Gesetze sind da um gebrochen zu werden

GeschichteThriller, Fantasy / P12
17.06.2017
17.06.2017
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Kurzes Vorwort:
Ich wünsche euch schon Mal viel Spaß beim Lesen.
Wenn euch die Geschichte gefällt lasst mit doch eine Review da und schaut auch mal auf meiner Facebook-Seite vorbei. Dort mache ich immer wieder Abstimmungen welche Geschichte als nächstes weiter geführt werden soll. Auch wenn ihr nicht auf Facebook seid, dürft ihr gerne an der Abstimmung teilnehmen (zB per PN)!
Diese Kurzgeschichte ist Teil der Monday Muse Aktion der Schreibhoernchen auf Animexx und eine Art Pilot zu einem größeren Projekt an dem ich sitze.
*-*-*

Natalja drückte sich an die Wand. Der raue Putz kratzte über ihre zitternden Fingerspitzen, doch sie nahm es nicht war. Ebenso wenig wie den Regen, der schonungslos auf sie herab rieselte. Er setzte sich in ihrer Kleidung fest, ließ die dunklen Haare in Strähnen an ihr hinab hängen und lief an ihrer Wangen herunter. Hart schlug er auf die Dächer der Metropole, welche in diesem Viertel der Unterschicht, gar nicht so weit entfernt war von ihren feinen Ohren. In sein gleichmäßiges Rauschen mischte sich der rhythmische pochende Schlag ihres Herzens.
Normalerweise mochte sie den Regen, denn er hatte eine beruhigende Wirkung. Sie genoss den Geruch des gefallenen Wassers, welcher die Luft der Großstadt wenigstens für kurze Zeit zu reinigen schien. Doch in diesem Moment wirkte er höhnisch auf sie. Als würde sich der Himmel darüber lustig machen, dass sie einen Fehler begangen hatte. Einen klassischen Anfängerfehler, den sie sich nicht leisten konnte. Denn in ihrem Geschäft durfte man keine Fehler machen, egal wie klein sie auch zu seinen schienen. Die meisten Fehler endeten damit, dass es eine neue Schlagzeile über einen mysteriösen, bestialischen Mord gab. Sie wollte nicht zu einer solchen Überschrift werden, die auf die weißen Wände der Bahnstationen projiziert wurden.
Für einen Moment, nur für einen kurzen Augenblick, versuchte sie das wahnsinnige Herzklopfen zu unterdrücken und in dem Raschen des Gewitters einen verräterischen Laut auszumachen. Sie war gut daran ihren Körper zu kontrollieren, eine Fähigkeit die man zwangsläufig hatte wenn man viel Zeit im Körper eines anderen Geschöpfes verbrachte. Doch als sie den Herzschlag tatsächlich für einen Moment auf den normalen schwachen Laut herab drosselte, half ihr das wenig. Denn die Geräuschkulisse des Regens war zu laut. Daher blieb sie unschlüssig stehen, sah sie sich hektisch um und entdeckte wenig entfernt eine Tonne. Rasch blickte sie zur Seite, stierte in den dunklen Abend.
Normalerweise war es noch hell und freundlich um diese Zeit. Normalerweise wären die Straßen noch belebt. Normalerweise wäre sie nicht hier. Natalja spürte wie sich ein Klos in ihrem Hals, der ihr das Schlucken erschwerte. Sie schloss die Augen und versuchte ihn runter zu schlucken. Eine Träne entwich ihrem rechten Augen, vermischte sich mit dem Regen und glitt über ihre Wange.
Sie fühlte sich sicher genug, öffnete die Augen erneut und machte sich auf den zu der Tonne. Ihre Augen waren weiterhin aufmerksam auf den Eingang der Gasse gerichtet und ihr Rücken presste sich unaufhörlich gegen die schützende Wand. Schließlich war sie jedoch gezwungen sich für einen Moment von der Wand zu lösen, um die Tonne zu überqueren. Rasch ließ sie um das große Objekt herum und ließ sich dahinter nieder. Ihre langen Beine zog sie eng an ihren Körper. Erst jetzt bemerkte sie wie nass und kalt sie war, doch diese Probleme schienen noch immer weit entfernt zu liegen.
Plötzlich durchbrach ein Laut die monotone Geräuschkulisse und bohrte sich bedrohlich in ihren Verstand. Augenblicklich legte sie die Hände auf den Mund, damit ja kein Geräusch entweichen konnte. Sie versuchte nicht zu atmen, auch wenn sie wusste dass dies nie gelingen würde. Doch ihr Instinkt, der sie so viele Male gerettet hatte, gebot ihr weiter an dieser Fantasy festzuhalten. Sie hatte keine andere Option, denn ihr Kopf schien in einem Panik-Not-Programm festzustecken, welches es ihr nicht erlaubte, einen klaren Gedanken zu fassen.
Ich möchte leben! Ich möchte nicht sterben. Ich wollte das nicht. Ich wollte nicht dass es so endet.
Die Worte hallten durch sie, erfüllten sie mit Leben. Ließen ihre Muskeln zittern. Ließ ihr Herz noch lauter pochen, als glaubte es wenn sie die Gefahr nicht hören konnte wäre sie nicht mehr da. Doch egal wie laut es pochte, die schweren Schritte kamen immer näher. Es ließ sie tief Luft holen, diese dann langsam und leise wieder ausstoßen.
Sie presste sich näher an die Wand und hoffte er würde nicht sehen. In ihrem Inneren malte sie sich aus, wie er einfach an ihr vorbei gehen würde, wieder im Schatten der Stadt verschwand und seine Jagd beendete. Sie hatte sich selten etwas so sehr gewünscht, doch sie wusste genau dass es nicht geschehen würde.
So viele Kämpfe hatte sie ausgetragen. Dabei zu viel aufs Spiel gesetzt. Nun würde sie dafür bezahlen müssen. Dafür das sie sich wiedersetzt. Dafür dass sie sich gegen die Regierung verraten hatte. Dafür dass sie sich Zugang zu Informationen verschafft hatte, die als strenggeheim galten. Verrat am Vaterland, so würde ihre Tat wohl auf dem Papier heißen. Lebenslänglich inhaftiert, so würde ihre Strafe auf dem Papier heißen.
Doch die Realität sah anders aus. Die Realität war, dass sie den Fehler gemacht hatte zu offenbaren welche Fähigkeiten sie hatte. Die Realität war, dass man sie gefunden hatten. Die Realität war, dass sie nun verfolgt wurde von einem Biest. Einem jener Kreaturen, die sie sich selbst schon so oft zu Nutze gemacht hatte um ihre Ziele zu erreichen.
Er war nah genug so dass sie das Schnaufen hören konnte, dass sie ein wenig an das Nashorn im Zoo erinnerte. Die Schritte schlugen hart auf dem Steinboden auf, ehe sie kurz vor ihr verklangen. Ihr Blick war auf die dunklen gigantischen Stiefel gerichtet die nun vor ihr standen, ehe sie es wagte aufzusehen und die schönen blauen –nun geröteten- Augen auf das Geschöpf vor sich zu richten.
Es war das erste Mal, dass sie ihn mit eigene Augen sah. Er war riesig, hatte dunkle Kleidung an und seine roten Pupillen stierten auf sie herab. Das Gesicht war hinter einer schweren unförmigen Maske verborgen, die wie das stümperhafte Werk eines Kindes wirkte. Zwei dicke Hauer ragten jedoch durch dafür angelegte Schlitze. Das Haar umrahmte zottig das schmucklose Eisengesicht. Die Brust hob und senkte sich schwer und die Kreatur stieß schwer die Luft aus. Irgendetwas sagte ihr, dass es keine Müdigkeit war, die das Monster so schnaufen ließ, sondern Zufriedenheit.
„Tu es nicht“, begann sie leise zu flehen. „Bitte, sperrt mich ein. Lass mich für dich kämpfen. Schick mich in ein Arbeitslager. Aber lass mich leben!“
Das Biest sah auf sie herab und Natalja wusste nicht ob die Erbarmungslosigkeit in seinen Augen, zu dem Biest gehörte oder zu seinem Beschwörer. Er zog ein langes Messer aus seiner Kleidung hervor, ohne dass Natalja erkennen konnte wo das Geschöpf seine Waffen aufbewahrte. Die rote Klinge begann sich grün zu färben an den Stellen die vom Wasser benähst wurden, ehe sie ganz grün wurde.
Natalja versuchte weiter zurück zu weichen, doch hinter ihr war nur die unnachgiebige Wand. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf die gebogene Klinge, welche so erschreckend nah über ihr schwebte. Dann sprang sie auf und versuchte verzweifelt davon zu laufen. Ihre nackten Füße schlitterten über den nassen Boden und sie hörte sie schweren Schritte hinter ihr dröhnten näher kommen.
Schließlich hatte das Untier sie eingeholt und hob geübt den Arm. Die mächtigen Pranken versetzten ihr einen geübten Schlag gegen die Schulter. Die unmenschliche Kraft beförderte sie schmerzhaft zu Boden. Sie prallte auf den Stein unter ihr, schlitterte noch etwas weiter über den glitschigen Untergrund. Der Schmerz durchzuckte ihren Arm, ihre Schulter, ihren Kopf. Für einen Moment wusste sie nicht wo oben und wo unten ist, sie wusste nicht ob etwas gebrochen war oder ob sie blutete. Sie schmeckte Blut und ihr Mund wurde trocken vor Übelkeit.
Instinktiv drehte sie sich auf den Rücken und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen. Alles verschwamm vor ihren Augen und ihr Kopf schmerzte höllisch. Es war dunkel um sie herum und Natalja hatte keine Ahnung was sie gerade wahrnahm. Eine kalte Schuppige Hand legte sich auf ihren Mund und drückte schmerzhaft auf ihren Kiefer ein. Die Klinge sah sie nur als einen grünen Schemen, ehe sie sich in ihre Brust bohrte. Ihr Schrei verklag leise und ungehört in dem regnerischen Dunkel, welches noch immer höhnisch auf sie herab sah.

Galina fiel nach vorn. Ihre Hände stützten sich dabei auf den groben Stoff ihrer Jeans ab, um ihr Gewicht abzufangen. Es war immer ein komisches Gefühl wieder im eigenen, schwächlichen Körper zu stecken. Sie atmete tief durch und brachte einige Sekunden ehe sie sich bereit fühlte durch ihre eigenen Augen zu schauen. Das erste was sie sah, war der helle Betonboden. Dann blickte sie auf zu Vasily, der vor ihr stand.
Ihr Bruder blickte sie ernst an und sie konnte den Vorwurf in seinen Augen sehen. Die Hände hatte der Zwilling um das Kettchen gelegt, welches er immer um den Hals trug. Sie fragte sich ob es nicht schmerzte das Kreuz so eng zu umklammern, aber vielleicht brauchte er eben dieses Gefühl im Moment.
Seine Seele war so weich. Er stand immer vor ihr, wenn sie eine ihrer Reisen abgeschlossen hatte. Vielleicht wollte er sie mit seiner Anwesenheit dazu bringen gnädiger zu sein. Doch er erinnerte sie eigentlich viel mehr daran, wofür sie kämpfen musste.
„Ich hatte keine Wahl“, log sie daher ihren kleinen Bruder an. „Ich musste es tun oder sie hätte uns alles zerstört. Sie wollte nicht aufgeben. Einen feindlichen Beschwörer können wir nicht dulden.“