....dann eben den Trostpreis

von Ratte1904
OneshotDrama, Romanze / P18 Slash
Kevin Richard Russell Matthias "Gonzo" Röhr OC (Own Character) Peter "Pe" Schorowsky Stephan Weidner
17.06.2017
17.06.2017
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Hey ihr Lieben :)

hier noch einmal etwas neues von mir :)

Besonderer Dank gilt auch hier meiner wundervollen Beta - Leserin MissesDixon <3<3<3<3

Leider war die Story zu lang, sodass ich sie aufteilen musste, ich hoffe es stört nicht all zusehr beim lesen :)

Reviews sind wie immer gerne gesehen :)

Nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem neuen OS :)

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Kevin Pov


Vor seinen Problemen davon laufen, der Meinung sein, es würde was bringen den Wohnort zu wechseln und dann auch noch der naiven Meinung sein die Probleme würden nicht mitziehen.
Das war mein jetzt schon beschissenes Leben ohne wirkliche Perspektive.
Mit einem Vater der den ganzen Tag unterwegs war, weil er arbeiten musste und einer Mutter die mehr Alkohol konsumierte als gut für sie und vor allem für meine Geschwister und mich waren.
Eigentlich erbärmlich, das ein dreifacher Familienvater einfach so die Flucht ergriff, den ganzen Tag arbeitete und uns alleine ließ und das ohne Perspektive.
Ich weiß nicht wie oft mein Bruder Kai und ich meine besoffene Mutter abends mit der Schubkarre bei der Nachbarin abgeholt habe, weil sie beide viel zu tief ins Glas geschaut hatten und meine Mutter den Weg nicht mehr alleine fand.
Dabei war sie nur ein Haus nebenan.
Es kam selten vor das mein Vater mal zu Hause war und wenn, dann war ich immer wieder froh, dass er wieder weg war, denn außer Geschrei und Prügel hatte er für Kerstin, unsere jüngere Schwester und Kai unseren älteren Bruder nicht übrig.
Das meiste musste ich einstecken, weil ich eben nicht war, wie er es wollte.
Weil ich nicht in sein Heilewelt leben passte und weil ich auch in jungen Jahren schon das tat was ich wollte und nicht das, was ich sollte.
Aber so kam es wie es kommen musste und bereits im zarten Alter von 17 Jahren musste ich Hamburg verlassen und in ein kleines Nest namens Hösbach ziehen.
Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber mein Vater war der Meinung meine Mutter so besser “therapieren“ zu können und hatte durch den Flughafen Frankfurt bessere Arbeitsbedingungen, immerhin war er Lufthansapilot.


Für mich war das alles nur eine Phrase und nicht wirklich verständlich, denn es dauerte nicht lange, da hatte meine Mutter auch in Hösbach entdeckt, dass es dort Nachbarinnen gab und das auch die gerne mal einen tranken.
So ging es da weiter, wo sie in Hamburg aufgehört hatte, so viel zur Rehabilitation.
Ich durfte dann in Hösbach auf die Realschule gehen, was mich auch mächtig ankotzte, denn wirklich Bock auf Schule hatte ich nicht.
Ich hatte keine Freunde und wusste auch nicht, ob ich die haben wollte.
Die meisten auf meiner Schule waren eher nicht in meiner Liga und so hatte ich mir auch schnell den nötigen Respekt erarbeitet, was vielleicht auch an meinem Aussehen lag.
Ich war nun mal kein Nerd und wollte es auch nie sein und genau das strahlte ich auch nach außen aus.
Dennoch hörte man sich wenn man in eine neue Stadt kam um und ein Name fiel besonders oft und wurde mit den schlimmsten Horrorstorys in Verbindung gebracht: Stephan Weidner.
Ich kannte ihn nicht und ich hatte auch keine Ahnung, was an dem so gefährlich war und vor allem was an dem was hier so erzählt wurde der Wahrheit entsprach.
Wie der Vogel aussah wusste ich auch nicht, aber wen interessierte das schon?
Ich hasste allen und jeden und würde mit diesem komischen Kauz wahrscheinlich auch nicht zurecht kommen.
War wahrscheinlich doch alles eine Lüge und von dem was sich erzählt wurde, stimmte wahrscheinlich die Hälfte nicht mal wenn überhaupt.
Denn ich konnte mir nicht vorstellen, was ich da hörte, also stimmte es auch nicht.


Wie sollte ein Kerl mit gerade einmal 15 Jahren es denn bitte schaffen in einem ganzen Bundesland Schulverbot zu bekommen?
Außerdem konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass er wie sich immer erzählt wurde, in einem Puff arbeitet und ich weiß nicht was noch alles.
Verkehrte Welt, aber in diesem kleinen Dorf wohl nicht so unüblich, denn ich musste auch schnell feststellen, dass man hier als “Neuer“ schnell in das Gespräch der Dorfbewohner kam und sie sich Geschichten erzählten, die nicht stimmten.
Mussten sie wohl auch, denn wir waren ja die Bösen und das nur, weil wir nicht dort geboren wurden, als ob wir etwas dafür könnten.
Auch über mich wurde viel erzählt, was mich aber nicht im geringsten interessierte, denn ich mochte es, wenn die Leute über mich redeten und vor allem, wenn sie dann auch noch Lügen über mich verbreiteten.
Stephan kam, wenn man dem was man so hörte glauben durfte, aus Frankfurt und hatte dort in einem ziemlichen Problemviertel gelebt.
Wie es dazu kam, das er dann nach hier zog wusste ich nicht, aber ich spürte deutlich, dass meine Faszination für seine Geschichten immer mehr wuchs.
Ich hatte mir als wir hier her gezogen waren fest vorgenommen, dass ich hier gegen alles und jeden bin und das ich mir auch keine Freunde suchen würde.
Wozu auch, denn alleine kam ich immer noch am besten klar.
Allerdings war es bei Stephan anders und das nur durch das, was ich von ihm gehört hatte, faszinierend der Kerl.
Aber das wollte ich erst einmal nicht einsehen und sträubte mich mit allem was ich hatte dagegen, denn ich war ein Einzelgänger und das sollte irgendein Typ sicher nicht ändern.


Ich würde Stephan nicht brauchen und ich war sicher, dass es ihm nicht anders ging, denn er hatte bestimmt genug Leute und war auf mich nicht angewiesen so wie ich auch nicht auf ihn.
Es war ein verregneter Tag und da meine Mutter mal wieder bei ihrer Nachbarin war, mein Bruder unterwegs und meine Schwester mich nervte weil sie Hunger hatte, saß ich in meinem Zimmer, hatte die Türe hinter mir abgeschlossen, ignorierte die Tritte dagegen und die Rufe nach etwas Essbaren und blickte aus dem Fenster und sah den Regentropfen zu wie sie stetig auf den bereits nassen Asphalt klatschten.
Dabei stellte ich mir vor, dass jeder einzelne Tropfen ein Kopf war, von den Leuten die ich hasste und wie sie auf dem Teer zerplatzen und Blut und Hirnflüssigkeit die schwarze Straße allmählich färbten.
Der Gedanke gefiel mir und so breitete sich ein Lächeln auf meinen Lippen aus.
Vollkommen weggetreten in meinen Gedanken, vielleicht aber auch eingelullt von dem monotonen Klopfen und Treten gegen meine Türe hing ich meinen Gedanken nach und ignorierte die Beleidigungen und Rufe meiner Schwester voll und ganz.
Sie war schließlich nicht die Einzige die Hunger hatte und ich konnte mir doch auch nichts aus dem Ärmel schütteln, wenn ich selber nichts hatte.
Aber dann erweckte ein Mann meine Aufmerksamkeit, wie er geschützt durch eine Zeitung zu einem Cadillac lief, der am Straßenrand stand und dort einstieg, allerdings nicht los fuhr und offensichtlich mit sich selbst redete und sich über was auch immer aufregte.
Er schlug auf das Lenkrad ein und gestikulierte wild Richtung Haustüre, wo wahrscheinlich noch jemand stand, den ich aber aus diesem Winkel nicht sehen konnte.


Kurze Zeit später erblickte ich eine zweite Person, ebenfalls unter einer Zeitung versteckt, um sich vor dem Regen zu schützen, der sich dann zu dem älteren Mann auf die Beifahrerseite setzte.
Erst da konnte ich sein Gesicht erkennen und bemerkte, dass er in meinem Alter war, vielleicht jünger, aber wahrscheinlich nicht älter.
Er wirkte eingeschüchtert von dem immer noch tobenden Mann neben ihm und fuhr dann kurze Zeit später mit ihm weg.
Ich hatte keine Ahnung, wer dieser Kerl war, aber das würde ich auch noch raus finden, denn so schnell würde ich diesem verfluchten Nest hier wahrscheinlich nicht entkommen können und hatte genug Zeit.
,,Keviiiinnnn! Jetzt mach doch mal die verdammte Türe auf, sonst muss ich sie essen! Ich hab Hunger und jetzt beweg deinen Arsch hier raus und koch uns was!“, brüllte Kerstin und ich seufzte.
Die hatte ich ja ganz vergessen und wie sollte ich ihr was machen wenn nichts da war?
,,Halt die Fresse und geh sterben!“, brüllte ich ihr durch die Türe entgegen und dachte nicht im Traum daran jetzt für die Nervensäge auch noch zu kochen, vor allem wo nichts da war, was man hätte kochen können.
Ich hörte noch einen letzten Tritt gegen die Türe und dann wurde es still.
Wahrscheinlich würde sie jetzt zur Nachbarin rennen, es dort unserer Mutter erzählen, die sich aber mal wieder nicht dafür interessierte und dann würde sie resigniert in ihr Zimmer gehen und da spielen.
Das hätte sie am besten mal gleich getan, dann hätte ich meine Ruhe gehabt.
Seufzend griff ich nach meinen Zigaretten und zündete davon eine an.


Den Qualm inhalierte ich tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ und noch eine ganze Weile weiter auf die nasse Straße guckte.
Es dämmerte bereits, als ich meinen Bruder durchnässt die Straße entlang kommen sah.
Wo der sich rum getrieben hatte, wusste ich nicht, aber ich wollte gerade vom Fenster weg gehen, da er wahrscheinlich nach mir rufen würde, als der Cadillac erneut meine Aufmerksamkeit auf sich zog, der erneut vor der Haustüre nebenan parkte.
Erneut wild gestikulierend schmiss der Ältere den Jüngeren förmlich aus seinem Auto und schmiss ihm die Zeitung hinterher, die vor seinen Füßen auf dem nassen Bürgersteig zum liegen kam und sich auch gleich mit der Flüssigkeit vollsog.
Beinahe resigniert blickte der jüngere auf die Zeitung, während der Ältere fortfuhr und ihn im Regen stehen ließ.
Aber er ging nicht rein, sondern blieb einfach wie angewurzelt stehen und kaum war mein Bruder für ihn in Sichtweite, klarte sich sein Gesicht wieder auf und man könne den Eindruck erwecken, dass das alles vorher nicht passiert sei.
Mein Bruder begrüßte ihn mit einem Handschlag und redete mit ihm, was ich sehr interessiert verfolgte, denn so wie die beiden miteinander umgingen schienen sie sich zu kennen und sogar zu mögen.
Vorsichtig und möglichst lautlos versuchte ich das Fenster zu kippen um so hören zu können, worüber sie sich unterhielten.
Sofort wehte eine kühle Luft in mein Zimmer und der Geruch von Regen erfüllte den Raum.
Der Regen war zu laut und so konnte ich leider kein Wort verstehen.


Mein Bruder deutete auf unser Haus und fast schien es so, als hätte er mich entdeckt, aber er blickte nicht in meine Richtung, er konnte mich nicht gesehen haben.
Der Kerl bei ihm folgte seinem Blick, winkte dann aber mit einer lässigen Handbewegung ab und sagte etwas, was ich aber leider auch nicht verstehen konnte.
Mein Bruder nickte, sagte ebenfalls noch etwas und die beiden verabschiedeten sich, wie sie sich begrüßt hatten und dann trennten sich ihre Wege.
Der Kerl ging in das Nachbarhaus und mein Bruder kam zu uns in das Haus.
Ich blieb noch am Fenster und hoffte, dass er vielleicht nochmal raus käme, aber das tat er nicht, zumindest nicht so lange ich sehen konnte.
,,KEVIN?!“, brüllte Kai dann kurze Zeit später durch die Wohnung und ich seufzte, denn das konnte nichts Gutes bedeuten, wenn er so nach Hause kam.
Dennoch wollte ich wissen, was er wollte und drückte die Zigarette die ich mir angemacht hatte im Aschenbecher aus, der schon mehr als überquoll und ging nach draußen.
Vor meinem Bruder blieb ich stehen, der mir etwas zuwarf, was ich so gerade fangen konnte.
Eine Tüte Nudeln, wo auch immer der die her hatte, immerhin war es etwas zu essen.
,,Geh kochen.“, sagte er knapp und ging an mir vorbei.
,,Ich bin nicht dein Dienstmädchen. Warum soll ich immer kochen?“
,,Weil ich den ganzen Tag unterwegs war und nass bin bis auf die Knochen, nur um euch was zu fressen zu besorgen und du bewegst deinen Arsch jetzt in die Küche und kochst das! Ich habe später noch was vor und da würde ich gerne vorher was essen!“, sagte er scharf und ließ mich stehen, um ins Bad zu gehen.


Seufzend und nicht wirklich begeistert ging ich in die Küche und kochte diese verfickten Nudeln.
Ich konnte sie bald nicht mehr sehen, denn die hatten wir in letzter Zeit schon viel zu oft, allerdings war es billig und irgendwas mussten wir ja auch essen.
Während die Nudeln vor sich hin kochten vertiefte ich mich in meinen Gedanken und fragte mich, wer diese Typen mit dem Cadillac waren.
Wo die beiden wohl waren und was sie gemacht haben?
Aber vor allem fragte ich mich, wieso mich der Typ so sehr interessierte?
Eigentlich hatte er nichts besonderes an sich, aber die Aura, die ihn umgab machte ihn zu etwas besonderem, etwas unnahbares, aber auf eine faszinierende Art und Weise.
Etwas, was ich so vorher noch bei niemandem gespürt oder gemerkt hatte.
,,Biste bald mal fertig?“, riss mich die genervt seufzende Stimme meines Bruders aus den Gedanken.
,,Gleich.“
,,Du weißt, dass ich das nicht mag, wenn das nur noch Matsch ist. Versau es bloß nicht.“
Mit einem Augenverdrehen schüttete ich die Nudeln ab und verteilte sie auf drei Teller, die ich dann auf den Tisch stellte, wo Kai bereits Platz genommen hatte.
,,KERSTIN?!“, brüllte er und ich setzte mich wortlos ebenfalls an den Tisch und stocherte in den trockenen Nudeln rum.
Wirklich Hunger hatte ich keinen und erst Recht nicht auf den Fraß.


,,Dir schmeckt die Scheiße wohl nicht, die du gemacht hast, was?“, fragte mein Bruder und ich seufzte.
,,Friss deine Nudeln und halt dein dämliches Maul, wenn du nichts ordentliches zu sagen hast.“, erwiderte ich und wusste in dem Moment als ich es ausgesprochen hatte schon, dass es zu viel war.
Er legte seine Hand an meinen Hinterkopf und stieß ihn auf den Teller mit einer solchen Wucht, dass dieser in zwei Hälften brach.
Zu schnell als das ich hätte reagieren können.
,,Sieh nur, was du gemacht hast. Jetzt ist auch noch der Teller kaputt und das nur wegen deiner Dummheit.“
Ich sagte nichts mehr, sondern fegte die Nudeln samt der zwei Hälften Teller mit dem Arm vom Tisch und stand auf, was Kerstin mit einem verwirrten Blick hinnahm, sich dann aber mit einem Schulterzucken an den Tisch setzte.
,,Ist das der Dank dafür, dass ich den ganzen Tag unterwegs war um euch was zu fressen zu besorgen? Du schmeißt es einfach auf den Boden und gibst nichts um meine Mühe?“, fragte mein Bruder ruhig, aber wer ihn kannte wusste, dass er gerade dann am gefährlichsten war.
Aber statt was zu sagen bückte ich mich nach den Nudeln und nahm eine Hand davon hoch, mit der ich mich rum drehte, auf Kai zuging und sie ihm dann in die Fresse stopfte.
,,Ich sagte dir eben schon du sollst dein verficktes Maul halten und wenn du es nicht verstehst, dann muss ich es dir eben stopfen.“, sagte ich ebenfalls ruhig und hielt ihm den Mund zu, damit er gezwungen war die Nudeln zu essen.
Erst als er das getan hatte, stieß ich seinen Kopf nochmal heftig gegen die Wand hinter ihm und ließ dann von ihm ab und verließ den Raum.


Was bildete der sich eigentlich ein, wer er war und wie er mit mir umgehen konnte?
Mit knallender Türe ging ich in mein Zimmer und setzte mich wieder an das Fenster.
Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen, was mich dazu verleitete vielleicht doch nochmal raus zu gehen und nicht den ganzen Tag hier zu verschwenden.
Mir war egal ob es mittlerweile schon dunkel war oder nicht.
Gerade im Dunkeln ging ich am liebsten auf die Straße, denn da war hier kaum noch jemand und ich brauchte mir diese ganzen scheiß Visagen dieser ganzen Dorfpenner nicht ansehen.
Aus einem Kleiderhaufen schnappte ich mir einen schwarzen Kapuzenpulli und zog diesen über.
Schnell packte ich noch meine Zigaretten ein und schnappte mir einen der Haustürschlüssel die im Flur lagen und verließ das Haus.
Die Stimme meines Bruders ignorierte ich, was er gesagt hatte, bekam ich sowieso nicht richtig mit, war mir aber auch egal.
Kaum hatte ich den ersten Fuß vor die Haustüre gesetzt, schlug mir der Geruch von Regen entgegen und ich seufzte, denn auch das hasste ich wie die so ziemlich alles andere.
Planlos irrte ich durch die Straßen Hösbach´s und musste feststellen, dass hier wirklich nichts los war und das Dörfchen kleiner war, als ich dachte.
Hier war man wirklich verdammt schnell am anderen Ende und wirklich etwas los war hier nirgendwo.
Vielleicht hatte ich die richtig angesagten Plätze aber auch noch nicht gefunden, denn die waren meistens versteckt, dass wusste ich aus Hamburg zu genüge.


Ich fand auf meinem Weg durch die Karpaten einen Stein, den ich lustlos vor mir her kickte und mich fragte, wieso ausgerechnet ich in so einem scheiß Dorf leben musste und dachte immer wieder daran, wie geil die Zeit doch in Hamburg war.
Ohne auf meine Umgebung zu achten kickte ich den Stein weiter vor mich hin und versank vollkommen in meinen Gedanken, mal wieder.
Ich hatte aber auch keine Lust wieder nach Hause zu gehen und dort dann meine Mutter wieder abzuholen und sie dann irgendwie ins Bett zu bringen, weil mein Vater das alles ja so gewollt hatte.
Immer wenn er da gewesen ist, hatte er uns förmlich eingeprügelt, das wir uns mehr um unsere Mutter kümmern sollten, aber wie machte man das, wenn sie den ganzen Tag nur soff?
Wenn sie es bei der Nachbarin tat, mussten wir bei ihrem Untergang wenigstens nicht zusehen und so war uns das doch allen lieber.
,,Ey.“, hörte ich eine Stimme und blickte mich um, konnte aber niemanden entdecken, was mich mit einem Schulterzucken weiter gehen ließ.
,,Ey, Blondi. Warte doch mal.“, hörte ich die Stimme erneut und blieb erneut stehen und blickte mich um.
,,Tischtennisplatte auf dem Spielplatz.“
Fragend blickte ich mich um, denn einen Spielplatz hatte ich hier nicht gesehen und erst recht keine Tischtennisplatte.
,,Links du Idiot.“
Ich blickte nach links und entdeckte dann auch wirklich einen Spielplatz, oder zumindest so etwas wie eine Rutsche, denn diese Ecke war so dunkel, dass man kaum die Hand vor den Augen sehen konnte.


Nicht mal Geld für Laternen hatten sie hier in dem Loch oder wieso sonst war der Spielplatz so dunkel das man nichts sehen konnte?
Dennoch ging ich dann nach links und auf den Spielplatz.
Es dauerte einige Sekunden bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten und ich die Tischtennisplatte ausfindig machen konnte.
Allerdings konnte ich nicht viel erkennen, außer einer dunklen Gestalt die darauf saß.
Angst hatte ich keine, warum denn auch?
Hier würde mir sicher keiner etwas tun und wenn doch, dann konnte ich mich auch wehren und das würde dann meistens für meinen Gegenüber nicht gut ausgehen, was mir aber auch egal war.
Ich ging auf die Tischtennisplatte zu und blieb vor dieser Gestalt stehen, die ich auch, trotz das ich so nah bei ihr stand nicht erkennen konnte, was aber auch an der Kapuze liegen könnte, die er tief ins Gesicht gezogen hatte.
Das es ein Kerl in meinem Alter war, hatte ich bereits an der Stimme erkannt und hatte trotzdem keine Ahnung, wer das eigentlich da vor mir war.
,,Haste Feuer?“, fragte er dann weiter und ich hielt ihm wortlos mein Feuerzeug hin.
Er nahm es an sich, zündete sich einen Joint an und reichte es mir ebenfalls wortlos zurück.
Unschlüssig blieb ich stehen, denn das war die Chance hier Kontakte in meinem Alter zu knüpfen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wer das war und ob ich diesen überhaupt leiden konnte.
,,Du kannst dich wieder verpissen. Ich wollte nur Feuer.“, sagte er mit einer ausladenden Handbewegung, was mich stutzen ließ.


Trotzdem drehte ich mich rum und verließ den Spielplatz wieder.
Erst jetzt fiel mir auf, das hier auch Laternen standen, die der Typ wohl scheinbar ausgetreten hatte, oder was auch immer, denn sie brannten nicht.
Aber statt meinen Weg fortsetzen, blieb ich in der Nähe des Spielplatzes und nutzte die Dunkelheit auch für mich, um den Typen noch etwas zu beobachten und ihn vielleicht in hellerem Licht zu sehen, denn irgendwann würden die Laternen ja auch wieder angehen, wenn er sie nur ausgetreten hatte.
Tatsächlich musste ich nicht lange warten, da ging eine Laterne etwas weiter weg von der Tischtennisplatte wieder an, was mir aber nicht viel brachte, denn wirklich mehr von dem Typen konnte ich immer noch nicht erkennen.
Alles was ich sah war das er durch die Gegend blickte und offensichtlich auf jemanden wartete.
Seine Augen funkelten je nachdem in welche Richtung er blickte im schummrigen Licht der Laterne und verhießen nichts Gutes.
Man konnte so viel in diesem kurzen Augenblick lesen, allerdings nur negatives.
Eine kalte Aura umgab ihn und ich fragte mich, ob er wirklich so gefühlskalt war, wie er schien, oder ob das alles nur ein Teil einer Fassade war, die er sich aufgebaut hatte um sich vielleicht vor Verletzungen zu schützen, die weit über das Physische hinausgingen.
Die Laternen um die Tischtennisplatte herum gingen nicht wieder an und ich fragte mich wieso.
Aber bevor ich darauf eine Antwort finden konnte, erblickte ich einen zweiten Mann, der den Spielplatz betrat und dessen Gang und auch die Statur mir mehr als bekannt vorkamen.


Kai betrat den Spielplatz und ging auch gleich zu diesem Typen, von dem ich immer noch nicht wusste wer er war oder wie er aussah.
,,Du bist spät.“, begrüßte der Typ ihn und mein Bruder nickte.
,,Ja, ich weiß. Hatte noch Stress mit meinem Bruder. Wie der mich nervt, das kann ich dir nicht sagen.“
,,Ich glaube ich habe ihn eben gesehen. Hier war jedenfalls ein Kerl, den ich nicht kannte und ich kenne sie hier alle. Hab ihn nach Feuer gefragt und ihm dann gesagt, dass er sich verpissen soll. Hat er auch getan.“
,,Das klingt aber nicht nach meinem Bruder. Normal hätte er dir dafür ein paar auf´s Maul gehauen.“
,,Hat er aber nicht. Ich hätte mich wohl auch gewehrt. Dein Bruder oder nicht. Was steht denn heute Abend an? Irgendwas auf dem Schirm? Ich meine hier geht ja nichts, wie du weißt.“
,,Geplant hab ich nichts. Vielleicht ein bisschen was trinken. Hab was mitgebracht und dein Alter hat bestimmt auch noch das ein oder andere auf Lager, oder?“, fragte mein Bruder und zog eine Flasche Wodka aus seiner Jackentasche.“
,,Da bin ich sicher.“, sagte sein Gegenüber, sprang mit einem kräftigen Schwung von der Tischtennisplatte runter und machte sich mit meinem Bruder auf den Weg die Straße entlang.
Möglichst unauffällig folgte ich den beiden, konnte aber nichts erkennen, da ich die beiden nur von hinten zu sehen bekam und der Typ immer noch die Kapuze auf dem Kopf trug.
Auf dem Weg leerten die beiden bereits die Flasche Wodka und schmissen sie auf die Straße, wo sie zersplitterte, was die beiden lachend weitergehen ließ.


Ich erkannte die Richtung in die sie gingen und kurze Zeit später waren sie dann auch schon in dem Haus neben unserem verschwunden.
Vielleicht war das der Typ den ich eben am Fenster gesehen hatte, denn mit dem hatte Kai sich ja auch unterhalten.
Wieso sonst sollten sie in das Nachbarhaus gehen, denn da wohnte sonst niemand in meinem Alter, soweit ich das bisher gesehen hatte.
Also versuchte ich irgendwie in die Fenster zu sehen, aber alles was ich sehen konnte, war eine alte Oma, die gerade dabei war sich auszuziehen.
Mit vor Ekel verzerrtem Gesicht versuchte ich so schnell wie möglich von diesem Fenster wegzukommen und wusste, dass sich dieses Bild wahrscheinlich bis an mein Lebensende in meinen Kopf eingebrannt hatte.
Angewidert schüttelte ich mich mehrfach und hatte nun das dringende Bedürfnis zu duschen, dabei hatte ich mich überhaupt nicht dreckig gemacht, aber der Gedanke an die Olle reichte einfach schon, um sich dreckig zu fühlen.
Einige andere Fenster, an die ich nicht dran kam, ließ ich dann wie sie waren und ging stattdessen wieder nach Hause.
Meine Schwester saß in ihrem Zimmer und spielte mit ihren Puppen, was ich dazu nutzte, unter die Dusche zu gehen, denn meine Mutter war noch bei der Nachbarin und mein Vater mal wieder nicht zu Hause.
Ich ging in mein Zimmer, schnappte mir dort aus einem weiteren Kleiderhaufen eine frische Boxershorts und ging damit ins Bad.
Wahrscheinlich würden wir mal wieder kein warmes Wasser haben, was das Duschen nicht gerade angenehm gestaltete.
Aber auch das war an der Tagesordnung, weil meine Mutter das Geld lieber versoff als die Rechnungen zu bezahlen.


So kam es dann auch schon mal vor, dass wir im Dunkeln, ohne Strom hier saßen, was glücklicherweise nicht oft der Fall war.
Wenn das dann aber doch mal eintraf, lieh ich mir das Geld meistens bei meiner Oma in Hamburg, die von alledem hier nur annähernd wusste, denn ich wollte sie auf ihre alten Tage nicht damit belasten und einen Herzinfarkt oder ähnliches provozieren, wenn sie sich zu sehr aufregte, über die verletzte Fürsorgepflicht meiner Mutter, über das unmögliche Verhalten meines Bruders und überhaupt mit allem, was hier los war, denn grundsätzlich war alles scheiße außer mir.
Ich war schon immer die Liebling meiner Oma gewesen und auch wenn ich es oft nötig gehabt hatte, versuchte ich diesen Status nicht auszunutzen und sie über den Tisch zu ziehen, sondern möglichst ehrlich zu ihr zu sein, weil ich der Meinung war, das sie das einfach verdient hatte.
Die Shorts schmiss ich auf den Deckel der Toilette, der vom rauchen vergilbt war und einen großen Riss hatte.
Darauf schmiss ich ein Handtuch, was mal weiß gewesen sein musste, aber jetzt ebenfalls eine gelbliche Farbe angenommen hatte, was man einfach auch durch Waschen nicht mehr rausbekam und befreite mich von meinen Kleidern, die ich achtlos auf den Boden neben der Badewanne schmiss, in die ich dann auch gleich rein kletterte und den Duschvorhang zuzog.
Dieser war auch nicht wirklich brauchbar, denn erstens war er durchsichtig, sodass man alles sehen konnte und zweitens hatte er Löcher.
Wenn auch nur kleine, aber die meisten waren groß genug, um Wasser durchzulassen und das Badezimmer nass zu machen.


Dummerweise konnten wir die Türe hier aber auch nicht mehr abschließen, da es vorkam, dass meine Schwester sich hier einschloss und wir dann nicht mehr rein kamen.
Es gab schon einige Rettungsversuche durch das Fenster und auch durch eingetretene Türen, bis meine Mutter die Schnauze voll hatte und den Schlüssel an sich genommen und versteckt hatte.
Ich wusste nicht, wo sie ihn hatte, aber es störte mich auch nicht, denn ich hatte kein Problem damit, auch mit offener Türe zu duschen.
Da sie sich durch die unzähligen Male die wir sie eintreten mussten, sowieso nicht mehr richtig schließen ließ, konnte man auch deutlich hören, wenn einer duschte oder eben andere Dinge tat.
Ich schaltete das Wasser ein und machte mir nicht mal die Mühe den verrosteten Duschkopf zur Seite zu schieben, denn warm wurde das Wasser hier wahrscheinlich sowieso nicht.
Also befeuchtete ich meinen Körper mit dem kalten Wasser und seifte mich mit den Resten der Seife die am Badewannenrand lagen ein.
Ich hatte keine Ahnung wem sie gehörten oder wo sie waren, aber es juckte mich auch nicht.
Anschließend spülte ich die Seife von meinem Körper ab und stieg aus der Dusche.
Die Kleidung vor der Dusche war mittlerweile nass, aber ich hatte auch nichts anderes erwartet, denn auch das kannte ich schon zu genüge.
Mit einem gekonnten Tritt schob ich sie weg und wickelte mich in das viel zu kleine Handtuch um mich damit dann abzutrocknen.
Das Handtuch schmiss ich ebenfalls auf den Kleiderhaufen neben der Badewanne, zog meine Shorts an und ging in mein Zimmer.


Das und das Zimmer meines Bruders waren die Einzigen, die wir in dieser Wohnung noch abschließen konnten und das war auch gut so.
Immerhin mussten meine neugierigen Geschwister ja auch nicht alles mitbekommen.
In Hamburg hatte ich eine Freundin, die ich ebenfalls verlassen musste, als wir nach Hösbach gezogen waren.
Eine Schande, denn sie ließ sich wirklich mehr als gut ficken und ich vermisste es, sie nach allen Regeln der Lust zu nageln.
Seit wir hier wohnten hatte ich keine mehr gevögelt und es fehlte mir sehr.
Oft hatte ich das Gefühl, dass mir irgendwann die Eier platzen würden und auch eine neue Erfahrung hatte ich machen müssen, denn immer öfter wurde ich morgens mit einer Latte wach.
So oft, dass ich mich fragte was mit mir nicht stimmte, denn das kannte ich aus Hamburger Zeiten in dem Ausmaß nicht.
Ich grinste als ich mich daran erinnerte, denn mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt und eben auch angefangen mir einen runter zu holen, was bis dahin nie nötig war, denn meine Freundin hielt immer bereitwillig für mich hin, wenn ich es wollte.
Mit einem Schwung ließ ich mich auf die Matratze fallen, die mein Bett darstellen sollte und zog eine Wolldecke über meinen Körper.
Es war schon spät geworden und ich versuchte an Schlaf zu kommen, was schwierig war, denn immer wieder wurde ich von mehr als üblen Albträumen heimgesucht, die mich nicht schlafen ließen.


Ich war eingeschlafen, mit der Hand in meinen Shorts und meinem Schwanz mit festem Griff umschlossen.
Zumindest wachte ich so auf, als mein Bruder gegen die Türe hämmerte und lauthals meinen Namen brüllte.
,,Beweg sofort deinen scheiß Arsch aus dem Bett sonst trete ich die Türe ein und komme dich persönlich holen du Ausgeburt der Hölle!!!!“, rief er und ich konnte deutlich hören, dass er mehr als nur betrunken war.
Er hatte wohl einen schönen Abend gehabt, was man von mir nicht gerade erwarten konnte.
Seufzend zog ich die Hand aus meinen Shorts, rief mir das Bild der Oma nochmal in den Kopf und als dann auch die Latte in dem bisschen Stoff den ich trug verschwunden war, öffnete ich die Türe und sah meinen Bruder fragend an.
,,Was gibt’s?“
,,Wir müssen Mum holen. Die kommt mal wieder nicht nach Hause. Außerdem ist Kerstin weg.“
,,Die kommt auch schon wieder.“, sagte ich mit einer desinteressierten Handbewegung und begann mich anzuziehen.
,,Kannst du eigentlich irgendwas? Ich meine außer ficken und saufen?“, fragte mein Bruder und ich musste lachen, denn das war doch seine Aufgabe, wieso machte er es mir zum Vorwurf?
,,Ich kann einiges mehr und was kannst du? Ich meine du fickst dich doch durch Hösbach und fühlst dich auch noch cool dabei. Du bist ein erbärmlicher Bruder und noch ein viel abscheulicherer Mensch. Glaub mir, die Menschheit wäre ohne dich wesentlich besser dran, denn dann hätten wir ein großes Problem weniger mit dem wir uns jeden Tag rum schlagen müssten.“


Nachdem ich die Worte ausgesprochen hatte, wollte ich an ihm vorbei gehen, denn immerhin mussten wir ja mal wieder unsere Mutter holen, aber Kai hatte offensichtlich andere Pläne.
Er schnappte mich am Kragen, drückte mich gegen die nächste Wand und verpasste mir mit seiner Faust einen harten Schlag.
Kurz brauchte ich um mich zu sammeln, aber lange brauchte es nicht, viel zu oft wurde ich schon geschlagen und wusste, wie ich damit umgehen musste und kannte das Gefühl.
Mit einem gekonnten Tritt in seine Kronjuwelen ließ er mich mit einem schmerzerfüllten Keuchen los und krümmte sich vor mir.
,,Ich warte bei der Nachbarin auf dich.“, sagte ich wenig beeindruckt von seinem Schlag und ging an ihm vorbei nach draußen und holte aus der anliegenden Gemeinschaftsgarage eine Schubkarre, die zwar unserem Vermieter gehörte, die wir uns aber immer liehen, um unsere Mutter zu holen.
Ob der das wusste, wusste ich nicht, was mir aber auch egal, solange er nichts sagte bedienten wir uns weiter daran.
Mit der Schubkarre machte ich mich dann auf den Weg zur Nachbarin und war nicht wirklich überrascht, dass sie bereits schwankend  in der Türe stand und auf uns wartete.
Sie lallte irgendein unverständlichen Scheiß, den ich mit einem Nicken und immer wiederholenden “Ja´s“ kommentierte.
So besoffen wie die mal wieder war, bekam die sowieso nicht wirklich mit, dass ich ihr nicht zuhörte, sie aber auch nicht verstand und es mir egal war, was sie sagte.


Meine Mutter entdeckte ich auf der Couch liegend, wie sie darüber philosophierte was sie alles aus ihrem Leben hätte machen können und wie sehr sie es doch versaut hatte.
Ebenfalls nichts neues, denn das tat sie meistens, wenn sie betrunken war.
Oft hatte sie uns dann an den Kopf geknallt, dass wir ihr Leben versaut hätten, als ob wir etwas dafür könnten, wenn sie beim ficken nicht aufpasste.
Aber das tat ihr, wenn sie es noch wusste, was auch nur sehr selten vorkam, am nächsten Tag solange sie nüchtern war dann auch immer furchtbar leid.
Dann erzählte sie uns wie sehr sie uns doch liebte und das sie alles für uns tun würde und das sie keinen einzigen Moment mit uns bereuen würde und am gleichen Abend beschimpfte sie uns dann auch gleich wieder.
Ein Kreislauf, der wohl nie ein Ende haben würde und mit dem wir leben mussten, bis sie irgendwann ins Gras biss oder wir uns von ihr abwandten, was leider noch dauern würde, zumindest bei mir noch mindestens vier Jahre.
Kurze Zeit später betrat mein Bruder ebenfalls den Raum und blickte meine Mutter an, mit einem Blick, der hätte hasserfüllter und kälter nicht sein können.
,,Hat dir das Rührei geschmeckt?“, fragte ich mit einem süffisanten Lächeln und konnte mir diese Spitze nicht verkneifen.
,,Halt dein verficktes Maul.“, grummelte mein Bruder und ich wusste, dass er wahrscheinlich immer noch Schmerzen hatte, denn im Treffen konnte mir niemand etwas vormachen.
Unsere Mutter hatte sich in der Zwischenzeit aufgesetzt und “unterhielt“ sich mit unserer Nachbarin, in einer Sprache, die wohl nur die beiden verstanden.
Das aber scheinbar sehr gut, denn sie schmissen sich weg vor Lachen und schienen eine Menge Spaß zu haben, zumindest bis Kai einschritt.


Er packte unsere Mutter unsanft und schmiss sie beinahe auch genauso in die Schubkarre, die er sich dann schnappte und mit unserer Mutter wortlos den Raum verließ.
Ich wusste, dass er sie für all das hasste und das er sie eines Tages wahrscheinlich umbringen würde, wenn sie sich nicht selber umbrachte, aber diesen Gefallen würde sie uns wahrscheinlich nicht tun.
Mit einem Schulterzucken ging ich den beiden hinterher und war überrascht, dass meine Mutter bereits im Bett lag, als ich unsere Wohnung betrat.
,,Zieh sie aus und dann verpiss dich.“, sagte mein Bruder und verließ den Raum.
Die Drecksarbeit überließ er mir meistens, denn immer hatte ich das große Los gezogen unsere Mutter auszuziehen und sie zu versorgen, bis sie dann irgendwann schlief.
Das war immer davon abhängig wie viel sie getrunken hatte, denn oft dauerte es Stunden, bis sie dann endlich schlief und auch ich wieder ins Bett konnte um noch ein bisschen Schlaf zu bekommen, von dem ich ohnehin schon zu wenig hatte.
Ich begann meine Mutter auszuziehen und betete jedes Mal, dass sie wenigstens Unterwäsche trug, damit es irgendwie nicht so schlimm war, denn sie nackt sehen, wollte ich sicher nicht.
Das würde mich wahrscheinlich für den Rest meines ohnehin schon beschissenen Lebens traumatisieren.
Aber glücklicherweise trug sie wirklich Unterwäsche und kaum das ich sie bis auf diese befreit hatte, legte ich eine Wolldecke über ihren Körper, denn ich wollte mir das definitiv nicht länger ansehen und verließ dann fast schon fluchtartig den Raum


,,KAI?!“, brüllte ich nach meinem Bruder, denn wenn unsere Mutter einmal schlief, dann bekam sie auch nichts mehr wach.
Dieser seufzte aus dem Wohnzimmer und wirkte mehr als genervt.
,,Was willst du schon wieder? Ich hab doch gesagt, dass du dich verpissen sollst.“
,,Wo ist Kerstin?“, fragte ich von der Türe aus und ignorierte die Tatsache, dass er sich scheinbar gerade einen runter holte, denn er hatte sich bis auf die Shorts ausgezogen, hatte seinen Schwanz freigelegt und den in der Hand.
,,Das weiß ich nicht, es ist mir aber auch egal. Sie wird schon wieder kommen und wenn nicht, soll´s mir recht sein, dann hab ich ein Balg weniger, um das ich mich kümmern muss und jetzt verpiss dich, ich hab zu tun.“
Ohne ein weiteres Wort ging ich zurück in mein Zimmer und verfluchte mich dafür ihm scheinbar nicht genug weh getan zu haben, wenn er sich jetzt schon wieder einen runter holen konnte.
Innerlich fluchend schmiss ich mich wieder auf die Matratze und versuchte irgendwie noch an Schlaf zu kommen, was sich aber mehr als schwer gestaltete, denn immer wieder schreckte ich hoch und war nassgeschwitzt, weil ich mal wieder von Albträumen über die kuriosesten Dinge geplagt wurde.
Ich wusste nicht, wie ich das verhindern konnte, aber sie waren da und sie machten mich langsam wirklich fertig.
Immer wieder diese Monster, Teufel oder Dinge aus scheinbar anderen Welten, die ich nicht zuordnen konnte und die alle irgendwie nach meinem Leben zu trachten schienen.
Warum das so war, wo diese Träume herkamen und wieso sie mich so quälten wusste ich nicht, aber mit der Zeit hatte ich mich auch daran gewöhnt und lernte irgendwie damit umzugehen, denn was anderes blieb mir ohnehin nicht übrig.


Irgendwann war ich eingeschlafen und wachte erst wieder auf, als die Sonne, die am Himmel schien bald schon wieder unterzugehen drohte.
Ich streckte mich ausgiebig und fragte mich, was ich heute wohl wieder tun sollte.
Dieses ganze an den Fenstern sitzen würde mich noch wahnsinnig machen, immerhin war ich 17 und keine 80.
Mein erster Weg führte mich in das Bad, wo ich meine Morgenhygiene vollzog und mir dann mit einer mehr als alten Kaffeemaschine die so kranke Geräusche machte, dass sie mit nichts vergleichbar waren einen Kaffee machte.
Mit einer Tasse ohne Henkel lehnte ich mich gegen den Küchenschrank und lauschte in die Stille.
Scheinbar war niemand zu Hause, denn ich konnte nichts und niemanden hören.
Meine Mutter besoff sich wahrscheinlich mal wieder, Kai fickte Hösbach und Kerstin.... die war ohnehin verschwunden und keiner wusste, wo sie war.
Ich leerte die Tasse, stellte sie auf den Tisch und ging in mein Zimmer zurück, wo ich mir eine Zigarette anzündete und aus dem Fenster blickte, mal wieder.
Seufzend zog ich heftig an meiner Zigarette und inhalierte den Qualm tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ.
Beinahe allerdings hätte ich mich aber daran verschluckt, als ich zwei Personen auf der Straße erkannte, von der mir zumindest eine verdammt nahe stand.
Ich entdeckte diesen komischen Typen von nebenan mit meiner Schwester, wie er ihr die Zunge in den Hals steckte und ihr an den Arsch packte.
Sie so eng gegen sich drückte und den Anschein erweckte, dass er sie gleich auf der Straße ficken wollte.


Hatte der Typ denn keine Ahnung, dass es meine Schwester war und sie auch erst 14 war?
Nachdem sie ihren Kuss gelöst hatten, sah er sie mit einem mehr als verführerischen Blick an, gab ihr noch einen Klaps auf den Arsch und meine Schwester hüpfte freudig zu unserem Haus und kam kurze Zeit später auch schon in die Wohnung.
Das Biest hatte doch wohl bitte nicht wirklich mit dem Typen gefickt?!
Sie war meine Schwester und konnte sich doch nicht hergeben wie eine billige Hure.
Wutentbrannt rannte ich nach draußen, wo Kerstin vor sich hin summend in der Küche stand und sich ebenfalls einen Kaffee machte.
Seit wann trank meine Schwester Kaffee, verkaufte sich wie eine billige Hure und fickte irgendwelche Kerle aus der Nachbarschaft?
,,Wo warst du?“, fragte ich auch gleich und versuchte meine Wut zu unterdrücken.
Diese richtete sich merkwürdigerweise nicht mal gegen den Typen, er war nun mal ein Mann und diese dachten bei schönen Frauen eben nur an das eine, sondern eher gegen meine Schwester, dass sie auch noch so dumm war und auf dieses findige Gelaber ansprang und offensichtlich mit ihm im Bett war.
,,Das geht dich ja mal gar nichts an.“, sagte sie und setzte sich mit ihrem Kaffee an den Tisch.
,,Doch junge Dame, das geht mich sehr wohl was an, wenn du der Meinung bist dich mit deinen 14 Jahren an irgendwelche älteren Typen ran machen musst. Du verhältst dich wie eine Schlampe! Mädchen, du bist 14! Spiel mit deinen Puppen, aber fick nicht irgendwelche Kerle, die dir schöne Augen machen!!!!“, sagte ich und redete mich in Rage, weil ich meine Schwester überhaupt nicht verstehen konnte.


,,Du hast mir gar nichts zu sagen und auf dich höre ich auch nicht.“, sagte sie trotzig und trank weiter ihre mittlerweile helle Brühe, da sie den Kaffee doch mit sehr viel Milch gemischt hatte, wo auch immer sie die her hatte.
,,Du kannst doch nicht irgendwelche Kerle ficken! Was soll das denn? Hast du überhaupt eine Ahnung wer das ist, wie er heißt und was er so macht? Wer weiß, was du dir da alles holen kannst, wenn du dich von irgendwelchen Kerlen flachlegen lässt! Hast du wenigstens verhütet? Bitte sag mir, das du wenigstens daran gedacht hast?!“, sagte ich und blickte sie hoffnungsvoll an.
,,DU bist nicht mein Vater und DU hast MIR auch nichts zu sagen. Ich mache was ich will, außerdem ist Stephan nicht wie die anderen Typen. Er ist nett, zuvorkommend und weiß eben genau, was wir Mädchen wollen. Ein echter Gentleman, wenn du es genau wissen willst. Also find dich damit ab, dass ich erwachsen werde und in Zukunft öfter mit Stephan Zeit verbringen werde, wir sind nämlich zusammen.“, sagte sie, leerte ihren Kaffee und verschwand in ihrem Zimmer noch bevor ich etwas sagen konnte.
Fassungslos blickte ich ihr hinterher und konnte nicht glauben, dass nun auch meine Schwester mich behandelte, als wäre ich Luft.
Moment mal, hatte sie eben den Namen Stephan erwähnt?
Schlagartig fiel es mir wie Schuppen von den Augen, der Typ, der neben uns wohnte und der offensichtlich meine Schwester fickte, musste der Stephan sein, von dem so viele Horrorstorys ausgingen.
Sofort nahm ich die Beine in die Hand und stürmte bei Kerstin in das Zimmer, denn eins war sicher, mit dem würde sie sich nicht nochmal treffen.


,,Du wirst dich ganz sicher nicht mehr mit dem Kerl treffen, Fräulein!!!! Der Kerl ist sicher nicht gut für dich!!!! Der macht dir doch nur schöne Augen weil er dich ficken will und dann lässt er dich fallen wie eine heiße Kartoffel!!!!“, schrie ich auch gleich drauf los und konnte nicht glauben, dass ausgerechnet meine kleine Schwester so naiv sein sollte.
,,Uhhh, heiße Kartoffel klingt super. Machst du mir welche? Ich habe Hunger.“
,,Ich auch, aber wir haben leider keine Kartoffeln.“, sagte ich nachdenklich und überlegte einen Moment, wo ich diese herbekommen konnte, wenn Kerstin die unbedingt haben wollte, bis mir auffiel, dass sie so nur vom Thema ablenken wollte.
,,Lenk nicht vom Thema ab!!!! Du triffst dich nicht mehr mit Stephan, damit das klar ist!!!! Ich werde dich nicht mehr aus den Augen lassen und Kai werde ich auch auf dich ansetzen!!!! Du kannst doch nicht irgendwelche älteren Kerle vögeln!!!!“
,,Stephan ist gerade mal ein Jahr älter als ich und das ist ja wohl auch nicht abnormal. Du solltest dich vielleicht hier nicht so aufspielen und sag es doch auch meinetwegen Kai. Der unterstützt mich, oder wie glaubst du habe ich Stephan wohl kennengelernt? Richtig, Kai hat ihn mir vorgestellt, weil er ein sehr netter und charmanter junger Mann ist und Kai will, dass ich in gute Hände komme, wenn er auszieht, denn das wird er bald tun.“
,,Kai wird nicht ausziehen und der Kerl ist sicher nicht gut für dich!!!! Weißt du, was man sich über ihn erzählt?! Er soll in einem Puff arbeiten und soll sich da auch die Nutten krallen und die vögeln!!!! Willst du dir da ernsthaft etwas einfangen oder noch schlimmer schwanger werden?!“, fragte ich fassungslos und Kerstin schüttelte den Kopf.
,,Das geht dich nichts an und es ist mir auch egal, was du dazu sagst. Mein Entschluss steht fest. Ich bin mit Stephan zusammen, wir lieben uns und alles andere kann dir egal sein und jetzt raus aus meinem Zimmer!“


,,Sag mal verstehst du nicht was ich dir gerade gesagt habe? Er fickt Nutten im Puff.“, sagte ich fassungslos und schüttelte den Kopf.
,,Ja, kapiert. Tut er nicht mehr, weil wir jetzt zusammen sind. Er arbeitet lediglich dort hinter der Theke, also piss dich mal nicht so an und lass mich jetzt in Ruhe, ich möchte schlafen.“, sagte sie und drehte mir den Rücken zu.
Mit einem weiteren Kopfschütteln ließ ich sie dann auch wirklich alleine und musste einfach mit Kai reden, sobald dieser zu Hause war.
Es konnte doch nicht sein, dass der ihr diesen Stephan auch noch empfohlen hatte.
Hörte der diese ganzen Gerüchte denn nicht?
Wobei es ja auch wirklich nur Gerüchte waren, was war denn, wenn es überhaupt nicht stimmte, was die Leute so sagten und Stephan vielleicht doch ein ganz netter Kerl war?!
Was dachte ich hier eigentlich?
Der Kerl fickte meine Schwester und das konnte ich nicht zulassen, egal wie nett, zuvorkommend oder meinetwegen auch hübsch er war.
Moment, hatte ich gerade ernsthaft zugegeben, dass er hübsch war?
Na ja, zumindest erzählten sich das ja alle und die Mädels standen Schlange bei ihm.
Da verstand ich erst recht nicht, wieso er es ausgerechnet auf meine Schwester abgesehen hatte.
Auch wenn das Alter wirklich noch ging, denn ich war dann ja auch nur ein Jahr älter als er, wenn er erst 15 war.


Ich wusste nicht wirklich was ich davon halten sollte, denn ich wollte ja auch nicht, das meine kleine Schwester bereits mit 14 ihr gesamtes Leben wegschmiss und sich irgendeinen findigen Kerl suchte, der sie nur ausnutzte, ihr ein paar Geschlechtskrankheiten anhing, von den zahlreichen Nutten die er vögelte oder schlimmer noch ein Kind, indem er sie schwängerte.
Nein, dieses Schicksal sollte sie nicht ereilen und ich würde mich zusammen mit Kai definitiv dagegen wehren und diesem Weidner, wenn er es denn wirklich war auch mal zeigen, wo der Hase lang lief, denn das konnte er sicher nicht mit meiner Schwester machen.
Wild entschlossen machte ich mich auf den Weg zu dem Nachbarhaus und fand bald eine Klingel mit dem Namen “Weidner“ also war es doch dieser Stephan Weidner um den sich die ganzen Mythen rankten und ausgerechnet wir mussten auch noch neben dem wohnen, als wenn wir nicht schon genug Probleme hätten.
Die Haustüre stand offen und schnell hatte ich auch die richtige Wohnungstüre gefunden und hämmerte auch gleich mit den Fäusten dagegen.
Dem würde ich zeigen, was es bedeutete, wenn er meine kleine Schwester fickte, denn das tat keiner ungestraft solange sie noch so jung war.
Ich klingelte und hämmerte mit der anderen Hand weiterhin vehement gegen die Türe, was allerdings nur die Leute aus dem Haus auf den Schirm rief, aber keiner der Weidner´s, denn der ältere Typ den ich gesehen hatte, war dann wahrscheinlich der Vater dieses Ungeheuers.
,,Was machst du denn da?“, fragte eine ältere Dame mit Lockenwicklern auf dem Kopf und einem Baseballschläger in der Hand.
Bei dem Anblick wusste ich nicht, ob ich lachen oder doch lieber heulen sollte, denn wusste die Frau eigentlich nicht wie lächerlich sie aussah?!


Aber dummerweise war es eben die Oma, die ich halbnackt gesehen hatte, was mich dann doch eher zum weinen verleitete, als ich diesen Gedanken wieder in meinem Kopf hatte.
Sie trug einen rosafarbenen Morgenmantel und gleichfarbige Pantoffeln mit Rüschen.
,,Ich möchte zu Familie Weidner.“, sagte ich freundlich und musste mir dennoch ein Lachen verkneifen.“
,,Die sind nicht zu Hause. Also zumindest Herr Weidner nicht. Ich glaube aber sein Sohn Stephan ist da. Klopfen Sie doch mal an der Kellertüre, dort hat er sein Zimmer. Aber seien sie vorsichtig, das ist ein ganz fieser Bengel. Hat keine Erziehung genossen und dabei ist der Vater doch wirklich sehr autoritär. Also wenn Sie mich fragen, dann ist das sicher nicht der richtige Umgang für einen so nett aussehenden jungen Mann wie Sie.“, sagte sie und zwinkerte mir zu.
Das war dann wohl der Moment in dem ich am liebsten im Strahl kotzen würde, aber es einfach nicht konnte, weil ich noch nichts gegessen hatte.
,,Danke.“, sagte ich und machte mich dann auch schon fluchtartig auf den Weg in den Keller, um die Olle bloß nicht mehr sehen zu müssen, denn das war doch wirklich mehr als pervers und ekelhaft.
Kaum hatte ich diese Kellertüre erreicht von der die Olle gesprochen hatte und wollte auch dagegen hämmern, als mir auffiel, dass diese nicht richtig zu war und Stephan offensichtlich auch nicht alleine war.
Nur einen Spalt versuchte ich die Türe möglichst unauffällig zu öffnen, um einen Blick hineinzuwerfen und mich da mal ein bisschen umzusehen.


Stephan lag, zumindest oben ohne im Bett und war dort offensichtlich nicht alleine.
Ob er komplett nackt war, konnte ich nicht sehen, denn er hatte eine Decke über den unteren Teil seines Körpers gelegt und streichelte einer recht vollbusigen Blondine sanft über den Rücken, die sich eng an ihn geschmiegt hatte und undefinierbare Zeichen auf seinen Bauch malte.
,,Weißt du, ich wusste ja schon immer, das du was ganz besonderes bist, aber ich hätte nie gedacht, das du dann auch noch so nett und zuvorkommend bist. Du bist ein wahrer Gentleman und weißt einfach, was wir Mädels wollen.“, hauchte sie und Stephan grinste selbstgefällig vor sich hin.
,,Ich bemühe mich zumindest. Ich meine das Wichtigste ist doch, dass du glücklich bist, denn nur wenn du vollkommen zufrieden bist, kann ich es auch sein. Es würde mich wahnsinnig unglücklich machen, wenn ich wüsste, dass es dir schlecht gehen würde. Dann würde ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen um dich glücklich zu machen. Ich würde dabei sogar für dich sterben, wenn dich das glücklich machen würde.“, säuselte er und sein Gesichtsausdruck ließ deutlich erkennen, dass er keines der gesagten Worte ernst meinte.
Außerdem fragte ich mich, wieso er ihr das erzählte, denn hatte Kerstin nicht gesagt, dass er mit ihr zusammen war?
Wieso lag er dann jetzt mit einer Blondine im Bett und bekundete ihr seine Liebe, wenn er doch eigentlich meine Schwester liebte?
Er ging ihr bereits  am ersten Tag fremd und ich hatte keine Möglichkeit ihr das zu beweisen.
Einen Fotoapparat oder gar eine Videokamera konnten wir uns nicht leisten und würden wohl auch nie an den Reichtum kommen, dass wir das mal könnten.


Aber das spielte jetzt keine Rolle, denn ich wollte die beiden weiter beobachten und mehr Informationen bekommen.
,,Du bist ja soooo süß. Ich würde auch jederzeit für dich sterben, wenn es dich glücklich machen würde.“, sagte sie, hob den Kopf und blickte ihn mehr als verliebt an, was mich dann doch immer weiter dem Brechreiz entgegenbrachte.
,,Ich würde gar nicht wollen, dass du stirbst. Ich wüsste ja gar nicht, was ich ohne dich machen sollte. Du würdest mir so schrecklich fehlen, dass ich vor Kummer und Sehnsucht nie wieder lachen und glücklich sein könnte.“
,,Oh Stephan, du bist so süß. Ich liebe dich so sehr.“
,,Ich liebe dich auch, Baby. Apropos Kummer und Sehnsucht, ich muss bald arbeiten. Dann werde ich dich auch wieder schrecklich vermissen.“
,,Ich werde dich auch schrecklich vermissen. Hast du denn mal mit deinem Vater gesprochen, ob ich nicht vielleicht auch mal eine Nacht hier schlafen kann? Ich meine wir sind jetzt schon so lange zusammen und es wird doch auch mal Zeit, dass ich deinen Vater kennenlerne, oder?“
,,Ich habe es dir doch schon erklärt, Baby. Mein Vater hat ein Problem mit Frauen und ich will nicht, dass er seine miesen Seiten an dir auslässt. Das würde dich unglücklich machen und dann wäre ich es auch. Das willst du doch nicht, oder?“
,,Nein natürlich nicht, aber ich will auch mal eine Nacht mit dir verbringen.“
,,Das will ich auch und das können wir auch sicher bald. Ich werde versuchen so schnell wie möglich mit meinem Vater zu reden, versprochen.“
,,Na gut.“, sagte sie seufzend und schien überhaupt nicht zu merken, dass Stephan sie nach Strich und Faden verarschte und nichts von dem wirklich ernst meinte, so wie er es wahrscheinlich auch bei meiner Schwester getan hatte.


,,Sei nicht traurig. Lass uns die Zeit noch ein bisschen nutzen, bevor ich arbeiten muss. Immerhin sehen wir uns dann ja auch erst morgen Nachmittag wieder und das ist eine verdammt lange Zeit ohne dich.“
,,Morgen Nachmittag erst?“, fragte sie nicht wirklich begeistert und Stephan nickte.
,,Ja, ich muss ja auch noch ein bisschen schlafen. Ich werde dann wahrscheinlich erst am Nachmittag wach sein, aber dann habe ich bis ich wieder arbeiten muss auch Zeit für dich, versprochen.“
,,Okay.“, sagte sie und quiekte vergnügt als Stephan die Decke wegschlug und sie auf seinen Schoß zog.
Das wäre wohl der Moment gewesen in dem ich hätte gehen sollen, aber ich konnte mich nicht bewegen und starrte unablässig auf seinen Schwanz, zumindest solange ich ihn sehen konnte.
Er hatte verdammt viel zu bieten und das obwohl er erst 15 war, das musste ich ihm wohl lassen.
Stephan zog sie zu sich runter, küsste sie innig und drang währenddessen mit einem harten Stoß in sie ein, nachdem er sich ein Gummi über den Schwanz gezogen hatte.
Na immerhin schien er zu verhüten, ein weiterer Pluspunkt.
Beide stöhnten heftig auf und unterbrachen für diesen Moment ihren Kuss, bevor die Olle sich dann aufsetze und sich auf ihm zu bewegen begann.
Ich konnte es nicht länger mit ansehen und wollte es auch nicht wirklich, denn irgendwie schmerzte mir dieser Anblick und ich hatte keine Ahnung wieso.
Wahrscheinlich weil er so viele Frauen ficken konnte und ich hier nicht mal eine am Start hatte und dabei wäre es mir ja auch noch fast egal wer es war, wenn es nicht gerade die Oma hier aus dem Haus war, würde ich fast alles ficken was nach Frau aussah und ein angemessenes Alter hatte.


Ich spürte, dass sich bei diesem Anblick auch etwas in meiner Hose tat, aber ich konnte mir doch hier jetzt keinen runter holen.
Also rief ich mir erneut die Oma in den Kopf und kurze Zeit später erschien Kerstin auch schon vor meinem inneren Auge und spätestens da, war die Latte in meiner Hose auch wieder weg, denn meine Schwester gehörte definitiv nicht zu den Frauen die ich attraktiv fand und vögeln wollte.
Aber mir fiel eben auch ein, dass sie mir nicht glauben würde und ich auch keine Möglichkeit hatte, es ihr zu beweisen, es sei denn, sie würde es vielleicht mit eigenen Augen sehen.
Also versuchte ich mich so leise wie möglich davon zu schleichen, sodass die beiden nicht auf mich aufmerksam werden konnte, was sie aber ohnehin nicht tun würden, immerhin waren sie beschäftigt und rannte so schnell ich konnte rüber zu meiner Schwester in unsere Wohnung und auch gleich in ihr Zimmer.
,,KERSTIN!!!!“, brüllte ich aufgeregt, aber sie rührte sich nicht und schien nicht mal wach geworden zu sein.
Mit schnellen Schritten war ich an ihrem Bett und rüttelte sie.
,,Was willst du, Kai? Ich habe keine Lust auf Schule. Ich bin krank.“, nuschelte sie und drohe erneut einzuschlafen.
,,Nein, nicht Kai. Kevin. Du musst mitkommen. Ich habe einen Beweis dafür, dass Stephan dich betrügt. Nun komm schon.“
,,Lass mich schlafen Kevin. Stephan liebt mich und würde mich sicher nicht betrügen. Du hast schlecht geträumt oder Halluzinationen.“


Kerstin gähnte, zupfte ihre Decke richtig und schloss erneut die Augen und wollte wohl offensichtlich erneut wieder einschlafen.
Mit einem genervten Seufzen zog ich ihr die Decke weg und hielt mir dann auch gleich die Augen zu, als ich sah, dass sie nackt im Bett lag.
,,Sag mal bist du jetzt ganz bescheuert, du Penner? Was soll das?“, fragte sie empört und anhand ihrer Lautstärke und dem Winkel ihrer Stimme hatte sie sich offensichtlich aufgesetzt.
,,Verpiss dich aus meinem Zimmer und lass mich schlafen, du krankes Schwein!!!! Such dir gefälligst eine Schlampe die du ficken kannst, aber bestimmt nicht mich!!!!“, brüllte sie und zog, zumindest hörte es sich so an, die Decke wieder zu sich nach oben.
,,Hör mal zu, so redest du nicht mit mir, Fräulein!!!! Du stehst jetzt auf und kommst mit, denn ich will dich sicher nicht vögeln, aber ich kann dir sagen, das dein feiner Freund es gerade tut und das offensichtlich ja nicht mit dir!!!! Komm es dir ansehen und dann kannst du mich gerne nochmal beleidigen, denn das ist dann nicht mehr nötig, wenn du erst siehst, dass ich die Wahrheit sage!!!!“, brüllte ich ihr ebenfalls entgegen und hatte meine Hand sinken lassen um zu sehen, was sie tat während ich sie anschrie.
Vor allem aber dankte ich wem auch immer, dass sie die Decke wirklich wieder hochgezogen hatte und sich vor den Körper hielt, sodass ich nicht mehr als ihre Schultern, ihre Arme und ihr Gesicht sehen konnte.
,,Ich habe keine Ahnung wovon du da redest und welche Drogen du eingeworfen hast. Stephan betrügt mich sicher nicht, aber wenn du meinst, dann zeig mir deine ach so tollen Beweise, damit ich endlich schlafen kann. Du gibst ja doch vorher keine Ruhe.“
,,Dann musst du mitkommen.“, sagte ich nun wesentlich ruhiger.


,,Warte vor der Türe, ich ziehe mich an.“, sagte sie genervt und ich nickte, bevor ich den Raum verließ und sie sich anziehen ließ, während ich vor der Türe wartete.
,,Penn mir aber nicht wieder ein, klar?“, fragte ich und hörte Kerstin seufzen, die kurze Zeit später in Jeans und einem Top vor mir erschien.
,,Nein, bin ich wie du siehst nicht. Können wir jetzt bitte gehen?“, fragte sie und ich nickte, wild entschlossen ihr nun zu zeigen, dass ihr ach so toller Freund sie betrog.
Gemeinsam mit ihr machte ich mich auf den Weg ins Nachbarhaus und war der festen Überzeugung, dass Stephan die Olle immer noch vögeln würde, denn kein Mensch der Welt würde so schnell fertig sein und sich dann auch noch aus dem Staub machen können, dessen war ich mir sicher.
Lautlos, um möglichst nicht wieder die Olle über uns auf den Plan zu rufen schlich ich mich mit meiner Schwester im Schlepptau in den Keller, wo die Türe erneut nur angelehnt war.
Mit einem triumphierenden Blick deutete ich auf die Türe und bemerkte in meiner Überzeugung ihn nun im Flagranti zu erwischen überhaupt nicht, dass weder Gestöhne noch anderes aus dem Zimmer drang.
Kerstin, die einen Blick in das Zimmer geworfen hatte, verschränkte ihre Arme vor der Brust und sah mich nun abwartend an.
Fragend erwiderte ich ihren Blick und warf ebenfalls einen Blick in das Zimmer von Stephan und konnte nicht fassen, was ich da zu sehen bekam.
Er war alleine und saß angezogen auf seinem Bett, während er ein paar Videokassetten sortierte und durchsah, vollkommen harmlos und alleine.


Mit einem “Du bist wirklich unmöglich“ was sie mir fast schon lautlos zu raunte, ging sie an mir vorbei, ließ es sich nicht nehmen mich nochmal anzurempeln und ging dann wieder nach oben und verließ das Haus.
Sofort eilte ich ihr hinterher und konnte immer noch nicht glauben, dass er nun alleine war.
Wie konnte er die Olle denn so schnell wieder los werden und wieso sah er sich nun Videokassetten an?
,,Du bist wirklich unmöglich Kevin. Wieso kannst du mir mein Glück mit Stephan nicht einfach gönnen?“, fragte Kerstin und war den Tränen nah.
,,Wir lieben uns und du musst mir alles kaputt machen mit deiner dummen Eifersucht. Ich kann doch auch nichts dafür, dass du keine Olle abbekommst, aber es ist nicht fair, das du mein Glück jetzt so kaputt machst. Das habe ich wohl auch nicht verdient, oder? Sieh es ein. Stephan und ich gehören zusammen. Wir haben uns gesucht und gefunden. Wir sind füreinander geschaffen, das sagt Stephan übrigens auch und jetzt entschuldige mich bitte, aber ich würde gerne wieder ins Bett gehen.“, zischte sie, um nicht zu viele Nachbarn auf sich aufmerksam zu machen doch recht leise, aber laut genug, dass ich es hören konnte.
,,Kerstin, ich schwöre dir, der hat eine vollbusige Blondine gevögelt und mit ihr Liebeserklärungen ausgetauscht.“m beteuerte ich was ich gesehen habe, aber Kerstin lief mit einem empörten Schnauben wieder in unsere Wohnung und ließ mich vor der Haustüre der Weidner´s stehen.
Warum konnte sie mir denn nicht glauben?
Ich wusste doch, was ich gesehen hatte und das war sicher nicht so harmlos, wie das Bild was wir gerade gesehen hatten.
Er hatte diese Olle gefickt und ich hatte zugesehen, da war ich sicher.


Irgendwie würde ich das Kerstin auch noch beweisen können oder hatte ich mir das vielleicht wirklich eingebildet?
War ich wirklich schon so untervögelt, dass ich mir einbildete, dass er es trieb?
Das konnte ich mir einfach nicht vorstellen und so schob ich den Gedanken wieder beiseite.
Ich wusste was ich gesehen hatte und das war eindeutig und schlecht für meine Schwester, der ich auch gleich in die Wohnung folgte und sie in der Küche antraf.
Sie hatte sich ein Glas Wasser genommen und stand nun gegen den Küchenschrank gelehnt und trank dieses.
,,Wieso kannst du mir nicht glauben? Ich weiß doch, was ich gesehen habe.“, versuchte ich es erneut, aber Kerstin winkte sogleich ab.
,,Ich weiß auch, was ich gesehen habe, Kevin und das war das Stephan alleine war und sich scheinbar einen Film ansehen wollte. Das ist kein Verbrechen. Nicht jeder muss so früh ins Bett wie ich und ist auch nicht so früh müde. Stephan ist es durch seine Arbeit sowieso gewöhnt und hat einen anderen Tag – Nacht – Rhythmus als wir, aber das ist doch wohl auch kein Verbrechen, oder? Jetzt lass mich bitte in Ruhe, denn ich möchte schlafen.“, sagte sie, stellte ihr Glas weg und wollte an mir vorbei gehen, kam allerdings nicht weit, denn ich hielt sie am Handgelenk zurück.
,,Nein, ich werde dich nicht in Ruhe lassen und zwar solange nicht, bis du endlich einsiehst, dass dieser Kerl da drüben dich nach Strich und Faden verarscht und hintergeht!“, schrie ich sie an und Kerstin riss sich von mir los, denn ich hatte ihr Handgelenk nicht losgelassen, während ich ihr in die Augen blickte und ihr es auf diese Art und Weise versuchte klar zu machen.


,,Es reicht Kevin Richard Russell. Komm mit, verdammt.“, sagte sie mit einer Wut in den Augen die ich noch nie an ihr gesehen hatte und sie hatte mich auch noch nie bei meinem vollen Namen genannt.
Sie wusste, dass ich das hasste, denn meine Mutter, sowie mein Vater taten es meistens wenn ich etwas ausgefressen hatte und eine Bestrafung anstand oder wenn mein Vater grundlos sauer war und einfach einen Ersatz für einen Boxsack suchte, denn dann war ich auch derjenige der herhalten musste und wurde dann netterweise mit meinem vollen Namen gerufen, sodass ich mich seelisch darauf vorbereiten konnte, mal wieder eine Tracht Prügel einstecken zu müssen, ob verdient oder nicht, es wurde getan.
Kerstin hatte mich nun an die Hand genommen und zog mich hinter sich her zurück zu Stephan´s Haus und dann auch wieder runter in den Keller, wo Stephan immer noch alleine auf dem Bett saß, sich mittlerweile eine Zigarette angezündet hatte und sich immer noch zahlreiche Videokassetten ansah.
,,Warte hier.“, flüsterte Kerstin leise und drückte mich dann hinter die Türe, was ich mit einem verwirrten Blick quittierte.
Kerstin bedachte mich noch einmal mit einem strafenden und durchdringenden Blick, während sie die Türe öffnete und zu Stephan nach drinnen ging.
,,Hey Liebling.“, sagte sie und ihre Stimme klang ehrlich erfreut den Kerl wiederzusehen.
Sie schloss die Türe hinter sich wieder so weit, dass ich alles sehen konnte und ich nutzte die Chance auch gleich und stellte mich wieder in Position um die beiden zu beobachten und das Geschehen bloß mitzubekommen.
,,Hey Baby.“, sagte Stephan, legte die Videokassetten auf Seite, stand auf und begrüßte meine Schwester mit einer Umarmung und einem innigen Kuss, was mich fassungslos den Kopf schütteln ließ, denn Kerstin erwiderte diesen auch noch.


,,Wolltest du nicht schlafen?“, fragte Stephan ehrlich überrascht als sie den Kuss gelöst hatten und Kerstin nickte.
,,Ja, das wollte ich auch eigentlich, aber ich habe dich schrecklich vermisst und hatte einen wirklich miesen Traum. Ich musste einfach nochmal rüber kommen und mich vergewissern, dass es wirklich nur ein Traum war.“
,,Was hast du denn geträumt?“, fragte Stephan und zog sie mit sich zu dem Bett und dort auch gleich auf seinen Schoß, wo er sanft und als wäre es das normalste von der Welt seine Arme um sie schlang und sie aufmerksam anblickte.
,,Ich weiß auch nicht wie ich darauf komme und wahrscheinlich ist es auch totaler Schwachsinn und einfach nur übertriebene Eifersucht, aber ich habe geträumt, dass du mir das alles nur vorspielst und das du mich betrügst. Das du mich gar nicht wirklich liebst und das alles nur machst um mich ins Bett zu bekommen.“
,,Uff, das war wirklich ein mieser Traum. Da kann ich verstehen, dass du so aufgewühlt bist. Aber wie du siehst, war wirklich alles nur ein böser Traum und ich betrüge dich auch nicht. Ich liebe dich und das schon seit ich dich das erste Mal gesehen habe. Als ihr nebenan eingezogen seid. Erinnerst du dich? Es war Liebe auf den ersten Blick, so etwas wirft man doch nicht einfach so weg.“
,,Nein, da hast du Recht. Ich liebe dich doch auch, aber ich hatte einfach Angst, das es war sein könnte und das es nicht nur ein Traum war. Du bist meine große Liebe und ich will dich doch nicht verlieren.“
,,Du bist auch meine große Liebe und du wirst mich nicht verlieren, dafür werde ich sorgen. Wir beide gehören doch zusammen und sind füreinander bestimmt.“


Mir drehte sich der Magen um, so viel Heuchelei und meine Schwester fiel da auch noch drauf rein, das konnte doch wohl wirklich nicht wahr sein.
,,Meinst du wirklich?“, fragte sie unsicher und in dem Moment keimte ein kleiner Funke Hoffnung in mir auf, dass sie vielleicht doch nicht so naiv war, wie sie sich gab.
,,Baby, natürlich weiß ich das. Ich meine schau dich an. Du hast alles was ein Mann sich wünscht. Du bist heiß, intelligent, gebildet, kultiviert, du weißt genau, wie man einen Mann um den Finger wickelt und wie er in deinen Händen zu weicher Butter in der Sonne wird. Wer mit dir zusammen ist, der muss verdammt eifersüchtig sein, bei so einer perfekten Frau wie dir. Ich meine du könntest jeden haben. Viel bessere als mich, die dir viel mehr bieten könnten als ich und selbst wenn es nicht bis ans Lebensende halten wird mit uns, und glaub mir ich würde alles dafür tun, dass es das tut, dann bin ich verdammt stolz und glücklich eine so perfekte Frau an meiner Seite gehabt zu haben. Aber Baby, wir sind Seelenverwandte. Du bist das, was ich immer wollte. Die perfekte Frau. Du hast alles um mich glücklich zu machen und ich hoffe, dass wir uns nie wieder trennen werden und den Rest unseres Lebens gemeinsam verbringen. Irgendwann heiraten und Kinder bekommen und dann wirst du sehen, steht uns die Welt offen und bis dahin werde ich dir jeden einzelnen Stern persönlich vom Himmel holen und dir vor die Füße legen. Dir jeden Wunsch von den Augen ablesen, denn nur wenn du glücklich bist, meine wundervolle Schönheit, dann kann ich es auch sein.“, sagte Stephan, blickte ihr tief in die Augen und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hinter das Ohr.
,,Das hast du wirklich süß gesagt. Aber mit dir an meiner Seite kann ich doch nur glücklich sein. Du bist eben der perfekte Mann und ich liebe dich.“, sagte sie und steckte diesem Idioten doch tatsächlich erneut die Zunge in den Hals.


Wer weiß wo die schon überall war und was der für Krankheiten hatte.
Der Kerl war doch wie ein streunendes Tier und fickte alles, was gerade da war und dabei konnte man sich ja bekanntermaßen so einiges einfangen.
,,Was machst du denn hier so ganz alleine?“, fragte Kerstin dann nachdem sie den Kuss gelöst hatten und Stephan zuckte die Schultern.
,,Nichts besonders. Wollte mir einen Film ansehen. Hatte noch keine Lust ins Bett zu gehen, bin noch nicht wirklich müde. Wenn du möchtest können wir aber gerne noch zusammen einen Film schauen. Mein Dad ist nicht da und er hat oben in seiner Wohnung auch einen Kassettenrekorder.“
,,Echt? So was habt ihr hier?“, fragte Kerstin und schien ehrlich begeistert.
,,Klar, wenn du möchtest können wir gerne hochgehen. Ich kann aber auch alles runter holen und wir machen es uns hier bequem.“
,,Nein, nach oben gehen klingt gut. Da habt ihr sicher auch eine Couch oder so, auf der man es sich bequem machen kann.“
,,Klar haben wir die. Die besten Filme sind sowieso oben bei meinem Dad. Willst du vielleicht einen Horrorfilm schauen?“
,,Klar, gerne.“, sagte Kerstin begeistert und ich verstand die Welt nicht mehr, seit wann bitte sah meine Schwester sich denn gerne Horrorfilme an?
Stephan hob die Kleine hoch und trug sie dann zur Türe, hinter der ich mich so gerade noch verstecken konnte, um nicht erwischt zu werden.
Die beiden gingen nach oben in die Wohnung von Stephan´s Dad und da fiel dann auch kurze Zeit später die Türe ins Schloss und ich hatte zumindest von drinnen keine Möglichkeit mehr die beiden irgendwie zu beobachten.


Da die Wohnung aber im Erdgeschoss lag, würde ich es dann eben mal von außen versuchen und konnte da vielleicht noch das ein oder andere entdecken.
Also ging ich nach draußen und versuchte um das Haus zu kommen, was mir nachdem ich über einen kleinen Holzzaun geklettert war dann auch gelang und versuchte irgendwie in die Fenster der Wohnung zu blicken, aber Stephan war nicht dumm und hatte sich scheinbar gut abgesichert, denn vor jedem Fenster waren Rollos und diese waren natürlich auch zu.
Also blieb mir in dem Moment nichts anderes übrig als den Rückzug anzutreten und nach meinem Bruder zu suchen oder zu warten, bis dieser irgendwann nach Hause kam, damit ich wenigstens den zur Rede stellen konnte und er dann vielleicht auch schaffte unsere Schwester aus den Klauen dieses Monsters zu befreien.
Seufzend ging ich also zurück nach Hause und schloss gerade die Haustüre auf, als ich lautes Poltern in der Küche hörte.
Neben der Haustüre hatte ich einen Baseballschläger deponiert, falls mal einer klingeln kommen würde, der sich eine Tracht Prügel verdient hatte.
Diesen schnappte ich mir jetzt und hielt ihn zum schlagen bereit, als ich vorsichtig in die Küche ging, denn ich musste hier in diesem Rattenloch auf alles und jeden gefasst sein.
Allerdings ließ ich das Holz auch gleich wieder sinken, als ich sah, wer bei uns in der Küche stand.
Es war meine Mutter, die sich scheinbar gerade mal wieder nach Hause verirrt hatte, obwohl sie eigentlich zur Nachbarin wollte.
Wahrscheinlich hatte sie an ihrem Kiosk mal wieder nichts mehr zu trinken bekommen, weil sie kein Geld mehr hatte und versuchte jetzt hier in der Wohnung ihre Geheimversteck zu plündern, die wahrscheinlich auch schon alle leer waren, denn immerhin hatten wir mal wieder Ende des Monats und da war alles knapp.


,,Mum, was machst du denn hier?“, fragte ich und stellte den Baseballschläger zur Seite.
,,Ich wollte mir nur ein Glas aus dem Küchenschrank holen, aber dabei ist mir ein Teller runter gefallen. Wieso habt ihr denn noch nicht gespült?“
,,Das wollte ich jetzt machen. Geh ins Bett, ich bringe dir ein Glas.“
,,Nein, ich muss noch rüber. Wir haben uns heute Abend verabredet und wollten ein bisschen über alte Zeiten plaudern. Ich war sicher, dass ich noch eine Flasche Sekt hier gehabt habe. Weißt du, bei einem Gläschen Sekt lässt es sich doch besser reden.“, sagte sie als wäre es das normalste von der Welt und als würde es auch nur bei einem Gläschen bleiben.
Dem war nicht so und sie trank mehrere, viele Gläschen, bis sie so dicht war, das sie Schubkarre mal wieder zum Einsatz kommen musste.
,,Dann geh meinetwegen rüber, aber übertreib es nicht wieder so, Mum.“
,,Wie redest du denn mit mir? Wenn das dein Vater hören würde, der würde sich schämen.“
,,Ich weiß, Mum, ich weiß.“, sagte ich seufzend und blickte dabei zu, wie sie schon deutlich schwankend den Raum und anschließend auch das Haus verließ und wahrscheinlich jetzt mal wieder zu der Nachbarin ging um sich da erneut volllaufen zu lassen.
Es war wirklich zum verzweifeln, meine Schwester fickte den schlimmsten Kerl der Welt, mein Bruder war weg und keiner wusste wo und meine Mutter war jetzt schon so dicht, dass sie kaum noch gerade stehen konnte, ein perfekter Tag.


Seufzend lehnte ich meinen Kopf gegen den Hängeschrank, war bei 1,80 Körpergröße auch kein Problem war und stellte das Wasser in der Spüle an, damit es sich sammeln und ich spülen konnte.
Für einen Moment schloss ich die Augen, lauschte dem monotonen Rauschen des Wassers in der Spüle und den plätschernden Geräuschen, die es dabei machte.
Träumte mich weit weg von hier, in eine andere Welt, wo es warm war, mit einem Strand, einem so klaren blauen Meer, wie man es sonst nur aus Filmen kannte und ganz vielen heißen Bikinischönheiten, die sich natürlich alle nur um mein leibliches Wohl kümmerten.
Eine konnte mir dann Luft zu wedeln, mit einem Palmenzweig, die andere konnte mir dann immer wieder etwas zu trinken holen und mich mit den herrlichsten Speisen füttern, die ein Koch nur für mich zubereiten würde und mindestens eine weitere war dann dazu da mich immer zu befriedigen, wann immer ich das wollte.
Wenn mir dann der Sinn danach stand, konnte ich sie ja auch alle zusammen ficken, oder nacheinander, denn potent genug war ich auf jeden Fall dafür.
Oh ja, der Gedanke gefiel mir und ich konnte das Meer und den warmen Strand fast schon an meinen Füßen spüren, ein traumhafter Gedanke, indem alles so unbeschwert und schön war.
Ganz anders wie die tristen Tage in Deutschland, Frauen die nicht mal im entferntesten so aussahen wie die Bikinischönheiten in meiner Fantasie, trockenen Nudeln und einer mehr als hirnrissigen Familie.
Durch einen dumpfen Schmerz an meinem Kopf wurde ich wieder ins Hier und Jetzt geholt und sah mich verwirrt um.
Kai stand neben mir und hielt sich den Bauch vor lachen.
,,Lange nichts mehr gefickt, hä? Außerdem solltest du statt in die Hose zu pinkeln vielleicht lieber auf Toilette gehen.“, sagte er immer noch lachend.


Ich hatte kein Wort verstanden und erst als ich an mir runter blickte, wusste ich, was er meinte und was ihn so zum lachen gebracht hatte.
Die Vorstellung der Bikinischönheiten hatte deutliche Spuren im Sinne einer Latte hinterlassen und während ich so vor mich hin geträumt hatte, war das Spülbecken übergelaufen und hatte meine Hose erwischt, da ich doch recht nah an dem Schrank stand.
Dummerweise lag aber auch eine riesige Wasserlache auf dem Boden und ich konnte nicht anders, als über meine eigene Dummheit den Kopf zu schütteln.
Seufzend schaltete ich das Wasser aus und ließ einen Teil davon wieder ab, bis es genug war zum spülen, aber nicht mehr überlief.
,,Das war das Wasser und das weißt du auch. Ich pinkel mir sicher nicht in die Hose.“, sagte ich bissig, was Kai nur noch mehr zum lachen brachte.
,,Das hätte ich jetzt auch gesagt. Alles klar, Kev. Reden wir nicht mehr drüber. Unfälle passieren, ich meine dazu musst du doch nur in den Spiegel gucken.“, sagte er immer noch lachend und verließ dann die Küche und ging ins Wohnzimmer.
Seufzend blickte ich ihn hinterher und wieder einmal wurde mir bewusst, wieso ich diesen Kerl so hasste und das obwohl er mein Bruder war, oder vielleicht auch gerade deswegen.
Ich versuchte die Wut zu unterdrücken und spülte stattdessen das, was von dem Geschirr noch übrig geblieben war und nicht beim Mittagessen oder dank meiner Mum zu Bruch gegangen war.
Dabei hatten wir davon doch ohnehin schon nichts im Überfluss.


Auch Geschirrtücher hatten wir keine, also hatte ich schnell gespült, denn ich ließ alles von alleine trocknen und wollte mir stattdessen jetzt nochmal Kai vornehmen und ihn zur Rede stellen, wegen Kerstin, denn der konnte doch wohl wirklich nicht glauben, dass dieser Weidner gut für unsere Schwester sei.
,,Wir müssen reden.“, sagte ich kaum das ich das Wohnzimmer betreten hatte, ignorierte, dass er sich mal wieder einen runter holte, denn er hatte scheinbar keine anderen Hobbys wenn er zu Hause war und setzte mich trotz nasser Hose auf die Couch neben ihn.
,,Sag mal geht es dir zu gut? Ich bin beschäftigt und habe sicher keine Lust mich jetzt mit dir zu unterhalten. Komm später wieder, wenn es sein muss.“
,,Nein, wir reden jetzt, denn dein Schwänzchen kann auch mal ein paar Minuten warten, immerhin geht es um unsere Schwester und das sollte dir schon was bedeuten.“
,,Tut es aber nicht und jetzt würde ich gerne weitermachen, wenn es dir recht ist.“, sagte er und begann seine Bewegungen mit der Hand wieder aufzunehmen, die er unterbrochen hatte, als ich das Zimmer betreten hatte.
,,Ich will jetzt reden, du Saftsack!“, sagte ich nun deutlich aggressiver, was Kai nur noch lauter stöhnen ließ.
,,Ja, beleidige mich weiter. Da geht mir voll einer ab.“, stöhnte er und ich blickte ihn angewidert an.
Der konnte doch nicht geil davon werden, wenn sein Bruder ihn beleidigte.
Was stimmte mit dem Kerl nicht und in welch einer kranken Familie lebte ich eigentlich?
In dem Moment sah ich mir keinen anderen Ausweg und schlug mit aller Kraft die ich aufbringen konnte auf seinen Schwanz ein, was Kai schmerzerfüllt schreien ließ.


,,Sag mal spinnst du jetzt total oder was?“, schrie er spitz und sprang auch gleich auf, um sich vor meinen Schlägen zu schützen und legte seine Hand auf seinen Schwanz.
,,Gut, jetzt wo ich deine volle Aufmerksamkeit habe, es geht wie ich bereits sagte um Kerstin.“
,,Ich habe jetzt andere Probleme als diese dumme Kuh! Ich muss ins Krankenhaus! Du bist wohl von allen guten und bösen Geistern verlassen oder?“, fragte Kai völlig perplex, was mich dann doch grinsen ließ, denn so fassungslos hatte ich ihn in 15 Jahren noch nicht erlebt.
Aber statt ihn gehen zu lassen drückte ich ihn auf die Couch, setzte mich ihm gegenüber auf den Tisch und stellte meinen Fuß auf seinen Schwanz.
Eigentlich kein Problem, wenn ich zu diesem Zeitpunkt keine Springerstiefel angehabt hätte und bei jedem Mucks den er machte und der nichts mit dem Thema zu tun hatte, den Druck der Sohle auf sein bestes Stück erhöhte.
Vielleicht ein bisschen sadistisch, okay, aber so hatte ich wenigstens seine ungeteilte Aufmerksamkeit und konnte ihn auch zumindest für den Moment in seine Schranken weisen, denn alles musste ich mir sicher nicht gefallen lassen, auch nicht von meinem Bruder und auch nicht, wenn er zwei Jahre älter war als ich.
,,Also, es geht immer noch um Kerstin. Hast du ihr erlaubt was mit diesem komischen Weidner anzufangen?“
,,Das geht dich....“, begann er seinen Satz, in viel zu schroffem Ton weshalb ich ihn nicht ausreden ließ, sondern gleich den Druck meiner Schuhe erhöhte.
,,Hast du Kerstin erlaubt etwas mit dem Weidner anzufangen?“


,,Ja, habe ich. Stephan ist ein toller Kerl und er ist genau das Richtige für Kerstin. Ein Kerl, die sie irgendwann auch mal zu einer richtigen Frau machen kann und nicht zu so etwas wie Mum. Sie soll lernen Respekt zu haben und vor allem zu gehorchen. Stephan ist da genau der Richtige und ich bin sicher, das er ihr schon beibringen wird, wie man sich zu benehmen hat und was man darf und was nicht. Außerdem hat Stephan Erfahrung im Bett, von ihm kann sie noch einiges lernen. Hab mich mal so umgehört und die Weiber die schon was mit ihm hatten, schwärmen alle in den höchsten Tönen von ihm. Wieso soll die Kleine dann nicht auch mal ein bisschen Spaß haben? Außerdem ist Stephan sehr zuvorkommend und charmant. Die perfekte Mischung aus Badboy und Gentleman. Eben genau das, was Kerstin braucht und was ihr auch sicher gut tun wird.“, sagte Kai und schien von dem was er sagte auch noch vollkommen überzeugt zu sein.
,,Das glaubst du doch wohl bitte nicht selber, oder? Er fickt andere Frauen, obwohl er Kerstin ja angeblich so sehr liebt, macht ihnen ähnliche Liebeserklärungen wie unserer Schwester und scheint nicht mal einer Frau treu zu sein. Kerstin ist erst 14 und muss sicher nicht jetzt schon wie eine Schlampe durch die Weltgeschichte vögeln oder glaubst du wirklich, dass so ein Arschloch wie der Weidner es ist der perfekte Kerl ist für ein unvergessliches erstes Mal?“
,,Ja, das glaube ich schon, denn der Sex mit Stephan ist unvergesslich, wenn man den Damen Glauben schenken darf.“
,,Du hast es nicht verstanden, oder? Er nutzt sie nur aus, als ein billiges Sexspielzeug und wenn er keinen Bock mehr auf sie hat oder was besseres gefunden hat, dann schießt er sie in den Wind. Der Kerl fickt Huren in einem Puff! Ist dir das eigentlich klar?“, fragte ich fassungslos und sah, dass Kai das offensichtlich auch noch alles lustig fand, denn er hatte ein süffisantes Grinsen im Gesicht.


,,Du findest das wohl auch noch komisch, was?“, fragte ich wütend und um dieser Wut Ausdruck zu verleihen, erhöhte ich auch gleich den Druck von meinem Fuß, was Kai ein schmerzerfülltes Keuchen entfahren ließ.
,,Stephan stößt sich ein bisschen die Hörner ab, da ist doch nichts bei. Man Kev, das haben wir alle getan, oder warst du etwa noch nie im Puff oder hast eine Frau ausgenutzt? Bitte, der Kerl ist jung und braucht das, das gehört zum Erwachsenwerden einfach dazu und wenn du ehrlich bist, dann geht es dir nicht anders. So sind wir Männer nun mal. Schwanzgesteuerte Idioten, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und macht uns das jetzt zu schlechteren Menschen? Nein! Und weißt du auch warum nicht? Weil die Weiber genau das wollen. Die wollen einen Kerl der gut aussieht, nachdem sich alle Weiber umsehen, aber sie dann mit Stolz sagen können `Das ist meiner´ die Weiber wollen aber auch einen Kerl, der böse ist und der dann vielleicht auch mal im Puff ein paar Huren nudelt oder eben mal mit dem Bullen nach Hause kommt. Aber sie wollen auch einen Kerl der charmant und nett ist und der ihnen zumindest sagt, dass er alles für sie tun würde, weil die Weiber genau das hören wollen. Dann sind sie weich wie heißer Wachs und du kannst sie nach belieben benutzen, wann immer du willst und wir sollen jetzt die Schweine an der Sache sein? Weil wir im Endeffekt doch nur das tun, was die Schlampen von uns erwarten? Du musst noch viel lernen in deinem Leben, aber glaub mir, diese Erkenntnis wirst du auch noch erlangen und dann wirst du nicht anders sein, als Stephan. Er hat es eben einfach nur schon früher verstanden. Frühreif oder so. Aber ja, ich glaube schon, das er alles hat, was Kerstin braucht um glücklich zu sein und ein gutes Leben zu führen.“


,,Du hast echt ein verklärtes Weltbild. Dazu fällt mir nichts mehr ein. Du bist wirklich ein krankes Schwein und so bemitleidenswert, wenn du so denkst.“, sagte ich mit einem Kopfschütteln, ließ meinen Fuß sinken und ging in mein Zimmer.
Hinter mir schloss ich die Türe ab, auch wenn das nicht nötig war, denn Kerstin war immer noch bei Stephan und als ich kurze Zeit später dann auch noch die Haustüre hörte, wusste ich, dass Kai sich wegen seinem Schwänzchen jetzt entweder bei Stephan aus heulte, oder tatsächlich ins Krankenhaus ging.
Sollte er nur machen, denn so hatte ich wenigstens meine Ruhe und konnte mir das Geschehene und vor allem das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
Sicher hatte auch ich schon die ein oder andere Frau gehabt und hab sie auch oftmals überredet und um den Finger gewickelt, um mit mir zu vögeln, aber ich hatte  es nie so übertrieben getan, wie Stephan oder Kai.
Ich hatte es auch nie nötig einer Frau die große Liebe vorzugaukeln, wenn ich sie nur flachlegen wollte.
Da war ich eben ehrlich und direkt und hab es ihr auch gesagt.
Sicher führte das auch öfter dazu, dass ich die Frau dann eben nicht in mein Bett bekam, aber dann habe ich es bei einer anderen versucht und irgendwann hatte ich dann immer eine, die doch ja gesagt hat und die auch mit einem One – Night – Stand einverstanden war.
Im Puff war ich nie und das hatte ich bis jetzt auch nicht nötig.
Trotz Hamburger Junge und trotz, dass die Reeperbahn auch für mich was besonderes war und ich auch oft da gewesen war, hatte ich es nie nötig gehabt, eine Frau für Sex zu bezahlen oder umgekehrt.
Aber wenn ich so darüber nachdachte, fragte ich mich wirklich, ob ich nicht normal war, oder ob mein Bruder nicht normal war.
Hatte ich das sogenannte “Erwachsenwerden“ noch nicht erreicht?


Immerhin war ich doch schon 17 und konnte doch nicht so viel in meinem Leben verpassen.
Eigentlich hatte ich bis dahin immer gedacht, dass meine Weltsicht die richtige sei und das es irgendwo vielleicht doch die richtige Person gab, aber die Worte meines Bruders hatten mich verunsichert, auch wenn ich das vor ihm oder auch vor anderen nicht zugeben würde, so wusste ich doch langsam auch nicht mehr, was noch richtig war.
Musste man sich die Hörner abstoßen?
Frauen ausnutzen, verarschen und belügen um erwachsen zu werden?
Sie benutzen wie es einem beliebte, weil sie es auch noch mochten?
Das alles klang so unglaublich falsch, aber wie sollte ich denn wissen was richtig war?
In meinem Leben hatte ich leider keinen Vater mit dem ich reden konnte und mein Bruder war mir bekanntermaßen auch nicht immer eine Hilfe, eher im Gegenteil, denn er stand mir oft im Weg und an ihm vorbeikommen war schwer, beinahe unmöglich.
Auch er hatte es geschafft hier schnell Anschluss zu finden, während ich immer noch alleine zu Hause saß.
Selbst meine kleine Schwester hatte es geschafft ein paar Mädels kennenzulernen und sich sogar einen Freund zu angeln, auch wenn das eher sehr fragwürdig war.
Aber es ging doch ums Prinzip, denn ich musste mir die Frage stellen, wieso denen das gelang und mit nicht, war ich denn wirklich so abnormal?


Mit der Hand fuhr ich mir durch die Haare und hatte keine Ahnung, was ich tun sollte.
Wie gerne hätte ich jetzt jemanden gehabt, mit dem ich reden konnte.
Es musste ja nicht unbedingt mein Vater sein, aber ein guter Freund wäre wahrscheinlich auch die bessere Lösung gewesen.
Aber wie sollte ich so schnell an den dran kommen, wenn ich doch keine Ahnung hatte, wie man hier Leute kennenlernte?!
Ich wusste ja nicht mal, ob es hier außer meiner Geschwister und Stephan noch andere Menschen in meinem Alter gab und wo die sich immer aufhielten, denn gesehen hatte ich hier keinen.
Gut es war auch schwer, weil ich doch selten rausging, aber ich wollte diese ganzen alten Säcke auch nicht mehr sehen und von denen gab es hier in diesem Nest weiß Gott genug.
Seufzend stand ich dann aber doch auf, wechselte meine Hose, da diese immer noch nass war und entschloss mich dann eben auch noch etwas vor die Türe zu gehen.
Vielleicht hatte ich ja heute Glück und würde vielleicht jemanden auf der Straße treffen, dem ein ähnliches Schicksal erteilt wurde wie mir.
Oder ich schaffte es vielleicht endlich etwas aufzutreiben, was man vögeln konnte, denn das war auch einer der Dinge, die ich so aus Hamburg nicht kannte.
Da fand man wirklich viele Mädels in meinem Alter, die Vögelbar waren.
Mal schöner und mal nicht so schön, aber ein Loch was gestopft werden konnte, hatten sie immer und mehr war bei einem One – Night – Stand auch nicht wichtig.
Zwänge und Dränge befriedigen und danach sah man sich nie wieder, schnell und unkompliziert, so wie ich es mochte, aber hier war einfach alles anders.


Ich verließ die Wohnung, nachdem ich mir noch einen Schlüssel eingesteckt hatte und machte mich auf den Weg durch die Straßen.
Auf der Suche nach einem Zigarettenautomat, denn diese wurden Ende des Monats auch mal wieder knapp und so konnte ich wenn ich die leer machte, je nach Füllmenge des Automaten´s, einige Zeit überbrücken.
Mittlerweile war es dunkel geworden, was mir mehr als gelegen kam, denn dann waren hier kaum noch Leute auf der Straße und ich konnte mein Vorhaben leichter in die Tat umsetzen.
Eine ganze Weile streifte ich wie ein wildes Tier durch den Dschungel, durch die Straßen Hösbach´s und wusste nicht wirklich wohin.
Immer auf der Suche nach Beute, aber auch auf der Lauer vor potentieller Gefahr für mich, wie Bullen oder zu neugierige Nachbarn, die am Fenster saßen und irgendwie ihre Augen überall hatten und alles sahen und gleich bei dem kleinsten Mucks der nicht normal war die Bullen riefen.
Denn auch das erzählte man sich zumindest, passierte hier auch öfter, als es allen Beteiligten lieb war.
Mein Weg führte mich erneut an dem Spielplatz vorbei, an dem ich die erste Begegnung mit Stephan hatte.
Allerdings war dieser leer, soweit ich sehen konnte, denn die Laterne, die direkt an der Tischtennisplatte steht, war immer noch nicht wieder an.
Entweder sie war schon kaputt, oder Stephan hatte sie irgendwie kaputt gemacht, als er an dem Abend auf Kai wartete.
Sollte mich aber auch nicht stören, denn das war nicht mein Ziel.


Also streifte ich weiter durch die Straßen und fand bald auch endlich einen Zigarettenautomat, der nicht von so vielen Häusern umgeben war.
Die Laterne die den Automaten beleuchtete, trat ich mit einem gekonnten Tritt nachdem ich mich vergewissert hatte, dass es keiner sehen konnte aus und brauchte nicht lange, da war der Automat auch schon geknackt und ich konnte die Packungen entnehmen.
Scheinbar war, wer auch immer, wenigstens was das betraf auf meiner Seite, denn der Automat schien vor kurzem erst aufgefüllt worden zu sein.
Wunderbar, denn sofort begann ich hastig und dennoch lautlos die Packungen aus dem Automaten zu ziehen und in meinen Jacken und Hosentaschen verschwinden zu lassen.
Möglicherweise gingen hier aber auch einfach nicht viele Leute hin, da er doch ziemlich abgelegen stand, aber mir sollte es egal sein, denn das hier war für mich so etwas wie ein Jackpot und immerhin war bis es endlich neues Geld gab, zumindest die Quelle abgedeckt.
Nachdem ich alle Packungen verstaut hatte, machte ich mich so schnell ich konnte aus dem Staub, achtete dabei aber trotzdem darauf nicht zu auffällig und zu schnell weiter zu kommen, damit ich keinen Verdacht erregte und ging weiter die Straße entlang.
Ich kam an einen Teil des Ortes, an dem ich vorher noch nie gewesen war und dabei dachte ich eigentlich hier schon alles gesehen zu haben.
Aber was besonders meine Aufmerksamkeit erhaschte war ein Park, der hier lag und scheinbar Menschenleer war.
Entschlossen ging ich dorthin und betrat den Park, denn hier konnte ich eine Pause machen, eine rauchen und weiter in Ruhe nachdenken und mein weiteres Vorhaben planen.


Der Park war nicht besonders groß, beherbergte aber dennoch einige dunkle Ecken,  in denen man nicht sofort erkennen konnte, ob sich dort vielleicht doch jemand aufhielt.
Allerdings war nichts zu hören und auf der Suche nach einer Bank ging ich weiter.
Irgendwann entdeckte ich auch eine Bank, die allerdings nicht leer war, wie ich gehofft hatte, sondern jemand drauf saß.
Wer oder was es war, konnte ich aus der Entfernung noch nicht erkennen, also ging ich näher hin.
Je näher ich kam, desto mehr konnte ich von der Gestalt erkennen.
Zumindest wusste ich jetzt schon mal, dass es ein Kerl war und das es wahrscheinlich nicht Stephan war, denn der hatte ja immer noch mit Kerstin zu tun.
Auch vom Kleidungsstil, zumindest von dem, was ich davon erkennen konnte und von der Statur passte er nicht auf Stephan.
Wahrscheinlich würde er mir nicht mal was tun und wenn doch, würde ich ihm auch etwas tun, also ging ich entschlossen zu ihm und wollte ihn nach Feuer fragen, denn das hatte ich wie sollte es auch sonst sein, zu Hause vergessen.
Eine typisch nervende Angewohnheit, die mir immer passierte, wenn ich keine Kippen mehr hatte, denn dann dachte ich auch nicht an ein Feuerzeug, was ich ja nun mal ohne Kippen auch nicht brauchte.
,,Haste Feuer?“, fragte ich lässig und doch bestimmt, kaum das ich bei dem Typen angekommen war und zog vorsichtshalber die Hände aus den Jackentaschen um bereit zu sein, dem Kerl eine oder mehrere zu verpassen, wenn er aufmuckte.


Ohne ein Wort zu sagen reichte er mir sein Feuerzeug, was mich doch etwas verwunderte, ich es dann aber doch annahm.
,,Hast du vielleicht auch ne Kippe für mich?“, fragte er und wirkte irgendwie nicht so böse, wie man ihn hätte einschätzen können, wenn man bedachte wo er herkam und wo er gerade war.
Ich zog eine der Packungen die ich geklaut hatte aus meiner Jackentasche und reichte ihm samt Feuerzeug zurück, nachdem ich mir aus einer anderen Packung eine Zigarette angezündet hatte.
,,Kannste behalten.“, sagte ich als er beides annahm und er sah mich überrascht an.
,,Danke.“, sagte er ruhig und ich nickte, bevor ich mich neben ihn auf die Bank sinken ließ.
Irgendwie schien er ja ganz nett zu sein, wenn auch etwas schüchtern oder ängstlich oder was auch immer.
Aber das machte nichts, denn mir war es lieber, wenn sie so waren, statt aufmüpfig und gewaltbereit.
,,Was machst du denn hier so spät noch alleine im Park?“, fragte er und ich zuckte die Schultern.
,,War auf der Suche nach Menschen und du?“
,,Langeweile und schlechte Laune.“
,,Warum schlechte Laune?“
,,Weil ich mal wieder feststellen musste, dass das Leben ein Arschloch ist, was Menschen gerne in den Arsch fickt und ich bin eines seiner Opfer.“
,,Ziemlich depressiv. Was denn los?“, fragte ich und nutzte die Chance mir sein Vertrauen zu erkämpfen und auch um mich etwas von meinen Problemen abzulenken.


,,Meine Freundin hat mich verlassen, ich kenne hier keine Sau und da ich nicht das Gewaltpotential von anderen Menschen habe, die hier so rumlaufen, traue ich mich auch nicht jemanden anzusprechen.“
,,Klingt nach nem Arsch voll Problemen.“
,,Du brauchst mich nicht ernst nehmen und erst recht nicht verarschen. Es ist okay. Ich weiß, dass ich keine wirklichen Probleme habe, aber mir bedeutet das alles eben was.“
,,Ich hab das vollkommen ernst gemeint. Ich kann das verstehen. Alles scheiße. Willkommen im Club.“
,,Was machst du denn hier?“, fragte der Kerl dann und ich seufzte.
,,Um dir das alles zu erklären, bräuchten wir Stunden und da habe ich auch ehrlich gesagt keinen Bock drauf. Probleme sind für´n Arsch und interessieren mich nicht wirklich.“, sagte ich und versuchte einen auf unnahbar zu machen und dabei hätte ich mich doch wirklich am liebsten bei dem Kerl, dessen Namen ich nicht mal kenne ausgekotzt.
Vielleicht hatte der ja eine Lösung für meine Probleme und kannte Stephan.
Wobei er eben noch gesagt hatte, dass er keinen kannte, also wahrscheinlich auch Stephan nicht und das würde mich auch nicht weiterbringen.
,,Wieso hat denn deine Freundin mit dir Schluss gemacht?“, fragte ich stattdessen und wollte mich noch etwas für seine Geschichte interessieren, denn das war ja auch eine Art von Hilfe, wenn er mich ein bisschen von meinen Gedanken und Problemen ablenken konnte.
,,Ach sie hat gesagt ich sei ihr zu langweilig und sie suche eine Herausforderung.“


,,Das klingt ja nicht gerade nett.“
,,Ach, sie hat schon einen neuen, mir soll´s egal sein. Andere Väter haben auch schöne Töchter und davon werde ich mir jetzt eine suchen.“
,,Und deswegen sitzt du wie ein Trauerkloß hier rum? Weil es dir egal ist?“
,,Jap, wie ich bereits sagte ich habe Langeweile und zu Hause fiel mir einfach die Decke auf den Kopf. Ich komme abends und nachts öfter her, weil man hier eben auch mal Ruhe haben kann. Das brauche ich eben manchmal einfach mit meinen Geschwistern und so.“
,,Ja, das kenne ich zu gut, ich habe auch zwei, die mir im Moment Kopfzerbrechen bereiten. Aber das ist ein anderes Thema.“, sagte ich und wollte dieses Thema auch gleich wieder im Keim ersticken, bevor er nachfragen konnte.
,,Ich kann verstehen, dass du nicht mit mir über deine Probleme reden willst. Ich würde auch nicht mit fremden Kerlen über meine reden wollen.“
,,Aber das hast du doch gerade.“, sagte ich verwirrt und zog ein letztes Mal an meiner Kippe, die ich während der Unterhaltung geraucht hatte und schnippte sie dann in das Gras, was sich vor uns erstreckte.
,,So fremd bist du mir aber nicht. Ich habe dich öfter beobachtet auf dem Schulhof und wollte wissen, wer und wie du so bist. Man sieht einiges wenn man die Leute einfach nur beobachtet. Anhand ihrer Gestik und Mimik, aber auch an ihren Bewegungen und ihrem Tun, kann man schon viel über Menschen lernen und sie vor allem kennenlernen und zwar von der wahren Seite und nicht von dem, was sie vorgeben zu sein.“
,,Bist du Seelendoc oder so?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue und mein Gegenüber lachte.


,,Nein, bin ich nicht. Ich habe mir über die Zeit nur das ein oder andere beigebracht, eben auch, wie man in Menschen liest, wie in einem offenen Buch.“
,,Klingt spannend, kann man das lernen?“
,,Was? In Menschen zu lesen? Klar, das ist kein Hexenwerk. Man muss sich nur mit den Menschen beschäftigen. Sie beobachten und alles was sie sagen oder tun analysieren, was wirklich nicht schwer ist und dann weißt du auch schnell, wie ein Mensch wirklich tickt und wie er wirklich drauf ist. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt auch Menschen, bei denen es mehr als schwer ist und bei denen es länger dauert. Bei einigen klappt es gar nicht, weil sie einfach nicht offen und ehrlich sind und sich mit ihrem wahren Ich hinter einer dicken Mauer verstecken und sehr gutes schauspielerisches Talent besitzen.“, sagte er und schnippte seine Zigarette ebenfalls in das Gras und ließ den Qualm seinen Lungen entweichen.
,,Kennst du solche Leute?“
,,Ja, die habe ich auch schon gesehen. Aber früher oder später bröckelt jede Fassade oder verliert an Glanz und dann geht sie meistens von ganz alleine kaputt und dann hat man die Chance einen Blick auf die wahren Menschen zu werfen. Einige bleiben dann einfach wie sie sind und andere bauen dann eine neue Fassade um sich herum auf und schlüpfen in eine andere Rolle sozusagen.“
,,Also machen uns die Menschen nur etwas vor und sind überhaupt nicht so wie sie sich geben?“, fragte ich und war nun nur noch mehr verunsichert.
,,Es sind weiß Gott nicht alle, aber viele. Mit wie vielen Frauen hast du schon gevögelt? 100? 200? 500 oder mehr? Du musst mir die Frage nicht beantworten. Die Antwort wäre wahrscheinlich sowieso eine Lüge, weil Menschen zu Übertreibungen neigen, vor allem in unserem Alter, um gut und cool da zu stehen.“


Ich nickte, denn das leuchtete mir ein, denn auch ich hatte bis zu einer gewissen Anzahl an Frauen immer mehr genannt als ich wirklich hatte, wenn ich danach gefragt wurde, aber da hatte ich mir damals nie Gedanken drüber gemacht.
,,Leuchtet ein, was? Wie gesagt, man lernt mehr über die Menschen, wenn man sie einfach nur beobachtet. Mehr noch, als wenn man mit ihnen spricht.“
Auch wenn ich es nicht zugeben wollte und würde, so faszinierte mich der Kerl irgendwie, denn er hatte mit dem was er sagte Recht.
So war es wahrscheinlich bei Kai und Stephan auch, denn auch die beiden versteckten sich hinter einer Fassade, weil sie wahrscheinlich mehr Angst vor ihrem wahren Ich hatten, als alle anderen.
Es kam eben nicht gut an, wenn man doch nicht so ein draufgängerisches Arschloch war, sondern nett und freundlich.
Vor allem wenn man dann auch noch in Puffkreisen verkehrte, musste man den harten Macker raus hängen lassen und das obwohl Stephan vielleicht eigentlich überhaupt nicht so war.
Diese neue Erkenntnis traf mich wie der Blitz und ich hatte in dem Moment einiges klarer vor meinem inneren Auge, wofür ich dem Kerl auch unglaublich dankbar war, was ich ihm aber auch nicht sagen konnte und wollte.
,,Ich bin öfter hier, also solltest du irgendwann doch reden wollen, weißt du ja, wo du mich findest. Ich werde gleich nach Hause gehen. Ist schon spät und ich bin müde. Aber vielleicht treffen wir uns hier ja nochmal.“, sagte er und stand auf.
,,Das kann gut sein. Vielleicht komme ich ja nochmal her.“, sagte ich nickend und stand ebenfalls auf.
,,Bis dann.“, sagte er, drehte sich rum und ging mit langsamen Schritten den Weg entlang.


Auch ich machte mich dann auf den Weg in die Richtung in die ich gehen musste und hörte dann aber doch nochmal die Stimme des Kerls, der einen Namen sagte.
Peter oder so, wenn ich das richtig verstanden hatte.
,,Was?“, fragte ich verwirrt, blieb stehen und drehte mich zu dem Typen um, der ebenfalls nur wenige Meter von der Bank entfernt stehen geblieben war und mich anblickte.
,,Peter. Mein Name, aber du kannst mich auch gerne Pe nennen.“
,,Kevin.“, gab ich doch leicht überrascht zurück, denn nach seinem Namen hatte ich überhaupt nicht gefragt, wie mir gerade bewusst wurde.
,,Hat mich gefreut, Kevin. Wir sehen uns.“, sagte er mit einem sanften Lächeln, drehte sich rum und war nach ein paar Metern auch schon um eine Ecke verschwunden.
Ich brauchte wenige Augenblicke, bis ich mich wieder gefangen hatte, dann aber auch den Weg nach Hause antrat.
Auch ich sollte versuchen zu schlafen, denn es war wirklich schon spät geworden und Kerstin und Kai konnten auch mal eine Nacht ohne mich auskommen, immerhin brauchten sie mich sonst ja auch nicht.
Den Rest des Weges zurück zu dem Haus in dem ich wohnte traf ich niemanden mehr und musste resigniert und vor allem frustriert feststellen, dass ich wieder nichts zu vögeln hatte und wohl wieder Hand anlegen musste um nicht irgendwann doch noch zu platzen.
Kaum hatte ich die Haustüre aufgeschlossen und wollte gerade in mein Zimmer gehen, als es aufgeregt an der Haustüre klopfte und immer wieder klingelte.


Seufzend fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und hatte langsam wirklich keinen Bock mehr, wenn es um diese Uhrzeit so klingelte und klopfte, dann konnte es eigentlich nur die Nachbarin sein und ich musste wahrscheinlich mal wieder meine Mutter holen und diesmal war Kai nicht mal zu Hause.
Dennoch öffnete ich die Türe und sah mich dann auch kurze Zeit später mit meiner Nachbarin konfrontiert, die wild gestikulierend vor mir stand und keinen klaren Satz rausbekam.
Ob das jetzt an dem Alkohol lag oder an ihrer Aufregung konnte ich im ersten Moment nicht sagen.
,,Was ist denn los?“, fragte ich vorsichtig und wusste nicht, ob ich die Antwort wissen wollte.
,,Deine Mutter.... deine Mutter....“, mehr bekam sie nicht raus und das sprechen schien ihr schwer zu fallen.
,,Muss ich sie wieder holen kommen?“, fragte ich und als sie nickte seufzte ich und machte mich dann aber mit ihr auf den Weg in das Nachbarhaus.
Diesmal ohne Schubkarre, denn ich war mir sicher, dass ich meine Mutter auch so getragen bekommen würde, immerhin war ich ja auch nicht unbedingt der schwächste Kerl dieses Planeten.
Im Nachbarhaus angekommen, lag meine Mutter diesmal auf dem Boden vor der Couch und schüttete sich aus vor lachen, scheinbar waren wir heute verdammt lustig veranlagt.
Seufzend schob ich den Tisch etwas beiseite und hob sie auf meine Arme.
Die Nachbarin warf mir einen mitfühlenden Blick zu, den ich nur kurz erwiderte und verließ dann mit meiner Mutter auf dem Arm die Wohnung und das Haus.
Kaum hatten wir das Gebäude hinter uns gelassen, schwang ich meine Mutter über meine Schulter und trug sie wie einen nassen Sack nach Hause.


Mehr hatte sie nicht verdient, wenn sie sich wieder so besaufen musste und wieder mal kurz vor der Bewusstlosigkeit stand, auch wenn mir immer noch schleierhaft war, wo sie den ganzen Alkohol immer herbekam.
Kaum waren wir wieder in unserer Wohnung angekommen, verfrachtete ich sie doch recht unsanft in ihr Bett, wofür ich die Quittung kurze Zeit später bekommen sollte.
,,Ich gehe dir noch ein Glas Wasser holen.“, sagte ich und entschied mich heute einfach mal dazu, sie nicht wie sonst auszuziehen, sondern sie mit Klamotten liegen zu lassen.
Diese Scheiße kotzte mich so an, dass ich es überhaupt nicht mehr in Worte fassen konnte.
Ich deckte sie zu und machte mich auf den Weg in die Küche, um ihr ein Glas Wasser zu holen, wo mir auffiel, dass ich weder das Wasser noch die Scherben meiner Mutter weggeräumt hatte und natürlich hatte sich auch mal wieder sonst keiner darum gekümmert.
Das würde ich dann später auch noch machen, aber jetzt wollte ich erst das Wasser und meine Mutter versorgen, das große Riesenbaby, denn nichts anderes war sie, zumindest wenn sie gesoffen hatte.
Ich nahm eines der Gläser, die ich eben gespült hatte und füllte es mit Leitungswasser, etwas anderes hatten wir nicht.
Versuchte möglichst nicht in die Wasserlache zu treten, um nicht auch noch das ganze Haus zu putzen und wollte gerade ins Schlafzimmer gehen, bis ich inne hielt.


Ich lauschte angestrengt und versuchte die Geräusche zu deuten, konnte es aber nicht wirklich und gerade als ich mich erneut in Bewegung setzen wollte um meiner Mutter das Wasser zu bringen, rief sie auch schon nach mir.
Es war ein klägliches rufen und kurze Zeit später erneut diese Geräusche.
Erst als ich dann eilig ins Schlafzimmer hastete und meine Mutter sah, konnte ich die Geräusche zuordnen und sie gefielen mir so gar nicht.
,,Ich hab mich vollgekotzt.“, sagte sie fast schon peinlich berührt und in dem Moment musste ich wirklich sämtliche in mir aufkeimenden Aggressionen unterdrücken, denn sie war immer noch meine Mutter, aber der Drang auf sie einzuprügeln oder ihr einfach ein Kissen auf das Gesicht zu drücken, war in dem Moment mehr als groß.
,,Schon okay, ich wasche die Decke. Musst du noch weiter kotzen?“, fragte ich dann bemüht ruhig, während ich die Decke zusammenlegte und sie neben das Bett auf den Boden fallen ließ.
,,Nein, ich glaube nicht.“, sagte sie und hatte ihren Satz kaum beendet, kam ein weiterer Schwall, der klatschend auf dem Boden, meinen Springern und meiner Hose landete.
,,Tut mir leid, Kevin.“, sagte sie und blickte mich entschuldigend an.
Ich seufzte, hatte meine Hände schon zu Fäusten geballt, entspannte sie dann aber wieder als ich in ihre unbeholfenen Augen blickte, die mich so sehr an ein kleines Kind erinnerten, dass ich ihr nichts tun konnte.
,,Schon okay. Ich gehe dir einen Eimer holen, falls noch mehr kommt.“, sagte ich, schnappte mir die Decke und ging auch gleich mit dieser ins Bad.
Ich schmiss die Decke in die Badewanne und ließ Wasser ein, bis die Decke vollkommen bedeckt war.


Währenddessen das Wasser in die Wanne lief, füllte ich einen Putzeimer ebenfalls mit etwas Wasser, drehte es an der Badewanne wieder ab und ging zurück.
Den Eimer stellte ich neben das Bett und sah meine Mutter an, die nun hilflos und offensichtlich frierend in ihrem Bett lag, leicht zitternd, aber schlafend.
Unter die unbändige Wut, die ich verspürte mischte sich so etwas wie Mitleid, denn auch wenn ich sie jedes Mal auf´s neue dafür verfluchen könnte, so wusste ich, dass es eine Krankheit war und sie nichts dafür konnte, es aber ohne eine Therapie auch nicht besser wurde und dazu war sie einfach noch nicht bereit, wenn sie das überhaupt irgendwann mal sein würde.
Sie war meine Mutter, sie hatte mir das Leben geschenkt und in vielen Situationen, in denen ich mir gewünscht hätte, dass sie es nicht getan hatte, verfluchte ich sie dafür, aber jetzt in diesem Moment, war ich froh, dass sie es getan hatte, denn so konnte ich ihr wenigstens helfen, denn niemand anderes war da.
Ohne mich würde sie wohl immer noch lachend auf dem Boden der Nachbarin liegen oder würde vielleicht nicht mehr leben, wer wusste das schon?
Seufzend wandte ich den Blick von ihr ab, denn er schmerzte.
Sie so zu sehen, war kein Anblick, den man sich nicht entgehen lassen durfte, es war grausam und schmerzhaft.
Ich ging in mein Zimmer und zog dort erst einmal meine Jacke und meine Hose aus.
Auch die Springerstiefel, denn beides musste sauber gemacht werden und die Küche war auch noch nass und die Scherben waren auch noch da.
Ich leerte die Taschen meiner Jeans und meiner Jacke und schmiss die Packungen voller Zigaretten auf meine Matratze, bis mein Blick auf meine Decke fiel.


Ein kurzes hin und her und dann ein nicken. Ich schob die Packungen unter mein Kissen und schnappte mir die Decke, mit der ich zu meiner Mutter ins Schlafzimmer ging.
Sie lag immer noch zitternd und dennoch schlafend auf dem Bett und erneut stach mit dieser Anblick tief ins Herz.
Ich breitete die Decke aus und legte sie leise seufzend über den Körper meiner Mutter.
Sogleich kuschelte sie sich dort rein und ihr zittern schien bald weniger zu werden.
Ihre Hand die immer noch draußen lag, schob ich dann ebenfalls unter die Decke und bemerkte, dass sie wirklich verdammt kalt war.
Meine Mutter schmatzte genüsslich und brummte zufrieden, was mich dazu brachte, dass ich richtig gehandelt hatte.
Mit einem letzten Blick auf meine schlafende Mutter verließ ich den Raum und schloss fast lautlos die Türe hinter mir, bevor ich dann in die Küche ging und dort die Scherben aufsammelte und die Wasserlache beseitigte.
Als auch das erledigt war, ging ich in mein Zimmer, schnappte mir da Springer und meine Jeans und ging damit ins Bad.
Die Jeans schmiss ich zu der Wolldecke ins Wasser und die Springer hielt ich unter fließendes Wasser, so waren zumindest die schnell wieder sauber.
Zum trocknen stellte ich sie an die Heizung und schaltete diese an, auch wenn ich erst damit rechnete, dass sie nicht warm wurde, so wurde sie es doch und ich wusste, dass sie morgen wieder voll einsatzfähig waren und sein mussten.
Die Decke und die Jeans würde ich morgen zusammen mit dem anderen Zeug waschen, aber das musste jetzt bis morgen warten, denn ich war müde und wollte auch nur noch ins Bett und mich auch um nichts mehr kümmern.


Schwerfällig ließ ich mich auf die Matratze sinken und lehnte mich mit dem Rücken gegen die Wand.
Ich wusste doch auch nicht, was ich noch tun sollte, damit es meiner Mutter endlich besser ging, denn alles was ich hätte tun können, habe ich getan, oder hatte ich vielleicht doch etwas übersehen?
Ich griff nach der Packung Zigaretten, die ich eben schon angefangen hatte, zog eine davon raus und zündete sie auch gleich an.
Den Qualm inhalierte ich tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ und legte den Kopf gegen die Wand hinter mir.
Wie lange ich da so gesessen und wie viele Zigaretten ich in der Zeit geraucht hatte, konnte ich nicht mit Gewissheit sagen, aber es waren einige und wahrscheinlich mehr als gut für mich gewesen wären.
Irgendwann hatte ich mich dann einfach umfallen lassen und war auf meinen gebunkerten Kippenpackungen eingeschlafen.
Aber auch diese Nacht stand für mich unter keinem guten Stern.
Als Kai nach Hause kam, veranstaltete er ein tierisches Theater durch das ich wach wurde, als er an meiner Zimmertüre klopfte und mir Rache schwor, weil er jetzt eine Woche nicht mehr vögeln dürfe und ich dafür bezahlen müsste.
Es ließ mich kalt und kurze Zeit schlief ich dann auch wieder ein, wurde aber auch in dieser Nacht mal wieder von Albträumen heimgesucht, die mich irgendwann wirklich noch um den Verstand brachten, wenn ich nicht bald den Auslöser und ein Mittel finden würde, was sie irgendwie verschwinden ließ.
Sonst würde ich spätestens deswegen irgendwann noch Amok laufen.


Irgendwann wurde ich dann erneut aus dem Bett geklopft, dicht gefolgt von der Stimme meiner Mutter.
,,Kevin, bring bitte Kerstin zur Schule, ich muss einkaufen.“, sagte sie und ich sprang sogleich aus dem Bett und stürmte nach draußen.
,,Sagtest du gerade einkaufen? Ist Geld da?“, fragte ich hoffnungsvoll und meine Mutter zuckte die Schultern.
,,Das weiß ich noch nicht. Ich war noch nicht auf der Bank, aber es müsste eigentlich heute kommen.“
,,Aber Mum, wenn Geld drauf ist, dann kauf bitte nicht schon wieder Kistenweise diesen scheiß Fusel, sondern auch mal was zu essen. Du hast drei Kinder, die zufällig auch mal was essen wollen und die nicht ständig zur Nachbarin gehen und sich da den Bauch vollschlagen.“, sagte ich schärfer als ich wollte und bereute meine Worte im selben Augenblick auch schon wieder.
,,Kevin Richard Russell, ich bin deine Mutter und kann ja wohl etwas Respekt erwarten. Es ist mein Geld und ich kann ja wohl immer noch selber entscheiden, was ich damit mache und was nicht. Wenn meine Kinder nicht so faul wären, dann würden sie arbeiten gehen und hätten auch Geld und das ich mir bei der Nachbarin ständig den Bauch vollschlage ist ja wohl auch eine Maßlose Übertreibung und völlig an den Haaren herbeigezogen.“, sagte sie empört und brachte mich so erst recht auf die Palme und das mit gutem Grund.
,,Ach wirklich? Du versäufst das ganze verfickte Geld doch nur noch, weil du nicht mehr auf dein Leben klar kommst und wir dir alle am Arsch vorbei gehen!!!! Du hast uns nie richtig erzogen und das macht sich nun bemerkbar und weil du dein eigenes Versagen nicht mehr ertragen kannst, säufst du es weg!!!! Dann frage ich mich wenn das mit dem Essen nicht stimmt, was du mir gestern wortwörtlich vor die Füße gekotzt hast!!!! Das war nicht nur dein billiger Schnaps!!!!“


,,Kevin, das geht zu weit, so kannst du nicht mit mir reden. Ich bin immer noch deine Mutter und eine Respektsperson!!!!“, schrie sie nun auch, denn auch ich hatte meine Stimmer erhoben, konnte ich in dem Moment einfach nicht mehr ruhig bleiben.
,,Ernsthaft? Du bist eine Respektsperson?! Den Respekt habe ich bereits vor die verloren als Kai und ich dich das erste Mal und falls du dich nicht erinnerst, dass war noch in Hamburg sternhagelvoll bei der Nachbarin abgeholt haben, weil du nicht mehr wusstest, wo du wohnst!!!! Ich dachte es wäre ein Ausrutscher gewesen, aber es passierte immer wieder!!!! Dein kollektives Versagen ist auch langsam bei dir angekommen und du glaubst du kannst es mit Alkohol ertränken, aber sie ertrinken nicht diese ganzen Probleme, oder Mutter? Sie kommen alle wieder und das in doppelter und dreifacher Härte, aber du hast es auch einfach nicht anders verdient, denn Versager werden nun mal bestraft, das zumindest waren doch immer Dad´s Worte, wenn er mich mal wieder grün und blau geprügelt hat, oder?! Viel zu oft habe ich einstecken müssen, während du nur stumm daneben gestanden hast und jetzt kommt alles auf dich zurück und du versuchst zu fliehen und musst immer wieder aufs neue feststellen, dass es nicht geht! Du trittst auf der Stelle und bewegst dich keinen Millimeter, bis die Probleme dich irgendwann überrollt haben!!!! ICH bin Mutter und Vater zugleich, weil Kai und Kerstin durch die Weltgeschichte huren und Dad lieber seinen Co Piloten in den Arsch fickt, als dich zu bumsen und das weißt du genauso gut wie ich und du sitzt hier und besäufst dich immer wieder auf´s neue um einen Moment zu vergessen. Ist es nicht so?!“


Ja, ich hatte mich in Rage geredet und spürte die Aggressionen mehr als deutlich in meinem Körper.
Adrenalin rauschte in meinen Ohren und setzten alles um mich herum außer Kraft, vor allem aber mein Schmerzempfinden, denn sonst hätte mir die schallende Ohrfeige, die meine Mutter mir auf diesen Ausbruch verpasst hatte, wohl mächtig weh getan.
Ich spürte ihre Hand noch lange auf meiner Wange und das obwohl sie sie danach gleich zurückgezogen hatte, aber der Schmerz blieb aus.
Ich sah meine Mutter, wie sie über sich selbst erschrocken zusammenzuckte und dann unter Tränen zusammenbrach und ja verdammt, ich bereute jedes einzelne Wort, auch wenn es die verfickte Wahrheit war, so wusste ich aber auch, dass ich sie nicht hätte aussprechen dürfen.
Nicht bei meiner Mutter und nicht in dem Ton, aber irgendwann war auch mein Maß der Erträglichkeit voll und ich brauchte dann eben auch mal ein Ventil.
,,Danke, damit hast du es nochmal bestätigt. Ich bringe Kerstin zur Schule.“, sagte ich, drehte mich rum und verschwand nachdem ich mir ein paar Sachen aus meinem Zimmer zum anziehen geholt hatte im Bad und ließ meine Mutter heulend auf dem Küchenboden, zusammengerollt wie ein Häufchen Elend zurück.
Auch ich fühlte mich nicht gut dabei, dass es ihr jetzt wegen mir so dreckig ging, aber andererseits war es auch befreiend, ihr endlich mal die Wahrheit gesagt zu haben und das was ich sah.
Auch wenn es wahrscheinlich keinen Sinn hatte und es sie nur bis zum nächsten Besäufnis in ein paar Stunden interessierte und danach wieder in Vergessenheit geriet, so wusste ich aber wenigstens, dass ich mich befreien konnte und es mir damit besser ging.


Viel zu lange hatte ich auf diese beschissene Familie Rücksicht genommen, aber das war jetzt vorbei und das endgültig.
Mal sehen wie die ganzen Versager hier ohne mich klar kamen, aber ich quittierte meinen Dienst hier, immerhin war ich nicht der Depp von Dienst und wollte auch nicht mehr so behandelt werden.
Ich war erst 17 und hatte das Gefühl drei Kinder zu haben und von meiner Frau sitzen gelassen worden zu sein und das mit drei Plagen, die schlimmer hätten nicht sein können.
Aber ich musste auch mal leben und brauchte auch meine Freizeit und meine Jugend, um mir dann vielleicht auch endlich mal die Hörner abzustoßen und so ein geiles Leben zu führen, wie Stephan es tat, denn dem schien es mit seiner Art und Weise sein Leben zu führen doch wirklich gut zu gehen, wieso konnte ich das dann nicht auch?
Rumhuren, Kohle versaufen und Leute dumm anmachen, wenn man damit so ein erfülltes Leben hatte, wie er es immer vorgab, dann wollte ich das ab heute auch und zwar mit jeder Konsequenz die sich daraus ergab.
Nachdem ich meine Morgenhygiene vollzogen hatte, schlüpfte ich in meine Klamotten und in meine Springer und machte mich auf den Weg zu Kerstin´s Zimmer, wo ich auch gleich anklopfte.
,,Was?“, fragte sie ziemlich unfreundlich und hatte scheinbar auch schlechte Laune, warum auch immer, denn ich hatte sie heute noch nicht gesehen und konnte wohl auch nicht Schuld sein, vielleicht hatte Stephan doch Scheiße gebaut?!
,,Komm, wir müssen los.“, sagte ich und ging zur Haustüre.


Ich musste an der Küche vorbei und sah, dass meine Mutter immer noch heulend auf dem Boden saß und irgendwie tat es mir wirklich leid, aber ich wusste auch, dass ich wenn ich meinen Plan umsetzen wollte, genau in solchen Momenten stark sein musste, denn sie wartete nur auf diesen schwachen Moment, wo ich wieder nachgeben würde, wie ich es fast immer tat, aber das würde es diesmal nicht mehr geben.
Kerstin kam kurze Zeit später aus ihrem Zimmer und ging an mir vorbei nach draußen, was ich mit einem fragenden Blick quittierte.
,,Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?“, fragte ich sie und sie schnaubte.
,,Mum. Mir geht es total mies und das schon seit längerem und sie schickt mich jeden Tag immer noch fein brav in die Schule. Die sind auch total scheiße, denn die glauben mir auch nicht, das es mir mies geht. Wenn ich dann sage das ich zum Arzt gehen will, dann darf ich das nicht. Ist nicht nötig, sagen zumindest alle.“
,,Du siehst auch nicht wirklich krank aus.“, sagte ich ehrlich und Kerstin schnaubte erneut.
,,Tut mir leid, ich wusste nicht, dass ich um krank zu sein Kreidebleich sein muss oder am besten den Kopf unter dem Arm tragen muss um ernst genommen zu werden. Mir geht es scheiße, aber es interessiert niemanden, zumindest bis vor kurzem, denn ich werde heute von der Schule abgeholt und werde dann zu einem ordentlichen Arzt gebracht.“
,,Von wem und warum?“
,,Stephan kommt mich holen und will dann mit mir zum Arzt gehen. Er nimmt meine Belange wenigstens ernst und kümmert sich um mich. Außerdem haben wir uns darüber unterhalten, dass es vielleicht besser wäre, wenn ich die Pille nehmen würde. Die will ich mir verschreiben lassen.“


,,Kerstin, du bist 14 und solltest dir jetzt sicher noch keine Gedanken über die Pille machen.“, sagte ich und spürte, dass nun mir doch etwas Farbe aus dem Gesicht gewichen war, denn wenn sie mit Stephan schon soweit ging, dass sie sich darüber unterhalten hatten, dann hatte sie vielleicht noch ganz andere Dinge mit ihm getan.
Mir wurde schlecht, heiß und kalt, denn ich hatte keine Ahnung, was ich davon halten sollte.
,,Stephan mag das Vögeln mit Gummi aber nicht so gerne und da hat er mich gefragt ob es nicht okay wäre, auf das Gummi zu verzichten und ich dann eben die Pille nehme. War ich mit einverstanden, denn so haben wir doch beide mehr Spaß.“
,,Sagt Stephan?“
,,Nein, sage ich. Man Kevin, ich bin kein kleines Kind mehr und weiß schon was ich tue. Außerdem ist es mein Körper und ich kann ja wohl bitte selbst entscheiden, was ich damit mache. Dahinten ist übrigens meine Schule. Wäre nett, wenn ich den Rest alleine gehen könnte, denn vom großen Bruder in die Schule gebracht zu werden, ist echt voll uncool, zumindest wenn man keinen angesagten Bruder hat und du gehörst leider nicht in die Kategorie “angesagter Bruder“, also mach´s hübsch, wir sehen uns später.“, sagte sie und hüpfte auch gleich die Straße entlang und verschwand hinter der nächsten Ecke.
Fassungslos blieb ich zurück und konnte nicht glauben, was sie mir auf dem kurzen Weg alles gesagt hatte und mich dann stehen ließ, noch bevor ich mir über die Bedeutung ihrer Worte wirklich klar war.
Dieses Mädchen raubte mir den Verstand und das auch nicht zum ersten Mal.


Nun stand ich hier, mitten auf der Straße inmitten einem scheiß Dorf und hatte keine Ahnung, wo ich hingehen sollte.
Zu Hause eine heulende Mutter und hier nichts und niemand, besser hätte es mich in dem Moment wirklich nicht treffen können.
Vor allem war es jetzt auch noch helllichter Tag und hier irgendjemanden oder irgendwas zu finden mit dem man seine Zeit verbringen konnte, war hier wohl eher nicht möglich.
Ich überlegte kurz zu dem Park zu gehen, indem ich Pe getroffen hatte, aber der hatte ja gesagt das er meistens abends und nachts da war, so würde ich ihn dort wahrscheinlich jetzt nicht antreffen und ich wusste auch nicht wo er wohnte, um ihn zu Hause zu besuchen.
Aber ich war mir sicher, dort in der Nähe eine Tankstelle gesehen zu haben, da konnte man sicher noch einiges holen und vielleicht dann auch endlich mal was essbares.
Allerdings fehlte mir dazu noch die Kohle und wie ich daran kommen sollte, wusste ich auch noch nicht, aber vielleicht viel mir dazu noch etwas auf dem Weg zur Tankstelle ein.
Also machte ich mich auf den Weg dorthin und blickte mich nach einer vielversprechenden Geldquelle um, bis ich irgendwann in ein Bonzenviertel kam und dort meine Chance wie auf dem Silbertablett serviert bekam.
Ein Mann mittleren Alters stand neben einem ziemlich teuer aussehenden Auto und wienerte es und das obwohl es schon mehr als sauber war.
Aus seiner Arschtasche der Jeans lugte ein Portmonee hervor und ich war mir sicher, dass dort auch sicher etwas drin war, was ich brauchen konnte.
Ich vergewisserte mich, dass auch niemand zu sehen war und hier auch wirklich niemand an den Fenstern hing und näherte mich dem Typen lautlos wie eine Katze.


Kaum das ich ihn erreicht hatte, drückte ich ihn mit dem Oberkörper auf die Motorhaube und fixierte seine Hände mit meiner Hand.
Viel zu oft hatten die Bullen bei mir diesen Griff schon angewandt, als das ich ihn nicht selbst beherrschen könnte.
,,Keinen Mucks, ich will nur dein Geld und dann wird dir auch nichts passieren.“, raunte ich heiser in sein Ohr, bevor er auch nur einen laut sagen konnte.
Ich zog sein Portmonee aus seiner Arschtasche, ließ es in meine Jackentasche wandern und gab ihm eine Kopfnuss, sodass er das Bewusstsein verlor und vor seinem Auto in der Einfahrt zu Boden ging.
Möglichst unauffällig und dennoch schnellen Schritts machte ich mich aus dem Staub und versteckte mich in sicherer Entfernung und besah mir das Szenario um sicher zu gehen, dass mich auch wirklich keiner gesehen hatte.
Es dauerte noch eine ganze Weile und der Typ kam auch schon wieder zu sich, als ein Nachbar von gegenüber zu ihm geeilt kam.
Die beiden redeten einen kurzen Dialog und der Mann den ich überfallen hatte schüttelte immer wieder den Kopf.
Eigentlich ein gutes Zeichen, denn er wusste scheinbar nicht wer ich bin, wo ich herkam und wo ich hinwollte, perfekt, denn so war mir alles gelungen und ich hatte hoffentlich jetzt auch ein bisschen Kohle, um mir wenigstens etwas zu essen zu kaufen.
Das würde ich aber später beurteilen können, denn erst mal musste ich so schnell es ging und dennoch unauffällig von hier verschwinden.


Mit schnellen Schritten machte ich mich auf den Weg weiter die Straße entlang und selbst als die Bullen an mir vorbei fuhren, bedachten sie mich keines Blickes, was nur gut für mich war, denn so würde ich sicher nicht in Verdacht geraten und war fein brav aus dem Schneider.
Ich ging noch eine ganze Weile weiter, bis ich dann irgendwann den Park erreicht hatte, indem ich Pe getroffen hatte.
Wie ich bereits gedacht hatte, traf ich den nicht an, aber setzte mich auf die Bank und zog das Portmonee aus meiner Jackentasche.
Ich kontrollierte die Ausweise, wo aber nicht wirklich was dabei war, was man brauchen konnte und sah dann nach, wie viel Geld er hatte und ob sich das alles gelohnt hatte.
Aber heute schien wirklich mein Glückstag gewesen zu sein, denn der Typ hatte sage und schreibe 1.500 DM in seinem Portmonee.
Was er mit dem ganzen Geld wollte, wusste ich nicht, aber ich wusste, dass es jetzt mir gehörte.
Das Portmonee steckte ich wieder in meine Jackentasche und 100 DM von dem Geld in meine Hosentasche.
Jetzt konnte ich zur Tanke gehen und mich satt futtern, denn jetzt hatte ich wahrscheinlich mehr als für einen Monat Geld um mir etwas zu essen zu kaufen und musste vor allem nicht ständig meine Oma für Geld anpumpen.
Damit es aber nicht auffiel, entschied ich mich noch eine zu rauchen und den Leuten hier zuzusehen, wie sie mit ihren Hunden spielten oder auch sportlichen Aktivitäten nachgingen.
Ich zog die Packung Zigaretten aus meiner Hosentasche und zündete mir eine davon an, bevor ich die Packung samt Feuerzeug wieder in meiner Jackentasche verstaute.


Mein Blick schweifte immer wieder über die Wiesen und tatsächlich gab es hier auch Mädels in meinem Alter, denn ich erblickte eine, die mit ihrem Hund über die Wiese tobte und die mir auf Anhieb sympathisch war, auch wenn sie nicht so wirkte als würde sie aus so schwierigen Verhältnissen kommen wie ich.
Nein, sie wirkte eher wie eine junge Frau, die aus einem gute Hause kam, Manieren und Anstand hatte und wahrscheinlich auch sonst ziemlich spießig war.
Da war der Aufwand sie ins Bett zu bekommen wahrscheinlich größer und Länger als der Fick danach, wobei ich im Moment auch eher in einer Position war, in der ich nicht so wählerisch sein durfte.
Aber das Thema hatte sich auch schnell erledigt, denn als sie mich sah, schnappte sie sich ihren Hund und rannte weg.
Erst dachte ich, dass ich sie aus den Augen verloren hätte, weil ich sie nicht mehr sah, aber dann entdeckte ich sie wieder bei einem Kerl in ihrem Alter, wirkte und sah aus wie ein totaler Nerd, der ihr einen Kuss auf die Wange drückte und sie schützend in ihre Arme zog.
Als ich dann allerdings meinen Arm bewegte, um an meiner Kippe zu ziehen fluchtartig samt Hund und Freundin den Park verließ, dabei hatte ich doch nicht mal was getan.
Aber ich liebte es einfach die Leute auch nur durch meine bloße Anwesenheit so in Alarmbereitschaft zu versetzen.
Dieser kleine “Zwischenfall“ zauberte mir dann doch ein Grinsen auf die Lippen, was zugegeben gehässig war, aber auch ich brauchte Erfolgserlebnisse.


Als die Zigarette sich dem Ende zuneigte, schnippte ich sie ins Gras und stand auf.
Mein Weg führte mich durch den Rest des Parks und an der Gegenüberliegenden Seite des Eingangs wieder hinaus.
Hinter dem Park konnte ich die Tankstelle schon sehen und wusste, dass hier irgendwo wohl auch Pe wohnen würde, denn er musste den gleichen Ausgang gewählt haben.
Allerdings standen hier sehr viele Häuser und außer Peter wusste ich seinen Namen nicht.
Da Peter aber auch ein ziemlich häufiger Name war, konnte ich auch niemanden fragen, wobei die meisten Leute sowieso Angst vor mir hatten und mir auch nicht wirklich Auskunft gaben, wenn ich sie etwas fragte.
So ließ ich es am besten gleich bleiben und machte mich stattdessen auf den Weg zur Tankstelle und staunte nicht schlecht, als ich direkt gegenüber auch einen Imbiss entdeckte.
Vielleicht wäre das ja die clevere Lösung und wahrscheinlich auch noch billiger und sättigender, als etwas von der Tanke.
Also erneut Planänderung und statt zur Tanke machte ich mich auf den Weg zu dem Imbiss.
Glücklicherweise hatte der auch schon geöffnet, weil er auch Frühstück anbot und nicht nur Mittagessen, was mir sehr gelegen kam.
Sogleich ging ich hinein und wurde nicht gerade überrascht angesehen, scheinbar kamen hier öfter Kerle wie ich rein.
,,Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“, fragte eine junge Dame und ich musste zugeben, dass sie auch nicht wirklich unattraktiv war.


,,Einen Tisch und eine Karte wären ganz nett für den Anfang, alles weitere schauen wir dann.“, sagte ich mit einem Augenzwinkern, was sie lächeln ließ, bevor sie hinter der Theke hervorkam und mich zu einem Tisch brachte.
Dabei konnte ich auch gleich mal abchecken, was ich hinter der Theke noch nicht sehen konnte und ich musste sagen, dass mir ihr Arsch schon mal verdammt gut gefiel, aber auch ihre Titten, ihre Augen und dieses mehr als charmante Lächeln waren sehr anziehend.
Diese rehbraunen Augen und doch eine wilde blonde Mähne auf dem Kopf.
Wild und unzähmbar, wie eine Raubkatze und immer auf der Suche nach Frischfleisch und einem schnellen Abenteuer, mit diesem gewissen Funkeln in den Augen, was wahrscheinlich so ziemlich jeden Mann um den Verstand brachte.
,,Die Karte.“, sagte sie und reichte sie mir, nachdem ich während ich meinen Gedanken nachhing an einem Tisch platz genommen hatte.
,,Kann ich Ihnen schon mal etwas zu trinken bringen?“
,,Einen Kaffee und wenn du Zeit hast auch gerne einen zweiten, würde mich freuen, wenn du den dann mit mir zusammen trinken würdest.“
,,Na ja, eigentlich darf ich das nicht, aber der Chef ist gerade nicht da und ich will mal nicht so sein, du scheinst ja ein recht toller Kerl zu sein. Also zwei Kaffee, kommen sofort.“, sagte sie und ging mit einem Hüftschwung von dannen, dass ich keine andere Wahl hatte, als ich hinterher zu blicken.
Was für eine Frau und ich war mir sicher, dass die wohl ganz genau wusste was sie wollte und da auch nicht mit hinterm Berg hielt, im Leben sowieso im Sexualleben.
Eine Erfahrung die ich gerne machen würde, vor allem eine Herausforderung jemanden zu ficken der nicht zu allem ja und amen sagte.


Lange musste ich nicht warten, da kam sie auch schon mit zwei Kaffee wieder und stellte sie auf den Tisch, bevor sie sich mir gegenüber setzte.
,,Hat die attraktive Kellnerin denn auch einen Namen?“, fragte ich nachdem sie Platz genommen hatte und sie nickte.
,,Ja, stell dir vor, den haben meine Eltern mir auch gegeben. Hast du etwa von deinen Eltern keinen bekommen?“
Die Kleine war schlagfertig, das gefiel mir, aber das musste man in dem Beruf wohl auch sein, denn ich konnte mir vorstellen, dass hier sicher einige waren, die sie anbaggerten und das obwohl sie kaum älter als 16 war, zumindest würde ich sie nicht älter einschätzen.
,,Doch, haben sie. Verrätst du mir denn auch wie du heißt?“
,,Moni und mit wem hab ich das Vergnügen?“
,,Kevin.“
,,Oh Kevin. Der Kevin?“, fragte sie und ich sah sie mit hochgezogener Augenbraue an, denn wenn sie bereits etwas von mir gehört hatte, dann sicher nichts Gutes.
,,Kevin ist ein geläufiger Name. Keine Ahnung, ob ich der Kevin bin.“
,,Du musst der Kevin sein, immerhin hast du einen Hamburger Dialekt und man erzählt sich einiges über dich. Gutes, sowie Schlechtes, aber da gebe ich nichts drauf. Ich mache mir lieber persönlich ein Bild von den Jungs in unserem Ort. Du wohnst noch nicht lange hier, oder?“
,,Nein, wir sind erst vor kurzem her gezogen.“
,,Steile Karriere, so kurz erst hier und schon so viel was sich erzählt wird. Das schafft nicht jeder.“
,,Ich sehe das mal als Kompliment.“


,,Oh, das war auch eins, ich kenne nicht sehr viele Männer, denen das vor dir gelungen ist, eigentlich nur einen.“
Wieso beschlich mich dieses dumme Gefühl, das das Gespräch erneut auf diesen dummen Weidner hinauslief, den sie wahrscheinlich auch schon gefickt hatte oder es immer noch tat und wenn sie es nicht schon getan hat, dann träumte sie wahrscheinlich still und heimlich davon und hoffte, dass er sie irgendwann zu sich einlud, in diesen stinkenden Keller, wo er ihr dann irgendwelche Dinge versprach, die er sowieso nicht halten konnte und wollte oder was auch immer er für ein Problem hatte.
,,Du wohnst neben Stephan, oder?“, fragte sie weiter und ich seufzte innerlich.
Wieso war mir klar, dass sie schon von ihm gewusst hat oder sie was mit ihm hatte, denn das würde wahrscheinlich als nächstes kommen.
,,Ja, das tue ich.“
,,Dann bist du auf jeden Fall der Kevin, den ich meine. Ich habe Kai schon kennengelernt und auch der hat mir schon das ein oder andere von dir erzählt.“
,,Hat er? Das kann ja nichts Gutes sein.“
,,Oh doch, er hat dich teilweise wirklich in den höchsten Tönen gelobt. Das hat man selten bei Geschwistern. Stephan und ich waren auch überrascht, dass er so über dich sprach.“
,,Bist du oft bei Stephan?“
,,Nein, nicht so häufig. Ich habe leider nicht immer Zeit und muss arbeiten und na ja, Stephan ist eben manchmal auch etwas komisch. Es gibt gute und schlechte Tage, wobei ich das Gefühl habe, das bei ihm die schlechten Tage überwiegen, ich meine der Kerl hat doch meistens schlechte Laune weil er nix zu ficken hat.“


,,Hat er nicht?“, fragte ich überrascht, denn das wirkte nicht so, als sei sie an ihm interessiert oder mit ihm zusammen.
,,Keine Ahnung, ist mir aber auch egal. Ich hab nur noch hier und da Kontakt zu ihm und das meiste was er dann erzählt sind sowieso seine ganzen Vögelorgien und irgendwelche Schlägereien, die er sich mal wieder geliefert hat. Dad sagte, dass immer wieder Anzeigen ins Haus flattern würden, weil der wohl ständig Probleme mit dem Gesetz hat und das obwohl er ja auch arbeiten geht, aber vielleicht ist die Arbeit im Puff eben auch nicht das richtige für ihn. Ist nicht jedermanns Sache und ich finde es auch mehr als übertrieben, dass er da die Huren ficken darf, ich meine hallo? Wovor hat er Angst? Der Kerl ist 15 und keine 99. Da wird es mit den Frauen schwer, aber für einen 15 jährigen mit seinem Aussehen, pah als ob der da keine vernünftige Frau finden würde.“, sagte sie und schüttelte den Kopf, bevor sie einen Schluck ihres Kaffee´s trank.
,,Du scheinst nicht gut auf ihn zu sprechen zu sein. Hast du so schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht?“, fragte ich vorsichtig und Moni seufzte.
,,Wahrscheinlich mehr als mir lieb war, aber so ist das eben. Man ist jung und Stephan war wahrscheinlich oft genug verzweifelt. Seine Kindheit war eben nicht die Schönste und das versucht er irgendwie zu kompensieren. Vor allem an Tagen wie heute ist es besonders schlimm.“
,,Wieso? Was ist denn heute für ein Tag, dass es so schlimm ist?“
,,Er hat heute Geburtstag. Wird 16. Wird er wahrscheinlich groß feiern und sich dann vielleicht zur Feier des Tages einen Dreier im Puff bei Daddy gönnen und wenn nicht, dann vielleicht einen heißen Fick mit der Nachbarin, sollte ihr Mann auf Montage sein. Was aber auch gut sein kann, ist das er wieder eine von diesen naiven Mädels hat, die ihm glauben, wenn er ihnen das Blaue vom Himmel verspricht.“


,,Der Kerl scheint nicht unbedingt nett zu sein.“, warf ich ein, als sie eine Pause machte.
,,Oh doch, das ist er. Er ist nett und charmant und wenn er will kann er auch noch vieles mehr, aber das ist bei Daddy im Puff eben leider nicht gerne gesehen und macht sich in dem harten Milieu wohl auch nicht so gut, daher ist es immer besser, einen auf hart zu machen, wobei ich nicht sagen will, dass Stephan das nicht auch ist. Er hat unglaublich viel erlebt in den paar Jahren und ist wahrscheinlich einer der charakterstärksten Menschen die es gibt und die ich vor allem kenne, aber er ist weiß Gott nicht unfehlbar und auch er steckt voller Fehler, Ecken und Kannten und wird wenn er die nicht irgendwann ein wenig abschleift und ruhiger wird, im Knast enden oder wird nie eine Frau finden, mit der er langfristig glücklich sein kann. Dabei würden wir ihm das doch alle gönnen.“
,,Klingt nach einem Haufen Problemen.“
,,Wie man es nimmt. So sind wir Frankfurter nun mal. Ein kompliziertes Völkchen und doch liebenswert, wenn auch auf ihre ganz eigene Art und Weise.“, sagte sie grinsend und trank einen weiteren Schluck aus der Tasse.
,,Mein Chef wird gleich wieder kommen, vielleicht können wir uns ja später noch etwas unterhalten. Wenn du magst kannst du mich gerne von der Arbeit abholen..... Ach nein, Stephan hat ja Geburtstag. Da muss ich später noch hin. Wie ist es mit morgen?“
,,Du gehst zu Stephan´s Geburtstag?“
,,Ja, muss leider sein da kann ich nicht absagen sonst hasst er mich wirklich noch.“


,,Das will natürlich keiner.“, sagte ich seufzend und musste zugeben, dass ich es nicht schön fand, aber es wohl auch nicht ändern konnte.
,,Nein, das will wirklich keiner. Wie gesagt, du kannst mich aber gerne morgen von der Arbeit abholen. Ich habe um 18 Uhr Schluss. Vielleicht können wir dann ja noch was zusammen unternehmen.“, sagte sie mit einem Augenzwinkern und stand auf.
Sie verließ den Tisch und ging wieder hinter die Theke, da auch gerade außer mir keiner da war, hatte sie ihre Arbeit auch nicht wirklich vernachlässigt.
Ich schnappte mir die Karte die sie da gelassen hatte und las mir diese durch, bis ich ein Frühstück gefunden hatte, was meinen Ansprüchen genügte, denn ich hatte Hunger für zwei.
So bestellte ich bei Moni auch das Frühstück für zwei und fragte sie, ob sie nicht mit mir essen wollte, was sie aber leider verneinen musste, da ihr Chef wieder da wäre.
Das bestätigte sich auch wirklich, als dieser kurze Zeit später den Hauptraum betrat und sich eben auch so aufspielte, wie ein richtig mieses Arschloch, aber das waren wir leider ja auch schon gewöhnt, dass die Kerle mit den kleinen Schwänzen und vorzugsweise die, die zu Hause die Fresse nicht auf bekamen, aus Angst vor ihrer Frau das an den Angestellten auf der Arbeit ausließen, weil sie wussten, dass sie denen überlegen waren, zumindest in der Rangordnung der Wichtigkeit.
Sollte ja Menschen geben, die auch da großen Wert drauf legten.
Er schien aber auch wirklich an allem was sie tat etwas auszusetzen zu haben, dabei war ich ja auch kein Staatsgast, der Sonderwünsche wollte und bei dem man so einen Stress machen musste.
Zudem schien Moni ja auch noch nicht lange hier zu arbeiten und gerade da konnte man doch schon mehr Rücksicht nehmen, fand ich und das würde ich dem Typen auch sagen, wenn er die Kleine nicht bald in Ruhe ließ.


Eine ganze Weile beobachtete ich das Schauspiel noch und bevor er mir wirklich zu viel wurde ich ich eingreifen musste und wollte, verschwand der Chef in seinem Büro.
Moni kam kurze Zeit später zu mir an den Tisch und servierte mir das bestellte Frühstück.
,,Das ist echt ein Dreckskerl. Wenn das dein Chef ist, kann ich verstehen wieso du bei dem so reagierst. Du arbeitest noch nicht lange hier, oder?“
,,Nein, erst seit einer Woche, aber er verlangt eben, dass ich alles perfekt kann, was bei einer ordentlichen Einarbeitung auch nicht das Problem gewesen wäre, aber die habe ich nicht bekommen. Alles was ich weiß musste ich mir selber beibringen und da ist es ja auch kein Wunder, dass ich mal was falsch mache, oder?“
,,Nein, das ist wirklich kein Wunder. Oh man, das tut mir echt leid für dich. Aber keine Sorge, ich werde dich in den höchsten Tönen loben, bevor ich gehe.“, sagte ich mit einem Augenzwinkern, was sie erneut zum lächeln brachte und es wirkte auch noch so ehrlich, dass ich sicher war, alles richtig gemacht zu haben.
,,Entschuldigen Sie bitte, gibt es ein Problem, bei dem ich behilflich sein könnte? Ich bin der Chef des Lokals.“, kam ihr Chef auch gleich in unsere Unterhaltung geplatzt und ich blickte Moni kurz an und konnte ihre Unsicherheit und ihre Angst deutlich sehen, beinahe schon greifen.
,,Nein, es gibt kein Problem, danke. Ich habe mich gerade lediglich bei Ihrer Kellnerin bedankt und ihr mitgeteilt, dass ich mich bei ihr rundum zufrieden fühle und sie Ihre Arbeit wirklich mehr als gewissenhaft und genau macht. Solche Menschen müsste es öfter geben, das würde die Welt um einiges besser machen.“


,,Ja, der Meinung bin ich auch und aus diesem Grund suchen wir unsere Fachkräfte auch sehr genau aus und unterziehen sie strengen Kontrollen, damit es nur so zufriedene Gäste wie Sie gibt.“
,,Danke, ich bin sehr zufrieden und bin auch angenehm überrascht, über die Ruhe und die Gelassenheit die Ihre Fachkraft an den Tag gelegt hat, obwohl ich sie wirklich sehr mit Fragen und Extrawünschen malträtiert habe. Sie haben wirklich eine exzellente Menschenkenntnis und ein sehr gutes Gespür für qualifiziertes, freundliches und wirklich äußerst kompetenten Personal.“, sagte ich und der Chef verneigte sich ein Stück, bevor er dann den Tisch wieder verließ und wieder in sein Büro ging.
,,Danke, du hast mir echt den Arsch und meinen Job gerettet.“
,,Wieso? Ich habe doch nichts getan.“, sagte ich mit einem Schulterzucken und Moni lachte leise.
,,Du hast dem Chef in hochgestochenem Deutsch eine Lüge nach dem anderen aufgetischt.“
,,Hab ich? Wann? Ich finde du bist die beste Kellnerin die man nur haben kann und auf alle Fragen die ich dir gestellt habe, hast du doch auch souverän geantwortet. Meine Extrawünsche hast du auch erfüllt, denn du hast mit mir einen Kaffee getrunken, also bin ich rundum zufrieden und wenn doch genau das der Wahrheit entspricht, wieso sollte ich es dann nicht auch deinem Chef sagen, wenn er mich schon danach fragt?!“
,,Du bist wirklich süß, danke dafür. Ich muss weiterarbeiten. Bei morgen bleibt? 18 Uhr hier?“
,,Ich werde da sein.“, sagte ich nickend und sie verließ mit einem weiteren Lächeln den Tisch und ließ mich alleine.
Sogleich machte ich mich über das Essen her und verputzte wirklich alles.


Selbst die liebevoll angerichtete Dekoration ließ ich nicht zurückgehen und aß diese auch noch.
Erst als wirklich alles restlos leer war, hielt ich mir den Bauch und konnte wirklich nicht mehr.
Noch einen weiteren Krümel und ich hätte platzen müssen.
Es dauerte nicht lange, kaum hatte ich alles leer gemacht, stand Moni auch schon wieder an meinem Tisch.
,,Hat es dir geschmeckt?“, fragte sie mit einem freundlichen Lächeln und ich nickte.
,,Ja, es war wirklich fantastisch, danke.“
,,Gerne. Kann ich dir noch etwas bringen?“
,,Nein, ich hab genug, sonst platze ich. Was schulde ich dir?“
,,Ich mache dir die Rechnung fertig, Augenblick.“, sagte sie und begann auch gleich den Tisch abzuräumen.
Am liebsten hätte ich ihr geholfen, aber das würde wahrscheinlich wieder nur Ärger mit ihrem Chef geben, also ließ ich es lieber bleiben, immerhin war ich ja auch der Gast und es eher unüblich, dass die ihr Geschirr selber wegräumten, wenn Kellner anwesend waren.
Moni kam kurze Zeit später wieder und reichte mir eine Rechnung.
,,Das war das Frühstück für zwei, für 25,50 DM und zwei Kaffee für jeweils 2,20 DM, macht zusammen 29,90 DM.“, sagte sie und legte mir die Rechnung auf den Tisch.
Ich reichte ihr einen 50 DM Schein und nickte ihr zu.
,,Der Rest ist Trinkgeld für die nette und attraktive Kellnerin.“


,,Kevin, bist du verrückt? Das sind über 20 DM.“, sagte sie fassungslos und schien das Geld nicht annehmen zu wollen.
,,Dann freu dich und steck es ein, bevor dein Chef es sieht.“, sagte ich mit einem weiteren Zwinkern und ich konnte deutlich sehen, dass sie damit nicht einverstanden war, es dann aber doch einsteckte und mich dankend anblickte.
,,Dankeschön.“, sagte sie dann auch nochmal zur Bestätigung und ich nickte.
,,Gerne. Ich mache mich dann jetzt auch mal wieder auf den Weg. Also morgen um 18 Uhr?“
,,Ja, morgen um 18 Uhr.“, sagte sie mit einem freudigen Lächeln, was ich nur zu gerne erwiderte und dann aufstand und kurze Zeit später das Lokal verließ.
Jetzt war ich wirklich mehr als voll und wusste nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte.
Moni hatte gesagt, dass Stephan Geburtstag hatte und vielleicht sollte ich diesen Anlass ja auch für mich nutzen und mich bei dem guten Herrn Weidner Junior mal vorstellen.
Entschlossen mich bei ihm blicken zu lassen, machte ich aber erst noch einen Abstecher auf die andere Seite der Straße und ging in die Tanke.
Dort stand ein älterer Herr hinter der Kasse, der mich musterte, als wäre ich ein Schwerverbrecher, dabei hatte ich nicht mal was gesagt oder getan.
,,Was trinken denn die Frankfurter für´n Bier?“, fragte ich und war bemüht meinen Hamburger Dialekt zu nutzen, um nicht als ganz blöd da zu stehen.
,,Welche Klasse?“, fragte er und ich erwiderte seinen Blick fragend.
,,Welche Schicht? Obdachlose und oder Sozialhilfeempfänger oder doch eher die Arbeiterklasse oder doch ganz ruhmreich und die ganz feinen Herren von weit oben im feinen Zwirn und Krawatte?“


,,Arbeiterklasse.“
,,Eintracht Fan?“
,,Ich hab keine Ahnung. Ich geh mal davon aus. Ich bin auf einen Geburtstag von jemandem eingeladen und kenne ihn nicht wirklich, will aber auch nicht mit leeren Händen kommen, also dachte ich, dass ich ne Kiste Bier mitbringe.“, erklärte ich meine Lage und der Mann nickte.
,,Verstehe. Dann nimm am besten das Krombacher, da stehen alle Eintracht Fans drauf. Wenn nicht dann kann ich dir auch nicht helfen.“
,,Danke.“, sagte ich und schnappte mir auch gleich einen Kasten davon und trug ihn nach vorne.
Der Typ scannte diesen ein und ich bezahlte ihm bevor ich damit die Tanke wieder verließ.
Wirklich Bock den Kasten jetzt zu schleppen hatte ich nicht, zumal ich den jetzt durch das halbe Dorf schleppen musste, also blickte ich mich um, nach einem fahrbaren Untersatz den ich mir vielleicht “leihen“ konnte.
Dummerweise fand ich aber nichts, was mich dann doch dazu brachte die Kiste den ganzen Weg lang zu schleppen.
Dementsprechend keuchend und durchgeschwitzt kam ich dann auch endlich vor der passenden Haustüre an.
Aber statt zu Stephan zu gehen, nahm ich den Kasten erst mit zu uns in die Wohnung und stellte ihn in mein Zimmer, wo er sicher war, vor meinem Bruder sowie auch meiner Mutter, denn die schienen beide zu Hause zu sein und im Wohnzimmer zu sitzen, zumindest hörte es sich so an.


Ich warf nur flüchtig einen Blick in das Wohnzimmer, wo scheinbar eine Familiensitzung einberufen wurde und dabei mal wieder vergessen wurde, das ich ebenfalls zur Familie gehörte.
,,Was gibt das hier? Eine Familiensitzung ohne mich oder was?“, fragte ich barsch als ich Kerstin, meine Mutter und Kai im Wohnzimmer sitzen sah.
,,Nein, wir haben uns nur beraten wie wir mit dir weitermachen sollen. Dein Verhalten ist nicht mehr tragbar für uns.“, sagte meine Mutter und ich dachte ich höre nicht richtig.
Ich war nicht mehr tragbar für die Familie?
Mit was für einer Begründung?
Das ich endlich mal aussprach, was sich sonst keiner traute?
Weil ich der Einzige war, der das wirklich anging und sich nicht mit sinnlosen Dingen abgab wie das sinnlose rumvögeln oder dem sinnlosen besaufen bis zur Besinnungslosigkeit?!
,,Ich bin nicht mehr tragbar für die Familie? Darf ich auch noch den Grund erfahren und was ihr nun denkt zu machen? Wollt ihr mich für das letzte Jahre noch in ein Heim oder eine Wohngruppe abschieben oder was?“, fragte ich fassungslos und hatte keine Ahnung, wie ich da sonst drauf reagieren sollte, denn ich war wirklich nicht begeistert, aber das konnte sich wohl jeder der hier anwesenden denken.
,,Das wissen wir noch nicht, aber das was du heute morgen mit Mum gemacht hast geht gar nicht, das ist dir hoffentlich klar.“, meldete sich nun auch Kai zu Wort.
,,Halt dein Maul, mit dir redet doch keiner.“, sagte ich und spürte erneut, dass sich meine Hände zu Fäusten ballten und das auch nicht zum ersten Mal heute.
Am liebsten würde ich ihm so die Fresse polieren, dass er seine Zähne einzeln ausspuckt und sein Maul hält und wenn es sein muss sogar für die Ewigkeit.


,,Ich werde Mum aber bei ihrer Entscheidung unterstützen, denn ich stehe auf ihrer Seite und nicht auf deiner.“
,,Sollte es hier nicht darum gehen, dass wir alle auf einer Seite stehen? Sollten wir als Familie nicht zusammenhalten? Und alles, was ihr immer wieder im Sinn hattet und habt ist mich loszuwerden oder mich systematisch fertig zu machen. Es fing mit Dad an und hört bei euch auf. Ich habe für dich und Kerstin immer wieder die Prügel einstecken müssen, weil ich nicht wollte, dass er euch genauso fertig macht, weil ich gedacht habe, das man in einer Familie füreinander einsteht und das man füreinander da ist und sich hilft. Genauso wie ich es jetzt auch immer wieder getan habe. Ja, Kai und ich haben dich oft genug geholt, aber wer hat denn hier alles gemacht? Wer hat denn dafür gesorgt, dass ihr frische Jeans am Arsch hattet? Wer hat denn dafür gesorgt, dass ihr euren Tag nicht im Dreck hausen müsst, sondern die Bude sauber ist und wer hat dafür gesorgt, wenn gerade mal Geld da war oder etwas essbares, das ihr etwas zu beißen zwischen den Zähnen habt? Ja, das war immer ich und ihr habt euch alle drei einen Scheißdreck drum gekümmert!!!! Es hat euch nie interessiert, geschweige dann habt ihr mir irgendwie eure Anerkennung dafür geschenkt!!!! Nicht mal ein verficktes “Danke, Kevin“ habe ich bekommen!!!! Ich erwarte keinen Wohnstand und auch nicht, dass ihr mich oder mein verdammtes Leben ändert, aber ich erwarte von euch Dinge, die man sich von Geld nicht kaufen kann und Anerkennung kostet kein Geld nur ein bisschen Überwindung aber die war ich euch scheinbar nicht mal wert. Wenn ihr der Meinung seid, dass ihr die Einziegen seid, die hier leiden, dann tut es mir leid euer Weltbild zerstören zu müssen, aber ich lebe auch noch und auch ich habe Gefühle.“


,,Das haben wir auch nicht bezweifelt, aber wir sind uns eben auch einig, dass es so nicht weitergehen kann und das wir eine Lösung finden müssen, damit wir das irgendwie für alle erträglich machen.“, erklärte nun wieder meine Mutter und ich nickte.
,,Klar und dann wollt ihr den einzigen Halt den ihr noch habt weggeben wie ein altes Kleidungsstück? Okay, dann gehe ich aber lieber freiwillig, aber bedenke bitte, Mutter: Ich werde immer dein Sohn bleiben, ob du mich jetzt hier gehen lässt oder nicht, denn in meinen Adern fließt auch dein Blut. Ich wünsch dir noch ein schönes Leben, aber dann ohne mich, denn ich werde jetzt gehen. Auf meine Sachen scheiße ich. Ich nehme nur das nötigste mit, alles andere könnt ihr verbrennen, verschenken, verkaufen, es ist mir scheißegal, denn es hat nach der Scheiße die ihr hier mit mir abzieht einfach keinen Sinn und keine Bedeutung mehr.“, sagte ich schon wieder wesentlich ruhiger und konnte auch nicht verhindern, dass sich mittlerweile Tränen in meinen Augen gesammelt hatten, denn es tat weh, so von seiner eigenen Familie behandelt zu werden und das auch noch nachdem was ich alles für die versoffene Kuh, die Hure und den Schmarotzer getan hatte.
Mit einem Kopfschütteln ging ich in mein Zimmer und packte dort alle Zigarettenpackungen die ich noch besaß in meine Jacken und Hosentaschen und schnappte mir den Kasten Bier.
Alles andere ließ ich wie es war und ging zur Türe.
Dort blieb ich nochmal kurz stehen und drehte mich rum, um einen letzten Blick auf mein altes Leben zu werfen und das ohne zu wissen, was das neue für mich bereithalten würde und wo das überhaupt stattfinden würde.
Würde ich nach Hamburg zurückgehen oder würde ich vielleicht hier bleiben
Frankfurt sollte ja auch ganz schön sein, hatte man mir zumindest gesagt.


Weit ging ich erst einmal nicht, denn ich setzte mich mit dem Kasten Bier neben die Haustüre der Weidner´s und musste erst einmal tief Luft holen, hatte ich doch keine Ahnung, wo ich jetzt hin sollte und ob ich überhaupt zu Stephan gehen sollte.
Was war das nur für eine Schnapsidee?
Aber was würde ich dann jetzt mit dem Bier machen?
Ich versank vollkommen in meinen Gedanken und bekam so nicht mit, was sich neben mir und vor mir auf der Straße tat.
Erst als mich jemand seitlich an stupste, kam ich ins Hier und Jetzt zurück und blickte mich fragend um.
,,Hey Junge, ich fragte ob wir uns kennen?!“, hörte ich eine Stimme, die ich nicht kannte und blickte mich fragend um.
Ich musste gegen die Sonne anblinzeln, entdeckte dann aber den Mann, der den einen Tag mit Stephan unterwegs war, wohl wahrscheinlich sein Vater.
Zumindest von seinem geschätzten Alter würde es passen.
,,Nein, wir kennen uns nicht.“
,,Warum sitzt du dann hier rum und wieso mit einem Kasten Bier?“
,,Ich hatte eine dumme Idee und kurz vor der Umsetzung wurde mir klar, wie dumm sie eigentlich wirklich ist und jetzt sitze ich hier und hab keine Ahnung was ich tun soll.“
,,Was für eine Idee hattest du denn, wenn du einen vollen Kasten Bier mit dir rum schleppst? Ich meine so dumm kann es doch dann gar nicht gewesen sein, oder?“
,,Doch das war es. Ich kann auch wieder gehen, wenn es Sie stört, dass ich hier rum sitze.“, sagte ich hastig, denn vor dem Mann hatte selbst ich Respekt.


,,Mein Name ist Tex und du darfst mich auch gerne so nennen. Komm mir bloß nicht mit dem ganzen Sie Scheiß, das kann ich nicht leiden.“
,,Das tut mir leid, das wusste ich nicht.“
,,Kein Ding. Wie heißt du denn?“
,,Kevin.“
,,Okay, Kevin und was hattest du jetzt für eine dumme Idee?“
,,Ich habe gehört das Stephan Weidner heute Geburtstag hat und da er mit meiner Schwester zusammen ist, zumindest behauptet sie das, dachte ich, dass es doch ganz nett wäre, ihn auch mal kennenzulernen. Also habe ich einen Kasten Bier geholt und hab gehofft, dass ich damit vielleicht punkten könnte. Aber jetzt wo ich hier sitze erscheint es mir total dämlich, denn wir kennen uns nicht mal und ich kann mich doch nicht einfach auf seinen Geburtstag einladen. Also eine mehr als dumme Idee.“
,,Ich bin sicher, dass Stephan sich freuen wird, denn sobald ich weiß, wollte er nicht viel machen, außer heute Abend mit ein paar Freunden einen trinken gehen. Vielleicht könnt ihr euch ja vorher anfreunden und dann heute Abend zusammen gehen.“
,,Meinst du? Ich meine das was ich von Stephan weiß und wie ich ihn erlebt habe, da wird er mit mir sicher nichts zu tun haben wollen.“
,,Wieso nicht? Stephan ist ein ziemlicher Freigeist und gibt jedem eine Chance und entweder ihm passt deine Nase oder eben nicht.“, sagte Tex und ich musste unwillkürlich an meine fassen.
,,Das war sinnbildlich gemeint. Entweder er mag dich oder eben nicht, aber das wirst du nicht erfahren, wenn du nicht zu ihm gehst und es versuchst.“


,,Ich weiß nicht.“
,,Glaub mir, ich kenne meinen Sohn.“
,,Du bist also doch der Vater von Stephan?“
,,Ja, das bin ich und soweit ich informiert bin und die Ähnlichkeit richtig deute, dann bist du der Bruder von Kai, oder?“
,,Schuldig.“
,,Dann ist aber doch alles klar. Wenn er mit Kai klar kommt und offensichtlich auch mit deiner Schwester zusammen ist, wieso sollte er dann auch nicht mit dir klar kommen?“
,,Weil ich anders bin als die anderen beiden. Glaube ich zumindest. Irgendwie zumindest. Vielleicht aber auch nicht, ich habe keine Ahnung.“
,,Du solltest einen klaren Kopf bekommen und dann mal mit Stephan reden. Glaub mir, er ist gar nicht so schlimm und das sage ich nicht nur, weil er mein Sohn ist.“, sagte Tex und noch bevor ich etwas sagen konnte, klopfte er mir nochmal aufmunternd auf die Schulter und verschwand durch die Haustüre nach drinnen.
Wenn das alles doch nur so einfach wäre wie Tex das gesagt hätte, dann würde ich da einfach rein marschieren und eine gute Zeit haben, aber so einfach war es leider nicht, oder?
Was sprach eigentlich dagegen einfach mal zu klopfen und voller Selbstbewusstsein zu sagen wer ich war und was ich wollte?
Man Kevin, du hast sonst so eine verdammt große Fresse, wieso jetzt nicht?
Eine vernünftige Antwort konnte ich mir nicht geben, denn alles was in meinem Kopf rum schwirrte waren die Worte “Bei Stephan ist eben alles anders.“.
Aber das sollte mich nicht davon abhalten es endlich zu tun und zu ihm zu gehen.


Ich stand auf, schnappte mir den Kasten Bier und ging zu der Haustüre, die auch jetzt wieder offen stand und was wohl offensichtlich normal war.
Den Weg in den Keller kannte ich ja bereits und so ging ich ihn ein weiteres Mal nach unten.
Allerdings war diesmal die Türe zu und ich konnte nicht sehen, ob Stephan überhaupt alleine war oder ob er Besuch hatte, bei dem ich überflüssig war oder gar störte.
Ich lauschte angestrengt in die Stille, konnte aber nichts ausmachen, was darauf hinwies, dass er sich mit jemandem unterhielt oder vögelte.
Eigentlich ein gutes Zeichen und noch bevor ich darüber nachdenken konnte, was ich da gerade eigentlich tat, klopfte ich auch schon an die Türe des Kellerzimmers und war erschrocken zurückgewichen, als mir bewusst wurde, wie laut das war, dabei hatte ich überhaupt nicht fest geklopft.
Kurze Zeit später hörte ich ein Brummen und wusste, dass zumindest Stephan da war, denn das war unverkennbar seine Stimme.
Ein Stöhnen folgte und kurze Zeit später ein leises Tapsen und dann stand Stephan auch schon in der Türe.
Vollkommen ungestylt, nur mit Boxershorts bekleidet und einem so zerknautschten Gesicht, dass ich davon ausgehen musste, dass er gerade wohl erst aufgestanden war.
,,Ja?“, fragte er und schien wirklich sehr damit zu kämpfen zu haben überhaupt die Augen aufzuhalten.
,,Hey, ich bin der Bruder von Kai und dachte ich stelle mich mal vor.“, sagte ich lässig und war wirklich dankbar, dass es mir immer noch gelang diese Lässigkeit an den Tag zu legen, egal wie nervös ich innerlich auch sein mochte.


Stephan musterte mich von oben bis unten und sah mich dann fragend an.
,,Was bist du von wem und was machst du hier?“, fragte er und ich setzte gerade zu einer Antwort an, als Stephan mich auch schon wieder mit einer Handbewegung zum Schweigen brachte und ich meinen Mund wieder zu machte.
,,Es hat keinen Sinn. Ich brauche einen Kaffee und dann können wir uns unterhalten. Komm mal mit.“, sagte er und ging ohne sich etwas überzuziehen mit mir in die Wohnung im Erdgeschoss.
Allerdings nicht ohne Zwischenfälle, denn die Oma stand wieder auf dem Treppenabsatz im Treppenhaus und winkte mir zu, als wir hoch kamen.
,,Hallo Kevin, wenn du möchtest kannst du gerne gleich auf ein Stück Kuchen hochkommen. Ich habe einen frischen Erdbeerboden gemacht mit ganz fiel Schlagsahne.“, sagte sie und zwinkerte mir zu.
,,Oma, halt die Klappe und geh wieder rein, das ist meiner.“, sagte Stephan genervt und die ältere Dame schnaubte, ging dann aber wirklich wieder in ihre Wohnung.
Auf dem Weg dorthin sagte sie noch etwas, was ich allerdings nicht verstand und war wirklich froh, dass Stephan sie so schnell abgewimmelt bekam, denn ich wollte sicher nichts mit ihr anfangen.
Stephan schloss die Erdgeschosswohnung auf und ging auch gleich in die Küche und machte sich dort einen Kaffee.
,,Auch einen?“, fragte er und ich nickte, wollte ich ja auch nicht zu viel sagen, wenn er noch nicht aufnahmefähig war.
Er stellte mir kurze Zeit später eine Tasse der Frankfurter Eintracht vor die Nase, was ich mit einem leicht angewiderten Blick quittierte.


Allerdings musste der auch schnell wieder weichen, als Stephan mich fragend ansah und ich seinen Blick genauso erwiderte.
,,Milch oder Zucker?“, fragte er und ich schüttelte den Kopf, immer noch nicht sicher, ob ich etwas sagen konnte und durfte.
Stephan setzte sich an den Tisch, schnappte sich eine Packung Marlboro von denen zwei auf dem Tisch lagen und zündete sich eine davon an, bevor er auch mir die Packung hinhielt.
,,Danke.“, sagte ich und nahm ebenfalls eine raus und zündete sie an, nachdem Stephan mir auch das Feuerzeug gegeben hatte.
,,Du hast Stephan wohl aus dem Bett geholt, was? Dann warte ungefähr 2 – 3 Tassen Kaffee und dann kannst du auch normal mit ihm reden. Er braucht morgens sein Coffein und sein Nikotin und wenn er davon genug intus hat, ist er ein normaler Mensch und redet auch und versteht zudem auch noch, was du sagst. Vorher hat man immer den Eindruck er sei ein Höhlenmensch, der eine andere Sprache spricht und kein Wort von unserer versteht.“, sagte Tex, der ebenfalls in die Küche kam um sich etwas zu trinken zu holen.
,,Dann warte ich wohl lieber noch etwas.“
,,Das ist besser so, denn meistens weiß er sowieso nicht nicht mehr, was du ihm gesagt hast.“
,,Okay, danke für den Hinweis.“
,,Nichts zu danken.“, sagte er, schnappte sich eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank und verzog sich dann wieder in einen angrenzenden Raum, der wahrscheinlich das Wohnzimmer war und aus dem Geräusche zu hören waren.
Hatte Tex etwas Besuch?
Aber der kam doch eben erst nach Hause, als er mit mir gesprochen hatte, oder?


Ich hatte keine Ahnung was das für Stimmen waren, aber da Die Familie Weidner doch um einiges mehr Geld zu haben schien als wir, konnte es ja auch sein, dass sie einen Fernseher hatten.
Den hatten wir ohne Frage auch mal, bis meiner Mutter ihn dann zum Pfandleiher gebracht hatte, weil sie kein Geld mehr hatte für neuen Fusel.
Traurig aber wahr und so konnten wir eben kein Fernsehen gucken, wann immer es uns beliebte und an einen Videorekorder, so wie die Weidner´s ihn laut Stephan´s Aussage einen hatten, war bei uns in der Familie nicht zu denken.
Während Stephan seine ersten drei Tassen Kaffee trank und zu jeder auch eine Zigarette rauchte, hing ich meinen Gedanken nach und wartete, dass er ansprechbar war, wann auch immer das sein möge, aber vielleicht würde Stephan mit das ja auch mitteilen, wenn es soweit war.
,,Wer warst du noch gleich?“, fragte er als er die dritte Tasse leer gemacht hatte und wieder vor sich abgestellt hatte.
,,Ich bin Kevin, der Bruder von Kai und Kerstin und dachte ich stelle mich mal vor.“
,,Heißt wir hatten nichts miteinander?“, fragte er und ich sah ihn mit einer Mischung aus Schock und Überraschung an.
,,Nein, das würde ich wissen.“, sagte ich dann vorsichtig und Stephan nickte.
,,Gut. Ich nämlich nicht immer. Ich meine ich hatte zwar noch nie was mit einem Kerl, aber ausprobieren würde ich es ja schon mal gerne. Allerdings würde ich es dann doch auch gerne danach noch wissen, um zu wissen was besser ist, einen Mann oder eine Frau zu ficken, wenn du verstehst.“, sagte Stephan und ich nickte, denn das verstand ich mehr als gut, obwohl ich verwirrt war über die Ehrlichkeit.


,,Hattest du mal was mit einem Kerl?“, fragte er dann und blickte mich neugierig an.
Etwas irritiert, weil ich keine Ahnung hatte, wie ich mit der offenen Art von ihm umgehen sollte, schüttelte ich den Kopf.
,,Nein, hatte ich nicht.“, brachte ich dann noch schnell hervor und nahm einen tiefen Schluck des Kaffee´s der mittlerweile zwar kalt war, aber mich in dem Moment auch nicht sonderlich störte.
,,Aber Frauen hast du schon gefickt?“
,,Ja, klar.“
,,Dachte ich mir. Du siehst nicht aus wie eine klassische Jungfrau. Glaub mir, dafür hab ich ein Gespür.“
,,Ach wirklich?“, fragte ich dann doch interessiert, wenn auch immer noch leicht verwirrt.
,,Ja sicher, ich meine das merkt man doch. Sie sind verklemmt und haben keine Ahnung, was sie tun oder sagen sollen. Als wäre Sex etwas abnormales. Ich finde es ist das normalste und auch noch das Schönste der Welt und je mehr man hat, umso leichter fällt einem doch auch das Leben, oder? Ich meine man ist viel entspannter, hat den Kopf freier und kann sich viel besser auf andere Dinge konzentrieren. Zumindest nachdem man gerade harten wilden und hemmungslosen Sex hatte. Ich stehe ja eher nicht so auf die Kuschelnummer.“, sagte er und redete als würden wir uns schon Jahre kennen.
,,Aber tut mir leid, ich rede nur von mir. Was wolltest du hier? Dich vorstellen? Na das kannst du ja jetzt mal abhaken, denn das hast du getan. Erzähl mir was von dir. Dein Bruder hat sich was dich betraf immer recht bedeckt gehalten und meinte ich soll dich selber fragen. Außer an dem Abend auf dem Spielplatz habe ich dich ja aber nicht mehr gesehen. Tut mir übrigens leid, aber ich war an dem Abend echt mies drauf.“


,,Kein Problem. Ich meine jeder hat doch mal einen schlechten Tag. Was willst du von mir wissen? Viel gibt es nicht zu erzählen. Wir kommen aus Hamburg, weil mein Dad die naive Idee hatte, meiner Mum würde es hier besser gehen, weil sie in Hamburg an die falschen Leute geriet. Der ist den ganzen Tag arbeiten und wenn er mal zu Hause ist, dann gibt es meistens Stress, aber das haben dir Kai und Kerstin sicher schon erzählt. Meine Mum ist etwas speziell, weil sie eben krank ist und na ja, meine Geschwister kennst du ja schon.“
Stephan nickte und schien zu überlegen.
,,Klingt ja alles erst mal nicht so toll. Was hat deine Mum denn?“
,,Meine Mum säuft gerne und viel. Meistens bis zur Besinnungslosigkeit und dann müssen wir sie dann abholen und ins Bett bringen, wie ein kleines Kind. Dabei sollten wir Kinder im Alter von 14 bis 18 eigentlich so drauf sein und nicht meine Mutter. Aber sie versucht ihre Probleme zu ertränken und schafft es irgendwie doch nicht, weil sie immer wieder davon eingeholt wird.“
,,Klingt nach einem mehr als harten Leben.“, sagte Stephan und schien ernsthaft interessiert und ich fragte mich, ob er mir das auch wieder nur vorspielte, oder ob er es vielleicht bei mir ernst meinte.
,,Aber das was man von dir so hört ist ja auch nicht ohne. Ich meine du bist doch erst 15, zumindest erzählt man sich das.“
,,Nein, seit genau 4 Minuten bin ich 16.“, grinste Stephan und erst da fiel mir ein, dass er ja heute Geburtstag hatte.
,,Dann wünsche ich dir alles Liebe und Gute zu deinem Geburtstag.“


,,Danke, danke. Aber deswegen bist du ja trotzdem nicht hier, oder?“
,,Nein, ich wollte mich vorstellen, aber wenn du etwas vor hast und du feiern willst oder so, dann kann ich auch wieder gehen.“
,,Nein, wieso denn? Du musst doch nicht wieder gehen. Du kannst doch auch mit feiern, wobei ich abgesehen davon nichts geplant habe, hättest du aber ja mitfeiern können, wenn ich etwas geplant hätte.“
,,Ich meine ja nur, weil wir uns ja nicht kennen oder so.“
,,Und? Wir können uns doch kennenlernen.“
,,Ja, da hast du Recht.“, sagte ich gedankenverloren und trank einen weiteren Schluck Kaffee.
Mit Stephan störte mich nicht mal so wirklich, dass es eine Eintracht Tasse war, denn es gab doch wirklich schlimmeres.
,,Ich habe unten auch noch was zu trinken, wir können gerne gleich einen trinken.“, sagte er und riss mich so aus meinen Gedanken.“
,,Klar gerne, ich habe auch noch einen Kasten Bier mitgebracht. Der steht allerdings noch unten vor deiner Türe.“
,,Das macht nichts, hier geht keiner an die Sachen, selbst nicht wenn sie im Flur stehen und vor allem nicht, wenn sie unten vor meinem Zimmer stehen, denn da unten traut sich keiner hin außer meinen Leuten.“
,,Ja gut und die Oma ist deine Oma? Also die du eben Oma genannt hast?“, fragte ich vorsichtig und hatte doch keine Ahnung, wo bei dem Kerl die Fettnäpfchen standen und wie weit ich noch von einem weg war, denn ich wollte ja auch nicht unbedingt mit Anlauf darein springen.
Allerdings lachte Stephan auf meine Frage und schien wohl doch nicht ihr Enkelsohn zu sein, was mich dann doch irgendwie beruhigte, denn die Frau war wirklich komisch und gruselig, wenn sie sich an so junge Kerle ran macht.


,,Nein, sie ist nicht meine Oma. Sie hat an mir auch rum gebaggert als wir hier eingezogen sind. Ich hab ihr einfach erzählt, dass ich schwul bin. Seitdem lässt sie mich in Ruhe. Sie macht sich nämlich immer nur an Kerle ran und nicht an die Weiber. Da bleibt sie entweder in der Wohnung oder ich sage es sind gute Freundinnen von mir, dann geht sie wieder. Deswegen hab ich auch eben gesagt, dass du meiner bist. Sie denkt ich bin schwul. Ist mir lieber als wenn sie alles und jeden anbaggert der einen Schwanz zwischen den Beinen hat, denn ich habe bis jetzt noch keinen Kerl hier gehabt der gesagt hat: Mensch ist die Olle geil, die würde ich ja auch gerne mal ficken wollen.“
,,Nein, das glaube ich gerne, das würde ich auch nicht tun wollen. Ich meine die Olle ist doch schon Scheintot.“, lachte ich und Stephan fiel auch gleich mit ein.
Erst als wir uns wieder beruhigt hatten, leerte Stephan seine vierte Tasse und stellte sie auf die Spüle, bevor er sich dagegen lehnte und sich ausgiebig streckte.
Ich kam in dem Moment doch gar nicht darum ihn nicht zu mustern und mir jedes einzelne Stück seines Körpers genau einzuprägen.
,,Bock runter zu gehen?“, fragte er dann mit einer Mischung aus Seufzen und Stöhnen und ich nickte, bevor ich ebenfalls meine Tasse leerte und sie neben seine auf die Spüle stellte.
Stephan stieß sich von dem Schrank ab und ging vor nach unten in seinen Keller, zudem ich ihm gleich folgte.
Auf dem Weg dorthin kam ich auch nicht wirklich darum herum mir seinen Arsch genauer anzusehen und ich musste sagen, dass mir auch der mehr als gut gefiel.


Dabei hatte ich nicht mal eine Ahnung, seit wann ich überhaupt auf Kerle stand und tat ich das wirklich?
Bei dem ganzen Stress mit meiner Mutter und meiner Schwester würde das Sinn ergeben, aber was war dann mit Moni?
Mit der würde ich mich doch auch noch treffen morgen und sie würde später hier auch noch auflaufen.
Das würde wahrscheinlich auch noch Stress geben, je nachdem wie weit die beiden hier waren und ob Stephan sie auch fickte und ihr Liebesschwüre ins Ohr säuselte.
Vollkommen in Gedanken versunken bekam ich nicht mit, wie Stephan stehen geblieben war und sich offensichtlich auch noch gebückt hatte, um den Kasten Bier mit rein zunehmen.
So kam es, wie es kommen musste und ich lief genau gegen ihn, besser gesagt gegen seinen Arsch.
,,Na du hast es ja scheinbar besonders eilig.“, lachte Stephan, drehte sich rum, grinste schelmisch und ging dann samt Bierkasten in sein Zimmer.
Es war mir mehr als peinlich und ich hoffte nur, dass ich nicht rot wurde, denn so fühlte es sich an.
Stephan ging in sein Zimmer, ich folgte ihm und während er sich auf seine alter verschlissene Couch setzte, sah ich mich noch in seinem Zimmer um.
Bierflaschen, nackte Weiber an der Wand, überall Pornohefte verteilt und überfüllte Aschenbecher.
Dazu ein Geruch, der sich nicht wirklich beschreiben ließ und nicht nur nach modrigem Keller roch.
Überall verteilt lagen auch noch Zigarettenpackungen und Pizzakartons, die aussahen als würden sie bald ihr eigenes Leben entwickeln.


,,Ja, ich weiß, es ist kein Sternehotel, aber ich fühle mich hier wohl. Setz dich, wenn du dich traust.“, grinste Stephan und ich setzte mich dann auch wirklich ohne zu zögern neben ihn.
Das er in keinen schönen Verhältnissen wohnte, störte mich nicht sonderlich, denn das war ich von meinen letzten zu Hause auch nicht anders gewöhnt und zukünftig würde es wahrscheinlich noch schlimmer werden, wenn ich dann auf der Straße wohnte, denn zurück gehen würde ich sicher nicht mehr.
Das war ein Rückschritt und ich würde meiner Familie schon noch zeigen, dass sie ohne mich nicht klar kamen und das ich ohne sie aber mehr als gut klar kam.
Ich brauchte sie nicht, aber sie mich und das würden sie wahrscheinlich schneller merken als ihnen lieb war.
Dann würde ich als der lachende Sieger aus der Schlacht hervorgehen und das war schon Trost genug um alles, was noch auf mich zukommen würde irgendwie zu ertragen, zu überstehen und anschließend zu verarbeiten.
Vielleicht wurde es ja auch gar nicht so schlimm, dass wusste ich ja noch nicht, aber ich war sicher, dass ich eine gute Zeit haben würde.
Stephan stupste mich an und riss mich erneut aus meinen Gedanken.
,,Ist es so schlimm, dass du schon in Schockstarre fällst?“, fragte er grinsend und ich schüttelte schnell den Kopf.
,,Nein, ist nicht schlimm. Ich bin auch nicht in Schockstarre gefallen.“
,,Dann nimm doch mal das Bier an. Das halte ich dir schon seit fünf Minuten hin.“, grinste er und ich seufzte, bevor ich das Bier annahm und Stephan damit zuprostete, als er mir auch seine Flasche hinhielt.


,,Du wirst irgendwie total unentspannt.“, sagte Stephan nachdem er einen Schluck getrunken hatte.
Die Bierflasche hielt er fest in der Hand und hatte sie lediglich auf seinen Oberschenkel abgelegt.
,,Ich weiß auch nicht.“
,,Ist es immer noch wegen der Sache auf dem Spielplatz? Ey man, das tut mir echt leid, da konnte ich aber ja auch noch nicht wissen, dass du ja doch ein toller Typ bist und das ich doch mit dir auskomme. Hier laufen viele rum, mit denen ich nicht klar komme und ich dachte du bist eben auch einer von denen. Ich konnte ja nicht wissen, dass du der Bruder von Kai bist. Das ändert alles.“
,,Ja? Was ändert das denn?“
,,Ich mag deinen Bruder und ich bin sicher, dass ich dich dann auch mag.“
,,Ich bin nicht wie Kai.“, sagte ich schärfer als ich wollte, was Stephan aber nicht zu stören schien, denn er grinste lediglich und zwar so, als würde ihm gefallen wie ich reagierte.
,,Ich wusste, dass du Feuer in dir hast. Lass es raus. Aggression in jeglicher Form und Feuer vom Charakter her sind eine verdammt geile Mischung. Mit solchen Leuten wird es nie langweilig, ganz im Gegenteil.“, zwinkerte Stephan und während ich noch überlegte, wie ich darauf reagieren sollte und was ich davon halten sollte vor allem, griff Stephan nach einer der vielen Zigarettenpackungen, die auf dem Tisch vor uns lagen.
Allerdings schien er da kein Glück zu haben, da sie alle leer waren und pfefferte sie eine nach der anderen durch den Raum und auf den Teppich, der seine besten Jahre auch schon weit hinter sich gelassen hatte.
Seufzend stand er dann auf, als er auf dem Tisch keine Packung mehr hatte und ging zu seinem Bett.
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