Tausche Trostpreis gegen Hauptgewinn Teil 1

von Ratte1904
OneshotDrama, Romanze / P18 Slash
Kevin Richard Russell Matthias "Gonzo" Röhr OC (Own Character) Peter "Pe" Schorowsky Stephan Weidner
17.06.2017
17.06.2017
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Hey ihr Lieben :)

hier noch einmal etwas neues von mir :)

Besonderer Dank gilt auch hier meiner wundervollen Beta - Leserin MissesDixon <3<3<3<3

Leider war der Text zu lang, sodass ich ihn aufteilen musste, ich hoffe es stört nicht all zusehr beim lesen :)

Reviews sind wie immer gerne gesehen :)

Nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem neuen OS :)

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Kevin Pov

Seit dem Abend bei Moni zu Hause und unserem ersten gemeinsamen Fick, der auch für mich etwas gewöhnungsbedürftig war, ist mittlerweile fast ein Jahr vergangen und es hatte sich einiges getan seitdem.
Ich war immer noch mit Moni zusammen, aber an meinen Gefühlen hatte sich nichts geändert, lieben tat ich sie immer noch nicht und konnte nicht mal behaupten, dass ich sie lieb hatte.
Sie war da und es war okay, Routine eben, aber wenn sie weg wäre, dann wäre es auch okay.
Von Stephan, Tex und Pe hatte ich seitdem nichts mehr gehört und hatte auch keine Ahnung, was sie taten.
Auch mit meinen Geschwistern oder meiner Mutter hatte ich keinen Kontakt und nichts mehr von ihnen gehört, was aber auch genau wie bei Pe daran liegen konnte, dass ich auch nicht mehr in Hösbach war seitdem ich es an dem Abend mit Moni verlassen hatte und nach Frankfurt gefahren war.
Es verging kein Tag, an dem ich nicht an Stephan dachte oder mich fragte, wie es ihm in der Zeit wohl ergangen war.
Moni hatte ich in dem Jahr allerdings so “erzogen“ wie ich das wollte und sie tat wirklich alles für mich, was immer ich wollte, zumindest das hatte ich geschafft, wobei ich auch noch anderes geschafft hatte, wenn auch mit ein bisschen Schützenhilfe von Mama Weidner.
Sechs Monate hatte ich bei ihnen gewohnt und mich von ihr mit durchfüttern lassen, während ich Moni geformt und gefickt habe, bis sie mir dann einen Job in Aussicht gestellt hatte.
Es war nichts lukratives, ein Job auf einem Bau, wo man als ungelernte Kraft “Mädchen für alles“ ist.


Aber es brachte Geld und mit meinem Auftreten und meinem Aussehen auch den nötigen Respekt, sodass ich eben nicht der Idiot vom Dienst war, der für alles gescheucht wurde, sondern eher zu denen gehörte, die anderen scheuchten, egal wie lange sie schon da waren oder wie alt sie waren.
Mit meinem ersten Gehalt vom Bau zog ich dann schlussendlich bei den Weidner´s aus und in eine kleine 1 Zimmer Wohnung in Frankfurt.
Mit dem Geld was ich in Hösbach dem Kerl geklaut hatte und die ganze Zeit aufgehoben hatte, konnte ich die Wohnung ein wenig einrichten mit gebrauchten Möbeln, die ich günstig gekauft hatte.
Moni hatte ich erzählt, dass ich sie vom Sperrmüll geklaut hatte, was sie verwundert hingenommen hatte, weil die Möbel alle abgesehen von leichten Gebrauchsspuren noch verdammt gut aussahen.
Moni kam mich fast jeden Tag besuchen, aber das störte mich nicht, denn durch die Arbeit sah ich sie ja nicht so lange und da konnte man es auch schon mal aushalten, sie ein paar Stunden zu sehen.
Sie schlief zwar auch bei mir und verbrachte mehr Zeit bei mir und auf der Arbeit statt zu Hause, denn sie war offiziell immer noch bei ihrer Mutter gemeldet, da sie noch zu jung war zum ausziehen, denn sie wurde erst in ein paar Monaten 16 und da war ihre Mutter dagegen, dass sie jetzt schon auszog, was ich aber auch verstehen konnte, denn das würde ich meiner Tochter auch nicht unbedingt erlauben.
Sonst war alles ziemlich normal, abgesehen von der Tatsache, dass ich nun doch häufiger mal einen rauchte, aber das brauchte ich auch einfach um die Albträume und die Situation zu beherrschen.


Die Tatsache das ich mit Stephan nichts mehr zu tun hatte, ihn aber auch einfach nicht vergessen konnte, trotz das ich ihn nicht mehr sah oder ähnliches, konnte ich ohne ihn nicht mehr existieren, zumindest fühlte es sich so an.
Wenn ich mit Moni vögelte, dann klappte das auch nur, wenn ich an Stephan dachte.
Oder wenn es mir scheiße ging, dann dachte ich an Stephan und mir ging es besser. Zumindest einen Moment, denn wenn mir dann wieder in den Kopf kommt, dass er nicht bei mir ist und ich ihn nicht haben kann, dann geht es mir wieder schlecht.
Ich hatte eine Nacht neben Stephan geschlafen und hatte keine Albträume, zumindest war ich nicht ständig wach und konnte mich auch nicht dran erinnern, was ich geträumt hatte, aber in all den Nächten von der ersten bis zur letzten Nacht mit Moni hatte ich jede Nacht Albträume.
Sie tat mir nicht gut, aber bei Stephan war das eben anders.
Bei dem fühlte ich mich gut, sicher und hatte all die positiven Gefühle, die ich doch eigentlich bei Moni hätte haben sollen, denn immerhin war sie meine Freundin.
An den Gedanken hatte ich mich mittlerweile auch gewöhnt, auch wenn es sich immer noch nicht richtig anfühlte, so war sie aber immer noch meine Freundin.
Vor allem an Tagen wenn sie nicht so funktionierte, wie ich das wollte, war es wirklich nervig, aber man konnte wohl auch nicht alles haben.
Natürlich dachte ich hier und da auch mal an meine Geschwister und vor allem an meine Mutter und fragte mich, wie die wohl ohne mich zurecht kamen, aber auch auf diese Fragen bekam ich ähnlich wie bei Stephan einfach keine Antworten, wobei das bei meiner Familie auch nicht so häufig vorkam, da war mir Stephan einfach wichtiger.
Vor allem fragte ich mich, ob sie überhaupt noch lebten, denn wenn sie gestorben wären, würde ich es wohl auch nicht erfahren, wie denn auch?


Ich hatte mal mit dem Gedanken gespielt mir ein Telefon zu kaufen, aber meine Mutter hatte keins und sie würde ihr Geld dann auch sicher nicht in eine Telefonzelle stecken, sondern lieber versaufen.
Also war auch das unnötig und ich ließ es bleiben, war nur unnötiges Geld, was nicht sein musste.
Im Moment hatte ich Urlaub, auf dem Bau auch nicht unbedingt üblich, da ich aber angemeldet war und auch offiziell arbeitete, musste mein Arbeitgeber mir eben auch Urlaub bezahlen und davon hatte ich jetzt zwei lange Wochen, von denen auch erst drei Tage vergangen waren und ich genoss es wirklich in vollen Zügen.
Moni hatte es nicht geschafft Urlaub zu bekommen zur gleichen Zeit, sodass sie arbeiten musste.
Aber das war okay für mich, denn so hatte ich meine Ruhe, denn ich glaube wenn ich sie den ganzen Tag ertragen müsste, würde das wahrscheinlich auf Dauer nicht gut gehen.
Das würde wohl auf kurz oder lang in Mord und Totschlag enden, denn ich glaube da würde es schneller Stress geben, als gut für uns wäre.
Obwohl ich Moni jetzt eigentlich nicht mehr brauchte, damit ich bei ihr schlafen konnte, so wollte ich sie mir aber dennoch warm halten, um regelmäßig meinen Sex zu bekommen.
So brauchte ich mir nicht jeden Tag eine neue Frau suchen, sondern hatte ja meine Freundin.
Nachdem ich ihr noch das ein oder andere beigebracht hatte, hatten wir auch beide unseren Spaß und kamen auf unsere Kosten.


Ich saß in meinem Wohnzimmer und hatte es sogar geschafft mir einen Fernseher und einen Videorekorder zu kaufen und saß nun in meinem Wohn- – und Schlafzimmer und sah mir einen Film an, den ich mir in der Videothek ausgeliehen hatte, als ich die Haustüre hörte und verwirrt zur Türe blickte, denn außer Moni hatte keiner einen Schlüssel und die war arbeiten, also musste man ja mal schauen, wer da kam.
,,Kevin, bist du zu Hause?“, rief Moni und schien sauer zu sein.
,,Ja, im Wohnzimmer. Bring Bier mit.“
,,Wo hast du das denn?“
,,Da wo ich es immer hab, wenn es keine Beine bekommen hat nicht weggelaufen ist, wird es wohl noch im Kühlschrank sein.“, rief ich zurück und verdrehte genervt die Augen, was für eine dumme Frage.
Kurze Zeit später hörte ich dann den Kühlschrank, da dort Flaschen klirrten und Moni die Seufzte.
,,Sag mal was isst du eigentlich? Da ist ja nur Bier drin.“
,,Joa, reicht doch. Flüssignahrung.“
Moni seufzte erneut, kam mit einer Flasche Bier und einem Kopfschütteln in das Zimmer und reichte mir die Flasche wortlos.
Ebenfalls ohne ein Wort nahm ich die Flasche an und öffnete sie auch gleich.
,,Findest du das eigentlich gut, was du tust? Ich meine das du hier rum sitzt und Bier trinkst?! Hast du nicht was vergessen?“, fragte sie, deutete auf die Bierflaschen, die auf dem Tisch standen und stemmte dann die Hände in die Hüften.
,,Die sind noch von gestern Abend. Das ist das erste Bier heute und nein, ich habe nichts vergessen, sollte ich?“


,,Warum räumst du dann hier nicht mal auf? Ja, solltest du und zwar etwas für dich eigentlich wichtiges.“
,,Wozu hab ich dich denn dann? Du räumst doch gerne auf. Ich wüsste nicht was. Hilf mir mal.“
,,Du bist ein Arschloch, Kevin! Ich gehe ja auch arbeiten und habe keine Lust dann auch noch hinter dir her zu räumen. Heute ist der 29.05, klingelt es?“
,,Danke, aber genau deswegen liebst du mich doch, oder? Ja, wieso bist du denn eigentlich schon so früh zu Hause? Nein, es klingelt nichts. Sollte es? Haben wir etwa Jahrestag?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue und Moni schüttelte den Kopf.
,,Ja, deswegen liebe ich dich, unter anderem. Weil ich heute mit dir nach Hösbach wollte. Das habe ich dir doch gesagt. Ja, es sollte klingeln und nein, Jahrestag haben wir erst morgen, also hast du theoretisch noch Zeit etwas zu besorgen, aber das wird schwer, denn wir wollten gleich nach Hösbach und auch da bleiben bis morgen. Wir haben ein Hotelzimmer gebucht. Erinnerst du dich?“
,,Sag ich doch. Was willst du denn in Hösbach? Da waren wir ja schon ewig nicht mehr. Wann hast du mir das gesagt? Sollte es? Wir haben morgen Jahrestag? Ach du Scheiße, dann muss ich wirklich noch etwas besorgen. Wieso haben wir denn ein Hotelzimmer gebucht und was wollten wir in Hösbach, verdammt? Ich will da nicht hin.“, sagte ich und in dem Moment war mir auch egal ob ich klang wie ein kleines trotziges Kind.
,,Schatz, ich habe dir doch gesagt, dass wir heute dahin wollten. Bereits vorgestern habe ich dir das gesagt. Wäre schön, wenn du noch etwas besorgen würdest. Wir wollten zu meinem Bruder und weil es später werden könnte gehen wir in ein Hotel.“


,,Zu welchem Bruder?“, fragte ich und ging auf den Rest gar nicht mehr ein, denn das schien mir im Moment nicht mehr wichtig.
,,Man Kevin, das habe ich dir doch alles schon vorgestern erzählt. Heute ist der 29. Mai und mein Bruder Stephan hat heute Geburtstag. Er wird heute 17 und da wollten wir hin. Weil es dann aber später werden könnte und wir dann keine Bahn mehr bekommen könnten, haben wir uns entschlossen uns in ein Hotelzimmer einzumieten für die Nacht. Also sind wir bis morgen in Hösbach und da in einem Hotel. Deswegen bin ich auch schon früher zu Hause, weil wir zu Stephan wollten.“
,,Zu Stephan?“, fragte ich unsicher und hatte keine Ahnung, ob ich das wollte, denn ich sicher hatte ich mich immer wieder danach gesehnt, aber wollte ich ihn wirklich jetzt wiedersehen?
,,Ja, so heißt mein Bruder und das seit 17 Jahren schon. Sag mal wie viel hast du denn schon geraucht und getrunken?“, fragte Moni und ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare.
,,Noch nicht genug wenn wir heute zu Stephan wollten.“, sagte ich gedankenverloren und sah sie zweifelnd an.
,,Das ist auch gut so. Du sollst ja auch nicht schon dicht dahin fahren. Du wirst da ja auch noch etwas trinken und rauchen und was weiß ich, was du tust. Jetzt mach dich bitte fertig. Wenn wir bis morgen bleiben kannst du ja auch vielleicht mal bei deiner Familie vorbeischauen.“
,,Hmh mit Sicherheit.“, sagte ich immer noch gedankenverloren und trank meine Flasche aus, ohne auf die Worte zu achten, die sie sagte, denn ich musste erst einmal damit klar kommen, dass wir zu Stephan fahren wollten und ich ihn heute wiedersehen würde.
Das kam so plötzlich, dass ich nicht wusste, ob ich damit überhaupt klar kam.


Ich hatte doch keine Zeit mich darauf vorzubereiten und mich seelisch und moralisch darauf vorzubereiten, das konnte doch nicht gut gehen, oder?
Aber vielleicht freute Stephan sich auch mich zu sehen, denn es war ja auch schon ein Jahr her, das wir uns das letzte Mal gesehen hatten und da konnte es doch auch sein, dass es ihm nicht anders ging als mir.
Vielleicht hatte er in der Zeit auch so gelitten wie ich.
Vor allem würde das auch bedeuten, dass ich dann heute auch auf Tex treffen würde, den ich ebenfalls seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte, nachdem er mich und Stephan im Restaurant sitzen gelassen hatte.
Erneut fuhr ich mir mit meiner Hand durch die Haare und hatte keine Ahnung, was ich jetzt noch machen sollte.
Das Moni um mich herum aufräumte und sich verhielt wie meine Mutter, war mir egal, denn sie wollte immer die Ordnung und nicht ich.
Wirklich wahr nahm ich das ohnehin nur am Rande, denn dafür war ich viel zu sehr in meine Gedanken versunken.
Moni stupste mich an und erst da kam ich ins Hier und Jetzt zurück und sah sie fragend an, wandte dann aber den Blick ab und leerte stattdessen die Flasche komplett, stellte sie auf den Tisch und stand auf.
,,Ich zieh mich dann mal um.“, sagte ich abwesend und ging zu einem Kleiderschrank, der ebenfalls in dem Raum stand und öffnete diesen.
,,Weißt du, was dir besonders gut steht?“, fragte Moni und ich schüttelte den Kopf.
,,Die Sachen, die du bei unserem Date an hattest. Die hellblaue Jeans und das schwarze Hemd. Ich liebe das Outfit. Zieh das doch an.“


,,Nein, das halte ich für keine gute Idee.“, sagte ich schnell und schüttelte den Kopf, denn sie hatte doch keine Ahnung, das ich das Outfit von Stephan hatte und es eigentlich seine Sachen waren und ich einfach nur nie die Gelegenheit hatte, sie ihm zurück zu geben.
,,Aber wieso denn nicht? Ich finde das Outfit verdammt geil, aber du ziehst es leider nur so selten an. Meistens nur an Tagen an denen es dir scheiße geht, als würde dich das Outfit irgendwie aufbauen.“, sagte sie und schüttelte leise lachend den Kopf.
Aber sie hatte ja keine Ahnung, wie wahr diese Worte waren, die sie gerade ironisch belächelte, denn ich trug die Klamotten wirklich meistens nur dann, wenn es mir scheiße ging und ich mit der Tatsache, dass ich Stephan nicht sehen konnte, gar nicht nicht klar kam.
,,Nein, ich ziehe ein anderes Outfit an.“, sagte ich und entschied mich für eine schwarze Jeans und ein ebenfalls schwarzes T – Shirt.“
,,Du gehst doch nicht auf eine Beerdigung. Hast du nichts freundlicheres?“
Ich seufzte und zeigte ihr ein HSV Trikot, was ich mir im Laufe der Zeit gekauft hatte und sie schüttelte schnell den Kopf.
,,Ganz schlechte Idee, Liebling. Du bist hier mitten in Frankfurt und wie du weißt ist auch Stephan einer der Hardcoreanhänger der Eintracht, also solltest du dir das überlegen.“
Ich nickte, denn da hatte sie auch wieder recht, also hängte ich das Trikot wieder in den Schrank und zog stattdessen ein dunkelblau / weißes T – Shirt raus und hielt ihr das hin.“
,,Ja, das ist besser, auch wenn du jetzt in der Farbkombination den HSV hast.“


,,Das sieht ja aber keiner und jemand der es nicht weiß, würde sich da auch nichts drauf reimen können.“
,,Ja, dann zieh das an. Wird dir sicher gut stehen.“
,,Was ziehst du denn an?“
,,Ich dachte ich ziehe ein Kleidchen an?!“
,,Aber nicht wieder so eins, was bis zu den Knöcheln geht.“
,,Nein, ich werde ein kürzeres Kleid anziehen.“, sagte sie seufzend und zog sich bis auf die Unterwäsche aus, was ich mir nur gerne anblickte, denn in dem Jahr hatte sich ihre Unterwäsche sehr zu meiner Freude verändert und sie trug keine normalen Slips mehr, sondern Strings, Tangas und Hotpants und damit konnte ich doch wirklich sehr gut leben und sah es mir auch immer gerne an, denn hässlich war sie nie und auch wenn ich sie nicht liebte, so konnte ich sie ja immer noch sexy finden und das tat ich.
Heute trug sie das schwarz / rote Set was ich ihr zum Geburtstag geschenkt hatte, bestehend aus einem BH und einem String, mit Spitze besetzt.
Ich hatte es gesehen und mir gefiel es gut und wenn sie es trug, dann fand ich es noch schöner, denn es stand ihr wirklich gut, das musste ich ihr lassen.
,,Gefällt dir, was du siehst?“, fragte sie grinsend und ich nickte.
,,Ja, aber das tut es doch immer. Was hältst du davon, wenn wir uns hier einen schönen Tag machen und deinen Bruder einfach vergessen?“, fragte ich und drückte sie hinter uns auf die Couch und legte mich auch gleich über sie, stützte mich auf beiden Händen beidseitig neben ihrem Körper ab und küsste mich auch gleich ihren Hals entlang.
,,So verlockend wie das Angebot auch ist, aber ich würde gerne zu meinem Bruder.“


Noch bevor ich etwas sagen konnte, hatte sie sich auch schon unter mir vorgeschoben, war wieder aufgestanden und gerade dabei sich ein Kleid aus dem Schrank zu suchen, denn sie hatte einige Klamotten nun schon bei mir und so war es auch kein Problem, dass sie sich hier umziehen konnte.
Also stand ich auch wieder auf, setzte mich allerdings auf die Couch und sah Moni dabei zu, wie sie nach einem Kleid suchte.
Sie entschied sich für ein knielanges schwarz / rotes enges Kleid und hielt mir das fragend hin.
,,Hast du nichts kürzeres?“
,,Nein, in dem Fall nicht, denn ich fahre immer noch zu meinem Bruder und habe keine Ahnung, wer alles da ist und ich habe keine Lust, dass die mich dann alle anbaggern und ich dann von allen als Schlampe bezeichnet werde.“
,,Ja gut, da hast du recht. Das wäre wohl nicht so toll.“
,,Nein, und ich habe ja auch keine Ahnung, ob du ab einem gewissen Alkoholpensum noch in der Lage bist, dich um deine Freundin zu kümmern und sie zu beschützen, wenn die bösen Männer kommen.“
,,Ich kann dich immer beschützen. Ich meine sieh mich an. Die sehen mich und haben schon die Hose voll.“
,,Da könntest du bei dem ein oder anderen sicher recht haben, aber das wird nicht bei allen so sein, denn von dem was ich gehört habe, gibt Stephan sich mittlerweile wohl auch mit ganz anderen Typen ab wie vorher, da sollen wohl auch einige härtere Typen dabei sein und ich bin mir nicht so sicher, ob du da mithalten kannst.“
,,Willst du damit etwa sagen, das es Männer gibt, die angsteinflößender sind als ich?“


,,Das nicht unbedingt, aber von dem was ich gehört habe, sollen das ziemlich düstere Gestalten sein.“
,,Baby, was definierst du unter düstere Gestalten?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue und sie zuckte die Schultern.
,,Genau kann ich es dir nicht sagen. Ich habe sie nicht gesehen, aber man erzählt sich, dass es wohl ein paar harte und düstere Typen sein sollen. Ich hatte letztens auch ein paar Rocker auf der Arbeit sitzen, die waren auch ziemlich angsteinflößend, aber ob die zu Stephan gehörten weiß ich nicht.“
,,Hmm, das ist ja merkwürdig. Ich habe bis jetzt noch nichts gehört, aber ich habe überhaupt nichts von oder über Stephan gehört.“
,,Ich komme da manchmal nicht drum herum, denn in dem Lokal wird eben auch darüber geredet und da bekommt man eben einiges mit, aber in wie weit das alles wahr ist, weiß ich natürlich nie, zumindest nicht solange, bis ich dann eben auch bei Stephan war und mich davon überzeugt habe. Aber dummerweise stimmt es meistens und das macht mir immer mehr Sorgen.“, sagte sie und zog sich das Kleid über, was ich mit einem Seufzen zur Kenntnis nahm.
,,Glaube ich. Aber es ist ja auch die Frage, was wirklich davon stimmt. Ich meine über mich wird auch viel erzählt und es stimmt nicht alles. Warten wir es ab, wir werden es gleich sehen. Ich gehe jetzt meine Haare noch richten und meine Schminke auffrischen, dann kannst du dich in der Zeit anziehen. Wir müssen gleich los, denn die Bahn wartet nicht und ich habe keine Lust erst da anzukommen, wenn mein Bruder nicht mehr ansprechbar ist.“
,,Kann ich verstehen. Sag mal, haben wir eigentlich ein Geschenk für deinen Bruder?“, fragte ich dann und Moni nickte grinsend.


,,Ach wirklich? Was haben wir denn?“
,,Ich war die Tage in der Stadt und habe da in einem Laden ein T – Shirt gekauft, wo ich weiß, dass es Stephan gefallen könnte und das habe ich ihm gekauft. Zudem habe ich ihm noch einen Tankgutschein an der Tanke in Hösbach gekauft.“
,,Ein T – Shirt und einen Tankgutschein?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue.
,,Ja, hättest du was besseres gewusst?“
,,Nein, nicht wirklich. Was hast du denn bezahlt?“
,,Das T – Shirt hat 19,90 DM gekauft und den Tankgutschein habe ich für 30 DM gekauft.“
,,Dann gebe ich dir später die 25 DM noch, dann kannst du das von uns beiden schenken, denn ich habe keine Ahnung, was ich ihm jetzt auf die Schnelle noch kaufen soll und hätte auch keine Ahnung, was ich da kaufen soll.“
,,Ist doch kein Problem, du musst mir das Geld auch nicht geben. Wir können es auch so zusammen schenken.“
,,Nein, ich gebe es dir gleich. Du hast ja auch nicht so viel.“
,,Gib nicht immer damit an, dass du mehr verdienst als ich.“, sagte sie schmollend und verschränkte die Arme vor der Brust, bevor sie dann in das Bad verschwand.
Ich ließ sie gehen und stand dann mit einem Schulterzucken auf und zog mir die raus gelegten Sachen an und ließ die Sachen die ich vorher anhatte dort liegen, wo ich gerade stand, denn Moni würde sie schon wegräumen.
Einen kurzen Blick in den Spiegel am Schrank und ein bisschen gezupft an meinen Haare und schon war ich zufrieden und fertig für die Fahrt.
Moni war noch im Bad und so wie ich sie kannte würde sie auch noch etwas brauchen, aber mich dann vorher hetzen, das hatte ich ja am liebsten.


Seufzend griff ich unter meinen Wohnzimmertisch und zog da ein Paket Gras raus, um mir einen Joint zu bauen und den noch zu rauchen, bevor ich mit Moni dann wirklich zu Stephan fahren würde.
Ich fragte mich wirklich, wieso mir das passieren musste.
Was hatte ich nur getan, damit ich diese Strafe verdient hatte.
Nachdem ich den Joint dann gebaut hatte, zündete ich diesen an und zog kräftig daran.
Den Qualm inhalierte ich tief bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ und seufzte, denn das Treffen mit Stephan würde noch ein ganz schön hartes Stück Brot werden.
,,Du sollst nicht so viel rauchen.“, rief Moni aus dem Bad und ich verfluchte sie dafür, dass sie so eine gute Nase hatte und die Wohnung so klein war, dass man es so schnell in der kompletten Wohnung roch.
,,Tue ich nicht. Nur einen Joint.“
,,Ja, aber der ist wahrscheinlich wieder so voll mit Gras, das du von einem so viel hast wie andere von fünf.“
,,Nein, so viel ist da nicht drin. Da ist ja auch noch Tabak mit bei.“
Ich hörte Moni seufzen und grinste, denn das sie davon genervt war, war nichts neues, juckte mich aber nicht, denn das war sie immer und ändern konnte sie es doch nicht.
Auch wenn sie es gerne mal versuchte, so schaffte sie es nicht und ich würde mir da auch nicht reinreden lassen, denn ich ging für das Geld was ich verqualmte ja nun mal auch arbeiten, egal ob für das Gras oder die normalen Zigaretten.


Wobei sie gegen die Zigaretten nichts sagte, denn die rauchte sie auch, aber Joints rauchte sie höchstens einmal im Monat, wenn überhaupt.
Mich störte es nicht, denn so blieb mehr für mich übrig.
Ich hatte die Hälfte geraucht, spürte auch langsam, dass ich ruhiger wurde und sah dann, dass Moni aus dem Bad kam.
,,Was sagst du?“, fragte sie und ich nickte.
,,Siehst fantastisch aus, aber das tust du ja sowieso immer.“
,,Danke, Liebling.“, sagte sie und begann dann auch gleich meine Sachen wegzuräumen, die ich liegen gelassen hatte und riss das Fenster auf.
Was ein Glück, dass es Ende Mai und warm war, denn sie bekam das auch im tiefsten Winter spitz, allerdings gab es dann meistens Ärger, denn das war mir dann doch zu kalt.
Man musste ja auch nicht unbedingt bei gefühlten -30°C den ganzen Tag das Fenster offen stehen haben.
Ich sah ihr mehr als entspannt dabei zu, wie sie durch die Wohnung hetzte und da noch Ordnung machte und musste grinsen, denn was würde wohl passieren wenn die Wohnung noch größer wäre?
Da könnte man ja auch mehr Chaos machen und da würde sie noch mehr zu tun haben.
Jetzt regte sie sich über eine 40 Quadratmeter Bude auf, aber was würde sie machen wenn ich das doppelte oder gar das dreifache hätte, was ja auch nicht unüblich ist, denn es gab ja auch durchaus große Wohnungen, auch wenn die so gut wie kein Normalsterblicher bezahlen konnte.
,,Schatz, bist du bald mal fertig?“, fragte sie dann und ich musste nur noch mehr grinsen.


,,Fertig mit den Nerven, das bin ich jetzt schon.“
,,Nein, ich meine mit dem rauchen, dass wir mal gehen können.“
,,Ja, ich bin gleich fertig. Du räumst doch noch die Bude auf.“
,,Aber doch auch nur, weil du noch rauchst und ich keine Lust habe morgen hier in das Chaos zu kommen. Echt, du solltest dir mal angewöhnen aufzuräumen.
Ich lehnte mich entspannt auf der Couch zurück, legte die Füße auf den Tisch, störte mich nicht in der Tatsache, dass ich bereits meine Springerstiefel an hatte und rauchte genüsslich meinen Joint zu Ende, während ich Moni dabei zusah, wie sie wie ein Flummi durch die Gegend titschte und meine Wohnung aufräumte.
Für ihre Dienste musste ich ihr eigentlich Geld geben, sie räumte hier schließlich auch immer wieder auf, allerdings vögelte ich sie dafür ja auch regelmäßig und sie sagte mir auch jedes Mal, dass sie mit mir den besten Sex überhaupt hätte, also bezahlte ich sie ja quasi so und das war ja auch was, oder?
,,Bist du jetzt bald mal fertig?“, fragte sie genervt und ich nickte.
,,Ja, ich warte doch nur auf dich.“, sagte ich, drückte den Joint im Aschenbecher aus und stellte diesen auf den Tisch.
,,Der kann so nicht stehen bleiben.“, sagte sie, schnappte sich den Aschenbecher und ging damit in die Küche.
,,Du kannst den nicht auskippen, ich habe gerade erst ausgemacht, dann brennt die Hütte.“
,,Das weiß ich.“, rief sie genervt und ließ Wasser darauf laufen, was mich erneut seufzen ließ, denn sie wusste, dass ich das hasste und sie tat es trotzdem immer wieder und das scheinbar auch noch gerne.


,,Was tust du denn da?“, fragte ich nachdem ich dann auch mal in die Küche gegangen war, um zu sehen was sie nun noch trieb.
,,Ich leere den Aschenbecher.“
,,Nein, genaugenommen hast du ihn voller gemacht und zwar mit Wasser. Das stinkt doch jetzt nur noch mehr als vorher, wenn du den jetzt so hier stehen lässt.“
,,Ich lasse den ja aber nicht so stehen.“
,,Was willst du denn dann mit dem jetzt mit Wasser und schwimmenden Kippen vollen Aschenbecher tun?“
,,In den Mülleimer kippen.“
,,Dann stinkt aber doch der Mülleimer.“
,,Nein, den nehmen wir jetzt mit raus.“
,,Was den ganzen Mülleimer?“
,,Nein, die Tüte darin. Man Kevin, lass mich in der Küche alleine, ich weiß schon was ich tue.“
,,Okay.“, sagte ich mit einem Schulterzucken und sah dabei zu, wie sie den Aschenbecher tatsächlich in den Müll kippte, ihn danach unter Wasser sauber machte und den Müllbeutel zusammenband und ihn dann mit zur Haustüre nahm.
Auf dem Weg dorthin schnappte sie sich noch ihre Handtasche und gemeinsam gingen wir nach draußen.
Dort blieb sie an den Mülleimern stehen und schmiss den Beutel dort rein.
,,Ach hier stehen die Mülleimer. Das ist ja interessant.“
,,Mich wundert es nicht, dass du das nicht weißt, denn wenn ich den Müll nicht runter bringen würde, wärst du wahrscheinlich schon längst drin erstickt.“
,,Das ist doch überhaupt nicht wahr, so viel Müll habe ich doch gar nicht.“
,,Nein, natürlich nicht, Schatz. Lass uns zur Bahn gehen.“, sagte sie und ich nickte.


Wollte ich jetzt ja auch nicht über Müll diskutieren, wenn sie sich drum kümmerte.
Ich griff nach ihrer Hand und sie verschränkte unsere Finger miteinander, was sie zu besänftigen schien, denn sie lächelte mich an, was ich erwiderte, denn nach dem Joint war ich doch schon wesentlich ruhiger.
Lange mussten wir nicht laufen, da hatten wir auch schon den Bahnhof erreicht und warteten da auf den Zug.
Mittlerweile hatte ich Moni auch klar gemacht, das gewisse Zärtlichkeiten auch in der Öffentlichkeit okay waren, auch wenn ich sie noch nicht dazu bewegen konnte, mit mir draußen zu vögeln, so schaffte sie es aber immerhin Händchen zu halten, mich zu umarmen oder auch, was allgemein selten vorkam, ich aber auch darum nicht wirklich böse war, mich zu küssen.
,,Da kommt unser Zug.“, sagte sie und zog mich an ihrer Hand mit in einen Wagon, wo sie mich dann mit durch zog, bis wir einen freien Platz gefunden hatten, auf dem wir uns dann niederließen.
Ich legte meinen Arm um sie und sie kuschelte sich an mich.
,,Hast du eigentlich das Geschenk für Stephan eingepackt?“, fragte ich und sie nickte.
Ich brummte nochmal zur Antwort und blickte dann aus dem Fenster.
Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl und fühlte mich nicht gut bei dem Gedanken nach einem Jahr zurück nach Hösbach zu fahren.
Vor allem nicht, wo ich doch keine Ahnung hatte, was mich bei Stephan erwarten würde.
Immerhin konnte sich in einem Jahr viel tun und er hatte vielleicht eine Freundin.


Wie ich darauf reagieren würde, wusste ich auch nicht so genau, denn ich glaube das würde mir den Boden unter den Füßen wegreißen und ich würde in ein tiefes Loch fallen.
Aber ich hatte ja auch keine Ahnung, wer diese Kerle waren, von denen Moni erzählt hatte, denn je nachdem was das für Kerle waren, würde ich da auch nicht wirklich mit klar kommen und das nicht toll finden.
Wobei das ja auch nur die Dinge waren, die ich kannte und keine Ahnung hatte, was mich da eigentlich wirklich erwartete.
Diese Ungewissheit bereitete mir Bauchschmerzen, denn ich mochte sie nicht und hatte auch keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte.
Nach gut einer Stunde hatten wir dann Hösbach erreicht und mussten aussteigen.
Das Gefühl verstärkte sich nur noch, als ich dann auch noch das Schild am Bahnhof las.
Mit dem Gedanken das ich jetzt auch noch aussteigen musste und dann auch noch zu Stephan musste und dann auch noch zu meiner Familie und von denen vielleicht jetzt schon einem über die Füße laufen musste, da wurde mir nur noch schlechter.
Am liebsten würde ich jetzt einfach umdrehen und wieder gehen, aber das würde Moni mir nicht erlauben und ich hatte ihr scheinbar ja auch versprochen, mitzufahren und als ihr Freund musste ich das ja wohl auch, denn es war doch irgendwie meine Pflicht, oder?
,,Freust du dich, Schatz?“, fragte sie und ich nickte seufzend.
,,Klar, wird bestimmt schön. Wenn Stephan nicht so komische Leute da hat, dann werden wir auch sicher Spaß haben.“
,,Das glaube ich nicht, aber das werden wir ja gleich sehen. Ich freue mich auf jeden Fall schon, auch wenn ich weiß, dass es wahrscheinlich mal wieder Stress gibt.“


,,Meinst du wirklich?“
,,Ja, es gibt doch immer Stress, wenn Stephan und ich aufeinander treffen.“
,,Dann frage ich mich aber wirklich, wieso du da jedes Jahr hinfährst, wenn es doch sowieso Stress gibt und du das schon weißt.“
,,Weil er mein Bruder ist und ich mich dazu irgendwie verpflichtet fühle, ich meine gehört sich das denn nicht so als Schwester?“
,,Aber er war auf deinem Geburtstag ja auch nicht da.“
,,Nein, das stimmt, aber das ist okay, denn seit er bei unserem Dad wohnt, ist er nie da gewesen, egal wozu, aber ich kann ihm das irgendwie auch nicht übel nehmen, ich glaube dafür ist er mir dann doch zu wichtig, auch wenn wir uns streiten.“
,,Dann müsst ihr euch vielleicht einfach auch beide ein bisschen zusammenreißen und dann klappt das schon.“
,,Willst du damit sagen, dass ich der Auslöser für den Streit bin?“, fragte sie schrill und ich wusste, dass ich jetzt wahrscheinlich schon wieder zu viel gesagt hatte.
,,Nein, natürlich nicht, aber ich bin der Meinung, dass ihr beide daran etwas tun könntet, wenn ihr euch nur ein bisschen mehr zusammenreißen würdet. Ich meine ihr müsst ja auch nicht unbedingt über Themen sprechen, die den anderen provozieren könnten, oder? Sprecht doch lieber über Themen die ihr teilt und wo ihr die gleiche Meinung habt.“
,,Da gibt es aber doch nichts. Wir sind zwei verschiedene Menschen und haben keine gemeinsamen Interessen.“
,,Ihr seid beides Fans der Eintracht.“, sagte ich schulterzuckend und Moni nickte seufzend, schien damit aber nicht zufrieden.


,,Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit, die wir haben.“
,,Aber das ist ja immerhin schon mal was und ich bin sicher, dass es da auch noch mehr geben wird.“, sagte ich und über unsere Unterhaltung hatte ich nicht wirklich mitbekommen, dass der Weg irgendwie nur noch kürzer war als sonst und so standen wir dann auch schon vor dem Haus der Weidner´s und eben auch vor dem Haus in dem meine Familie wohnte.
,,Willst du kurz zu deiner Mum gehen?“, fragte Moni und ich zögerte kurz, schüttelte denn aber den Kopf.
,,Nein, das werde ich morgen machen. Heute sind wir doch für deinen Bruder hier und nicht wegen mir.“
Sie nickte und für einen Moment war mir, als hätte ich Kerstin in einem der Fenster gesehen, aber es konnte auch sein, dass ich mir das nur eingebildet hatte, denn nur einen Augenblick später war dieser Schatten, den ich mir wahrscheinlich eingebildet hatte, weg.
Mit meiner Hand rieb ich mir über die Augen und war sicher, dass ich nur halluziniert hatte und sah Moni an.
,,Gehen wir rein?“, fragte ich und hoffte, dass sie ja sagen würde, noch bevor ich es mir anders überlegen konnte und doch noch einen Rückzieher machen würde.
Ich warf noch einmal einen Blick auf das Fenster, wo ich der Meinung war, jemanden gesehen zu haben, aber entdeckte dort niemanden und setzte mich dann wieder in Bewegung.
Allerdings kam uns kurz bevor wir dann die Haustüre erreicht hatten Tex entgegen, der uns beinahe umlief.
,,Was macht ihr denn hier?“, fragte er verwirrt und irgendwie auch überrascht, denn scheinbar hatte er uns hier nicht erwartet und das obwohl sein Sohn doch Geburtstag hatte und er das wohl auch wissen sollte.


,,Stephan hat doch heute Geburtstag und wir wollten ihn besuchen, ihm gratulieren und ihm sein Geschenk bringen.“, sagte Moni und ich war froh, dass sie das Wort ergriff, sodass ich nicht mit ihm reden musste, denn ich hatte doch keine Ahnung, wie Tex nach einem Jahr über mich dachte.
Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, seufzte und nickte dann, auf Moni´s Aussage.
,,Ja sicher, das habe ich nicht vergessen, aber ich bin im Moment nicht so ganz bei der Sache. Stephan mutiert immer mehr zu einem Problemkind.“
Erst jetzt sah ich, das er nicht wirklich gut aussah und den Eindruck machte, als hätte er schon länger nicht mehr gut geschlafen und als würden ihn große Sorgen plagen.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er in dem Jahr in dem wir uns nicht gesehen hatte, um weitere zehn Jahre gealtert war.
Er schien auch abgenommen zu haben und wirkte nicht mehr so muskulös und angsteinflößend wie noch vor einem Jahr.
,,Wieso? Was ist denn los mit ihm?“, fragte Moni und er seufzte erneut.
,,Er ist mir irgendwie total entglitten. Ich glaube ich habe bei ihm mehr falsch gemacht als gut und richtig.“
,,Quatsch, das glaube ich nicht, was ist denn los?“, fragte Moni weiter und ich spürte, das das Unbehagen in meiner Magengegend immer schlimmer wurde und ich nicht sagen konnte, ob es an dem lag, was Tex sagte, an ihm persönlich oder einfach an der Tatsache, dass ich das Gefühl hatte, dass wir beobachtet wurden.


Vielleicht hatte ich mir das ja auch nicht eingebildet und da hatte wirklich einer am Fenster gestanden und von dem, was ich mir eingebildet hatte gesehen zu haben, konnte es nur Kerstin gewesen sein.
Aber die hatte doch diese Sache mit Stephan und würde wahrscheinlich auch bei ihm sein und nicht zu Hause.
Immerhin hatten wir uns auch ein Jahr nicht mehr gesehen und sie hatte sicher auch Freunde gefunden, mit denen sie sich treffen konnte.
Auch wenn sie nicht mehr mit Stephan zusammen war oder was auch immer sie damals hatten, konnte sie sich ja auch immer noch mit Freunden treffen.
,,Schatz?“, fragte Moni, riss mich aus meinen Gedanken und fragend blickte ich sie an und wandte so meinen Blick von dem Fenster wieder ab.
,,Bist du dir sicher, dass du nicht erst rüber gehen willst?“, fragte sie erneut und ich nickte.
,,Ja, ich bin mir sicher, ich will das heute noch nicht. Morgen vielleicht.“
,,Du musst es wissen. Mein Dad hat uns eingeladen mit ihm rein zu gehen, weil er das wegen Stephan nicht hier auf der Straße besprechen will. Gehst du mit rein?“
,,Ja, lass uns gehen.“
,,Kevin, ich möchte mich auch gleich nochmal mit dir unterhalten.“, sagte Tex und ich nickte, denn ich hatte ja nichts dagegen, wenn er nur reden wollte und so wie er im Moment aussah, tat er mir irgendwie leid und vor allem tat mir aber auch leid, dass ich ihn damals gehen gelassen hatte und mich danach auch nicht mehr nach ihnen erkundigt hatte, denn vielleicht hätte ich damals schon einlenken können und dann wäre es so weit wie jetzt nie gekommen, denn ich hatte ja noch keine Ahnung, was eigentlich hier los war und was mit Stephan war.


Aber das würde ich ja wahrscheinlich bald erfahren, denn Tex würde uns sicher drinnen alles erklären.
So machten wir uns dann gemeinsam auf den Weg nach drinnen und Moni ging mit Tex und mir in die Küche und setzte sich dort an den Tisch.
Ich ließ mich neben sie auf den Stuhl sinken und Tex nahm uns gegenüber platz.
,,Was ist denn jetzt mit Stephan?“, fragte Moni und erneut seufzte Tex.
,,Na ja, das er gerne mal die ein oder andere Frau mit nach Hause gebracht hat, wissen wir ja. Das war auch kein Problem, zumindest bis jetzt. Ich hatte auch das Gefühl, dass er alles im Griff hatte und das er wirklich erwachsen geworden ist und sich auch dementsprechend so verhält.“
,,Das ist aber nicht so?“, fragte Moni als Tex nicht weitersprach und Tex schüttelte den Kopf.
,,Nein, seit einem Jahr betrinkt er sich ständig und das so, dass wir schon ein paar Mal im Krankenhaus waren. Ich glaube auch, dass er Drogen nimmt. Was und wie viel weiß ich nicht. Wenn ich ihn drauf anspreche, leugnet er es natürlich. Er ist ständig in irgendwelche Straftaten verwickelt, sodass er mindestens einmal die Woche mit den Bullen nach Hause kommt, oder ich ihn da holen muss. Diebstahl, Körperverletzung, Einbruch, die ganze Palette ich warte nur auf die Anzeige wegen etwas schlimmerem. Ich kann mit den Anzeigen die hier rein flattern mittlerweile das komplette Wohnzimmer tapezieren. Fast täglich kommen hier neue Briefe von der Staatsanwaltschaft ins Haus geflattert. Seinen Job macht er auch nur noch so wie er kann und ich glaube der einzige Grund warum er den noch nicht aufgegeben hat ist die Tatsache, dass er da auf Papa´s kosten saufen und vögeln kann, sonst würde er das wahrscheinlich auch nicht mehr tun.“


,,Das klingt wirklich hart und ich kann mir das auch nicht wirklich vorstellen. Was ist denn passiert, dass er so reagiert?“, fragte Moni, aber ich konnte es mir denken, auch wenn ich es nicht aussprechen würde, so wusste ich doch insgeheim, dass es meine Schuld war.
Es war meine Schuld, dass Stephan so auf die schiefe Bahn geraten war und ich konnte nicht mal etwas dagegen tun.
Je nachdem wie tief er darin steckte, würde das ein Kampf werden, wo ich nicht sagen konnte, ob ich dazu die Kraft hatte, diesen Weg mit ihm zusammen zu gehen.
Sicher liebte ich Stephan, aber ich hatte bei meiner Mutter gesehen, wo das hinführte und ich wusste einfach nicht mit Sicherheit, ob ich die Kraft dazu aufbringen konnte, das wirklich noch einmal durchzustehen.
Seufzend fuhr ich mir durch die Haare und war von den Worten doch schockiert und bekam den Rest der Unterhaltung nicht mehr wirklich mit.
Zwar nahm ich noch wahr, dass sich jemand unterhielt, aber die Worte gewannen einfach keine Bedeutung und wollten von meinem Gehirn nicht verarbeitet werden.
Ich fühlte mich wie in Trance und so verdammt schuldig, denn es konnte doch nur meine Schuld sein.
Es hatte vor einem Jahr angefangen und das war die Zeit in der ich nach Frankfurt gegangen war.
Wahrscheinlich hatte Stephan dann erfahren, dass ich mit Moni zusammen war und verzweifelte, auch wenn ich mir darauf noch keinen wirklichen Reim drauf bilden konnte.
Aber vielleicht hatte er einfach nicht ertragen, dass sein einziger “Freund“ nun nicht mehr da war, denn er wusste ja, dass ich nicht jeden Tag nach Hösbach kommen konnte.


Ich hatte keine Ahnung, was da los war, aber es gefiel mir nicht, so viel war sicher.
Mit meiner Hand fuhr ich mir erneut durch die Haare und starrte vor mir auf die Tischplatte.
Es musste eine Lösung geben, auch wenn ich noch keine Ahnung hatte, welche.
Erst als Moni dann an mir rüttelte, kam ich zurück ins Hier und Jetzt und blickte sie fragend an.
,,Kannst du dir vorstellen, was Stephan so aus der Bahn geworfen hat?“, fragte sie und ich schüttelte lediglich den Kopf.
,,Aber Stephan und du habt euch doch gut verstanden, oder? Hat er dir nicht mal was gesagt?“
,,Nein, alles was ich weiß, ist das er damals mal was mit meiner Schwester hatte, aber ich habe keine Ahnung, wie das ausgegangen ist, denn ich habe wie du weißt ja keinen Kontakt mehr, weder zu Stephan, noch zu meiner Familie.“
Moni nickte, denn das war ja auch nichts, was sie nicht schon wusste und somit musste sie es ja verstehen.
,,Moni, kannst du uns vielleicht was zu essen holen? Ich gebe dir Geld, ich lade euch ein.“
,,Klar. Wo soll ich denn was holen?“
,,Das ist mir egal. Wobei die Currywurst bei euch im Lokal wirklich klasse ist. Magst du dahin gehen?“
,,Ja, kann ich machen.“, sagte sie und Tex nickte, bevor er ihr Geld gab.
Sie stand auf, drückte mir noch einen Kuss auf die Lippen, verabschiedete sich mit einem Winken von ihrem Dad und verschwand aus dem Raum.


Kurze Zeit später hatte sie dann auch das Haus verlassen und Tex sah mich fast schon vorsichtig an.
,,Tut mir leid, ich musste sie los werden, ich wollte mit dir alleine reden.“, sagte er dann und ich nickte, war es doch okay und ich war ihm auch dankbar, dass er das Gespräch unter vier Augen führen wollte, da Moni von dem Stelldichein mit Stephan einen Tag vor unserem ersten Date nichts wusste und es auch nicht erfahren sollte.
,,Ich denke, vor allem wenn ich deine Reaktion sehe, dass du mehr weißt, als du eben gesagt hast, oder?“
,,Ich bin mir nicht sicher, Tex. Vor allem weiß ich auch nicht, ob ich dir das unbedingt sagen sollte.“
,,Kevin, das was passiert ist, tut mir wirklich leid. Ich wollte dich nicht so angehen und dich auch sicher nicht da stehen lassen und dir die Rechnung überlassen. Ich gebe dir das Geld auch gerne wieder, das ist überhaupt kein Problem, aber ich war einfach sauer. Ich war aber auch am nächsten Tag bei deiner Mutter drüben und wollte mit dir reden, mich bei dir entschuldigen und dir das Geld geben, aber deine Mutter sagte, dass du ausgezogen bist und das sie nicht weiß, wo du hin bist. Ich dachte das wäre ein kleiner Streich eines pubertierenden Jugendlichen, das hat Stephan auch schon gemacht, war dann aber meistens am nächsten Tag wieder da.
Als du dann aber nicht zurückgekommen bist, da habe ich irgendwann aufgehört auf dich zu warten. Ich konnte ja nicht wissen, dass du irgendwann doch nochmal zurückkommen würdest.“
,,Vergessen wir das einfach, denn es ist ja auch nicht so schlimm. Ich hatte glücklicherweise ja auch genug Geld dabei, um das Essen zu bezahlen und das du sauer warst kann ich auch verstehen, dass wäre ich an deiner Stelle auch gewesen, aber Stephan wusste in dem Moment einfach nicht, was er tun sollte.“


,,Das kann ich ja auch verstehen und ich weiß auch, dass es sicher nicht einfach für ihn war und ich ihn da wohl auch etwas überfordert habe, aber ich hatte einfach gehofft, dass er endlich klar kommen würde. Vielleicht ein geregeltes Leben führen würde und wenn das dann mit einem Mann ist, dann war das auch okay, Hauptsache er ist glücklich und führt ein normales und geregeltes Leben. Mehr wollte ich doch nie für meine Kinder.“
,,Ich glaube aber genau das hat Stephan so verwirrt und vielleicht auch ein Stück weit überfordert.“
,,Wie kommst du darauf?“, fragte Tex und schien ehrlich verwirrt zu sein, also würde mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als ihn nun aufzuklären über das, was an dem Abend noch passiert war.
,,Na ja, Stephan hatte mir einen Tag vorher, also heute genau vor einem Jahr gesagt, dass er mal gerne was mit einem Mann haben würde, weil er ja nicht wissen könne, ob er da mehr Spaß dran hätte, wenn er es nicht ausprobieren würde. Ich bin da auch nicht abgeneigt, was aber auch komischerweise nur Stephan betrifft. Ich meine ich bin mit Moni zusammen, aber ich liebe Stephan, dessen bin ich mir sicher und das mittlerweile seit einem Jahr. Aber was soll ich machen? Ich meine er steht offensichtlich nicht auf Kerle, also ist es sinnlos daran festzuhalten. An dem Abend haben wir ein paar Bierchen getrunken, nicht so extrem, dass wir besoffen waren, ich glaube es waren nur drei Bier und die haben uns sicher nicht umgehauen und das würden sie heute erst recht nicht.“, sagte ich und hielt dann kurz inne und sah Tex fragend an.
,,Darf ich hier rauchen?“, fragte ich und zog bereits meine Zigaretten raus.


,,Ja, natürlich.“, sagte er und schob mir den Aschenbecher zu.
Ich zündete mir eine Zigarette an und inhalierte den Qualm tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ.
,,Stephan hatte jedenfalls den Wunsch auch mal was mit einem Kerl zu haben, ob er den immer noch hat weiß ich nicht, denn ich hatte ja, wie du weißt keinen Kontakt zu ihm. Jedenfalls haben wir uns dann abends nachdem du auf der Arbeit warst hier ins Wohnzimmer gesetzt und wollten einen Film schauen. Er kam dann irgendwann auf die Idee, dass wir ja auch einen Porno gucken könnten. Ich hielt es für eine lustige Idee und habe zugestimmt. Wir haben uns den dann auch angesehen und uns dann irgendwann gegenseitig einen runtergeholt. Da ich aber ja an dem Tag bereits zu Hause die Segel gestrichen hatte, hat Stephan mir angeboten bei ihm zu schlafen, was ich auch gerne angenommen habe und so kam es dann eben auch, dass wir an dem morgen danach nur in Boxershorts hier saßen. Dann bist du ja auch schon dazu gekommen und den Rest kennst du ja schon.“
,,Dann habe ich das vollkommen falsch gedeutet. Ich meine es sah so offensichtlich aus und ihr habt euch so angesehen, als würdet ihr euch lieben und da lag es auf der Hand, das ihr zusammen seid. Ich wusste ja auch nicht, wie lange ihr euch schon kennt und wie lange ihr euch schon trefft. Kevin, es tut mir wirklich leid, dass ich das so missverstanden habe.“
,,Für mich ist das okay, denn es ist bei mir ja auch zutreffend, aber eben bei Stephan nicht. Ich denke deswegen wird er es dir auch so unsanft erklären wollen, damit du ihn damit in Ruhe lässt, weil er davon eben nichts wissen wollte.“
,,Oder eben aus genau dem gegenteiligen Grund.“, sagte Tex und ich blickte ihn verwirrt an, denn das hatte ich nun nicht verstanden.
Der gegenteilige Grund?


,,Ja, vielleicht hat er sich ja auch in dich verliebt und hat es zu dem Zeitpunkt einfach nur noch nicht verstanden. Ich meine Kevin jetzt mal ehrlich, würde das nicht viel mehr Sinn ergeben, beziehungsweise überhaupt einen Sinn? Was wäre denn, wenn Stephan auch Gefühle für dich hatte, oder vielleicht immer noch hat und sie zu dem Zeitpunkt nicht deuten konnte. Dann bist du weg gewesen und keiner wusste, wo du bist. Alles was wir dann irgendwann erfahren haben, ist das du in Frankfurt wohnst und mit Moni zusammen bist....“
,,Und als er das erfahren hat, hat ihm das den Rest gegeben und er ist richtig tief abgerutscht, weil er zu dem Zeitpunkt wusste was er fühlte, aber eben auch wusste, dass er keine Chance mehr hatte, denn seiner Schwester den Freund ausspannen, ist selbst für Stephan eine Nummer zu hoch.“, beendete ich seinen Satz und Tex nickte.
,,Das könnte doch durchaus sein, oder? Ich meine das würde alles Sinn ergeben. Vielleicht war es ja auch wirklich so.“
,,Aber das alles ist jetzt ein Jahr her und ich glaube nicht, dass er immer noch so fühlt wie damals. Ich denke er wird mittlerweile sämtliche Gefühle abgetötet haben mit Drogen und Alkohol und selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, dann wird er sicher nicht über ein Jahr an einer sinnlosen Liebe hängen.“
,,Aber tust du das nicht auch? Ich meine hängst du nicht auch noch an ihm, obwohl du doch selbst sagst, dass es sinnlos ist?“
,,Ja, aber das ist doch eher nicht Stephan´s Art und nur weil ich das tue, heißt das ja nicht, das Stephan das auch tut.“
,,Ihr seid euch ähnlicher als du denkst, Kevin.“, sagte er und ich seufzte.


,,Aber das wäre ja vollkommen absurd.“, sagte ich mit einem Kopfschütteln, aber Tex winkte ab.
,,Ich finde das gar nicht so absurd, was wäre denn, wenn er eben nicht damit klar kam und die Gefühle und die Gedanken an dich eben genau damit abtöten wollte, einfach weil ihm klar war, dass er keine Chance hatte und vor allem das er dich vielleicht nie wiedersehen würde. Immerhin wusste doch eine ganze Zeit niemand wo du bist und wann wenn überhaupt, du zurückkommen würdest.“
Ich nickte, denn das ergab alles Sinn, aber wenn es wirklich meine Schuld war, dass es Stephan so scheiße ging und er so viel durchmachen musste, dann war ich wahrscheinlich auch der Einzige, der es schaffen würde, ihn wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
,,Tex, wenn das wirklich so ist, dann bin ich der Einzige, der ihm helfen kann, aber ich bin mir einfach nicht sicher, ob ich das schaffe. Ich glaube ich bin dafür einfach nicht stark genug. Ich meine ich habe bei meiner Mutter gesehen, wo das endet und ich will nicht dabei zusehen, dass Stephan auch so vor die Hunde geht.“
,,Apropos deine Mutter, da muss ich dir glaube ich auch noch etwas sagen.“, sagte Tex vorsichtig und ich blickte ihn auffordernd an, denn ich war gespannt, was er jetzt da zu berichten hatte.
Wahrscheinlich war sie jeden Tag besoffen von der Nachbarin nach Hause gebracht worden oder was auch immer, aber das war ja nichts neues mehr.
,,Es hat sich bei deiner Mutter in dem Jahr glaube ich auch einiges getan. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir das alles erzählen sollte, denn ich glaube, dass ich auch nicht alles mitbekommen habe.“
,,Das macht nichts, erzähl mir einfach das was du weißt. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Gerüchte die man so hört meistens doch der Wahrheit entsprechen.


,,Na ja kurz nachdem du ausgezogen bist, ist auch Kai gegangen. Ich habe keine Ahnung, wo der jetzt wohnt und was er macht, aber ich habe ihn auch seit seinem Auszug nicht mehr gesehen. Das ist jetzt auch schon ein dreiviertel Jahr her. Soweit ich weiß ist sie mit Kerstin seitdem alleine. Anfangs war sie auch noch öfter hier und nachdem du weg warst, hatte ich gehofft, dass sie vielleicht bei Stephan was erreichen konnte, aber seit ungefähr einem drei oder vier kommt sie auch nicht mehr zu uns rüber. Was da vorgefallen ist, weiß ich nicht, da wird Stephan oder auch Kerstin selber dir mehr zu sagen können. Wenn ich versuche mit Stephan zu reden, kommt da nichts produktives bei rum. Ich bin ja froh, wenn er es schafft mir noch die Tageszeit zu sagen. Na ja, dann ging das Gerücht rum, dass in eurem Haus öfter mal Männer ein und aus spazieren, aber da habe ich mir erst mal nichts bei gedacht, immerhin ist das ja ein Mehrfamilienhaus und die müssen dann ja auch nicht zwangsweise alle zu deiner Mutter gehen. Allerdings war das dann auch das nächste Gerücht was um ging. Das sie eben alle zu ihr gingen.“, sagte Tex und beendete seine Erzählung, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, das da noch mehr war, was er mir nicht sagte.
,,Du willst mir also sagen, dass meine Mutter ein angeregtes Sexualleben hat? Das interessiert mich nicht wirklich und das will ich auch ehrlich gesagt über meine Mutter nicht wissen.“
,,Wenn es ein normal angeregtes Sexualleben wäre, würde ich dir das auch nicht erzählen, aber ich besitze einen Puff und ich merke schnell, wenn da was faul ist.“
,,Ich verstehe zwar nicht, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll, aber das wirst du mir sicher jetzt erklären.“, sagte ich und drückte die Zigarette aus.


,,Wie ich bereits sagte, ich besitze einen Puff und ich merke auch sehr schnell, wenn gewisse Herren plötzlich länger nicht mehr kommen, denn das heißt meistens nur, dass sie entweder Stress mit ihrer Frau haben, weil die das rausbekommen hat oder eben, dass sie etwas anderes, auf den ersten Blick besseres gefunden haben. Einige meiner Stammkunden kamen dann über längeren Zeitraum nicht mehr, was mich stutzig machte, denn es hat kein neuer Puff aufgemacht, also hab ich mich doch mal umgehört. Irgendwann kam dann einer meiner Stammkunden wieder und da ich mit dem auch ein ziemlich gutes Verhältnis habe, habe ich ihn mal gefragt, wieso er länger nicht mehr da war und er sagte mir, dass es da eine Dame geben würde, die ihre Dienstleistungen privat anbot und das wesentlich günstiger als bei mir. Da bin ich hellhörig geworden und hab dann eben auch erfahren, dass deine Mutter das privat machte. Das ist eine Straftat und kann abgesehen vom Gesetz auch noch ganz andere, viel schlimmere Folgen haben, wenn sie dann an den falschen Kerl gerät.“
,,Du willst mir also sagen, dass meine Mutter sich da prostituiert und dir die Kunden wegnimmt? Die Frau schreckt aber auch vor nichts zurück. Ich werde das klären, Tex. Das geht so natürlich nicht und das wird sie auch wieder sein lassen.“
,,Ich glaube nicht, das das im Moment das größte Problem ist, was wir da haben, denn meine Stammkunden sind mittlerweile alle wieder da und ob du es glaubst oder nicht, ich habe jetzt sogar mehr Kunden als vorher. Also hatte das ja auch was Gutes. Aber wohl nicht das größte Problem.“
,,Sondern? Sitzt sie jetzt im Knast? Geschieht ihr recht, dann kann sie da auch gleich einen Entzug machen, damit sie wieder auf ihr Leben klar kommt, denn ich glaube jetzt dreht sie wohl wirklich komplett durch, oder?“


,,Nein, ich glaube es ist noch etwas schwerwiegender.“, sagte er vorsichtig und ich zog eine Augenbraue hoch.
,,Was ist es denn?“, fragte ich doch leicht genervt, denn ich war mir sicher, dass es so schlimm wohl nicht sein würde.
,,Sie wurde bereits vor drei Tagen von einem Krankenwagen abgeholt, was sie genau hat, kann ich dir nicht sagen und auch nicht, wie es ihr geht, aber es schien akut gewesen zu sein, denn sie wurde mit Blaulicht abtransportiert.“
,,Das heißt Kerstin ist jetzt seit drei Tagen alleine zu Hause?“, fragte ich schockiert und Tex nickte.
,,Ja, ich habe ihr angeboten zu uns rüber zu kommen und ihr gesagt, dass sie in meinem Gästezimmer schlafen könne, so hätte sie ihre Ruhe und müsse nicht alleine sein und hätte Gesellschaft, wenn sie die wollte und das sie auch nicht unbedingt zu Stephan musste, wenn sie das nicht wollte, aber das hat sie abgelehnt. Ich gehe aber jeden Tag mindestens einmal rüber und sehe nach ihr. Ich bringe ihr dann auch Lebensmittel. Sie wollte auch nicht in die Schule, da habe ich sie krank gemeldet und denen gesagt, dass sie vorübergehend bei mir in Obhut ist, damit sie keinen Stress bekommt wenn rauskommt, dass sie alleine zu Hause ist.“
,,Ich werde später mal nach ihr sehen gehen und mal mit ihr reden, aber es gibt trotz allem was ich jetzt weiß eine noch viel größere Aufgabe, um die ich mich gerne kümmern würde.“
,,Kevin, ich habe dir gerade erzählt, dass niemand weiß, wo dein Bruder ist. Das deine Mutter im Krankenhaus ist und keiner weiß wie es ihr geht und was sie hat und das deine kleine Schwester alleine zu Hause ist und alles was du im Kopf hast und was für dich oberste Priorität hat, ist mein Sohn?“


,,Ja, um ehrlich zu sein, ist mir das gerade am wichtigsten. Wenn meine Mutter noch nicht tot ist, dann wird sie auch nicht in den nächsten fünf Minuten sterben und wenn doch, ist es eben Schicksal, aber dann würde ich es so schnell auch nicht ins Krankenhaus schaffen. Wenn Kerstin schon seit drei Tagen alleine ist, dann kommt es auf ein paar Minuten mehr oder weniger auch nicht an, aber wir müssen Stephan dann erreichen, wenn er am klarsten ist und da kann es eben auf ein paar Minuten ankommen. Wir müssen jetzt zu ihm und mit ihm reden, denn jetzt ist es vielleicht noch nicht so schlimm und es sind noch Gespräche möglich.“, sagte ich und stand auf.
,,Kevin, dafür ist es wahrscheinlich jetzt auch schon zu spät. Er fängt doch morgens schon an. Vor allem darfst du nicht vergessen, dass heute sein Geburtstag ist und ich meine ich hätte eben auch einige Leute da unten reingehen gehört. Dann wird er jetzt schon so dicht sein, dass er wahrscheinlich nicht mehr weiß, wie er heißt.“
,,Ich will es aber trotzdem probieren.“, sagte ich entschlossen, denn es wäre ja auch möglich, dass ich mehr erreichen konnte, als Tex.
,,Du musst es wissen, Kevin. Viel Glück, ich denke das kannst du brauchen.“
Ich nickte, drehte mich rum und wollte gerade ansetzen zu gehen, als Moni in die Küche kam und mir im vorbeigehen einen Kuss auf die Lippen drückte und das Essen auf den Tisch stellte.
,,Nicht weglaufen, mein Schatz. Ich hab Essen.“
,,Ich hab keinen Hunger. Ich würde lieber mit Stephan reden. Kannst meine Portion gerne Kerstin rüber bringen und dir in der Zwischenzeit von deinem Dad alles erklären lassen.“
Ich blickte kurz zu Tex, der dann nickte und mir somit zu verstehen gab, dass er einverstanden war und ihr erklären würde, was er mir eben erzählt hatte.


,,Ich versuche dann jetzt mein Glück bei Stephan und schaue mal, ob ich was erreicht bekomme.“, sagte ich und Moni blickte mich verwirrt an, wechselte dann allerdings zu Tex, was ich nutzte, um aus dem Raum zu verschwinden und in dem Keller zu gehen.
Je näher ich der Türe von Stephan´s Zimmer kam, desto mulmiger wurde das Gefühl in meiner Magengegend und auch der Geruch aus nicht identifizierbaren Gerüchen gemischt wurde immer intensiver.
Aber ein stechender Geruch aus Schweiß, Erbrochenem und Urin waren deutlich zu erkennen, das was sich da sonst noch zu mischte, konnte ich noch nicht identifizieren, war mir aber sicher, dass ich das auch noch erfahren würde.
Hier würde ich wohl verdammt starke Nerven brauchen.
Als ich die Türe erreicht hatte, blieb ich stehen und zögerte.
Natürlich hatte ich meine Mutter schon oft gesehen und wusste, wo das hinführte, aber wenn bei Stephan auch noch Drogen im Spiel waren, würde die Sache hier ganz anders aussehen und irgendwie machte mir der Gedanke auch Angst.
Immer deutlicher ergriff die Unsicherheit Besitz von mir und ich atmete tief durch, inhalierte so aber auch diesen merkwürdigen Geruch, der es schaffte, dass es mir leicht schwindelig wurde.
Ich lehnte mich mit dem Kopf gegen die Wand und war dankbar für die Abkühlung, schloss meine Augen und versuchte den Schwindel loszuwerden und all meine Kräfte zu bündeln, um das alles hier mit Ruhe und Gelassenheit zu überstehen.
Wie lange ich da so gestanden hatte, wusste ich nicht, aber irgendwann drückte ich mich von der Wand ab, hob die Hand und klopfte gegen die Türe.


Die Türe war verschlossen, etwas was ich von Stephan nicht kannte, wenn er nicht gerade schlief, was aber wohl meine Chance war, denn so würde ich vielleicht mit ihm reden können.
,,Stephan?“, rief ich klopfte erneut gegen die Türe und wartete.
Es kam mir vor wie Stunden, obwohl es nur Sekunden waren, sich aber hinter der Türe einfach nichts tat.
Ich hörte nicht mal ein verdammtes Geräusch was darauf schließen ließ, dass alles okay war und er vielleicht wirklich nur schlief.
,,Stephan? Mach doch mal die Türe auf.“, rief ich erneut, diesmal aber lauter und klopfte auch lauter gegen die Türe.
Aber hinter dieser beschissenen Türe war es immer noch totenstill.
Ich konnte meinen eigenen Herzschlag deutlich hören, meine Atmung hatte sich ebenfalls beschleunigt und Panik ergriff Besitz von mir.
,,Stephan?! Mach die verdammte Türe auf, sonst trete ich sie ein, verdammt!“, brüllte ich die Türe an und hätte wohl in dem Moment am liebsten geheult wie ein kleines Kind, aber ich wusste, dass ich jetzt Stärke zeigen musste, wischte mir mit dem Ärmel kurz über die Augen, atmete nochmal tief durch und klopfte erneut.
Immer wieder rief ich seinen Namen, aber es war und blieb still.
Beinahe hätte ich aufgegeben und wollte die Türe wirklich eintreten, als ich ein Klirren hörte, klang wie eine Flasche, die zu Bruch gegangen war, oder irgendwas anderes aus Glas, aber immerhin ein Lebenszeichen und er musste wach sein, denn von alleine fiel nichts runter und ging kaputt.
Erneut klopfte ich und rief seinen Namen, allerdings kam darauf keine Reaktion und die Türe blieb auch verschlossen.


Langsam reichte es mir und wenn er sie nicht aufmachen würde, musste ich eben nachhelfen.
Ich ging ein Stück von der Türe weg, sammelte all meine Kraft und trat sie dann ein, nachdem ich überprüft hatte das ich sie so nicht auf bekam, aber offensichtlich hatte Stephan sie abgeschlossen.
Es gelang mit beim ersten Versuch und die Türe war offen.
Der Gestank schlug mir wie eine Faust hart ins Gesicht, aber nicht hart genug um mich außer Gefecht zu setzen.
,,Stephan?“, rief ich erneut, aber bekam auch jetzt einfach keine Antwort.
Langsam näherte ich mich der Türe und konnte immer mehr von seinem Zimmer sehen, aber sein Bett war leer, was bedeutete, dass er zumindest dort nicht schlief.
Mehr konnte ich nicht sehen, aber dann würde er wohl auf der Couch oder in seinem Sessel sitzen, was Sinn ergab, denn da saß er meistens und gerne.
Das er in seinem Zimmer was verändert hatte, konnte ich mir nicht vorstellen, dafür mochte er es zu sehr.
Allerdings war es jetzt eher Zweifelhaft, denn die Gegenstände die ich erkennen konnte, waren um einiges weiter heruntergekommen, als vor einem Jahr noch.
Ich hatte die Türe erreicht und sah mich soweit ich konnte in dem Raum um und entdeckte dann auch Stephan, allerdings ließ mich der Anblick an meinen Augen und an meinem Verstand zweifeln.
In meinem Leben hatte ich schon verdammt viel gesehen, auch durch meine Mutter, aber er hing in dem Sessel, so verdammt leblos und zeigte keinerlei Regung.
Er schien sich vollgekotzt zu haben und das wahrscheinlich auch nicht nur einmal und so wie er da hing konnte ich nicht mal sehen, ob er schlief oder wach war.


Weiter wollte ich in dem Moment einfach nicht denken und jede Faser meines Körpers sträubte sich gegen den Gedanken zu glauben das da vielleicht auch etwas noch viel dramatischeres hinter stecken könnte, als das was ich glaubte, bei dem Anblick eines regungslosen Körpers.
,,Stephan?“, fragte ich laut genug, dass er mich hören könnte und näherte mich ihm weiterhin, ohne zu schnell zu sein, denn ich wollte ihn ja auch nicht erschrecken, hatte ich doch keine Ahnung, was er so zu sich genommen hatte.
Aber es war egal wie nah ich ihm gekommen war, bis jetzt, ich konnte immer noch nicht mit Gewissheit sagen in was für einem Zustand er sich befand, außer das er ganz offensichtlich nicht ansprechbar war.
,,Stephan?“, fragte ich erneut, als ich ungefähr drei Schritte von dem Sessel entfernt stand auf dem er saß, aber auch darauf bekam ich keine Antwort.
Er trug ein ziemlich weites T – Shirt, was ich auch nicht von ihm gewohnt war, und dadurch und durch die Tatsache, dass er von oben bis unten vollgekotzt war, konnte ich so nicht mal erkennen, ob er noch atmete.
Ich überwand die letzten Schritte zwischen uns und hockte mich neben den Sessel, um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein, sein Gesicht hatte ich allerdings immer noch nicht gesehen, denn das war zur anderen Seite geneigt und ich hatte noch nicht den Mut um den Sessel rum zugehen.
,,Stephan?“, fragte ich erneut ruhig, aber laut genug, dass er mich hören konnte und versuchte sämtliche Panik aus meiner Stimme zu vertreiben, die er wahrscheinlich nicht nachvollziehen konnte.
Aber auch darauf bekam ich keine Antwort oder irgendeine Reaktion, was mir erneut die Tränen in die Augen trieb.


Ich wusste, dass es meine Schuld war, dass es ihm so scheiße ging, aber mit seinem Tod würde ich nicht klar kommen und auch nicht mit der Schuld daran.
Zögernd streckte ich meine Hand aus, hielt einen Moment inne, atmete tief durch und legte meine Hand dann auf seine.
Die erhoffte Erleichterung trat aber nicht ein, denn seine Hand war nicht besonders warm, aber eben auch nicht wirklich kalt und eine Reaktion darauf gab es auch nicht.
,,Stephan?“, fragte ich erneut und spürte deutlich, dass mir nun doch stumme Tränen über die Wangen liefen.
Das war doch bitte nicht sein Ernst oder?
Konnte er mir das wirklich antun?
Ja, ich hatte mich auch nicht korrekt verhalten, aber das ging zu weit, das konnte er nicht machen.
Nur vorsichtig, fast schon ängstlich, ließ ich meine Hand zu seinem Handgelenk wandern und suchte einen Puls.
Es kam mir vor wie Stunden und meine Panik und meine Verzweiflung wuchsen, als ich den einfach nicht finden wollte.
Ich mahnte mich innerlich selbst zur Ruhe und würde das so aufgebracht wahrscheinlich alles falsch machen.
Einen Moment schloss ich die Augen, atmete nochmal tief durch und versuchte dann erneut nach seinem Puls zu tasten.
Im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich gefunden hatte, aber mit genug Ruhe und Konzentration war ich mir sicher, dass ich ihn hatte.
Gut konnte ich ihn nicht fühlen, aber immerhin war er da.


Ich atmete erleichtert aus und wusste, dass die größte Sorge erst einmal gedämmt war, aber in dem Zustand konnte ich ihn auch nicht so lassen.
Mein Blick fiel auf eine leer Bierflasche, die vor ihm auf dem Boden lag und die zerbrochen war.
Wahrscheinlich das Klirren was ich gehört hatte, denn sonst konnte ich nichts ausmachen, was nach zerbrochenem Glas aussah.
,,Stephan? Hörst du mich?“, fragte ich erneut und hoffte eine Reaktion zu bekommen, denn ich musste irgendwas tun, wollte ihn aber auch nicht alleine lassen.
Konnte und wollte aber auch nicht das Haus nach Tex zusammen brüllen und seufzte.
Ich war vorher noch nie in so einer Situation und hatte doch auch keine Ahnung, was ich jetzt tun sollte.
Man, der Kerl war erst 17 und sollte jetzt verdammt nochmal nicht sterben, vor allem nicht, wenn ich hier war und ihm helfen wollte.
Ich ließ sein Handgelenk los, hob meine Hand und streichelte ihm sanft durch die Haare, während ich einen Blick auf die Türe hinter mir warf um zu sehen, ob dort vielleicht Tex oder Moni erschienen waren und ich es einfach nicht gehört hatte, aber zu meinem Bedauern war dort niemand.
Erneut blickte ich zu Stephan, der sich wie zu erwarten keinen Millimeter bewegt hatte, denn das hätte ich wohl mitbekommen, denn ich streichelte immer noch durch seine Haare.
,,Glaub mir, wenn wir dich wieder fit genug bekommen haben, werde ich dir für die Scheiße die du hier abgezogen hast kräftig in den Arsch treten.“, sagte ich zu ihm und spürte weitere Tränen meine Wangen runter laufen.


Ob es Tränen der Verzweiflung, aus Angst oder einfach aus Erleichterung waren, wusste ich nicht, aber ich machte mir nicht die Mühe sie wegzuwischen.
Das erste Mal in meinem Leben, dass ich heulte und ich wusste in dem Moment einfach, dass es richtig war, denn für Stephan und meine Gefühle für ihn musste ich mich nicht schämen.
Es war nur eine kleine Bewegung, aber ich spürte unter meiner Hand, dass er seinen Kopf bewegte und ihn offensichtlich drehen wollte.
Eine verdammte Regung und die Gewissheit, dass er vielleicht nicht so weit weg war, wie ich befürchtet hatte.
,,Stephan?“, fragte ich erneut, bekam aber nur ein ziemlich klägliches und leises Brummen zur Antwort, aber immerhin eine Antwort.
Ich seufzte leise und stellte mich wieder aufrecht hin.
Sammelte innerlich nochmal alles zusammen, was ich an weiteren Kräften mobilisieren konnte und ging um den Sessel rum, um ihm ins Gesicht zu blicken.
Er sah auf den ersten Blick aus wie ein alter Mann.
Tiefe Augenringe und gerötete Augen und wirkte insgesamt nicht mehr frisch, sondern einfach nur mitgenommen und fertig.
Wie ein Mensch, der so viel in kurzer Zeit erlebt hat, dass er einfach keine Kraft mehr hatte, noch etwas zu tun, was für sein persönliches Wohl gewesen wäre.
Er roch stark nach Erbrochenem und Urin, was ich irgendwie versuchte zu übergehen und hockte mich erneut neben ihn.
Ich blickte ihm geradewegs in die Augen, denn die hatte er nicht ganz geschlossen, konnte aber nicht mal mit Gewissheit sagen, ob er mich überhaupt sah.


Es schien so, als würde er durch mich durchsehen, mich überhaupt nicht wahr nehmen.
Seine Augen wirkten so leer und der Glanz und dieses schelmische Funkeln, was ich damals so an ihm bewundert hatte, waren gewichen und davon war nichts mehr zu sehen.
,,Stephan?“, fragte ich erneut und streichelte ihm erneut durch die Haare.
,,Kannst du mich hören?“
Aber auch darauf bekam ich keine Antwort, allerdings schienen sich seine Augen bewegt zu haben.
Ich wusste nicht, ob es Einbildung war, oder wirklich passiert ist, aber ich bildete mir ein, dass er sie bewegt hatte und mich jetzt auch wirklich anblickte.
Auch hatte ich jetzt das Gefühl, dass er mich wahr nahm, aber ob er mich erkannte, wusste ich nicht.
,,Stephan?“, fragte ich leise und hielt für einen Augenblick die Luft an, um bloß nichts zu verpassen, falls ich nur zu laut atmete.
Ob ich es mir eingebildet hatte oder nicht, aber ich war sicher, dass sich sein Blick verändert hatte, da war etwas anders.
Auch wenn ich es nicht wirklich beschreiben konnte, es war ein Gefühl und ich wusste, dass sich etwas verändert hatte, auch wenn ich mir nicht sicher war in was es sich geändert hatte.
,,Kev?“, fragte er mit heiserer Stimme und am liebsten wäre ich ihn angesprungen, denn wenn er mich erkannt hatte, dann würde er vielleicht auch noch andere Dinge erkennen und wahrnehmen und wir konnten ihm vielleicht helfen.
,,Ja, ich bin da. Wie geht es dir?“, fragte ich und bemühte mich erneut möglichst nicht zu viele Emotionen in meine Aussage zu legen, auch wenn das nicht so gut klappte, wie ich das wollte.


Aber darauf bekam ich schon keine Antwort mehr, wobei ich aber auch deutlich bemerkte, dass ihm das Sprechen schwer zu fallen schien, aber ich wollte ihn trotzdem nicht alleine lassen, um ihm ein Glas Wasser zu holen oder eben auch einen Arzt oder einen Krankenwagen zu rufen, denn das war wohl der nächste Schritt, so würden wir das wahrscheinlich nicht schaffen, denn dazu fehlten uns einfach die medizinischen Kenntnisse.
,,Kevin?“, hörte ich eine andere Stimme, blickte an Stephan vorbei zur Türe und sah dort Tex stehen, der kam ja wirklich wie gerufen.
,,Wie sieht es aus?“
,,Ich bin mir nicht sicher, aber gut würde ich es nicht nennen. Er war erst eine ganze Weile nicht ansprechbar, weiß aber mittlerweile das ich hier bin, hoffe ich. Er hat zumindest nach mir gefragt und ich habe bestätigt, dass ich da bin, hab dann aber keine Antwort mehr bekommen. Ich hoffe es ist auch bei ihm angekommen. Wäre nett, wenn du mir vielleicht ein Glas Wasser bringen könntest, denn das Sprechen fällt ihm schwer, was mit dem Wasser wahrscheinlich nicht behoben ist, aber schaden kann es ja auch nicht. Ob du dann einen Arzt rufen willst oder nicht ist deine Sache, aber ich würde es dir empfehlen. Ich glaube ohne werden wir das nicht schaffen. Ich meine wir wissen ja nicht mal, was er genommen hat und ihn fragen können wir ja auch schlecht.“
,,Ich kümmer mich drum.“, sagte Tex nickend und war auch schon wieder aus dem Raum verschwunden, offensichtlich hielt er sich hier nicht lange auf und irgendwie konnte ich es auch verstehen, auch wenn es hier mal wirklich schön war.


,,Ich gehe nicht weg. Ich hole dir nur ein Kissen, ja?“, fragte ich sanft, aber erhielt erneut keine Antwort von ihm.
Ich stellte mich wieder auf und ging zu seinem Bett, wo ich ein kleines Kissen fand, was ich an mich nahm und damit wieder zurück zu Stephan ging und mich wieder neben ihn hockte.
,,Erschreck dich nicht, aber ich lege dir jetzt das Kissen unter den Kopf, sonst hast du nur noch mehr Probleme und dann auch noch Nackenschmerzen.“, sagte ich und kam mir wirklich mehr als dumm vor, denn wirklich eine Antwort bekam ich ja doch nicht von ihm.
Ich legte ihm das Kissen so hin, dass er auch mit dem Kopf in einer aufrechten Position zu sitzen kam, aber damit schien er nicht einverstanden, denn so konnte er mich nicht mehr sehen.
,,Warte, ich setze mich vor dir auf den Tisch, dann kannst du mich besser sehen.“, sagte ich und schob alles auf dem Tisch zur Seite und setzte mich dort hin.
Erneut lag der Blick von Stephan auf mir und mittlerweile war ich mir auch sicher, dass er einiges wahr nahm, aber ob er wirklich verstand, was hier abging, bezweifelte ich noch.
Ich konnte ja nicht mal sicher sein, ob er mich erkannt hatte, oder im Rausch einfach nach mir gefragt hatte.
,,Kev?“, fragte er erneut und ich nickte.
,,Ja, ich bin da.“
Stephan öffnete den Mund, wollte offensichtlich etwas sagen, schloss seinen Mund dann aber wieder und brummte.
,,Ich weiß, dass du gerne etwas sagen würdest und es einfach nur noch nicht kannst. Du brauchst aber etwas Geduld, dann klappt das auch wieder, aber ich werde so lange warten, versprochen.“


Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was er davon mitbekam, so wollte ich aber zumindest, dass er es wusste, wenn er es irgendwie verstand.
Ich hörte Schritte auf der Treppe und blickte zur Türe, wo dann kurze Zeit später auch Tex wieder erschien und mir ein Glas Wasser reichte.
,,Danke.“, sagte ich, nahm das Glas an und wischte mir dann mit dem Ärmel erneut die Tränen aus dem Gesicht, denn diesmal würden auch keine neuen kommen.
,,Der Arzt ist unterwegs. Ich habe einen angerufen, den ich sehr gut kenne und auch Stephan und er kennen sich. Er ist vor allem einer, der uns nicht in die Quere kommt mit Bullen oder so einen Scheiß. Aber keine Sorge, er ist studierter Mediziner und weiß, was er tut. Er wird ihm sicher helfen können.“
,,Danke, Tex.“
,,Nichts zu danken. Wenn was ist, dann melde dich.“
,,Danke, werde ich machen.“
,,Kann Stephan überhaupt schlucken?“, fragte Tex und ich nickte.
,,Ich gehe davon aus, er sabbert nicht und er redet ja auch, wenn bis jetzt auch wenig, aber ich habe Hoffnung, dass er mich versteht und es irgendwie umgesetzt bekommt.“
Tex nickte und schien noch nicht überzeugt, das es auch wirklich klappte.
,,Ich bin dann wieder oben.“, sagte er und verschwand nachdem ich genickt hatte wieder aus dem Raum und nach oben.
Mit dem Glas ging ich zurück zu Stephan und setzte mich wieder auf den Tisch vor ihn und blickte ihm an, lächelte als ich sah, dass er meinen Blick zu erwidern schien


,,Ich habe hier ein Glas Wasser und ich glaube, dass dir das ganz gut tun würde, aber dazu musst du auch schlucken, bekommst du das hin?“, fragte ich vorsichtig und es dauerte eine ganze Zeit lang und ich hatte die Hoffnung eigentlich auch schon aufgegeben, als Stephan dann aber nickte.
,,Ich glaube ich habe es jetzt begriffen. Ich kann mich mit dir unterhalten und du verstehst auch was ich sage, du brauchst einfach nur Zeit es zu realisieren.“, sagte ich nachdenklich und wartete erneut.
Wieder verging einiges an Zeit, aber Stephan nickte dann erneut und ich wusste, dass es mir so leicht fallen würde, mit ihm zu kommunizieren und so zu erfahren was ich wissen wollte.
,,Und du bist dir sicher, dass du schlucken kannst?“, fragte ich weiter und wartete.
Erneut ein nicken nach einiger Zeit und jetzt galt es wohl noch eine letzte Frage zu klären.
,,Kannst du das Glas auch nehmen und alleine trinken?“
Diesmal dauerte die Antwort um einiges länger als vorher und ich war mir schon fast sicher, dass er meine Frage nicht verstanden hatte, sah dann allerdings eine Bewegung seiner Hand und blickte dahin.
Scheinbar versuchte er diese anzuheben, was ihm aber nicht so recht zu gelingen schien.
Einige Zeit blickte ich mir das an, hörte dann aber ein leises Seufzen und blickte Stephan erneut in die Augen.
Dieser erwiderte meinen Blick und schüttelte dann nach einer Weile den Kopf.
,,Das macht nichts, dann helfe ich dir, dann kannst du trinken und vielleicht kannst du danach auch besser mit mir reden. Also erschrecke dich nicht, okay?“, fragte ich und wartete erneut auf eine Antwort, die bald kam und er wieder nickte.


Ich stand auf, beugte mich ein Stück über ihn und half ihm dann beim trinken, was wirklich erstaunlich gut funktionierte, denn das Schlucken hatte er wirklich noch drauf und es ging nichts daneben, was mich wirklich freute, aber auch die Tatsache, dass er das Glas komplett leer machte.
Als das der Fall war, senkte ich das Glas wieder und setzte mich dann wieder vor ihm auf den Tisch.
,,Das Glas ist leer. Möchtest du noch was haben?“
Erneut verstrich einige Zeit, bis Stephan dann den Kopf schüttelte und ich das Glas neben mir auf den Tisch stellte.
,,Kannst du mir irgendwie sagen wie es dir geht?“, fragte ich weiter, denn das wäre noch interessant zu wissen.
Aber leider wurde ich da enttäuscht, denn er schüttelte den Kopf und ich seufzte leise.
,,Das ist nicht schlimm. Gleich kommt ein Arzt und der wird dir dann helfen.“, sagte ich und nahm erneut eine Bewegung seiner Hand war, die ich anblickte und diesmal war es an mir einen Augenblick zu brauchen, bevor ich verstand, was er wollte.
Vorsichtig legte ich meine Hand auf seine und streichelte sanft drüber, was ich eine ganze Weile machte und ihn dabei anlächelte.
,,Kev?“, fragte er erneut und ich nickte.
,,Ja?“
Wieder eine längere Pause und diesmal schien Stephan sich auch anstrengen zu müssen, um das was er wollte auszusprechen.
,,Warum?“, kam dann von ihm und ich blickte ihn fragend an.


Diese Frage könnte auf so ziemlich alles passen und ich hatte keine Ahnung was er meinte.
Warum ich hier war?!
Warum ich mich um ihn kümmerte, obwohl er mich ersetzt hatte?!
Warum ich weggegangen war?!
Warum ich was mit seiner Schwester angefangen hatte?!
Warum es ihm so scheiße ging?!
Es gab sicher noch mehr Möglichkeiten, aber ich wusste nicht, welche dieser Fragen er meinte.
,,Die Tränen.“, brachte er mühsam hervor und nach wenigen Augenblicken hatte ich verstanden, was er wissen wollte.
Er hatte scheinbar gesehen, dass ich geweint hatte und wollte wissen wieso.
,,Das ist jetzt nicht wichtig. Wir müssen jetzt erst sehen, das es dir besser geht.“, sagte ich sanft und hoffte, dass ihn das nicht traurig oder gar wütend machte, denn das konnten wir nun beides nicht brauchen.
,,Sorry.“, sagte er leise, kaum hörbar und senkte seinen Blick zu Boden, was mir nicht gefiel, denn so konnte ich seine Regungen in den Augen nicht mehr sehen und gerade die waren für mich verdammt wichtig, denn die waren immer noch am aussagekräftig genug, um mehr zu erkennen, als die wenigen Worte die er sprach auch wenn sie nicht reden konnten.
Ich legte meine freie Hand auf seine Wange und streichelte mit meinem Daumen sanft darüber.
,,Sei nicht traurig. Alles was passiert ist, ist jetzt egal und kann besprochen werden, wenn es dir besser geht. Das Wichtigste ist im Moment ist einfach, dass es dir besser geht und deswegen bin ich hier und ich werde dir dabei helfen, egal wie lange es dauert, ich werde an deiner Seite sein und dich nicht hängen lassen.“


Es dauerte eine Weile, aber da brachte Stephan dann ein kleines Lächeln zustande, was trotz der Umstände und der Mühe die er dafür aufbringen musste ehrlich aussah und ich mir sicher war, dass es auch so gemeint war.
In dem Fall erwiderte ich es nur zu gerne und hatte jetzt einfach auch die Hoffnung und vor allem die Überzeugung, dass wir das zusammen schaffen konnten, egal wie hart die Zeit auch werden würde, ich würde diesen Weg mit ihm gemeinsam gehen und ihn nicht wieder hängen lassen.
,,Hallo?“, hörte ich eine fremde Stimme von der Türe aus und blickte dahin, wo ein Mann mittleren Alters stand und mich freundlich anlächelte.
,,Darf ich eintreten? Ich soll mich um Stephan kümmern.“
,,Augenblick, bitte.“, sagte ich ebenfalls freundlich und der Doc nickte.
,,Süßer, der Arzt den dein Dad angerufen hat ist da. Sei lieb und mach keinen Blödsinn, ich warte vor der Türe, ja? Wenn was ist, bin ich sofort da.“, sagte ich sanft und wartete erneut auf eine Reaktion, die ich kurze Zeit später in Form eines Kopfnickens bekam.
Ich stand vom Tisch auf, beugte mich über Stephan, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und ging dann zur Türe.
Auf die Reaktion wartete ich nicht mehr, denn ich wollte sie in dem Moment nicht sehen, wusste ja auch nicht, ob ihm das recht war und ob er das wollte.
An der Türe drehte ich mich nochmal zu ihm rum und sah, dass er mir nachgeblickt hatte, was mich noch einmal kurz lächeln ließ, bevor ich den Raum verließ und mich dem Arzt gegenüber sah.


,,Du bist Kevin oder? Ich darf doch du sagen oder?“, fragte er und ich nickte.
,,Ja, sicher und ja ich bin auch Kevin.“
,,Tex hat mir gesagt, dass du hier bist. Ich bin Doktor Leon Neumann, aber du darfst mich natürlich auch gerne Leon nennen.“, sagte er und streckte mir seine Hand hin.
,,Freut mich.“, sagte ich und ergriff sie, um sie kurz zu schütteln.
,,Mich auch. Tex sagte mir, dass es um Stephan geht. Was genau kannst du mir sagen?“
,,Nicht sehr viel, ich bin kein Mediziner und habe auch leider nicht so viel Ahnung. Als ich runterkam war er nicht ansprechbar und hat auch nicht reagiert. Auch nicht nach mehrmaligem Ansprechen oder auf Berührungen.“, begann ich und fuhr mir durch die Haare, war es doch schwer für mich, dass alles in Worte zu fassen.
,,Ja, was hast du dann gemacht?“
,,Ich habe weiter versucht mit ihm zu reden und seinen Puls kontrolliert. Er war schwach aber da. Hab dann weiter mit ihm gesprochen und versucht ihn irgendwie zu erreichen.“
Erneut machte ich eine Pause, als ich spürte, dass meine Stimme wieder zu brechen drohte und schluckte hart.
,,Es dauerte, aber er zeigte dann Reaktionen, hat meinen Namen genannt und nach einer Weile dann auch auf meine Fragen geantwortet. Oft nur mit einer Kopfbewegung, hier und da aber auch mit Worten, allerdings fiel ihm das Sprechen schwer und er brauchte auch einige Momente, bis er die Worte realisiert hatte.“
Ich fuhr mir mit der Hand durch das Gesicht und über die Augen, um aufkommende Tränen zu unterdrücken und sie nicht zuzulassen, denn jetzt war eben einfach nicht der richtige Moment um zu heulen.
,,Okay, das ist ja einiges. Irgendwelche körperlichen Veränderungen?“


,,Ja, er hatte tiefe Augenringe, gerötete Augen und schien sich nicht bewegen zu können. Tex hatte mir ein Glas Wasser gebracht, aber er war nicht in der Lage das Glas zu halten. Ich habe ihm dann geholfen, aber das Schlucken klappte ohne weitere Probleme.“
,,Okay, dann habe ich ja schon einige Anhaltspunkte. Ist dir sonst noch etwas aufgefallen? Zum Beispiel die Körpertemperatur, als du seinen Puls gemessen hast oder irgendetwas anderes, was sonst nicht der Fall ist?“
,,Er hatte keine besonders warmen Hände, aber sie waren auch nicht besonders kalt. Er hat erbrochen, aber wann das war, kann ich nicht sagen, auch nicht ob es nur einmal war. Auch der Geruch nach Urin ist denke ich deutlich wahrnehmbar. Sonst ist mir nichts aufgefallen, von dem was mir jetzt einfallen würde.“
,,Das ist ja aber schon einiges. Du hast dich übrigens genau richtig verhalten und das du dich mit ihm unterhalten hast und vor allem ruhig geblieben bist, war sehr gut und wichtig.“
,,Ich wusste nicht, was ich sonst tun sollte. Ich war vorher noch nie in einer so extremen Situation.“
,,Du hast alles richtig gemacht. Hut ab, vor deiner instinktiven und dennoch richtigen Handlung. Ich gehe jetzt zu Stephan, möchtest du mitgehen?“
,,Nein, ich warte hier. Wenn etwas ist, ruf mich bitte sofort. Ich habe Stephan gesagt, das ich hier warte und das ich bei ihm bin. Ich möchte eine rauchen und kurz runterkommen. Der Anblick steckt mir noch leicht in den Knochen.“
,,Das verstehe ich natürlich. Ich rufe dich, wenn ich Hilfe brauche und dann reden wir weiter, wenn Stephan versorgt ist.“, sagte er und ich nickte.


Mit meinem Blick folgte ich Leon in Stephan´s Zimmer und wandte den Blick erst ab, als Leon drin war und ich ihn nicht mehr sehen konnte.
Ich zog aus meiner Hosentasche meine Zigaretten raus und zündete davon auch gleich eine an.
In dem Moment war mir auch scheißegal, das wir in einem Treppenhaus standen, aber ich hatte Stephan versprochen hier zu bleiben und das würde ich halten.
Im Augenwinkel sah ich, das sich etwas auf der Treppe regte und blickte nach oben, wo Tex erneut erschien und dann kurze Zeit später auch zu mir kam.
,,Leon ist ein guter Arzt. Er betreut Stephan hier und da schon mal. Er wird es schon richten können.“, sagte Tex leise und ich nickte.
,,Ich hoffe es. Ich frage mich was nur mit ihm passiert ist, dass er so tief gesunken ist. Ich meine ist das wirklich meine Schuld?“, fragte ich und konnte die Verzweiflung nun wirklich nicht mehr aus meiner Stimme verbergen.
,,Kevin, es geht doch nicht um die Schuldfrage, sonst müsste ich mir das ja auch zuschreiben, denn ich habe es ja auch nicht unterbunden. Niemand von uns und ich bin sicher, dass auch Stephan das nicht tut, wird dir die Schuld daran geben.“
,,Ich tue das. Da brauche ich keinen anderen für. Ich weiß, dass es meine Schuld ist. Wenn das alles vor einem Jahr schon angefangen hat, dann war das genau in der Zeit, wo ich gegangen bin. Dann muss es doch meine Schuld sein. Zumindest solange, bis Stephan mir einen anderen nachvollziehbaren Grund nennen kann.“
,,Es ist nicht deine Schuld und da solltest du auch nicht drüber nachdenken, Kevin. Verwende die Kraft die du für die Schuldgefühle aufbringst doch lieber dafür Stephan zu helfen, denn damit kannst du doch wesentlich mehr erreichen, als dich jetzt auch noch zusätzlich fertig zu machen, oder?“, fragte Tex und ich nickte, denn ich wusste ja auch, dass er Recht hatte, aber es war eben alles nicht so einfach.


,,Ich weiß, dass du recht hast. Aber wie soll ich denn sonst reagieren, wenn ich Stephan so sehe? Seine Augen waren so leer und so leblos, als hätte er sämtlichen Willen verloren weiterhin zu leben. Dieses Glänzen in seinen Augen war weg und alles was da noch war, war ein ausdrucksloser Blick und eine menschliche Hülle, die sämtliche Energie, Lebensfreude und alles andere hinter sich gelassen hat. Wie ausgelöscht und nie dagewesen.“
..Ich kann verstehen, dass es für dich sicher keine einfache Situation ist, aber du musst auch ein Stück weit an dich denken, Kevin. Vielleicht wäre es besser, wenn du dir von Leon auch etwas geben lässt und dich mit Stephan etwas hinlegst. Ich glaube Schlaf würde euch beiden gut tun.“
,,NEIN!“, sagte ich lauter als erwartet und zuckte durch meine eigenen Worte zusammen.
,,Nein, ich kann Stephan jetzt nicht alleine lassen und das will ich auch nicht. Scheiß auf meine Gesundheit, von einer Nacht ist noch keiner gestorben, aber es ist egal wie es mit Stephan weitergeht, aber ich werde ihm nicht mehr von der Seite weichen.“
,,Kevin, das was du vor hast ist der pure Wahnsinn. Das wirst du auf Dauer nicht schaffen, dann ist Stephan wieder fit und du dann an seiner Stelle? Glaubst du wirklich, dass Stephan das helfen würde?“
,,Und wenn ich sterben muss, damit er glücklich ist, dann bin ich jederzeit bereit dazu.“, sagte ich ruhig, aber mit so viel Gewicht in meinen Worten und einem festen, entschlossenen Blick in seine Augen, dass Tex nichts mehr dazu sagen konnte, oder auch wollte, ich wusste es nicht, aber es war mir auch egal.


Eine Weile kehrte Stille ein, Leon redete zwar mit Stephan, aber ich konnte nicht verstehen was er sagten und auch nicht, ob Stephan antwortete.
Allerdings erschien kurze Zeit später Leon wieder in der Türe und sah uns entschuldigend an.
,,Ich komme nicht an ihn ran. Er verweigert die Untersuchungen solange Kevin nicht da ist. Ich kann machen was ich will, aber alles was ich machen will, verneint er und verlangt immer wieder nach dir.“, sagte Leon und ich nickte.
,,Ich gehe mit.“, sagte ich, drückte Tex die Zigarette in die Hand, die er dann annahm und ging mit Leon zusammen nach drinnen und auch gleich zu Stephan.
Er saß immer noch unverändert auf dem Sessel und starrte vor sich hin, was mich seufzen ließ.
,,Süßer?“, fragte ich, nachdem ich mich wieder vor ihn auf den Tisch gesetzt hatte und erneut dauerte es eine Weile, bis er mich anblickte und wahrnahm.
,,Ich bin jetzt da. Leon ist aber auch hier und er würde dich auch gerne untersuchen. Das habe ich dir eben erklärt, denn wir wollen doch, dass es dir bald wieder besser geht.“, sagte ich und wartete auf seine Reaktion.
Er nickte kaum merklich und ich griff nach seiner Hand, streichelte erneut mit meinem Daumen über seinen Handrücken und blickte ihn eindringlich an.
,,Lässt du dich untersuchen, wenn ich hier bleibe? Wenn ich bei dir?“
Wieder dauerte es einige Zeit, bis Stephan dann aber nickte.
,,Und du lässt auch jede Untersuchung zu, solange ich hier bin?“
Diesmal dauerte die Antwort länger und Stephan schien zu überlegen, nickte dann aber und schien einverstanden zu sein.
,,Danke, Süßer.“, hauchte ich und blickte dann zu Leon, der nickte und sich dann räusperte.


,,Euer Verhältnis scheint recht eng zu sein, würdest du mir vielleicht helfen? Ich glaube es wäre für ihn vielleicht schöner und angenehmer, wenn du gewisse Dinge übernehmen könntest. Traust du dir das zu?“, fragte er und ich sah ihn abwartend an.
,,Das kommt drauf an, was ich tun soll. Ich werde dir auf jeden Fall helfen, wenn ich kann.“
,,Es wäre nicht schlecht, wenn du ihn vielleicht gleich ins Bett legen könntest und ihn vielleicht erst einmal bis auf die Shorts ausziehst, auch damit wir das Bett so nicht versauen. Dann würde ich mich gerne um ihn kümmern. Geht das?“
,,Ja, von meiner Seite aus auf jeden Fall. Wenn Stephan damit auch einverstanden ist, dann mache ich das.“, sagte ich zu Leon und blickte dann zu Stephan, der nickte, nur hatte ich keine Ahnung, wieso er das tat.
,,Ist das okay für dich, wenn ich dich bis auf die Shorts ausziehe und dich dann ins Bett lege?“, fragte ich und wartete auf seine Antwort, die erneut auf sich warten ließ, aber dann eben auch ein Nicken folgte.
,,Ich kümmere mich um das Bett und du dich dann um Stephan.“, sagte Leon und ich nickte.
,,Ich ziehe dich dann jetzt aus, bitte erschrecke dich nicht. Du musst mir auch nicht helfen, ich bin nicht böse, wenn das nicht klappt, okay?“, fragte ich sanft und Stephan nickte dann erneut nach einer Weile, was mich dann dazu brachte aufzustehen und ihn dann von seinem T – Shirt zu befreien.
Stephan schaffte es mir nicht mir zu helfen, aber da hatte ich meine Tricks bereits durch meine Mutter und schaffte es so schnell ihn davon zu befreien.


Allerdings legte ich damit auch einige Verletzungen frei, die ich so erst nicht sehen konnte.
Er hatte einige blaue Flecken und Schürfwunden, die teilweise schon verkrustet, aber teilweise auch noch frisch wirkten.
Wahrscheinlich Auswirkungen der Schlägereien, die er sich in den letzten Wochen geliefert hatte.
Ich versuchte möglichst emotionslos darüber hinweg zusehen, denn da konnte sich Leon gleich auch noch drum kümmern, das würde er als Arzt wohl sehen und versorgen können.
Mit einem sanften Lächeln blickte ich nochmal kurz Stephan in die Augen und öffnete dann seine Hose, die ich ohne größere Anstrengung so wie er da hing runter ziehen konnte, bemühte mich allerdings seine Shorts nicht gleich mit runter zu ziehen, denn Leon musste ja auch nicht alles sehen.
Die Hose schmiss ich dann zu dem T – Shirt hinter den Sessel, damit es nicht im Weg lag, denn darüber würde ich mich dann später kümmern.
,,Alles okay soweit?“, fragte ich Stephan nachdem ich mich dann wieder vor ihn auf den Tisch gesetzt hatte und wollte sichergehen, dass ich auch wirklich nichts übersehen hatte.
Mit fiel auf, das er an den Beinen ebenfalls blaue Flecken und Schürfwunden hatte, die ich dann aber ebenfalls überging und im unentwegt in die Augen blickte.
Stephan nickte und ich lächelte sanft, denn so wusste ich, dass es jetzt endlich weitergehen konnte.
,,Leon, ich habe Stephan soweit fertig ausgezogen. Soll ich ihn gleich hinlegen oder willst du noch etwas im sitzen machen?“
,,Moment, ich komme.“, sagte er und ich nickte.


Leon kam dann zu uns und überprüfte die Vitalzeichen, wie er es nannte.
Er kontrollierte Blutdruck, Puls und seine Körpertemperatur und nickte mir dann zu.
,,Alles weitere kann ich im Bett machen. Kannst ihn rüber bringen, danke Kevin.“
Ich nickte nur und wandte mich dann Stephan zu, der mich ansah, allerdings hatte sich sein Blick nicht verändert.
,,Ich bringe dich jetzt rüber ins Bett und dann geht es weiter, okay? Ich bleibe aber bei dir.“, sagte ich und wartete auf Stephan´s Antwort, die aber relativ schnell kam, wahrscheinlich hatte er das von Leon schon mitbekommen und wusste, dass ich ihm das jetzt auch nochmal sagen würde.
Also stand ich wieder auf, überlegte kurz, wie ich es am besten machen würde und hob ihn dann auf meine Arme.
Stephan war leichter als man erwartet hätte, denn ich hatte eher den Eindruck, dass er muskulöser geworden ist als noch vor einem Jahr und nicht unbedingt dünner, sondern eher breiter.
Er legte seinen Kopf gegen meine Schulter und schloss einen Moment die Augen, was mich lächeln ließ, denn der Kerl war wirklich unglaublich.
Ihm ging es wirklich scheiße und er bekam kaum was mit, aber er war trotzdem in der Lage in der Situation noch zu kuscheln und das offensichtlich auch noch zu genießen?!
Gerade als ich mich in Bewegung setzen wollte, hielt Leon mich am Arm fest und deutete mir an zu warten, was ich mit einem Nicken bestätigte und stehen bleib.
Er blickte sich Stephan´s Rückseite an und kontrollierte offensichtlich seinen Rücken und seine Beine von hinten, wozu auch immer das gut sein sollte.


Als Leon mir dann aber den Daumen nach oben zeigte, nickte ich erneut und ging mit Stephan zum Bett.
Dort drückte ihm noch einen Kuss auf die Stirn, bevor ich ihn dann runter ließ und ihn sanft in das Bett gleiten ließ.
Kurz blickte ich Leon an, der ebenfalls zu uns kam und blickte dann zu Stephan, der mittlerweile die Augen wieder geöffnet hatte und erneut lächelte.
Ich hockte mich auf seiner Kopfhöhe neben das Bett und streichelte ihm sanft durch die Haare.
,,Leon wird sich jetzt um dich kümmern. Ich werde hier bleiben, sobald ich ihm nicht im Weg stehe.“
,,Tust du nicht, wenn du da bleibst.“, sagte Leon und auch Stephan nickte dann und schien einverstanden mit dem, was ich ihm sagte.
Leon begann dann mit seinen Untersuchungen, die Stephan alle über sich ergehen ließ und vollkommen ruhig blieb und sich nicht auf irgendeiner Art und Weise bemerkbar machte.
Alles was er tat war mir ununterbrochen in die Augen zu sehen, was ich nur zu gerne erwiderte.
Nur zu gerne hätte ich gewusst, was in seinem Kopf vor sich ging, aber ich würde es nicht erfahren, denn er konnte es mir nicht sagen und unter Umständen würde er es morgen auch nicht mehr wissen, sodass er es mir auch dann nicht mehr sagen konnte.
Wie lange Leon brauchte und was er im einzelnen alles gemacht hatte, konnte ich nicht sagen, aber es war mir auch egal, wenn er Stephan nur helfen konnte und es ihm bald besser ging.
,,Hat Stephan Angst vor Spritzen?“, fragte Leon und ich zuckte die Schultern.


,,Ich hab keine Ahnung. Ich frage ihn.“, sagte ich ehrlich und wusste es wirklich nicht.
Ich blickte ihn wieder an, denn als Leon mit mir sprach hatte ich ihn angesehen und Stephan erwiderte weiterhin meinen Blick.
,,Hast du Angst vor Spritzen, Hübscher?“, fragte ich ihn dann und wartete auf Antwort, die auch hier doch wieder etwas brauchte, aber Stephan schlussendlich den Kopf schüttelte und es beinahe wirkte es so, als würde er sich über diese Frage lustig machen.
Als könne er nicht verstehen, wie wir glauben könnten, dass ein Kerl wie er wirklich Angst vor Spritzen haben könnte.
,,Dann würde ich ihm jetzt gerne eine geben.“, sagte Leon und ich nickte, denn wenn es nötig war, würde ich ihn sicher nicht davon abhalten.
,,Frag ihn mal bitte, ob es eine Medikamentenunverträglichkeit gibt, damit ich ihm nichts falsches gebe und eine allergische Reaktion auslöse.“
,,Ist bei dir irgendeine Medikamentenunverträglichkeit bekannt?“, fragte ich Stephan dann und er schüttelte erneut nach einer kleinen Weile wieder den Kopf.
,,Dann wird Leon dir jetzt eine Spritze geben und dann geht es dir bald besser.“
Stephan nickte und während ich ihm unaufhörlich durch die Haare streichelte und wir uns ansahen, kümmerte Leon sich um die Spritze und deckte Stephan danach mit der Decke zu.
,,Er wird gleich einschlafen, also wunder dich nicht, wenn er die Augen zu machen sollte, das ich eine vollkommen normale und erwünschte Reaktion.“, sagte Leon und ich nickte, denn so war ich wenigstens vorgewarnt.


Leon begann alles was er raus gesucht hatte wieder einzuräumen und seine Sachen zu ordnen während ich Stephan zusah wie sich sein Zustand weiterhin entwickelte.
Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis seine Augen zufielen, aber Stephan schien dagegen anzukämpfen nicht zu schlafen, was mich sanft den Kopf schütteln ließ.
,,Hey, kämpf nicht dagegen an. Leon hat gesagt, dass es gut ist, wenn du jetzt schläfst. Dann geht es dir sicher bald besser.“, sagte ich sanft und streichelte erneut mit meiner Hand über seine Wange, aber Stephan schüttelte den Kopf.
,,Geh nicht.“, brachte er mühsam hervor und es wirkte, als hätte er jetzt noch größere Probleme beim aussprechen der Worte als vorher, was aber ja auch an der Spritze liegen konnte, die Leon ihm gegeben hatte.
,,Ich werde nicht gehen, Süßer. Schlaf ein bisschen und ich verspreche dir, dass ich auch noch da bin, wenn du wieder wach wirst, egal wie lange es dauert.“, sagte ich weiterhin sanft und lächelte ihn an, in der Hoffnung, dass ich ihn so überzeugt bekam und er ein wenig schlief, was ihm wohl wirklich gut tun würde.
Stephan nickte und schloss dann seine Augen.
Das Mittel schien stärker als seine Widerspenstigkeit und kurze Zeit später schien Stephan dann aber auch wirklich eingeschlafen zu sein.
,,Kevin, kann ich kurz mit dir reden?“, sagte Leon leise und ich nickte.
,,Natürlich.“, sagte ich, hauchte Stephan noch einen Kuss auf die Stirn, wollte ihn ja auch nicht wieder wecken und ging dann zu Leon.
,,Eigentlich stehe ich ja unter Schweigepflicht und darf dir nichts sagen, aber da das hier auch kein gewöhnlicher Einsatz war, möchte ich dir sagen, was ich weiß und was jetzt zu tun ist und was nicht. Vor allem aber möchte ich dich vor der ein oder anderen Situation vorwarnen, die eintreffen könnte.
Bei dem was wir hier haben, kann man nie genau sagen, wie sich das entwickelt.


,,Klingt kompliziert. Was hast du denn raus gefunden?“
,,Ich bin mir nicht sicher, aber da Stephan einen erhöhten Promillewert und auch eindeutig mindestens Gras geraucht hat, ist die genaue Diagnose etwas komplexer, da der Konsum von beiden Rauschmitteln die Wirkung bereits in kleinen Dosen deutlich verstärkt.“
,,Kannst du vielleicht deutsch mit mir reden? Ich bin kein Arzt und ich verstehe dieses ganze Fachchinesisch nicht. Leg deinen imaginären Arztkittel ab und red mit mir, wie mit einem Freund, das verstehe ich.“, sagte ich leicht ungehalten und Leon nickte seufzend.
,,Ich versuche es. Stephan hat Alkohol und Gras geraucht. Wie viel kann ich nicht wirklich feststellen, da beides zusammen die Wirkung von beidem deutlich verstärkt und es bei zu hoher Dosierung, des einen oder anderen oder eben beiden Mitteln zu diesen Auswirkungen kommen kann.“
,,Danke, das habe ich verstanden. Heißt also, dass er nur Alkohol und Gras zu sich genommen hat und sich damit so abschießen konnte? Wie ist das möglich? Ich hab eben auch ein Bier getrunken und danach einen geraucht und bin immer noch klar bei Verstand und vor allem nicht so weggetreten wie Stephan.“
,,Ich gehe auch nicht davon aus, das Stephan nur eine Flasche oder einen Joint zu sich genommen hat, sondern eher, dass er beides in exzessivem Maße konsumiert hat. Zumindest beim Alkohol gibt es dafür einen Fachausdruck und zwar nennt sich diese Form des Alkoholismus Dipsomanie. Ich habe Tex schon bei meinem letzten Besuch gesagt, das ich der Meinung bin, dass es bei Stephan eine abgewandelte Form davon ist, vielleicht oder hoffentlich noch nicht weit fortgeschritten.“


,,Okay, und was genau ist diese Diplomatie?“, fragte ich und hatte ihn doch gebeten deutsch mit mir zu sprechen und dann am besten auch so, das ich es verstand.
,,Dipsomanie. Dipsomanie ist eine Form des bekannten Alkoholismus. Es sind in Perioden auftretende Phase von Exzessen, die sich über Tage bis hin zu Wochen ziehen können und meistens psychische Hintergründe haben.“, erklärte Leon und ich blickte ihn mit einem riesigen Fragezeichen im Gesicht an.
,,Das jetzt bitte nochmal für dumme kleine Kevin´s.“, sagte ich dann und Leon grinste.
,,Tut mir leid. Also Dipsomanie nennt man auch Trunksucht. Es sind Phasen in denen die Betroffenen exzessiv Alkohol konsumieren, was sich von wenigen Tagen bis hin zu Wochen ziehen kann, in denen sie diesen Konsum betreiben. Es sind immer Phasen, die unterschiedlich lang, sowie in unterschiedlichen Abständen auftreten können. Während dieser Phasen leben die meisten Leute komplett ohne Alkohol oder konsumieren diesen nur in sehr geringem und nicht bedenklichen Maßen, wie zum Beispiel ein Bierchen beim Fußball. Meistens werden diese Phasen durch erhöhten psychischen Druck oder psychische Erkrankungen ausgelöst, wie zum Beispiel Schizophrenie. Soweit ist es aber bei Stephan soweit ich weiß nicht, also sieh mich nicht so schockiert an. Ich müsste mit ihm reden und ihn nach seinem Konsum fragen, denn durch das Gras, was er geraucht hat, ist für mich nicht nachvollziehbar, wie lange oder wie viel er getrunken hat. Vor allem ist das aber auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich, denn es kommt ganz darauf an, wie stark die Psyche belastet ist und wie viel Alkohol und in dem Fall auch Gras der jeweilige Patient verträgt.“
,,Heißt du willst mir jetzt sagen, dass er Probleme hat, die ihn psychisch angegriffen haben und er sie versucht hat mit dem Alkohol und dem Gras zu vergessen?“


,,Ja, so fängt es meistens an. Aber wie gesagt, wie weit das schon fortgeschritten ist und was er genau zu sich genommen hat, kann ich so nicht mit Gewissheit sagen. Auch nicht wodurch es ausgelöst wurde, oder wie schwer seine Psyche angegriffen ist, dazu wäre ein Psychologe nötig, das entzieht sich meinen Fähigkeiten. Aber ich kann dir sagen, dass es Menschen gibt, die nur ein Bier und einen Joint, mit nicht mal viel Gras rauchen und schon in seinen Zustand verfallen. Andere Menschen rauchen teilweise mehrere Gramm Gras und trinken einen ganzen Kasten Bier, bevor sie in Stephan´s Zustand kommen. Das ist so nicht feststellbar auf die Schnelle. Das würde unwahrscheinlich viele Test brauchen und die wollte ich Stephan jetzt ersparen, wenn er uns vielleicht selber mitteilen kann, wie lange er das schon tut und was er wann zu sich genommen hat.“
,,Wird er noch irgendwas wissen von dem was hier passiert ist heute?“, fragte ich unsicher und Leon zuckte die Schultern.
,,Auch das kann ich nicht mit Gewissheit sagen, denn auch das kommt ganz darauf an, wie viel er konsumiert hat und vor allem über welchen Zeitraum. Wenn heute der erste Tag einer neuen Phase war, dann wäre es durchaus möglich, aber je weiter es geht, desto geringer sind die Chancen. Das ist wie bei jedem anderen exzessivem Alkoholkonsum auch, der Filmriss kommt, bei dem einen schneller, bei dem anderen nicht so schnell und es gibt auch tatsächlich wenige Menschen, die keinen haben. Auch mit Stephan´s Krankheitsbild, allerdings sind das sehr wenige und die meisten haben leider nach relativ kurzer Zeit bereits Gedächtnislücken, bis hin zum eigentlichen Filmriss, den so ziemlich jeder kennt, der mal einen über den Durst getrunken hat.“


,,Also nur damit ich das richtig verstehe, du willst mir sagen, dass er einfach nur einen über den Durst getrunken hat und sich so abgeschossen hat?“
,,Mit dem Gras in Verbindung gebracht, ja.“
,,Meine Mutter ist auch Alkoholikerin und glaub mir, da habe ich schon viel gesehen, aber das in dem Ausmaß noch nie.“
,,Das ist durchaus nichts ungewöhnliches. Es gibt Menschen, die in ihrer Sucht unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen. Viele trinken sich gar regelmäßig ins Koma, das passiert dann leider auch nicht nur einmal. Viele Menschen trinken nur bis zu dem Rauschzustand, viele eben bis zum Filmriss, andere wiederum bis zu Stephan´s Zustand oder eben dann auch bis zur Bewusstlosigkeit, was meistens das Koma nach sich zieht.“
,,Also ist Stephan´s Zustand ebenfalls kurz vorm Koma?“
,,So wie ich das sehe ja. Ich denke die Bewusstlosigkeit hat zeitweilig ja auch schon eingesetzt und ich denke das es dein Verdienst war, das er es geschafft hat. Du kannst also von dir sagen, dass du ihm das Leben gerettet hast, denn ich glaube wenn du nicht mit ihm geredet oder auch dich nicht um ihn gekümmert hättest, dann wären die nächsten Stationen wohl das Koma und dann unter Umständen der Tod gewesen.“, sagte Leon und ich konnte deutlich hören, dass er mit jedem Wort leiser wurde.
Schockiert blickte ich ihn an, denn ich hatte genau gehört, was er gesagt hatte.
,,Das konntest du verhindern und solltest stolz darauf sein.“
,,Wie soll ich stolz darauf sein, wenn ich weiß, dass ich dafür überhaupt erst verantwortlich bin?“, fragte ich und blickte mit einem besorgten Blick zu Stephan, denn nach den Erkenntnissen, wuchs die Sorge nur noch weiter, aber eben auch die Vorwürfe, denn ich wollte ihn doch nicht so in die Verzweiflung treiben, dass er zu solchen Mitteln greifen musste und sich dann am Ende noch umbrachte.“


,,Möchtest du darüber reden?“
,,Nein, ich glaube nicht. Ich möchte wissen, was ich jetzt beachten muss. Ich werde natürlich bei ihm bleiben.“
,,Als erstes solltest du darauf achten, dass du dich und deinen Körper nicht vernachlässigst, denn damit hilfst du Stephan auch nicht.“
,,Ja, leere Worte. Weiter.“
,,Ich meine das ernst Kevin. Du kannst nur wenn du 100% gibst eine Hilfe für Stephan sein und dazu musst du dich auch pflegen. Heißt regelmäßig essen und trinken, genug Schlaf und vor allem aber keinen Alkohol und keine Drogen, das minimiert deine Prozentzahl.“
Ich seufzte mich einem genervten Augenverdrehen und sah ihn durchdringend an.
,,Was muss ich bei Stephan beachten?“
,,Er wird jetzt erst einmal schlafen. Wahrscheinlich sogar bis morgen früh. Also keine Panik wenn er nicht mehr so schnell wach wird, das ist vollkommen okay und auch gut, denn so baut der Körper den Alkohol schneller ab und das Verlangen ist auch nicht so präsent, wenn er schläft. Sollte dir irgendetwas auffallen, was dir nicht richtig vorkommt, ruf mich an oder sag Tex Bescheid, das er mich anrufen soll. Theoretisch dürfte es nichts geben, denn er ist stabil, deswegen sehe ich auch keine Notwendigkeit darin ihn ins Krankenhaus zu schicken. Aber ruft mich lieber einmal zu viel als zu wenig. Ich bin immer erreichbar. Tex hat meine Nummer und ich gebe sie dir dann gleich auch nochmal, zur Sicherheit. Ebenso können unruhigere Schlafphasen auftreten, das kann passieren, ist aber nicht schlimm.“


Ich nickte, denn soweit konnte ich ihm folgen und war auch mit dem gehörten einverstanden und wusste, was in etwa auf mich zukommen könnte.
,,Wichtig ist aber vor allem, wenn er wieder wach wird, da ist es wichtig, dass du dann da bist und eben auch bei 100% bist, denn dann geht deine eigentliche Arbeit erst richtig los, deswegen würde ich dir auch raten etwas zu schlafen und nicht die ganze Zeit an seinem Bett zu sitzen und zu warten. Meinetwegen leg dich auch neben ihn, dann bekommst du ja mit wenn etwas ist, falls  du keinen zu tiefen Schlaf hast.“
,,Das werde ich dann sehen, jetzt ist es für meine Verhältnisse noch zu früh, für´s Bett. Aber was muss ich machen, wenn er wieder wach ist?“
,,Wenn er wach ist und je nachdem in welcher Phase er gerade ist, wird er ein verdammt großes Verlangen nach Alkohol haben. Daran musst du ihn im Idealfall hindern so gut es geht. Je weniger er in Zukunft trinkt, desto schneller wird es ihm auch besser gehen. Er wird unter Umständen einen ordentlichen Kater haben. Dafür lasse ich dir ein paar Medikamente hier. Die muss er nicht nehmen, aber er kann sie nehmen, wenn er es nicht erträgt oder eben was gegen den Kater haben will. Ich bin kein Freund davon jemanden über Tabletten von seiner Sucht zu befreien, deswegen lasse ich dir für seinen eventuellen Entzug erst mal nichts hier, außer der Bitte mich anzurufen, wenn er wach ist und spätestens dann komme ich auch nochmal vorbei und schaue mir seinen Zustand nochmal etwas genauer an und wäge dann auch die weitere Vorgehensweise ab.“
,,Okay, also ist es nicht schlimm, wenn er die Tabletten nicht nehmen will und ich soll dich anrufen, sobald er wach ist, wenn vorher nicht etwas dazwischen kommt und ich dich da schon anrufen muss.“, fasste ich nochmal zusammen, auch um mich zu vergewissern, dass ich alles richtig verstanden hatte.


,,Genau. Was ein Glück, dass ich im Moment Urlaub habe und nicht weg konnte.“
,,Oh klingt nach Ärger, willst du drüber reden?“, grinste ich und auch Leon grinste, schüttelte dann aber den Kopf.
,,Nein, ich glaube eher nicht.“
,,Wie du willst. Dann kümmere ich mich jetzt weiter um Stephan.“
,,Ich hoffe, es wird eine ruhige Nacht.“, sagte er und legte mir eine Schachtel Tabletten auf den Tisch.
,,Morgen früh maximal eine, erst mal. Ich schaue mir das dann erst an, bevor er eventuell noch mehr gibt. Am besten wäre es natürlich, wenn er gar nichts zu sich nehmen würde. Übrigens solltest du ihn nicht nur vom Alkohol sondern möglichst auch vom Gras abhalten.“
,,Wie ist es mit normalen Zigaretten?“
,,Ich bin Arzt, ich müsste dir jetzt sagen, dass es nicht gesund ist und das er das auch sein lassen sollte und so ein bla bla, aber ich weiß, dass es wahrscheinlich schon schwer genug wird, ihn vom Alkohol und vom Gras fernzuhalten, außerdem bin ich selber Raucher und kenne das Gefühl, also sind normale Zigaretten erlaubt.“
,,Gut und was die Therapie angeht erklärst du mir dann morgen alles dazu?“
,,Ja, das machen wir dann morgen wenn ich mit Stephan gesprochen habe und weiß, was wir da am sinnvollsten für eine Therapieart anwenden, denn da gibt es ja auch eine breite Palette von Möglichkeiten mit Homöopathie, über die Chemiekeule bis hin zu Therapien komplett ohne Medikation, aber das muss ich dann erst morgen beurteilen. Wenn ich das heute schon tun müsste, würde ich Gott spielen und das habe ich leider nicht studiert.“


,,Hättest du das gerne studiert?“
,,Nein, eher nicht. Ich glaube nicht an Gott, sag es aber keinem, denn das hören die Leute hier nicht so gerne.“, grinste er und ich nickte, denn das kannte ich doch leider viel zu gut aus eigener Erfahrung.
,,Danke für deine Hilfe. Ich hoffe, dass ich dich erst morgen früh anrufen muss und du eine ruhige Nacht hast.“
,,Gerne, dafür bin ich da. Die wünsche ich dir auch und ich denke du kannst sie wohl besser brauchen als ich. Ich werfe jetzt nochmal einen Blick auf ihn und dann bin ich weg.“
Ich nickte und trat einen Schritt zurück, damit er an mir vorbei gehen konnte, was er dann auch tat und einen Blick auf Stephan warf.
,,Wenn er das Kissen unter seinen Beinen weg strampeln sollte, oder es ihn stört, ist das okay, ich habe es nur zur Sicherheit dorthin gelegt um seinen Kreislauf stabil zu halten, aber ich würde mal sagen, dass hier den Umständen entsprechend alles okay ist und ich mit ruhigem Gewissen fahren kann.“
,,Komm gut nach Hause und danke.“
,,Gerne. Bis morgen und meld dich, wenn etwas ist.“
,,Mache ich. Bis morgen.“, sagte ich, winkte ihm nochmal und ging dann wieder zu Stephan ans Bett, nachdem Leon den Raum verlassen hatte.
Vorsichtig um ihn nicht zu wecken setzte ich mich neben ihn auf das Bett und ergriff seine Hand.
Seufzend blickte ich Stephan beim Schlafen zu und ließ mir die Geschehnisse des Tages noch einmal durch den Kopf gehen.
Es war einiges passiert und das alles brauchte Zeit, geordnet  zu werden und dann würde ich wahrscheinlich auch einen klaren Kopf haben für die nächste Zeit.


Für mich stand jetzt schon fest, das ich egal was passieren würde, auf jeden Fall bei Stephan bleiben würde. Zumindest solange ich noch Urlaub hatte, was ja auch noch eineinhalb Wochen waren und in der Zeit würde sich sicher etwas tun und wir würden hoffentlich weiter sein als heute.
Meine Mutter hatte in dem Moment keinerlei Platz in meinen Gedanken und um Kerstin würden sich Moni und Tex sicher kümmern, denn Moni würde sicher auch mittlerweile wissen, was hier los war, auch wenn ich sie seit der Begegnung in der Küche nicht mehr gesehen hatte, so konnte es aber ja auch sein, dass Tex ihr untersagt hatte, runter zu kommen, um ihr Stephan´s Anblick zu ersparen, denn schön war der sicher nicht.
Wie lange ich da gesessen hatte und einfach Stephan beobachtete, wie er friedlich schlief und sich nur hier und da rührte und meinen Gedanken nachhing wusste ich nicht.
Ich hatte nicht auf die Uhr gesehen und durch das kleine immer noch dreckige Kellerfenster konnte ich nicht wirklich etwas erkennen.
Für Licht sorgten Neonröhren, die Stephan an der Decke befestigt hatte, in rot und schwarz.
Ich hörte Schritte auf der Treppe und wusste, dass wohl entweder Moni oder Tex kommen würden um wahrscheinlich nach dem Stand der Dinge zu fragen.
Aber bevor ich jemanden sah hörte ich leise Geräusche, als wenn jemand etwas abgestellt hätte und kurze Zeit später erschien Tex in der Türe und kam dann zu uns.
,,Was gibt es neues?“, fragte er und legte seine Hand auf meine Schulter.


Ich seufzte und erklärte Tex dann auch nochmal alles in Ruhe, so wie Leon es mir zuvor erklärt hatte und auch Tex schien von der Deutlichkeit der Krankheit erschüttert.
,,Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm ist.“, sagte er und sah schockiert zu Stephan.
,,Es hat mich auch schockiert, aber wir müssen jetzt auch erst einmal bis morgen warten, denn Leon konnte heute nicht mehr machen.“
,,Du kannst jetzt aber nicht die ganze Nacht hier sitzen, Kevin. Du musst auch schlafen.“
,,Ja, schlafen kann ich noch genug wenn ich tot bin.“
,,Wir wollen aber alle nicht, dass es schneller geht als nötig. Also solltest du auch schlafen. Ihr könnt doch in meinem Gästezimmer schlafen, Moni und du und ich kann in der Zeit bei Stephan bleiben, dann nehme ich mir heute Nacht frei.“
,,Nein, das will ich nicht. Ich habe Stephan versprochen, dass ich da bin, wenn er wach wird, da kann ich nicht oben schlafen.“
,,Ich kann ihm doch dann auch sagen, dass du dich hingelegt hast.“
,,Nein, das will ich nicht. Ich möchte hier bleiben.“
,,Ich bin mir aber nicht sicher, ob Moni alleine hier bleiben will.“
,,Wir haben ein Hotelzimmer angemietet für diese Nacht. Sie kann ja auch da schlafen. Du bringst sie doch sicher dahin, oder?“
,,Ja, wenn sie das will. Aber vielleicht solltest du nochmal mit ihr reden.“
,,Tex bitte, erinnere dich an meine Worte eben in der Küche. Zwing mich nicht dazu, bitte nicht.“, sagte ich leicht verzweifelt und blickte ihn auch so an.
Er schien zu überlegen, dann aber zu verstehen und nickte dann, nachdem er meinen Blick erwidert hatte.


,,Ja, ich erinnere mich und ich kann es ja auch verstehen.“, sagte er und seufzte dann.
,,Wichtig ist doch jetzt erst einmal, dass Stephan wieder fit wird und alles weitere ist auch dann noch da und dann können wir uns auch nochmal darum kümmern, oder?“, sagte ich mit flehendem Blick und Tex nickte.
,,Ja, warten wir erst mal ab, wie es morgen aussieht und wie es Stephan dann morgen geht.“
,,Danke, Tex.“
,,Ich habe übrigens noch eine neue Türe besorgt gerade eben. Ich werde die gleich noch anbringen und dann lasse ich euch wieder alleine.“, sagte er und ich lächelte ihn dankbar an.
,,Kein Problem. Ich kümmere mich dann jetzt mal um die Türe.“, sagte er und ich nickte, bevor ich mich dann wieder Stephan zuwandte und diesen beobachtete und die Geräusche hinter mir ignorierte, die Tex machte, um die Türe zu befestigen.
Stephan bewegte sich, drehte sich auf die Seite, kuschelte sich enger in die Decke, schmatzte leise und schlief dann aber ruhig weiter, was mich erneut lächeln ließ, denn er war wirklich mehr als süß.
,,Ich schicke Moni später mir etwas zu Essen runter. Die Türe ist fest und die alte nehme ich jetzt mit.“
,,Danke, aber was zu Essen brauche ich nicht.“
,,Du musst auch was essen, Kevin.“
,,Ich hab keinen Hunger.“
,,Ich lasse dir trotzdem was bringen, du kannst es ja später essen.“


Ich nickte seufzend und wollte jetzt auch nicht diskutieren, denn das würde mich wohl auch nicht weiterbringen und Tex würde mir auch so etwas zu essen bringen lassen.
,,Ich bin wieder oben. Ich lege dir den Schlüssel unter die Fußmatte, wenn was ist, dann kannst du jeder Zeit rein. Hat Leon dir seine Nummer hier gelassen?“
,,Keine Ahnung, wenn dann wahrscheinlich auf dem Tisch.“
,,Ich lege sie dir im Wohnzimmer neben das Telefon. Sollte etwas sein, dann kannst du dich da jederzeit bedienen und ihn anrufen. Ich lege dir auch die Nummer von meinem Puff dazu, dann kannst du mich auch erreichen, sollte etwas sein. Du kannst mich jederzeit anrufen, Kevin.“
,,Danke, aber ich denke nicht, dass das nötig sein wird.“
,,Sicher ist sicher.“
,,Danke, Tex.“
Er nickte nochmal und verließ dann auch schon wieder den Raum, was ich mit einem leisen Seufzen zur Kenntnis nahm denn ich wusste nicht, ob ich es übertrieb oder die Weidner´s das einfach nicht so drastisch sahen, aber außer mir schien sich hier keiner ernsthafte Sorgen um Stephan zu machen, was ich mehr als erschreckend fand, denn es war doch immer noch ihr Sohn und Bruder.
Was Moni machte wusste ich nicht, aber irgendwie interessierte es mich im Moment auch nicht, denn ich wollte nur noch, dass es Stephan besser ging.
All meine Gedanken drehten sich um ihn und ich schaffte es einfach nicht einen anderen, klaren Gedanken zu fassen.
Ich sah mich im Raum um und versuchte auszumachen, wo Stephan vielleicht noch Drogen und Alkohol versteckt hatte, um diesen dann vielleicht zu verstecken.


Ich wollte nicht Gefahr laufen, dass er wach wurde und ich dann vielleicht auch schlief und er da weiter machte, wo er aufhörte.
Einige Flaschen standen offen hier rum, die ich in dem angrenzenden Bad neben seinem Zimmer in der Toilette ausleerte, denn die würde doch sowieso keiner mehr trinken und er sollte es auch nicht in Erwägung ziehen, wenn er nichts anderes fand.
Die leeren Flaschen packte ich in die dazugehörigen Kästen, von denen doch einige hier rum standen und brachte die, egal wie viel da noch an vollen Flaschen drin war, alle vor die Türe, die Tex ein gehangen hatte.
Als das erledigt war staunte ich nicht schlecht darüber, wie viele Kästen sich hier aufgetürmt hatten und ging zurück in das Zimmer.
Mit einem prüfenden Blick auf Stephan sah ich, dass dieser immer noch schlief, sich mittlerweile aber anders hingelegt hatte, was aber auch nicht sonderlich schlimm war, denn das war ja nichts besorgniserregendes.
Ich suchte weiter nach möglichem Alkohol und auch nach Gras oder anderen Drogen, die ihm in der jetzigen Verfassung nicht wirklich gut bekommen würden.
Tatsächlich fand ich diverse Flaschen mit härterem Alkohol, wie Whisky, Wodka, Tequila und ich wusste nicht was noch, wo auch immer Stephan die alle her hatte, die würde ich jetzt alle erst einmal raus schaffen, damit er dazu keinen Zugang hatte, solange wir noch nicht wussten, wie weit seine Krankheit nun fortgeschritten war.
Ich fand auch verschiedene Arten an Pulvern, Pillen und anderen merkwürdigen Dingen, wo ich mich wirklich fragte, ob man das wirklich konsumieren sollte, und brachte das ebenfalls nach draußen zu dem großen Haufen Alkohol.


Es war einiges zusammengekommen und auch wenn ich sicher war, dass ich wahrscheinlich nicht mal alles gefunden hatte, so hatte ich die offensichtlichen Verstecke aber leer gemacht und so die Gefahr gedämmt, dass er noch mehr zu sich nahm.
Ich wollte mich wieder zu ihm setzen, nachdem ich alles nochmal nachgesehen hatte, als mein Blick auf ein Paket fiel, was unter dem Tisch auf dem Teppich lag und ich das beinahe auch nicht gesehen hätte, wenn es nicht durch das Licht reflektiert worden wäre.
Aber es schien leer zu sein, zumindest konnte ich kein weißes Pulver, wie ich es öfter gefunden hatte und wahrscheinlich Koks oder was auch immer war, nichts entdecken.
Erst wollte ich es liegen lassen, war mir dann aber doch nicht sicher und ging lieber doch dahin und hob das Paket auf.
Um leer zu sein, hatte es zu viel Gewicht und als ich es im Licht sehen konnte, entdeckte ich darin braunes Pulver.
Ich brauchte nicht lange um zu verstehen, dass es sich hierbei wahrscheinlich um Heroin handelte und das machte mir nun langsam wirklich Angst.
Erneut spürte ich Panik in mir aufkeimen, hatte ich mich doch gerade beruhigt, so war sie jetzt wieder so erdrückend nah an mich ran gerückt, dass ich mich fast von ihr erdrückt fühlte.
,,Schatz?“, hörte ich Moni´s Stimme und packte das Paket in meine Hosentasche, denn sie musste das wohl wirklich nicht sehen.
,,Sei nicht so laut, dein Bruder schläft.“, sagte ich leise und deutete auf Stephan, den sie nur mit einem verächtlichen Schnauben musterte.
,,Das ist typisch für Stephan und du fällst da auch noch voll drauf rein.“


,,Was meinst du?“, fragte ich verwirrt und dachte ich hätte mich verhört, denn was unterstellte sie denn da bitte ihrem Bruder?!
,,Stephan war schon immer ein guter Schauspieler. Er hat das wahrscheinlich alles nur inszeniert um im Mittelpunkt zu stehen. Da geht er eben auch mal so weit. Was ein Glück, dass er jetzt schläft, denn so kann er wenigstens keine Scheiße mehr machen. Kommst du mit hoch? Ich würde gerne gleich ins Hotel gehen.“
,,Sag mal geht es dir noch zu gut oder was? Du weißt aber schon, dass eben ein Arzt bei deinem Bruder war und das der bestätigt hat, dass er krank ist und das ich ihn jetzt auch sicher nicht alleine lasse?! Mir fallen keine Worte dazu, um zu beschreiben, wie du über deinen Bruder redest. Ich werde hier bleiben und das so lange, bis es Stephan besser geht und wenn das meinen verdammten Urlaub lang dauert dann bleibe ich auch solange hier und wenn es ihm danach immer noch nicht besser geht, bleibe ich verdammt nochmal auch länger!“, sagte ich und spürte deutlich, dass sich zu meiner Panik, die immer noch mehr als deutlich zu spüren war, nun auch Wut und Fassungslosigkeit mischte, denn wie konnte sie so herzlos über ihren Bruder reden?
,,Kevin, das macht der doch alles mit Berechnung, weil er mal wieder nicht im Mittelpunkt steht und das passt ihm nicht. Schon mal drüber nachgedacht, dass er Leon vielleicht um einen Gefallen gebeten hat? Er ist ein Freund von meinem Vater und so wie der sagte, kennen Stephan und er sich auch. Wieso sollte er ihm dann nicht mal einen Gefallen tun und einfach eine falsche Diagnose stellen?“
,,Du spinnst doch wirklich oder? Dein Bruder hätte verdammt nochmal sterben können und du denkst wirklich, dass er das alles nur inszeniert hat?!“


Fassungslos blickte ich sie an und schüttelte den Kopf, musste mich zusammenreißen, dass ich meine Stimme nicht hob, denn das würde ich unter den Umständen am liebsten tun.
,,Du bist so dumm, Kevin. Du wirst noch sehen, was du davon hast.“
,,Was ich wovon habe? Das ich deinem Bruder geholfen habe? Ich hoffe, dass ich damit erreichen konnte, dass er noch ein langes, glückliches und erfülltes Leben führen kann und ja, es tut mir leid, aber daran bin ich gerne Schuld, falls du mir das als nächstes an den Kopf knallen wolltest.“
,,Ach Kevin, du verstehst es einfach nicht. Er macht das nur wegen der Aufmerksamkeit.“
,,Du spinnst doch wirklich. Kein Mensch der Welt würde das machen. Niemand würde sein Leben auf´s Spiel setzen um auf diese Art und Weise Aufmerksamkeit zu bekommen. Außerdem glaube ich, dass Stephan auch nicht unbedingt zu den Menschen gehört, die sich die Aufmerksamkeit so erschleichen müssen, denn ich bin sicher, dass es genug Menschen gibt, die ihm die auch liebend gerne ohne dieses Drama geschenkt hätten.“
,,Du meinst diese ganzen Schlampen, die er fickt? Vielleicht haben die ja auch endlich verstanden, was er für ein Mensch ist und das er immer noch mit ihnen gespielt hat und es nie mit nur einer ernst gemeint hat.“
,,Das geht dich aber verdammt nochmal nichts an, denn das ist Stephan´s Sache, oder hat er dir vorgeschrieben, dass auch du dich wie die letzte Schlampe aufführen musst? Du magst im letzten Jahr vielleicht nur mit einem Kerl gefickt haben, aber was war denn davor?“, fragte ich und spürte deutlich, dass ich bald platzen würde, wenn sie nicht bald verschwand.


Meine Hände hatten sich zu Fäusten geballt, die ich allerdings mit Mühe und Not wieder entspannte.
,,Was soll das Kevin? Warum wirfst du mir meine Vergangenheit vor? Ich habe dir doch gesagt, dass ich da überhaupt nichts für konnte und das mich die Kerle immer ausgenutzt haben.“, sagte sie und sah mich mit Tränen in den Augen an, was mich so kalt ließ, wie eine Dusche voller Eiswürfel.
,,Wenn du dich nicht so offensichtlich wie eine Schlampe verhalten hättest und dich nicht jedem Kerl an den Hals werfen würdest, so wie du es bei mir gemacht hast, an dem Tag in dem Lokal und dich vielleicht nur ein bisschen seriöser verkaufen würdest, dann würdest du vielleicht auch nicht ausgenutzt werden, aber wer sich so offensichtlich für genau solche Taten anbietet, der muss sich nicht wundern, wenn es Männer gibt, die das dann eben auch ausnutzen. Deine Tränen kannst du dir gleich wieder wegwischen, denn die kaufe ich dir nicht ab. Ich denke es ist wohl auch besser, wenn du jetzt gehst, denn es ist für Stephan sicher nicht gut, wenn du hier so einen Zwergenaufstand schiebst. Er braucht Ruhe und das du so über einen Menschen redest, der sich nicht dazu äußern kann, ist auch nicht unbedingt die beste Art seinen Unmut zu äußern.“
,,Ich würde ihm das auch ins Gesicht sagen, aber er muss ja seinen Rausch ausschlafen und meint ja auch noch, dass er dafür Aufpasser braucht, weil er seine Grenzen nicht kennt.“
,,Das kannst du ihm dann gerne sagen, wenn er wieder gesund ist und jetzt geh bitte.“
,,Nein, ich will ihm das jetzt sagen und danach werde ich gehen und keine Sorge, dann will ich mit ihm auch nichts mehr zu tun haben.“


Kaum hatte sie den Satz ausgesprochen, hatte sie auch schon einen Satz auf mich zugemacht und wollte an mir vorbei zu Stephan, allerdings hielt ich sie fest, noch bevor sie das Bett auch nur erreichen konnte.
,,Hier ist Endstation. Weiter kommst du nicht. Ich habe dich nett gebeten zu gehen, aber wenn du es nett nicht verstehst, dann musst du es eben auf die nicht nette Art lernen.“, sagte ich und schob sie unsanft zur Türe.
,,Und ich dachte du liebst mich, wie kannst du mir das nur antun, Kevin? Wie kannst du meinen Bruder mir vorziehen? Ich verstehe es nicht. Warum?“, fragte sie und nun rannen ihr Tränen über die Wangen.
,,Ich liebe dich aber nicht. Das habe ich nie und das werde ich auch nie und du solltest trotzdem besser gehen. Wieso ich deinen Bruder vorziehe? Das willst du gar nicht wissen, sonst werden diese Krokodilstränen nur noch mehr, wo ich mich dann ernsthaft frage, wer hier der Schauspieler ist und wer hier was inszeniert.“
,,Hast du mir das auch deswegen nie gesagt, weil du mich nie geliebt hast?“
,,Erfasst und jetzt geh. Spätestens Ende der Woche hast du deine Sachen aus meiner Wohnung geholt und der Wohnungsschlüssel liegt auf meinem Wohnzimmertisch und wag es dich auch nur im Ansatz irgendwas mitzunehmen, was nicht dir gehört, dann lernst du mich kennen und glaub mir, das willst du nicht. Ich denke das war klar genug. Nimm raus was dir gehört, Schlüssel auf den Tisch und dann will ich das du mich und deinen Bruder in Ruhe lässt, klar?“
,,Aber Kevin, so war das doch nicht gemeint. Das ist doch nur die Sorge und die Angst um Stephan, die da aus mir gesprochen hat. Du musst dich doch nicht gleich von mir trennen. Lass uns doch nochmal drüber reden.“
,,Nein, danke. Ich habe genug gehört und gesehen. Ich habe gesagt was du zu tun hast und ich möchte, dass du dich daran hältst. Alles was sich Sonntag Abend noch in meiner Wohnung von dir befindet landet im Müll.“


Noch bevor sie etwas sagen konnte, schob ich sie aus der Türe, schloss diese und drehte auch gleich den Schlüssel rum, damit sie nicht wieder rein kommen konnte.
,,Aber Kevin, das Hotel.“, rief sie durch die Türe und ich seufzte, waren das ihre einzigen Sorgen?
Ein letztes Mal öffnete ich die Türe und drückte ihr einen 100 DM Schein in die Hand, bevor ich sie hochhob und vor die Haustüre trug.
,,Jetzt hast du Geld. Geh ins Hotel oder fahr zu deiner Mutter oder was auch immer, aber verpiss dich hier, lass deinen Bruder und mich in Ruhe und sieh zu, dass deine Sachen aus der Bude sind bis Sonntagabend.“, sagte ich, stellte sie vor der Haustüre ab und ging wieder zu Stephan.
Auch da schloss ich seine Türe wieder ab und setzte mich wieder neben ihm auf das Bett.
Kurz streichelte ich mit meiner Hand durch seine Haare, bevor ich erneut nach seiner Hand griff und diese einfach festhielt.
,,Es tut mir leid, ich weiß, sie ist deine Schwester und meinetwegen hasst du mich auch dafür, aber ich kann es einfach nicht mehr.“, sagte ich leise und blickte auf den Boden.
Ich wusste genau, dass ich es nicht ertragen würde, wenn er mich hassen würde, aber ich konnte es verstehen, denn es war immer noch seine Schwester und die sollte vor mir stehen und das weit vor mir.
Aber ich kannte es ja auch von mir, denn ich setzte meine Prioritäten ja auch so, dass meine Familie weit unten stand, obwohl es anders sein sollte.


Aber es war eben einfach so, dass sie mir nicht so viel bedeuteten, wie Stephan.
Ich war sicher, dass er mir nie so viel antun würde, wie meine Familie es getan hatte.
Stephan war bestimmt einer der Menschen, die sich auch bedanken konnten, wenn man etwas für sie tat, egal ob man das gerne tat oder man dazu gezwungen wurde, wobei ich mir auch nicht vorstellen konnte, dass Stephan zu den Menschen gehörte, die andere Menschen zu etwas drängten, was sie nicht wollten.
Ich glaube eher, dass er zu denen gehörte, denen es egal war, wenn sie nicht weiterkamen bei einer Person, dann suchten sie sich eben eine andere, die es dann vielleicht auch gerne tat und vollkommen ohne Zwang.
Zumindest war er mir gegenüber immer so aufgetreten und wieso sollte er es bei anderen Menschen anders machen?
Ein Brummen riss mich aus dem Schlaf und ich blickte Stephan an, der zu träumen schien, denn er hatte keinen glücklichen, eher einen bösen Gesichtsausdruck.
Sanft streichelte ich über seinen Handrücken und versuchte so ihn irgendwie zu beruhigen, was auch was zu bringen schien, denn seine Gesichtszüge entspannten sich wieder und er kuschelte sich enger in die Decke.
Ich sah mich in dem Raum um und suchte eine Uhr, aber die hatte Stephan nach einem Jahr wohl scheinbar immer noch nicht in seinem Zimmer.
Aber auch das brachte mich nicht wirklich aus der Fassung, sondern eher zum lächeln, denn so wusste ich, dass ich ihm irgendwann mal eine schenken würde, damit er auch endlich zu den stolzen Besitzern dieser genialen Erfindung gehörte.
Vielleicht ja zum erfolgreich beendeten Entzug, da würde ich gerne sein entsetztes Gesicht sehen, wenn ich ihm sagte, dass ich etwas für ihn hätte, er sich freute und mit allem rechnete, aber eben nicht damit.


Das würde ihn wahrscheinlich enttäuschen, sodass ich mir dann doch noch etwas anderes dazu überlegen musste, aber das würde ich auch noch schaffen und dann würde er das auch sicher nicht falsch verstehen und sich dann vielleicht auch darüber freuen.
Irgendwie brachte mich der Gedanke an ihn zum lächeln und vor allem, aber der Gedanke, dass er vielleicht wieder ehrlich lächeln könnte.
Das er vielleicht irgendwann wieder dieses schelmische Funkeln in seinen Augen hatte, was ihn so verdammt interessant für mich gemacht hatte, wenngleich es auch immer wirkte, als wäre er, vielleicht gerade deswegen unnahbar.
Ich hatte nie das Gefühl in ihm lesen zu können, wie in einem offenen Buch und dennoch hatte ich das Gefühl ihn mit allem was er sagte oder tat verstehen zu können.
Seine Aussagen hatten Verstand und Sinn und waren durchdacht, nichts im Vergleich zu dem, was ich die letzten Stunden hier gesehen und erlebt hatte.
Wenn ich gewusst hätte, wo das alles enden würde, dann wäre ich nie zu Moni gegangen und das mit Stephan wäre so vielleicht nie passiert.
Wir hätten uns einiges an Ärger ersparen können und das lediglich dadurch, dass ich auf ein Date verzichtet hätte.
Aber das hatte ich nicht und das obwohl Stephan damals schon nicht wirklich begeistert zu sein schien, aber das er das alles nur inszeniert hatte, wollte ich mir auch nicht vorstellen.
Vielleicht wollte er mich aber auch einfach indirekt vor Moni schützen, denn wie sie wirklich war, hatte ich spätestens eben am eigenen Leib erfahren können.


Ich gähnte und spürte nun die Müdigkeit auch deutlich in mir aufkeimen, aber ich konnte doch jetzt nicht schlafen.
Immerhin war ich mit Stephan vollkommen alleine, Moni war weg und Tex würde wahrscheinlich auch mittlerweile auf der Arbeit sein.
Wenn jetzt etwas passierte, dann musste ich da sein und das würde nicht klappen, wenn ich schlief.
Was ich jetzt machen sollte, wusste ich nicht wirklich, aber vielleicht sollte ich mich ja wirklich neben ihn legen und versuchen zu schlafen.
Wenn ich mich nach außen legte, dann würde ich bestimmt wach werden, wenn er versuchte aufzustehen.
Ich blickte Stephan fragend an, als könne ich in seinem Gesicht die Antwort finden und seufzte.
,,Wenn ich nur wüsste, was ich jetzt machen soll, dann wäre einiges leichter.“, sagte ich leise und fuhr mir mit der Hand durch die Haare.
Vorsichtig ließ ich seine Hand los, was Stephan unzufrieden brummen ließ und sich dann rum drehte und wieder auf dem Rücken lag.
Da er aber immer noch schlief, sollte es mir recht sein, denn so konnte ich vielleicht auch noch etwas schlafen.
,,Ich rauche gleich noch eine und dann lege ich mich zu dir. Mehr als mich morgen früh wieder rausschmeißen kannst du nicht, oder?“, sagte ich grinsend und schüttelte dann den Kopf.
Auch das Grinsen war verschwunden, denn ich würde keine Antwort bekommen, solange er schlief.
Das Risiko das er sauer war und mich vielleicht wirklich rausschmiss musste ich wohl jetzt einfach in Kauf nehmen.


Ich beugte mich vornüber und begann meine Springerstiefel aufzumachen, was einiges an Zeit in Anspruch nahm.
Als ich diese dann endlich weit genug offen hatte, damit ich sie ausziehen konnte, tat ich das auch und ließ sie achtlos neben dem Bett liegen, bevor ich meine Zigaretten aus meiner Hosentasche zog und jetzt erst bemerkte, das ich seit ich hier unten war nur eine Zigarette geraucht hatte und die nicht mal zu Ende, denn die hatte ich ja Tex noch überlassen.
Hier würde ich noch zum Nichtraucher werden.
Ich zündete mir eine an und legte die Packung neben das Bett auf seinen Nachttisch und inhalierte den Qualm tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ.
Seufzend rauchte ich die Zigarette zu Ende und starrte Löcher in die Luft, denn die Müdigkeit wurde immer größer, aber ich hatte auch das Gefühl, dass die Anspannung der letzten Stunden jetzt langsam aber sicher von mir abfiel.
So flaute auch alles andere ab und die Müdigkeit setzte ein, dazu brauchte ich sicher keine Mittelchen vom Arzt.
Nachdem ich die Zigarette fertig geraucht hatte, drückte ich diese im Aschenbecher aus und überlegte kurz, ob ich mich ausziehen sollte, entschied mich dann aber dagegen und legte mich nachdem ich Stephan sanft ein wenig weiter nach innen gerückt hatte, neben ihn.
Stephan bewegte sich und noch bevor ich zu ihm rüber sehen konnte, hatte er sich auch schon an mich gekuschelt und seinen Kopf auf meine Brust gelegt.
Zögernd legte ich dann auch meinen Arm um ihn und er kuschelte sich noch etwas enger an mich und legte seine Hand auf meinen Bauch.


In dem Moment konnte ich einfach nicht anders, als meine Hand auf seine zu legen, was Stephan mit einem Brummen zur Kenntnis nahm, was nicht mehr so unzufrieden klang, wie die davor, wobei ich mir auch nicht sicher war, ob es diesmal zufrieden war.
Da Stephan sich dann aber auch längere Zeit nicht mehr rührte und weiter zu schlafen schien, schloss ich dann auch meine Augen und schlief kurze Zeit später ein.
Es war aber nicht der Schlaf den ich sonst hatte, denn immer wieder wurde ich wach und das bei jeder Bewegung von Stephan oder bei jedem Geräusch, was mir verdächtig vorkam.
Albträume hatte ich mal wieder keine in der Nacht, wobei ich nicht wusste, ob es an Stephan lag oder an der Tatsache, dass ich nie lange genug schlief um lange zu träumen.
Auch wenn Stephan sich öfter in dieser Nacht drehte und sich so auch von mir abwandte, so dauerte es meistens nicht lange, bis er wieder näher zu mir kam und sich dann schlussendlich auch wieder an mich kuschelte.
Ich genoss es wirklich ihn so nah bei mir zu spüren, aber die Angst vor der Reaktion, wenn er wirklich wusste, was er da tat, war groß, denn dann könnte es ja auch sein, dass er das nicht mehr wollte.
Dinge, die er im Schlaf tat, mussten ja auch nicht unbedingt die Dinge sein, die er tat, wenn er wach und bei klaren Verstand war.
Ich hatte doch nicht mal eine Ahnung, wie er überhaupt auf mich reagierte, wenn er eben nicht hilflos und auf mich angewiesen, vollgekotzt in einem Sessel saß.
Vielleicht hatte er ja auch einfach nur so reagiert, weil er wusste, dass er meine Hilfe brauchte und nicht da alleine sein wollte in der Situation.


Weil er genau wusste, dass ich ihn nicht hängen lassen würde, weil ich einfach nicht der Mensch dafür war.
Gerade bei Stephan würde ich es nicht über´s Herz bringen, bei dem ein oder anderen vielleicht schon, aber bei ihm nicht.
Ich glaube dann hätte ich mich mein Leben lang selber mehr gehasst, als er mich wahrscheinlich gehasst hätte.
Ob Stephan überhaupt so etwas wie Hass kannte, wusste ich nicht, aber wenn, dann wollte ich auch nicht die Zielscheibe dieses Gefühls werden.
Natürlich wollte ich bei Stephan einen Stellenwert und der durfte auch gerne hoch sein, aber eben nicht, auf seiner Hassliste.
Je weiter die Nacht voranschritt, oder eben auch der Tag, denn ich hatte immer noch keine Ahnung, wie spät es war, desto unruhiger wurde Stephan.
Er drehte sich mehr und wirkte unzufrieden, als würde ihm irgendwas nicht in den Kram passen, aber er gab ja auch kaum Laute von sich, sodass ich nicht mal abwägen konnte, was ihn störte.
Immerhin wollte ich doch, dass es ihm auch gut ging und das er schnell wieder gesund wurde, auch wenn ich noch nicht wusste, wie ich ihm dabei helfen konnte und was dazu nötig war, von meiner Seite aus.
Irgendwie schaffte ich es aber trotzdem dann immer wieder einzuschlafen, sei es einfach nur neben ihm, oder mit ihm in meinen Armen.
Aber solange er mit mir kuschelte, würde ich es auch genießen, denn ich hatte ja keine Ahnung, wie lange dieser Zustand anhalten würde und wann ich das nächste Mal wieder dazu kommen würde, seinen warmen Körper an meinem zu spüren.


Ich wurde erneut wach, weil Stephan sich bewegte und diesmal konnte ich nicht mal mit Gewissheit sagen, ob er mir mir gekuschelt hatte, oder nicht.
Mein Blick fiel rüber zu ihm und er hatte sich von mir abgewandt, drehte sich aber ziemlich oft hin und her und hatte nun einen deutlich unruhigeren Schlaf, als die ganze Zeit über.
Ob es an seinen Träumen lag oder an der Tatsache, dass er bald wach werden würde, wusste ich nicht.
Ich fühlte mich aber auch um einiges ausgeruhter, als noch in der Nacht und war überzeugt nun auch genug geschlafen zu haben, um die Nacht zu überstehen.
,,Kev.“, nuschelte Stephan und kuschelte sich dann erneut an mich.
Legte seinen Kopf wieder auf meine Brust und seine Hand auf meinen Bauch, als wäre das etwas, was er schon seit Jahren täglich machte.
Ich wusste nicht, wie ich anders hätte reagieren können und legte dann meinen Arm wieder um seinen Körper.
Er zitterte leicht, aber da sein Körper nicht besonders kalt war, konnte es sein, dass der Entzug eingesetzt hatte, was wohl einfach dazu führen würde, dass ich bald meine Arbeit beginnen musste.
Stephan drehte sich erneut, erst auf den Rücken und dann auf die Seite, sodass er mir den Rücken zudrehte.
Ich wartete noch einen Augenblick, aber als Stephan sich dann nicht mehr bewegte , nutzte ich die Chance und stand auf.
Kurz fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und stand dann auf, um in das benachbarte Bad ging um mich dort ein bisschen frisch zu machen und meine Zähne zu putzen.


Glücklicherweise legte Stephan in seinem Bad viel Wert auf Sauberkeit, Ordnung und Hygiene, sodass ich alles schnell fand, was ich brauchte.
Nachdem ich fertig war überlegte ich kurz, ob ich Stephan vielleicht Frühstück, oder zumindest Kaffee machen sollte, was ich dann aber doch lieber sein ließ.
Dafür musste ich Stephan zu lange alleine lassen und das wäre wohl nicht das Beste in dem Moment, also entschied ich mich erst abzuwarten, wie weit Stephan war, wenn er wach wurde um ihn dann vielleicht mit in die Küche zu nehmen.
So leise wie möglich ging ich dann zurück in sein Zimmer und schloss hinter mir wieder die Türe, denn er musste den ganzen Alkohol im Treppenhaus ja nicht direkt sehen, wenn er wach wurde.
Ich blickte auf das Bett, aber Stephan schien immer noch zu schlafen, weswegen ich die Zeit nutzte und auch mich noch um seine Klamotten kümmerte, die ich am Abend zuvor vergessen hatte.
Diese legte ich in der Badewanne in heißem Wasser ein und ging zurück zu Stephan.
Da dieser aber immer noch schlief, ließ ich mich auf die Couch sinken und zündete mir eine Zigarette an und hatte nun doch noch etwas Zeit wach zu werden und mich meinen zukünftigen Aufgaben zu stellen.
Stephan wurde aber immer unruhiger und wahrscheinlich würde er bald wach werden und dann musste ich mehr als 100% geben, um Stephan irgendwie helfen zu können.
Ich zog erneut an meiner Zigarette und inhalierte den Qualm tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ und mir nebenbei Gedanken machte, wie ich jetzt mit Stephan weiter vorgehen könnte um ihm wirklich eine Hilfe zu sein.


,,Kev?“, hörte ich erneut Stephan´s Stimme und blickte zu dem Bett rüber, in dem Glauben, dass er wieder im Schlaf sprach, denn er klang immer noch sehr undeutlich.
Allerdings zuckte ich dann leicht zusammen und hätte beinahe meine Zigarette fallen lassen, als ich sah, dass Stephan offensichtlich wach war und nun in seinem Bett saß.
,,Wie geht es dir?“, fragte ich und hoffte inständig, dass ich diesmal eine Antwort bekommen würde.
,,Scheiß egal. Was machst du hier?“, fragte er und ich seufzte.
,,Scheiß egal. Wie geht es dir?“
Stephan verdrehte die Augen und zuckte dann die Schultern.
,,Kann ich noch nicht wirklich sagen. Ich glaube ich brauche erst einen Kaffee. Ich hab tierische Kopfschmerzen, mir ist schlecht und schwindelig und keine Ahnung. Ich fühle mich, als hätte ich die ganze Nacht gesoffen.“
,,Du weißt nichts mehr von gestern?“
,,Keine Ahnung, ohne Kaffee geht nichts. Vor allem platzt mir der Kopf, da kann ich nicht denken.“
,,Tablette?“
Stephan schien zu überlegen, zuckte dann aber die Schultern und drückte die Decke von seinem Körper.
,,Ich will erst einen Kaffee und dann schauen wir mal weiter.“
,,Bleib sitzen.“, sagte ich warnend, drückte die Zigarette im Aschenbecher aus und stand auch gleich auf, um mit wenigen Schritten vor seinem Bett zu stehen.
,,Vertraust du mir?“, fragte ich und Stephan sah mich kurz an, senkte seinen Blick, sagte aber nichts.


,,Wenn deine Erinnerung nicht mehr wiederkommt, dann kläre ich dich auf, aber bis dahin bitte ich dich mir zu vertrauen und das zu tun, was ich dir sage.“
,,Erklärst du mir dann auch, was du hier machst? Hast du Streit mit Moni?“
,,Das machen wir alles gleich. Vertraust du mir?“
,,Ja, ich denke schon.“, sagte er nach kurzem Zögern und ich nickte.
,,Ich werde dich jetzt nach oben tragen und dann bekommst du deinen Kaffee, okay?“
,,Wieso willst du mich denn tragen? Ich hab Beine und Füße.“
,,Nicht lustig. Ich trage dich und erkläre es dir später, okay?“
,,Du wirst wissen, was du tust.“
Ich nickte und hob Stephan ohne ein weiteres Wort auf meine Arme.
,,Schwindel schlimmer geworden?“, fragte ich, als Stephan seinen Arm um mich schlang, aber er schüttelte den Kopf.
,,Das ist ja schon mal gut.“, sagte ich leise seufzend und ging dann mit ihm nach oben in die Wohnung von Tex, wo ich Stephan dann in der Küche auf einen Stuhl setzte.
,,Kev?“, fragte er und ich sah ihn fragend an.
,,Hast du Zigaretten hier?“, fragte er weiter und ich hielt ihm meine Packung hin, denn Leon hatte ja gesagt, dass er rauchen durfte.
Stephan nahm die Packung an und zündete sich dann auch gleich eine Zigarette an, während ich den Kaffee vorbereitete.
,,Ist es okay, wenn ich mir auch einen Kaffee mache?“, fragte ich dann und Stephan nickte.


,,Sicher, ich meine dazu ist er doch da, oder?“
Ich nickte, denn da hatte er doch eigentlich recht.
Nachdem der Kaffee durchgelaufen war, richtete ich ihn her, wie Stephan ihn trank und stellte ihm die Tasse auf den Tisch.
,,Danke.“, sagte er heiser und räusperte sich kurz, bevor er begann den Kaffee zu trinken und seine Zigarette rauchte.
Ich blickte während die zweite Tasse durchlief aus dem Fenster und bemerkte, dass es schon hell war und sah mich deswegen in dem Raum um, denn vielleicht hatte Tex hier eine Uhr hängen und tatsächlich entdeckte ich dann auch über der Türe eine Uhr.
Sie zeigte gerade einmal 7 Uhr an und ich seufzte tonlos.
War noch ziemlich früh, aber wahrscheinlich würde Tex dann auch bald kommen und dann war ich auch nicht mehr alleine.
Mit der zweiten Tasse setzte ich mich dann nachdem ich sie fertig gemacht hatte, Stephan gegenüber und wartete, denn er brauchte ja seinen Kaffee am frühen morgen und solange war er ja auch ohne diese Umstände nicht wirklich ansprechbar.
Heute war aber etwas anders, als an den Morgen vor einem Jahr.
Er wirkte in sich gekehrt und nachdenklich und ich fragte mich, ob er sich nicht vielleicht doch an etwas erinnerte vom vorigen Abend.
Stephan drückte die Zigarette im Aschenbecher aus und trank dann die Tasse leer, bevor er sie vor sich auf den Tisch stellte.
,,Soll ich dir noch einen Kaffee machen?“, fragte ich und Stephan nickte, blickte mich aber nicht an, was ich äußerst merkwürdig fand, denn so war er sonst auch nicht.


Ich wurde das Gefühl einfach nicht los, dass hier noch viel mehr nicht stimmte, als nur die Tatsache, dass er zu viel getrunken oder geraucht hatte.
Trotzdem stand ich dann auf und bereitete ihm seinen zweiten Kaffee zu, als ich die Haustüre hörte und kurze Zeit später Tex den Raum betrat.
,,Guten Morgen.“, sagte er und kam auch gleich zu mir.
,,Morgen, Tex. Ich war mal so frei und hab mich bedient.“
,,Klar, wie geht es ihm?“
,,Frag ihn selber, er gibt dir auch Antwort.“
,,Wie war die Nacht? Irgendwas besonderes?“
,,Nein, ich war bei jeder Bewegung von ihm wach, aber die Nacht war recht ruhig. Zum Morgen hin wurde er unruhig, aber das ist ja normal, wenn er dann auch wach wird.“
,,Logisch. Redet er denn mittlerweile wieder normal?“
,,Ja, als wäre nichts gewesen. Er sagt aber auch, dass er sich an nichts erinnern kann. Wenn du ihn aber so siehst, dann wirkt das nicht so, als wäre da alles okay.“
,,Ich werde ihn jetzt auch mal fragen, aber ich glaube kaum, dass er mir was sagt.“
,,Versuch es. Willst du auch einen Kaffee?“
,,Ja, wenn du einmal dabei bist, dann mach mir auch einen.“
,,Wie die von Stephan oder trinkst du deinen anders?“
,,Nein, so wie Stephan.“, grinste Tex, drehte sich dann rum und setzte sich neben Stephan an den Tisch.
,,Wie geht es dir?“, fragte er und stupste Stephan leicht an, der heftig zusammen zuckte und ihn dann anblickte.


,,Was hast du gesagt?“, fragte er und Tex blickte kurz zu mir, sah dann aber Stephan wieder an.
,,Ich wollte wissen, wie es dir geht.“
,,Mit ist schlecht, schwindelig, ich habe tierische Kopfschmerzen und ich zittere.“
,,Klingt scheiße. Hast du was dagegen eingenommen?“
,,Nein, ich wollte erst meinen Kaffee.“
,,Erinnerst du dich an irgendwas von gestern?“, fragte Tex und Stephan schüttelte den Kopf, aber ich glaubte ihm immer noch nicht wirklich.
,,Du würdest es uns aber doch sagen, oder?“, fragte Tex weiter und Stephan nickte.
Ich stellte Tex dann auch seinen Kaffee hin und setzte mich den beiden gegenüber.
,,Hast du Leon schon Bescheid gesagt?“
,,Nein, ich dachte es ist vielleicht noch etwas früh. Ich wollte noch warten, bis es etwas später ist. Es ist doch auch bis jetzt noch alles okay, oder siehst du das anders?“
,,Nein, ich denke nicht.“
,,Also warten wir noch ein bisschen.“, sagte ich und Tex nickte.
,,Hast du Zigaretten mitgebracht?“, fragte Stephan Tex und der schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich habe dir doch gestern erst eine Stange mitgebracht.“
,,Die habe ich aber unten.“
,,Dann bedien dich doch an meinen. Die habe ich dir doch eben dafür gegeben.“, sagte ich mit einem sanften Lächeln und Stephan nickte, bevor er sich dann eine Zigarette raus zog und anzündete und das alles ohne mich anzusehen.
Vielleicht hatte er mich letzte Nacht einfach zu lange angesehen und konnte meinen Anblick nun nicht mehr ertragen oder was auch immer.
Aber ich war sicher, dass da irgendwas nicht stimmte und er uns etwas verschwieg.


Das Beste war aber wahrscheinlich mich mit ihm mal an einen Tisch zu setzen und mit ihm zu reden, wenn er seinen Kaffee getrunken hatte und vielleicht dann auch etwas gegen seine Kopfschmerzen eingenommen hatte.
,,Brauchst du mich gleich noch?“, fragte Tex und ich schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich denke nicht, falls doch werde ich mich melden.“
,,Ja, wenn du mich nicht mehr brauchst, dann werde ich mich gleich auch mal eine Stunde hinlegen.“
,,Klar, du warst ja auch arbeiten. Ich bin ja da, das ist kein Problem.“
,,Ist Moni im Gästezimmer oder ist sie in ein Hotel gegangen?“
,,Das weiß ich nicht. Wir haben uns gestritten und dann getrennt. Es hatte einfach keinen Sinn mehr. Sie ist gestern Abend gegangen aber wohin kann ich dir nicht sagen.“
,,Dann werde ich später mal bei ihrer Mutter anrufen und sie fragen. Ich muss ja wissen, ob sie nach Hause gekommen ist oder ob ich mich darum jetzt auch noch kümmern muss.“
,,Das kann ich dir leider nicht sagen.“, sagte ich und wusste es nicht, aber eigentlich war es mir auch egal, denn für mich zählte jetzt nur Stephan.
,,Bei Kerstin war ich übrigens auch schon. Sie hat Frühstück. Vielleicht schaffst du es ja dann zum Mittagessen mal rüber zu gehen. Bis dahin dürfte ich auch wieder wach sein.“
,,Ja, müssen wir mal schauen, ich möchte gleich erst mal sehen, wie im Moment der Stand der Dinge ist und bis heute Mittag ist ja auch noch etwas Zeit. Sie ist ja jetzt erst einmal versorgt.“, sagte ich und Tex nickte zustimmend.


Der Ältere schien dazu auch nichts mehr sagen zu wollen, also beließ ich es auch dabei und sah zu Stephan, der gedankenverloren vor sich auf den Tisch starrte.
Seine Tasse hatte er offensichtlich leer, also würde wohl jetzt die dritte kommen, und dann konnte man sich auch mit ihm unterhalten.
,,Stephan?“, fragte ich sanft, aber er regte sich nicht.
Wahrscheinlich war es so tief in seine Gedanken versunken, dass er nicht mitbekam, dass ich ihn angesprochen hatte.
Also versuchte ich anders seine Aufmerksamkeit zu gewinnen und legte vorsichtig meine Hand auf seine, was ihn zwar zusammenzucken und mich schockiert anblicken ließ, aber seine Hand hatte er nicht weggezogen.
,,Magst du noch einen Kaffee? Das war doch erst der zweite.“, fragte ich mit einem sanften Lächeln und konnte sehen, dass Stephan sich unsicher auf die Unterlippe biss, dann aber nickte und seinen Blick wieder senkte.
Das er mein Lächeln nicht erwiderte war zwar nicht schön, aber irgendwie konnte ich es verstehen, denn ihn belastete was, auch wenn ich noch nicht wusste, was es war, aber das würde ich auch noch rausbekommen.
Ich zog meine Hand wieder weg, nahm die Tasse an mich und stand damit auf, um ihm noch einen Kaffee zu machen.
Im Augenwinkel konnte ich deutlich sehen, dass er meiner Hand nachblickte und es ihm wohl nicht recht war, dass ich sie zurückgezogen hatte.
Aber ich würde sicher später nochmal eine Möglichkeit finden mit ihm zu reden und vielleicht würde er dann auch mit der Sprache raus rücken und sich mir anvertrauen.
Denn anders konnte ich ihm wohl auch nicht helfen, denn dazu musste ich doch erst einmal wissen, was mit ihm los war.


Was ihn überhaupt dazu gedrängt hatte, so weit zu gehen, aber das wusste ich eigentlich ja auch schon, denn es war wahrscheinlich meine Schuld.
Ich war weg und hatte ihn alleine gelassen, vielleicht der einzige Mensch, der ihn verstand mit seinen Ansichten und seiner Art.
Denn ich konnte mir vorstellen, dass Stephan ein Mensch war, der nicht bei allen Menschen auf so viel Verständnis und Akzeptanz traf wie bei mir und die meisten ihn wohl für sein ausschweifendes Leben verurteilten.
Als der Kaffee soweit fertig war, stellte ich diesen wieder vor Stephan auf den Tisch und setzte mich ihm dann auch wieder gegenüber, bevor ich ihm dann meine Packung Zigaretten hinhielt.
,,Danke. Ich gebe dir gleich eine neue Packung.“, sagte er und nahm eine Zigarette an sich.
,,Soweit kommt es noch, was? Das ist nicht nötig, solange ich habe teile ich auch. Wenn ich es nicht gerne machen würde, würde ich es nicht tun. Außerdem hab ich ja auch jetzt noch welche.“, sagte ich grinsend und reichte ihm das Feuerzeug, mit der er sich die Zigarette dann anzündete und es mir zurückgab.
,,Aber nicht mehr viel und ich rauche sie dir auch noch weg.“
,,Und? Dann gehe ich später zur Tanke und hole mir eben neue.“
,,Nimmst du mich mit? Ich meine wenn das okay ist?!“
,,Sicher, wenn es dir etwas besser geht, denn ich will nicht, dass du mir unterwegs umkippst.“
,,Das geht schon.“
,,Ich würde gerne sicher gehen. Vielleicht solltest du mal was essen. Frühstück?“


,,Nein, ich hab keinen Hunger.“
,,Kevin hat aber Recht, Stephan. Du solltest etwas essen.“, warf nun auch Tex ein und dankbar sah ich ihn an, denn die Unterstützung tat wirklich gut.
,,Ich hab keinen Hunger.“, sagte er fast schon trotzig und trank seinen Kaffee.
Ich zuckte mit den Schultern und würde mir schon etwas anderes einfallen lassen, um ihn ans Essen zu bekommen, da war ich mir sicher.
,,Was machst du denn heute Mittag zu essen?“, fragte ich an Tex gerichtet und der sah mich mit hochgezogener Augenbraue an.
,,Nichts. Ich kann nicht kochen. Wir gehen meistens dann auswärts essen oder holen was an der Imbissbude.“
,,Was hältst du denn davon wenn ich heute koche?“, schlug ich vor und versuchte es wenigstens so, denn vielleicht würde Stephan es ja essen, wenn er wusste, dass ich es gemacht hatte.
,,Du kannst kochen?“, fragten nun beide wie aus einem Munde und ich konnte nicht anders als zu grinsen.
,,Na ja, ich bin kein Sternekoch und kann euch hier kein Menü vorsetzen mit mehreren Gängen, aber so die gängigen Dinge kann ich, ja.“
,,Soll ich dir Geld geben? Du musst doch dann bestimmt erst einkaufen. Wir werden nichts hier haben was du brauchen könntest.“, sagte Tex und ich schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich bezahle das und lade euch ein. Immerhin hab ich ja auch hier geschlafen.“
,,Das ist ja wohl auch das Mindeste was wir tun konnten, bei deiner Hilfe.“
,,Schon okay, mache ich gerne. Also, was sagt ihr? Darf ich euch bekochen?“, fragte ich und Tex nickte.


Ich blickte zu Stephan und dieser schien zu überlegen.
,,Was willst du denn machen?“, fragte er dann und ich zuckte die Schultern.
,,Keine Ahnung, was isst du denn am liebsten?“
,,Ich glaube ich hab kein Lieblingsessen.“, sagte Stephan nach kurzem Zögern und erneut konnte ich im Augenwinkel sehen, dass Tex denn Kopf schüttelte, weswegen ich ihn fragend anblickte.
,,Er hat eins, das kenne selbst ich.“, sagte er dann grinsend und schien froh über den Gedanken, dass er etwas über seinen Sohn wusste, was ich nicht kannte.
,,Dann mal raus mit der Sprache.“
,,Nein, ich hab keins.“, sagte Stephan schnell und ich lächelte ihn sanft an, bevor ich erneut meine Hand auf seine legte.
Er besah sich unsere Hände, die nun auf dem Tisch übereinander lagen, sah mir kurz, aber intensiv in die Augen und senkte seinen Blick wieder auf meine Hände.
,,Stephan, mir ist es wichtig, dass du etwas isst. Nur so kann es dir besser gehen. Wenn ich dafür kochen muss, dann tue ich das gerne. Aber ich möchte nichts machen, was du nicht magst. Also verrate mir doch dein Lieblingsessen und dann mache ich dir das, wenn ich es kann.“, sagte ich weiterhin sanft und Stephan seufzte.
,,Schnitzel mit Pfefferrahmsoße und Fritten.“, sagte er dann leise, ohne seinen Blick zu heben, aber laut genug, dass ich es hörte.
,,Aber ohne das Hasenfutter.“, sagte er dann bestimmt, hob den Kopf und blickte mir mit entschlossenem und festen Blick in die Augen.
Tex lachte auf diese Aussage hin und ich verstand nicht so recht, was er meinte.


,,Hasenfutter?“, fragte ich dann, denn ich hatte auch schon Schnitzel gemacht, aber nie mit Hasenfutter.
,,So bestellt Stephan das auch im Imbiss oder im Restaurant. Ein Schnitzel mit Pfefferrahmsoße und Fritten, aber ohne Hasenfutter.“
,,Wer macht denn sein Schnitzel mit Hasenfutter?“, fragte ich verwirrt und verstand immer noch nicht, was daran so lustig war.
,,Das machen die alle. Voll schlimm. Das sollen die den Hasen geben, aber nicht mir. Ich will den armen süßen Tieren doch nicht das Essen wegessen.“, sagte Stephan und langsam begann auch bei mir der Groschen zu fallen.
,,Meinst du den Salat?“, fragte ich dann grinsend und Stephan und Tex nickten synchron.
,,Voll schlimm. Ich mag keinen Salat. Den überlasse ich lieber den Hasen.“
,,Wie ist es mit dir? Brauchst du auch kein Hasenfutter?“, fragte ich Tex und dieser schüttelte den Kopf.
,,Nein, brauchen tue ich es auch nicht.“
,,Dann mache ich uns heute Schnitzel mit Pfefferrahmsoße und Fritten, aber ohne Hasenfutter.“, grinste ich und Tex nickte.
Auch Stephan schien damit einverstanden und nickte ebenfalls.
,,Perfekt, dann haben wir ja schon etwas zu essen. Dann mache ich ein Schnitzel mehr und bringe es dann später auch Kerstin rüber, dann brauchst du dich da heute auch nicht drum kümmern.“, sagte ich zu Tex und dieser nickte.
,,Das wäre sicher eine gute Idee. Sie würde sich bestimmt freuen dich zu sehen und von ihrem großen Bruder was zu essen zu bekommen. Sie fragt öfter mal nach dir, aber wir wussten ja auch nicht wo du bist und konnten ihr nichts sagen.“, sagte er und ich nickte, denn das hatte ich ja bereits erfahren.


Stephan leerte seine Tasse, stellte sie wieder vor sich auf den Tisch und schien nun wesentlich wacher als vorher noch, aber in wie weit das Verlangen war oder auch das was ihn belastete.
,,Magst du noch einen Kaffee?“, fragte ich und Stephan schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich habe genug. Vielleicht solltest du lieber alleine einkaufen gehen und ich lege mich noch ein bisschen hin.“
,,Wir können uns auch gemeinsam noch etwas hinlegen und später dann einkaufen gehen. Jetzt ist es sowieso noch zu früh und die Geschäfte haben noch nicht auf.“, sagte ich und blickte auf die Uhr, nur um dann festzustellen, dass es bereits 8 Uhr waren.
,,Ja, können wir machen.“, sagte Stephan und wirkte nicht wirklich begeistert, aber das war mir egal, denn ich würde ihn nicht alleine lassen.
,,Sag Bescheid wenn du runter möchtest, dann gehen wir.“
,,Gleich.“
Ich nickte und blickte dann Tex an, der ebenfalls nickte und scheinbar auch einverstanden war.
,,Ich werde mich jetzt auch mal was hinlegen, sonst brauche ich nicht mehr schlafen. Wünsche euch noch einen schönen Vormittag.“, sagte Tex, stand auf, klopfte erst Stephan, dann mir aufmunternd auf die Schulter und verließ den Raum.
Auch ich stand dann auf, nachdem Tex weg war und stellte seine Tasse auf die Spüle, wo ich dann auch meine hinstellte.
,,Kev, du musst das nicht tun.“, sagte Stephan und ich sah ihn fragend an.
,,Was meinst du?“, fragte ich verwirrt und hatte keine Ahnung, was er jetzt meinte.


,,Hier einen auf Hausmütterchen machen und  dich so um uns kümmern. Das ist wirklich nicht nötig.“
,,Wie ich bereits sagte, ich mache es gerne.“
Stephan nickte, sagte aber nichts mehr dazu, wahrscheinlich weil er nicht wusste, was er dazu noch sagen sollte.
,,Gehen wir wieder runter?“, fragte ich dann und Stephan nickte.
Er stand auf und man konnte deutlich erkennen, dass er immer noch schwankte.
Eher aus Reflex als alles andere, legte ich meinen Arm um seine Hüften, um ihn zu stützen, denn ich wollte ja nicht, dass er mir hier umkippte.
Stephan blickte mich kurz an, senkte dann aber seinen Blick und ich lächelte, denn es war ja nicht so schlimm, ich würde ihm schon helfen.
Ich hob ihn auf meine Arme und Stephan seufzte genüsslich, legte dann einen Arm um meinen Nacken und ließ sich von mir nach unten tragen.
Zu den Kisten Bier, die vor seinem Zimmer standen sagte er nichts, aber ich war auch nicht böse darum, denn so brauchte ich ihm erst einmal auch nichts erklären, was vielleicht unangenehm werden könnte.
Stephan öffnete die Türe, als wir diese erreicht hatten und gemeinsam ging ich mit ihm nach drinnen.
,,Willst du ins Bett oder auf die Couch?“
,,Nein, auf die Couch, ich will nicht schlafen, mich nur ein bisschen ausruhen.“
Ich nickte, ging mit ihm zur Couch und legte ihn sanft darauf ab.
,,Brauchst du eine Decke?“
,,Nein, aber es wäre nett, wenn du mir ein Kissen mitbringen würdest.“, sagte er als ich auf dem Weg zur Türe war um die zu schließen und nickte dann, denn dazu hatte ich eine bessere Idee.


Nachdem ich die Türe dann geschlossen hatte ging ich zurück zu Stephan, der mich fragend anblickte.
,,Kev, das Kissen.“
Ich nickte und deutete ihm an, sich aufzusetzen, was er aber scheinbar nicht verstand und mich fragend anblickte.
,,Setz dich mal kurz hin.“
Stephan´s Blick war immer noch verwirrt, aber er setzte sich dann wirklich auf, was ich dazu nutzte mich ebenfalls auf die Couch zu setzen und ihn dann an den Schultern sanft zurück zu ziehen, sodass er jetzt mit seinem Kopf auf meinem Schoß liegen konnte.
,,Liegst du gut?“, fragte ich und Stephan nickte unsicher.
,,Ich hoffe, dass es dir bald besser geht.“, sagte ich leise und streichelte mit meiner Hand durch seine Haare, was Stephan mit einem genüsslichen Seufzen zur Kenntnis nahm und sogar eine ganze Weile seine Augen schloss uns schwieg.
Ich ging davon aus, dass er irgendwann eingeschlafen ist, weil er sich weder bewegte noch etwas sagte, aber das hätte mich auch nicht gestört, wenn es ihm dadurch besser gehen würde.
Auch wenn ich sicherheitshalber immer wieder meinen Blick über seine Brust und seinen Bauch wandern ließ, nicht nur wegen dem mehr als geilen Anblick, sondern auch um zu kontrollieren, ob er noch atmete, durfte ich immer wieder beruhigt feststellen, dass er das tat.
Ruhig und gleichmäßig, also keinen Grund sich da irgendwie Gedanken zu machen, denn es schien ihm wirklich erstaunlich gut zu gehen.
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