapitän der Heart-Piraten schwieg eisern, während die Einwände seiner eigenen Mannschaft unbehelligt an ihm abprallten. Völlig unbeeindruckt. Nahezu majestätisch, wenn direkt neben ihm nicht Io mit baumelnden Beinen auf der Felskante sitzen und sich gähnend strecken würde.

So war es schon den ganzen Tag.

Wie ein Schatten klebte die merkwürdige Jugendliche an Trafalgar Laws Seite. Schweigend. Soweit Damain es mitbekommen hatte, hatten die beiden kein Wort miteinander gewechselt. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass Io auch nur einen winzigen Stein bei der Suche umgedreht hatte, während alle anderen die Insel auf den Kopf stellten.

Io war der einzige Heart-Pirat, der wortwörtlich nichts getan hatte.

Und sie war der einzige Mensch im weiten Umkreis, dem Trafalgar Law diese Tatenlosigkeit kritiklos nachgesehen hatte. Warum war sie überhaupt hier, wenn sie nichts beizutragen hatte?!

„In einer Stunde ziehen wir uns zurück und organisieren uns neu“, peitschte die monotone Stimme des Chirurgen nach allzu langer Pause über den Berg. Leise, aber dafür umso durchdringender. Unterlegt von einem bitteren Grollen.

„Aye!“

Damian hörte aus der einstimmigen Antwort der Heart-Crew denselben Frust heraus, der auch über ihm zusammenschlug.

Nicht eine einzige, winzigste Spur von Alyah. Weder in der Stadt, noch sonst wo. Niemand hatte sie gesehen. Niemand von ihr gehört. Und sie wurde schon zu lange vermisst.

Es war vorbei.

Der Blauhaarige wusste es und alle anderen wussten es auch. Er schluckte hart und kämpfte sich weiter voran. Die Einheimischen hatten auf ihn und seine Leute vertraut. Viele hatten sich nur hier angesiedelt, weil die Piraten von Nassau für ihren Schutz garantiert hatten. Und er hatte versagt. War seinem Versprechen nicht gerecht geworden.

„Gehst du mit Trafalgars Befehl konform, Damian?“

Er wusste, was Kano damit bezweckte. Der Grauhaarige war sein engster Vertrauter. Sein bester Freund. Und Kano wollte nicht einfach den Anweisungen eines fremden Kerls folgen, dem er nicht vertraute. Aber die anderen Männer waren alle erschöpft. Sowohl Trafalgar Laws Leute als auch seine eigenen. Völlig ausgebrannt. Fast 10 Stunden ohne Pause hatten sie sich verausgabt. Hatten sich nur ein paar Momente gegönnt, um einen Happen zu Essen hinunterzuschlingen oder ein paar Schlucke Wasser in sich hineinzuschütten, bevor sie ihre protestierenden Muskeln gezwungen hatten, sich weiter zu bewegen.

„Jeder, der nicht mehr kann oder will, soll zurück in die Stadt gehen und sich ausruhen“, entschied Damian knapp.

Kano runzelte die Stirn. „Und was wirst du tun?“

Der Blauhaarige zuckte nur mit den Schultern. „Weitersuchen, natürlich.“

„Ich habe nichts anderes von dir erwartet“, nickte Kano stolz. Dann formte er seine Hände zu einem Rohr und gab Damians Entscheidung laut weiter.

Keine Minute später stand Trafalgar Law plötzlich neben ihm.

„Du gefährdest deine Leute, Damian-ya“, urteilte er genauso ungnädig und arrogant wie schon den Rest des Tages.

„Halt dich da raus, Trafalgar!“, schnappte der Blauhaarige aufgebracht zurück und ballte die Fäuste. Verdammt nochmal, der Chirurg des Todes war einfach nur unerträglich! Musste alles ungefragt bewerten und so tun, als wüsste er alles besser. Als ob es nicht schon schlimm genug war, dass sie Alyah nicht gefunden hatten! Nein, das Schicksal musste ihn auch noch mit einer Geißel namens Trafalgar Law strafen!

Außerdem hatte Damian sich heute schon viel zu oft vor dem Kapitän der Heart-Piraten gerechtfertigt und war um des lieben Friedens Willen zurückgewichen, aber das musste er nicht. Vor niemanden. Und jetzt erdreistete dieses Arschloch sich auch noch, ihm ausgerechnet diesen Vorwurf zu machen, obwohl er Nassau vorhin höchstpersönlich gedroht hatte?!

Das war endgültig genug!

„Ich bin einer der Protektoren dieser Insel und wenn meine Männer für sich eine Entscheidung treffen, hast du dich nicht einzumischen!“, explodierte Damian und blitzte den Shichibukai wütend an. „Wenn dir nicht passt, wie wir die Dinge hier regeln, dann verpiss dich gefälligst auf dein Schiff und such dir eine Insel, wo du Leute ungestraft herumkommandieren kannst, Trafalgar! Aber falls du das hier auf Nassau noch ein einziges Mal versuchst, dann bekommst du es mit mir zu tun, hast du das verstanden?!“

Erst als Kano ein schockiertes Keuchen ausstieß und sich Trafalgar Laws Brauen gefährlich zusammenzogen, ging Damian auf, was er gerade getan hatte.

Er hatte dem Chirurg des Todes gedroht.

Einem extrem gefährlichen Piratenkapitän, der nur mit einer Handvoll Männer Rocky Port dem Erdboden gleichgemacht hatte. Der Sadist, der 100 schlagende Herzen an die Weltregierung verschachert hatte, um Shichibukai zu werden. Der Wahnsinnige, der sich völlig freiwillig und ohne jeden ersichtlichen Grund in den Krieg der Besten eingemischt hatte. Aber all das war Damain herzlich gleichgültig. Er war frustriert, deprimiert, zornig und müde. Und egal, ob es gegen die Salvador-Crew, die Heart-Piraten oder sonst einen Feind ging, er würde kämpfen! Es ging nicht nur um die Stadt. Mauern konnten eingerissen und Häuser niedergebrannt werden, aber den Kern von Nassau war etwas anderes. Es waren die Menschen. Die Leute, die hier eine Heimat gefunden hatten. Und Alyahs Eltern hatten mehr verdient als ein leeres Grab zum Trauern.

„Damian-ya.“

Es war nur ein dunkles Grollen. Wie der ferne Donner eines näherziehenden Gewitters und dieser Sturm braute sich direkt vor den Augen des ehemaligen Whitebeard-Piraten zusammen.

„Law!“

Der Chirurg des Todes reagierte nicht darauf, als jemand hinter seinem Rücken nach ihm rief. Blieb voll auf den anderen Piraten fixiert, der seinem Blick unnachgiebig stand hielt. Trafalgar Law fehlten die Nerven, um sich im Moment so hemmungslos beleidigen zu lassen! Den ganzen Tag schon bremste der Blauhaarige ihn mit seinen elenden Zweifeln und Diskussionen aus. Außerdem hätten sie viel mehr Zeit für die Suche gehabt, wenn er ihnen früher Bescheid gegeben hätte! Aber Damian hatte versucht, Alyahs Verschwinden vor den Heart-Piraten zu verschweigen. Vielleicht hatte er damit sogar ihr Leben verspielt und damit einen Menschen mehr umgebracht, der künftig auf Laws Gewissen lasten würde.

„Wiederhol das, Damian-ya“, forderte er kalt und festigte unmerklich den Griff um Kikokus Scheide.

„Law!“

„Ich war bereits deutlich genug, Trafalgar!“

Grau gegen Blau. Keiner bereit nachzugeben. Sich gegenseitig abwägend.

„Damian!“

Trafalgar Law und der ehemalige Whitebeard-Pirat fuhren so abrupt herum, dass die Jugendliche erschrocken zusammenzuckte und automatisch einen Schritt zurückwich, als sie sich plötzlich im direkten Fokus der beiden höchst gereizten Männer wiederfand.

„Was habe ich dir gesagt, Io-ya?!“, fuhr der Kapitän der Heart-Piraten die Jugendliche harsch an.

„Ich soll nicht mit Fremden sprechen“, murmelte sein Schützling defensiv und senkte schnell den Kopf, bevor sie tief Luft holte. „Aber... aber du hast nicht reagiert und außerdem ist Damian kein Fremder. Er war den ganzen Tag bei uns und... und wir haben das gleiche Ziel und wir hätten ihn sowieso fragen müssen... und Alyah...“

Damian wurde schwindlig, als ihre immer leiser werdende Stimme endgültig verhallte. War Trafalgar Law bis eben noch lediglich wütend gewesen, so war das, was er jetzt in den steingrauen Iriden des Schwarzhaarigen wiederfand, eine Form von Aufruhr, die er viel zu gut nachvollziehen konnte. Frustration. Eine merkwürdige Art Hilflosigkeit, die er dem düsteren Mann niemals zugetraut hätte. Vielleicht sogar ein Hauch von Angst? Nein, das bildete er sich nur ein.

„Was hättet ihr mich fragen müssen?“, fragte Damian verwirrt und versuchte seine durcheinandergeratenen Gedanken abzuschütteln.

Ios wachsamer Blick klebte weiterhin primär an Trafalgar Law fest. „Gibt es auf dieser Insel Höhlen, Damain?“, fragte sie nach kurzem Zögern vorsichtig, ohne ihn anzusehen.

„Nein, aber-“ Der Blauhaarige stockte, als ihn die Erkenntnis traf wie ein Elektroschock. „Scheiße, wir haben die alte Mine vergessen!“, fluchte er los und klatschte sich die Hand gegen die Stirn. Warum hatte er daran nicht gedacht?! „Kano-“

„Es ist unmöglich, dass sie dort ist, Damian. Wir haben alle Eingänge selbst versiegelt“, erinnerte der Grauhaarige ihn mitleidig. Fühlte sich spontan schuldig, weil er die vage Hoffnung, die sich in dem Blauhaarigen just manifestiert hatte, direkt wieder zerschmettern musste.

„Das ist mir egal, Kano! Wir-“

„Damian, wenn wir unsere Kräfte jetzt splitten, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie finden nur noch weiter!“

„Aber wir müssen-“

„Schweigt! Alle beide!“, bellte der Chirurg des Todes aggressiv dazwischen und zog sich mit einer abrupten Bewegung den Hut so tief in die Stirn, dass sein Gesicht kaum noch zu sehen war. „Wo ist sie, Io-ya?“

Die Jugendliche zögerte. „Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie es ist...“

„Wir haben keine Zeit mehr für Diskussionen!“, würgte Law ihren Einwand so laut ab, dass er beinahe brüllte. Fühlte, wie seine Selbstbeherrschung endgültig ins Wanken kam, als seine Gedanken begannen Amok zu laufen. Hatte Io nicht nur Alyah sondern auch ihre Verletzungen erspürt? Erahnte Io bereits, was man dem Mädchen angetan hatte?

Wusste sie es?!

Ja.

Ihre Fähigkeiten ließen gar nichts anderes zu. Aber statt Io davor zu bewahren, hatte er- er hatte sich nicht getraut, sie aus seinen Augen zu lassen, aber dadurch hatte er sie mit etwas konfrontiert, mit dem sie so niemals in Kontakt kommen sollte! Einer Sache, die sie offensichtlich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs trieb! Verdammt, sie musste sofort weg von hier! Aber wenn er das tat, würde das andere Mädchen- Trafalgar Law biss sich so hart auf die Innenseiten seiner Wangen, dass er Blut schmeckte.

„Zeig mir, wo du etwas gespürt hast, Io-ya“, befahl er. Versuchte, seine bebende Stimme unter Kontrolle zuhalten, aber es gelang ihm nicht. Seine Worte trafen sie wie ein Peitschenhieb und Trafalgar Law konnte nichts tun, als sich selbst dafür zu verabscheuen. Er hatte Io als ihr Corazón geschworen, sie zu beschützen. Er hatte dasselbe auch bei Lamy versucht. Und er konnte es nicht. Ob damals oder heute, er konnte es einfach nicht! Stattdessen machte er alles nur noch schlimmer.

„Es ist nicht weit.“ Ios Stimme zitterte, als sie sich nach rechts drehte und über das Geröll davon schlich, als würde sie einem unsichtbaren Faden folgen. Aber das Flackern in ihren goldenen Iriden, bevor sie sich angewandt hatte...

Damians Mund wurde schrecklich trocken. Der Ausdruck im Gesicht der Jugendlichen ließ ihm eine ganz andere Art von Schauder über den Rücken hinab rinnen. Sie war während der Suche so stumm und gleichmütig gewesen. Nur ein stilles Anhängsel von Trafalgar Law. Aber jetzt... Das war nicht dieselbe Art von Sorge und Hilflosigkeit, die alle anderen Anwesenden im eisernen Griff hielt.

Es war blanke Angst. Fast, als würde ihr ein Dämon im Nacken sitzen.

Aber was genau hatte das ausgelöst?! Io sollte keinen Grund haben, sich zu fürchten. Sie hatte eine horrende Teufelskraft. Laut Anne hatte sie Zeki und die Salvador-Piraten am Strand verstümmelt, ohne mit der Wimper zu zucken. Io hatte heute morgen auch gespürt, dass er Rückendeckung gehabt hatte. Hatte sogar Trafalgar davor gewarnt. Aber Damian hatte sie trotzdem als nutzlos deklariert. Ihre Anwesenheit für sinnlos.

Was, wenn Io auf eine Weise nach Alyah gesucht hatte, die er nicht wahrnehmen konnte?

Was, wenn sie tatsächlich mehr sehen konnte als jeder andere hier?

Hatte sie etwas wahrgenommen, das diese Furcht aufgepeitscht hatte?

Es musste so sein.

Und die Art, wie der Chirurg des Todes darauf ansprang, verdeutlichte das nochmal extrem. Damian wäre es fast nicht aufgefallen, aber die Hand, mit der er sein Nodachi hielt, begann unmerklich zu beben. So unfassbar verkrampft war Trafalgar Law nicht einmal gewesen, als er ihn gerade gereizt hatte!

Damian fühlte sich, als würde er über allzu dünnes Eis laufen, als er dem Kapitän der Heart-Piraten gemeinsam mit den umstehenden Männern vorsichtig über den steinigen Grund folgte. Knirschend und bedrohlich knackend. Brechend.

„Direkt unter uns“, murmelte Io nach ein paar Minuten leise und deutete auf den Boden zu ihren Füßen. „Aber-“

„Geh zu Bepo, Io-ya.“

„Law, ich-“

„Geh!“

Sein Room flammte ohne weiteres Zutun auf, als er ihr direkt ins Gesicht blickte. Die wirren Emotionen darin toben sah. Das war seine Schuld. Sein Versagen. Law war unfassbar dankbar, als Bepo die Jugendliche sacht aber bestimmt beiseite zog und beruhigend auf sie einsprach. Und der Kapitän der Heart-Piraten ahnte dunkel, dass es weitaus mehr brauchen würde, als nur ein paar Tage Ruhe, um die jüngst aufgerissenen Wunden in ihrem Inneren wieder heilen zu lassen. Aber bevor er sich darum kümmern konnte, musste er noch etwas anderes tun.

„Scan!“

Schnell ließ er sich auf die Knie sinken und legte eine Hand auf den Boden. Spürte mithilfe seiner Operations-Frucht tief in den Fels hinein. Brüchig. Bröckelig. Und dazwischen etwas anderes. Länglich. Starr. Law runzelte die Stirn. Versuchte, jede störende Emotion zu verbannen und sich mehr zu konzentrieren. Es war schwerer als sonst, die Unterschiede wahrzunehmen.

Aber dann fand er es endlich. Weich. Warm. Eine Kontur, die nicht zu den Felsen passte. Etwas Lebendiges. Menschliches. Zu klein, um bereits erwachsen zu sein und- seine Finger krallten sich unwillkürlich fester in das lose Gestein.

„Käpt’n“, sprach Shachi ihn leise an. „Was ist los?“

„Sie ist da, aber es geht nicht!“, grollte der Chirurg des Todes bitter. Sie war hier. Sie musste es sein. Direkt unter seinen Fingern. Hilflos. Allein. Definitiv verletzt. Und er konnte ihr nicht helfen. Würde sie vielleicht sogar eigenhändig umbringen, wenn er versuchte, sie blind mit dem Room herauszuholen. Ihr Genick könnte dabei brechen. Oder ihre Wirbelsäule. „Da ist eine Art Stollen, aber es scheint, sie wurde verschüttet. Ich werde selbst-“

„Das ist zu gefährlich!“, widersprach Penguin vehement und trat direkt neben Shachi.

„Penguin-ya...“

„Wir wollen das genausowenig wie du, aber lass uns an deiner Stelle gehen“, verlangte Shachi kopfschüttelnd. „Denn wenn dir etwas passiert...“

„.... ist niemand mehr in der Lage, Alyah zu behandeln, Kapt’n“, ergänzte der schwarzhaarige Rudergänger ernst. „Aber wenn uns etwas zustößt, dann...“

„... dann kannst du unsere Ärsche wieder einmal aus der Scheiße ziehen und dich hinterher darüber aufregen“, vollendete Shachi mit einem schiefen Grinsen. „Also, was ist jetzt? Legen wir los?“

Law glaubte, an dem dicken Kloß in seinem Hals zu ersticken, als er sich aufrichtete und sich direkt seinen beiden Crew-Mitgliedern gegenüber fand. Sie nickten ihm nur aufmunternd zu. So selbstlos. So sicher. So entschlossen.

Und er?

Er war es nicht. Hatte so eine Mannschaft nicht verdient. Und darum konnte und wollte Law ihre Leben nicht riskieren. Aber er konnte sich ihrer Argumentation auch nicht komplett entziehen. Und genausowenig konnte er Alyah da unten liegen und sterben lassen!

Das war keine Wahl, es war die reinste Tortur. Zu viel Risiko, zu viel Tod in jeder Option. Und wie man an Io allzu deutlich sehen konnte, hatte er heute schon zu oft falsch entschieden.

Er zögerte.

„Trafalgar.“

„Zu dir komme ich noch früh genug“, ätzte Law fast schon automatisch zurück. War immer noch zu sehr in seine Gedanken verstrickt, um dem Blauhaarigen tatsächlich seine volle Aufmerksamkeit zu schenken.

„Hmpf!“ Mit einem verächtlichen Schnauben stieß der ehemalige Whitebeard-Pirat die beiden Rudergänger beiseite und schlug dem Chirurg des Todes hart mit der Faust gegen die Brust, bevor er ihn grob am Kragen seines Hemdes packte und sich so weit vorbeugte, das ihre Nasenspitzen sich fast berührten. „Du wolltest, dass ich mich wiederhole, Trafalgar, darum sage ich es dir noch einmal: Du hast kein Recht, dich in die Entscheidungen von Nassaus Einwohnern einzumischen! Dieses Mädchen muss gefunden werden, solange noch eine Chance besteht, dass sie lebt. Also werde ich da jetzt runter gehen und meine verdammte Pflicht erfüllen und wenn du das Ganze beschleunigen kannst, dann tu es gefälligst!“, schnauzte Damian ihn barsch an und hielt mit voller Kraft dagegen, als sich tätowierte Finger wie ein Schraubstock um seinen Unterarm schlossen.

„Ich habe schon Leute für bedeutend weniger auseinandergenommen“, stellte der Kapitän der Heart-Piraten tödlich ruhig klar und spannte seine Muskeln an. „Bist du wirklich so lebensmüde, dass du versuchst, mir Befehle zu erteilen, Damian-ya?“

„Offensichtlich!“, zischte der Blauhaarige zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und lockerte seinen Griff, als der Chirurg des Todes damit begann, seinen Arm mit brachialer Gewalt nach außen zu verdrehen. „Aber meine Entscheidung steht und wenn du mich jetzt sofort da runter schickst, dann erspart es dir vielleicht unseren Kampf!“

Trafalgar Law starrte ihn nur abwägend an, bevor seine Mundwinkel unmerklich nach oben zuckten. „Das wäre in der Tat praktisch.“
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast