Traum und Realität liegen nah beieinander

von Ratte1904
GeschichteFamilie, Übernatürlich / P18 Slash
Kevin Richard Russell OC (Own Character) Stephan Weidner
17.06.2017
17.06.2017
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Hey ihr Lieben :)

hier noch einmal etwas neues von mir :)

Besonderer Dank gilt auch hier meiner wundervollen Beta - Leserin MissesDixon <3<3<3<3

Leider war der Text zu lang, sodass ich ihn aufteilen musste, ich hoffe es stört nicht zu sehr beim lesen :)

Reviews sind wie immer gerne gesehen :)

Nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem neuen OS :)

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Julian Pov

Mein Leben war sicher nicht einfach, ich hatte viele Tiefschläge und war oft tief gesunken, aber ich hatte Freunde auf die ich mich immer verlassen konnte.
Elvis, Marc, Pascal und Kai, das waren meine Freunde und ich war mehr als stolz auf meine Jungs.
Mit Elvis, Pascal und Marc hatte ich sogar eine Band.
Zwar spielten wir bis jetzt nur Coversongs von den Böhsen Onkelz und hatten noch keine so großen Erfolge, aber das würde noch kommen, sagten zumindest die Onkelz.
Durch einen mehr als dummen Zufall hatten wir die Jungs kennengelernt, denn wir sind alle wahnsinnig große Onkelz Fans und hatten ihnen einen Brief geschickt.
Natürlich hatte keiner ernsthaft mit einer Antwort gerechnet, die jedoch kam, allerdings in anderer Form als wir dachten.
Die Jungs standen persönlich vor unserer Türe im Proberaum.
Sie hatten einen Verdacht und dem wollten sie nachgehen.
Die Onkelz waren fast schon davon überzeugt, dass wir ihre Söhne waren.
Elvis und ich lebten noch in einem Heim, weil wir noch nicht volljährig waren.
Unsere Mütter hatten sich nicht die Mühe gemacht uns zu sagen, wer unsere Väter waren und ließen auch nicht wirklich in gutes Haar an sie.
Aber mit uns kamen sie auch nicht wirklich klar, weswegen sie uns schon früh in ein Heim brachten, wo Elvis und ich uns dann kennengelernt hatten.
Pascal und Marc waren schon volljährig und lebten mittlerweile in ihrer eigenen Wohnung.


Wir stimmten einem Vaterschaftstest zu und erfuhren, dass wir tatsächlich ihre Söhne waren.
Die Jungs gingen dann gerichtlich vor und wollten die Vaterschaft sowie das Sorgerecht und das Aufenthaltsbestimmungsrecht.
Nach einer zweitägigen Gerichtsverhandlung hatten wir das Urteil und durften dann auch endlich offiziell sagen, dass wir nun Väter hatten.
Gleich am folgenden Tag waren Elvis und ich auch schon bei Kevin und Stephan eingezogen.
Die beiden waren zusammen und hatten sich ein gemeinsames Haus gekauft, sodass Elvis und ich nicht getrennt werden mussten, denn auch Elvis und ich hatten es nach langer Tortur endlich geschafft zusammen zu finden.
Auch Gonzo und Pe und Pascal und Marc waren ein Paar.
Eigentlich könnte alles schön sein, wäre da nicht die Tatsache, dass Kai nicht glücklich war, ganz im Gegenteil.
Es waren jetzt zwei Jahre her, er hatte es mir am Abend vor dem zweiten Tag der Gerichtsverhandlung erzählt.
Wir waren zusammen einen Döner essen, weil Kai mich auf andere Gedanken bringen wollte und als wir zurück im Heim waren, erzählte er mir die Story, die ihn seit mittlerweile 10 Jahren belastete, dabei war Kai auch erst 24 Jahre alt.
Er gab sich die Schuld an dem Tod seines Bruders.
Damals waren die beiden gemeinsam auf dem Spielplatz und während Kai im Gebüsch rauchen war, fiel sein Bruder vom Klettergerüst.
Er starb in Kai's Armen, er hatte sich das Genick gebrochen, aber Kai gab sich die Schuld.
Sein Bruder wurde nur 8 Jahre alt.
Kai litt fürchterlich darunter und hatte es 8 lange Jahre niemandem erzählt.


Bis zu dem Abend als er es mir sagte, dabei wollte ich gar nichts aufwühlen, sondern lediglich sicher stellen, dass er sich nicht in mich verliebt hatte, denn seinem Verhalten nach hätte man das öfter denken können.
Aber er sah in mir lediglich etwas wie einen Bruder, vielleicht auch einfach, weil ich seinem Bruder ähnlich war, sagte er zumindest.
Ich hatte ihm damals schon meine Hilfe angeboten, wollte mit ihm auf den Friedhof gehen, denn da war er seit der Beerdigung nicht mehr, aber das Angebot hatte Kai nicht angenommen.
Wir hatten aber auch nicht mehr wirklich darüber gesprochen, Kai wich aus, wenn ich mit Max anfing.
Ich hatte Kevin und Elvis eingeweiht, denn ich hatte gehofft, das sie mir helfen konnten und Elvis auch verstand, warum ich mich nicht zwischen ihm und Kai entscheiden wollte und konnte.
Elvis war damals nämlich ziemlich eifersüchtig, weil ich damals einen bedeutungslosen One Night Stand mit Kai hatte, aber nachdem er die Story hörte, war die Eifersucht verflogen und bis jetzt auch nicht wiedergekommen.
In den vergangenen zwei Jahren trafen wir uns immer wieder mit Kai und er besuchte auch die Konzerte, die wir hier und da gaben.
Mehr Erfolg hatten wir noch nicht, obwohl uns die Onkelz einen Plattenvertrag in ihrer Plattenfirma angeboten hatten.
Wir hatten lange nachgedacht, haben das Angebot dann aber doch abgelehnt , denn wir wollten Erfolg weil wir gut waren und uns die Leute mochten nicht weil unsere Väter berühmt sind.


So spielten wir weiter in kleinen Clubs vor ein paar hundert Leuten, von denen uns vielleicht die Hälfte, wenn überhaupt zuhörte.
Ich hatte mich mit Stephan oft unterhalten und auch wirklich gute Tipps von ihm bekommen können, auch was das Schreiben eigener Lieder anging, woran ich mich versuchte, aber irgendwie nie zufrieden war.
Aber auch da sagte Stephan, das es am Anfang normal sei und das im Laufe der Zeit kommen würde.
Ich machte mir da aber auch keinen Druck, denn noch brauchten wir ja auch keine eigenen Lieder.
Wenn wir Auftritte hatten, dann immer mit den Covern der Onkelz, was für uns aber auch kein Problem war, denn wir hatten auch daran Spaß.
Immerhin ab es viele Onkelz Lieder, die entweder einem von uns oder sogar allen aus der Seele sprachen und die wir deshalb auch immer wieder gerne spielten.
Da war es auch egal, ob es in einem Club vor ein paar hundert Leuten oder in unserem Proberaum vor keinem Publikum war.
Wir lebten die Musik und da war es uns egal, wie groß der Erfolg war.
Ich war dankbar, dass wir die Unterstützung der Onkelz hatten.
Ohne sie hätten wir nicht so viele Auftritte wie heute.
Die Onkelz gaben alles und supporteten uns wo auch immer es ging.
Sie machten Werbung auf ihrer Homepage und auf Facebook und auch in Interviews erzählten sie von uns.
Viele Clubbesitzer in Frankfurt kannten die Onkelz und so hatten wir dann auch dadurch noch ein paar Auftritte mehr.
Natürlich waren wir über den Support dankbar, versuchten es aber trotzdem nie zu viel werden zu lassen und es aus eigener Kraft zu schaffen.


An diesem Morgen lag ich noch im Bett, als ich ein lautes Poltern in meinem Zimmer hörte.
Ich schreckte hoch und sah mich verwirrt um, als ich Elvis mitten im Raum stehen sah und der mich entschuldigend anblickte.
,,Morgen Schatz, was machst du denn für einen Krach?“, fragte ich verschlafen und Elvis zuckte die Schultern.
,,Ich wollte nur den Aschenbecher leer machen. Der ist mir runter gefallen.“
,,Kaputt?“
,,Nein, alles gut.“
,,Dann ist es doch nicht so schlimm. Komm wieder ins Bett mein kleiner Putzteufel.“
,,Nenn mich nicht so.“
,,Aber du bist einer.“, grinste ich und biss Elvis sanft in die Unterlippe, nachdem ich ihn wieder ins Bett gezogen hatte.
,,Was hast du vor?“, fragte er verwirrt.
,,Nichts.“, sagte ich unschuldig und Elvis schüttelte den Kopf.
,,Das glaube ich dir nicht.“
Ich zuckte nur mit den Schultern und ließ meine Hand über seine Brust und seinen Bauch weiter runter zu seiner Mitte wandern.
Kurz bevor ich seinen Schwanz erreicht hatte, klopfte es an der Türe, was mich genervt seufzen ließ.
Auch Elvis schien nicht begeistert zu sein, setzte sich dann aber wieder hin.
,,Ja?“, fragte ich leicht genervt, ließ meine Hand aber auf Elvis' Bauch liegen, die er unauffällig zur Seite schob.


Ich blickte ihn kurz fragend an, aber dieser schüttelte nur den Kopf und sah zur Türe.
Seinem Blick mit meinem folgend, sah ich Kai in der Türe stehen.
,,Kai, welch Überraschung, komm rein.“, sagte ich und deutete auf das Fußende des Bettes.
,,Danke, ich bleibe lieber stehen. Ich wollte auch nicht stören.“, sagte er nachdem er die Türe hinter sich zugemacht hatte.
,,Tust du nicht. Wir sind nur eben erst aufgestanden.“
,,Soll ich warten, dann könnt ihr euch in Ruhe fertig machen.“
,,Du kannst in meinem Wohnzimmer warten. Hier die Türe raus und die übernächste links wieder rein.“, sagte Elvis und Kai nickte.
,,Danke, dann warte ich da.“
Noch bevor wir etwas dazu sagen konnten, war Kai auch schon aus dem Raum verschwunden und wir wieder alleine.
,,Glaubst du, dass es ein normaler Besuch ist?“, fragte Elvis und wirkte unsicher.
,,Ich bin mir nicht sicher, ich glaube nicht. Er ist komisch drauf gewesen.“
,,Das sehe ich auch so. Deswegen glaube ich nicht, dass es ein gewöhnlicher Besuch ist. Vielleicht hatte er etwas auf der Seele.“
Ich nickte, denn da könnte er recht haben.
,,Willst du lieber mit Kai alleine reden?“, fragte Elvis und ich schüttelte den Kopf.
,,Nein, lass uns zusammen gehen, Kai hat ja nicht gesagt, dass er nur mit mir reden will.“
Elvis nickte und kletterte dann aus dem Bett, was mich leise seufzen ließ, ich dann aber auch aus dem Bett kletterte um mich dann anzuziehen, was auch Elvis in der Zeit tat.


Ich zog eine Jogginghose und ein T – Shirt über, nachdem ich frische Boxershorts angezogen hatte und sah dann fragend zu Elvis.
,,Ich bin soweit.“, bestätigte er und ich nickte.
,,Gehen wir ins Wohnzimmer.“
Elvis nickte und gemeinsam machten wir uns dann auf den Weg in sein Wohnzimmer.
Kai saß dort auf der Couch und rauchte sich eine Zigarette.
,,Ich hoffe es ist okay, wenn ich hier rauche. Da stand ein Aschenbecher und ich dachte du hättest nichts dagegen.“, erklärte Kai sein Tun und Elvis nickte.
,,Du musst dich nicht rechtfertigen. Es ist okay, wenn du hier rauchst. Das tun wir auch.“
,,Dann ist ja gut.“, sagte Kai und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
,,Magst du was trinken?“, fragte Elvis und Kai schüttelte den Kopf.
,,Nein, danke. Ich wollte eigentlich etwas mit euch besprechen.“
Ich sah Elvis kurz an und setzte mich dann Kai gegenüber auf die Couch.
Auch Elvis kam zu mir und setzte sich dann ebenfalls neben mich auf die Couch.
,,Was können wir denn für dich tun?“, fragte ich und sah Kai abwartend an.
,,Du hast mir doch mal ein Angebot gemacht.“, begann Kai vorsichtig und ich überlegte angestrengt, denn mir fiel erst nicht wirklich ein, was er meinte.
,,Angebot?“, fragte ich dann doch, während ich nicht darauf kam, was er meinte.
,,Das Angebot, das du mit mir zum Grab von Max gehen würdest. Ich weiß nicht wieso, aber ich glaube ich wurde es jetzt gerne in Anspruch nehmen, wenn es noch aktuell ist und Elvis damit einverstanden ist, natürlich nur.


,,Also von meiner Seite aus spricht da nichts gegen. Ich würde es gut finden, wenn du den Schritt wählen würdest.“, sagte Elvis und Kai nickte.
,,Danke, das bedeutet mir wirklich viel.“, sagte Kai und Elvis nickte.
,,Also wenn Elvis nichts dagegen hat, dann würde ich sehr gerne mit dir auf den Friedhof gehen. Ich finde es auch sehr gut, dass du den Schritt gehen willst und ich begleite dich auch sehr gerne.“
,,Danke. Mir bedeutet das wirklich viel dass ihr mir helft. Jetzt wo ihr auf beruflicher Art und Weise nicht mehr meine Schützlinge seid, fällt es mir leichter zu fragen. Auch wenn ich nicht gerne Menschen um Hilfe bitte. Ich weiß, dass es bei euch kein Problem ist und ihr mir das nicht zum Verhängnis macht.“
,,Was meinst du?“, fragte ich verwirrt und Kai seufzte.
,,Immer wenn ich jemandem um Hilfe gebeten habe, lief es auf eine Gegenleistung hinaus. Bei euch weiß ich, dass es nicht der Fall sein wird. Ich weiß, dass ihr es ohne Gegenleistung macht.“
,,Ja, auf jeden Fall. Du hast so viel für uns getan, da wird es jetzt mal Zeit, dass wir etwas zurück geben.“
,,Das müsst ihr nicht, aber ich brauche einfach eure Hilfe.“
,,Die wirst du bekommen, wann immer du sie brauchst. Sag uns oder mir einfach Bescheid, wann du gehen willst, dann tun wir das.“
,,Ich weiß, dass es kurzfristig ist, aber hättest du vielleicht heute Zeit?“
Ich blickte kurz zu Elvis, aber der nickte nur.
,,Ja, ich habe heute Zeit.“, bestätigte ich und Kai nickte.
,,Weißt du, es ist einfach so, dass ich jetzt gehen will und auch der Meinung bin, dass ich es schaffe. Ich weiß nicht, ob ich das morgen immer noch so sehe. Morgen kann es schon anders sein und wer weiß wie lange es dann wieder dauert.“


,,Das ist kein Problem, das können wir gerne heute machen. Am besten ziehe ich mich gleich nur noch um und dann fahren wir.“
,,Du musst dich nicht wegen mir überschlagen. Wir können das auch heute Nachmittag machen, wenn es dir dann besser passt.“
,,Nein, das ist schon okay. Ich mache mich gleich fertig und dann können wir los.“
Kai nickte und ich stand auf.
,,Bis gleich.“, sagte ich, drückte Elvis nochmal einen Kuss auf und machte mich dann wieder auf den Weg in mein Schlafzimmer.
Dort suchte ich eine Jeans und ein anderes T – Shirt raus, was ich dann beides anzog und die Klamotten die ich an hatte, ließ ich achtlos auf dem Bett liegen.
Anschließend ging ich ins Bad und erledigte dort alles, was sonst noch so anfiel, bevor ich mich wieder auf den Weg ins Wohnzimmer zu Elvis und Kai ging.
,,Ich bin soweit.“, sagte ich und Kai nickte.
,,Komm, rauchen wir noch eine und dann fahren wir,“, sagte Kai und ich nickte, bevor ich mich wieder neben Elvis auf die Couch setzte.
Ich griff nach meinen Zigaretten und hielt sie erst Kai und dann Elvis hin, die sich beide jeweils eine raus nahmen und anzündeten.
Auch ich zündete mir eine an und gemeinsam rauchten wir schweigend.
Nachdem wir fertig waren, sah ich Kai fragend an und er nickte und stand dann auf.
Ich warf Elvis nochmal einen Blick zu und stand dann ebenfalls auf.
,,Liebling, wir fahren dann jetzt.“
,,Pass auf dich auf.“
,,Du auch auf dich.“, sagte er und drückte mir nochmal einen Kuss auf die Lippen.
Ich lächelte ihn an und machte mich mit Kai zusammen auf den Weg zum Auto.


Dort stiegen wir ein und Kai fuhr auch gleich los.
,,Ist es okay wenn du fährst? Ich kann sonst auch fahren.“, sagte ich und er nickte.
,,Das ist schon okay. Ich habe nicht vor uns umzubringen.“, zwinkerte Kai und ich schüttelte den Kopf.
,,Das ist nicht lustig. Ich mache mir keine Sorgen darüber, dass du uns umbringen könntest, aber ich weiß, dass es kein leichter Weg ist und so würde ich es dir vielleicht leichter machen.“
,,Aber so kann ich nicht kontrollieren, wie weit es möglich ist. Wenn ich selber fahre, dann habe ich die Kontrolle und kann einlenken, wenn es mir zu viel wird. Das kann ich nicht, wenn du fährst.“
,,Das leuchtet mir ein und das kann ich auch verstehen, aber ich wollte dir doch nur helfen.“
,,Lieb gemeint, aber in dem Fall brauche ich einfach die Kontrolle.“
Ich nickte nur, sagte aber nichts mehr dazu, denn es war okay für mich.
Den Rest der Fahrt schwiegen wir, was aber auch kein Problem war, denn der Weg war nicht mehr lange.
Wir hielten vor dem Friedhof und Kai seufzte tief.
,,Schaffst du das wirklich?“, fragte ich dann doch leicht besorgt und Kai nickte.
,,Ja, ich will das jetzt durchziehen. Jetzt und hier.“, sagte er entschlossen und stieg aus.
Auch ich stieg aus dem Wagen, ging zu Kai und legte einen Arm um ihn.
Er lächelte dankbar, legte ebenfalls einen Arm um mich und ging mit mir zusammen auf und dann über den Friedhof.
Auch wenn Kai langsamer wurde, ging er trotzdem zielstrebig weiter.


Erst vor einem Grab blieb Kai stehen, vermied aber näher ran zu gehen und den Grabstein anzusehen.
Aber nur weil Kai es noch nicht konnte, hieß es nicht, das ich das nicht konnte.
Ich blickte auf diesen und konnte den Namen lesen: Maximilian Wagner.
Das Grab war sauber und die Blumen darauf frisch, ein Zeichen dafür, dass hier regelmäßig jemand hinkam und es pflegte, oder zumindest jemanden damit beauftragt hat.
,,Alles okay?“, fragte ich und Kai nickte, aber ich konnte deutlich spüren, dass er unsicher war.
,,Du hast schon viel geschafft und den Rest schaffst du jetzt auch noch.“
Kai nickte und senkte seinen Blick vorsichtig runter und sah sich das Grab an.
Er fühlte sich unwohl, aber das konnte ich verstehen, denn das war nicht unbedingt ein Wohlfühlort.
,,Soll ich dich einen Moment alleine lassen?“, fragte ich und Kai nickte kaum merklich.
,,Ich bleibe in der Nähe.“
,,Danke.“, hauchte Kai und ich nickte, bevor ich ein paar Meter weiter ging und mich dort gegen einen Baum lehnte und von dort Kai und auch das Grab beobachtete.
Kai sank auf die Knie und ich konnte deutlich sehen, dass er weinte.
Er zitterte, aber ich wollte und konnte einfach nicht einschreiten.
In meinen Augen war es schon lange überfällig, dass er das tat.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Kai sich wieder beruhigt hatte und dann auch wieder aufstand.


Er blickte sich nach mir um und nickte mir zu, was ich als Zeichen dafür wertete wieder zu ihm zu kommen, was ich dann auch tat.
Erneut legte ich einen Arm um ihn und er nicke mir erneut zu.
,,Geht es?“, fragte ich erneut und Kai nickte.
,,Ja, es ist alles okay. Ich glaube ich habe das einfach gebraucht.“
,,Kein Problem. Ich verstehe das alles.“
,,Danke für deine Hilfe.“, sagte Kai erneut und ich nickte, denn für mich war das selbstverständlich.
Noch eine ganze Weile standen wir einfach nur schweigend vor dem Grab und sahen uns dieses an.
,,Lass uns gehen.“, sagte Kai und ich nickte, bevor wir dann auch wieder zum Auto gingen.
Dort stiegen wir ein und Kai fuhr wortlos wieder zurück zu uns nach Hause.
,,Magst du noch mit zu Elvis gehen?“ fragte ich und Kai schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich will nicht mehr mitgehen. Sei mir nicht böse, aber ich würde gerne nach Hause fahren.“
,,Klar, das verstehe ich natürlich auch. Wenn du nicht alleine sein willst, kannst u jeder Zeit auch zu uns kommen.“
,,Danke, aber ich muss später noch arbeiten, alleine bin ich dann auf keinen Fall.“
,,Du kannst ja auch schreiben oder anrufen. Selbst auf der Arbeit hast du Pausen.“
,,Ja, das stimmt. Ich werde mich melden, sobald ich kann und muss. Mach dich nicht verrückt, ich komme klar.“
,,Ich hoffe es für dich.“, sagte ich durchdringend und Kai nickte noch einmal, bevor er vor unserer Haustüre hielt.
,,Danke, dass du mich noch nach Hause gebracht hast.“


,,Ich danke dir, dass du mich begleitet hast. Das war wirklich wichtig für mich und hat mir viel bedeutet. Vielleicht schaffe ich den nächsten Besuch ja ohne dich.“
,,Habe ich gerne gemacht. Sollte noch etwas sein, dann meld dich bitte.“
,,Mache ich.“
,,Bis bald, Kai.“
,,Bis bald.“, sagte ich, stieg aus dem Auto und ging zur Haustüre.
Von dort winkte ich Kai nochmal zu und ging dann nach drinnen.
Mein erster Weg führte mich auch gleich in Elvis' Wohnzimmer und fand Elvis dort.
Er saß auf der Couch und schien im Internet zu surfen.
Ich ging zu ihm und nahm ihn von hinten in den Arm, was ihn leicht zusammenzucken ließ.
,,Erschreck mich nicht so.“, beschwerte sich Elvis und ich drückte ihm einen Kuss auf den Kopf.
Ich ließ mich neben ihn auf die Couch sinken und legte meine Hand auf seinen Oberschenkel.
,,Was hast du denn gemacht?“
,,Ich habe nur die E – Mails gelesen. Es waren schon wieder ein paar Anfragen für Konzerte dabei. Die habe ich gespeichert. Die können wir dann ja nochmal mit Pascal und Marc besprechen.
,,Ja, das können wir machen. Sonst noch etwas besonderes?“
,,Nein, eigentlich nicht. Wie ist es denn auf dem Friedhof gewesen?“
,,Ganz okay. Ich glaube Kai hat heute echt einen großen Fortschritt gemacht. Ich glaube das es ein großer Schritt in die richtige Richtung war.“


,,Wie war es denn? Ihr seid ja recht schnell wieder da gewesen.“
,,Ja, aber wir waren auf dem Friedhof und auch an dem Grab von Max. Ich habe Kai alleine gelassen, weil er das auch so wollte und hab mich dann gegen einen Baum in der Nähe gelehnt. Er hat dann geweint, ging auf die Knie und hat eine ganze Weile so verharrt. Ich habe ihn aber gelassen, ich dachte es sei notwendig. Wenn es zu schlimm geworden wäre, hätte ich immer noch eingreifen können. Erst als er dann wieder stand und mir andeutete, dass ich zurück kommen sollte, tat ich das auch.“
,,Das klingt ja wirklich nach Fortschritt. Ich finde es toll, dass du das geschafft hast.“
,,Es war ja eigentlich nicht mein Verdienst, sondern der von Kai. Er hat was großes erreicht, nicht ich.“
,,Aber du warst ein großer Teil davon und darauf kannst du stolz sein.“
,,Bin ich irgendwie nicht, denn es fühlt sich nicht so an, als ob ich etwas geleistet hätte.“
,,Das kannst du aber sein. Seid ihr danach nicht noch da geblieben?“
,,Nein, wir sind danach direkt nach Hause gekommen. Kai sagte sogar, dass er versuchen würde es danach nochmal alleine versuchen würde.“
,,Aber das klingt doch wirklich gut. Ich finde schon, dass du darauf stolz sein kannst.“
Ich brummte nur, sagte aber nichts mehr dazu, aber das war wohl auch nicht mehr nötig, denn Elvis hatte eine andere Meinung als ich und würde sich davon wohl auch nicht mehr abhalten lassen.
,,Was machen wir denn jetzt noch?“, fragte ich und Elvis zuckte die Schultern.
,,Keine Ahnung, vielleicht einen Film gucken?“


,,Haben wir denn noch einen guten?“
,,Ja, ich war gestern noch welche besorgen, die gut zu sein schienen.“, sagte Elvis und ich sah ihn überrascht an.
,,Wann hast du das denn noch gemacht?“
,,Gestern morgen als du noch geschlafen hast.“, zuckte Elvis mit den Schultern und ich nickte.
,,Wo sind die denn?“
,,Auf dem Schrank neben dem Fernseher.“
Ich ging zu dem Schrank und sah dort die Filme liegen, die ich mir dann auch gleich ansah.
,,Dein Ernst?“, fragte ich amüsiert, als ich auf einen Porno stieß.
,,Ich bin auch nur ein Mann.“, zuckte Elvis unschuldig die Schultern, was mich grinsend den Kopf schütteln ließ.
,,Die Horrorfilme scheinen echt gut zu sein.“
,,Wir können ja einen davon schauen.“, sagte Elvis und ich nickte.
,,Ich lege einen ein.“, sagte ich und legte dann auch gleich einen Film ein, bevor ich mich wieder auf die Couch zu Elvis kuschelte und diesen auch gleich in meine Arme zog.
Er kuschelte sich eng an mich und gemeinsam schauten wir uns den Film an.
Nachdem der dann beendet war, sahen wir uns noch einen weiteren Horrorfilm an und kuschelten einfach.
Als auch der Film beendet war, blickte ich auf die Uhr.
,,Es ist noch nicht wirklich spät. Wir könnten noch einen Film gucken.“, sagte Elvis und ich nickte.


,,Ja, aber ich hole uns dann vorher noch was zu trinken und Popcorn.“
,,Oh ja, Popcorn würde ich auch gerne essen.“
,,Ich gehe uns was holen.“
Ich drückte Elvis noch einen Kuss auf den Kopf und ging dann runter in die Küche, wo ich auf Stephan traf.
,,Geht es Kai besser? Der sah heute Mittag nicht gut aus.“
,,Ich denke schon. Wir waren heute auf dem Friedhof. Bei Max am Grab. Ich denke, dass war ein großer Fortschritt. Mal sehen wie es weiter geht.“
,,Das ist doch wirklich ein Fortschritt. Wie war der Besuch auf dem Friedhof denn?“
,,Normal eigentlich. Er hat geweint, hatte so etwas wie einen vollkommenen emotionalen Zusammenbruch und auch wenn es böse klingt, ich denke das war lange überfällig.“
,,Das denke ich auch, aber dann kann es ja jetzt nur noch besser werden.“
,,Ich hoffe es.“, sagte ich zustimmend und begann das Popcorn zu machen.“
,,Ihr schaut einen Film?“
,,Ja, haben wir schon, aber wir brauchten etwas zu trinken und hatten Bock auf Popcorn.“
,,Könnt ihr ja machen. Viel Spaß.“
,,Danke.“, sagte ich ehrlich und schüttete das Popcorn in eine Schüssel und schnappte mir aus dem Kühlschrank eine Flasche Cola.“
Damit ging ich dann wieder nach oben und kuschelte mich wieder zu Elvis auf die Couch.
Gemeinsam aßen wir das Popcorn, sahen uns noch einen Film an und verbrachten einfach Zeit miteinander.


Nachdem dann auch de Film zu Ende war, gähnten wir synchron.
,,Müde?“, fragte ich und Elvis nickte.
,,Lass uns ins Bett gehen, ich bin auch müde.“
Als Elvis dann nickte, stand ich auf, hob Elvis auf meine Arme und trug ihn in sein Schlafzimmer.
Dort legte ich ihn auf das Bett und befreite ihn von seinen Kleidern, die ich über einen Stuhl legte.
Auch ich befreite mich dann von meinen Klamotten und kuschelte mich dann ebenfalls nackt neben ihn ins Bett.
Elvis kuschelte sich eng an mich und ich zog ihn enger in meine Arme.
,,Schlafen?“, fragte ich und Elvis nickte.
,,Dann wünsche ich dir eine wunderschöne gute Nacht, schlaf gut und träum was süßes. Ich liebe dich über alles und mehr als alles andere.“
,,Ich wünsche dir auch eine wunderschöne gute Nacht. Schlaf du auch gut und träum du auch was süßes. Ich liebe dich auch über alles und mehr als alles andere.“
,,Bis später, mein Engel.“, hauchte Elvis.
,,Bis später mein Schatz.“, hauchte ich ebenfalls zurück und drückte Elvis noch einen Kuss auf den Kopf.
Kurze Zeit später hörte ich ihn auch schon leise schnarchen, was mir ein kleines Lächeln auf die Lippen zauberte.
Ich lag noch eine Weile wach und dachte über die Dinge nach, die den Tag über passiert waren und auch über die zukünftige Planung der Band bezüglich.
Nach einer Weile schlief ich dann auch ein und verfiel in einen unruhigen und nicht wirklich erholsamen Schlaf.


Mitten in der Nacht schreckte ich hoch.
Mein Herz raste und mein Puls war wohl wahrscheinlich nicht mehr messbar.
Ich verspürte eine Angst, die ich noch nie in meinem Leben hatte.
Es wirkte alles so irreal, aber ich war wach.
Mein ganzer Körper zitterte und ich war nassgeschwitzt.
Als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte, zuckte ich heftig zusammen und unterdrückte einen Schrei.
,,Alles okay?“, fragte Elvis besorgt und ich nickte.
,,Ja, ich denke schon.“
,,Was ist denn passiert? Warum zitterst du so?“
,,Ich habe schlecht geträumt.“
,,Wovon? Was? Was war es?“
,,Ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich an nichts erinnern, aber ich habe einfach eine scheiß Angst und weiß nicht wovor. Das klingt doch total krank.“
,,Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers. Das Gehirn blockiert Dinge, die uns Angst machen könnten, beziehungsweise uns Angst machen, um uns zu schützen.“
Ich nickte, denn das leuchtete mir ein und langsam beruhigte ich mich auch wieder.
,,Geht’s wieder?“, fragte Elvis und ich nickte.
,,Ja, schlaf weiter, ich rauche noch eine und dann schlafe ich auch weiter.“
Elvis nickte und legte sich wieder hin bevor er dann kurze Zeit später wieder ein.
Ich rauchte noch eine Zigarette und versuchte mich an den Traum zu erinnern, aber es gelang mir einfach nicht.
Nachdem ich die Zigarette geraucht hatte, lege ich mich auch wieder hin und schlief auch bald wieder ein.


Ich saß im Auto und fuhr über eine Straße, die ich nicht kannte.
Offensichtlich war ich alleine, hatte keine Ahnung wo ich hin wollte, denn ich saß entschlossen am Steuer.
Plötzlich wurde das Bild schwarz, als wäre ich in einer undurchdringlichen Schwärze gefangen, bis ich das Gesicht eines kleinen Kindes Gesicht sah.




Ich schreckte hoch, erneut nassgeschwitzt, angsterfüllt, am ganzen Körper zitternd.
Das hatte ich noch nie und und kam es zweimal in einer Nacht vor.
,,Julian, was ist los? Du reagierst doch sonst nicht so auf Horrorfilme.“
,,Ich kann mich an etwas erinnern.“
,,Woher willst du denn wissen, dass es immer der gleiche Traum ist?“
,,Ich weiß es nicht. Das was ich von den Traum noch weiß, rechtfertigt mein Verhalten nicht.“
,,Was weißt du denn noch?“
,,Ich saß in einem Auto, ich war unterwegs, aber ich kannte die Umgebung nicht, aber ich war entschlossen wie noch nie zuvor. Dann wurde das Bild schwarz, ich bin sicher das es da noch mehr gab, ich das aber einfach nicht mehr weiß. Ich habe einen kleinen Jungen gesehen, ich kannte ihn nicht.“
,,Das klingt total bescheuert, Schatz. Ich glaube dir sind die Horrorfilme nicht bekommen. Leg dich wieder hin und gut ist.“, sagte Elvis und legte sich wieder hin.
Langsam beruhigte ich mich wieder und seufzte leise. Vielleicht hatte Elvis ja recht.
Vielleicht waren die Horrorfilme heute wirklich zu viel, wobei ich das sonst nie hatte.
Ich legte mich dann doch auch wieder hin und versuchte dann wieder zu schlafen.
Tatsächlich schlief ich dann kurze Zeit später wieder ein.


Ich hielt Papiere in der Hand, konnte nicht erkennen, was darauf stand.
Aufregung durchströmte meinen Körper.
Vollkommen aufgebracht saß ich in meinem Auto.
Wieder auf dem Weg irgendwo hin, aber ich wusste nicht wohin.
Ich parkte vor einem Haus aber das kannte ich auch nicht, blickte zur Beifahrerseite und sah erneut diesen kleinen Jungen.


Wieder schreckte ich aus dem Traum auf und fuhr mir mit der Hand durch die Haare.
,,Julian, langsam nervt es. Was war denn jetzt?“
,,Ich habe schon wieder schlecht geträumt. Ich weiß auch nicht wieso. Das ergibt auch alles keinen Sinn.“
,,Was war es denn diesmal?“, fragte Elvis genervt und ich seufzte.
,,Ich weiß auch nicht. Ist ja auch egal.“
,,Was denn? Jetzt sag mir doch, was es war.“
,,Ich hatte Papiere, ich weiß nicht, was darauf stand. Ich war aufgedreht und aufgeregt, aber ich weiß nicht weshalb. Ich saß wieder in meinem Auto, aber diesmal hielt ich vor einem Haus. Ich kannte es nicht, aber neben mir auf dem Beifahrersitz saß wieder der kleine Junge.“
,,Du wirst langsam echt paranoid. Es ist langsam gut. Du solltest weniger Drogen nehmen und vielleicht etwas mehr schlafen.“
,,Das ist immer so real. Ich fühle es. Es ist als würde der Traum mir etwas sagen wollen.“
,,Okay, das reicht! Du hast zu viel Drogen in dir. Du solltest über einen Entzug nachdenken oder einen Psychologen und jetzt schlaf weiter.“


Ich ließ Elvis' Aussage so stehen, denn vielleicht hatte er Recht.
Wahrscheinlich hatte das alles nichts zu bedeuten und ich machte mir einfach nur zu viele Gedanken.
Mit meiner Hand fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und über die Augen und legte mich wieder hin.
Es dauerte diesmal etwas länger, bis ich dann auch endlich wieder einschlief.

Ich stand auf dem Friedhof, vor dem Grab von Max.
Als ich mich umblickte sah ich niemanden, ich war alleine.
Anfangs war es hell, scheinbar am Tag, aber plötzlich war es stockdunkel ich erkannte nichts um mich herum.
Dann kniete ich vor dem Grab, ich konnte es deutlich erkennen, aber es war so, als würde ich neben mir stehen, obwohl ich alles wahr nahm, als würde ich es erleben.
Mit meinen Händen grub ich das Grab aus bis ich Schritte hörte.
Ich blickte neben das Grab und erneut sah ich wieder diesen kleinen Jungen.


Ich schreckte erneut hoch, wieder nassgeschwitzt, angsterfüllt und zitternd.
Diesmal war es noch schlimmer als vorher.
Elvis seufzte und stand auf.
,,Wo gehst du hin?“, fragte ich ängstlich, denn ich wollte nicht alleine sein.
,,Nachsehen ob Kevin noch wach ist.“
,,Wieso?“
,,Weil du durchdrehst. Ich hab keine Ahnung was mit dir los ist. Offensichtlich kann ich dir auch nicht helfen, aber dein Dad kann es vielleicht.“
,,Nein, lass es. Das bringt nichts. Bleib bei mir.“


,,Julian, das ist nicht normal. Du drehst durch und dabei werde ich sicher nicht zusehen.“
,,Ich habe mich beruhigt, es ist okay. Lass uns schlafen.“
,,Wir können nicht einfach so tun als wäre nichts gewesen, Julian. Das ist eine ernste Angelegenheit, wenn du durchdrehst, was du ganz offensichtlich tust.“
,,Ja, du hast recht. Komm wieder ins Bett, es ist sicher nichts. Vielleicht spielen meine Nerven mir einen Streich.“
,,Nicht deine Nerven, deine Fantasie wohl eher.“
,,Ja, du hast recht. Es tut mir leid.“
,,Letzte Chance. Wenn du jetzt nochmal wach wirst, dann gehe ich wirklich zu deinem Vater.“
,,Schon okay. Ich weiß auch nicht was los ist. Vielleicht doch die Drogen.“
Elvis nickte, legte sich dann wieder neben mich und schlief dann kurze Zeit später wieder ein.
Seufzend tastete ich nach meinen Zigaretten und zog eine aus der Packung, die ich dann auch gleich anzündete.
Ich inhalierte den Qualm tief und ließ ihn wieder meinen Lungen entweichen.
Vollkommen ratlos saß ich noch eine ganze Weile im Bett und versuchte aus dem Traumfetzen schlau zu werden, aber es gelang mir nicht.
Langsam glaubte ich wirklich, dass ich durch drehte.
Aber ich fand einfach keinen Reim auf das alles.
Nach einer Weile schlief ich dann erneut ein und verfiel wieder in einen unruhigen und nicht wirklich erholsamen Schlaf.


Ich war auf dem Friedhof und schaufelte ein Grab aus, wieder mit den Händen.
Nassgeschwitzt, weinend und ich wollte es einfach leer machen, es ausgraben.
Panik stieg in mir hoch, gepaart mit dem unbändigen Drang endlich das Grab und vor allem den Sarg zu öffnen.
Dann sah ich den Sarg und gerade als ich ihn öffnen wollte, erschien wieder dieser Junge.
Er schien mir etwas sagen zu wollen und öffnete den Mund.


Ich schreckte erneut hoch, aber diesmal war es hell.
Angsterfüllt sah ich mich im Raum um, aber ich war alleine.
Elvis war verschwunden, ich wusste nicht wohin, ich war nicht mal sicher, ob ich überhaupt wach war, oder ob ich immer noch schlief.
Mit zitternder Hand schlug ich die Bettdecke zurück und hatte das Gefühl ich würde kleben und das obwohl ich nichts an hatte.
Ich zog meine Boxershorts über und suchte Klamotten zusammen, die ich anziehen konnte.
Damit ging ich dann in das Bad, befreite mich von den Shorts die ich noch trug und stellte mich unter die Dusche.
Nachdem ich das Wasser eingeschaltet hatte, traf es kalt auf meinen Körper.
Ich zuckte heftig zusammen, aber einfach aus Schreck und nicht wegen der Kälte.
Die Kälte nahm ich nicht wahr, auch nicht, dass das Wasser heiß wurde nach einiger Zeit.
Erst als sich mein gesamter Oberkörper schon dunkelrot verfärbt hatte, schaltete ich das Wasser kühler.


Ich seifte meinen Körper und meine Haare ein und spülte beides wieder aus.
Anschließend schaltete ich das Wasser wieder ab, stieg aus der Dusche und wickelte mich in ein Handtuch.
So als würde ich neben mir stehen, so fühlte ich mich.
Beschreiben konnte ich das nicht, aber es fühlte sich alles vollkommen irreal an.
Mit dem Handtuch trocknete ich mich dann ab und zog meine Kleidung an.
Ohne etwas aufzuräumen oder sauber zu machen, verließ ich den Raum und ging in das Wohnzimmer von meinem Dad und Stephan.
Die beiden saßen im Wohnzimmer, aber von Elvis war keine Spur.
,,Guten morgen. Wo ist Elvis?“, fragte ich und Kevin zuckte die Schultern.
,,Er wollte in die Stadt.“, sagte Stephan und ich blickte auf die Uhr.
,,Es sind erst 10 Uhr. Warum seid ihr denn schon so früh wach?“
,,Wir sind immer um die Uhrzeit wach. Wir müssen ja auch arbeiten.“
Ich nickte, denn das leuchtete mir ein.
,,Du siehst nicht gut aus, was ist los?“, fragte Kevin und zog mich neben sich auf die Couch.
,,Ich habe schlecht geschlafen.“
,,Das ist aber nicht alles, oder?“, fragte Stephan und auch Kevin sah nicht wirklich überzeugt aus.“
,,Ach ich hab einfach nur Scheiße geträumt. Total zusammenhangloses Zeug. Elvis hat schon an meinem Verstand gezweifelt.“
,,Wieso? Was hast du denn geträumt?“, fragte Kevin und wirkte nun besorgt.
Ich schüttelte den Kopf, denn ich wollte nicht wirklich erzählen, was ich geträumt hatte, denn das war doch wirklich krank.


,,Ich hab dummes Zeug geträumt. War auch nicht wirklich wichtig.“
,,Das sehe ich anders. Erzähl es deinem Dad. So kann es nicht weitergehen, Julian!“, hörte ich die Stimme von Elvis in der Türe und seufzte leise.
,,Worum geht es hier?“, fragte Kevin ungeduldig und erneut seufzte ich.
,,Julian, wenn du es nicht tust, dann tue ich es.“, sagte Elvis und ich nickte.
,,Schon okay, ich werde es euch erzählen. Es waren mehrere Träume, vielleicht auch immer der Gleiche, ich weiß es nicht, aber jedes Mal bin ich wach geworden und hatte Angst. Das war fast schon richtige Panik. Ich war nass geschwitzt, hab gezittert, es war grausig, aber einen Zusammenhang erkenne ich nicht.“
,,Erzähl es uns, vielleicht können wir dir helfen.“, sagte Stephan und ich nickte.
,,Im ersten Teil des Traums saß ich im Auto. Offensichtlich war ich alleine. Ich fuhr über eine Straße, die ich aber nicht kannte und ich wusste auch nicht, wo ich hin wollte, aber ich war wild entschlossen. Dann wurde das Bild plötzlich schwarz, ich konnte nichts mehr sehen und dann sah ich plötzlich das Gesicht eines Kindes und bin schreckhaft wach geworden.“
,,Das klingt wirklich mehr als komisch. Aber erzähl mal weiter, vielleicht blicken wir ja noch durch.“, sagte Kevin und ich nickte.
,,Im zweiten Teil hielt ich Papiere in der Hand, konnte aber nicht erkennen, was darauf stand. Ich war aufgebracht, aber auch entschlossen, dabei hatte ich keine Ahnung wozu. Ich saß erneut in meinem Auto, wusste wieder nicht wohin, bis ich vor einem Haus hielt. Ich kannte das Haus auch nicht und habe auch keine Ahnung, wer da wohnt. Weder in meinem Traum, noch in der Realität. Als ich dann zur Beifahrerseite des Autos blickte aß da erneut dieser kleine Junge,. Ich bin erneut wachgeworden und hatte verdammt große Angst.“


,,Das ist echt krank, Julian.“, sagte Stephan ich ich nickte.
,,Ja, da hast du vollkommen Recht. Aber das war ja immer noch nicht alles. Du musst dir den Rest auch noch geben.“, sagte Elvis und ich seufzte.
,,Erzähl weiter, Julian.“, forderte mein Dad mich auf und ich nickte.
,,Im dritten Teil stand ich vor dem Grab von Max und ich war alleine. Keiner war da. Anfangs war es noch hell, aber plötzlich war es stockdunkel. Als ich wieder was erkennen konnte, kniete ich vor dem Grab und buddelte es aus, mit meinen Händen. Es war so, als würde ich neben mir stehen, obwohl ich alles ganz genau sah und vor allem empfand. Als ich dann Schritte hörte, sah ich neben das Grab und sah wieder den Jungen. Erneut wurde ich angsterfüllt wach und weiß nicht, was das alles soll.“
,,Das ergibt doch alles keinen Sinn.“, sagte Stephan und schüttelte den Kopf.
,,Nein, das tut es auch nicht, aber ich habe auch keine Ahnung warum er so eine Scheiße träumt. Ich habe schon gesagt, dass er die Drogen aus dem Leib lassen soll.“, sagte Elvis und ich seufzte leise, denn ich wusste doch auch, dass das alles ziemlich dämlich klang, aber ich konnte es doch nicht ändern. Ich hatte mir die Träume doch auch nicht ausgesucht.
,,Gibt es noch mehr?“, fragte Kevin und ich nickte.
,,Ja, es gibt noch einen Teil.“
,,Den kenne ich auch noch nicht.“, sagte Elvis und ich nickte, denn da hatte er recht.
,,Dann erzähl uns den letzten Teil auch noch und dann versuchen wir daraus schlau zu werden.“, sagte Kevin und ich nickte.
Wirklich sicher ob sie daraus schlau wurden, war ich nicht, aber seit den komischen Träumen war ich mir mit nichts mehr sicher.


Ich fühlte mich wie in einem niemals enden wollenden Traum.
,,Im vierten und bis jetzt letzten Teil schaufelte ich wieder das Grab aus, wieder mit den Händen. Ich war nassgeschwitzt, ich weine hatte Panik, aber auch den unbändigen Drang dieses Grab leer zu machen, aber ich weiß nicht warum. Gerade als ich den Sarg erreicht hatte und ihn öffnen wollte, sah ich erneut den Jungen. Diesmal wurde ich aber nicht sofort wach, denn es wirkte so, als wolle er mir etwas sagen, aber bevor das der Fall war, wurde ich wieder wach.“
,,Ich denke du machst dir einfach nur zu viele Gedanken um Kai und seinen Bruder. In Träumen verarbeitet der Körper Dinge aus dem Unterbewusstsein. Vielleicht träumst du deshalb so ein wirres Zeug.“, sagte Kevin und ich nickte, denn das leuchtete mir ein und das könnte auch der Grund sein, denn mich beschäftigte das natürlich immer noch, denn ich hatte ja immer noch Hoffnung, Kai zu helfen.
,,Du hast aber kein Drogenproblem, oder? Ich meine das du kiffst wissen wir ja, aber nimmst du vielleicht noch was anderes? Denn nur vom Gras alleine hat man nicht solche Paranoia.“, sagte Stephan, aber ich schüttelte schnell den Kopf.
,,Ich kiffe hier und da mal gerne einen und manchmal vielleicht auch einen zu viel, aber ich nehme nichts anderes.“
,,Bist du dir da sicher?“, fragte Stephan und ich nickte.
,,Ja verdammt, ich bin mir verdammt sicher. Ich weiß doch, was ich genommen habe und was nicht.“
,,Ja du hast ja Recht. Ich wollte nur sichergehen, dass du nicht damit experimentierst.“
,,Tue ich nicht.“
,,Ich denke es sind nur die unterbewussten Dinge Kai bezüglich.“, sagte Kevin und ich nickte.


,,Du solltest dir da nicht zu viele Gedanken machen, ich bin sicher, dass sich das wieder einrenkt, spätestens wenn es dich nicht mehr belastet.“, sagte Kevin und ich nickte, denn vielleicht hatte er ja auch recht und es würde sich wirklich wieder einrenken.
,,Du solltest dich etwas ablenken. Vielleicht auch nicht mehr drüber nachdenken, das kann dich nämlich auch verrückt machen.“
,,Ja, ich weiß, aber das ist nicht so einfach. Ich meine Kai ist immer noch ein Freund von mir, wenn nicht sogar der Beste und da kann ich doch nicht einfach vergessen.“
,,Das verstehe ich natürlich, aber es wäre das Beste.“
,,Ich weiß.“, seufzte ich leise, sagte da aber sonst nichts mehr dazu.
Auch für die drei anderen schien das Thema jetzt erledigt zu sein, was mich aber auch nicht wirklich störte.
,,Was machen wir denn heute noch?“, fragte Elvis und ich zuckte die Schultern.
,,Ich weiß es nicht. Wir müssen auf jeden Fall noch mit Pascal und Marc reden wegen den Mails. Du hast doch gesagt, dass es da noch Anfragen gab.“
,,Ja, die sind ja noch im Postfach. Die habe ich extra nicht gelöscht. Wir können ja den Laptop mitnehmen und dann im Proberaum recherchieren.“
Ich nickte, denn das konnten wir machen, war das auf jeden Fall eine Möglichkeit, wie wir das anstellen konnten.
,,Willst du denn später noch in den Proberaum fahren?“, fragte Elvis weiter und ich überlegte kurz.
,,Wenn Pascal und Marc Zeit haben, dann ja.“


,,Ich rufe gleich die beiden mal an, aber die werden jetzt wahrscheinlich noch arbeiten sein.“
,,Das kann sein, aber es ist ja auch noch Zeit. Wir können das ja auch die Tage noch machen, denn die Anfragen sind auch in ein paar Tagen noch da.“
Elvis nickte erneut und schien mir Recht zu geben, was mich dann doch etwas beruhigte, denn die waren wir nicht immer vor allem in letzter Zeit nicht oft.
,,Ich schreibe ihnen jetzt mal bei WhatsApp und dann schauen wir mal, was sie sagen.“, sagte Elvis und ich nickte.
Elvis kümmerte sich dann um die Nachrichten, während ich in die Küche ging und mir dort einen Kaffee holte.
Damit setzte ich mich dann wieder an den Tisch und sah Elvis fragend an.
,,Ich habe den beiden geschrieben, aber noch keine Antwort.“
,,Kommt wahrscheinlich noch. Wenn die Jungs arbeiten sind, haben die ja nicht so viel Zeit.“
,,Warten wir es ab.“, sagte ich weiter und Elvis nickte.
„Vielleicht solltest du dich lieber noch etwas hinlegen.“, sagte Kevin und ich seufzte leise.
,,Ich werde es versuchen, falls die Jungs heute nicht können, aber ich warte erst ab.“
,,Sag mir wenn du Hilfe brauchst. Ich werde dir so gut es geht helfen, auch wenn ich leider noch nicht wirklich weiß wie.
,,Das ist lieb von dir, aber das muss nicht sein. Das ist sicher nichts schlimmes. Wahrscheinlich wirklich nur unterbewusst irgendwie.“
Kevin nickte und ließ das Thema dann auch so stehen.“


Es dauerte noch eine Weile, bevor wir Antwort von den beiden bekamen.
In der Zeit trank ich meinen Kaffee und wartete.
Kevin und Stephan unterhielten sich immer wieder, aber da hörte ich nicht wirklich zu, denn das war für mich nicht interessant.
,,Schatz, Pascal hat geschrieben.“, sagte Elvis und ich nickte.
,,Was hat er denn geschrieben?“
,,Er hat vorgeschlagen sich morgen zu treffen, denn heute muss er lange arbeiten. Von Marc hab ich noch nichts gehört.“
,,Aber wenn Pascal das schon verschieben will, dann wird Marc das auch tun wollen. Vielleicht sollten wir es gleich so machen. Ich meine die Mails sind auch morgen noch da.“
,,Ja, wenn Marc mir schreibt, dann kläre ich das auch mit ihm ab.“
,,Das wäre toll, denn dann kann ich mich noch etwas hinlegen.“
Elvis nickte und schien damit einverstanden zu sein.
Jetzt wo ich wusste, dass es wahrscheinlich nur an meinem Unterbewusstsein lag.“
,,Gehen wir gleich nach oben?“, fragte Elvis und ich nickte gähnend.
,,Dann lass uns hochgehen, wenn es zu spät ist, solltest du auch nicht mehr schlafen. Sonst kannst du diese Nacht nicht mehr schlafen.“
,,Wäre möglich. Dann lass uns hoch gehen.“, sagte ich und stand auf.
Auch Elvis stand auf und ging dann gemeinsam mit mir nach oben.
,,Legst du dich auch noch was hin?“, fragte ich und Elvis schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich gehe in die Stadt. Ich wollte noch etwas erledigen. Wenn du möchtest, wecke ich dich wenn ich wieder da bin.“
,,Das kannst du gerne machen.“


Elvis nickte und ich kuschelte mich ins Bett.
Ich zog die Decke über meinen Körper, bevor Elvis nochmal zu mir kam.
Er drückte mir einen Kuss auf die Lippen, was mich sanft lächeln ließ.
,,Schlaf gut und träum was süßes. Ich liebe dich über alles und mehr als alles andere.“
,,Danke, ich wünsche dir viel Spaß in der Stadt und pass auf dich auf. Ich liebe dich auch über alles und mehr als alles andere.“
,,Bis gleich, mein Schatz.“
,,Bis später, Liebling.“, sagte ich und sah Elvis dabei zu, wie er den Raum verließ.
Nachdem ich alleine war drehte ich mich auf den Bauch und versuche zu entspannen und vor allem nicht mehr an den Traum zu denken.
Irgendwann schlief ich dann auch wirklich ein und verfiel in einen unruhigen und nicht wirklich erholsamen Schlaf.

Gleißend helles Licht brannte in meinen Augen, erkennen konnte ich nichts.
Ich spürte eine angenehme Wärme auf meiner Haut, wusste aber nicht woher sie kam.
Erst langsam lichtete sich die Helligkeit und ich erkannte, wo ich war.
Es war ein Spielplatz, den ich zuvor noch nie gesehen hatte.
Fast schon gespenstisch, dass an so einem schönen Tag keine Kinder spielten.
Ich hörte Gelächter von Kindern, konnte aber keine sehen.
Mein Blick glitt über den Spielplatz, aber ich konnte nichts erkennen.
Eine Gänsehaut überzog meinen Körper und ich schauderte.
Vor mir tauchte aus dem Nichts wieder der kleine Junge auf und schien mir wieder etwas sagen zu wollen.



Ich wurde wach und sah mich im Raum um, natürlich war dort nichts anders als vor dem Traum.
Warum ich den Traum hatte, wusste ich nicht und auch nicht wieso ich es immer träumte, aber das musste doch einen Grund haben.
Diesmal war es anders, eine andere Umgebung, aber der Junge war wieder da und wieder wollte er mir was sagen.
Warum wurde ich immer vorher wach?
Ich war mir mittlerweile sicher, dass der Traum etwas zu bedeuten hatte, aber leider wusste ich noch nicht was genau.
Seufzend fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und überlegte, was ich jetzt tun könnte oder besser sollte.
Eigentlich blieb nur nochmal versuchen zu schlafen und mehr zu erfahren.
Ich begriff auch nicht, wieso ich immer wach wurde, bevor es etwas gab, was das alles erklären könnte.
Vielleicht aus Selbstschutz?
Aber warum träumte ich überhaupt davon?
Ich hatte doch nie etwas mit Max zu tun, denn ich kannte ihn ja nicht mal.
Für mich ergab das alles einfach keinen Sinn, aber ich wusste, dass es einen geben musste.
Vorsichtig legte ich mich wieder hin, denn ich hatte mich aufgesetzt, um mich im Raum umzusehen.
Erneut kuschelte ich mich in die Decke und schlief kurze Zeit später auch schon wieder ein, was aber auch nicht ruhig und erholsam war.


Ich befand mich erneut auf dem Spielplatz, war aber alleine.
Die Sonne brannte auf meiner Haut und war unglaublich heiß.
Schweiß lief über mein Gesicht und innerhalb weniger Minuten war ich nass, als wäre ich gerade aus der Dusche gestiegen.
Suchend sah ich mich auf dem Spielplatz um, bis ich erneut den kleinen Jungen sah.
Diesmal saß er auf der Schaukel und sah mich durchdringend an.
,,Komm mit mir spielen, Max.“, sagte er in meine Richtung und ich sah mich fragend um.
Hinter mir war niemand und als ich mich wieder zu der Schaukel umdrehte, stand dieser kleine Junge vor mir.
Er lächelte mich an, griff nach meiner Hand und zog mich mit zur Schaukel.
,,Setz dich und spiel mit mir, Max.“, sagte er und jetzt begriff ich, dass er mich Max nannte.


Ich schlug die Augen auf und schlug mit der Faust neben mir auf das Bett.
Wieso jetzt?
Vielleicht hätte ich mehr erfahren können, aber ich musste ja mal wieder wach werden.
Es ergab alles keinen Sinn, denn wieso nannte er mich Max?
Vor allem wer war dann dieser kleine Junge den ich sah?
Wenn ich in meinem Traum Max war, wer war dann der kleine Junge?
Das ergab alles verdammt nochmal keinen Sinn.


Aber ich konnte auch mit niemandem reden, denn die hielten mich doch jetzt schon für gestört.
Mit meiner Hand fuhr ich mir durch die Haare und blickte mich erneut im Raum um, wo ich aber auch nichts fand, was mir helfen könnte.
Die Schlafzimmertüre ging auf und Elvis betrat den Raum.
,,Du bist ja wach.“, sagte er und ich nickte.
,,Ja, ich bin wach geworden. Hast du bekommen, was du wolltest?“, fragte ich und Elvis nickte.
,,Ja, ich habe ein paar Klamotten gekauft. Nichts besonderes.“
,,Lass mal sehen.“
,,Du hattest schon wieder diese Träume, oder?“, fragte Elvis und ich nickte.
,,Wieder der Friedhof?“
,,Nein, diesmal war ich auf dem Spielplatz.“
,,Julian, das ist krank. Du solltest vielleicht mal zum Arzt gehen. Das ist sicher nicht gesund.“
,,Ich drehe nicht durch. Das hat eine Bedeutung, nur kenne ich sie leider noch nicht. Aber er versucht mir etwas zu sagen, da bin ich mittlerweile sicher.“
,,Was soll dir ein Traum sagen wollen? Du drehst langsam echt durch.“
Ich nickte seufzend und wusste langsam wirklich nicht, was ich davon noch halten sollte und ob das alles so der Richtigkeit entsprach.
Vielleicht bildete ich mir wirklich zu viel ein, ich wusste es doch langsam selber nicht mehr.
,,Erzähl mir von dem Traum. Der scheint dich ja immer noch zu belasten.“
,,Nein, tut es nicht. Du hast recht, ich drehe wahrscheinlich wirklich einfach nur durch.“


,,Jetzt sag schon.“, drängte Elvis und ich seufzte leise.
,,Das ergibt alles keinen Sinn.“
,,Erzähl endlich. Los jetzt.“
,,Ich war auf einem Spielplatz, den kannte ich aber nicht. Da war ich auch vorher noch nie. Erst war ich alleine, aber dann tauchte der kleine Junge wieder auf. Er schien mir wieder etwas sagen zu wollen, aber ich wurde wieder wach. Ich bin dann kurze Zeit später wieder eingeschlafen und diesmal hat der kleine Junge auch mit mir gesprochen. Er saß auf der Schaukel und wollte das ich mit ihm spiele und hat mich Max genannt. Erst dachte ich er würde vielleicht jemand anders meinen und hab mich umgesehen, aber da war niemand. Als ich dann wieder zu den Schaukeln sehen wollte, stand der kleine Junge direkt vor mir. Er hat meine Hand und hat mich mit auf die Schaukel genommen. Da hat er mich wieder Max genannt und wollte, dass ich mit ihm schaukelte. Ich wollte ihm antworten und ihm sagen, dass ich nicht Max bin, aber dann wurde ich wieder wach und hab seitdem auch nicht mehr geschlafen.“
,,Das ist langsam echt nicht mehr lustig. Das ist nicht mal gruselig, das ist einfach nur krank. Du solltest dir vielleicht wirklich Hilfe holen.“
,,Ich denke drüber nach. Jetzt zeig du mir lieber Mal, was du dir schönes gekauft hast.“
Elvis brummte unzufrieden, zeigte mir dann aber doch was er sich gekauft hatte.
Mir gefielen die Sachen auch wirklich gut und ich war sicher, dass er noch viel besser darin aussah.
,,Marc und Pascal haben übrigens zugestimmt, dass wir morgen de Mails durchgehen.“


,,Super, dann machen wir das morgen. Was machen wir denn dann heute noch?“, fragte ich und setzte mich auf um nach meinen Zigaretten zu greifen.
Davon zündete ich mir eine an und hielt Elvis die Packung hin.
Er nahm sie an und setzte sich zu mir auf das Bett.
,,Lass uns was zocken oder so. Einen ruhigen Abend und Rest Tag machen.“
,,Das klingt fantastisch. Vielleicht können wir die Zeit dann ja positiv für uns nutzen.“, sagte ich und kniete mich hinter Elvis um seinem Nacken zu küssen.
Ich hörte Elvis leise, aber dennoch genüsslich seufzen und spürte, wie sich sein Körper mit einer Gänsehaut überzog.
,,Meinst du wirklich wir sollten das tun?“, fragte Elvis unsicher und ich nickte.
,,Natürlich. Warum sollten wir das nicht tun? Weißt du eigentlich wie verrückt es mich macht, wenn du die Hose an hast. Du hast darin so einen verdammt knackigen Arsch, da wird mir ganz anders. Vor allem wird es verdammt hart in gewissen Körperregionen.“
,,Das werde ich mir mal genauer ansehen.“, zwinkerte Elvis, stand auf und drückte mich auf das Bett zurück.
Ich schlang meine Arme um ihn und streichelte sanft über seinen Rücken weiter runter zu seinem Arsch, in den ich mich auch gleich rein krallte.
Elvis stöhnte auf, drückte seinen Schwanz gegen meinen und so konnte ich deutlich spüren, dass es ihn auch nicht kalt gelassen hatte und sich auch sein Schwanz der vollen Länge nach aufgestellt hatte.
Schweren Herzens ließ ich meine Hände über seinen Rücken und befreite ihn auch gleich von seinem T – Shirt, was ich dann achtlos neben das Bett schmiss.
Elvis begann in der Zeit seinen Schwanz an meinem zu reiben.


Ich stöhnte auf und drückte mich ihm entgegen, während ich über seinen Rücken streichelte.
Noch während ich mich in seinen Arsch krallte, drehte Elvis sich mit mir rum und lag nun unter mir.
Sofort ließ er seine Hände unter mein T – Shirt gleiten, befreite mich ebenfalls davon und schmiss es achtlos neben das Bett.
Noch während ich hinterher blickte, drehte Elvis sich erneut mit mir um und war wohl etwas zu überschwänglich, denn mein Bett hatte auch mal ein Ende und so kam es, dass Elvis und ich daneben landeten.
Ich konnte es nicht verhindern, dass ich anfing zu lachen.
Aber Elvis ging es auch nicht anders, denn auch er lachte laut los.
Eine ganze Weile lagen wir auf dem Boden und lachten lauthals.
Es war befreiend, dass wir endlich nochmal lachen konnten.
Nachdem wir uns beruhigt hatten, kletterte Elvis wieder auf das Bett und auch ich kletterte hinterher.
Kaum das ich das Bett wieder erreicht hatte, lag Elvis auch gleich wieder über mir und küsste sich meinen Hals entlang.
Hier und da biss er sanft hinein, was mich leise aufstöhnen ließ, während ich durch seine Haare streichelte.
Von dort aus küsste er sich weiter runter über meine Schulter zu meiner Brust und umkreiste mit seiner Zungenspitze meine Brustwarzen, was mich leise seufzen ließ.
Als er dann sanft hinein biss, konnte ich mir ein erneutes stöhnen nicht verkneifen und krallte mich auch gleich fester in seine Haare.


Er leckte sich mit seiner Zungenspitze weiter runter über meinen Bauch, umkreiste dort meinen Bauchnabel und leckte sich dann weiter runter zu meinem Hosenbund, an dem er sich entlang küsste, leckte und knabberte.
Ich drückte mich ihm entgegen und streichelte weiter durch seine Haare.
Tief in meinem Inneren verspürte ich den unbändigen Drang meinen Schwanz in seinen Mund zu rammen.
,,Elvis....“, keuchte ich, kam aber nicht weiter, sondern stöhnte stattdessen heftig auf, als Elvis hart über meinen Schwanz streichelte.
Anschließend befreite er mich von meiner Hose und schmiss diese achtlos neben das Bett.
Nur einen kleinen Augenblick sah ich ihr hinterher und konzentrierte mich dann wieder voll und ganz auf Elvis, der sich erst den Bund meiner Shorts entlang küsste, bevor er sich darüber und somit auch über meinen Schwanz küsste.
Stöhnend drückte ich mich ihm entgegen und krallte mich so fest es ging in seine Haare.
Quälend langsam befreite Elvis mich von meinen Shorts und schmiss diese ebenfalls neben das Bett, bevor er sich über meinen Schwanz beugte und diesen der vollen Länge nach in den Mund nahm.
Laut stöhnte ich auf und bewegte seinen Kopf mit meiner Hand.
Elvis ließ mich gewähren und bewegte seinen Kopf zu meinen Bewegungen.
Stetig beschleunige er sein Tempo, wobei ich ihm immer wieder gerne entgegen kam.
Noch bevor Elvis alles aus sich herausholte, stöhnte ich schon laut und auch meine Atmung hatte sich schon deutlich beschleunigt, aber das kannte ich von Elvis nicht anders, denn er brachte mich immer um den Verstand.


Als er dann alles aus sich herausholte, stöhnte ich noch etwas lauter auf und drängte mich ihm noch enger entgegen.
Mein Stöhnen wurde immer lauter und glich eher einem Keuchen.
Ich spürte seine Hand, die mich noch zusätzlich im Takt seiner Bewegungen massierte.
Langsam sah ich schon Sterne, denn Elvis trieb mich wirklich zum Wahnsinn.
Ein stöhnendes keuchen entfuhr meinen Lippen, meine Atmung hatte sich schon deutlich beschleunigt und auch mein Schwanz zuckte schon verdächtig.
Kurze Zeit später kam ich dann auch schon zu meinem ersehnen Höhepunkt und ergoss mich unter heftigem Stöhnen und mit seinem Namen auf den Lippen in seinem Mund.
Elvis schluckte liebend gerne, was ich ihm zu bieten hatte und kam dann wieder zu mir nach oben.
Ich lächelte ihn selig an, während ich mich wieder beruhigte und drehte Elvis dann auf den Bauch.
Mein Schatz verstand auch gleich, was ich von ihm wollte und kniete sich vor mich, was mich grinsen ließ.
Wann er seine Hose ausgezogen hatte, wusste ich nicht, aber er hatte es getan.
Ich kniete mich hinter ihn und streichelte ihm sanft über seinen Rücken weiter runter zu seinem Arsch, wo ich auch gleich hinein kniff, was Elvis leise aufstöhnen ließ.
Mit einem Finger spielte ich sanft an seinem Eingang und drang als Elvis sich mir entgegen bewegte mit einem Finger in ihn ein, was Elvis erneut aufstöhnen ließ.


Ich ließ mir etwas Zeit, bis Elvis sich mir entgegen bewegte und drang dann mit einem zweiten Finger in ihn ein, was ihn erneut aufstöhnen ließ.
Auch hier ließ ich mir noch etwas Zeit, bis Elvis mir entgegen kam.
Als das der Fall war, begann ich meine Finger zu bewegen.
Elvis drängte sich mir auch hier entgegen und stöhnte immer wieder vor sich hin.
Ich ließ mir noch einen Moment Zeit, bevor ich auch noch einen dritten Finger dazu, mit dem ich noch zusätzlich in ihn eindrang.
Erneut stöhnte Elvis laut auf und drängte sich mir entgegen, nachdem er sich einen Moment Zeit genommen hatte, um sich dran zu gewöhnen.
Auch wenn er mir entgegenkam, ließ ich mir noch etwas Zeit, um ihn nicht zu verletzen.
Erst als ich mir ganz sicher war begann ich meine Finger zu bewegen, wo Elvis mir erneut entgegenkam.
,,Julian, mach schon.“, flehte Elvis und ich nickte, bevor ich die Finger zurückzog und meinen Schwanz an seinem Eingang positionierte.
Elvis drängte sich mir entgegen und stöhnte leise auf als ich mit der Spitze in ihn eindrang.
Auch ich stöhnte leise auf, hatte ich doch nicht damit gerechnet, dass er gleich soweit ging.
,,Ich will mehr.“, keuchte Elvis und ich konnte deutlich die Lust in seiner Stimme hören, also drang ich zur Hälfte in ihn ein und entlockte uns beiden so ein lauteres stöhnen.
Elvis drängte sich mir erneut entgegen und wieder war ich nicht darauf vorbereitet, weshalb ich der vollen Länge nach in Elvis eindrang und uns beiden so ein tiefes, lautes Stöhnen entlockte.


,,Tut mir leid, ich wollte dir nicht weh tun.“, sagte ich ehrlich und Elvis schüttelte den Kopf.
,,Hast du nicht. Ich wollte es so und jetzt mach weiter.“
Ich war etwas überrascht über den Tonfall von Elvis, denn den kannte ich nicht von ihm und dennoch begann ich mich in ihn zu bewegen.
Elvis kam mir auch gleich entgegen und stöhnte immer wieder auf.
Stetig beschleunigte ich mein Tempo und hörte deutlich, dass Elvis immer lauter wurde.
Aber auch mir ging es nicht anders, denn es war wirklich mehr als geil.
Das war es immer mit Elvis und auch jetzt konnte ich es wieder voll und ganz genießen.
Immer weiter beschleunigte ich mein Tempo, bis ich schließlich alles aus mir herausholte und Elvis noch lauter wurde.
Wenn er noch lauter werden würde, dann war ich sicher, dass Stephan und Kevin uns mehr als deutlich hören konnten.
Allerdings hielt mich das nicht davon ab noch den letzten Rest aus mir rauszuholen und meine Hand zwischen seine Beine wandern zu lassen.
Mit dieser umfasste ich seinen Schwanz mit festem Griff und begann meine Hand im Takt meiner Stöße zu bewegen.
Tatsächlich wurde Elvis dann noch lauter, was ich nicht noch etwas lauter und krallte sich in das Bettlacken.
Seine Fingerknöchel wurden schon weiß, was ihn aber nicht davon abhielt weiter zu stöhnen und sich mir entgegen zubewegen.
Auch meine Hand bewegte ich so schnell wie möglich und spürte Elvis' Schwanz schon deutlich in meiner Hand zucken und wusste, dass er nicht mehr lange brauchen würde.


Aber mir ging es nicht anders, denn meine Atmung und mein Stöhnen hatte sich schon deutlich beschleunigt.
Kurze Zeit später kam Elvis auch schon zu seinem Höhepunkt und ergoss sich unter heftigem Stöhnen und mit meinem Namen auf den Lippen in meiner Hand.
Aber auch ich kam ebenfalls unter heftigem stöhnen und mit seinem Namen auf den Lippen zu meinem ersehnten Höhepunkt und ergoss mich in ihm.
Schwer atmend ließ ich mich auf seinen Rücken sinken und streichelte Elvis über seine Brust und seinen Bauch.
Beide versuchten wir wieder zu Atem zu kommen, was eine ganze Weile dauerte.
Erst als wir uns wieder einigermaßen beruhigt hatten, zog ich mich aus ihm zurück und legte mich neben ihn.
Elvis kuschelte sich auch gleich an meine Seite und ich zog ihn auch gleich eng zu mir.
,,Mit dir zu vögeln ist ja immer geil, aber heute war es irgendwie geiler als sonst.“, sagte Elvis immer noch leicht atemlos und ich nickte.
,,Finde ich auch, aber ich weiß nicht warum. Heute war doch nichts anders als sonst.“
,,Ich weiß auch nicht. Vielleicht weil wir vorher gestritten haben oder weil wir länger nicht mehr gevögelt haben.“
,,Das stimmt. Wurde echt mal wieder Zeit. Wobei ich mit dir immer vögeln könnte. Vor allem aber mit der Hose die du getragen hast. Die Jeans und ein enges T – Shirt so wie du heute getragen hast und ich bin willenlos.“


,,Das werde ich mir merken, dann ziehe ich das öfter an.“, zwinkerte Elvis und ich grinste breit.
,,Das kannst du liebend gerne machen, wenn du damit leben kannst, dass ich dich dann immer wieder flach lege.“
,,Damit kann ich sehr gut leben.“, grinste Elvis und ich tat es ihm gleich.
Noch einige Zeit lagen wir schweigend im Bett und kuschelten einfach nur, was wir definitiv viel zu lange schon nicht mehr getan hatten.
,,Ich gehe uns jetzt was zu trinken holen und dann können wir zocken.“, sagte ich und Elvis nickte.
,,Wir brauchen auch noch Zigaretten.“, sagte ich und Elvis schüttelte den Kopf.
,,Nein, habe ich aus der Stadt mitgebracht.“
,,Du bist wundervoll.“
,,Dankeschön.“, sagte Elvis mit einem Lächeln und ich drückte ihm einen Kuss auf, bevor ich aufstand und das Bett verließ.
Ich ging in die Küche und nahm dort eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank.
,,Elvis?“, rief Stephan aus dem Wohnzimmer, wo ich dann auch gleich hin ging.
,,Der andere.“, sagte ich und setzte mich neben ihn auf die Couch.
,,Du bist auch gut. Wir wollten Pizza bestellen. Habt ihr auch Hunger?“
,,Immer. Ich sage Elvis Bescheid, dann kommen wir runter.“
Stephan nickte und ich machte mich auch gleich auf den Weg wieder nach oben und reichte Elvis die Flasche.
,,Hast du Hunger?“, fragte ich und Elvis nickte.
,,Dann lass uns runtergehen. Stephan sage die beiden wollten was zu essen bestellen.“


,,Das klingt fantastisch. Lass uns was bestellen gehen und dann zocken wir.“
Ich nickte und ging dann mit Elvis runter und setzten uns dort auf die Couch.
,,Ihr habt Hunger?“, fragte Stephan und Elvis nickte.
Stephan gab uns den Bestellzettel, den ich mir gleich mit Elvis zusammen ansah.
Ich konnte mich nicht wirklich entscheiden und hatte keine Ahnung, was ich essen sollte.
Irgendwie war es doch immer das Gleiche und auf etwas bestimmtes hatte ich auch keinen Hunger.
,,Weißt du schon was du essen willst?“, fragte Elvis und ich schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich hab keine Ahnung und du?“
,,Auch nicht. Ich hab irgendwie schon alles gegessen.“
,,Ja, so geht es mir auch. Aber ich habe Hunger, also muss ich etwas finden.“
Elvis nickte und sah sich angestrengt den Zettel an.
Auch ich musterte ihn noch eine Weile, bevor ich seufzte.
,,Ich glaube ich esse ein Jägerschnitzel mit Pommes.“, sagte ich und Elvis nickte.
,,Das habe ich beim letzten Mal gegessen. Das will ich jetzt nicht wieder. Ich suche etwas anderes.“
,,Hast ja noch genug Auswahl. Pizza? Nudeln? Döner? Gyros? Grillteller? Burger?“
,,Ich weiß nicht, das sagt mir alles nicht wirklich zu.“
,,Du bist aber auch ein harter Fall.“, sagte Kevin lachend und auch ich musste grinsen.
,,Danke. Ich glaube ich esse zwei Cheeseburger mit Bacon, Pommes und einen italienischen Salat.“
,,Welches Dressing?“, fragte Stephan und Elvis überlegte.


,,Joghurt. Heute sündige ich mal.“
Die Aussage brachte mich zum lachen, denn er sündigte öfter als gut für ihn wäre.
,,Kommt noch was auf die Pommes?“
,,Rot / weiß.“, kam es von Elvis und mir aus einem Mund was uns alle zum lachen brachte.
,,Ich bestelle dann jetzt, falls ihr sonst nichts mehr haben wollt.“, sagte Stephan und wir nickten.
Während Stephan das Essen bestellte, schnappte ich mir die Packung Zigaretten von meinem Dad.
,,Hast du keine mehr?“, fragte er und ich nickte.
,,Doch. Oben.“
Er nickte nur und ließ mich gewähren, als ich eine Zigarette anzündete und diese Elvis reichte.
,,Danke.“, sagte er und nahm sie entgegen, was mich nicken ließ, bevor ich mir dann auch eine Zigarette anmachte und die Packung wieder vor Kevin auf den Tisch legte.
,,Hättest mir ja auch mal eine anmachen können.“, sagte Kevin lachend und ich grinste.
,,Tut mir leid.“
Kevin schüttelte nur grinsend den Kopf, sagte nichts mehr, sondern zündete Stephan und sich dann auch eine Zigarette an.
Der Bedankte sich mit einem Nicken, während er immer noch die Bestellung aufgab.


Kurze Zeit später war Stephan fertig und das Essen bestellt.
,,30 – 45 Minuten.“, sagte Stephan und ich seufzte.
,,Ich glaube bis dahin bin ich verhungert.“, lachte Elvis und ich nickte, denn mir ging es nicht anders, denn auch ich hatte Hunger.
Wir schwiegen eine ganze Weile, was mich aber auch nicht sonderlich störte, denn so brauchte ich keine unangenehmen Fragen beantworten.
Nach ungefähr 40 Minuten und zwei Zigaretten später klingelte es an der Haustüre.
Diesmal ging Kevin zur Türe und bezahlte das Essen, mit dem er dann kurze Zeit später wiederkam.
Wie die Raubtiere fielen wir über das Essen her und aßen dann gemeinsam.
Während dem essen sagte niemand mehr etwas von uns, was mit vollem Mund aber auch schwierig war.
Das Essen war wirklich gut und ich mochte das Essen von dem Imbiss.
Nachdem wir das Essen beendet hatten, lehnten wir uns allesamt auf der Couch zurück sinken und hielten uns die Bäuche.
,,Gott, bin ich voll.“, stöhnte Kevin und wir nickten zustimmend, denn zu mehr waren wir nicht mehr in der Lage.
Kevin griff zeitgleich mit Stephan nach den Zigaretten und zündeten sich eine an, bevor sie uns die Packungen hinhielten.
Wir nahmen diese natürlich auch an und zündeten uns dann auch jeweils eine an.
Erst nachdem wir die Zigaretten geraucht hatten, wagten wir es uns zu bewegen.
Vorsichtig sah ich zu Elvis, der sich immer noch den Bauch hielt und fertig mit der Welt zu sein schien.
,,Willst du jetzt ernsthaft noch zocken?“, fragte ich und Elvis nickte.
,,Ja, ich denke schon. Zumindest dann, wenn ich mich wieder bewegen kann. Das kann ich im Moment noch nicht.“


,,Geht mir auch so, aber ich arbeite dran es wieder zu können.“
Elvis nickte und auch ich konnte nichts anderes mehr tun, als nicken.
Eine ganze Weile saßen wir noch schweigend im Wohnzimmer, bis das Essen soweit verdaut war, dass wir uns bewegen konnten und wollten.
,,Gehen wir hoch?“, fragte Elvis und ich nickte erneut, bevor ich aufstand.
Elvis tat es mir gleich und gemeinsam gingen wir nach oben.
Schwer ließ ich mich auf die Couch sinken und sah Elvis fragend an, der sich ebenfalls neben mich sinken ließ.
Die nächsten Stunden verbrachten wir mit zocken, denn da hatten wir wirklich etwas zu tun.
Erst durch ein Klopfen an der Türe unterbrachen wir unser Spiel.
,,Ja?“, bat ich den Störenfried rein und war sicher, dass es nur einer der Jungs sein konnte.
Allerdings kam dann nicht wie erwartet einer der Jungs sondern Kai in das Zimmer.
,,Was machst du denn hier?“, fragte ich überrascht und Kai seufzte leise.
,,Ich wollte eigentlich erst morgen vorbei kommen, aber es hat mir keine Ruhe gelassen, deswegen bin ich jetzt schon hier.“
,,Klingt ernst. Komm rein und setz dich.“
Kai nickte, kam dann auch tatsächlich rein und setzte sich neben mich auf die Couch.
,,Was ist denn los?“, fragte ich und sah ihn besorgt an, denn das mit ihm etwas nicht stimmte hatte ich schnell gemerkt.


,,Elvis war heute Nachmittag bei mir und hat mir von deinen Träumen erzählt. Er sagte auch, das du die Träume erst hast seit wir auf dem Friedhof waren. Vielleicht hätte ich dich nicht mitnehmen sollen, wenn es dich so aus der Bahn wirft.“
,,Das ist doch nicht deine Schuld, aber ich glaube einfach, dass Max mir vielleicht etwas sagen will.“
,,Juli, Max ist tot. Er kann dir nichts mehr sagen. Außerdem kanntet ihr euch doch auch gar nicht. Das passt alles nicht zusammen.“
,,Das habe ich ihm auch versucht klar zu machen.“, warf Elvis ein und ich seufzte.
,,Hat Elvis dir alles erzählt? Ich habe Papiere gesehen.“
,,Ja, das weiß ich. Aber es ist leider oft so, dass uns das Unterbewusstsein einen Streich spielt. Du solltest dich vielleicht nicht zu sehr mit der Sache beschäftigen. Ich weiß, dass es schwer ist, aber Max ist tot. Daran lässt sich leider nichts ändern.“, sagte Kai leise und ich nickte seufzend.
,,Elvis hat dir noch nicht alles erzählt. Konnte er auch nicht. Er hat es eben auch erst erfahren. Ich habe eben wieder geträumt, aber diesmal anders. Alles war anders.“
,,Dann erzähl mir von den Träumen.“, sagte Kai sanft und ich nickte, bevor ich mich räusperte.
,,Ich war auf einem Spielplatz. Den kannte ich nicht, aber der kleine Junge war wieder da. Es war der Gleiche wie auf dem Friedhof, aber diesmal nannte er mich Max. Ich hatte mich umgesehen, aber hinter und auch neben mir war niemand. Dann stand der Kleine vor mir. Er wollte, dass ich mit gehe. Zögernd hab ich das gemacht und er ging mit mir zu einer Schaukel. Er nannte mich wieder Max und bat mich mit ihm zu spielen. Dann bin ich wach geworden. Ich habe keine Ahnung, wie das passt. Ich meine wieso nennt er mich Max?“
Kai seufzte, sagte aber nichts sondern zog seine Geldbörse raus.


Fragend blickte ich ihn an, aber Kai hielt mir nur ein Foto hin.
Ich ergriff es und sah es mir an, darauf war ein kleiner Junge.
,,Das ist Max.“, sagte er als ob er meine Gedanken lesen könnte.
,,Das ist nicht der Junge aus meinem Traum.“, brachte ich hervor und war mir nicht sicher, ob ich beruhigt oder nur noch verängstigter sein sollte.
,,Dann hat Max wohl auch nichts damit zu tun und dein Unterbewusstsein spielt dir einen Streich. Also das was wir dir die ganze Zeit schon sagen.“, sagte Elvis und fühlte sich bestätigt.
,,Vielleicht solltest du mal über professionelle Hilfe nachdenken.“, sagte Kai vorsichtig.
,,Ich meine heutzutage ist es doch keine Schande mehr zu einem Psychologen oder einem Psychiater zu gehen.“, hängte Kai hinten an und ich sah ihn fassungslos an.
,,Ich glaube ihr spinnt beide! Ich bin nicht gestört und ich brauche auch keine professionelle Hilfe! Mir geht es gut und trotzdem habe ich diese Träume! Ich finde es auch nicht toll, es ist aber nun mal so! Ich bin auch sicher, das die was zu bedeuten haben, auch wenn ich noch nicht weiß was! Jetzt gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder ihr steht mir zur Seite, nehmt das ernst, und helft mir, oder ihr lasst mich in Ruhe, aber behauptet nie wieder, ich meine wirklich nie wieder, dass ich krank bin!!!!“
,,Wir machen uns doch nur Sorgen um dich, denn normal ist das sicher nicht, Julian.“, sagte Kai ruhig und versuchte mich in seine Arme zu ziehen, aber ich entzog mich ihm und sprang wutentbrannt auf.
,,RAUS!!!! GEH!!!!“, schrie ich ihm entgegen und zeigte entschlossen auf die Türe.
Kai stand seufzend auf und ging zur Türe, wo er nochmal stehen blieb und sich rum drehte.


,,Wenn was ist, meldet euch.“, sagte er ruhig und Elvis nickte.
,,Sicher nicht.“, zischte ich und sah, dass Kai dann wortlos den Raum verließ.
Vielleicht sollten wir jetzt auch langsam ins Bett gehen. Ich glaube der Schlafmangel macht sich auch langsam bemerkbar.“
Auch darauf hätte ich noch einen passenden Spruch gehabt, aber ich wollte mich nicht auch noch mit Elvis streiten, weshalb ich nur nickte und mit ihm gemeinsam in mein Schlafzimmer ging.
Dort entledigten wir uns unserer Kleidung und kuschelten uns dann gemeinsam ins Bett.
Nachdem wir uns noch eine gute Nacht gewünscht hatten, war Elvis kurze Zeit auch schon eingeschlafen, aber mir graute es noch davor auch zu schlafen.
Die Träume machten mich echt fertig und ich wusste auch nicht, was ich dagegen tun konnte.
Ich verstand das alles ja nicht mal, denn es ergab keinen Sinn, egal wie ich es auch drehte.
Irgendwann übermannte mich dann doch die Müdigkeit und ich schlief ein.
Wie ich es bereits erwartet hatte, träumte ich wieder von dem Jungen.
Es waren wieder die gleichen Träume vom Friedhof.
Alles war gleich und so, wie ich sie bereits geträumt hatte, so wurde ich dann auch nicht mehr so ängstlich und fast schon verstört wach, denn das kannte ich ja schon alles.
Als ich dann erneut wach wurde, hatte ich einen wahnsinnig trockenen Mund und griff blind neben das Bett, wo sonst immer eine Flasche Cola stand.


Allerdings fand ich diese nicht und drehte mich auf die Seite, um nachzusehen, ob Elvis vielleicht vergessen hatte eine neue dahin zu stellen, denn ich nahm die Flaschen am nächsten morgen immer mit ins Wohnzimmer.
Mein Schatz stellte schließlich jeden Abend wieder eine neue hin.
Ich öffnete die Augen und zuckte heftig zusammen.
Meine Augen weiteten sich und ich hatte das Gefühl sämtliche Eingeweide würden sich zusammenziehen.
Am liebsten hätte ich geschrien, aber meiner Kehle entrann kein einziger Ton.
Bis jetzt hatte ich den kleinen Jungen nur in meinen Träumen gesehen, aber jetzt stand er neben meinem Bett.
Ich hörte ein schnelles, aufgeregtes atmen und bemerkte erst wesentlich später, dass es meine eigene Atmung war.
,,Max, hilf mir.“, sagte der Junge und ich verzog das Gesicht.
Seine Stimme klang normal und er sah auch vollkommen normal aus und nicht wie die meistens schlecht dargestellten Erscheinungen in Horrorfilmen.
,,Ich bin nicht Max, mein Name ist Julian.“
,,Max, hilf mir.“, wiederholte der kleine Junge und ich seufzte.
Mit der Hand fuhr ich mir durch die Haare, ließ den Jungen aber nicht aus den Augen.
,,Wie kann ich dir helfen? Was kann ich tun? Ich weiß nicht wer du bist und wie ich dir helfen könnte.“
Bereits während meiner Aussage hörte ich wie Elvis sich hinter mir rührte, achtete jedoch nicht darauf.
,,Schatz, mit wem redest du denn da?“, fragte Elvis verschlafen und schlang einen Arm um mich.


Durch diese Berührung blickte ich kurz über die Schulter zu Elvis, dann aber auch gleich wieder zu dem kleinen Jungen, der allerdings verschwunden war.
Ich sah mich suchend im Raum um, konnte ihn aber nicht mehr entdecken.
,,Was suchst du denn?“, fragte Elvis immer noch nicht wirklich wacher.
,,Den kleinen Jungen.“
,,Welchen kleinen Jungen? Den aus deinem Traum?“, fragte Elvis verwirrt und ich nickte.
Seufzend ließ Elvis mich wieder los und schaltete das Licht ein.
Das störte mich nicht wirklich den meine Müdigkeit war mit dem Schreck verschwunden.
,,Kommt dich der böse Geist jetzt schon zu Hause besuchen?“, fragte Elvis bissig und ich seufzte.
,,Ich habe ihn gesehen. E stand da und er hat mich um Hilfe gebeten.“
,,Julian, es reicht mir langsam. Ich glaube du brauchst eine Therapie. Das kann so nicht weiter gehen. Langsam drehst du wirklich durch und dabei werde ich sicher nicht zusehen. Ich werde dich nicht vor die Hunde gehen lassen.“
,,Dann hilf mir herauszufinden, was er von mir will und wie wir ihm helfen können.“
,,NEIN! Julian, es reicht! Ich werde sicher nicht dir und deinem imaginären Traumfreund helfen. Das ist krank. Du steigerst dich da in was rein.“
,,Er war hier, Elvis. Er braucht Hilfe und wir müssen sie ihm geben. Wir würden es bereuen, wenn wir nicht helfen würden.“
,,Alter Julian, es reicht! Hörst du dich eigentlich noch selber reden? Ich werde Caspar sicher nicht helfen, nur weil du auf einem schlechten Trip bist!“


,,Kannst du mich vielleicht auch mal ernst nehmen? Ich habe Angst und will tun was er sagt, dann hört es vielleicht auf.“
,,Und wenn er sagt das du Bundeskanzler bist, rennst du zu Fuß nach Berlin. Gute Reise, aber den Weg gehst du alleine.“
,,Das hat er aber doch gar nicht gesagt.“, sagte ich leicht verzweifelt, aber Elvis schüttelte den Kopf.
,,Das ist mir echt zu blöd. Ich gehe jetzt in mein Schlafzimmer, denn ich möchte meine Nacht in Ruhe verbringen und habe kein Interesse daran, mich dabei von Caspar beobachteten zu lassen.“, sagte Elvis und stand auf.
,,Jetzt bleib doch hier, Mensch.“, flehte ich schon fast.
,,Nein, du hast doch einen neuen Freund, da störe ich nicht unnötig und genieße lieber meine Nachtruhe.“, sagte Elvis und verließ dann auch wirklich den Raum und ließ mich seufzend zurück.
Eine ganze Weile saß ich auf meinem Bett und wusste nicht, was ich machen sollte, bis mir mein Laptop einfiel.
So leise wie möglich schlich ich mich in mein Wohnzimmer, denn da hatte ich meinen Laptop stehen, an den ich mich auch gleich setzte.
Den ganzen Rest der Nacht und auch noch den morgen bis zum Vormittag saß ich vor dem Laptop und versuchte etwas über den Jungen herauszufinden.
Leider fand ich keine Bilder oder auch Zeitungsartikel oder ähnliches, was Licht ins dunkle bringen könnte.
Gegen Mittag kam Elvis dann in mein Wohnzimmer und drückte mir einen Kuss auf den Kopf.
,,Suchst du dir endlich einen Psychologen?“, fragte er und sah über meine Schulter nachdem ich den Kopf geschüttelt hatte.


,,Julian, es reicht. Du drehst durch.“, knurrte Elvis und klappte meinen Laptop zu.
,,Hey, was soll das? Ich habe hier gerade was nachgesehen.“
,,Nein, du hast dich wieder selbst verrückt gemacht. Schluss jetzt. Wir gehen jetzt einen Kaffee trinken und dann kannst du dich mal fertig machen.
,,Wofür?“
,,Wir treffen uns gleich mit Marc und Pascal. Wir wollten doch die Mails durchgehen. Erinnerst du dich?“
,,Ja, ich bin ja nicht blöd.“, knurrte ich, stand auf und ging nach unten.
Im Laufe der Nacht hatte ich mir Boxershorts angezogen, mehr brauchte es jetzt nicht, um Kaffee zu trinken.
Kurze Zeit hörte ich wie Elvis mir folgte, aber ich führte meinen Weg weiter durch in die Küche, wo mein Dad und Stephan saßen.
,,Morgen.“, warf ich in die Runde und machte den Kaffee zurecht.
,,Julian, wir müssen uns gleich mal unterhalten.“
,,Kein Interesse. Ich habe keine Ahnung was Elvis euch schon wieder gesagt hat, aber mir geht es gut und ich brauche auch keine Hilfe. Vor allem keine professionelle. Ich weiß, dass ich nicht krank bin und was ich gesehen hab. Boar, das man hier nicht mal morgens in Ruhe einen Kaffee trinken kann ohne mit dem Scheiß belästigt zu werden.“, schimpfte ich drauf los, ohne auf die Gesichtsausdrücke der beiden zu achten.
,,Das wollte ich nicht abstreiten. Darüber wollte ich mit dir auch nicht reden, was aber wahrscheinlich besser wäre, wenn du so empfindlich reagierst.“, sagte Kevin und ich seufzte leise.


,,Es tut mir leid, ich dachte du wolltest mir auch sagen, das ich krank bin.“
,,Nein, wollte ich nicht. Wieso sollte ich auch?“
,,Lange Geschichte. Was wolltest du denn von mir?“, fragte ich jetzt schon wesentlich ruhiger.
,,Stephan und ich müssen ein paar Tage mit den Onkelz weg. Wir müssen an unseren neuen Album arbeiten. Ich wollte dir nur Bescheid geben, weil ihr dann die nächsten Tage alleine seid. Wir machen den Kühlschrank nochmal voll und lassen euch auch Geld hier, falls ihr noch was braucht.“
,,Okay, dann viel Spaß und Erfolg.“
,,Danke. Wie läuft es denn bei euch?“
,,Gut. Elvis sagte es sind einige Mails reingekommen, die wollten wir uns gleich mit Marc und Pascal durchgehen.“
,,Das klingt doch gut, dann werdet ihr ja auch bald wieder Auftritte haben.“
,,Ja, so scheint es zumindest.“, sagte ich zustimmend und widmete mich dann erneut dem Kaffee, den ich in die Tassen füllte und Elvis eine davon reichte.
,,Danke.“, sagte Elvis und ich nickte nur, wusste ich nicht, was ich sonst noch dazu sagen sollte.
Wortlos tranken wir unseren Kaffee und jeder hing seinen Gedanken nach.
Vor allem Stephan wirkte noch nicht klar bei Verstand, aber das tat er nie ohne genug Kaffee.
Nachdem ich meine Tasse leer hatte, stellte ich diese in die Spüle und sah Elvis auffordernd an.
,,Ich geh jetzt duschen. Geht du mit?“


,,Nein, ich war schon duschen.“
Erst jetzt fiel mir auf, dass Elvis nasse Haare hatte, aber dennoch nur Boxershorts trug, weshalb ich davon ausging, dass er noch nicht duschen war.
Ich nickte und machte mich dann auf den Weg ins Bad.
Dort entledigte ich mich meinen Boxershorts und stieg unter die Dusche.
Ich schob den Duschkopf beiseite und schaltete das Wasser ein.
Mit der Hand prüfte ich die Temperatur und erst als es angenehm warm war, schob ich den Duschkopf über meinen Körper und machte diesen nass und seifte ihn und meine Haare anschließend ein.
Beides spülte ich ab und kletterte dann wieder aus der Dusche.
Schnell wickelte ich mir ein Handtuch um und ging damit in mein Schlafzimmer.
Dort suchte ich mir meine Sachen zusammen und zog sie an, nachdem ich mich abgetrocknet hatte.
Anschließend ging ich erneut ins Bad um auch noch den Rest zu erledigen, bevor wieder zu Elvis runter ging.
Der stand immer noch in der Küche und hatte eine weitere Tasse Kaffee in der Hand, aber das kannte ich ja auch von Stephan schon, da galt das Sprichwort “Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ zu einhundert Prozent.
,,Die zweite?“, fragte ich grinsend und Elvis schüttelte den Kopf.
,,Die dritte, also gleich bereit zum fahren.“
,,Sehr schön.“
Während Elvis seinen Kaffee trank sammelte ich alles zusammen, was wir für das Treffen brauchten und ging dann erneut zu Elvis in die Küche.
,,Tasse leer, ich bin soweit.“, sagte er und ich nickte, bevor ich mit ihm zusammen zum Auto ging.


,,Willst du fahren?“, fragte ich aber Elvis schüttelte den Kopf.
,,Nein, ich wollte noch was nachsehen im Internet. Fahr du, dann kann ich das noch machen.“
,,Was willst du denn nachsehen?“, fragte ich während wir einstiegen.
,,Ein Angebot. Ich habe von dem Club schon mal gehört, bin mir aber nicht sicher, ob ich den richtigen meine. Das wollte ich noch nachsehen, denn die Jungs werden das sicher auch wissen wollen. Das scheint ein echt gutes Angebot zu sein und ich denke das könnte auch ein guter Start sein für uns, vielleicht nicht nur von den kleinen billigen Schuppen gebucht zu werden.“
,,Klingt gut. Dann halt mich auf dem laufenden, beziehungsweise ich werde es dann ja später hören.“
Elvis nickte nur und ich startete den Motor.
Der Weg zum Proberaum war nicht sonderlich weit, aber ich musste ein Stück durch die Stadt.
Nur einen Augenblick sah ich aus dem Seitenfenster und wollte mich gerade wieder der Straße widmen, als ich erneut den kleinen Jungen sah.
Er formte mit den Lippen die Worte “Hilfe“ und auch wenn das eigentlich unmöglich war, war ich mir sicher seine Stimme gehört zu haben.
Erst als ich ihn nicht mehr sehen konnte, konzentrierte ich mich wieder auf die Straße.
In letzter Sekunde und mit einer Vollbremsung gelang es mir vor einem Zebrastreifen noch rechtzeitig zu halten und so die Frau mit Kinderwagen nicht umzufahren, die gerade die Straße überquerte.


Wütend blieb sie stehen und schimpfte wie ein Rohrspatz, was mich genervt seufzen ließ.
,,Sag mal, was ist los mit dir? Der Zebrastreifen ist nicht erst seit gestern hier.“, fluchte nun auch Elvis, aber ich reagierte nicht darauf, sondern blickte an die Stelle wo der Junge gestanden hatte.
Natürlich war er jetzt nicht mehr da, was mich erneut seufzen ließ.
,,Julian! Ich rede mit dir!“, brüllte Elvis und rüttelte an meiner Schulter.
,,Er war wieder da.“, sagte ich ohne auf Elvis' Aussage einzugehen.
,,Nein, nein, nein Julian! Nicht schon wieder die Caspar Sache! Es reicht! Steig aus, du fährst heute nirgendwo mehr hin!!!!“, brüllte Elvis aufgebracht und stieg wütend aus, noch bevor ich was sagen konnte.
Er kam auf die Fahrerseite und zog mich unsanft aus dem Wagen.
,,Beifahrerseite!“, sagte er, gab mir einen Stoß und stieg auf der Fahrerseite ein.
Seufzend ging ich dann zur Beifahrerseite und stieg dort ein.
Kopfschüttelnd und immer noch fluchend fuhr Elvis dann weiter zum Proberaum.
,,Ich glaube langsam drehst du wirklich durch! Jetzt siehst du Caspar nicht nur in deinem Träumen und nachts neben unserem Bett, sondern auch schon am helllichten Tag in der Stadt! Ich meine okay, wenn du dich mit Caspar anfreundest, kannst du das gerne tun, wenn du damit glücklich bist, aber ich riskiere nicht mein Leben für Caspar!“
Ab da hörte ich Elvis nicht mehr zu, der die komplette Fahrt über noch weiter fluchte.
Stattdessen fragte ich mich, wie ich dem kleinen Jungen helfen konnte.
Jetzt wo ich wusste, dass es nicht Max war, wusste ich weniger als zuvor.
Ich hatte keine Ahnung wie er hieß, wo er herkam und welche Art Hilfe er brauchte.


,,Aussteigen.“, hörte ich Elvis wie von weit weg sagen und sah ihn fragend an.
,,Wir sind da.“, sagte er und stieg auch gleich aus.
Ich sah mich kurz um, brauchte aber nicht lange um festzustellen, dass wir am Proberaum waren.
Ich stieg ebenfalls aus um zusammen mit Elvis rein zu gehen.
Marc und Pascal waren schon da und saßen wild knutschend auf der Couch.
,,Nehmt euch ein Zimmer.“, brummte Elvis und setzte sich ebenfalls auf die Couch.
,,Schlechte Laune?“, fragte Marc und Elvis brummte nur.
Ich zuckte die Schultern und setzte mich dann ebenfalls auf die Couch.
,,Okay, muss ich nicht verstehen. Sagt uns lieber was es für Angebote gibt.“, sagte Pascal und Elvis schnappte sich sein IPad, was er von Stephan zum Geburtstag bekommen hatte und öffnete den Posteingang.
,,Wir haben eine neue Mail.“, sagte Elvis und klang ehrlich überrascht.
,,Gutes Angebot?“, fragte Marc und Elvis nickte.
,,In der Tat. Dummerweise hat die Sache einen Haken.“
,,Einfach wäre wohl auch zu schön gewesen.“, seufzte Pascal und Elvis nickte.
,,Was für einen Haken haben wir denn?“, fragte ich und wollte mich nun auch einbringen.
,,Der Auftritt ist bereits morgen Abend und die Playlist ist von denen vorgegeben.“
,,Wieso sollten wir uns dazu herabbewegen? Ich meine bis morgen ist echt hart und mit vorgeschriebener Playlist sind wir auch noch nicht aufgetreten.“, sagte Pascal und Marc und ich nickten zustimmend.


,,Stimmt schon, aber der Club ist einer der größten hier in Frankfurt. Die fördern öfter Coverbands, denn da laufen auch immer Produzenten rum und die Gage ist auch nicht zu verachten.“
,,Was zahlen die denn?“, fragte Marc und sprach damit wohl aus was wir alle dachten.
,,10.000. Das wären 2.500€ für jeden von uns.“
,,So viel haben wir bis jetzt noch nicht verdient. Aber die Playlist ist mies.“, sagte ich und die anderen  nickten.
,,Wir sollten uns die Playlist vielleicht erst mal ansehen und dann können wir entscheiden. Ist die Playlist dabei, Elvis?“, fragte Pascal und Elvis tippte auf dem IPad rum.
,,Ja, die ist der Mail an gehangen.“, sagte Elvis und reichte das IPad weiter, damit wir uns die Playlist ansehen konnten.
,,Aber das sind alles Lieder die wir kennen. Das ist nichts neues für uns. Ich denke wir sollten das annehmen.“, sagte Marc, aber ich konnte deutlich sehen, dass Elvis Zweifel hatte.
,,Du siehst nicht begeistert aus.“, stellte Marc fest und Elvis schüttelte den Kopf.
,,Begeistert schon, nur bin ich mir nicht sicher, ob Julian den Auftritt hinbekommt ohne seinen imaginären Freund.“
Wirklich etwas dazu sagen wollte ich nicht, konnte ich auch nicht mehr, stattdessen seufzte ich nur genervt.
,,Was denn für einen imaginären Freund?“, fragte Pascal mit hochgezogener Augenbraue und Elvis begann auch gleich aus dem Nähkästchen zu plaudern, natürlich mit dem Resultat, dass Marc und Pascal mich auch für völlig bescheuert hielten.
Ich hatte aber auch nichts anderes erwartet.


,,Meinst du unten den Umständen kannst du überhaupt auftreten?“, fragte Pascal, wobei ich mir da auch nicht sicher war, ob er das ernst meinte, oder mich aufziehen wollte.
,,Sicher schaffe ich das.“
,,Wenn wir dem Auftritt wirklich zustimmen, dann müssen wir die Lieder nochmal proben.“, sagte Marc und wir nickten zustimmend, bevor wir uns auch gleich an die Arbeit machten.
Die nächsten Stunden, bis tief in die Nacht spielten wir die Lieder immer und immer wieder um es wirklich gut genug zu können, um den Auftritt nicht zu versauen, denn Elvis hatte eine Antwortmail geschickt und den Auftritt angenommen.
Während der Probe gab es keine Vorkommnisse und außer ein paar blöden Sprüchen über den kleinen Jungen war alles wie immer.
Stunden später und wirklich fertig mit den Nerven und vor allem müde, aber zufrieden beendeten wir die Probe um kurz vor halb 3 in der Nacht.
,,Sollen wir euch gleich nach Hause fahren? Ich meine wir wollen ja nicht das euch Caspar wieder erschreckt.“, sagte Pascal lachend, aber Elvis schüttelte den Kopf.
,,Das wird nicht passieren. Ich werde fahren.“, winkte Elvis ab und die beiden lachten, was mich nur den Kopf schütteln ließ, war es doch wirklich nett von Elvis so über mich zu reden, wo ich doch noch anwesend war.
,,Lasst uns noch einen rauchen, ein Bierchen trinken und dann fahren wir heim.“, sagte Pascal und nickend setzten wir uns auf die Couch.


Durch unsere Väter war es auch nicht mehr wirklich schwer regelmäßig Gras und Zigaretten zu haben, denn sie versorgten uns entweder damit oder mit genug Geld.
,,Ich gebe die Runde.“, sagte ich und legte mein Gras auf den Tisch.
Die Jungs bedankten sich und jeder begann dann sich seinen Joint zu bauen.
Auch ich baute, denn ich konnte ja sowieso nicht mehr fahren und selbst wenn, wäre es mir auch egal gewesen.
Wir rauchten dann zusammen und tranken noch ein, zwei Bierchen zusammen.
Vielleicht konnte ich dann diese Nacht besser schlafen, mit dem Gras, dem Bier und der Bandprobe, die mir doch einiges abverlangt hatte, denn ich hatte mal wieder alles gegeben, denn auch ich wollte morgen nicht versagen.
Dementsprechend war ich natürlich auch müde und konnte jetzt vielleicht endlich mal eine Nacht durchschlafen, denn das fehlte mir und ging irgendwann auch auf die Konzentration.
Der Unterhaltung die die Jungs in der Zwischenzeit führten hörte ich mir nicht wirklich an und versank lieber in meinen Gedanken, rauchte meinen Joint und trank das Bier.
Als die Flasche leer war stellte ich diese auf den Tisch und drückte den Joint im Aschenbecher aus, nachdem der geraucht war.
,,Wir proben morgen nochmal und fahren dann von hier zu dem Club.“, sagte Elvis und ich nickte zustimmend, sollte mir recht sein, aber jetzt wollte ich nur noch in mein Bett und schlafen, denn ich war wirklich k.o.
Scheinbar hatten der Joint und das Bier mir den Rest gegeben.
,,Du siehst müde aus.“, sagte Elvis und strich mir mit der Hand durch die Haare, was mich leise, aber genüsslich seufzen ließ.
,,Vielleicht sollten wir dann jetzt nach Hause fahren.“, sagte Elvis und ich nickte müde.
Wir verabschiedeten uns noch von den Jungs und gingen dann zum Auto.


Marc und Pascal fuhren dann auch in ihrem Auto nach Hause und ich stieg auf der Beifahrerseite ein.
Mit einem zufriedenen Grinsen stieg Elvis auf der Fahrerseite ein, bevor er dann nach Hause fuhr.
Auf dem Weg dorthin wäre ich schon fast eingeschlafen, konnte mich aber so gerade noch zusammenreißen.
,,Sei mir nicht böse, aber ich schlafe heute wieder in meinem Schlafzimmer.“
,,Warum?“, fragte ich nicht wirklich begeistert, denn ich hätte doch gerne mit ihm gekuschelt.
,,Ich wäre morgen gerne ausgeschlafen und das kannst du mir nicht garantieren bei deiner Affäre mit Caspar.“
,,Ich habe keine Affäre mit dem kleinen Jungen. Er ist ein Kind. Ich würde ihm gerne helfen, aber ich habe keine Ahnung wie und wobei, weil ich nicht weiterkomme.“
,,Verschone mich bitte mit dem ganzen Schwachsinn. Wenn du jemandem helfen willst, dann am besten dir selber, denn das solltest du ganz schnell. Das geht so nicht mehr. Ich kann und will das alles auch nicht mehr.“, sagte er und stieg dann aus dem Auto aus und ließ mich alleine.
Seufzend fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und stieg dann ebenfalls aus.
Gemeinsam mit Elvis ging ich dann rein und auch gleich nach oben zu unseren Schlafzimmern.
Vor der Schlafzimmertüre von Elvis blieb ich stehen und ah ihm fest in die Augen.
,,Es ist besser so, glaub mir. Schlaf gut. Ich liebe dich. Gute Nacht und bis morgen.“, hauchte er gegen meine Lippen, drückte mir noch einen Kuss darauf und verschwand in seinem Schlafzimmer.


Das mich das enttäuschte konnte ich nicht leugnen und trotzdem ging ich dann auch in mein Schlafzimmer.
Dort setzte ich mich auf die Bettkante und sah mich im Raum um.
Ich war müde, das konnte ich nicht leugnen, aber wie gut würde ich wirklich schlafen?
Ich griff nach meinem Handy und öffnete das SMS Fenster von Kai.
Was ich genau schreiben sollte, wusste ich nicht, aber ich hatte das Bedürfnis ihm zu schreiben.
Als ich dann doch die passenden Worte gefunden hatte, tippte ich diese ein.

'Hey Kai, wollte mich für mein unpassendes Verhalten entschuldigen. Ich war sauer und konnte nicht verstehen, dass ihr mir nicht glaubt, aber mittlerweile hab ich eingesehen, dass ich spinne und nicht ihr. Meld dich, Bruder. Julian'

Ich sendete die Nachricht ab und wartete noch eine Weile auf Antwort.
In der Zeit baute ich mir noch einen Joint und rauchte den auch noch, was nur dazu führte, dass ich noch müder wurde.
Kai hatte sich nicht gemeldet und seufzend stand ich auf, legte mein Handy auf den Nachttisch und entledigte mich meinen Kleidern.
Nachdem das erledigt war und ich nun nackt im Raum stand, überkam mich ein komisches Gefühl und ich überlegte kurz meine Boxershorts wieder anzuziehen, entschied mich aber dagegen und kuschelte mich stattdessen nackt ins Bett.
Noch einmal warf ich ein Blick auf mein Handy, aber auch diesmal gab es nichts neues von Kai, der wahrscheinlich um die Uhrzeit schlief.


Seufzend kletterte ich dann in mein Bett und schaltete das Licht aus.
Ich drehte mich auf den Rücken und schlief dann auch bald ein und verfiel in einen ruhigeren Schlaf, der aber nicht wirklich erholsamer war.

Es war dunkel und es schüttete wie aus Eimern, während ich völlig schwarz gekleidet mit Kapuzenpulli und Jeans durch die Straßen Frankfurts zog.
Eine Entschlossenheit flutete meinen Körper die ich noch nie zuvor gespürt hatte.
In meiner rechten Hand hielt ich einen Spaten und folgte zielstrebig, mit schnellen Schritten meinem Weg.
Ich passierte das große eiserne Tor des Friedhofs und ging zielstrebig darüber.
Nur am Rande bekam ich mit das meine Schritte auf dem nassen Boden plantschende Geräusche erzeugten.
Vor dem Grab von Max blieb ich stehen, es wurden vor kurzem neue Blumen drauf gesetzt und die goldenen Buchstaben des Grabsteins glitzerten unschuldig im Licht des Vollmondes, der in voller Pracht am Himmel stand, meine einzige Lichtquelle, auf dem sonst gespenstisch dunklen Friedhof.
Ich begann das Grab aus zuschaufeln, setzte den Spaten immer und immer wieder an.
Die frisch gepflanzten Blumen verdeckte ich immer mehr unter der nassen Erde die ich neben das Grab schmiss.
Irgendwann sprang ich in das Grab und versank mit meinen Füßen im nassen Boden.
Schweiß, der sich auf meiner Stirn gebildet hatte, vermischte sich mit dem Regen und die Kleidung klebte unangenehm an meinem Körper.
Mit dem Ärmel wischte ich mein Gesicht trocken, um bessere Sicht zu haben, die durch Schweiß und Regen gleich wieder verschwamm.
Erst als ich auf Holz stieß und wusste, dass das der Sarg sein musste, spürte ich auch die Erschöpfung in meinem Körper.
So gut es ging legte ich den Sarg frei und versuchte ihn zu öffnen.
Es beanspruchte all meine Kraft und nach mehreren Anläufen hatte ich es endlich geschafft.
Ich drückte den Deckel so weit es ging auf und warf einen Blick hinein.
Was ich dort sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren und meine Augen vor entsetzen weit aufreißen....


Mein Herz raste, meine Augen waren vor Schreck weit aufgerissen, das Blut rauschte laut in meinen Ohren, jeder Muskel in meinem Körper war zum zerreißen angespannt, meine Atmung war schnell und unregelmäßig und ich zitterte.
Die Bettdecke klebte an mir, denn ich war nassgeschwitzt.
Am liebsten hätte ich laut los geschrien, aber ich blieb stumm, versuchte mich selbst zu beruhigen, was nicht so einfach war.
Gefühlte Stunden saß ich reglos im Bett und versuchte mich zu beruhigen.
Ob es wirklich Stunden waren konnte ich nicht sagen, aber ich brauchte doch einige Zeit bis ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte.
,,Max? Hilf mir.“, hörte ich eine Stimme neben mir und sah dorthin.
,,Ich kann dir nicht helfen! Ich will dir auch nicht mehr helfen! Wegen dir halten mich  schon alle für verrückt!“, sagte ich ruhig, spürte aber deutlich, Angst und Wut, denn erst seit dieser kleine Junge da war, zweifelten meine Freunde an mir und ich begann es langsam auch.
Vielleicht drehte ich ja wirklich durch und verlor meinen Verstand.


,,Max, bitte hilf mir.“, flehte der kleine Junge erneut.
Mit einem Satz war ich aus dem Bett, ballte die Hände zu Fäusten und schnaubte vor Wut.
,,Ich bin nicht Max, verdammt nochmal!“, sagte ich durch zusammengebissenen Zähnen.
,,Max, bitte hilf mir!“, sagte der Junge nun dringender und ich schüttelte den Kopf.
,,HALT DEIN VERDAMMES MAUL!!!! ICH BIN NICHT MAX!!!!“, schrie ich aufgebracht und griff nach dem erst besten Gegenstand den ich fand und schmiss dieses dem Jungen entgegen.
Dieser verschwand, aber das Buch was ich nach ihm geschmissen hatte, flog durch das Fenster und zerbrach die Scheibe, deren Scherben klirrend zu Boden fielen.
,,Max, du musst helfen. Uns helfen. Bitte.“, sagte der Junge neben mir.
Erschrocken blickte ich in die Richtung und sah das der Junge gleich neben mir stand.
Ich erschreckte und taumelte zurück, stieß hart gegen die Türe und spürte Verzweiflung in mir aufkeimen.
,,LASS MICH IN RUHE!!!! ICH KANN DIR NICHT HELFEN!!!! WILL ICH AUCH NICHT!!!! GEH!!!! VERPISS DICH AUS MEINEM LEBEN!!!!“, schrie ich den kleinen Jungen an und schaltete schnell.
Direkt neben ihm stand ein Regal, diesem näherte ich mich und stieß es um.
Es landete auf dem kleinen Jungen und ich war mir sicher, dass es jetzt zu Ende sein musste und versuchte mich erneut zu beruhigen.
,,Max! Finde die Wahrheit!“, sagte der junge erneut und ich spürte die Wut nur noch größer werden.


,,HALT DEIN MAUL!!!! ICH BIN NICHT MAX!!!! ICH FINDE AUCH NICHTS MEHR!!!! LASS MICH IN RUHE!!!! ICH WILL DAS NICHT MEHR!!!!
Ich griff nach jedem Gegenstand den ich innerhalb Sekundenbruchteilen fand und schmiss alles was ich fand den Jungen entgegen.
,,Max, hilf uns. Finde die Wahrheit, damit ich Frieden finde.“
,,HÖR AUF MICH MAX ZU NENNEN!!!! ICH HELFE KEINEM!!!! VERSCHWINDE ENDLICH AUS MEINEM VERDAMMTEN LEBEN!!!!, schrie ich so laut es ging und stürzte mich auf den Jungen.
Blindlinks begann ich einfach drauf los zu schlagen, ohne meine Umgebung noch wahr zu nehmen oder anderes, ich befand mich wie in einer Art Trance.
,,ICH HEIẞE NICHT MAX!!!! ICH HEIẞE JULIAN!!!! MERK DIR DAS!!!! DU RAUBST MIR DEN VERSTAND!!!! VERPISS DICH AUS MEINEM LEBEN!!!! ICH WILL DICH NICHT MEHR SEHEN ODER HÖREN!!!! DU MACHST MIR ALLES KAPUTT!!!! DAS LASSE ICH NICHT ZU!!!! LASS MICH IN RUHE!!!! GEH!!!! FÜR IMMER!!!!“, schrie ich so laut ich konnte und schlug währenddessen wahr los auf den Jungen ein.
Ich spürte kräftige Hände an meinen Schultern, die mich wegzogen und einen Arm der sich um meine Hüfte schlang, und mich energischer wegzog.
Mit dem ersten Impuls schlug und trat ich um mich, bis ich eine Stimme vernahm.
Erst war sie weit weg, wurde aber immer deutlicher, bis ich sie dann auch erkannte.
,,Julian, beruhige dich. Hey, alles ist gut, beruhig dich.“, drang Stephans Stimme beruhigend zu mir durch und ich spürte in dem Moment, dass ich ruhiger wurde.
,,So ist gut. Beruhig dich und dann erzähl mir in Ruhe was passiert ist.“, sagte Stephan ruhig, hielt mich um die Hüfte immer noch fest, drückte mich fest an sich und streichelte mit der anderen Hand durch meine Haare.


Ich weiß nicht wie lange wir so da gestanden haben und ich deutlich spürte, dass meine Atmung sich langsam beruhigte und auch die Anspannung in meinen Muskeln langsam nachließ.
,,Geht es wieder?“, fragte Stephan sanft und ich nickte.
Scheinbar hatte er auch gemerkt, dass ich mich wieder etwas beruhigt hatte.
,,Ich lasse dich jetzt los, damit du dir etwas anziehen kannst und dann gehen wir runter. Da kannst du mir alles in Ruhe erzählen.“
Erneut nickte ich nur und spürte das Stephan den Griff löste und mich dann wirklich los ließ.
Mir wurde kurz schwindelig und ich dachte meine Beine könnten mich nicht mehr tragen, aber ich schaffte es dann doch mich auf meinen Beinen zu halten.
Stephan kam zu mir und reichte mir Boxershorts, die ich annahm und dann auch anzog.
Stephan legte anschließend einen Arm um meine Schultern und drückte mich sanft runter und dort in das Wohnzimmer und dort auf die Couch.
,,Willst du was trinken?“, fragte Stephan, aber ich schüttelte nur den Kopf.
Stephan nickte und setzte sich neben mich auf die Couch.
,,Was ist denn passiert?“
,,Wenn ich dir das sage, dann denkst du nachher auch, dass ich krank bin und professionelle Hilfe brauche.“
,,Das werde ich schon nicht denken oder sagen.“
Stephan klang so verdammt überzeugt und glaubhaft, da konnte ich ihm doch auch glauben, oder?


,,Ich hatte schon wieder einen dieser Träume von dem kleinen Jungen. Der verfolgt mich aber mittlerweile nicht nur in meinen Träumen sondern auch wenn ich wach bin.“
,,Weißt du warum oder was er will? „
,,Er will Hilfe, aber ich weiß leider nicht wobei. Ich habe schon oft gefragt, bekomme aber keine Antworten. Egal was ich sage, er antwortet mir nicht. Das macht mich echt fertig. Ich meine ich würde ihm ja helfen, aber wie soll ich das machen wenn ich nicht weiß wobei.“
,,Wie kommst du denn darauf, dass er deine Hilfe braucht?“
,,Er sagt es mir. Immer und immer wieder. Er nennt mich Max und sagt das er Hilfe braucht. Das ich ihm helfen soll. Ich habe heute Nachmittag fast einen Autounfall deswegen gehabt. Was soll ich denn noch tun, Stephan? Ich bin nicht krank. Ich will auch keine professionelle Hilfe. Ich sehe das und es ist real. Es ist nicht nur ein Traum.“, sagte ich verzweifelt und spürte Tränen in meinen Augen brennen.
Stephan zog mich auch gleich in seine Arme und ich krallte mich so fest es ging in seine Schultern, bevor ich meinen Tränen freien Lauf ließ.
,,Ich weiß doch auch nicht, warum er mich immer Max nennt. Ich will ihm helfen, aber ich weiß nicht wobei, er sagt es mir ja aber auch nicht.“, schluchzte ich verzweifelt und vergrub mein Gesicht an seiner Hals beuge.
Der Bassist streichelte mir sanft über den Rücken, aber wirklich beruhigen konnte ich mich nicht.
Eine ganze Weile versuchte ich mich zu beruhigen, konnte aber auch nicht leugnen, dass es mir echt mies ging und ich verzweifelt war.
Einige Zeit verharrte ich so, bis ich dann irgendwann in seinen Armen einschlief und in einen ziemlich ruhigen Schlaf verfiel.


Als ich wieder wach wurde, lag ich auf der Couch im Wohnzimmer und jemand hatte mich in eine Decke gewickelt.
Ich erinnerte mich an die Nacht davor und wusste, dass ich wohl in Stephans Armen eingeschlafen sein musste, der mich dann wohl so hingelegt hatte.
Mein Blick schweifte zu der Uhr im Wohnzimmer und ich sah, dass es schon 14 Uhr waren.
Elvis würde wahrscheinlich noch schlafen, aber ich war mir sicher, dass Stephan und mein Dad schon wach waren.
Ich schwang meine Beine von der Couch und setzte mich richtig hin.
Mit meiner Hand fuhr ich durch meine Haare und stand dann auf, denn ich brauchte jetzt einfach einen Kaffee.
Gerade als ich die Küche betreten wollte, hörte ich meinen Namen und blieb stehen.
,,Was ist denn gestern Nacht passiert und warum hast du mich nicht geweckt?“, fragte mein Dad und ich hörte Stephan seufzen.
,,Du schläfst ja auch wie ein Toter. Julian hat gestern leicht die Nerven verloren.“
,,Wieso?“
,,Gestern Nacht hab ich etwas zerbrechen gehört und jemanden schreien. Erst dachte ich, dass Elvis und Julian sich gestritten hätten, aber er wurde immer lauter und dann hab ich noch mehr Geräusche gehört, die mich stutzig gemacht hatten, vor allem wo ich auch nur Julian gehört habe und mich gefragt habe, warum Elvis kein Kontra gibt und ich den nicht gehört hab. Die Geräusche wurden auch immer lauter und da bin ich einfach mal gucken gegangen.“


,,Ja und was hast du gesehen?“
,,Julian kniete auf dem Bett und schrie Dinge, die ich noch nicht wirklich zuordnen konnte und schlug ständig auf das Kissen ein. Da ich das aber von der Türe nicht sehen konnte, hab ich ihn erst mal weggezogen.
Er hat eine ganze Weile gebraucht um sich wieder zu beruhigen. In der Zeit habe ich  Zeit gehabt mich in dem Raum umzusehen. Julian wirkte wie in Trance, einem Wahn oder so.“
,,Ich sollte wohl nochmal mit ihm reden. Die ganze Sache macht ihn vollkommen bescheuert. Kai hätte gar nicht erst mit ihm auf den Friedhof fahren sollen. Seitdem ist Julian doch erst so komisch.“
,,Vor allem solltest du dir erst das Zimmer ansehen. Das sieht auch nicht gut aus.“
,,Wieso?“
,,Das Fenster war kaputt, das Regal hat er um geschmissen und als er auf das Kissen eingeschlagen hat, hat er das kaputt gemacht und jetzt fliegen da Federn rum. Scheinbar hat er auch einige Gegenstände durch die Gegend geschmissen, denn so sah es aus. Ich habe ihn dann beruhigt und habe ihn mit runter genommen ins Wohnzimmer. Er sagte mir dann, dass dieser Junge ihn wohl auch nicht nur in seinem Träumen erscheint. Er muss deswegen gestern wohl auch fast einen Unfall hatte. Vielleicht müssen wir uns das nochmal durch den Kopf gehen lassen. Ich meine vielleicht wäre es ja besser wenn wir uns das mal ernst zur Brust nehmen würden. Ich glaube langsam nicht mehr, dass Julian durchdreht. Was ist wenn er das wirklich so erlebt? Wenn Julian die Wahrheit sagt?“
,,Schatz, bei aller Liebe zu meinem Sohn und auch dir, aber das ist sicher nicht normal und ich glaube auch nicht, dass ich meinen Sohn dabei unterstützen muss, wenn er durchdreht, oder?“
,,Wer sagt denn, das er das tut? Es soll solche Phänomene doch geben.“


,,Das ist doch Blödsinn. Ich glaube nicht, dass es daran liegt. Vielleicht nimmt er ja auch noch andere Drogen. Es gibt doch viele, die Halluzinationen auslösen und wer weiß, wo er sich die besorgt.“
,,Ja, vielleicht hast du ja recht. Ich meine je nachdem wo er das Zeug her hat, ist das wirklich mieser Stoff.“
,,Das kennen wir ja aus eigener Erfahrung.“, sagte Stephan und Kevin seufzte.
Es kehrte eine Weile Stille ein und gerade als ich reingehen wollte, hörte es sich an, als wolle jemand noch etwas sagen.
,,Vielleicht sollten wir ja wirklich mal über eine Therapie nachdenken.“, sagte mein Dad dann.
,,Psychologen gibt es hier wie Sand am Meer, aber glaubst du das macht es besser?“, fragte Stephan skeptisch.
,,Nein, wahrscheinlich bringt das nichts, denn da bekommt man nicht so schnell Termine. Vielleicht sollten wir uns gleich nach einer Klinik umsehen. Da könnte man ihm direkt helfen. So kann es nicht weitergehen und ich will auch nicht dabei zusehen, wie mein Sohn vor die Hunde geht.“
Das war wirklich zu viel für mich, weswegen ich in die Küche stürmte.
,,So denkt ihr also über mich? Ihr denkt ernsthaft ich sei gestört? Wirklich? Ich kann nicht glauben das nach meinen Freunden nicht mal meine eigene Familie zu mir hält!!!! Wie könnt ihr das antun???? von euch hätte ich das nicht erwartet!!!! vor allem von dir nicht, Stephan. Vor allem nicht nach deiner Hilfe gestern Nacht. Da habe ich echt geglaubt, dass du mich verstehst und ernst nimmst und dann fällst du mir bei Dad so in den Rücken? Vielen Dank auch!!!!“


Kaum hatte die Worte ausgesprochen, verließ ich auch schon wutentbrannt die Küche und stürmte in mein Zimmer.
Dort blieb ich stehen kurz nachdem ich den Raum betreten hatte und war schon leicht schockiert über das Chaos, das ich da angerichtet hatte.
Dennoch ließ ich alles so wie es war und suchte aus meinem Schrank zusammen, mit denen ich dann in das Bad ging.
Dort erledigte ich alles, was wichtig war und zog meine Kleidung über.
Immer noch mehr als aufgebracht stapfte ich zurück in mein Zimmer und packte dort alles zusammen was ich brauchte für die Bandprobe und den Auftritt heute Abend.
Als das erledigt war, ging ich runter und zur Haustüre, wo ich meinen Vater zwar noch etwas rufen hörte, ich mich aber nicht wirklich dafür interessierte und verließ das Haus.
Ich ging zu meinem Auto, stieg in diesen ein und fuhr auch gleich zum Proberaum.
Davor parkte ich meinen Wagen und ging rein.
Es wunderte mich nicht, dass es noch keiner da war, denn Elvis war noch zu Hause und Marc und Pascal noch arbeiten.
Trotzdem wollte ich nicht schmollen und begann stattdessen die Lieder, die wir heute Abend performen sollen.
Erst als mir jemand auf die Schulter tippte, zuckte ich heftig zusammen und wirbelte rum.
Ich erkannte Pascal und Marc und beruhigte mich dann auch gleich wider.
,,Warum bist du denn alleine? Wo ist deine bessere Hälfte?“
,,Noch zu Hause. Ich bin alleine her gekommen. War schlechte Luft zu Hause und ich dachte wir brauchen ja auch die Autos.“


,,Willst du drüber reden?“, fragte Marc und ich schüttelte den Kopf.
,,Nein, wir sollten proben. Ich hoffe Elvis kommt auch gleich, dann hört es sich besser an.“
Die beiden nickten und begannen dann auch ihre Instrumente fertig zu machen.
Kurz bevor wir anfingen wollten, ging die Türe erneut auf und Elvis betrat den Proberaum.
,,Hallo.“, warf er in die Runde und bekam von Marc und Pascal Antwort.
Die beiden sahen sich nur Schulterzuckend an und machten weiter.
Auch Elvis machte seinen Bass fertig und kurze Zeit später begannen wir dann mit der Probe.
Einige Zeit verbrachten wir mit der Probe, bis es dann an der Zeit war, die Instrumente langsam einzupacken, denn wir mussten ja auch noch den Soundcheck machen.
Da ich ja nicht viel einzupacken hatte, war ich schneller fertig, als die anderen, setzte mich dann auf die Couch und trank ein Bierchen.
Lange saß ich allerdings nicht da, bis Elvis zu mir kam.
,,Was war denn zu Hause los? Dad sagte das es diese Nacht und eben Probleme gab und du deswegen schon gefahren bist. Eben hast du nicht mit mir geredet, ich mache mir langsam wirklich Sorgen, Julian. Was ist wenn unsere Beziehung das nicht mehr aushält? Ich meine sie wird doch gerade echt auf eine harte Probe gestellt.
,,Es tut mir leid. Das zu Hause war nur eine kleine Meinungsverschiedenheit, nichts schlimmes. Das ist später wider erledigt.“
Elvis nicke, schien mir zu glauben, so hatten Stephan und mein Dad offensichtlich nichts gesagt.


Es fiel mir nicht leicht Elvis anzulügen, aber in den Fall war es wohl einfach besser.
Nachdem Pascal und Marc dann auch ihre Sachen im Auto verstaut hatten, kamen sie wieder zu uns.
,,Wir sind fertig.“, sagte Pascal und ich nickte.
,,Wir kommen jetzt.“
,,Wir warten am Auto.“
Mir blieb nichts anderes als zu nicken, denn die beiden waren kurz danach auch schon wieder verschwunden.
,,Wieso sind die beiden denn so mies drauf?“, fragte Elvis, aber ich konnte nur mit den Schultern zucken.
,,Ich glaube das wissen sie selber nicht. Ihre Laune sollte sich aber bald bessern. Immerhin haben wir gleich den Auftritt und sollten da alles geben.“
,,Da hast du vollkommen Recht. Wir sollten auch gehen.“
Ich nickte zustimmend und ging dann mit Elvis zusammen ebenfalls zum Auto.
Dort klärten wir noch ab, wer vorfuhr, da wir ja mit drei Autos fahren mussten und machten uns auch gleich auf den Weg.
Elvis fuhr vor, weil er den Weg am besten kannte und dann folgen erst ich und zum Schluss Marc und Pascal.
Aber lange mussten wir auch nicht fahren, da hatten wir den Club auch schon erreicht.
Wir hielten unsere Autos auf dem Parkplatz und gingen dann gemeinsam rein.
Der Clubbesitzer erwartete uns bereits und begrüßte uns mit Handschlag.
,,Schön, dass ihr es so kurzfristig noch einrichten konntet.“


,,Klar, machen wir doch gerne. Wir müssen gleich noch den Soundcheck machen und dann sind wir bereit.“, sagte Elvis, der sich irgendwie immer um das Organisatorische kümmert.
,,Braucht ihr Hilfe oder irgendwas anderes?“
,,Nein, Hilfe nicht, aber was zu trinken wäre gut.“
,,Klar. Im Backstagebereich ist ein Buffet aufgebaut und die Getränke gehen aufs Haus. Die Gage gibt es nach dem Auftritt. 10.000 wie abgemacht.“
,,Alles klar, dann legen wir mal los.“, sagte Elvis, klatschte in die Hände und wir begannen gleich mit dem Ausräumen der Autos und dem Aufstellen der Instrumente.
Das alles verlief ziemlich reibungslos und kurze Zeit später war auch schon alles aufgebaut.
Auch der Soundcheck funktionierte schnell und reibungslos, was wohl auch einfach daran lag, dass wir noch keine Profis waren und uns auf unser Gehör und das das Clubbesitzers verlassen mussten.
Zufrieden gingen wir dann in den Backstagebereich, den Tom, der Barbesitzer uns freundlicherweise noch zeigte und uns dann alleine ließ.
,,Der Club scheint echt gut zu sein und groß.“, sagte Elvis und wir nickten.
,,Wenn der voll ist, wird sicher einiges los sein und da werden wahrscheinlich auch ein paar Promis dabei sein. Der Club sieht nämlich nicht so aus, als würden hier nur durchschnittliche Verdiener hingehen.“, sagte Marc.
,,Da könntest du recht haben. Das ist mir jetzt aber egal, ich esse jetzt erst mal was und dann gönne ich mir ein Bierchen zum locker werden. Solltet ihr auch tun.“, sagte Pascal und ich nickte.


,,Das stimmt. Wir sollten einen trinken.“, stimmte ich zu und machte mich dann auch gleich auf den Weg die Getränke besorgen.
Ich fand Tom an der Theke und bestellte bei ihm die Biere.
Er sagte mir, dass er sie gleich bringen würde und ich verschwand einverstanden nickend wieder im Backstagebereich.
,,Bier kommt gleich.“
,,Wann müssen wir denn raus?“, fragte ich an Elvis gewandt, denn der hatte das alles ja auch organisiert.
,,Ähm, um 22 Uhr ist hier Einlass, aber wir spielen erst um 24 Uhr.“
Ich blickte auf die Uhr und hatte wohl noch genug Zeit in Ruhe was zu essen, was ich dann auch gleich tat und mich ebenfalls am Buffet bediente und mich dann zu den Jungs setzte.
Den Rest der Zeit schwiegen wir überwiegend, was einfach daran lag, dass wir den Mund voll hatten und uns anschließend auf den Auftritt vorbereiteten, denn wir wollten ja einen guten Eindruck hinterlassen um vielleicht nochmal gebucht zu werden.
Gegen halb 12 wurde ich dann doch leicht nervös, da der Club wirklich gerammelt voll war und eine mehr als gute Stimmung herrschte.
Ich blickte in die Runde und sah da die Jungs alle hochkonzentriert waren und das sollte ich auch sein.
Alles was ich an Konzentration aufbringen konnte, bündelte ich und trank noch ein Bier, von dem Tom uns glücklicherweise genug gebracht hat.
Ich war bereit für den Auftritt und war mir sicher, dass er sicher auch ein voller Erfolg werden würde.


Um Punkt 12 standen wir dann auch völlig fertig und bereit für den Auftritt hinter der Bühne und hörten dabei zu, wie Tom uns ansagte.
Anschließend durften wir dann auf die Bühne und in dem Moment war ich echt scheiß nervös.
Ich war wirklich froh, dass Elvis eine souveräne Begrüßung hinlegte, denn die Ansagen teilten wir uns, auch wenn Elvis die meistens machte.
Der Club tobte jetzt schon, was meine Nervosität nicht besser werden ließ und der Druck stieg.
Elvis und ich tauschten nur kurz einen Blick aus und als ich nickte begannen die Jungs das erste Lied zu spielen.
Sobald die ersten Töne meinen Mund verlassen hatten, fiel auch die Anspannung ab und ich sang mich in einen Rausch.
In dem Moment vergaß ich alles um mich herum und sang einfach die Lieder.
Trotz der geringen Probezeit unterlief uns kein einziger Fehler, was mich mehr als stolz machte.
Große Zwischenfälle gab es auch nicht, außer bei einem Lied und zwar bei “Nichts ist so hart wie das Leben“, da war ich mir fast sicher den kleinen Jungen wieder im Publikum gesehen zu haben, aber sicher war ich mir da nicht, es waren nur Sekundenbruchteile in denen ich glaubte ihn gesehen zu haben.
Bereits während der Performance kochte das Publikum und wir kamen scheinbar verdammt gut an und das obwohl wir doch nur eine Cover band und nicht das Original waren.
So wurden wir dann auch mit “Zugabe, Zugabe“ Rufen von der Bühne gingen.


Hinter der Bühne kam Tom dann auch gleich zu uns und sagte uns, dass er die Gage um 2000€ erhöhte, wenn wir für drei weitere Zugaben nochmal auf die Bühne gingen.
Ein Blick genügte, wir waren einverstanden und gingen dann wirklich nochmal raus.
Da Tom uns keine Vorgaben gegeben hatte, spielten wir drei Onkelz Lieder unserer Wahl, die ebenfalls einschlugen wie eine Bombe.
Anschließend verabschiedeten wir uns von der tobenden Menge und gingen erneut hinter die Bühne, wo Tom erneut auf uns wartete und in den höchsten Tönen von uns sprach und mehr als begeistert war.
Er begleitete uns in den Backstagebereich und verteilte Bier und Handtücher, die auch nötig waren, denn wir waren nassgeschwitzt.
,,Kann ich euch öfter buchen? Ihr seid wirklich großartig und ihr seid mir das Geld auch definitiv wert. Apropos Geld. Wer von euch bekommt das?“, fragte Tom aufgeregt und zückte seine Geldbörse.
,,Also zu deiner ersten Frage: ja, du kannst uns öfter buchen. Schick einfach wieder eine Mail, aber wenn es geht etwas früher. So kurzfristig können wir nicht immer, denn wir müssen auch noch arbeiten und proben. Zu dem Geld: es wäre schön wenn du es so passend hättest, dass du jedem von uns 3000€ geben könntest.“, sagte Elvis und regelte das sehr gut, aber das waren wir ja schon gewöhnt von ihm.
Tom begann dann auch wirklich uns das Geld zu geben, wie versprochen, jedem 3000€, die wir dankend annahmen und einsteckten.
,,Alle Getränke die ihr jetzt noch trinkt, gehen natürlich auf Kosten des Hauses. In den Privaträumen könnt ihr duschen und dann wünsche ich euch noch viel Spaß in meinem Club, wenn ich sonst nichts mehr für euch tun kann.“, sagte Tom und wir schüttelten den Kopf was ihn veranlasste den Backstagebereich zu verlassen.


,,Was habt ihr denn noch geplant heute Nacht?“, fragte Elvis und Marc und Pascal sahen sich kurz fragend an und schienen sich einig zu sein.
,,Ich würde sagen wir gehen gleich noch etwas trinken und dann fahren wir nach Hause. Ich bin kaputt, ihr nicht?“, fragte Pascal.
,,Ich bin auch müde. Ich glaube wir werden alt.“, scherzte Marc und ich konnte nicht anders als grinsen, denn die beiden übertrieben mal wieder maßlos, aber so kannten wir sie ja schon.
,,Ich trinke auch noch was und dann bin ich auch weg.“, sagte Elvis und ich nickte.
,,Wollt ihr dann mit euren Autos nach Hause fahren? Ich meine wir haben doch dann schon was getrunken. Nicht, dass da nachher noch etwas passiert.“, merkte ich an, denn scheinbar macht sich da keiner Gedanken drüber.
,,Piss dir mal nicht ins Hemd, da wird schon nichts passieren. Ich meine das ist doch nicht das erste Mal, das wir das machen und es ist doch auch nichts passiert. Außerdem brauchst du dafür doch auch kein Alkohol, denn dein Caspar erscheint doch auch ohne, oder? Hast du den heute eigentlich schon gesehen? Hat er unsere Performance auch gesehen?“, fragte Pascal und ich schüttelte fassungslos den Kopf und verließ dann den Raum.
Ohne auf irgendwas zu achten ging ich in den großen Raum, setzte mich dort an die Theke und bestellte mir einen dreifachen Whisky, den ich auch gleich auf ex trank und mir noch einen bestellte.
,,Toller Auftritt.“, hörte ich eine männliche Stimme neben mir, die ich durch die Musik aber nicht erkannte.
,,Dankeschön.“, sagte ich ehrlich und leerte das nächste Glas wieder in einem Zug und bestellte das nächste.
,,Nur die Wahrheit. Aber Alkohol löst keine Probleme.“


,,Und? Das tut Milch auch nicht. Außerdem kannst du ja gar nicht wissen....“, weiter kam ich nicht und brach meinen Satz ab, als ich sah wer da neben mir saß.
,,Ich weiß, das du Probleme hast und ich weiß auch, das du die gerne im Alkohol ertränkst.“, sagte er und ich nickte seufzend, denn er hatte recht und das wussten wir beide.
,,Hast du meine SMS bekommen?“, fragte ich zögernd und Kai nickte.
,,Ja. Elvis hat mich eingeladen hier her zu kommen, was ich gerne angenommen habe. Ich dachte wenn ich dann schon hier bin, dann kann ich wenigstens persönlich mit dir reden. Ich mache das halt lieber so statt das über SMS zu klären. Ist halt persönlicher.“
,,Verstehe ich.“
,,Ich nehme deine Entschuldigung natürlich an. Es tut mir auch leid.“
,,Danke, das bedeutet mir doch wirklich viel. Ich meine du bist doch mein Bruder.“
,,Du bist auch mein Bruder.“, sagte Kai lächelnd und legte einen Arm um mich.
Ich konnte einfach nicht anders und zog ihn in meine Arme.
Auch Kai legte seine Arme um mich und tätschelte meinen Rücken.
Viel zu schnell war diese Geste auch schon wider vorbei und er ließ mich los.
Seufzend widmete ich mich dann wieder meinem Whisky und leere das Glas erneut in einem Zug, bevor der Barkeeper mir auch gleich ein weiteres Glas hinstellte, was ich nicht mal bestellt hatte.
,,Zu wenig?“, fragte Kai und ich sah ihn fragend an.
,,Was meinst du?“, fragte ich verwirrt und verstand wirklich noch nicht so wirklich was er von mir wollte.


,,Die Zuneigung? Sie fehlt dir, das merkt man.“
,,Es ist halt in letzter Zeit nicht wirklich gut gelaufen. Ich weiß nicht, was ich noch tun soll.“
,,Ich bin sicher das ihr das noch hinbekommt. Ihr seit schon so lange zusammen, ihr habt schon so viel durchgestanden, das schafft ihr auch noch. Du musst nur aufhören so viel an den kleinen Jungen zu denken.“
,,Das ist leider nicht so leicht, aber ich bemühe mich. Jetzt lass uns aber nicht davon reden. Erzähl mir lieber was von dir. Gibt es was neues?“
,,Euer Zimmer ist wieder vergeben. Da ist jetzt ein anderes Paar drin. Ein junger Bursche und seine Freundin.“
,,Das hat mich zwar jetzt nicht so brennend interessiert, aber ich freue mich das du neue Schützlinge hast.“
,,Die beiden sind aber nicht wie ihr. Ich glaube sie sind das genaue Gegenteil von euch. Zumindest geben sie sich so.“
,,Gott, die Langweiler. Aber auch das ist Nebensache. Ich spüre da so gewisse Vipes  und die hätte.“, zwinkerte ich ihm zu und Kai sah mich verwirrt an.
,,Vipes? Ich hab keine Ahnung wovon du redest.“
,,Tu nicht so unschuldig, das bist du gewiss nicht. Also erzähl mir, wer ist sie oder doch ein er?“, fragte ich gespannt und das Grinsen in Kais Gesicht sprach Bände.
,,Vielleicht will ich dir aber nichts von ihm erzählen?“
,,Aha, es ist also ein er. Komm schon, jetzt weiß ich doch sowieso schon die Hälfte, jetzt kannst du mir auch den Rest noch sagen.“
Kai seufzte, was ich zwar nicht hören, aber dafür deutlich besser sehen konnte.
Ich legte das süßeste Lächeln auf, was ich zu bieten hatte und brachte auch Kai zum grinsen.


,,Ja, er ist wirklich ein toller Kerl, aber es ist noch nichts Spruchreif und wenn bist du der erste, der davon erfährt.“
,,Das ist ja wohl auch das mindeste, als dein Bruder. Wie heißt er denn? Wo kommt er her? Wie alt ist er? Wo habt ihr euch kennengelernt? Wie ist er im Bett? Ich will alles wissen.“
,,Sei mal nicht zu neugierig.“
,,Bin ich nicht. Jetzt sag schon.“
,,Er heißt Leon, kommt aus Frankfurt, ist 29 Jahre jung und wir haben uns in einem Club kennengelernt. Zu dem Rest will ich mich glaube ich nicht äußern.“
,,Komm schon, du kannst doch nicht die ganze Zeit mit einem Knochen vor dem Hund rum wedeln und dich dann wundern wenn der Hund zuschnappt.
,,Die Assoziation gefällt mir nicht. Ich wedel hier mit überhaupt keinen Knochen rum und du bist kein Hund.“
,,Das war ja auch nur sinnbildlich gemeint. Ich meine du kannst mir doch nicht die Hälfte verschweigen.“, sagte ich gespielt fassungslos und Kai seufzte.
,,Er ist verdammt gut im Bett. Ich habe selten so gut gevögelt, zufrieden?“
,,Ja, erst mal schon. Wie sieht der gute Leon denn aus?“
,,Normal? Wie ein Mensch halt aussieht. Es kommt doch auch nicht auf das aussehen an.“
,,Schon klar. Ich bin mit Elvis auch nur aus Mitleid zusammen. Ich meine so wie der aussieht würde der doch als einsamer Single sterben.“, sagte ich ironisch, allerdings schien Kai die Ironie nicht verstanden zu haben, denn er sah mich schockiert an.


,,Elvis? Ich meine er ist jetzt nicht unbedingt mein Typ, aber hässlich ist er gewiss nicht.“
,,Nein du Idiot, das war ja auch nur ein Scherz. Elvis sieht fantastisch aus. Ich wollte dir damit nur sagen, das das Aussehen auch eine Rolle spielt und du ihn doch dann auch sicherlich attraktiv findest, sonst würdest du doch nichts mit ihm unternehmen.“
,,Ja, natürlich finde ich ihn attraktiv.“
,,Das ist aber doch die Hauptsache. Er muss ja auch nicht everbody's Darling sein, sondern die gefallen und du musst mit ihm klar kommen.
,,Das tue ich. Er ist blond, kurze Haare, strahlend blaue Augen, sportlich, ein bisschen kleiner als ich. Ich glaube er ist 1,80 cm.“
,,Reicht doch. Ich bin auch nur 1,82 cm.“, sagte ich fast schon trotzig und Kai nickte.
,,Ich bin auch nur fünf Zentimeter größer als er.“
,,Bei Elvis und mir sind es zwei Zentimeter, die ich größer bin.“
,,Ihr seid ja auch das Traumpaar schlechthin.“
,,Danke, aber ich bin sicher das Leon und du das auch seid. Warum hast du ihn denn nicht mitgebracht? Mag er etwa keine Onkelz oder deren Cover?“
,,Doch total, aber er musste leider heute Abend arbeiten. Beim nächsten Mal versucht er aber mitzukommen.“
,,Ich will den Kerl kennenlernen, der dir so den Kopf verdreht.“, zwinkerte ich.
,,Tut er nicht.“, sagte Kai trotzig.
,,Stimmt, hat er schon.“, lachte ich und bestellte noch zwei dreifache Whisky für uns.


Kai sagte nichts mehr dazu, aber das war wohl auch überflüssig, denn ich wusste auch so, dass ich recht hatte und Kai über beide Ohren verknallt war, aber ich gönnte es ihm.
Er hatte es verdient auch endlich wieder glücklich zu sein und ich war sicher, dass er das auch mit Leon werden würde.
Noch einige Zeit verbrachte ich die Zeit mit Kai an der Theke und trank noch ein paar Whisky und unterhielt mich etwas mit ihm.
Was die anderen Jungs in der Zeit taten, bekam ich nicht wirklich mit, denn darauf achtete ich nicht wirklich.
Auch wenn ich nicht damit gerechnet hätte, schafften wir es sogar den Club erst zu verlassen, als die zu machen wollten und das Putzkommando schon anrückte.
Ich verließ mit Kai Arm in Arm den Club und spürte deutlich den Alkohol, der sich jetzt immer besser bemerkbar machte.
,,Du solltest nicht mehr fahren, so viel wie du getrunken hast. Komm, wir fahren mit dem Taxi, ich bezahle es auch.“
Wirklich begeistert war ich nicht, aber stimmte dann doch brummend zu.
Kai steuerte dann auch gleich ein Taxi an, was da am Straßenrand stand.
Er redete mit dem Taxifahrer, was mich aber nicht wirklich interessierte, stattdessen setzte ich mich hinten in das Auto und starrte aus dem Fenster.
Auch Kai stieg ein und das Auto setzte sich in Bewegung.
Immer wieder fielen mir dann die Augen zu und ich bemerkte nicht mal, dass wir nach einiger Zeit vor der Haustüre ankamen.
,,Julian, du musst aussteigen.“, sagte Kai und ich sah ihn fragend an.
,,Aussteigen.“, wiederholte er und ich nickte.


Ich winkte Kai nochmal zu, stieg dann aus und schwankte zur Haustüre.
Dort blieb ich stehen und überlegte, wo ich meinen Schlüssel hatte.
Mir fiel dann nach einiger Zeit auf, dass ich den wohl in der Hosentasche hatte, sah dort nach und fand ihn dort dann auch.
Ich zog diesen raus, aber dieser fiel mir dann dummerweise aus der Hand, was mich leise seufzen ließ.
Dennoch musste ich mich danach bücken, was ich dann auch gleich tat und mir dummerweise dann auch gleich mal den Kopf an der Türe stieß, was mich leicht zurück taumeln ließ.
Ich verlor das Gleichgewicht und fiel rücklings die paar Stufen vor dem Haus runter und landete hart auf meinem Arsch, was mich schmerzerfüllt das Gesicht verziehen ließ.
Vollkommen müde ließ ich mich dann einfach fallen und lag nun alle Viere von mir gestreckt in der Einfahrt.
Sämtliche Motivation und Wille jetzt aufzustehen hatten mich verlassen und ich wollte das alles auch nicht mehr.
Heute Nacht war ich meinem besten Freund näher gekommen als meinem festen Freund in den letzten Tagen.
Dabei ging es doch gar nicht um das Vögeln, denn das hatte ich mit Kai ja auch nicht. N
Es ging einfach um die Nähe, die Geborgenheit und das Gefühl, dass ich doch noch ein vollwertiger Mensch war, denn daran zweifelte ich die letzten Tage immer mehr.
Ich spürte Tränen in meinen Augen brennen, die sich kurze Zeit später ihren Weg aus meinen Augen über meine Wange bahnten.
Aber ich machte mir nicht die Mühe sie wegzuwischen, würde eh keiner sehen.


Ich weiß nicht wie lange ich da so gelegen hatte, es war mir aber auch egal.
Tränen rannen immer noch über meine Wangen, als ich die Haustüre hörte.
Aber auch hier machte ich mir nicht die Mühe den Kopf zu heben und nachzusehen.
Wenn es jemand aus dem Haus war, dann würde der mir schon nichts tun und wenn wäre mir das auch egal, denn so würde er mich wenigstens von meinen Qualen erlösen.
Kurze Zeit später erkannte ich Beine, die auf mich zukamen und dann Arme, die mich hochhoben.
Ich wehrte mich nicht, sondern blinzelte aus müden Augen der Person entgegen, die mich wegtrug.
Doch als ich diese erkannte, war ich mit einem Mal hellwach und sah ihn mit großen Augen an.
,,Wo bringst du mich hin?“
,,Nach drinnen, du kannst ja schlecht in der Einfahrt schlafen.“
Ich nickte nur und ließ mich ohne ein weiteres Wort rein bringen.
,,Es tut mir leid.“, sagte ich kleinlaut und blickte auf den Boden.
,,Was sollte dir leid tun?“
,,Mein Auftritt heute Mittag tut mir leid. Ich habe überreagiert. Aber scheiße Dad, ich habe Angst wirklich verrückt zu werden. Ich meine erst waren es ja nur Träume und die verstand ich nicht mal, aber das alles wird immer realer. Ich habe Angst. Ich weiß nicht, wie ich das stoppen kann, weil ich nicht mal weiß wie es angefangen hat, oder warum es ausgerechnet mich trifft. Der Junge will ständig Hilfe, aber ich weiß nicht wobei und wie ich sie ihm geben kann.“, sagte ich verzweifelt.


Mein Vater seufzte nur, schwieg aber weiterhin, weshalb ich fortsetzte.
,,Anfangs ergaben die Träume keinen Sinn. Ich wusste nur, dass ich jedes Mal totale Panik hatte, wenn ich wieder wach wurde, ich wusste aber nicht wieso. Erst seit gestern Nacht weiß ich es. Ich habe den Traum nicht zu End geträumt oder etwas ausgelassen. Vielleicht kann ich mich auch nicht mehr erinnern, ich weiß es nicht. Mittlerweile verstehe ich zumindest teilweise den Inhalt, aber ich weiß langsam wirklich nicht mehr, ob ich noch normal bin im Kopf. Vielleicht habt ihr alle ja auch recht. Vielleicht drehe ich wirklich durch. So muss es doch sein, wenn so viele das sagen, oder? Keiner glaubt mir und ich werde daran zu Grunde gehen.“, sage ich, wurde zum Ende hin immer leiser, meine Stimme wurde heiser und brüchig, was kurze Zeit später in ein Schluchzen überging.
Ich weinte hemmungslos, schluchzte und zitterte.
So eine tiefe Verzweiflung hatte ich noch nie zuvor gespürt.
Mein Dad kam zu mir, setzte sich neben mich, zog mich in seine Arme und streichelte beruhigend durch meine Haare und über meinen Rücken, sprach allerdings immer noch kein Wort.
Mit meinen Fingern krallte ich mich so fest in sein T – Shirt, dass meine Fingerknöchel schon nach relativ kurzer Zeit weiß wurden.
Mein Gesicht vergrub ich an seiner Hals beuge und ließ auch jetzt meinen Tränen weiterhin freien Lauf.
Immer wieder schluchzte und wimmerte ich und bekam mich einfach nicht mehr beruhigt.
,,Vielleicht solltest du wenn du dich beruhigt hast schlafen gehen. Ich bin sicher morgen sieht die Welt wieder anders aus.“
Ich nickte nur, war einfach noch nicht in der Lage zu sprechen.


,,Wir haben uns die Freiheit genommen und haben dein Zimmer aufgeräumt. Elvis hat uns von eurem Auftritt erzählt, wir konnten uns denken, dass es später wurde und du musst ja irgendwo schlafen.“
,,Danke.“, brachte ich schluchzend hervor und erntete ein Lächeln.
Es sagte so viel und doch nichts, denn ich hatte immer noch keine Ahnung, was und wie er jetzt über die Situation dachte.
,,Ich drehe durch, oder?“, fragte ich bemüht ruhig, bemerkte aber selber, dass meine Stimme schrill klang.
,,Du machst eine schwere Zeit durch. Das wird auch wieder besser.“
Ich nickte nur, dass war nicht unbedingt das, was ich hören wollte, aber immerhin hatte er überhaupt was gesagt.
,,Ich gehe dann jetzt mal hoch.“, sagte ich knapp und wischte mir die Tränen weg.
Ich hatte mich noch nicht wirklich beruhigt, musste aber nach außen hin so tun, um einfach keine Schwäche zu zeigen, nicht noch weitere Angriffsfläche zu bieten, denn ich wusste, dass ich diese Schlacht alleine führen musste.
Es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder ich würde gewinnen und dem ganzen ein Ende setzen, oder ich würde verlieren und mir damit selber ein Ende setzen, aber eins wusste ich ganz sicher solange es noch keinen Gewinner gab, gab es auch keinen Verlierer und solange würde ich kämpfen.
Ohne auf Antwort zu warten ging ich in mein Zimmer, was wirklich aufgeräumt war.
Sogar das Fenster war neu eingebaut worden.
Ich entledigte mich meiner Kleidung und ließ sie achtlos auf dem Boden liegen, bevor ich mich in mein Bett legte und kurze Zeit später erschöpft einschlief.


Ich stand vor einem großen eisernen Tor, zitterte am ganzen Körper.
Erneut spürte ich diese Entschlossenheit, die meinen Körper durchflutete.
Dicke Regentropfen hingen an dem Tor und fielen lautlos zu Boden, hinterließen eine große Wasserlache auf dem matschigen Weg des Friedhofs.
Ich warf einen Blick zum Himmel, sah den Mond in voller Pracht am Himmel stehen, rund und voll.
Mein Blick wanderte wieder zurück auf den Weg, den ich auch gleich betrat.
Zielstrebig ging ich auf das Grab von Max zu, den Spaten in der Hand setzte ich diesen an und begann das Grab auszuheben.
Ein Rascheln im Gebüsch ließ mich aufhorchen.
Erst dachte ich, dass es der Regen war, der in den Blättern raschelte, aber dann sah ich wie aus dem Nichts etwas weißes auf mich zukommen.
Ich erkannte das es ein Blatt war, was so über den Boden flog, als würde es getragen.
Es ging kein Windchen und ich begriff nicht, wie sich das Blatt überhaupt voran bewegen konnte.
Kurz bevor ich danach greifen konnte, flog es so schnell an mir vorbei, dass ich ins leere griff.
Ein innerer Drang brachte mich dazu dem Blatt Papier zu folgen.
Ich behielt es fest im Blick und sah nicht auf meine Umgebung.
Das Blatt wurde langsamer und blieb schlussendlich liegen.
Gerade als ich danach greifen wollte, verschwand es.
An der Stelle wo das Blatt lag, standen nun Schuhe.
Erschrocken taumelte ich zurück und erkannte den kleinen Jungen.
,,Das Blatt. Du brauchst es, dann kannst du uns helfen.“, sagte er.
,,Wo ist das Blatt? Wo finde ich es? Wem soll ich helfen? Wer ist wir?“



Darauf bekam ich keine Antwort mehr, denn ich wurde erneut wach.
Seufzend fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und hatte keine Ahnung, was es für ein Blatt war und wo ich es finden konnte.
,,Finde das Blatt, Max.“, hörte ich eine Stimme neben mir und sah dorthin.
Ich hatte das Gefühl mich in Zeitlupe zu bewegen.
,,Wo? Wo finde ich das?“, fragte ich entschlossen es zu finden.
Antwort bekam ich allerdings keine mehr, denn der kleine Junge war verschwunden.
Seufzend fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und suchte in meiner Nachttischschublade nach dem Gras, wo ich mir sicher war, das ich es da hatte.
Dummerweise fand ich es aber nicht, weshalb ich seufzend das Licht einschaltete und genauer in die Schublade blickte.
Überrascht stellte ich fest, dass mein Playboy weg war, den ich mir regelmäßig kaufte, denn auch wenn ich mit Elvis zusammen war und ihn auch wirklich über alles liebte, so war ich immer noch bisexuell und sah mir auch gerne hübsche Damen an.
Aber Elvis wusste das, auch das ich den Playboy regelmäßig las.
Er hatte nichts dagegen, weshalb ich davon ausging, dass er den nicht aus Wut mitgenommen hatte, aber vielleicht wollte er ihn auch selber lesen.
Die Kondome und alles was ich sonst noch drin hatte, waren auch noch da, weshalb ich nicht länger über die Zeitschrift nachdachte.
Auch ein Block befand sich in der Schublade, die ich überall verteilte, um Ideen für Lieder aufschrieb, falls ich irgendwann mal selber welche schreiben sollte.


Ich hob den Block an und fand darunter auch das Gras, was ich gesucht hatte.
Den Block, das Gras und alles was ich sonst noch brauchte um einen Joint zu bauen, was ich dann auch gleich tat und nutzte den Block als Unterlage.
Nachdem ich den Joint dann gebaut hatte, zündete ich diesen auch gleich an und inhalierte den Qualm tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ.
Währenddessen starrte ich die leere Seite des Blockes an und überlegte, ob ich mir nicht vielleicht ein paar Notizen machen sollte.
Das was ich gesehen, gehört und erfahren hatte.
Vielleicht übersah ich etwas, was ich sehen konnte, wenn ich es mir aufschrieb und dann nochmal durch den Kopf gehen lassen konnte.
Ich begann mir Stichpunktartig alles was ich geträumt und auch gesehen und erlebt hatte, während ich weiter meinen Joint rauchte.
Aber auch nachdem ich alles aufgeschrieben hatte, ergab es noch immer nicht mehr Sinn.
Gedankenverloren begann ich neben meinen Notizen zu malen, starrte diese immer wieder an und versuchte mir einen Reim auf meine Schmierereien zu machen.
Als ich den Joint zu Ende geraucht hatte, drückte ich ihn im Aschenbecher aus und stellte diesen ohne hinzusehen rüber neben mich auf den Nachttisch.
Dummerweise aber nicht komplett, sodass dieser mit einem Dumpfen Schlag auf den Boden fiel.
Seufzend legte ich den Block beiseite und schwang meine Beine aus dem Bett.
Kurz blieb ich auf der Bettkante sitzen und sah mir den Dreck auf dem Boden an.
Mit einem Kopfschütteln sammelte ich die Kippen wieder ein und wischte die Asche mit der Hand unter das Bett.


War ich doch einfach zu faul jetzt aufzustehen und auch noch den Handfeger zu holen.
Als ich dann wieder auf mein Bett geklettert war, warf ich einen Blick auf den Block und entdeckte ein seltsames Logo auf meinen Notizen.
Ich wusste, dass ich das schon mal gesehen hatte, aber ich wusste nicht wo.
Wahrscheinlich hatte das auch nichts zu bedeuten und ich legte den Block auf die andere Seite des Bettes bevor ich dann auch wieder richtig ins Bett kletterte.
Noch kurz seufzte ich und kuschelte mich dann wieder in die Decke.
Noch eine ganze Weile dachte ich an meine Notizen und an das Logo, aber ich konnte mir einfach keinen Reim darauf bilden.
Ich schloss meine Augen und wartete eigentlich nur darauf, dass ich wieder anfing zu träumen oder mir der kleine Junge vielleicht begegnen würde.
Bis jetzt war er ja nicht besonders gesprächig und auch nicht wirklich informativ.
Ich würde ihm ja gerne helfen, aber dazu brauchte ich einfach mehr Informationen.
Woher sollte ich denn auch wissen, wo ich suchen sollte, ohne weitere Hinweise.
Auf die Hilfe von meinen Freunden und meiner Familie konnte ich auch nicht wirklich bauen.
Das musste ich alleine machen, früher oder später würden die notwendigen Informationen auch noch kommen.
Ich kuschelte mich enger in die Decken und drehte mich auf den Bauch.
Während ich weiter meinen Gedanken nachhing schlief ich dann auch kurze Zeit später ein und verfiel in einen ruhigen und diesmal auch erholsamen Schlaf, denn den Rest der Nacht träumte ich nicht mehr, oder konnte mich zumindest nicht mehr dran erinnern.


Als ich am nächsten Morgen wach wurde, fühlte ich mich so entspannt wie schon lange nicht mehr.
Ich streckte mich ausgiebig und seufzte genüsslich.
Warum wusste ich selber nicht, aber heute hatte ich verdammt gute Laune und war mir sicher, dass es bergauf gehen würde.
Heute war ein guter Tag, dessen war ich mir sicher.
Ich schwang meine Beine aus dem Bett und stand auch gleich auf.
Mein Weg führte mich als erstes in die Küche, wo ich mir einen Kaffee zurechtmachte und mich mit diesem gegen den Küchenschrank lehnte.
Nachdem ich meinen blick schweifen gelassen hatte, entdecke ich Zigaretten auf dem Tisch.
Ich hatte zwar keine Ahnung, wem die gehörten, aber wenn da eine fehlen würde, würde das wohl keinem auffallen.
So zog ich eine Zigarette aus der Packung und zündete diese an, bevor ich mich wieder gegen den Küchenschrank lehnte.
Genüsslich rauchte ich meine Zigarette und trank meinen Kaffee.
Lange musste ich nicht warten, bis Elvis ebenfalls die Küche betrat, sagte allerdings nichts.
Wirklich verwundern tat mich das aber auch nicht, denn das kannte ich ja schon von ihm, denn er brauchte ein gewisses Pensum an Koffein, bevor er ein Mensch war, so wie wir es von Stephan ja auch schon kannten.
Da ich direkt neben dem Kühlschrank stand, öffnete ich diesen und reichte hm eine Dose Red Bull, die ich raus genommen hatte.


Aber statt diese anzunehmen, ignorierte Elvis sie einfach und machte stattdessen einen Kaffee.
Fragend blickte ich ihn an, aber er ignorierte mich vollkommen.
,,Bist du sauer auf mich?“, fragte ich doch leicht verwirrt, bekam da aber auch keine Antwort drauf, was mich seufzen ließ.
,,Okay, scheinbar bist du sauer. Darf ich auch noch erfahren warum?“
Aber auf die Frage bekam ich keine Antwort, was mich erneut seufzen ließ.
Ich hatte keine Ahnung was ich ihm getan haben sollte, aber er würde es schon wissen.
Also zuckte ich nur die Schultern und rauchte weiter meine Zigarette und trank meinen Kaffee.
Kurze Zeit später betrat dann auch Stephan den Raum.
,,Guten morgen.“, begrüßte er uns und beide grüßten wir zurück und das obwohl er so scheiße über mich dachte.
Heute würde mich das aber auch nicht stören, denn ich hatte immer noch verdammt gute Laune, auch wenn ich noch keine Ahnung hatte, warum.
Stephan nahm die Zigaretten von dem Tisch, zündete sich eine an und machte sich dann auch noch einen Kaffee.
,,Ist das deine Packung?“, fragte ich dann und Stephan schüttelte den Kopf.
,,Nein, die gehört deinem Dad, glaube ich.“
,,Dann ist das wohl jetzt eine Hure.“, sagte ich belustigt und hatte selber keine Ahnung wieso ich so empfand.
Allerdings verstand Stephan auch kein Wort und sah mich fragend und mit hochgezogener Augenbraue an.
,,Das ist eine Zigarettenpackung. Das weißt du aber schon, oder?“


,,Ja logisch weiß ich das und trotzdem ist sie eine Hure.“
,,Wie kommst du darauf?“, fragte Stephan verwirrt und ich grinste.
,,Sie hat Dad ran gelassen, danach mich, dann Elvis und du durftest danach auch nochmal. So viele Kerle in so kurzer Zeit nennt man dann wohl Hure.“, lachte ich, aber Stephan schüttelte nur grinsend den Kopf.
Elvis verzog nicht mal das Gesicht, sondern rauchte seine Zigarette und trank seinen Kaffee.
Stephan sah fragend zwischen uns hin und her, was mich nur die Schultern zucken ließ.
,,Stress?“, fragte der Ältere dann an mich gewandt, aber ich zuckte nur erneut die Schultern.
,,Musst du Elvis fragen. Ich hab keine Ahnung, warum es so ist wie es ist und er nicht mit mir redet.“
,,Okayyyy.“, sagte Stephan und widmete sich dann Elvis, der ihn fragend anblickte.
,,Was?“, fragte dieser nicht gerade freundlich und Stephan hob abwehrend die Hände.
,,Trink deinen Kaffee und vergiss meine Frage.“
Elvis nickte und widmete sich dann wieder seinem Kaffee.
,,Wo ist denn Dad?“, fragte ich und Stephan deutete auf die Türe.
Als ich dahin blickte erkannte ich meinen Dad, wie er im Türrahmen gelehnt stand.
,,Stehst du schon lange da?“, fragte ich und er nickte.
,,Lange genug um zu wissen, dass meine Zigarettenpackung eine Hure ist.“, grinste er, stieß sich am Türrahmen ab und ging zu Stephan, dem er einen Kuss aufdrückte und sich dann auch einen Kaffee machte.


,,Wieso hast du denn so gute Laune?“, fragte Dad und sah mich fragend an, was mich erneut die Schultern zucken ließ.
,,Ich hab auch keine Ahnung was mit mir los ist. Vielleicht aber auch einfach verdammt gut geschlafen habe.“
,,Das ist doch super. Wie kommt's?“
,,Ich weiß auch nicht, ich finde es aber gut und genieße es.“
Dad nickte leicht verwirrt, ließ es aber so stehen und lehnte sich nachdem er seinen Kaffee fertig hatte neben Stephan an den Schrank.
Ich setzte mich stattdessen an den Tisch und beobachtete die beiden Älteren.
,,Was steht denn heute an?“, fragte Elvis und Stephan seufzte.
,,Kevin will den Papierkram machen.“
,,Oh, viel Spaß.“, sagte Elvis ironisch.
,,Wann wollt ihr denn weg wegen der Arbeit an eurem neuen Album?“, fragte ich und diesmal war es an Kevin zu seufzen.
,,Eigentlich wollten wir warten, bis es dir besser geht, denn wir hätten heute eigentlich fahren sollen, wollten es aber verschieben.“
,,Das kommt ja gar nicht in Frage. Wieso solltet ihr das verschieben? Mir geht es gut und ich bin ja auch kein kleines Kind mehr und werde auch ganz sicher nicht sterben und keinen Blödsinn machen.“
,,Das habe ich auch nicht erwartet. Ich dachte nur, dass es vielleicht besser wäre, wenn wir hier sind, falls es weitere Zwischenfälle gibt.“
,,Die wird es nicht mehr geben. Ich hab das im Griff, vertrau mir.“
Kevin nickte und schien überzeugt zu sein, was mich schon sehr beruhigte, denn ich wollte nicht Schuld sein, dass es mit dem Album nicht weiterging.


Stephan legte einen Arm um Dad und grinste ihn an.
,,Tja, dann können wir den Papierkram wohl heute doch nicht machen.“, grinste er und ich grinste.
,,Doch, das können wir, Liebling. Bis wir fahren ist noch gut genug Zeit und so wie unsere hübschen Söhne grinsen helfen sie auch bestimmt gerne und dann sind wir schneller fertig.“
Auf der Stelle war das Grinsen aus unseren Gesichtern verschwunden.
,,Das kannst du nicht machen!“, sagten Elvis und ich im Chor, was meinen Dad nun lachen ließ.
,,Doch, ich finde schon.“, sagte Stephan und ich nickte.
,,Also schön, dann machen wir das zusammen, damit ihr an eurem Album arbeiten könnt.“, sagte Elvis, stand auf, denn er hatte mir gegenüber am Tisch gesessen und machte sich noch einen Kaffee.
,,Okay, ich bin soweit, wenn der Kaffee es ist.“, sagte er dann und wartete.
,,Wir gehen schon mal rüber.“, sagte Stephan und zog Dad auch gleich mit.
,,Warum redest du nicht mehr mit mir?“, fragte ich nachdem die beiden den Raum verlassen hatten und schlang meine Arme von hinten um ihn.
Allerdings schien Elvis das überhaupt nicht zu gefallen, denn er befreite sich auch gleich aus meiner Umarmung.
,,Was ist denn los?“, fragte ich immer noch verwirrt und hatte doch auch immer noch keine Ahnung, warum er sauer war.
,,Tu doch nicht so unschuldig. Als ob du nicht immer noch am beten wüsstest, was du getan hast.“


,,Aber ich habe wirklich keine Ahnung.“, sagte ich ehrlich.
,,Was war das denn gestern? Du bist einfach abgehauen, hast dich dann den ganzen Abend nicht mehr blicken lassen und hast dann auch noch öffentlich mit Kai rumgemacht. Dir ist ja nicht mal aufgefallen, dass wir gefahren sind!!!!“, wurde Elvis zum Ende hin immer lauter, aber ich wusste, das er schlicht und ergreifend Eifersüchtig war.
,,Ich bin nur gegangen, weil ihr wieder eure Scherze auf meine Kosten gemacht habt. Da hatte ich keinen Bock drauf und ich wollte nicht, dass die Sache eskaliert. Ich hab mich an die Theke gesetzt und wusste nicht mal, dass Kai überhaupt da war, denn soweit ich weiß, hast du ihn eingeladen. Mit ihm rumgemacht hab ich auch nicht. Wir haben uns vertragen und uns kurz umarmt, mehr war da nicht.“, sagte ich ruhig, denn ich hatte mir da sicher nichts vorzuwerfen.
,,Das habe ich gesehen. Schien ja ein sehr lustiger Abend gewesen zu sein, soviel wie ihr gelacht habt.“
,,Ja, das war es auch. Er hat mir erzählt, dass er sich verliebt hat, aber das wusstest du ja wahrscheinlich schon.“
,,In dich?“, fragte Elvis schockiert, was mich breit grinsen ließ, denn ich wusste, dass ich mit meiner nächsten Aussage triumphieren konnte.
,,Nein, nicht in mich, in einen Kerl, den er in einem Club kennengelernt hat. Also kannst du aufhören eifersüchtig zu sein.“, sagte ich locker, drückte Elvis einen Kuss auf die Lippen und verschwand im Wohnzimmer, natürlich nicht ohne ein triumphierend, breites Lächeln.
Ich ließ mich immer noch grinsend auf die Couch fallen und sah Stephan und meinen Dad an.
,,Was ist denn mit dir los?“, fragte mein Dad verwirrt.


,Ach Elvis wollte mit mir diskutieren, aber ich habe ihm die Wahrheit gesagt und die war überhaupt nicht so schlimm, wie Elvis erwartet hätte. Jetzt stand ich ja als Guter da und bin dann wieder hergekommen. Wir wollten doch den Papierkram machen.“
Elvis kam dann kurze Zeit später auch in das Wohnzimmer und setzte sich neben mich.
,,Es tut mir leid.“, sagte Elvis reumütig und ich nickte.
,,Schon okay. Ich weiß, dass es anders aussah, aber es war wirklich harmlos. Mir tut es auch leid, dass ich gestern nicht mehr bei euch war.“
,,Schon okay. Lass uns den Papierkram machen, damit wir mal endlich fertig werden und hoch gehen können. Immerhin müssen die beiden ja auch bald fahren und so.“, sagte Elvis und ich nickte.
Wir begannen dann die Papiere zu sortieren und eigentlich war auch alles friedlich und wie immer, zumindest bis Elvis neben mir irgendwann einen Brief in der Hand hatte, den ich nur durch Zufall anblickte, weil ich meinen Blick schweifen ließ, um Zigaretten zu finden.
Zwar reagierte ich nicht sofort, aber kurze Zeit später und sogleich schnürte sich alles in mir zusammen.
,,Gib mir mal den Brief.“, sagte ich mit Mühe und Elvis sah mich fragend an, bevor er mir einen Brief reichte.
Ich besah mir das Schreiben genau, stellte aber schnell fest, dass es nicht der war, den ich zuvor gesehen hatte.
,,Nein, den davor.“, sagte ich und reichte Elvis den anderen zurück.
Verwirrt aber glücklicherweise ohne nachzufragen gab er mir den anderen Brief, dessen Wappen ich gleich erkannte.


Es war das Gleiche Wappen wie das was ich in der Nacht gezeichnet hatte.
Ich hatte ja gedacht, dass es nur eine Fantasieidee meinerseits war, im Halbschlaf, unter Drogeneinfluss und vor allem müde, aber jetzt wusste ich, dass es kein Zufall war.
Ich suchte den Absender und fand diesen dann auch kurze Zeit später.
Der Brief war vom Jugendamt Frankfurt.
,,Was schockiert dich an dem Brief so?“, fragte Elvis verwirrt, der den scheinbar gelesen hatte.
,,Das ist doch nur die Vaterschaftsbestätigung von dir. Du weißt doch, dass Kevin die angenommen hat.“, sagte er weiter und ich nickte.
,,Ich muss weg. Ihr schafft das auch ohne mich. Ich komme so schnell wie möglich wieder.“
Kaum hatte ich den Satz ausgesprochen, lief ich nach oben in mein Zimmer, zog mir die erstbesten Klamotten an, die ich finden konnte, rannte wieder runter und raus aus dem Haus.
Sofort sprang ich schon quasi in mein Auto und machte mich auf den Weg zum Jugendamt.
Vielleicht konnte ich durch die noch etwas raus finden über Max, denn ich war mir schon fast sicher, dass die sicher Antworten hatten.
Mit überhöhter Geschwindigkeit machte ich mich dann auf den Weg dorthin und hielt meinen Wagen vor dem Gebäude, wo glücklicherweise Parkplätze waren, die auch frei waren, sodass ich nicht lange suchen musste.
Ich stieg aus und sprintete in das Gebäude.


,,Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen, junger Mann?“, fragte ein älterer Herr an der Rezeption und ich seufzte.
,,Mein Name ist Julian Russell und ich brauche Informationen über einen Jungen. Wo bekomme ich die?“
,,Nun Herr Russell, so einfach ist das nicht. Wir können Ihnen leider nicht einfach so Informationen über unsere Klienten rausgeben. Wenden Sie sich dazu bitte an das Einwohnermeldeamt.“
,,Nein, Sie verstehen nicht, dass muss ich hier machen. Hier sind Antworten, die ich brauche.“
,,Herr Russell, stehen sie vielleicht unter Betäubungsmitteleinfluss oder Alkoholeinfluss?“
,,Nein, tue ich nicht. Ich bin vollkommen klar und auch nicht durchgedreht. Ich tue Ihnen auch nichts. Ich will lediglich Informationen. Es ist wirklich wichtig. Ich würde es Ihnen ja auch erklären, aber Sie würden mir nicht glauben.“
,,Ich kann Ihnen leider aber auch nicht weiterhelfen.“
,,Danke, trotzdem.“, sagte ich resigniert und verließ das Gebäude wieder.
Dennoch wollte ich so leicht nicht aufgeben, denn ich hatte noch ein Ass im Ärmel und das würde ich jetzt ausspielen.
Sofort stieg ich wieder in mein Auto und fuhr zu einem Kumpel, der eine ganze Weile bei uns im Heim gelebt hatte, da er aber älter war als Elvis und ich auch früher ausgezogen war.
Elvis und ich hatten aber trotzdem Kontakt gehalten und so wusste ich, wo er sich aufhielt.
Vor der Haustüre von ihm hielt ich meinen Wagen, stieg aus, sprintete zur Türe und klingelte Sturm.


Kurze Zeit später erschien Misha dann auch schon an der Haustüre und war sichtlich überrascht mich zu sehen.
,,Julian. Welch Überraschung. Komm rein.“
,,Misha, du musst mir helfen. Es geht um Leben und Tod.“
,,Komm rein und erkläre mir, was ich tun kann.“
Ich betrat seine Wohnung und ignorierte den stickigen Geruch und auch die Tatsache, dass er wohl schon länger nicht mehr aufgeräumt hatte.
Das Problem hatte er damals schon gehabt, dass er eher das Chaos beherrschte, als die Ordnung.
Aber er war in gewisser Weise eben auch ein Genie und deswegen war ich jetzt hier.
,,Worum geht es?“, fragte Misha gespannt, setzte sich auf seinen Stuhl vor einer riesigen Laptopfront und so vielen Kabeln und Monitoren, dass ich da nicht mehr wirklich durchblickte, aber das musste ich ja auch nicht, solange Misha das tat.
Er deutete auf eine Couch gegenüber, auf die ich mich dann auch gleich sinken ließ.
,,Du musst dich in das Jugendamt einhacken.“
,,Was muss ich?“, fragte Misha ungläubig und ich seufzte.
,,Komm schon Misha, ich weiß, dass du das kannst. Hack dich in den Server des Jugendamtes und finde für mich die Informationen, die ich brauche.“
,,Das kann unter Umständen Stunden dauern, Julian.“
,,Ich hab Zeit. Ich brauche die Informationen. Gib sie mir.“
,,Über was für Informationen reden wir denn?“
,,Ich brauche Informationen über einen kleinen Jungen, der angeblich vor 8 Jahren gestorben sein soll.“


,,Wieso angeblich? Vor allem ist das auch nicht wirklich viel was du weißt, denn Kinder die vor 8 Jahren gestorben sind, können viele sein. Hast du vielleicht einen Namen oder einen genauen Todestag? Geburtstag? Irgendwas?“
,,Ja, ich habe alles. Der Name ist Maximilian Wagner. Er wurde am 24.September 1995 geborgen und gestorben ist er am 22. Juni 2003. Also im Alter von 8 Jahren.“
,,Ich versuche es, ich kann dir aber nichts versprechen.“
,,Schon okay. Versuch es einfach.“, sagte ich seufzend, zog meine Zigaretten aus der Hosentasche und zündete mir davon eine an.
Ich beobachtete Misha ganz genau bei seiner Arbeit und er tat wirklich alles, was ging.
,,Den Server habe ich schon mal, dass war nicht schwer, aber jetzt kommt es. Jetzt muss ich mich da einhacken. Das Problem ist, dass der sicherlich geschützt ist. Das kann dauern, bis ich das geknackt hab.“
,,Ich habe Zeit. Ich will nur die Informationen.“
,,Was hat es denn mit dem Jungen auf sich?“
,,Du würdest mich für bescheuert erklären, wenn ich dir das sage. Ich glaube es wäre besser, wenn du das nicht weißt und einfach deine Arbeit tust.“
,,Es tut mir leid, ich wollte nicht indiskret sein.“
,,Nein, schon okay. Ich hab einfach nur die Erfahrung gemacht, dass mir keiner glaubt und ich muss aufpassen, wem ich was erzähle, sonst lande ich in der Klapse und da habe ich nun wirklich keinen Bock drauf.“
,,Kann ich verstehen, dann muss es ja echt heftig sein. Na ja gut ich versuche es hier weiter.“
Ich nickte nur und sah ihm dabei zu, wie er seine Arbeit machte.


Nach ca. einer Stunde hatte Misha es dann auch geschafft und grinste mich triumphierend an.
,,Ich bin drin. Jetzt ist nur die Frage, ob wir an deine Informationen kommen.“
,,Ich hoffe es. Versuch alles, was du kannst.“
Misha nickte und durchsuchte alles, was er finden konnte.
,,Maximilian Wagner. Ich habe einen gefunden, der 1995 geboren wurde, aber die Akte ist verdammt gut verschlüsselt.“
,,Versuch sie zu öffnen. Misha, bitte.“, sagte ich drängend und Misha nickte seufzend.
Ungefähr eine weitere halbe Stunde später, war es ihm dann doch gelungen die Akte zu öffnen.
Ich hatte in der Zeit einen Joint geraucht, um mich wieder etwas zu beruhigen, denn das war in dem Moment wirklich nötig.
,,Die Akte ist offen.“, sagte Misha und ich sprang sogleich auf und ging mit schnellen Schritten zu ihm.
Ich wollte selber lesen, was dort stand.
Dicht hinter Misha stehend, beugte ich mich über seine Schulter und sah auf den Monitor.
Allerdings konnte ich keine Auffälligkeiten entdecken.
Das Einzige was ich fand war eine Geburtsurkunde, eine Sterbeurkunde, und ein paar Einträge zu dem Unfall auf dem Spielplatz, der laut diesen Einträgen dann ja auch zum Tod geführt haben soll.
Also genau das, was ich durch Kai ja auch schon wusste und dennoch glaubte ich nicht daran, dass es die Wahrheit war.


,,Das ist alles echt komisch. Das passt auch alles noch nicht zusammen. Ich meine ja, zur offiziellen Erklärung passt es, aber nicht zu dem, was ich erfahren habe.“, sagte ich mehr zu mir selber als zu Misha.
,,Da kann ich dir leider nicht bei helfen, denn ich habe ja immer noch keine Ahnung, worum es geht.“
Ich seufzte kurz, ließ mich wieder auf die Couch sinken und erzählte Misha dann doch, was ich alles geträumt und erlebt hatte.
,,Das ist echt creepy. Ich bin etwas sprachlos, denn du bist jetzt der Meinung, dass du das nur träumst, weil du da Unrecht aufklären sollst?“
,,Ja verdammt. Warum sollte ich denn sonst von einem kleinen Jungen träumen der nicht mehr lebt?“
,,Julian, ich sage das ja echt nur ungern, aber vielleicht solltest du dich wirklich mal checken lassen. Ich meine ich bin ja schon nicht richtig im Kopf, aber so verrückt bin nicht mal ich.“
,,Aber warum nennt dieser kleine Junge mich dann laufend Max? Warum sehe ich in dem Grab wo er eigentlich liegen müsste mich selbst? Das muss doch was zu bedeuten haben.“
,,Ja, das hat es auch, nämlich das du dich zu sehr in eine Sache rein steigerst. Das ist ganz einfach, du verarbeitest das im Schlaf, weil du im wachen Zustand immer noch nicht darüber hinweg bist. Komm klar, lass die Sache ruhen und dann wirst du merken, dass deine Träume auch aufhören, aber die bleiben doch, solange du dich damit weiterhin beschäftigst.“
,,Ja, vielleicht hast du Recht.“, sagte ich dann, einfach um einzulenken, denn das mir keiner glaubte, wusste ich ja schon länger.


Nichtsdestotrotz würde ich aber nach wie vor daran festhalten und weiter machen, bis ich die Wahrheit wusste und dann würden die Träume aufhören, da war ich mir sicher.
,,Du ich muss auch wieder los. Danke für deine Hilfe.“, sagte ich und stand auf.
Ich ging zu Misha und legte ihm einen 500€ Schein auf den Schreibtisch.
,,Für deine Hilfe. Danke. Wir sehen uns.“
Noch bevor er etwas sagen konnte, verließ ich den Raum und anschließend die Wohnung.
Zurück in meinem Auto machte ich mich dann auch gleich wieder auf den Weg zu meinem Auto und fuhr wieder nach Hause, denn das war jetzt überhaupt nicht so hilfreich, wie ich es erwartet hätte.
Andererseits eigentlich ja auch klar, denn wenn es irgendwas gab, was nicht rechtlich war, dann konnte das ja auch nicht beim Jugendamt verzeichnet sein.
Auf dem Weg nach Hause hielt ich noch an einer Tankstelle und kaufte mir dort eine Flasche Jack Daniels und eine Stange Zigaretten.
Zudem tankte ich mein Auto nochmal auf und überlegte auf dem Weg nach Hause, wie es jetzt weitergehen könnte.
Meinen Wagen hielt ich dann vor der Haustüre und ging wieder nach drinnen.
Elvis, Stephan und Dad schienen immer noch im Wohnzimmer zu sein, zumindest hörte ich von dort Geräusche und ging dorthin.
Den Papierkram hatten sie scheinbar schon erledigt, denn sie saßen fertig im Wohnzimmer.
Da Koffer im Flur standen, ging ich davon aus, dass die Jungs nur warteten, dass ich wieder da war, damit sie gehen konnten.


,,Wo warst du denn?“, fragte Elvis und ich schüttelte den Kopf.
,,Ich dachte ich hätte was vergessen, aber das stellte sich dann doch als Fehler raus. Dann war ich noch an der Tanke.“, sagte ich und stellte den Whisky und die Zigaretten auf den Tisch.
,,Wir müssen dann jetzt auch fahren.“, sagte Dad und ich nickte.
,,Ich hoffe, dass ich euch nicht zu lange aufgehalten habe.“
,,Nein, aber jetzt wird es langsam Zeit. Wir haben euch Geld in der Küche auf den Tisch gelegt und der Kühlschrank ist auch voll, wir waren heute morgen einkaufen. Sollte noch etwas sein, sind wir ja aber auch über Handy erreichbar.“, sagte Dad und ich nickte.
,,Viel Spaß.“, lächelte ich und die beiden verabschiedeten sich dann von uns, bevor sie dann auch das Haus verließen und ihre Geschäftsreise antraten.
,,Was steht denn heute Abend an?“, fragte ich und ließ mich neben Elvis sinken.
,,Nicht viel. Ich hab keine Lust was zu unternehmen. Ich glaube ich gehe heute früh ins Bett. Ich habe letzte Nacht nicht wirklich gut geschlafen.“
,,Warum nicht?“
,,Keine Ahnung, ich war öfter mal wach und hatte so ein scheiß beklemmendes Gefühl. Wahrscheinlich hab ich schlecht geträumt, aber ich kann mich nicht dran erinnern.“
,,Wer weiß. Dann gehe ich jetzt auch hoch und noch was zocken. Zockst du mit?“
,,Ja, ein bisschen noch, dann gehe ich aber ins Bett. Ich bin echt müde.“
,,Okay.“, sagte ich nickend und ging dann mit Elvis nach oben in mein Zimmer.
Dort verbrachten wir die nächste Zeit damit noch etwas Playstation zu zocken, was wohl der beste Zeitvertrieb war, wenn man zu Hause war.


Gegen 23 Uhr, relativ früh für unsere Verhältnisse, verabschiedete sich Elvis dann in sein Zimmer und ins Bett.
Nun war ich alleine, was mich aber auch nicht sonderlich störte, denn ich wechselte das Spiel, schnappte mir die Flasche Jack Daniels und baute mir einen Joint.
Diesen rauchte ich in Ruhe und trank einige größere Schlucke der Flasche.
Bis ca. 2 Uhr verbrachte ich die Zeit noch vor der Playstation.
In der Zeit hatte ich die Flasche schnell leer getrunken und zwei weitere Joints geraucht.
Allerdings war ich dann auch wirklich mehr als fertig und müde und entschied mich dann auch ins Bett zu gehen.
Ich schaltete die Playstation aus und entledigte mich meiner Kleidung, die ich über den Stuhl in meinem Zimmer legte.
Darum würde ich mich morgen kümmern und diese in die Wäsche schmeißen.
Anschließend kuschelte ich mich in mein Bett, zog die Decke über meinen Körper und seufzte leise, als ich feststellte, dass ich noch nichts zu trinken hatte, um es an mein Bett zu stellen.
Ohne mir etwas anzuziehen ging ich nochmal runter und nahm dort aus dem Kühlschrank eine Flasche Cola mit nach oben.
Da ich auch keinem begegnete, was schwer war, da auch nur noch Elvis da war, ging ich wieder hoch und legte mich wieder ins Bett.
Erneut zog ich die Decke über meinen Körper, drehte mich auf die Seite und schloss die Augen.
Kurze Zeit später schlief ich dann auch schon ein und verfiel in einen ziemlich unruhigen und nicht wirklich erholsamen Schlaf.


Entschlossenheit durchflutete meinen Körper, gepaart mit verzweifeltem Schmerz.
Bekleidet mit einem schwarzen Kapuzenpulli und einer ebenfalls schwarzen Jeans streifte ich durch die Straßen Frankfurts.
Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und in der Hand verkrampft einen Spaten haltend lief ich im Eilschritt zu meinem Ziel.
Es regnete aus Eimern und innerhalb weniger Augenblicke war meine Kleidung so durchnässt, dass sie an meiner Haut klebte.
Der Regen lief in mein Gesicht und ließ meine Sicht verschwimmen.
Entschlossen wischte ich mit meinem Ärmel über meine Augen, ohne auch nur mein Tempo zu verlangsamen oder gar stehen zu bleiben.
Der Mond stand voll und prall am Himmel und war die Einzige Lichtquelle, die ich wirklich wahr nahm.
Am Abend war es stürmisch gewesen und einige Äste lagen auf den Straßen verteilt.
Abgeknickt, als waren es Streichhölzer, die man über gebrochen hätte.
Der Wind war gewichen, es war totenstill.
Nur meine Schritte halten platschend auf dem Asphalt wieder.
Der Weg schien unendlich zu sein und mein Atem beschleunigte sich immer weiter, je schneller ich versuchte zu laufen.
Jeder Atemzug brannte in meiner Kehle und ich spürte Stiche in meiner Seite, aber ich drosselte mein Tempo nicht.
Nicht mal annähernd dachte ich daran, denn ich hatte etwas zu erledigen und das würde ich jetzt auch endlich tun.
Vor einem großen schweren Eisentor blieb ich stehen.


Die Regentropfen rannen daran herunter und hinterließen große Wasserlachen auf dem matschigen Boden.
Ich versuchte das Tor zu passieren, allerdings musste ich schnell feststellen, dass es verschlossen war.
Mein Blick wanderte über das Gelände des Friedhofs und anschließend zum Himmel.
Es war immer noch stockdunkel, also würde hier auch so schnell niemand vorbeikommen.
Durch einen dicken Baum auf den Friedhof bekam ich nicht sehr viel Licht, denn dieser stand so, dass ich den Mond nur annähernd durch die Baumkrone erkennen konnte.
Dennoch versuchte ich das Schloss aufzubrechen.
Nach relativ kurzer Zeit merkte ich aber, dass mir das nicht gelingen würde, weswegen ich den Spaten über das Tor schmiss und dabei zusah, wie er mit einem dumpfen platschenden Geräusch auf der anderen Seite auf dem Friedhofsweg landete.
Ich hob das Bein und kletterte an dem Tor herauf.
Glücklicherweise war ich dann doch darin schon etwas geübter und schaffte es dann ohne Probleme an dem Tor hoch und auf der anderen Seite wieder runter zu klettern.
Auf der Hälfte sprang ich runter, schnappte mir den Spaten und sah mich erneut um, immerhin wollte ich sicher gehen, dass mich keiner beobachtet hatte.
Das würde nur unnötig Ärger geben und wahrscheinlich dann auch noch zu einer unnötigen Anzeige führen.


Als ich sicher gehen konnte, dass ich nicht gesehen wurde, nahm ich den Weg wieder auf und ging den Weg entlang, bis zu dem Grab von Max.
Erst vor dem Grab blieb ich stehen und sah es mir an, nachdem ich mir erneut mit dem Ärmel über die Augen gewischt hatte.
Die goldenen Buchstaben seines Namens und seiner Geburts-  und Sterbedaten funkelten unschuldig im Licht des Mondes, der das Grab erhellte.
Laternen gab es hier nicht, weshalb dies das Einzige Licht war, was mir zur Verfügung stand, was die Umgebung in eine gespenstische Atmosphäre tauchte.
Angst hatte ich in dem Moment nicht, wieso auch?
Vor kurzem musste jemand hier gewesen sein, denn es standen frische Blumen auf dem Grab, aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen.
Ich setzte den Spaten an und hob die Blumen hoch.
Achtlos schmiss ich sie neben das Gras und setzte den Spaten immer und immer wieder an, um das Grab aus zuschaufeln.
Der Boden war nass und dadurch wesentlich schwerer und schlechter zu begehen.
Je tiefer ich grub, desto weiter rutschte ich in das Grab hinein, da der Boden rutschig war.
Die Blumen verdeckte ich immer weiter mit dem Dreck, den ich aus dem Grab schaufelte.
Als ich das Grab so weit aufgehoben hatte, dass ich nicht mehr dran kam, sprang ich in das Grab und versank mit meinen Schuhen auch gleich in dem nassen Matsch.
Schweiß mischte sich mit dem Regen und lief über mein Gesicht, sodass meine Sicht erneut verschwamm.


Mit meinem Ärmel wischte ich mir erneut durch das Gesicht und schob dabei die Kapuze von meinem Kopf, was mir aber auch egal war in dem Moment, denn ich wollte einfach nur noch Klarheit.
Meine Sicht verschwamm erneut, denn der Schweiß und auch der Regen liefen kurze Zeit später erneut über mein Gesicht.
Dennoch schaufelte ich weiter und stieß nach einiger Zeit auf Holz und wusste, dass ich den Sarg erreicht haben musste.
In dem Moment durchflutete ein Glücksgefühl meinen Körper, denn ich wusste, dass ich der Aufklärung nun verdammt nahe war.
So gut es ging legte ich den Sarg frei und versuchte ihn zu öffnen, was mir erst nicht wirklich gelang.
Erschöpfung machte sich in mir breit, meine Lungen brannten und meine Atmung ging schnell und unregelmäßig.
Ich setzte den Spaten an den Sarg an und versuchte ihn dadurch aufzuhebeln.
Nach einigen Anläufen gelang es mir auch und der Sarg knarrte laut, bevor ich ein leises Klicken hörte, was mir mitteilte, dass der Sarg offen sein musste.
Ich atmete tief durch und versuchte den Sargdeckel so weit es ging zu öffnen.
Als mir das gelang, warf ich einen Blick hinein und in dem Moment gefror mir das Blut in den Adern.
Meine Augen waren weit aufgerissen vor Schock und ich stolperte einige Schritte zurück.
Der Anblick einer Leiche hätte mich wohl schon aus den Latschen kippen lassen, aber das sah nicht aus, wie eine acht Jahre alte Leiche, sondern wie ein gerade beerdigter Leichnam.
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