Familien(Un)Glück

von Ratte1904
OneshotDrama, Romanze / P18
Kevin Richard Russell Stephan Weidner
17.06.2017
17.06.2017
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Hey ihr Lieben :)

hier noch einmal etwas neues von mir :)

Besonderer Dank gilt auch hier meiner wundervollen Beta - Leserin MissesDixon <3<3<3<3

Da der Text zu lang war, musste ich ihn leider in zwei Teile teilen, ich hoffe es stört nicht beim lesen :)

Reviews sind wie immer gerne gesehen :)

Nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem neuen OS :)

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Stephan Pov

Ich saß in meinem Arbeitszimmer, dem Raum wo ich mich seit ein paar Wochen täglich aufhielt.
Die Onkelz hatten sich getrennt und ich wusste, dass es kein Zurück mehr geben würde.
Viel zu viel war passiert und wir wussten, dass es keinen Sinn mehr hatte die Band aufrechtzuerhalten und so mussten wir uns eingestehen, das es das Beste war es zu beenden.
Ich hatte lange die Schuld bei Kevin gesucht, weil ich davon überzeugt war, dass er die Band mit seiner Drogensucht zerstört hatte, aber da war ich mir mittlerweile nicht mehr sicher und versuchte es momentan alles irgendwie zu verstehen.
Mir klar zu machen, dass es die Onkelz nicht mehr geben würde.
So viele Jahrzehnte, in denen wir nicht nur Freunde waren, sondern wirklich eine Familie geworden sind, sollten jetzt vorbei sein?
Menschen mit denen ich alles geteilt habe und die teilweise besser über mich Bescheid wussten, als meine Familie zu Hause, sollte ich nun nicht mehr sehen und es sollte alles vorbei sein?
Es war wie ein Schlag in die Fresse und ich hatte noch keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte und was die Zukunft noch bringen würde.
Kevin hatte sich mal wieder in einen Entzug begeben und was Gonzo und Pe machten wusste ich nicht.
Das mit Kevin wusste ich auch nur durch einen Zufall, denn Kontakt hatte ich mit den Jungs keinen mehr.
Dabei war es gerade bei Kevin schwerer als bei den anderen, denn ich verband mit Kevin unglaublich viel.


Er war schon lange nicht mehr nur ein Freund und er war auch schon lange nicht mehr mein bester Freund, sondern so viel mehr.
Aber ich konnte und wollte es ihm nicht sagen und so schwieg ich jedes verdammte Mal wenn ich ihn sah und wieder das Bedürfnis in mir spürte es ihm zu sagen.
Auch schwieg ich in den Situationen, in denen ich nachts alleine im Tourbus lag und Kevin nur ein paar Schritte von mir entfernt seelenruhig schnarchte und das obwohl ich andere Gedanken hatte, die mich mal wieder wach hielten.
Ich wusste schon länger das ich Gefühle für Kevin hatte, die weit über eine Freundschaft hinausgingen und auch wenn es lange gedauert hatte, es mir einzugestehen, so wusste ich mittlerweile auch, dass ich offensichtlich Liebe für ihn empfand.
Liebe wie ich sie eigentlich für Heidi, meine Freundin, empfinden müsste, was ich aber nicht mehr tat.
Mittlerweile war ich mir nicht mal sicher, ob ich das überhaupt irgendwann getan hatte, oder ob es einfach mein Gewissen vorgaukelte.
Ich hatte einen Sohn und auch ihm gegenüber musste ich Vorbild sein, da passte das Image eines schwulen Rockers einfach nicht in das Bild, was ich immer von mir wahrte.
Aber dieser Mann war ich eigentlich schon seit der Trennung nicht mehr, denn ich verschanzte mich nur noch im meinem Arbeitszimmer.
Ich aß kaum noch was, wenn ich trank, meistens Alkohol und rauchte wie ein Schornstein, und auch Schlaf bekam ich nicht mehr so viel wie vorher.
Eine ziemlich ungesunde Lebensweise, aber eine Möglichkeit den Schmerz zu kompensieren, auch wenn ich das schon über potentielle Lieder versuchte.


,,Dad?“, hörte ich die Stimme meines Sohnes und blickte ihn an.
,,Ich habe geklopft, aber du hast nicht geantwortet.“
,,Schon okay, komm rein.“, sagte ich nachdem ich sah das er vorsichtig seinen Kopf durch die Türe streckte, dann aber nach meiner Erlaubnis eintrat.
,,Was kann ich für dich tun?“, fragte ich dann meinen mittlerweile gar nicht mehr so kleinen Jungen, denn immerhin war er schon 17 und es war nicht mehr lange bis zu seiner Volljährigkeit.
,,Ich brauche 1000€ für eine Nutte. Ist doch kein Problem, oder?“, fragte er dann und ließ sich auf dem Stuhl vor meinem Schreibtisch nieder.
Ohne darauf zu antworten hielt ich ihm meine Kreditkarte hin und hörte Elvis seufzen, bevor er mir die Karte aus der Hand schlug und seufzend aufsprang.
Die Karte rutschte über den polierten Schreibtisch und fiel mit einem leisen Geräusch zu Boden, während Elvis aufgesprungen war und mich böse anfunkelte.
,,DAD VERDAMMT!!! ES REICHT!!!!“, schrie er mich an, aber ich blieb stumm und blickte ihn einfach nur an.
,,Ich bin 17 Jahre und sollte weder 1000€ haben noch zu einer Nutte gehen wollen in meinem Alter! Ich kann das nicht mehr und ich will das auch nicht mehr! Sieh dich doch nur an! Du verschanzt dich hier in deinem Arbeitszimmer, bist nicht mehr für die Familie da und wir sollen dabei zusehen wie du langsam aber sicher vor die Hunde gehst? Was soll das? Du bist ein erwachsener Mann und solltest ein Vorbild sein und was bist du? Ein Jammerlappen, der die ganze Zeit hier rumsitzt, raucht und säuft und dem alles andere egal ist!!! Ist es das was du wolltest? Willst du das jetzt den Rest deines beschissenen Lebens so weitermachen? Dann machst du das aber ohne mich, denn ich werde sicher nicht dabei zusehen, dass du so vor die Hunde gehst!!!“, er legte eine kurze Pause ein, schien aber noch nicht fertig zu sein.


,,DU BIST MEIN VATER VERDAMMT NOCHMAL, ALSO VERHALT DICH AUCH SO!!!“, schrie er weiter und es kehrte anschließend eine Pause ein.
Ich wollte nichts dazu sagen, wusste auch in dem Moment nicht wirklich was, denn er konnte es nicht verstehen.
Wie sollte er den Schmerz der in mir wohnte und immer mehr Besitz von mir ergriff denn auch verstehen?
Er hatte doch keine Ahnung von dem was ich verloren hatte und von meinen Gefühlen zu Kevin.
Ich hatte mich niemandem anvertraut und das hatte ich auch nicht vor, denn das würde ich auch alleine schaffen und irgendwann würden die Gefühle vielleicht auch wieder weggehen, so wie sie einfach irgendwann da waren.
Immerhin hatte ich sie nicht gebeten zu kommen und sie hatten sich ganz einfach ohne das ich es wollte, still und heimlich in mein Leben geschlichen.
,,WAS SOLL DAS, DAD??? BIST DU DIR JETZT SCHON ZU FEIN MIT UNS ZU REDEN? HEIDI GEHT ES SCHLECHT DESWEGEN, ABER DAS MERKST DU JA AUCH NICHT, DENN DU VERSINKST HIER JA LIEBER IN DEINEM SELBSTMITLEID STATT DICH UM DEINE FREUNDIN ZU KÜMMERN!!!“, schrie Elvis weiter und machte auch jetzt den Eindruck, als hätte er immer noch nicht alles gesagt.
Die Worte sollten mich treffen, aber komischerweise taten sie das nicht auf die Weise auf die sie es tun sollten.
Sonst wäre ich aufgesprungen und hätte ihn angeschrien, dass er so nicht mit mir reden könnte und das ich immerhin noch sein Vater war, aber diesmal blieb ich stumm und hörte es mir einfach nur an, weil ich wusste, dass er recht hatte.


Das es Heidi schlecht ging, war mir wirklich egal, weil auch sie mir egal geworden ist mit der Zeit.
Sie war einfach nur Ballast, der mich davon abhielt mit Kevin glücklich zu sein.
Auch wenn das sicher nicht der Einzige Grund war, so war das aber einer der Größten, die mich von meiner Seite abhielten.
,,DAD??? ICH WILL ANTWORTEN VERDAMMT NOCHMAL!!! DU KANNST DOCH NICHT DEIN KOMPLETTES LEBEN WEGSCHMEIßEN UND DICH EINEN SCHEIß UM DAS ALLES KÜMMERN, NUR WEIL IRGENDSO EIN VERSCHISSENER HURENSOHN ES NICHT AUF DIE KETTE BEKOMMT SEIN LEBEN ZU ORDNEN!!! DU KANNST VERDAMMT NOCHMAL NICHT FÜR ALLE DA SEIN UND KEVIN HATTE GENUG CHANCEN!!! ER IST ES NICHT WERT UND WIR SIND AUCH NOCH DA!!! WAS WILLST DU MIT DEM??? DER TYP KANN DOCH NICHTS AUßER DROGEN NEHMEN, IN DER WELTGESCHICHTE RUMFICKEN UND SICH DABEI AUCH NOCH IRGENDWELCHE KRANKHEITEN EINZUFANGEN!!!! SELBST ZUM FICKEN ZU BLÖD UND DU WILLST WEGEN DEM JETZT DEIN VERFICKTES LEBEN AUF´S SPIEL SETZEN??? WARUM DAD???“
Ich spürte deutlich die Wut in mir aufkeimen, als ich hörte, wie Elvis über Kevin redete, denn das gefiel mir überhaupt nicht.
,,Red nicht so über Kevin.“, sagte ich ruhig, aber bestimmt, auch wenn es mich selber wunderte, dass meine Stimme so gefestigt klang, denn ich fühlte mich in dem Moment nicht so.
,,ABER ES IST DOCH DIE WAHRHEIT!!! DER TYP MACHT DICH KAPUTT!!!“, schrie Elvis weiter und ich schüttelte wie im Wahn den Kopf, bevor ich aufstand und Elvis mit einem warnenden Blick ansah.
,,Rede nicht so über Kevin, ich sage es dir ein letztes Mal, mein Freund.“


,,Sonst was? Willst du mich sonst schlagen, DAD? Willst du mich rausschmeißen? Was willst du tun?“, fragte Elvis schon deutlich ruhiger aber immer noch wütend genug um bei jedem weiteren Satz erneut zu explodieren.
,,Das wirst du dann sehen. Ich rate dir nur besser nicht nochmal so über Kevin zu reden.“, sagte ich immer noch ruhig, aber trotzdem drohend genug, um Elvis zumindest für einen Moment einzuschüchtern.
,,Aber es ist doch verdammt nochmal die Wahrheit, Dad!!! ER bekommt nichts auf die Kette und du hast ihm immer die Stange gehalten!!! Wo ist dein ach so toller Freund denn jetzt??? Ich meine dir geht es ja ganz offensichtlich scheiße und wo ist er jetzt? Ach ja er ist ja mal wieder in einer Klinik, weil er den wie vielten Entzug macht? Fuck, ich habe aufgehört zu zählen, weil es einfach schon zu viele waren. Sieh doch einfach ein, dass er es verdammt nochmal nie auf die Kette bekommen wird, sein Leben zu ordnen!!!“
Ich fuhr mir mit der Hand durch die Haare und warf Elvis einen warnenden Blick zu.
,,Du wirst es nie begreifen, Dad. Vor allem nicht, wenn du dein Leben immer nach dem der anderen ausrichtest. Du säufst und verschanzt dich hier und bist im Endeffekt nicht besser als dieser hirnlose Wichser, der einfach nicht von seinen Drogen wegkommt, weil er ohne eben ein Nichts ist.“, sagte Elvis mit einem Kopfschütteln und mir reichte es.
,,RAUS!!!“, schrie ich Elvis an und dieser wollte etwas erwidern, als Heidi im Raum erschien und er augenblicklich verstummte.
,,Was ist denn hier schon wieder los?“, fragte sie und blickte zwischen Elvis und mir hin und her.


,,Ich wollte Dad nur klar machen, dass sein Verhalten so nicht mehr geht.“
,,Ach Elvis, darüber hatten wir doch schon gesprochen. Bitte geh ins Wohnzimmer, ich komme gleich nach, okay?“, fragte sie mehr als das sie es ihm sagte und er nickte, bevor er auch gleich runter ging.
Mich hätte das wohl wundern sollen, dass die beiden sich so gut verstanden, aber es war mir in dem Moment egal, denn Heidi war mir egal und Elvis auch alt genug um selber zu wissen, mit wem er sich verstand und mit wem nicht.
,,Du musst Elvis entschuldigen, ihn nimmt die Situation momentan ziemlich mit.“, sagte sie und kam zu mir um den Schreibtisch, bevor sie ihre Hand auf meine Schulter legte.
Ich nickte seufzend und ließ mich dann beinahe wie in Zeitlupe wieder auf den Stuhl hinter mir sinken.
Heidi setzte sich auf meinen Schoß und schlang einen Arm um meinen Nacken.
Auch ich legte meine Arme um sie, was eher lustlos und gezwungen wirkte, als wirklich leidenschaftlich oder ähnliches, was auch immer es sein sollte.
,,Elvis leidet im Moment sehr darunter, das es dir nicht so gut geht, aber das wird sich auch wieder legen.“, sagte sie als müsse sie sein Verhalten entschuldigen.
,,Ich weiß, aber ich kann im Moment einfach nicht anders. Die Sache mit Kevin nimmt mich mehr mit als ich dachte. Ich fühle mich nun mal irgendwie für ihn verantwortlich. Ich meine er ist... war... mein bester Freund und er ist wieder in einer Klinik. Da muss ich doch eigentlich an seiner Seite sein und ihm helfen oder? Für ihn da sein, egal was passiert ist. Zeichnet das nicht eine Freundschaft aus?“
,,Stephan, Kevin schafft das auch ohne dich. Du bist nicht sein Vater und nicht für ihn verantwortlich. Du hast getan was du tun konntest, aber jetzt musst auch du mal dran sein.“, sagte sie und hielt einen Moment inne, bevor sie weitersprach.


,,Du kannst dein Leben nicht nur nach anderen richten, sondern musst auch deine Bedürfnisse beachten und befriedigen.“
,,Heidi, ich hab jetzt echt keinen Nerv ans vögeln zu denken.“
,,Das habe ich auch nicht gemeint. Es geht darum was du willst. Das musst du doch auch beachten und weiterhin verfolgen. Aber wo wir gerade einmal beim Thema Sex sind...“, begann sie und ich blickte sie fragend an.
,,Was gibt es denn da schon wieder zu reden? Wir hatten doch erst Sex.“
,,Stephan, das ist schon wieder drei Wochen her, aber ja, wir hatten Sex und der ist vielleicht diesmal auch anders verlaufen als geplant.“
,,Man Heidi, ich habe mich doch schon dafür entschuldigt, aber ich habe dir auch gesagt, dass ich keine Lust und keinen Nerv dafür habe.“
,,Ich wollte mich doch überhaupt nicht beschweren. Der Sex war verdammt gut, wie er es immer ist mit dir und ich habe auch da schon nicht verstanden, wieso du dich überhaupt entschuldigt hast, dafür gab es in meinen Augen keinen Grund.“
,,Was willst du denn dann bereden?“
,,Ich glaube ich bin schwanger.“, sagte sie mit einem strahlen im Gesicht, was ich nicht nachvollziehen konnte und auch wenn ich meins in dem Moment nicht sehen konnte, so spürte ich deutlich, dass in dem Moment sämtliche Farbe aus meinem Gesicht wich und ich sie schockiert anblickte.
,,Du bist schwanger?“, fragte ich ungläubig und sie zuckte die Schultern.
,,Ich bin mir nicht sicher, ich habe noch keinen Test gemacht, aber ich bin drüber. Aber das wäre doch wundervoll, dann hätten wir wieder etwas Kleines in unserer Familie. Unser gemeinsames Kind. Elvis ist schon größer und dazu nicht von mir.“


,,Dann solltest du vielleicht erst mal einen Test machen und dich dann erst freuen, denn wenn es nicht so ist, dann gibt es keinen Grund dazu.“, sagte ich vorsichtig und seufzte tonlos.
,,Du hast Recht. Ich werde mir jetzt einen Schwangerschaftstest besorgen und dann muss ich ja auch einen Termin bei meinem Arzt machen, wenn ich wirklich schwanger bin, um das bestätigen zu lassen. Dann gehst du doch mit, oder?“, fragte sie und ich nickte leicht überfordert.
,,Ja, mach doch erst mal den Test und dann schauen wir mal weiter.“
,,Mache ich. Bis gleich, Liebling.“, sagte sie, drückte mir noch einen Kuss auf die Lippen und verschwand aus dem Raum.
Kaum war die Türe wieder ins Schloss gefallen, fuhr ich mir mit der Hand durch das Gesicht und durch die Haare, bevor ich mein Gesicht in meinen Händen vergrub und seufzte.
Es konnte doch wohl echt nicht sein, dass Heidi jetzt auch noch schwanger war.
Natürlich hatte ich nicht verhütet, aber das hatte ich die ganze Zeit nicht getan, weil sie die Pille nahm und wieso sollte ich mich dann darum kümmern?
Aber jetzt noch ein Kind von einer Frau zu bekommen, die mir sowieso egal war, das konnte doch wohl wirklich nicht wahr sein und das passte mir auch so überhaupt nicht in den Kram.
Wie Elvis wohl darauf reagieren würde, wenn er jetzt noch ein kleines Geschwisterchen bekommen würde?
Es wirkte alles so surreal, das ich keine Ahnung hatte, was ich jetzt tun sollte.
Sonst hätte ich in solchen Fällen Kevin angerufen und hätte mir bei ihm Hilfe geholt, aber das ging leider nicht und ich seufzte erneut.


Kevin fehlte mir, egal was vorgefallen war und was alles zwischen uns passiert ist in all den Jahren, er war ein wichtiger Teil meines Lebens, auch wenn mir das mal wieder viel zu spät erst bewusst wurde.
Kurz überlegte ich in der Klinik anzurufen und nahm das Telefon zur Hand, was auf meinem Schreibtisch stand.
Glücklicherweise wusste ich in welcher Klinik er war auch wenn das das letzte war, was ich von den Jungs gehört hatte.
Pe hatte mir eine Nachricht geschickt mit der Information das Kevin in einer Klinik sei und eben auch in welcher, aber danach hatte ich nichts mehr von ihm gehört, genauso wenig wie von Gonzo oder Kevin.
Ich wählte die Nummer der Auskunft und ließ mich mit der Klinik in der Kevin sich befand verbinden.
Ich hörte das Freizeichen und hoffte, dass sich bald einer melden würde.
,,Suchthilfe Frankfurt am Main, Villa unter den Linden, mein Name ist Beatrice Sommer, was kann ich für Sie tun?“
,,Weidner. Ich würde gerne wissen wie es Herrn Kevin Russell geht.“
,,Das tut mir leid Herr Weidner, wir dürfen leider keine Auskunft geben.“
,,Ich möchte einfach nur wissen, wie es meinem besten Freund geht.“
,,Das kann ich verstehen, aber ich darf Ihnen leider keine Auskunft geben. Aber im Rahmen der Therapie die sich Herr Russell in unserer Einrichtung unterzieht, gibt es auch Besuchszeiten, von denen sie auch gerne Gebrauch machen können, sobald der behandelnde Arzt das nicht als gefährdend einstuft.“
,,Und wie erfahre ich ob der Arzt das tut?“
,,Da müssen Sie ihn fragen, das kann ich Ihnen leider auch nicht sagen.“


,,Dann haben Sie doch sicher eine Nummer, oder?“
,,Nein, die darf ich leider nicht rausgeben.“
,,Sehr gut und wie soll ich ihn dann Ihrer Meinung nach fragen?“
,,Sie können auch gerne in unserer Einrichtung vorbei kommen. Die Besuchszeiten sind von Montag bis Samstag von 13 bis 18 Uhr und Sonntags von 14 bis 17 Uhr.“
,,Ich glaube nicht, dass ich das nötig habe, oder? Ich glaube Sie haben eben meinen Namen nicht verstanden. Ich sagte ich heiße Weidner.“
,,Ja, das habe ich gehört, Herr Weidner und auch für Sie gelten die gleichen Regeln wie für alle anderen. Entweder Sie kommen zu den Besuchszeiten oder ich kann Ihnen sonst leider auch nicht helfen. Ich habe davon mal abgesehen jetzt auch noch etwas zu tun.“
,,Klar. Tschüss.“, sagte ich mehr als sauer und beendete das Gespräch noch bevor sie antworten konnte.
Was war das nur für eine unfreundliche Schlampe?
Ich setzte meinen Namen weiß Gott nicht oft ein, aber wenn ich es tat hatte ich auch meistens Erfolg, was hier jetzt leider nicht der Fall war und mir wohl wirklich nichts anderes übrig blieb, als mich in die Klinik zu begeben und dort mit einem Arzt zu sprechen, der mir wahrscheinlich auch nichts darüber sagen würde, wie es Kevin geht.
Seufzend blickte ich auf die Uhr und ließ das Telefon auf die Tischplatte sinken.
16.50 Uhr, das würde ich in der Besuchszeit kaum schaffen und musste das wohl morgen machen.
Vielleicht sollte ich mich dann jetzt nochmal um Elvis kümmern, allerdings hatte ich keine Ahnung, ob der überhaupt noch zu Hause war oder ob der vielleicht mit Heidi in die Stadt gegangen ist.


Da ich es aber nicht erfahren würde, wenn ich nicht nachsehen ging, stand ich auf und ging nach unten.
Von weitem hörte ich schon, dass Elvis und Heidi sich unterhielten und scheinbar immer noch und je näher ich kam, desto besser konnte ich auch verstehen worum es geht.
,,Und du bist wirklich schwanger?“, fragte Elvis und ich hörte Heidi leise seufzen.
,,Ich bin mir nicht sicher, aber ich bin drüber und habe Stephan eben gesagt das ich jetzt einen Test holen gehe.“
,,Was willst du ihm sagen wenn es wirklich so ist?“
,,Die Wahrheit? Ich kann es nun mal irgendwann nicht mehr verbergen und er würde es merken. Ich meine das Kind tritt irgendwann und ich werde dann ja auch dicker.“
,,Ja, das weiß ich aber das kann doch nicht sein. Ich meine wir können es doch nicht einfach so hinnehmen.“
,,Was willst du denn machen?“
,,Wie ich bereits sagte ihm die Wahrheit sagen.“
,,Aber du weißt doch, dass das nicht so leicht ist. Vor allem in der jetzigen Situation nicht. Wozu dein Ausbruch eben auch nicht wirklich beigetragen hat.“
,,Das weiß ich, aber ich kann es langsam auch nicht mehr. Dieses ganze Versteckspiel geht mir auf die Eier und solange er sich so verhält wird es ja auch nicht besser. Er isst nichts, trinkt nur Alk, pennt nicht und kümmert sich auch sonst um nichts. Er bekommt es ja nicht mal hin dich zu befriedigen.“
,,Das habe ich nie gesagt.“
,,Baby, das brauchst du auch nicht sagen, dass weiß ich.“


Ich hörte Heidi seufzen, aber sie schien nichts mehr dazu sagen zu wollen.
Diese Unterhaltung warf nun doch einige Fragen auf und mich beschlich ein ungutes Gefühl, was ich aber schnell wieder beiseite schob, denn ich wollte mir einfach nicht vorstellen, dass meine Freundin sich heimlich von meinem minderjährigen Sohn ficken ließ und dann vielleicht von ihm schwanger war.
Zumindest musste ich davon ausgehen, nachdem was ich jetzt gehört hatte.
Die beiden schwiegen eine Weile und ich war schon fast sicher, dass nichts mehr kommen würde, weswegen ich gehen wollte, als Heidi dann aber doch noch etwas sagte.
,,Lass uns gleich in die Stadt gehen und dann holen wir erst einmal einen Schwangerschaftstest und dann schauen wir mal was der sagt. Vielleicht bin ich ja gar nicht schwanger.“
,,Und falls doch müssen wir nur noch raus finden, wer der Vater ist. Es wäre die Hölle, wenn Dad der Vater wäre und das weißt du.“
,,Ja, das weiß ich, aber es ist ja nicht mal sicher ob ich überhaupt schwanger bin und dann ist auch immer noch nicht sicher, wer von euch beiden der Vater ist.“
,,Ja, dann gehen wir mal den Test kaufen.“, sagte Elvis und ich vernahm Geräusche die darauf schließen ließen, dass er aufgestanden war.
Ich kam aus meiner Deckung und ging am Wohnzimmer vorbei in die Küche, ohne den beiden nur einen Blick zuzuwerfen.
In der Küche öffnete ich den Kühlschrank und nahm eine der Bierflaschen hinaus, die ich auch gleich öffnete und einen tiefen Schluck trank.
Zum öffnen der Bierflasche brauchte ich keine Hilfsmittel, denn das gelang mir mit der bloßen Hand, irgendwann hatte ich mir das mal angeeignet und empfand es immer wieder als hilfreich.


,,Liebling, ich gehe jetzt mit Elvis in die Stadt, brauchst du noch was?“, fragte Heidi nachdem sie die Küche ebenfalls betreten hatte und wirkte seltsam nervös.
,,Nein, ich brauche nichts.“, sagte ich dann und sie nickte, schien sich auch langsam wieder zu entspannen, scheinbar war die Frage auch nur, um herauszufinden was ich von ihrem Gespräch gehört hatte und nicht aus Höflichkeit, aber ich würde noch nicht aus meiner Deckung kommen und ihr jetzt schon mitteilen, dass ich sie gehört hatte.
Nein, ich würde warten bis die beiden Gewissheit hatten und dann konnte ich mich immer noch dazu äußern, denn dann würden sie ja wohl auch mir mal etwas sagen.
,,Ich wünsche euch viel Spaß.“, sagte ich dann und sie nickte.
,,Danke. Möchtest du nicht vielleicht mitkommen? Ich glaube ein bisschen frische Luft würde dir vielleicht gut tun.“
,,Nein, ich habe keine Lust und auch noch etwas zu tun. Ich muss noch ein bisschen was machen.“, sagte ich dann und stieß mich von dem Küchenschrank ab und ging wieder nach oben in mein Arbeitszimmer, wo ich mich dann wieder auf meinen Stuhl sinken ließ.
Mit Elvis zu reden war dann wohl doch keine so gute Idee, auch wenn ich jetzt wieder etwas erfahren hatte, was mich weiterbrachte, denn ich war mir nun sicher, dass ich das mit Heidi so schnell wie möglich aus meinem Leben streichen musste, vor allem, wenn die jetzt scheinbar was mit meinem Sohn hatte.
Wobei das streichen dann nicht gerade so leicht war, denn dann würde ich sie ja trotzdem noch sehen, aber dann waren die Fronten wenigstens geklärt.
Dazu würde ich aber erst warten, ob sie wirklich schwanger war oder nicht.


Den Rest des Tages verbrachte ich damit weitere Lieder zu schreiben, die entweder für einen späteren Zeitpunkt in meiner Schublade verschwanden oder ihren Weg gleich in den Müll fanden, da ich sie scheiße fand.
Man durfte eben nie zu schnell mit seiner eigenen Arbeit zufrieden sein und ich hatte auch ehrlich gesagt noch keine Ahnung, wozu ich die Lieder irgendwann mal brauchen könnte.
Aber sie halfen mir einfach mit dem Schmerz und dem Frust klar zu kommen, der im Moment von mir und meinem Körper Besitz ergriff, denn so konnte ich am besten meine Emotionen verarbeiten.
Vor allem musste ich erst einmal irgendwie meine Gedanken ordnen und mir darüber klar werden, dass meine Freundin und mein Sohn offensichtlich regelmäßig miteinander vögelten, denn so klang es eben.
Das Elvis der Meinung war ich könne Heidi nicht befriedigen war mir egal, denn ich hatte auch nicht mehr die Ambitionen das zu schaffen.
Damals als wir gerade zusammen waren und der Himmel noch voller Geigen hing, war mir wichtig sie zu befriedigen und sie glücklich zu machen.
Jeden Wunsch hatte ich ihr von den Augen abgelesen und mehr als einen Tag früher Feierabend gemacht, um noch etwas Zeit mit ihr zu verbringen.
Viele Abende hatte ich mit ihr verbracht und habe mich da auch wirklich noch ins Zeug gelegt ihr alles zu geben was sie wollte.
Da habe ich mich dann natürlich auch im Bett von meiner besten Seite gezeigt und habe da ganz Gentlemanlike immer darauf geachtet das sie vor mir fertig war oder das sie mehr von dem ganzen hatte als ich selbst.
Damals hatte ich es auch noch gerne gemacht aber heute?


Nein, heute war es eher eine Pflichtaufgabe wenn sie es wollte und dann strengte ich mich auch nicht mehr wirklich an.
Elvis könnte durchaus recht haben mit seiner Aussage, dass ich sie nicht mehr befriedigen konnte, denn ich strengte mich nicht mehr an.
Die meiste Zeit ließ ich sie die Arbeit machen, in dem ich mich auf den Rücken legte und sie machen ließ.
Einmal war ich sogar drüber eingeschlafen, was sie aber scheinbar nicht mitbekommen hatte, zumindest hatte sie nichts gesagt.
Das alles hatte sich erst eingestellt, als ich anfing mir Gedanken über meine Gefühle zu Kevin zu machen und wurde immer schlimmer, je deutlicher wurde, dass ich mich wirklich in ihn verliebt hatte.
Klar machte es keinen Spaß mit einer Frau zu vögeln wenn man in einen Kerl verliebt war, aber was sollte ich denn machen?
Ich konnte Heidi ja auch schlecht die Wahrheit sagen, denn dann war ich ganz alleine, auch wenn es egoistisch war, aber sie hatte sich mit meinem Sohn ja auch schon einen Ersatz gesucht.
Also war unsere Beziehung nur noch Mittel zum Zweck und das gleich für uns beide, also tat ich mit dem was ich nun mal gerade tat auch niemandem weh und irgendwie hatten wir ja auch beide was davon, auch wenn ich noch nicht so ganz wusste was, denn im Endeffekt hatten wir kaum noch etwas, was wir gemeinsam taten.
Die meiste Zeit hielt ich mich hier oben auf und sie unten, was auch immer sie da tat, ich ging davon aus, dass sie das machte, was sie sonst auch immer tat, nur das sie eben jetzt auch meinen Sohn noch ranließ.


Eine ganze Weile hing ich meinen Gedanken noch nach und versuchte mir irgendwie über das bewusst zu werden, was ich gesehen und gehört hatte, auch wenn sich das schwieriger gestaltete als anfangs gedacht, denn immer wieder kam mir Kevin in den Sinn, über den ich mir ohnehin viel lieber Gedanken machte als um die Sache hier und Heidi und Elvis.
Irgendwann blickte ich auf die Uhr, die Heidi mir irgendwann mal für meinen Schreibtisch geschenkt hatte mit den Worten das ich dann die Zeit nicht vergaß und mich auch mal um sie kümmern würde.
Wie konnte ich die Zeit vergessen, wenn sie mir immer wieder und unerbittlich durch die Finger rann?
Auch jetzt waren es schon wieder 23 Uhr und ich hatte keine Ahnung, wie es dazu so schnell kommen konnte.
Ich war müde, denn ich hatte die letzten Tage nicht sonderlich viel geschlafen und überlegte daher mich ins Bett zu begeben, auch wenn ich wusste, dass Heidi da immer noch auf mich wartete.
Das tat sie jeden Abend, das hatte sie mir oft genug zu verstehen gegeben, aber oft ging ich einfach nicht hin und schlief hier und da mal eine Stunde auf meinem Stuhl sitzend.
Das musste es eben jetzt auch mal tun, aber heute wollte ich dann doch nochmal ins Bett gehen, denn mein Rücken fand das langsam auch nicht mehr lustig, dass ich so viel saß und mich kaum noch bewegte.
Ein Zeichen das ich alt wurde, aber auch das war einfach etwas, was sich nun mal nicht aufhalten ließ.
Also stand ich auf, ging zur Türe und warf nochmal einen Blick auf meinen Schreibtisch, bevor ich seufzte, dass Licht ausschaltete und ging.


Ich schloss die Türe hinter mir bevor ich mich auf den Weg ins Schlafzimmer machte, wo Heidi wie zu erwarten auch schon auf mich wartete.
Allerdings schien sie zu schlafen, was mich irgendwie doch ein wenig beruhigte und so versuchte ich möglichst leise auf meine Seite des Bettes zu kommen und zog mich dort bis auf die Boxershorts aus.
Anschließend legte ich mich ins Bett und zog die Nachttischschublade auf, wie ich erwartet hatte, fand ich dort eine Packung Zigaretten, einen Aschenbecher und ein Feuerzeug neben diversen anderen Dingen, die man im Schlafzimmer halt brauchen könnte, die mich aber im Moment nicht interessierten und so zog ich die Packung raus, entnahm ihr eine Zigarette und zündete diese an, bevor ich Packung und Feuerzeug wieder darin verschwinden ließ und den Aschenbecher raus nahm.
Ich drehte mich auf die Seite und kehrte Heidi somit den Rücken, bevor ich den Aschenbecher vor mich auf das Bett stellte.
,,Stephan? Ich dachte wir hätten uns darauf geeinigt, dass wir im Schlafzimmer nicht mehr rauchen.“, sagte Heidi verschlafen und ich seufzte.
,,Ist ja nur eine.“
Kaum hatte ich den Satz ausgesprochen, hörte ich sie seufzen und spürte kurze Zeit später, dass sie sich hinter mich gekuschelt hatte und ihren Arm um mich schlang.
Sie platzierte ihren Kopf auf meiner Schulter und seufzte erneut.
,,Ich finde es schön, dass du heute Nacht mal ins Bett kommst. Du fehlst mir hier.“
,,Ist halt gerade eine schwere Zeit.“
,,Ich weiß. Glaubst du wir schaffen das gemeinsam?“, fragte sie dann und am liebsten hätte ich laut losgelacht, man konnte die Frau gut schauspielern.


,,Klar, wir lieben uns und es gibt nichts größeres als die Liebe.“, sagte ich in dem Bewusstsein, dass es eine Lüge war, aber es einfach ein Zeichen war, wenn sie mir so leicht über die Lippen kam, tat sie mir nicht weh.
Heidi sagte eine ganze Weile erst einmal nichts mehr dazu und ich rauchte meine Zigarette weiter, ohne noch etwas dazu zu sagen.
,,Du hast recht.“, sagte sie dann entschlossen und streichelte mit ihrer Hand über meinen Bauch, als wäre sie sich immer noch nicht sicher, obwohl ihre Worte überzeugend klangen.
Ich nickte knapp und drückte meine Zigarette im Aschenbecher aus, den ich dann in die Schublade zurückstellte und diese wieder schloss.
,,Wir sollten schlafen.“, sagte ich dann und Heidi nickte.
,,Drehst du dich noch rum?“, fragte sie dann und ich seufzte tonlos, bevor ich mich dann auf den Rücken drehte und sie ihren Kopf auf meine Brust legte.
Mehr aus Gewohnheit als alles andere legte ich meinen Arm um sie und schloss die Augen, aber an Schlaf war jetzt erst mal nicht zu denken.
Ich wollte so nicht schlafen, denn es fühlte sich nicht richtig an.
Heidi hatte damit offensichtlich weniger ein Problem und das obwohl sie ein noch viel schlechteres Gewissen haben musste als ich.
Natürlich war mir bewusst das es nicht okay war, was ich tat und das ich mich von ihr trennen sollte, wenn ich sie nicht mehr liebte, aber im Gegensatz zu ihr hatte ich nur Gefühle für jemand anderen und vögelte nicht gleich fremd.
In meinen Augen war die Tat die sie tat wesentlich schlimmer als Gefühle, denn diese konnte man nicht beeinflussen, aber seine Taten schon.
Immerhin hatte Elvis sie ja auch offensichtlich nicht dazu gezwungen und sie tat es freiwillig.


Ich seufzte und hatte das Gefühl es würde Stunden dauern, bis Heidi dann endlich eingeschlafen war und sich dann auch von mir wegdrehte.
Nun lag ich wieder alleine und konnte mich frei bewegen, versuchte meine Gedanken abzuschütteln und hoffte, dass ich bald auch mal an ein paar Stunden Schlaf kommen würde.
Noch eine Weile starrte ich an die Decke und versuchte es so, drehte mich dann aber irgendwann wieder auf die Seite und somit erneut Heidi den Rücken zu.
Ich wusste auch nicht wieso, aber ich hatte einfach nicht das Bedürfnis sie zu sehen oder sie in meiner Nähe zu haben.
Kurz hatte ich sogar überlegt in ein Gästezimmer oder in das Wohnzimmer auf die Couch zu gehen, aber das fand ich dann auch nicht wirklich toll, denn es würde mich auch nicht schneller an den Schlaf bringen, den ich mir erhoffte.
Dafür hatte ich vielleicht auch einfach zu viele Gedanken in meinem Kopf, die ich einfach nicht los wurde, aber wie sollte ich auch, wenn immer wieder was neues dazu kam?
Es reichte ja nicht, dass ich Kevin nicht mehr sah und das es die Onkelz nicht mehr geben würde, nein, jetzt musste ich auch noch damit klar kommen, dass meine Freundin und mein Sohn miteinander vögelten.
Als wäre mein Leben nicht schon genug minimiert worden mit dem Aus der Onkelz.
Seufzend schloss ich die Augen, versuchte all meine Gedanken zu vergessen und endlich zu schlafen.
Irgendwann gelang es mir dann auch und ich schlief ein und verfiel in einen mehr als ruhigen und irgendwie auch erholsamen Schlaf.


Als ich am nächsten Tag wach wurde, stand die Sonne schon hoch am Himmel und schien mir ins Gesicht.
Ich hatte keine Ahnung, wie spät es war, aber ich fühlte mich endlich mal wieder fit und hatte wohl auch lange genug geschlafen, denn das fehlte mir wohl mal wieder.
Mit einer flüssigen Geste schwang ich meine Beine aus dem Bett und fuhr mir mit der Hand durch die Haare, während ich versuchte auf Heidi´s Bettseite die Uhrzeit auszumachen, denn ich wusste, dass sie dort einen Wecker stehen hatte.
Auf meiner Seite stand nur ein Bild von uns beiden, wo wir eng umschlungen und breit grinsend in die Kamera blickten.
Ein Bild aus längst vergangenen Tagen und wir wussten wohl auch beide, das das nicht mehr passieren würde.
Plötzlich überkam mich eine so brennende Wut, dass ich das Bild schnappte und es gegen die Wand mir gegenüber feuerte.
Natürlich zersplitterte der Rahmen und auch das Glas und vor mir lag nun ein kleiner Haufen aus Glas und dem Bild, was mich anblickte und mir das Gefühl gab, als würde es mich verhöhnen wollen, weil es unversehrt blieb.
Ich schnaubte es verächtlich an und stand auf, um nach unten zu gehen, ich brauchte einen Kaffee, sonst würde hier wahrscheinlich noch mehr kaputt gehen.
Seufzend ging ich die Treppe nach unten und wollte mich auf den Weg in die Küche machen, als ich aus dem Wohnzimmer eindeutige Geräusche hörte und wollte den Gedanken das Heidi und Elvis in meinem Wohnzimmer vögelten einfach nicht zulassen.
Allerdings wurde ich eines besseren belehrt, als ich näher kam und einen kurzen Blick in das Wohnzimmer warf.


Heidi kniete auf der Couch und Elvis stand hinter ihr, beide waren nackt und natürlich vögelten sie auch.
Kurz überlegte ich dazwischen zu gehen, aber tat es nicht, denn dafür war es noch zu früh und das würde jetzt noch nichts bringen.
Stattdessen blieb ich noch einen Moment neben der Türe stehen und hoffte, dass sie vielleicht bald fertig waren und ich mir das nicht noch lange anhören musste, denn das die beiden Spaß hatten und sich scheinbar auch nicht die Mühe machten zu verheimlichen was da abging zwischen den beiden.
Immerhin mussten sie doch damit rechnen, dass ich sie erwischen konnte, wie ich es jetzt ja auch getan hatte, aber entweder sie dachten da nicht drüber nach, oder wollten es vielleicht sogar.
Ich hatte keine Ahnung, war aber dankbar, dass sie kurze Zeit später wirklich fertig waren und dieses Gestöhne endlich aufhörte.
Dennoch wollte ich den beiden noch die Möglichkeit geben sich wieder anzuziehen, denn noch sollten sie nicht wissen, dass ich von den beiden wusste und so musste ich mich noch ein bisschen gedulden, bevor ich mich zu erkennen gab.
,,Wir müssen uns anziehen, bevor dein Dad wach wird, falls er das nicht schon ist.“, hörte ich die Stimme von Heidi, gefolgt von einem Seufzen von beiden.
,,Wenn der wach geworden wäre, dann hätten wir sicher nicht zu Ende vögeln können. Glaubst du nicht er wäre dann wie eine Furie dazwischen gegangen?“
,,Doch, unter normalen Umständen wäre er das, aber was ist denn momentan noch normal?“
,,Glaub mir, so scheiße kann es ihm gar nicht gehen, als das er da nicht dazwischen gehen würde. Immerhin bin ich sein Sohn und du seine Freundin. Zumindest noch.“


,,Ja, da hast du wohl recht. Jetzt zieh dich trotzdem wieder an, ich will kein Risiko eingehen.“
,,Und ich dachte mein Körper wäre eines der Dinge die du so sehr an mir liebst.“, sagte Elvis und ich dachte ich hätte mich verhört, denn bis jetzt bin ich doch immer davon ausgegangen, dass sie nur vögelten, aber daran, dass sie Gefühle füreinander haben könnten, hatte ich nicht gedacht.
,,Ich liebe dich ja auch unter anderem wegen deinem wirklich mehr als attraktiven Körper, aber noch bin ich mit deinem Dad zusammen und so lange müssen wir uns eben noch zusammenreißen.“
,,Du weißt das mich das ankotzt und das auch nicht erst seit heute. Ich liebe dich und ich will endlich offiziell mit dir zusammen sein. Es ist so verdammt schwer dich immer um mich rum zu haben und dich nicht küssen und berühren zu können.“
,,Ich weiß Baby, ich weiß, aber glaubst du mir geht es anders? Immerhin sehe ich dich ja auch den ganzen Tag und muss mich ja auch noch um deinen Dad kümmern.“, sagte Heidi seufzend und ich dachte wirklich, ich würde nicht mehr richtig hören.
Offensichtlich vögelten die beiden wirklich nicht nur, sondern waren auch zusammen.
Hatten Gefühle füreinander und führten neben mir eine Beziehung, scheinbar ja auch schon länger und ich musste wirklich dumm und blind sein, dass ich es vorher nicht gemerkt hatte.
,,Ich habe dir schon oft gesagt, dass du dich von Dad trennen sollst, dann kannst du mich jederzeit haben.“
,,Das kann ich aber noch nicht, solange es ihm so mies geht. Dann springt er doch gleich von der nächsten Brücke.“


,,Stattdessen wartest du jetzt, bis es ihm wieder besser geht um ihm dann zu sagen, dass du dich von ihm trennst? Toll, denn dann fällt er doch wieder in das Loch in dem er sich gerade befindet und dann geht es ihm wieder mies, nur dann ist keiner mehr da, der ihn schützen kann noch weiter zu fallen. Was glaubst du denn wo er dann erst ist?“
,,Aber wenn ich mich jetzt von ihm trenne wird er auch tiefer fallen und dann ist auch niemand da der ihm hilft, denn glaubst du er würde uns weiter hier wohnen lassen?“
,,Bei mir hat er ja keine andere Wahl, aber du würdest wohl dann wahrscheinlich rausgeschmissen werden, das stimmt.“
,,Dann können wir aber auch nicht offiziell zusammen sein, denn dann wird dein Dad mir den Umgang mit die verbieten. Lass uns doch einfach noch warten, bis du volljährig bist, Schatz. Dann können wir zusammenziehen und dann kann dein Dad auch nichts mehr dagegen tun und ich glaube, dass es ihm bis dahin auch besser geht, sodass ich mich dann auch endlich von ihm trennen kann.“
,,Ich hasse es zu warten, vor allem wenn es um dich geht.“
,,Ich weiß, aber eine andere Möglichkeit haben wir nun mal momentan leider nicht.“
,,Hast du mal über mein Angebot nachgedacht?“, fragte Elvis und ich schüttelte fassungslos den Kopf, denn die beiden hatten offensichtlich schon einige Zukunftspläne und das obwohl ich ja nun mal noch da war und irgendwie traf es mich schon, von meiner Familie so hintergangen zu werden.
Auch wenn ich gleiches immer wieder in Gedanken mit Kevin durchspielte, so hatte ich keine Planung, die beiden aber schon.


Sie hatten etwas handfestes, denn sie waren zusammen, vögelten und schmiedeten Pläne für die Zukunft, ich dagegen hatte nur meine Gedanken, ein Schlag in die Fresse das so zu hören und dennoch blieb ich ruhig und in meiner Deckung.
,,Was für ein Angebot?“, fragte Heidi dann und es waren Geräusche zu hören, die ich erst als Kuss und dann als die Geräusche des Anziehens identifizierte.
,,Ich würde gerne ein Wochenende mit dir ins Hotel gehen. Da können wir alles machen, was wir hier nicht können. Den ganzen Tag im Bett liegen, kuscheln, vor allem nach dem Sex kuscheln, solange wir wollen, nackt. Und brauchen uns mit nichts beeilen oder uns Sorgen machen, dass Dad uns erwischt.“
,,Hmm, das klingt wirklich sehr verführerisch.“, stimmte Heidi zu.
,,Was hält uns dann davon ab es einfach zu tun? Ein ganzes Wochenende, nur wir beide und keine Sorgen, keinen Dad und alles, was wir hier nicht können.“
,,Was soll ich deinem Dad denn sagen? Wo soll ich hin?“
,,Keine Ahnung, sag ihm, dass du zu deinen Eltern fährst. Kannst ihn ja fragen ob er mit will, was er verneinen wird und dann fährst du eben alleine.“
,,Du glaubst er sagt wirklich nein?“
,,Klar. Wieso sollte er denn mitfahren wollen?“
,,Keine Ahnung, ich weiß nicht wie er momentan denkt, denn momentan finde ich ihn sehr unvorhersehbar. Seine Gedanken und seine Taten sind nicht mehr so absehbar wie sie damals waren.“
,,Aber glaub mir, das wird er nicht tun. Ich sehe zumindest keinen Grund dazu.“
,,Okay, dann hätten wir mich versorgt und was willst du dann sagen wo du bist?“
,,Keine Ahnung, bei einem Kumpel oder so. Da wird mir schon was einfallen und da wird Dad mich auch nicht mit hinbegleiten.“


,,Ich überlege es mir mal, ich bin noch nicht davon überzeugt.“
,,Wovon? Das das klappt und Dad nicht mit will?“
,,Ja, das macht mir noch Sorgen.“
,,Das sollte es aber nicht. Glaub mir, er wird nicht mitfahren und wenn er es doch will, dann kannst du das immer noch absagen und wir verschieben es auf ein anderes Wochenende.“
,,Ich werde es mir überlegen.“
,,Du könntest natürlich auch sagen das eine deiner Freundinnen Liebeskummer hat und sie will, dass du sie ein bisschen tröstest, denn da kannst du davon ausgehen, dass er da ganz sicher nicht mitfährt. Ich muss das nur früh genug wissen, weil ich dann ja auch ein Hotelzimmer buchen muss, denn ich will dann ja auch nicht in die letzte Absteige, weil wir nichts anderes gefunden haben auf die Schnelle.“
,,Dann ruf in dem Hotel in das du willst mal an und frag nach wann die ein Zimmer frei haben und dann können wir immer noch schauen wie wir das dann mit deinem Dad machen.“, sagte Heidi und Elvis schien sein Handy raus zuziehen.
Tatsächlich telefonierte er dann kurz und schien auch gute Nachrichten zu haben, als er auflegte.
,,Ich habe jetzt ein Zimmer für morgen blocken lassen, bis Montagmorgen. Jetzt liegt es an dir ob du das hinbekommst. Bei mir ist es kein Problem. Ich bin öfter am Wochenende nicht da und da fällt es auch gar nicht so auf. Du musst jetzt sehen das du ihn überzeugt bekommst und dann mein heißes Baby, steht einem gemeinsamen Wochenende ohne Dad nichts mehr im Wege.“
,,Ich kümmere mich drum.“
,,Sehr schön und jetzt komm noch was kuscheln, bis Dad kommt.“


Ich vernahm erneut Geräusche die darauf schließen ließen, dass Heidi sich nun an Elvis gekuschelt hatte, was die Geräusche eines Kusses bestätigten gefolgt von Liebesschwüren, die die beiden austauschten.
Ich hatte genug gehört und nun war es wohl auch an der Zeit aus meiner Deckung zu kommen und mir endlich mal einen Kaffee holen zu gehen.
Also setzte ich mich wie zufällig in Bewegung und ging am Wohnzimmer vorbei.
Im Augenwinkel sah ich wie Elvis und Heidi auseinander fuhren, worauf ich aber erst mal nicht reagierte, denn ich wollte die beiden doch in dem Glauben lassen, dass ich gerade erst aufgestanden war und da nahm ich meine Umwelt eben noch nicht so klar wahr wie momentan.
In der Küche schnappte ich mir eine Tasse und stellte sie unter meine Kaffeemaschine, die ich auch gleich einschaltete und wartete, dass sie sich füllte.
Es dauerte nicht lange, da erschien Heidi auch schon in der Küche und blickte mich fragend und mehr als vorsichtig an.
,,Guten Morgen, Liebling.“, sagte sie dann nachdem ich nichts sagte und ich nickte ihr zu,
Eine Geste die ich jeden Morgen machte, bevor ich meinen Kaffee hatte, also nichts besonderes und sie würde auch so keinen Verdacht schöpfen, das ich etwas mitbekommen hatte.
,,Hast du gut geschlafen?“, fragte sie dann weiter und ich nickte seufzend, nachdem ich dann auch endlich einen Blick auf die Uhr geworfen hatte und sah, dass es schon 13 Uhr waren.
,,Ja, nur etwas zu lange, wie mir scheint.“, sagte ich bemüht verschlafen und sie grinste.
,,Das ist doch nicht schlimm, du hast es wohl einfach gebraucht.“


,,Ja, so wirkte es.“, sagte ich und nahm die Tasse an mich, nachdem sie voll mit Kaffee war.
,,Hast du heute etwas geplant?“, fragte sie dann und ich überlegte kurz.
,,Nein, eigentlich nicht. Ich wollte mal in der Klinik vorbeischauen, in der Kevin ist, aber sonst nichts, wieso?“
,,Hältst du das für eine gute Idee, Schatz?“
,,Ja, wieso denn nicht?“
,,Keine Ahnung, ich bin mir nicht sicher, ob dir das so gut tun würde jetzt. Aber du musst es selber wissen, Liebling.“
,,Ich versuche es und wenn es mir nicht gut bekommt, dann muss ich es ja auch nicht nochmal machen, aber ich bin es Kevin einfach auch schuldig mich mit ihm zu treffen und mich zumindest zu erkundigen wie es ihm geht.“
,,Deine Entscheidung. Ich bin jedenfalls für dich da, sollte etwas sein.“
,,Danke. Was hast du denn heute noch vor?“
,,Ich wollte eigentlich über´s Wochenende zu meinen Eltern fahren, aber dann sage ich das am besten ab, wenn es dir nicht gut geht, oder?“
,,Nein, wieso das denn?“, fragte ich mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck und Heidi zuckte die Schultern.
,,Ich würde es falsch finden jetzt zu meinen Eltern zu fahren, wenn es dir nicht gut geht und du mich vielleicht brauchst.“
,,Mach dir keine Sorgen, ich komme schon klar, bin ja schon ein großer Junge.“
,,Möchtest du nicht vielleicht mitfahren? Dann warte ich bis du aus der Klinik zurück bist und dann fahren wir zusammen.“


,,Nein, das muss nicht sein. Ich wäre momentan wohl auch keine gute Gesellschaft. Fahr du nur, ich komme schon klar. Außerdem ist Elvis dann ja auch noch da, auch wenn wir uns gestern gestritten haben, das hält meistens ja nicht lange und ich bin sicher, dass wir uns dann auch wieder schnell gut verstehen.“
,,Ich hoffe es, sonst bleibe ich zu Hause.“
,,Nein, das muss nicht sein. Fahr du nur und mach dir eine schöne Zeit bei deinen Eltern, ich laufe nicht weg, aber du weißt ja nie, wie lange du sie noch besuchen kannst.“
,,Das stimmt leider. Dann gehe ich jetzt mal meine Sachen packen.“, sagte sie und ich nickte, bevor ich begann meinen Kaffee zu trinken.
Heidi verließ den Raum und ich blickte ihr hinterher, konnte nicht fassen, dass sie immer noch die Dreistigkeit besaß mir in die Augen zu sehen und mich so schamlos anzulügen.
Natürlich konnte sie mir nicht sagen, dass sie mit meinem Sohn in ein Hotel gehen würde, um sich dort von ihm die ganze Zeit ficken zu lassen, aber ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass sie wirklich so weit ging und mich wirklich danach fragte, so wie Elvis es ihr vorgeschlagen hatte.
Aber ich musste noch ruhig bleiben und irgendwie war ich das merkwürdigerweise auch.
Natürlich fand ich es nicht schön, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es mich betraf.
Eher fühlte es sich so an, als würde es einem anderen passieren und ich würde einfach dabei zusehen, wie es ihm passierte.
Surreal und keinesfalls mein Problem, oder gar mein Leben und wenn ich mir das nicht vor Augen halten würde, würde ich genau das wahrscheinlich vergessen.


Nachdem ich meinen Kaffee leer getrunken hatte, entschied ich mich heute mal gegen einen weiteren und würde stattdessen jetzt hochgehen und mich anziehen.
Immerhin wollte ich ja auch noch zu Kevin und dafür musste ich mich erst fertig machen.
Allerdings kam ich überhaupt nicht soweit, da Elvis die Küche betrat und mich wie ein räudiger Hund ansah.
,,Morgen, Dad.“, sagte er kleinlaut und ich blickte ihn etwas verwirrt an, entweder er konnte ebenfalls verdammt gut schauspielern oder ihm tat es wirklich leid.
,,Morgen, Sohn.“
,,Es tut mir leid.“
,,Was meinst du?“
,,Das was ich gestern gesagt habe tut mir leid. Ich habe die Nerven verloren und das hätte nicht passieren dürfen. Du bist mein Vater und ich habe meine gute Erziehung und meinen Respekt dir gegenüber vergessen und das tut mir wirklich leid. Ich habe doch nur Angst und bin mit der Situation etwas überfordert, denn so kenne ich dich nun mal nicht. Du bist sonst immer so stark und du steckst alles mit einer Leichtigkeit weg, dass ich nicht verstehen konnte, wieso du das diesmal nicht tust, aber ich habe mittlerweile verstanden, dass die Onkelz dir einfach wichtig sind und vor allem das sie einen großen Teil deines Lebens ausgemacht haben. Auch das wir ohne deine Band den ganzen Luxus nicht hätten. Ich habe einfach nicht nachgedacht als ich das gestern gesagt habe. Es war egoistisch und das tut mir ebenfalls leid.“, sagte er und schien auch wirklich zu bereuen, was er gesagt hatte, wenn ich nicht wüsste das er es nicht so meinte würde ich es ihm auch glauben.


,,Schon gut, vergessen wir das einfach. Ich kann verstehen das für dich und Heidi die Situation auch nicht einfach ist, aber ich werde versuchen mich zu bessern und es euch nicht mehr so merken zu lassen.“
,,Danke Dad, das ist wirklich lieb von dir. Ich meine du kannst ja auch trauern oder dir kann es ja auch mal schlecht gehen, aber das zieht sich jetzt schon so lange und ich habe einfach keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll.“
,,Das verstehe ich und deswegen werde ich es euch nicht mehr so zeigen. Heidi ist übrigens über´s Wochenende bei ihren Eltern, hast du Lust was mit mir zu unternehmen? So ein richtig schönes Vater – Sohn – Wochenende hatten wir schon ewig nicht mehr.“
,,Das stimmt und ich würde das auch unglaublich gerne machen Dad, aber leider bin ich schon voll verplant.“
,,Das ist aber schade. Was hast du denn vor?“
,,Ich wollte mich mit ein paar Kumpels treffen und ein bisschen feiern gehen, so wie jedes Wochenende eigentlich. Die Jungs verlassen sich auf mich, deswegen kann ich leider nicht mehr absagen. Weißt du einer von denen ist Single und echt mies drauf deswegen und wir wollen ihm nun endlich mal eine Freundin besorgen, damit er mal wieder glücklich sein kann. Den kann ich jetzt nicht hängen lassen. Aber vielleicht schaffen wir es ja nächste Woche.“
,,Ja, dann kümmer dich mal um deinen Kumpel und ich ruhe mich dann das Wochenende ein bisschen aus, wenn ihr beide nicht da seid, dann habe ich ja mal sturmfreies Haus, oder kommst du zum schlafen nach Hause?“
,,Ich glaube nicht, Dad. Ich denke wenn wir überhaupt schlafen, dann bei einem Kumpel.“
,,Feier nicht zu wild, denk dran am Montag geht der Ernst des Lebens weiter.“


,,Ich weiß Dad, keine Sorge.“
,,Gut, dann ab nach oben, ich will gleich duschen und dann kommst du nicht mehr ins Bad. Heidi ist auch ihre Sachen packen. Ich trinke meinen Kaffee noch und dann komme ich auch hoch.“
Elvis nickte und verschwand dann ebenfalls ohne ein weiteres Wort aus dem Raum und ging nach oben.
Seufzend blickte ich ihm hinterher und hatte keine Ahnung, was ich davon halten sollte, dass die beiden mich so dreist anlogen und mir dabei auch noch frech ins Gesicht grinsten.
Ich schüttelte den Kopf und machte mir dann doch noch einen zweiten Kaffee, denn ich wollte die beiden ja auch nicht unnötig stören, wenn sie jetzt ihre Pläne für ihr gemeinsames Wochenende schmiedeten, denn ich ging davon aus, das sie nichts anderes taten, immerhin war ich ja wach und die beiden ja auch bald ungestört.
Nachdem auch die zweite Tasse voll war schnappte ich mir diese und wollte damit in das Wohnzimmer gehen, entschied mich dann aber dagegen, denn ich wollte meinen Kaffee nicht auf dem Sofa trinken, auf dem meine Freundin und mein Sohn vor wenigen Minuten noch gefickt haben wie die Kaninchen.
Also blieb ich in der Küche und hatte keine Ahnung, ob sie es hier auch schon getrieben haben, deswegen entschied ich mich lieber stehen zu bleiben und es nicht drauf ankommen zu lassen.
So trank ich im stehen meinen Kaffee und rauchte meine Zigarette und als beides erledigt war, machte ich mich dann auch auf den Weg nach oben in das Schlafzimmer, wo zu meinem erstaunen nur Heidi war.


,,War Elvis schon im Bad?“, fragte ich und sah dann erst, dass sie die Scherben wegräumte, die ich hinterlassen hatte.
,,Keine Ahnung. Was ist denn hier passiert?“
,,Das Bild ist mir eben aus der Hand gefallen und ich habe vergessen es wegzumachen. Ich war noch nicht ganz wach. Lass es doch, dann mache ich es weg.“
,,Nein, ich hab´s gleich. Aber du solltest wieder mehr essen, dann bist du auch nicht zu schwach um einen Bilderrahmen zu halten.“
,,Ja, da könntest du recht haben.“, sagte ich gespielt nachdenklich, denn ich würde ihr die Wahrheit sicher nicht sagen.
Wenn die beiden der Meinung waren, dass sie ein Spielchen spielen mussten, dann würde ich das auch tun, aber eben nach meinen Regeln.
,,Hast du eigentlich gestern den Schwangerschaftstest gemacht?“, fragte ich dann und Heidi zuckte leicht zusammen, bevor sie sich dann langsam zu mir rum drehte.
,,Ja, den habe ich gemacht, aber ich habe noch keine Bestätigung vom Arzt.“
,,Was kam denn dabei raus?“, fragte ich weiter und in dem Moment entging mir nicht, dass sie es vermied mich anzusehen.
,,Er war positiv.“, sagte sie und ging ohne mich anzusehen an mir vorbei um die Scherben in den Müll zu bringen.
,,Aber das wäre ja wundervoll, ich meine dann bekommen wir endlich ein Baby. Haben wir uns das nicht schon so lange gewünscht? Ich kann gar es gar nicht glauben. Oh glaub mir, du machst mich so verdammt glücklich.“, sagte ich und strahlte sie gespielt an.
,,Liebling, wir sollten uns noch nicht zu früh freuen.“, begann sie vorsichtig und ich blickte sie fragend an.


,,Aber wieso denn nicht? Glaubst du der Test lügt?“
,,Ich weiß es nicht. Es ist schon häufig passiert, dass die Tests nicht genau sind. Wir sollten abwarten bis ich beim Arzt war und dann haben wir Gewissheit.“
,,Verschweigst du mir etwas?“, fragte ich dann ohne Umschweife und sie sah mich entsetzt an.
,,Nein. Was soll ich dir denn bitte verschweigen? Ich will einfach nur nicht, dass du dich freust und dann nachher enttäuscht bist, wenn der Arzt sagt, dass es doch nicht so ist. Ich meine ja, ich bin drüber, aber das heißt nichts, das passiert vielen Frauen wenn sie Stress haben.“
,,Aber die haben dann keinen positiven Schwangerschaftstest, oder?“
,,Nein, aber es gibt auch genug Frauen, die einen positiven Schwangerschaftstest haben und dann doch nicht schwanger sind, außerdem musst du bedenken das in einer Schwangerschaft die ersten drei Monate auch noch kritisch sind, also sollten wir uns erst einmal nicht zu sehr freuen und uns einfach überraschen lassen, was der Arzt sagt.“
,,Seit wann bist du denn so pessimistisch?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue und Heidi zuckte die Schultern.
,,Ich bin nur vorsichtig, nicht pessimistisch.“
,,Du wirkst fast so, als würdest du dich überhaupt nicht freuen, wenn du schwanger wärst.“
,,Doch natürlich würde ich mich freuen, aber ich will mich eben auch nicht zu früh freuen. Stephan, es ist eben mein erstes Kind und ich habe Angst das etwas schief geht oder das ich mich zu früh über etwas freue, was noch nicht da ist.“


,,Und das ist alles?“, fragte ich dann und Heidi nickte.
,,Ja, das ist alles und das reicht ja wohl auch, oder? Wenn du mich entschuldigst, ich muss zum Mülleimer.“, sagte sie und war verschwunden, noch bevor ich etwas sagen konnte.
Ich blickte ihr triumphierend hinterher, denn ich hatte deutlich gemerkt, dass sie ins schwimmen geraten war und das ihr die Unterhaltung sichtlich unangenehm war.
Aber das sollte es auch, wenn sie wirklich schwanger war, dann sollte sie schnell raus finden von wem, denn ich würde mir sicher kein Kind anhängen lassen, wenn es nicht von mir war und auch nicht, wenn mein Sohn der Vater war.
Wenn Elvis sie wirklich geschwängert hatte, was hoffentlich nicht der Fall war, dann würde ich nicht mehr sein als der Opa, wobei mir der Gedanke wirklich falsch vorkam und sich irgendwie auch nicht gut anfühlte, denn es machte mich alt und das mochte ich nun gar nicht.
Aber genauso sehr wie ich hoffte, dass Elvis nicht der Vater war, hoffte ich auch, dass ich es nicht war, denn auch ich wollte kein Kind von einer Frau, mit der ich nicht mehr zusammen war, weil sie meinen Sohn vögelte.
Sicher wusste ich, dass Beziehungen kaputt gehen konnten, denn Elvis lebte ja nun mal auch nur bei mir und das ohne seine Mutter, aber das schien ihn auch nicht gestört zu haben bis jetzt.
Mir kam der Gedanke das er in Heidi vielleicht nur eine Ersatzmutter sah und deshalb glaubte, dass er sie lieben würde, aber der Gedanke schien mir dann bei längerem drüber nachdenken auch eher abwegig, denn kein normaler Mensch würde freiwillig mit seiner Mutter vögeln.
Seufzend fuhr ich mir mit der Hand durch die Haare und war mir sicher, dass Heidi jetzt wohl nicht wiederkommen würde.


Die hatte jetzt genug von meinen Fragen und würde denen aus dem Weg gehen wollen, also würde sie warten, bis ich wieder unten oder zumindest beschäftigt war, damit sie weiter packen konnte.
,,Elvis?“, rief ich durch den Flur und hörte ihn seufzen.
,,Was?“
,,Warst du schon im Bad?“
,,Ja, gerade.“
Ich antwortete nicht mehr, sondern schnappte mir eine Hose und ein Oberteil, dazu frische Boxershorts und ein paar Socken und ging damit dann ins Bad, wo ich hinter mir die Türe schloss und die Sachen auf den Badewannenrand legte.
Mit flinken Fingern entledigte ich mich meinen Shorts, da ich nach dem Aufstehen nicht mehr angezogen hatte und stellte mich unter die Dusche, wo ich den Duschkopf zur Seite schob und das Wasser anschaltete.
Prüfend hielt ich eine Hand darunter und erst als das Wasser warm genug war, schob ich ihn über meinen Kopf und ließ mich von dem warmen Wasser verwöhnen.
Ich blickte an mir runter und beobachtete die einzelnen Rinnsale über meine Brust und meinen Bauch fließen.
Schnell hatte ich meine Haare und meinen Körper eingeseift und spülte beides ab, bevor ich aus der Dusche stieg und mich dort in ein Handtuch wickelte und mich abtrocknete.
Anschließend erledigte ich alles, was sonst noch so anfiel im Bad und zog dann meine Kleidung an, damit ich mich bald auf den Weg zu Kevin machen konnte, denn den wollte ich heute noch unbedingt besuchen.


Kaum hatte ich alles angezogen blickte ich nochmal in den Spiegel und widmete mich meinen Haaren, die noch nicht so waren, wie ich das wollte und richtete sie noch her.
Als ich dann schlussendlich auch damit fertig war und wieder aussah wie ein Mensch und mich endlich auch wieder so fühlte nach den vergangenen Wochen ging ich wieder ins Schlafzimmer, wo Heidi gerade dabei war ihren Koffer vom Bett zu hieven.
,,Soll ich den mit runter nehmen?“, fragte ich dann und sie zuckte heftig zusammen.
,,Man hast du mich jetzt erschreckt.“
,,Keine Sorge, ich tue nichts. Aber bei dir könnte man glatt meinen du hättest ein schlechtes Gewissen.“
,,Ich? Nein, wieso sollte ich?“
,,Das weiß ich nicht, vielleicht wegen der Schwangerschaft oder wegen dem Besuch bei deinen Eltern.“
,,Nein, wegen der Schwangerschaft eher weniger, dann wohl doch eher wegen dem Besuch bei meinen Eltern.“
,,Wieso das denn? Freust du dich gar nicht?“
,,Doch natürlich, aber ich muss dich hier zurück lassen.“
,,Bitte, ich bin ein großer Junge, wie ich bereits sagte und ich komme auch mal ein Wochenende alleine zurecht.“
,,Ist Elvis nicht da?“, fragte sie überrascht und ich hätte am liebsten erneut laut losgelacht, denn das wusste sie doch am besten.
,,Nein, der wollte zu ein paar Kumpels und mit denen feiern.“
,,Soll ich doch lieber zu Hause bleiben?“, fragte sie dann und ich schüttelte wortlos den Kopf, was ein Schweigen von beiden Seiten mit sich zog.


,,Du könntest mir aber noch einen Gefallen tun, bevor du zu deinen Eltern aufbrichst.“, sagte ich dann wie nebenbei und Heidi wurde aufmerksam.
,,Klar, was denn?“
,,Kannst du mir bitte noch ihre Nummer aufschreiben? Ich meine nur für den Fall, dass was ist, denn du überhörst ja auch gerne mal dein Handy, damit ich dich erreicht bekomme.“
,,Klar, schreibe ich dir auf und lege sie dir auf den Küchentisch.“, sagte sie sichtlich beruhigt und schnappte sich dann ihren Koffer mit dem sie nach unten ging.
Ich blickte ihr mit einem Schulterzucken hinterher, denn ich hätte ihr ja auch geholfen, wenn sie das verlangt hätte, denn immerhin hatte ich ihr das ja auch angeboten.
Aber ich schob den Gedanken beiseite und kümmerte mich nicht mehr um sie und zog stattdessen meine Schuhe an, die ich warum auch immer, im Schlafzimmer gefunden hatte.
Zumindest nach außen musste ich einen seriösen und geklärten Eindruck machen, auch wenn es innerlich ganz anders aussah.
Nachdem ich meine Schuhe angezogen hatte, warf ich nochmal einen Blick in den Spiegel und als ich mit meinem Aussehen zufrieden war, machte ich mich auf den Weg nach unten.
Dort traf ich auf Heidi, die gerade von draußen wieder rein kam und mich fragend anblickte, was ich auch gleich erwiderte.
,,Ich werde gleich fahren, denn ich bin soweit und bis zu meinen Eltern habe ich ja auch noch ein bisschen Strecke zu fahren.“


,,Fahr vorsichtig.“, sagte ich als würde mich das interessieren und sie nickte.
,,Immer. Ich habe dir die Nummer auf den Küchentisch gelegt und mein Handy habe ich auch mit, also solltest du es erst da versuchen wenn etwas sein sollte, ich werde mich bemühen es zu hören. Mach keinen Blödsinn wenn ich weg bin.“
,,Niemals.“
,,Ich verlasse mich drauf.“
,,Kannst du. Ich fahre gleich in die Klinik und dann schaue ich mal, was ich sonst noch so mache wenn ich wieder zu Hause bin.“
Heidi nickte und drückte mir noch einen Kuss auf die Lippen.
,,Dann viel Spaß und ich bin spätestens Montag wieder da.“
,,Dir auch viel Spaß.“, sagte ich und sie winkte nochmal, bevor sie dann aus der Küche und anschließend aus dem Haus verschwand.
Elvis hatte sich noch nicht von mir verabschiedet, also ging ich davon aus, das er auch noch da war, was er bestätigte, als ich hörte das er ins Wohnzimmer ging.
,,Dad?“, rief er und ich seufzte.
,,Sohn?“
,,Haben wir keine Kippen mehr?“
,,Im Wohnzimmerschrank.“
,,Da sind keine mehr.“
,,Dann musst du welche kaufen.“
,,Dafür hab ich aber keine Zeit mehr.“
,,Du kommst doch sowieso immer zu spät, das müssten deine Leute doch von dir gewöhnt sein.“
,,Haha Dad. Ich brauche Geld für Kippen.“, sagte er nachdem er zu mir in die Küche gekommen war, in die ich mich unterdessen gesellt hatte.


,,Ich hab nicht mehr so viel hier. Ich muss zur Bank.“
,,Was hast du denn noch?“
,,50€.“
,,Dann gib mir die, du kannst dann ja später auf die Bank fahren.“
Seufzend gab ich ihm dann wirklich die 50€ obwohl das keineswegs das letzte Geld war, was ich besaß, aber ich wollte ihm sein Wochenende auch nicht finanzieren, auch wenn ich wusste das ich das irgendwie trotzdem tat, denn er würde das wahrscheinlich von seinem Taschengeld bezahlen und das bekam er ja nun mal von mir.
,,Danke Dad. Ich bin dann auch gleich weg.“
,,Ja, ich haue auch gleich ab.“
,,Wo willst du denn hin?“
,,Ich wollte zu Kevin in die Klinik und mich mal erkundigen wie es ihm geht.“
,,Hältst du das für eine gute Idee? Immerhin bist du dann über das Wochenende alleine.“
,,Klar, Heidi hat sich auch schon Sorgen gemacht, aber auch ihr habe ich gesagt, dass ich schon ein großer Junge bin und auch mal ein Wochenende alleine zu Hause klar komme. Mach dir keine Sorgen.“
,,Du bist mein Dad, wenn ich mich nicht mehr um dich sorge, um wen denn dann? Heidi hat sich auch Sorgen gemacht?“
,,Ja, aber vollkommen zu unrecht. Mir wird schon nichts passieren und wenn dann kann ich sie ja auch anrufen. Schau, sie hat mir die Nummer ihrer Eltern dagelassen.“, sagte ich und deutete auf den Zettel auf dem Tisch.


,,Das ist ja schön. Ich muss dann jetzt nach oben mich fertig machen.“, sagte Elvis und wirkte doch etwas nervös, aber genau das wollte ich ja auch erreichen, denn mir war klar, das die Nummer auf dem Tisch sicher nicht die von Heidi´s Eltern war, aber darum würde ich mich später kümmern.
Elvis verschwand ziemlich schnell wieder aus dem Raum und ich blickte ihm mit einem Grinsen hinterher, bevor ich in den Flur ging und mir dort eine Jacke überzog und mir meinen Schlüssel schnappte.
Ich überlegte kurz mein Handy mitzunehmen, entschied mich aber dagegen und ging stattdessen ohne zu meinem Auto, wo ich wusste, dass sich dort noch Zigaretten befanden, weswegen ich die auch nicht mitnehmen musste.
War eine kleine Marotte von mir, überall Zigaretten zu bunkern, damit ich sie nicht ständig mit mir rum tragen musste, denn das fand ich sehr nervig.
Ich stieg in meinen Wagen und streichelte sanft über das Lenkrad, denn ich hatte mich schon viel zu lange nicht mehr um mein Baby gekümmert, aber dafür hatte ich jetzt ja auch wieder mehr Zeit und würde das jetzt nachholen.
Ich ließ den Motor an und war erstaunt, dass dieser direkt beim ersten Versuch ansprang, denn ich wusste, dass mein Auto gerne mal rum muckte wenn ich es länger nicht fuhr, was aber wohl typisch war, wie eine Frau, wenn sie zu wenig Aufmerksamkeit bekam.
Über diesen Gedanken musste ich lachen und machte mich dann aber trotzdem auf den Weg zur Klinik.
Lange musste ich nicht fahren, da hatte ich den Parkplatz auch schon erreicht und hielt meinen Wagen auf dem Besucherparkplatz, bevor ich auf die Uhr blickte, die mein Armaturenbrett zierte.


Mittlerweile waren es schon 15 Uhr und ich war mir nicht sicher, ob ich heute noch einen Arzt antreffen würde, aber ich würde es versuchen, andernfalls hätte ich ja auch noch das gesamte Wochenende, wobei da wahrscheinlich auch kein Arzt in der Klinik war und wenn, dann hatte der wahrscheinlich enorm viel zu tun.
Seufzend stellte ich den Motor ab und stieg aus meinem Wagen, überlegte kurz, ob ich noch eine rauchen sollte, entschied mich dann aber dagegen und würde stattdessen lieber direkt rein gehen, denn ich wollte Kevin endlich sehen.
Schnell schloss ich meinen Wagen noch ab und machte mich auf den Weg in das Gebäude.
Es war ziemlich steril, wenn auch nicht so eingerichtet, dass es gleich an eine Klinik erinnerte.
Ich erblickte eine Empfangsdame, die mich prüfend über ihre Brillengläser anblickte, als würde sie jeden Moment über die Theke und mir an den Hals springen, was ich zum Anlass nahm zu ihr zu gehen.
,,Wunderschönen guten Tag junge Frau, mein Name ist Stephan Weidner und ich würde gerne mit einem Arzt sprechen, der mir Auskunft zu Kevin Russell geben kann.“, sagte ich freundlich und grinste die doch schon etwas in die Jahre gekommene Dame vor mir an, denn sie war gewiss noch einige Jahre älter als ich und ich schätzte sie auf Mitte bis Ende sechzig.
,,Ich weiß, wer Sie sind.“, sagte sie mürrisch und ich blickte sie erstaunt an.
,,Ich hoffe das bedeutet etwas Gutes, dass Sie mich kennen, denn ich kann mich leider nicht erinnern, dass wir uns mal begegnet sind.“
,,Sind wir auch nicht. Zum Glück und positiv, na ja. Der Arzt ist nicht im Haus. Versuchen Sie es morgen nochmal, oder am besten gar nicht mehr.“


,,Ich bitte Sie, wer wird denn gleich so unfreundlich sein? Sehen Sie, ich bin reingekommen und war doch gleich freundlich zu Ihnen, dann könnten Sie doch auch freundlich zu mir sein und den Arzt rufen, oder?“
,,Nein, der ist nicht im Haus.“
,,Habe ich mit Ihnen telefoniert?“, fragte ich dann und sie schnaubte.
,,Möglich.“
,,Also ja. Wundervoll, dann weiß ich jetzt woher ich Sie kenne. Ich hätte nur nicht damit gerechnet, dass Sie eine so attraktive junge Frau sind, wobei mir das an der Stimme hätte schon auffallen müssen. Wie alt sind Sie wenn ich fragen darf? 20?“
,,Das geht Sie überhaupt nichts an und diese Schmeicheleien können Sie sich auch sparen. Der Arzt ist nicht im Haus und ich möchte Sie jetzt bitten das Gebäude zu verlassen, andernfalls sehe ich mich gezwungen den Sicherheitsdienst zu rufen.“
,,Ich bitte Sie, das ist doch nun wirklich nicht nötig. Ich möchte doch lediglich einen Arzt sprechen.“
,,Der ist aber nicht im Haus. Müssen Sie die Tage nochmal versuchen.“
,,Heißt es gibt keinen einzigen Arzt im Haus, der mir Auskunft geben könnte?“
,,Richtig.“
,,Das glaube ich Ihnen aber nicht und ich glaube, dass Sie auch nicht ganz die Wahrheit sagen, denn ich weiß zufällig, dass immer mindestens ein Arzt da sein muss und ich möchte Sie nochmals freundlich bitten, mir diesen zu rufen.“
Die Dame grummelte etwas in den nicht vorhandenen Bart und nahm dann den Hörer ihres Telefons ab und wählte eine Nummer auf den Tasten, bevor sie wartete.
Nach ein paar Augenblicken legte sie den Hörer wieder auf und ich ging davon aus, dass sie mir jetzt erneut sagen würde, dass er nicht im Haus sei, aber sie blickte mich nur erneut über den Rand ihrer Brille an.


Sie musterte mich soweit sie es sehen konnte durch die Theke zwischen uns und blickte mir dann wieder in die Augen.
,,Ich habe den Arzt angepiepst. Könnte etwas dauern.“
,,Ich habe Zeit.“
,,Dachte ich mir. Dahinten ist eine Cafeteria, die kann ich Ihnen empfehlen, machen ausgezeichneten Kaffee.“
,,Danke, davon hatte ich heute schon genug. Ich würde es vorziehen hier zu warten.“, sagte ich und deutete mit meiner Hand auf eine freie Sitzecke bestehend aus zwei Ledersesseln und einem Glastisch in der Mitte.
Die Dame nickte brummend und ich lächelte Sie freundlich an.
,,Vielen Dank für Ihre freundliche Hilfe, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“, sagte ich mehr als übertrieben freundlich und drehte mich noch bevor sie etwas sagen konnte rum und ging zu der angedeuteten Sitzecke, wo ich mich dann auch gleich niederließ.
Ich spürte deutlich den Blick von ihr in meinem Rücken und sie nahm diesen auch nicht von mir, als ich mich hingesetzt hatte und sie nun genau im Blick hatte, auch wenn sie mich im Gegenzug auch genau sehen konnte.
Nur zu deutlich konnte ich sehen, wie sie mich erneut von oben bis unten musterte, denn diesmal konnte sie mich ja auch komplett sehen und dann den Kopf schüttelte, was ich nicht so ganz nachvollziehen konnte, denn wenn sie mich ja kannte, dann wusste sie ja auch was ich so trug und nichts anders hatte ich heute an.
Wieso sollte ich mich denn auch raus putzen, wenn ich nur in eine Klinik ging?


Ich hatte mich für eine wie immer eng anliegende dunkelblaue Jeans entschieden, ein schwarzes eng anliegendes Oberteil und meine Bikerboots, die ich auch öfter trug, nichts was ich sonst nicht auch tragen würde und hatte mir für den Besuch hier sogar extra noch den Bart gestutzt, damit ich eben nicht rumlief wie ein Waldschrat.
Wobei sie von dem Oberteil auch nicht wirklich viel sehen konnte, da ich noch eine Lederjacke drüber gezogen hatte, die ich allerdings offen gelassen hatte.
Ich grinste sie nochmal kurz aber freundlich an, bevor ich mir eine der Zeitschriften schnappte und diese aufschlug.
Es war eine Sportzeitung und ich musste doch etwas grinsen, als ich gleich eine Seite hatte, die über die Frankfurter Eintracht berichtete.
Ich las mir den Artikel durch und freute mich, dass es auch mal etwas positives zu berichten gab, denn die Eintracht hatte offensichtlich mal wieder in die Spur gefunden und stand momentan auch gar nicht so schlecht.
Vielleicht sollte ich mir morgen nochmal die Zeit nehmen zu einem Spiel zu gehen, dass hatte ich schon ewig nicht mehr gemacht und da könnte ich mich vielleicht auch noch etwas ablenken.
Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, blätterte ich mich weiter durch die Zeitung und las hier und da noch einen Artikel, wo ich der Meinung war, dass er mich interessieren könnte.
Aber irgendwann hatte ich die Zeitung auch durch und legte sie zurück auf den Tisch.
Die Dame hinter der Theke beobachtete mich immer noch und ich fragte mich, was sie eigentlich gegen mich hatte, abgesehen davon, dass ich wahrscheinlich nicht in ihr Weltbild passte.


Wobei das vielleicht auch schon reichte, denn mit unserer Art zu denken und zu sein, kam eben auch nicht jeder klar.
Ich ließ meinen Blick durch die große und hell beleuchtete Eingangshalle schweifen, als ich einen Arzt erblickte, der durch die Halle huschte.
Aber er ging nicht wie ich erwartete hatte an mir vorbei, sondern kam zu mir und blieb vor mir stehen, bevor er seine Hand ausstreckte.
,,Herr Weidner, es ist mir eine Ehre Sie kennenzulernen.“, sagte er und ich erhob mich von meinem Sessel, bevor ich seine Hand ergriff und sie schüttelte.
,,Ganz meinerseits, Doktor...“
,,Entschuldigen Sie, mein Name ist Doktor Maximilian Weiß.“
,,Freut mich, Doktor Weiß.“, sagte ich und ließ seine Hand dann auch schon wieder los, bevor ich ihn kurz von oben bis unten musterte.
Er war noch recht jung und hatte wahrscheinlich gerade erst sein Studium beendet, zumindest würde ich das schätzen und hoffte so auch über die Kumpel schiene ein bisschen etwas über Kevin in Erfahrung bringen zu können.
,,Möchten Sie vielleicht eine Runde in den Park gehen? Dort können wir Ihr Anliegen dann gerne ausführlich und ungestört besprechen.“, sagte er und ich nickte, bevor ich mich dann von ihm in den Park bringen ließ und mit ihm dort langsam durch spazierte.
,,Nun, wie kann ich Ihnen denn behilflich sein, Herr Weidner?“
,,Wie Sie sich sicher denken können, geht es um Kevin.“
,,Ich dachte mir das Sie wegen Herrn Russell hier sind, ja. Nur leider fürchte ich, dass ich Ihnen zu ihm und seinem Zustand nicht viel sagen kann.“


,,Ich habe nichts anderes erwartet, Doc. Vor allem nicht von einem Arzt, der seine Arbeit gewissenhaft erledigt, aber wissen Sie, ich habe schon länger nichts mehr von Kevin gehört und es würde mir wirklich am Herzen liegen zu erfahren wie es ihm geht und wie die Chancen stehen, dass er den Entzug schafft. Ich denke Sie wissen selber, dass es nicht sein erster ist und na ja als sein bester Freund macht man sich eben so seine Gedanken.“
,,Das kann ich verstehen, Herr Weidner und ich kann auch verstehen, dass die Situation für Sie nicht leicht ist, aber leider kann ich Ihnen keine näheren Auskünfte geben. Ich kann Ihnen sagen, dass Herr Russell bei uns versorgt wird und das wir alles nötige dafür tun ihm zu helfen, aber mehr kann ich Ihnen leider nicht sagen.“
,,Nicht mal wie es ihm geht?“
,,Nein, tut mir leid. Ich bin dazu nicht berechtigt in dieser Phase der Therapie irgendwelche Auskünfte zu geben.“
,,Wer ist denn dafür berechtigt?“
,,In dem Fall wohl nur Herr Russell selber.“
,,Dann erlauben Sie mir ihn zu besuchen und ich werde ihn fragen.“
,,Das kann ich leider auch nicht. Sehen Sie Herr Weidner in der Phase der Therapie in der Herr Russell sich gerade befindet ist es sehr wichtig, dass er konzentriert mit uns zusammenarbeitet und deswegen untersagen wir momentan sämtlichen Besuch, um einen eventuellen Rückfall auszuschließen, denn das könnte fatale Folgen haben, die Sie sicher nicht heraufbeschwören wollen, oder?“
,,Nein, natürlich nicht.“, sagte ich enttäuscht.
Klar auf der einen Seite konnte ich es natürlich verstehen, aber auf der anderen war ich jetzt immer noch nicht weiter und hatte keine Ahnung, wie es Kevin nun ging und ob er es jemals schaffen würde, sich von den Drogen loszusagen.


,,Gibt es denn überhaupt keine Möglichkeit Kevin vielleicht mal zu besuchen? Meinetwegen auch unter ärztlicher Aufsicht oder was auch immer.“
,,Doch, diese Möglichkeit gibt es auf jeden Fall, Herr Weidner. Nur leider nicht sofort und auch nicht in absehbarer Zeit.“
,,Das heißt?“
,,Nun, unsere Therapien durchlaufen mehrere Phasen, durch die jeder Patient im laufe muss. Oft ist es bei Suchterkrankungen leider so das der familiäre Einfluss viele Patienten in die Sucht getrieben hat. Nicht immer, aber leider sehr oft. Das kann passieren wenn die Eltern den Druck zu groß machen wegen schulischer Leistung. Viele greifen zu Suchtmitteln aus Angst zu versagen und seinem Umfeld nicht gerecht zu werden. Andere wiederum aus anderen Gründen und unsere Aufgabe ist es als erstes die Gründe der Suchterkrankung herauszufinden und dann daran zu arbeiten und die Patienten dementsprechend zu stärken, dass sie hier raus gehen und ihre Aufgaben weiterhin erfüllen können, ohne sich gleich wieder eines Suchtmittels zu bedienen. Dazu ist es in gewissen Phasen dann eben auch einfach notwendig mögliche Auslöser für einen Rückfall gänzlich auszuschließen und da gehört bei Herrn Russell auch leider seine Familie und seine Freunde, also auch Sie, Herr Weidner.“
,,Verstehe.“, seufzte ich und fühlte mich nur noch schlechter als vorher, denn hatte Kevin die ganzen Drogen, die Medikamente und den Alkohol nur genommen, weil wir ihm zu viel Druck gemacht hatten?
War ihm das Leben als Frontmann einer erfolgreichen Rockband zu viel gewesen?
Ich fühlte mich schlecht, denn ich hatte das Gefühl, es sei meine Schuld.


,,Aber ist das nicht ein harter Schlag, wenn Kevin dann hier raus kommt und dann nach so langer Zeit wieder auf seine Familie und Freunde trifft?“
,,Nein, weil wir im Rahmen der Therapie eben auch Konfrontationen mit der Familie haben. Sobald der Patient gefestigt genug ist und wir einen Rückfall durch die Konfrontation mit seinen Freunden, Bekannten und Verwandten ausschließen können, bitten wir die Patienten eine Liste zu machen mit den Menschen, die er sehen möchte. Diese kontaktieren wir dann und sobald sie einverstanden sind, werden Sie in die Therapie mit eingebunden und mit dem Patienten konfrontiert.“
,,Verstehe. Das heißt vor dieser Phase habe ich keine Chance Kevin zu sehen und wenn ich nicht auf dieser fuck Liste stehe dann nicht bevor er hier wieder raus ist?“
,,Nein, es gibt Ausnahmeregelungen auch in diesem Fall. Wenn Herr Russell sie in der Konfrontationstherapie nicht dabei haben will, Sie aber in seiner Freizeit sehen möchte, dann ist das ab einer gewissen Phase der Therapie auch durchaus denkbar und machbar.“
,,Dann werde ich wohl nie erfahren wie es Kevin geht.“, seufzte ich und der Arzt schüttelte den Kopf.
,,Soweit würde ich nicht gehen, Herr Weidner. Herr Russell redet viel von Ihnen und selbst wenn er sie in der Konfrontationstherapie nicht dabei haben will, gehe ich schon davon aus, das er sie in seiner Freizeit sehen will.“
,,Kevin redet viel von mir?“
,,Oh ja, sie wären überrascht und das was er sagt ist auch nicht alles so schlecht wie Sie denken. Also kann ich Ihnen nur den Rat geben nicht zu früh den Kopf in den Sand zu stecken und einfach ein bisschen Geduld zu haben. Wie lange genau kann ich Ihnen leider nicht sagen, das kommt auf die Fortschritte an, die wir in der Therapie machen und das liegt eben auch an der Mitarbeit von Herrn Russell.“


,,Ja, verstehe. Danke, Doc.“
,,Sie sollten sich nicht zu viele Gedanken machen, Herr Weidner. Ich kann verstehen das Sie ihren besten Freund sehen wollen, aber so schlecht wie sie vermuten könnten, geht es ihm nicht.“, sagte er mit einem sanften Lächeln und ich nickte.
,,Danke, Doc. Wann glauben Sie kann ich mein Glück denn nochmal versuchen?“
,,Ich würde Ihnen gerne eine genaue Zeitangabe geben, aber das kann ich leider nicht. Das liegt ganz bei Herrn Russell selber wie gut die nächste Zeit wird. Das kann morgen schon sein, das kann nächste Woche sein, das kann aber auch erst nächsten Monat so weit sein, dafür gibt es leider keine genauen Angaben.“
,,Dann würde ich wenn es okay ist nächste Woche gerne nochmal wiederkommen.“
,,Ich kann Ihnen nicht verbieten herzukommen, Herr Weidner. Aber bitte bedenken Sie auch, dass es möglich wäre, das ich Ihnen nächste Woche auch nicht mehr sagen kann als heute.“
,,Ein Versuch ist es aber wert und deswegen werde ich dann auch nächste Woche nochmal kommen.“
,,Diese Entscheidung liegt ganz bei Ihnen.“
,,Danke Doc. Dann bis nächste Woche.“, sagte ich dann nachdem wir den Park durchquert hatten und wieder am Eingang angekommen waren.
,,Ich hoffe das ich dann bessere Nachrichten für Sie habe.“
,,Ich hoffe auch. Danke nochmal und bis nächste Woche dann.“, sagte ich, winkte dem Doc nochmal und machte mich dann wieder auf den Weg zu meinem Auto.
Kaum hatte ich das erreicht, suchte ich meine Zigaretten im Auto und lehnte mich dagegen und zündete eine Zigarette an.


Bis jetzt hatte ich mich immer eisern daran gehalten nicht in meinem Auto zu rauchen und tat es auch jetzt nicht.
Wenn ich längere Strecken fuhr, dann wartete ich bis zu einer Raststätte aber rauchte niemals in meinem Auto, denn dafür liebte ich meine kleine einfach zu sehr.
Ich blickte in den ziemlich grauen Himmel über mir, der am besten widerspiegelte, wie ich mich gerade fühlte.
Graue Tristesse ohne Hoffnung auf eine Besserung, obwohl ich eigentlich Hoffnung haben sollte, denn immerhin hatte der Arzt gesagt, dass ich Kevin nächste Woche vielleicht sehen konnte, auch wenn die Wahrscheinlichkeit bestand, dass es nicht der Fall war, so wollte ich irgendwie trotzdem dran glauben, um nicht ganz in dieses Loch zu fallen, was mich immer wieder zu verschlingen drohte.
Gerne hätte ich Kevin gesehen und mir selber ein Bild davon gemacht wie es ihm geht.
Sagen konnte der Arzt viel aber woher sollte ich wissen, dass es auch wirklich die Wahrheit war? Immerhin hatte ich Kevin nicht gehen und kannte ihn ohnehin besser als der Arzt.
Auch wenn er sehr nett war und wahrscheinlich auch wusste, was er tat, so hoffte ich trotzdem, dass ich bald zu Kevin konnte, er fehlte mich so unglaublich sehr.
Aber ich schien ja auch nicht in Vergessenheit geraten zu sein, zumindest nicht, wenn man dem Arzt glauben durfte, denn dann erzählte Kevin ja viel von mir und das sogar nicht immer negativ, auch wenn ich noch nicht wusste, ob das so gut war, so freute es mich immerhin, dass er an mich dachte und über mich redete.
Was wohl auch erklären würde, wieso der Arzt so freundlich war, denn dann hatte er sich wahrscheinlich schon einiges über mich anhören dürfen.
Frustriert zog ich an meiner Zigarette, jetzt musste ich wohl wieder Heim fahren.


Ich warf die Zigarette vor mir auf den Boden und trat sie mit meinem Fuß aus, bevor ich mich mit einer flüssigen Geste von meinem Auto abstieß und die Türe öffnete um einzusteigen.
Kaum saß ich in dem Auto fuhr ich auch schon wieder nach Hause und hatte keine Ahnung, was ich da machen sollte, immerhin war ich alleine.
Wobei das ja auch eigentlich ein Freifahrtschein für so ziemlich alles war, denn selbst wenn ich nackt durch das Haus laufen wollen würde, könnte ich das tun.
Bei dem Gedanken musste ich dann doch leicht grinsen und schüttelte dann doch über mich selber den Kopf, als ich in meine Einfahrt einbog.
Ich spürte deutlich, dass mich der Besuch in der Klinik einiges gekostet hatte, aber das es mir irgendwie auch etwas zurückgab.
Mir warum auch immer neuen Mut verlieh und ich so schnell vielleicht nicht aufgeben sollte.
Keiner wusste, was noch kommen würde und vielleicht erzählte der Arzt Kevin ja auch, dass ich da war und mich nach ihm erkundigt hatte.
Vielleicht war es mir dann so auch möglich Kevin früher zu sehen, als der Therapieplan es zuließ, allerdings musste Kevin das dafür wollen.
Ich war mir nicht sicher, ob er mich überhaupt nochmal sehen wollte und ob wir irgendwann da weitermachen konnten, wo wir aufgehört hatten, bevor alles den Bach runter ging.
Die Onkelz waren Geschichte aber war es unsere Freundschaft auch?
Ich glaube ich würde nicht mit den Menschen befreundet sein wollen, die mich in irgendeine Klinik gebracht hätten und das ja auch nicht zum ersten Mal.


Kevin hatte schon viel scheiße mit uns erlebt und vor allem mit mir.
Oft hatte ich zu harten Bandagen greifen müssen, wenn Kevin mal wieder die Kontrolle über sich selbst verloren hatte, aber ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, dass wir, vielmehr ich, der Grund dafür sein könnten, dass es Kevin so mies ging und das er überhaupt erst so weit gehen musste.
Seufzend legte ich meinen Kopf auf das Lenkrad und konnte nicht fassen, wie naiv und blöd ich doch war, denn wenn ich ein guter Freund gewesen wäre, dann hätte ich das doch mitbekommen müssen, oder?
Ich hätte wissen und merken müssen, dass es Kevin zu viel wurde und er unter einem so gewaltigen Druck stand, dass er es nicht mehr anders kompensieren konnte und statt ihm zu helfen, habe ich es vielleicht nur noch schlimmer gemacht.
Die Onkelz waren mein Leben und alles was ich getan habe, diente einzig und alleine dafür die Band noch mächtiger, größer und erfolgreicher zu machen, aber dabei habe ich die Menschen die darin involviert waren vollkommen vergessen.
Habe keine Rücksicht darauf genommen, dass Kevin und auch die anderen vielleicht nicht meinem Pensum der Arbeit standhalten konnten und im Endeffekt habe ich damit nur das Gegenteil von dem erreicht, was ich wollte.
So sehr wie ich die Band auch immer weiter voran treiben wollte, so sehr hatte ich sie aber auch kaputt gemacht.
Die Erkenntnis das nicht Kevin mit seiner Sucht, sondern ich mit meinem Ego die Band kaputt gemacht hatte, traf mich hart wie ein Schlag in die Magengegend und einen Moment wurde mir schwindelig und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen.
Glücklicherweise fuhr ich nicht mehr, sonst hätte ich nicht dafür garantieren können, die Kontrolle über meinen Wagen zu behalten.


Ich spürte Tränen in meinen Augen brennen und versuchte sie wieder weg zublinzeln.
Ich war es selber Schuld und da hatte ich jetzt auch kein Recht darauf zu heulen wie ein kleines Kind.
Hätte ich meinen Ehrgeiz hinter die Bedürfnisse der anderen gestellt, dann würde es die Onkelz heute vielleicht noch geben, Kevin wäre nicht in irgendeiner Klinik und wäre vielleicht nie so tief abgerutscht.
Mit der Faust schlug ich gegen das Lenkrad und zuckte heftig zusammen, als ich die Hupe erwischte.
Über mich selbst seufzend schüttelte ich den Kopf und stieg aus meinem Auto aus, bevor ich es abschloss und zur Haustüre ging, die ich aufschloss und hineinging.
Den Schlüssel legte ich im Flur wieder an seinen Platz und hing meine Jacke an den Haken, bevor ich meine Schuhe auszog, diese ebenfalls im Flur stehen ließ und mich dann auf den Weg in die Küche machte, wo ich mir ein Bierchen aus dem Kühlschrank holte.
Auch wenn es erst Nachmittag war, brauchte ich das jetzt einfach und da keiner hier war, der sich darüber beschweren konnte, sollte es mir auch nur recht sein.
Ich öffnete die Flasche, schmiss den Kronkorken in den Müll und ging ins Wohnzimmer, wo ich mich dann seufzend auf die Couch sinken ließ.
In dem Moment war mir auch egal was sich hier vor wenigen Stunden zugetragen hatte, denn das konnte ich jetzt eh nicht mehr ändern.
Leise stöhnend durch die Anstrengung griff ich nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein, um zu sehen, womit ich mich verblöden lassen konnte.


Wirklich viel lief da nicht und vor allem nichts, was mich intellektuell fördern könnte oder was mich interessierte, aber es war ja auch mal schön sich nicht den Kopf zu zerbrechen über irgendwas sondern sich einfach berieseln zu lassen, von dem Blödsinn, der einem da erzählt wurde.
Ich blickte mich im Raum um und musste feststellen, dass sich hier doch wirklich einiges verändert hatte, seit Heidi hier eingezogen war, das war mir vorher nie so extrem aufgefallen.
Auf dem Tisch vor mir entdeckte ich ein Buch, was definitiv nicht von mir war, also musste es von Heidi sein, denn Elvis hatte ich noch nie mit einem Buch gesehen und wenn er mal was las, dann höchstens den Playboy.
Ich nahm das Buch zur Hand und schaltete den Fernseher aus, um mich auf das Buch zu konzentrieren.
Nachdem ich die erste Seite aufgeschlagen hatte, sah ich auch gleich eine handgeschriebene Widmung.

`Damit du weißt, was dich erwartet, wünsche Dir viel Spaß ;)
Ich liebe dich
Elvis´

Also hatte Elvis Heidi scheinbar das Buch geschenkt, auch wenn ich keine Ahnung hatte, wieso aber das würde ich wohl auch erst raus finden, wenn ich es las und damit begann ich dann auch gleich.
Allerdings musste ich auch nicht wirklich viel lesen um gleich zu verstehen worum es ging, denn dieses Buch war nicht mehr als ein geschriebener Porno.


Ich wollte mir nun wirklich nicht auch noch durchlesen, wie die beiden miteinander vögelten und klappte das Buch wieder zu bevor ich es wieder auf den Tisch legte.
Seufzend stand ich auf und nahm die mittlerweile leere Flasche mit in die Küche um sie dort auf die Spüle zu stellen, denn die konnte ich auch morgen noch in den Kasten räumen und ging dann im Wohnzimmer noch das Licht ausschalten, bevor ich mich wieder auf den Weg nach oben in mein Arbeitszimmer machte.
Dort setzte ich mich an meinen Schreibtisch und blickte auf ein Bild was ich auf meinem Schreibtisch stehen hatte.
Es war ein Bild von den Jungs und mir und wehleidig blickte ich es eine ganze Weile an, wünschte mir, das es nicht so gekommen wäre und das ich einfach mit Kevin glücklich sein konnte.
Er bedeutete mir so unglaublich viel, wieso hatte ich es nie versucht?
Nie hatte ich versucht bei ihm zu landen oder ihm auch nur andeutungsweise zu sagen was ich für ihn empfand.
Wir hatten nicht mal unverbindlichen Sex, nichts, was darauf schließen konnte, dass er vielleicht meine Gefühle erwiderte.
Ganz im Gegenteil, er hatte eine Freundin und die würde er sicher nicht für mich verlassen.
Vielleicht hatte er sie ja auch geschwängert und machte deswegen jetzt den Entzug, um mit ihr und den Kindern ein neues Leben anzufangen, denn Kevin hatte ja auch schon einen Sohn.
Dieser Gedanke versetzte mir einen Stich ins Herz und ich fand es nicht wirklich gut diesen Gedanken weiter zu spinnen, weswegen ich leicht den Kopf schüttelte, um so auch diesen Gedanken loszuwerden.


Ich hatte keine Ahnung, wie ich das ohne Kevin schaffen sollte, oder wie ich es überhaupt bis hier her geschafft hatte.
Es musste einfach bald passieren und ich musste ihn auch einfach bald sehen, sonst würde ich noch durchdrehen.
Seufzend blickte ich in eine der Schubladen in meinem Schreibtisch nachdem ich mich dahinter auf meinen Stuhl gesetzt hatte und durchwühlte die Schublade auf der Suche nach was auch immer.
Eigentlich suchte ich nichts besonderes, aber irgendwie musste es doch etwas geben, womit ich mich beschäftigen konnte.
Mir fiel die Decke auf den Kopf aber ich hatte keine Lust raus zu gehen.
Die Bücher die ich besaß hatte ich schon alle gelesen und das Fernsehen verblödete mich wirklich noch.
Ich hatte nichts zu tun und das machte mich irgendwie wahnsinnig, ich war es aber ja auch nicht mehr gewöhnt.
Sonst verbrachte ich die Zeit im Studio, schrieb neue Lieder oder verbrachte die Zeit mit meiner Familie.
Tage an denen nichts passierte und ich keine Ahnung hatte, was ich tun soll, gab es in meinem Leben nicht mehr seit wir damals die Onkelz ins Leben gerufen hatten.
Erst versuchten wir die Band bekannt zu machen und als uns das gelungen war, mussten wir versuchen das Niveau zu halten, wenn es schon nicht möglich war es noch weiter zu verbessern.
Mir fiel ein Bild von Kevin in die Hände, was schon älter war, vielleicht 15 Jahre und ich zog es aus der Schublade und blickte es mir genau an.
Kevin war damals schon ein verdammt heißer Kerl und ich hatte keine Ahnung, wieso ich das erst so spät gemerkt hatte.


Mit zwei Fingern streichelte ich sanft über das Bild und würde in dem Moment alles geben um Kevin real anfassen zu können.
Er hatte damals einen so verdammt geilen Körper und das obwohl er nicht den Traummaßen der Frauen entsprach, aber das machte ihn nur noch perfekter.
Schon damals habe ich oft darüber nachgedacht einfach mal mit ihn ins Bett zu gehen.
Wenn wir genug getrunken hatten, dann wäre die Überwindung sicher nicht mehr so groß und ich hatte ja auch keine Ahnung, ob Kevin schon Erfahrung hatte mit Kerlen.
Aber ich hatte mich nicht getraut und hatte ihn stattdessen immer aus der Ferne bewundert und das ein oder andere Mal sogar mit dem Gedanken an ihn Hand angelegt, allerdings nie bis zum Ende, das hatte ich mich damals nicht getraut, aus Angst seinen Namen unkontrolliert zu stöhnen und dann hätten es die anderen gehört und dann war mein kleines Geheimnis keins mehr und das wollte ich unbedingt verhindern, deswegen hatte ich es immer nur so weit getrieben, das ich die Kontrolle nicht verlor und hatte dann an jemand anderen Gedacht. Meistens an die Frau mit der ich gerade zusammen war oder wenn ich Single war an irgendeine Olle, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte oder die ich heiß fand und stellte mir dann eben vor, dass ich sie vögelte, aber Kevin schaffte es immer sich in meine Gedanken zu schleichen.
Selbst wenn ich mit Heidi gevögelt hatte, dachte ich oft an Kevin, solange ich mich noch unter Kontrolle hatte, denn solange würde ich nichts unüberlegtes tun.
Bis jetzt schien es aber auch nie jemandem aufgefallen zu sein.


Die Jungs waren es gewöhnt, dass Frauennamen auf dem Klo gestöhnt wurden, denn da waren wir doch alle gleich und Heidi?
Keine Ahnung ob sie irgendwann mal was gemerkt hatte, gesagt hatte sie jedenfalls nie etwas und das war wohl auch gut so.
Meistens wechselte ich dann ja auch zu ihr, bevor ich etwas unüberlegtes tat, vor allem wo es das meistens noch raus zögerte, denn sie brachte mich eben nicht so auf Touren wie Kevin.
Ich blickte runter auf die Schublade und fragte mich, ob da wohl noch mehr Bilder von Kevin waren und durchsuchte die Papiere, die ebenfalls darin lagen und die ich bei Gelegenheit mal aussortieren musste.
Tatsächlich fand ich noch mehr Bilder und legte diese vor mir auf den Schreibtisch, um sie anzusehen.
Es war nicht wirklich überraschend, das der Großteil von Kevin war und nur wenige Bilder von Gonzo und Pe, vor allem aber noch viel weniger von mir.
Aber es gab tatsächlich eins von Kevin und mir, was ich schon ganz vergessen hatte.
Es war noch nicht so lange her, vielleicht 5 Jahre, da hatten wir uns abends bei Gonzo getroffen und wollten eigentlich an einem neuen Album arbeiten, aber wir hatten alles im Kopf, nur nicht das Album.
Kevin hatte, glaube ich, die Idee einen zu trinken und das hatten wir dann auch getan und ich weiß nicht mehr wer, irgendeiner hatte dann vorgeschlagen ein paar Aufgaben mit einzubauen, was ja eigentlich eine ziemlich lustige Sache ist und wir haben das auch tatsächlich gemacht und ich meine mich daran erinnern zu können, dass Pe Kevin und mir an dem Abend die Aufgabe gegeben hatte, das wir ihm unsere Lieblingsstellungen beim Sex demonstrieren sollten.


Bei dem Gedanken musste ich echt grinsen, denn wir hatten trotz das wir keine Teenager mehr waren, nur scheiße im Kopf, wenn wir zusammen waren.
Kevin und ich hatten das dann auch tatsächlich getan, denn mit Kevin konnte man wirklich jeden Scheiß machen.
Er war für jeden Spaß zu haben und immer mit von der Partie, egal wie dumm die Idee auch war.
Ich hatte es dann als bequem empfunden auf Kevin´s Schoß und so ist dann wohl auch das Bild entstanden, denn ich hatte genau da gesessen und Kevin hatte fast schon zärtlich seine Arme um meine Hüften geschlungen, da ich seitlich zu ihm saß.
Ein Lächeln huschte über meine Lippen, denn die Erinnerung an diesen Abend war wirklich mehr als schön, vor allem konnte ich Kevin da so unglaublich nah sein, wie ich es schon viel zu lange nicht mehr war und mich nun endlich wieder danach sehnte.
Jetzt würde ich sogar in Kauf nehmen wenn es so wäre wie damals.
Wenn wir keine Chance zusammen hätten, keine gemeinsame Zukunft, dann wäre mir das auch egal, denn selbst in der Freundschaft kamen wir uns immer wieder so verdammt nah, das würde mir auch reichen, denn es war mehr als das, was ich jetzt hatte.
Jetzt konnte ich ihn ja nicht mal sehen, geschweige dann anfassen und langsam machte es mich wirklich fertig, wie sollte ich das alles nur überstehen?
Ich schob den Gedanken beiseite und legte das Bild links neben mich auf den Schreibtisch, denn das würde nicht mehr in der Schublade verschwinden, denn das würde einen ganz besonderen Platz bekommen in Zukunft.


Es folgten einige Bilder von Kevin, in denen ich mich fragte auf was er da eigentlich drauf war, aber auch noch einige sehr schöne Bilder, an deren Momente als sie entstanden sind ich mich gerne erinnerte.
Als ich dann an dem letzten Bild angekommen war, blickte ich zweimal hin, um wirklich sicher zu gehen, dass das was ich glaubte gesehen zu haben, da auch wirklich drauf ist, aber das war es.
Ich war tatsächlich im Besitz eines Bildes indem Kevin nur in Boxershorts zu sehen war.
Er war verschlafen, vielleicht aber auch einfach müde, weil er noch nicht geschlafen hatte, das konnte ich nicht genau erkennen, aber er war so verdammt heiß und trug so verdammt wenig.
Durch die zahlreichen Jahre im Tourbus war auch ich irgendwann in den Genuss gekommen den Rest zu sehen, den Kevin auf dem Bild durch seine Shorts verdeckte und ich musste erneut grinsen.
Ein dreckiges, schelmisches Grinsen, denn ich wusste, dass Kevin verdammt gut bestückt war und ich mit seinem Schwanz in meinem Arsch wahrscheinlich verdammt viel Spaß haben würde.
Ich griff nach meinen Zigaretten, ohne den Blick von dem Bild zu nehmen und zündete mir davon eine an, bevor ich die Packung samt Feuerzeug wieder blind neben mich auf den Schreibtisch legte und unentwegt auf das Bild von Kevin starrte.
Viel zu oft hatte ich darüber nachgedacht wie es wäre mit ihm zu vögeln, aber ich konnte es mir nur vorstellen, einfach weil mir der Mut fehlte es ihm zu sagen oder ihn zu fragen, ob er mit mir vögeln würde, vielleicht hätte er ja sogar ja gesagt.
Andererseits hätte er mich aber auch für komplett bescheuert halten können.


In dem Fall hätte er mich wahrscheinlich zum Teufel gejagt und davor hatte ich Angst, das wäre das Schlimmste, was mir passieren konnte und das wäre wahrscheinlich noch viel schmerzhafter als jetzt.
Dann hatte Elvis sogar vermutlich recht, dann würde ich von der nächsten Brücke springen, aber dann wegen Kevin und nicht wegen Heidi.
Auch diesen Gedanken schob ich beiseite und fragte mich, wie es wohl wäre Kevin zu küssen, ihn zu berühren, vielleicht über seine Brust und seinen Bauch zu streicheln.
Wenn er es zulassen würde, auch tiefer, über seinen Schwanz zu streicheln und vielleicht dann sogar zu spüren wie er unter meinen Berührungen hart wurde, das würde mir definitiv gefallen und dann wäre der erste Schritt getan und ich würde den Rest einfach dem Zufall überlassen, denn ich war sicher, dass wir dann auch vögeln würden.
Wenn ich einmal so weit gekommen wäre, dann würde es für uns beide kein Zurück mehr geben.
Erst als es an meinen Fingern heiß wurde, bemerkte ich, dass die Zigarette in meiner Hand schon bis zum Filter abgebrannt war und ich sie nicht wirklich geraucht hatte.
Aber eben auch, das die andere Hand über meinen Schwanz streichelte, der langsam Platzprobleme in meiner Hose bekam, weil er sich bei dem Gedanken an Kevin der vollen Länge nach aufgestellt hatte.
Im ersten Augenblick war mir das echt unangenehm, aber dann realisierte ich, dass überhaupt niemand zu Hause war und ich alles tun konnte, ohne aufzufliegen.


Erneut legte sich ein schelmisches Grinsen auf meine Lippen, als ich begann meine Hose aufzuknöpfen und sie mir auch gleich vom Arsch zog, nachdem ich kurz aufgestanden war.
Mit den Füßen trat ich sie runter und schlussendlich aus, bevor ich ihr einen Tritt gab, damit sie mir nicht im Weg lag und ließ mich dann wieder auf meinen Stuhl sinken.
Sofort streichelte ich mit meiner Hand erneut über meinen Schwanz und diesmal war nur noch die Shorts dazwischen.
Fast schon automatisch drückte ich mich meiner Hand entgegen und konnte ein leises Stöhnen nicht unterdrücken, als ich mir vorstellte, dass es Kevin´s Hand war, die mich verwöhnte.
Mit flinken Fingern zog ich die Shorts ein Stück runter, sodass ich meinen Schwanz komplett freilegen konnte und nahm diesen dann auch gleich in die Hand, stellte mir dabei vor, wie es Kevin´s Hand oder noch besser sein Mund wäre und alleine bei dem Gedanken konnte ich nicht mehr an mich halten und stöhnte nur noch lauter auf.
Hier würde mich ja auch niemand hören und so konnte ich meinen Gefühlen und meiner Lust endlich freien Lauf lassen.
Ich erhöhte den Griff um meinen Schwanz und begann die Hand auf und ab zu bewegen.
Erst langsam, beschleunigte dann mein Tempo aber relativ schnell, als meine Gedanken dahin wanderten, wo ich auch gerne im Leben sein würde.
Ich stellte mir vor, dass Kevin hinter mir kniete, mich vorbereitete und dann mit seinem Schwanz in mich eindrang.


Ein weiteres tiefes, heiseres Stöhnen folgte, und diesmal auch ein “Kevin“, was sich dort rein geschlichen hatte.
Noch nie hatte ich seinen Namen laut gestöhnt, aber es fühlte sich verdammt gut an und ich spürte, dass es an der Zeit war es endlich raus zu lassen.
Mit jedem Schritt den ich meine Gedanken vertiefte, desto schneller wurde auch meine Hand.
Auch mein Stöhnen wurde immer lauter und meine Atmung immer schneller.
Das es so schnell schon wieder zu Ende sein könnte, war ich von mir selber nicht gewöhnt.
Zugegeben es kam selten vor, das ich mir einen runterholen musste, aber wenn ich es tat, dann brauchte ich in der Regel länger als jetzt.
Kevin schien was das betrifft wirklich ein Naturtalent zu sein und das obwohl er überhaupt nicht anwesend war.
Immer wieder beschleunigte ich mein Tempo und stellte mir dabei vor, die Kevin mich fickte und zusätzlich seine Hand zu meinem Schwanz wandern gelassen, um mich damit noch näher dem Höhepunkt entgegen zu treiben.
Ich erhöhte meine Bewegungen weiter, bis ich alles aus meiner Hand raus holte und das Tempo nicht weiter beschleunigen konnte.
Deutlich spürte ich meinen Schwanz in meiner Hand zucken und wusste, dass ich wohl nicht mehr lange brauchen würde.
Auch meine Atmung hatte sich schon deutlich beschleunigt und kam stoßweise.
Immer wieder stöhnte ich Kevin´s Namen und mit jedem Mal fühlte es sich noch besser an und trieb mich weiter an, meinen Höhepunkt endlich zu erreichen und ich  wusste, dass ich nicht mehr lange brauchen würde.


Ich bündelte noch einmal all meine Kraft in meiner Hand und stellte mir vor, dass auch Kevin in mir unter heftigem Stöhnen zu seinem Höhepunkt kam und sich in mir ergoss.
Alleine dieser Gedanke brachte mich um den Verstand und auch ich kam zu meinem Höhepunkt und ergoss mich unter heftigem Stöhnen und mit Kevin´s Namen auf den Lippen in meiner Hand.
Schwer atmend ließ ich mich in meinem Stuhl zurücksinken und versuchte nicht zu ersticken, denn ich konnte mich nicht daran erinnern je einen so intensiven Orgasmus gehabt zu haben.
Weder wenn ich mir einen runtergeholt habe, noch wenn ich mit einer Frau gevögelt hatte.
Es dauerte eine ganze Zeit, bis ich meine Atmung wieder soweit unter Kontrolle hatte, das ich nicht das Gefühl hatte, dass ich erstickte.
Als das der Fall war beugte ich mich runter und schnappte mir meine Jeans um dort meine Hand abzuwischen, denn ich war jetzt wirklich viel zu faul und zu träge um aufzustehen und die Hände zu waschen.
Anschließend schmiss ich die Hose achtlos wieder neben mich und griff nach meinen Zigaretten von denen ich mir eine weitere anzündete und den Qualm tief inhalierte, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ.
Vollkommen entspannt und mehr als befriedigt lehnte ich mich in meinem Stuhl wieder zurück und zog meine Shorts wieder richtig über, während ich mit einem zufriedenen Grinsen das Bild von Kevin anblickte.
Auch das würde einen besonderen Platz bekommen, denn das konnte mir in Zukunft ganz gewiss noch nützlich sein, immerhin würde ich auch sicher nochmal an Kevin denken und dann hatte ich wenigstens eine Wichsvorlage.


Irgendwie klang das böse zu sagen, dass er als das fungierte, aber mir bleib nun mal auch nichts anderes übrig, wenn ich Kevin schon nicht haben konnte, dann musste es eben so funktionieren.
Nachdem ich meine Zigarette zu Ende geraucht hatte, drückte ich diese im Aschenbecher aus und überlegte kurz, was ich tun sollte, entschied mich dann aber dazu langsam ins Bett zu gehen, denn zu etwas anderem war ich wohl jetzt sowieso nicht mehr in der Lage.
Schlaf konnte ich immer brauchen und da war es wohl auch nicht schlimm, wenn der Tag noch nicht besonders alt war, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie spät es eigentlich war.
Ich packte die restlichen Fotos wieder zurück in meine Schublade und nahm das Bild von Kevin und mir und das Bild von Kevin in Shorts mit in das Schlafzimmer, wo ich mich dann komplett auszog, denn wenn ich nun wieder alleine war, konnte ich auch wieder nackt schlafen.
Die Bilder hatte ich auf das Bett gelegt und die Kleidungsstücke hatte ich da liegen lassen, wo ich sie ausgezogen hatte, wurde Zeit, das ich hier mal wieder eine Männerbude draus machte, denn alles hier hatte sich durch Heidi eher in die weibliche Richtung entwickelt.
Nachdem ich mich ausgezogen hatte, setzte ich mich neben die Bilder auf das Bett und schnappte mir von Heidi´s Bettseite einen Bilderrahmen, wo sich ein Bild von mir befand, was ich raus nahm und es gegen das Bild von Kevin und mir tauschte.
Das Bild von Kevin in Boxershorts steckte ich dahinter, so konnte ich es zwar nicht sehen, aber immer rausholen, wenn ich es mir ansehen wollte.


Vor allem würde ich so wohl auch nicht vergessen, wo ich es hin getan hatte.
Das Bild von mir legte ich in die Nachttischschublade auf meiner Seite und stellte den Bilderrahmen ebenfalls auf den Nachttisch und legte mich dann ins Bett.
Die Decke zog ich über meinen Körper und erinnerte mich an die Ermahnung von Heidi, dass wir im Schlafzimmer nicht mehr rauchten, was mich dazu brachte die Schublade erneut aufzuziehen und mir eine der Zigaretten daraus anzuzünden.
Wer war ich eigentlich, das ich mir etwas in meinem eigenen Haus verbieten ließ?
Sie konnte in ihrem Schlafzimmer ja meinetwegen das Rauchen lassen, aber in meinem Schlafzimmer würde geraucht und das würde ich auch tun.
Ich zog kräftig an der Zigarette und inhalierte den Qualm tief, bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ und die freie Hand unter meinem Kopf verschränkte.
Die Decke rutschte ein Stück runter und legte meine Brust wieder frei, aber auch das störte mich nicht, denn es war ja niemand hier und ich hatte jetzt auch nicht unbedingt einen Körper den ich verstecken musste, auch wenn ich mit Elvis vielleicht nicht konkurrieren konnte, so fand ich mich aber doch noch recht fit und gutaussehend, für das fortgeschrittene Alter, was ich ja nun mal auch schon zu verzeichnen hatte.
Wobei ich mir bis jetzt nie wirklich Gedanken dazu gemacht hatte, denn wieso sollte ich mich über etwas aufregen, was ich sowieso nicht ändern konnte?
Jeder wurde älter, aber es kam ja immer darauf an, was man daraus machte, wenn man sich nicht pflegte und sich hängen ließ, dann sah man das natürlich auch schneller und besser, aber ich hingegen wollte nicht alt und fett werden und wie ein Rentner auf der Couch sitzen und um 22 Uhr ins Bett gehen, weshalb ich hart daran arbeitete so zu sein, wie ich war.


Bis jetzt hatte sich noch keiner darüber beschwert, ganz im Gegenteil, denn Elvis hatte mal gesagt, dass er es gut finden würde, einen so junggebliebenen Vater zu haben, denn mit mir konnte man gewisse Dinge machen, die andere Väter mit ihren Söhnen nicht machten.
Das hatte er damals gesagt, als wir auf einem Festival waren und heute?
Es war schon lange nicht mehr so wie damals, was ich wirklich mehr als schade fand.
Heidi zu verlieren konnte ich irgendwie noch verkraften, aber jetzt auch noch Elvis?
Das war definitiv etwas, woran ich zu knabbern haben würde, wenn er sich wirklich für Heidi und gegen mich entschied.
Momentan könnte man das ja auch einfach noch als jugendlichen Leichtsinn abtun, aber was würde passieren, wenn es drauf ankam?
Würde er sich dann wirklich gegen seinen Vater stellen, wegen einer Frau?
Ich hatte ihm was anderes beigebracht, aber bekanntlich machten die Kinder in dem Alter ja ohnehin was sie wollten und Elvis war da wohl keine Ausnahme.
Schließlich hatten Tanja sowie auch Heidi und ich immer darauf geachtet ihn so normal wie möglich zu erziehen, dass er keine größeren Vorteile davon hatte, dass ich berühmt war, oder eben auch mehr Geld verdiente, als manch ein anderer in seiner Schule oder seinem Freundeskreis.
Natürlich ließ sich das auch nicht immer vermeiden, aber wir bemühten uns zumindest.
Auch wenn er mehr Freiheiten hatte und wahrscheinlich auch mehr Geld, denn davon bekam er wahrscheinlich auch mehr als andere in seinem Alter.


Ich seufzte und drückte dann die Zigarette im Aschenbecher aus und stellte diesen rüber auf den Nachttisch.
Es war wirklich kein schöner Gedanke mir vorzustellen, meinen Sohn an eine Frau zu verlieren, aber Blut war ja bekanntlich dicker als Wasser und Elvis noch jung.
Wahrscheinlich würde er irgendwann dann auch merken, dass Heidi keine Frau war, mit der man bis an sein Lebensende zusammen ist und dann würde er wahrscheinlich wieder zurück kommen.
Zumindest ging ich davon aus, dass er wirklich mit Heidi ausziehen würde, wenn er alt genug war.
Davon mal abgesehen wusste ich aber nicht, ob ich das noch solange aushalten würde.
Die beiden waren nicht besonders vorsichtig und vielleicht wollten sie auch erwischt werden um die Trennung von mir leichter zu gestalten, ich hatte keine Ahnung, aber früher oder später musste es mal auffallen und spätestens dann war es sowieso vorbei.
Wenn die beiden so weitermachten, dann würde das passieren noch bevor Elvis volljährig war.
In einem Punkt hatten die beiden Recht, ich konnte ihm dann verbieten sich mit Heidi zu treffen und auch, dass er mit ihr zusammenzieht, aber was er machte wenn ich nicht da war, konnte ich nicht kontrollieren und da hatte er genug Zeit sich mit ihr zu treffen, wenn es ihm wirklich so ernst war.
Davon mal abgesehen ging ich auch nicht davon aus, dass er sich das überhaupt noch verbieten lassen würde und wahrscheinlich würde es ihn nicht interessieren und er würde sich mit ihr treffen, auch wenn ich es ihm verbieten würde.


Ich konnte ihn nun mal nicht immer beobachten und konnte ihm auch nicht auf Schritt und Tritt verfolgen, was ich aber auch bei einem Kerl von seinem Alter eigentlich nicht erwartete, denn er sollte doch eigentlich alt genug zu sein, um selber zu merken was richtig und falsch war.
Seufzend drehte ich mich auf die Seite und schaltete das Licht aus, bevor ich mich wieder auf den Rücken drehte und meinen Augen ein bisschen Zeit gab sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
Ich blickte mich im Raum um und schloss dann doch wieder die Augen, denn mir jetzt schon über Dinge Gedanken zu machen, die noch nicht passiert sind, war auch sinnlos, denn meistens kam es ja doch anders als man es jetzt plante.
Stattdessen sollte ich mir überlegen, wie ich die nächsten Tage gestaltete, oder wann ich es nochmal in der Klinik versuchen würde, denn auch das war ein Thema über das ich nachdenken sollte.
Irgendwann würde der Tag kommen, an dem ich Kevin wiedersehen konnte und dann war die große Frage was ich ihm sagen sollte.
Würde es so sein wie immer oder würde es eher so sein wie fremde, die sich nie zuvor begegnet sind?
Ich hatte Angst davor und zwar wirklich Angst, dass Kevin nichts mehr mit mir zu tun haben wollte.
Irgendwie musste ich dann wohl damit klar kommen, aber noch hatte ich Hoffnung, dass es vielleicht irgendwie doch wieder so sein könnte, wie es mal war.
Ich seufzte und schob auch den Gedanken beiseite und versuchte zu schlafen.
Irgendwann gelang es mir dann auch endlich, mich von meinen Gedanken zu befreien und ich verfiel in einen ruhigen und mehr als erholsamen Schlaf.


4 Tage später

Über das Wochenende ist nicht mehr sehr viel passiert.
Samstags bin ich nach Deutschland geflogen um mir ein Spiel von der Eintracht anzusehen.
Endlich wieder Stadion, ich konnte es wirklich sehr genießen und hatte eine Menge Spaß, vor allem wo ich in der Kurve viele alte Gesichter getroffen hatte, die ich von damals noch kannte und mit denen anschließend noch ein Bierchen trinken war.
Sonntag bin ich dann mit dem ersten Flug wieder zurück nach Ibiza geflogen und habe den halben Tag geschlafen und den Rest des Tages damit zugebracht mich zu langweilen und ein Buch zu lesen, was ich schon mehrmals gelesen hatte, aber es immer wieder gut ist und ich es gerne las.
Samstag hatte ich dann nach langer Zeit auch mal wieder was gegessen und das nicht gerade wenig und schaffte es seitdem dann auch wieder regelmäßig zu essen, wenn auch nur kleine Portionen.
Montag hatte ich dann auch etwas länger geschlafen und auf die Rückkehr von Heidi und Elvis gewartet, wobei die beiden auch erst gegen Abend wiederkamen und da saß ich mal wieder in meinem Arbeitszimmer und hing meinen Gedanken nach, sodass ich keine Ahnung hatte, was die beiden unten noch gemacht haben und ob sie da weitergemacht haben, wo sie notgedrungen im Hotel aufhören mussten.
Allerdings war mir nicht entgangen, dass sie beide verdammt gute Laune hatten, sodass ich davon ausging, dass ihr Wochenende ein voller Erfolg war.
An dem Abend schlief ich erst in meinem Arbeitszimmer und ging dann erst später ins Bett, als ich sicher sein konnte, dass Heidi schlief.


Das Bild von Kevin und mir allerdings hatte ich nicht weggeräumt und würde es auch da stehen lassen.
Ich war wirklich sehr gespannt, ob Heidi das merken würde und ob sie dazu etwas sagte.
Zumindest ging ich davon aus, dass ihr auffallen sollte, dass ich unser Bild durch eines von Kevin und mir ersetzt hatte.
Auch wenn der Bilderrahmen von unserem Bild kaputt war, so hatte ich mit dem Bild auf ihrer Seite ja schnell einen neuen gefunden und spätestens da sollte ihr auffallen, dass etwas anders war.
Wobei ja auch die Frage war wie oft sie mich wirklich noch ansah und vor allem wie oft sie auf dieses Bild achtete, was wahrscheinlich mehr Dekoration war, als das sie es wirklich ansah.
Aber mir sollte es im Endeffekt auch egal sein, denn bald hatte sich das Thema Heidi sowieso erledigt und dann konnte Elvis sich meinetwegen mit ihr rum schlagen, wenn er das für richtig hielt, aber ich wollte dann mit ihr nichts mehr zu tun haben.
Wobei ich dann ja auch erst noch abwarten musste, ob das Kind von mir war, wenn sie wirklich schwanger war.
Sollte das der Fall sein, dann würde ich alles dran setzen, dass ich das Kind dann zu mir nehmen konnte und wenn es sein musste, dann würde ich es auch alleine groß ziehen, das bekam ich auch hin, immerhin habe ich mich ja auch um Elvis gekümmert und ihn auch eine ganze Weile alleine groß gezogen und so schlecht ist er mir ja auch gar nicht gelungen.


Als ich an diesem Morgen wach wurde, war die andere Hälfte des Bettes erneut leer.
Aber das wunderte mich auch nicht wirklich, denn Heidi war wahrscheinlich mit Elvis unterwegs, beschäftigt oder was auch immer, sollte mich nicht jucken.
Mit einer flüssigen Bewegung schwang ich meine Beine aus dem Bett und sortierte die mittlerweile doch wieder länger gewordenen Haare auf meinem Kopf, damit sie mir nicht mehr ins Gesicht fielen und stand auf.
Diese Nacht hatte ich wieder in Boxershorts geschlafen, da Heidi nun ja wieder da war.
Eine totale Umstellung, wenn man die Nächte davor so schön nackt schlafen konnte und so ziemlich seinem ganzen Körper Freiraum bieten konnte.
Aber es war ja auch nicht mehr lange, dann war Heidi Geschichte und ich konnte wieder nackt schlafen und solange würde ich es jetzt auch noch aushalten.
Ich fuhr mir erneut mit der Hand durch die Haare und machte mich auf den Weg in die Küche, denn heute wollte ich nochmal versuchen an Kevin zu kommen.
Dazu musste ich aber erst mal herausfinden, was Elvis und Heidi trieben.
Allerdings war es in der Küche und auch im Wohnzimmer verdächtig still und ich fragte mich, ob die beiden vielleicht überhaupt nicht da waren.
Als ich in die Küche kam, wurde diese unausgesprochene Frage beantwortet, denn vor der Kaffeemaschine hatte Heidi einen Zettel hinterlegt.
Um den würde ich mich später kümmern, denn jetzt brauchte ich erst einmal einen Kaffee.
Ich schaltete die Maschine ein nachdem ich eine Tasse darunter gestellt hatte und wartete das diese sich füllte.
Als das der Fall war ging ich samt Tasse und Zettel an den Küchentisch, setzte mich dort hin und zündete eine Zigarette an.


Nach den ersten Schlucken fühlte ich mich gleich wacher und beflügelt von der Tatsache, dass ich heute vielleicht endlich Kevin sehen konnte, nahm ich den Zettel zur Hand und las die Zeilen von Heidi.

`Wunderschönen guten Morgen mein Liebling,

ich hoffe du hast so süß geschlafen wie es aussah ;)
Wollte dich nicht wecken und habe mich entschieden alleine zum Arzt zu gehen.
Elvis ist in der Stadt, wir wollten später noch ein Eis essen gehen :)

Wünsche Dir einen schönen Morgen und freue mich später auf dich.
Ich liebe dich

Heidi´

Ich schnaubte verächtlich, denn das was sie da geschrieben hatte, war doch von vorne bis hinten gelogen.
Sie war mit Elvis beim Arzt und ja vielleicht würden sie danach noch ein Eis essen gehen, aber sie hatte Elvis mir vorgezogen und das obwohl ich auch der Vater sein könnte, wenn sie wirklich schwanger war.
Ein weiterer Schlag in die Fresse, aber auch den nahm ich hin und trank stattdessen meinen Kaffee.
Nun war ich wirklich gespannt, was bei dem Arztbesuch rauskam.


Nachdem ich meinen Kaffee dann zu Ende getrunken hatte, entschied ich mich dagegen einen weiteren zu trinken und wollte mich erst einmal fertig machen.
Kaffee konnte ich auch noch trinken wenn ich von Kevin zurück war aber solange ich nicht zu ihm kam würde ich auch immer noch nichts neues wissen und das war mir jetzt definitiv lieber.
Also ging ich ins Schlafzimmer, suchte dort meine Sachen zusammen, die ich heute tragen wollte und ging damit ins Bad, wo ich mich auch gleich meinen Shorts entledigte, meine Haare hochband, denn die brauchte ich heute noch nicht waschen und das würde mich nur unnötig aufhalten und stieg dann unter die Dusche.
Ich schob den Duschkopf beiseite und erst als das Wasser angenehm warm war, schob ich es über meinen Kopf.
Mit meiner Hand streichelte ich über meine Brust und meinen Bauch und als ich dann erneut an Kevin dachte, spürte ich diesmal deutlich, dass sich in der unteren Region meines Körpers etwas tat.
Mit aller Mühe und einem enttäuschten Seufzen versuchte ich den Gedanken zu verdrängen, denn ich konnte jetzt nicht schon wieder Hand anlegen, zumal ich doch auch endlich zu Kevin wollte und ließ es deswegen bleiben und Seifte meinen Körper ein.
Anschließend spülte ich das alles ab und stieg aus der Dusche, wo ich mich dann auch gleich in ein Handtuch wickelte.
Wenn ich könnte würde ich nackt gehen, denn wirklich Lust hatte ich keine mich fertig zu machen, aber um endlich zu Kevin zu kommen nahm ich das in Kauf und trocknete mich ab, bevor ich mich anzog und alles weitere erledigte, was eben so im Bad anfiel.


Nachdem auch das erledigt war, führte mich mein nächster Weg in direkt in den Flur und nicht wie ich eigentlich gedacht hätte in die Küche für einen weiteren Kaffee.
Dort zog ich meine Boots und meine Jacke an und machte mich nachdem ich mir den Schlüssel geschnappt hatte auch gleich auf den Weg zu meinem Auto.
Vielleicht war es auch ganz gut, dass Heidi und Elvis gerade nicht da waren, denn so konnte ich ja überall gewesen sein und musste den beiden nicht unbedingt die Wahrheit sagen, denn ich fürchtete, dass es zu offensichtlich wurde, wenn ich jeden Tag oder so kurz hintereinander bei Kevin in der Klinik auf der Matte stand.
Da waren unangenehme Fragen vorprogrammiert und da hatte ich nun wirklich keine Lust drauf, denn ich war ja auch immer noch ein erwachsener Mann und konnte tun und lassen was ich wollte.
Kaum hatte ich mein Auto erreicht schloss ich es auf und ließ mich hinter das Lenkrad fallen.
Ein schönes Gefühl erneut hier zu sein und das obwohl das letzte Mal noch gar nicht so lange her war.
Ich ließ meine Hand sinken und startete den Motor, bevor ich mich dann auf den Weg in die Klinik machte.
Lange musste ich auch diesmal nicht fahren, da hatte ich sie schon erreicht und konnte meinen Wagen sogar auf dem gleichen Parkplatz abstellen wie bei meinem ersten Besuch.
Hier schienen wirklich nicht sehr viele Leute zu Besuch zu kommen, wobei das wohl auch nicht unbedingt ein Ort war, an dem man seine Nachmittage verbrachte, wenn es nicht gerade notwendig war.
Niemand mochte Kliniken und auch wenn es hier nicht so aussah, war es eine.


Seufzend stieg ich dann aus meinem Auto aus, denn ich hatte auch heute nicht viel Hoffnung, dass ich zu Kevin kommen konnte.
Wahrscheinlich würde ich mal wieder an der Empfangsdame oder dem Arzt scheitern.
Ich hörte ihn jetzt schon sagen, dass es noch zu früh sei und ich doch erst vor ein paar Tagen da gewesen wäre und das es so schnell nicht gehen würde.
Vor allem aber das ich Geduld haben musste, denn wie lange es genau dauern würde, könnte er mir auch nicht sagen.
Zum guten Schluss würde er mich dann wahrscheinlich nach meiner Nummer fragen, damit er mich anrufen konnte, wenn sich etwas geändert hätte, damit ich nicht jeden Tag in die Klinik kommen bräuchte.
Auf den ersten Blick eine nett gemeinte Geste, aber wenn man sich dann vor Augen hielt, dass diese lediglich darauf abzielte die Leute auf diese Art und Weise von der Klinik fern zu halten, war das gar nicht mehr so nett.
Über diesen Gedanken schüttelte ich den Kopf und hoffte, dass es nicht soweit kommen würde und es einen anderen, besseren Verlauf nehmen würde, weswegen ich dann auch die Klinik betrat.
Mein Blick schweifte durch die Eingangshalle und ich konnte am Empfang meine Freundin wieder sitzen sehen, zu der ich auch gleich breit grinsend ging.
,,Wunderschönen guten Tag, junge Dame. Wenn ich das nächste Mal vorbei komme, werde ich Ihnen ein paar Blumen mitbringen, so macht man das doch beim dritten Treffen, oder? Kleine Aufmerksamkeiten erhöhen die Chancen.“, grinste ich frech und war mir sicher, dass sie es genauso wenig ernst auffasste, wie ich es gesagt hatte.


Aber ich musste mir den Spaß mit ihr einfach gönnen, denn sie forderte mich indirekt dazu heraus.
,,Herr Weidner, wieder die gleiche Leier wie Freitag?“
,,Nein, eigentlich nicht, aber das liegt ganz bei Ihnen. Wenn Sie mir gleich den Doc rufen nicht, andernfalls... schon.“
,,Herr Weidner, ich bin sicher das Doktor Weiß Ihnen mitgeteilt hat, dass es nicht unbedingt förderlich für die Heilung der Patienten ist, wenn Sie jeden Tag hier auf der Matte stehen und sich erkundigen. Immerhin ist das wertvolle Therapiezeit, die sie den Patienten auf diese Art und Weise nehmen.“, sagte sie in scharfem Ton und ich nickte.
,,Stimmt, da haben Sie vollkommen Recht, aber leider nehmen Sie mir auch wertvolle Lebenszeit, wenn Sie hier mit mir unnötig diskutieren, also würden Sie uns beiden einen Gefallen tun, wenn Sie jetzt die Freundlichkeit besitzen würden, den Arzt zu kontaktieren, damit der weiß, dass ich da bin, denn es war mit ihm abgesprochen, dass ich heute nochmal herkomme.“, sagte ich dann auch etwas schärfer, denn langsam konnte auch ich mich nicht mehr so freundlich geben wie ich sonst war.
Was bildete die Olle sich denn ein?
Nur weil sie ein paar Jahre älter war als ich musste sie mich doch nicht behandeln als hätte ich keine Ahnung von dem was ich tue.
Wenn ihr mein Gesicht nicht passt, dann soll sie da arbeiten, wo sie keinem in die Augen blicken muss, aber doch nicht an einem Empfang in einer Klinik wo viele Leute ein und aus gehen.
Seufzend schüttelte ich den Kopf und beruhigte mich wieder.


Es hatte doch eh keinen Sinn sich darüber aufzuregen, denn solche Leute würde man wohl nie ändern können.
Sie grummelte erneut etwas in ihren nicht vorhandenen Bart und piepste dann aber doch den Arzt auch wieder an.
,,Doktor Weiß wird gleich zu Ihnen kommen.“, sagte sie und ich nickte.
,,Danke und beim nächsten Mal wäre es sehr freundlich, wenn Sie das gleich tun würden, denn dafür werden Sie ja auch schließlich bezahlt. Jetzt wünsche ich Ihnen noch einen guten Tag. Ach und kleiner Tipp, wenn Sie die Leute schon beobachten, dann rate ich Ihnen es nicht zu auffällig zu tun, das könnte man falsch verstehen.“, sagte ich, zwinkerte ihr nochmal zu mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen und ging dann zu den Sesseln noch bevor sie etwas sagen konnte und ließ mich dort nieder.
Selbst aus dieser Entfernung konnte ich erkennen, dass sie deutlich rot um die Nase geworden war und vor allem verschämt wegblickte, als ich sie ansah.
Scheinbar hatte es funktioniert, was mich dann doch grinsen ließ.
Gerade als ich nachsehen wollte ob es eine neue Zeitschrift auf dem Tisch vor mir gab, sah ich auch schon wie Doktor Weiß auch mich zukam.
,,Herr Weidner, schön Sie wieder in unserem Haus begrüßen zu dürfen.“, sagte er und blickte kurz nach draußen, als wolle er erneut in den Park gehen und seufzte dann, bevor er sich mir wieder zuwandte.
Auch mir war nicht entgangen, dass es angefangen hatte zu regnen und deshalb war ein kleiner Ausflug in den Park heute wohl nicht möglich.
,,Ich freue mich auch wieder hier zu sein, aber noch mehr würde ich mich freuen, wenn Sie mir etwas neues über Kevin berichten könnten.


,,Nun, das würde ich sehr gerne, aber leider sind wir noch nicht viel weiter als letzte Woche, weshalb ich Ihnen leider noch nichts neues sagen kann. Aber Sie können auch gerne Ihre Telefonnummer hinterlassen, dann würden wir uns bei Ihnen melden, sobald es etwas neues gibt, worüber wir Sie informieren können. Dann brauchen Sie nicht den ganzen Weg hier her zu fahren und brauchen sich dann auch nicht die Enttäuschung abholen, wenn ich Ihnen leider noch nichts neues sagen kann.“
,,Aber ich will doch nur wissen, wie es ihm geht.“
,,Das kann ich Ihnen leider nicht genau sagen. Ich würde sagen den Umständen entsprechend.“
,,Heißt was genau?“, fragte ich und spürte deutlich, dass ich immer ungehaltener wurde, denn das was die hier machten, das konnte doch nicht normal sein.
,,Herr Weidner, ich kann verstehen das Sie aufgebracht und aufgewühlt sind, aber ich appelliere an Ihren Verstand, das Sie sich noch ein wenig gedulden müssen. Sobald wir in der entsprechenden Phase sind, werden Sie auch die Möglichkeit haben Herrn Russell zu sehen, wenn er das wünscht.“, sagte der Doc mit Nachdruck und ich seufzte, legte mir in meinem Kopf die Worte zurecht, denn ich wollte auch nicht zu unfreundlich werden und riskieren, dass sie mich nachher hier überhaupt nicht mehr reinließen.
Dennoch versuchte ich meine Emotionen unter Kontrolle zu bekommen und so ruhig wie möglich zu antworten.
Doch in dem Moment entschied wohl das Schicksal anders und ich erblickte Kevin, der in Begleitung eines Pflegers durch das Gebäude ging.
,,Tut mir leid Doc.“, sagte ich an den Arzt gewandt und sprintete auch gleich los.


,,Kevin!“, rief ich ihm zu und tatsächlich hatte er mich gehört, denn er blieb stehen und sah sich verwirrt um.
Erst im zweiten Augenblick sah er mich und vielleicht bildete ich es mir auch nur ein, aber es wirkte so, als würde sich sein Gesicht gleich aufhellen.
,,Stephan?“, fragte er ungläubig und ich nickte, als ich vor den beiden zu stehen kam.
,,Herr Weidner, es ist Ihnen nicht gestattet Herrn Russell zu besuchen. Soweit ich in Kenntnis gesetzt worden bin, hat sie Doktor Weiß doch ausführlich darüber informiert.
,,Ja, aber..“, begann ich doch eine Geste von Kevin´s Hand ließ mich zum schweigen bringen.
,,Das ist schon okay, Paul. Gib uns ein paar Minuten, ja? Wir haben ja noch etwas Zeit.“, sagte Kevin an den Pfleger gewandt und dieser nickte, bevor er uns alleine ließ und sich ein bisschen abseits von uns positionierte.
,,Man du wirst hier ja besser beschützt als in einem Hochsicherheitsgefängnis.“, sagte ich grinsend in der Hoffnung so die Stimmung etwas auflockern zu können.
,,Ja das stimmt, aber so sind die Vorschriften hier.“, sagte er und ich nickte.
,,Du siehst gut aus. Geht es dir auch so gut?“, fragte ich vorsichtig und war wirklich überrascht, wie Kevin aussah.
Er wirkte wirklich sehr gefestigt und sah auch verdammt gut aus, kaum noch eine Spur von dem was wir noch vor wenigen Wochen sehen mussten, ganz im Gegenteil, er sah erholt aus wie nach einem Urlaub und hatte sogar etwas abgenommen.
,,Ja, mir geht es soweit gut. Die Therapie ist verdammt hart, aber nichts, was ich nicht schon kennen würde. Der Doc sagt aber ich mache gute Fortschritte.“


,,Das freut mich wirklich. Wir müssen uns unbedingt unterhalten sobald wir etwas mehr Zeit haben. Mir ist in den letzten Wochen einiges klar geworden.“, platzte ich raus und Kevin nickte nach einem kurzen Zögern.
,,Können wir machen. Ich werde mit dem Doc reden, dass er vielleicht bei dir eine Ausnahme macht, damit wir mal in Ruhe reden können, scheint dir ja auf der Seele zu brennen.“
Am liebsten hätte ich ihm gesagt, dass mir noch viel mehr auf der Seele brennt als nur die Erkenntnis das wir an seinem Zustand Schuld waren, aber ich blieb stumm.
,,Dir scheint es aber nicht so gut zu gehen, was?“, fragte Kevin dann grinsend und ich blickte ihn verwirrt an.
,,Wieso? Wie kommst du darauf?“
Kevin grinste weiter und streichelte mit seiner Hand durch meine Haare, eine Geste die mich für einen Moment genüsslich die Augen schließen ließ, aber auch genauso schnell wieder aufreißen ließ, als mir klar wurde, dass ich nicht so offensichtlich sein sollte.
,,Du solltest nochmal zum Friseur gehen. Deine Haare sind wieder ordentlich lang geworden. Mir gefielen die Schulterlangen besser.“, sagte er und ließ seine Hand wieder sinken.
,,Mal schauen was ich machen kann bis zu unserem nächsten Treffen.“
,,Du bist und bleibst eben ein Idiot. Du sollst so rumlaufen, wie es dir gefällt und nicht wie andere es von dir verlangen. Mach das, was dich glücklich macht.“
,,Ich weiß, das werde ich auch weiterhin tun, deswegen werde ich erst einmal drüber nachdenken und du kannst dich überraschen lassen, was ich draus mache.“


,,Damit bin ich einverstanden. Immerhin musst du den Blick in den Spiegel ja auch ertragen können.“, grinste Kevin und zwinkerte mir zu.
,,Keine Sorge, das kann ich schon noch.“, log ich, denn es fiel mir jetzt schon schwer noch in den Spiegel zu sehen, weil ich ein mehr als schlechtes Gewissen hatte.
,,Herr Russell? Wir müssen langsam weiter.“, meldete sich der Pfleger erneut zu Wort und Kevin nickte.
,,Hast du immer noch deine alte Handynummer?“, fragte Kevin dann an mich gewandt und ich nickte.
,,Ja, die habe ich nicht geändert.“
,,Dann rede ich mit dem Arzt und sobald du mich besuchen kannst, melde ich mich bei dir und dann können wir in Ruhe reden.“
,,Ich würde mich freuen.“, sagte ich zögernd und Kevin nickte.
,,Ich freue mich auch.“, sagte er und klopfte mir dann nochmal gegen die Schulter, bevor er an mir vorbei zu dem Pfleger ging und kurze Zeit später mit ihm aus meinem Sichtfeld verschwand.
Ich wusste nicht, ob ich es mir eingebildet hatte, oder ob es ihm wirklich schwer fiel zu gehen, aber den Eindruck hatte ich auf jeden Fall.
Noch eine ganze Weile blieb ich stehen und reflektierte das, was ich gerade mit Kevin erlebt hatte.
Irgendwie hatte es mir einen besonderen Schub gegeben und ich fühlte mich so wahnsinnig besser als vorher noch.
Vielleicht hatte ich das Treffen mit Kevin einfach gebraucht um neue Kraft zu schöpfen, denn ich hatte das Gefühl, dass genau die jetzt durch meinen Körper strömte, wie Strom durch eine Leitung.


Unsichtbar und doch so mächtig, um so ziemlich alles zu schaffen und gleiches Gefühl hatte ich auch gerade.
Egal was es war und was noch kommen würde, ich hatte das Gefühl alles schaffen zu können, wie beflügelt von der kurzen Unterhaltung mit Kevin.
Mit einem mehr als breiten grinsen und unglaublich guter Laune ging ich dann zurück zu dem Arzt, der immer noch da stand, wo ich ihn stehen gelassen hatte und vorwurfsvoll den Kopf schüttelte.
,,Herr Weidner, Ihr Verhalten ist nicht tragbar für uns und wir müssen uns ernsthaft überlegen, ob es noch so gut ist, das sie weiterhin diese Klinik besuchen, denn das was Sie gemacht haben, stellt einen deutlichen Verstoß gegen unsere Therapieregeln da und kann unter Umständen Herr Russell gefährden, was sicher nicht in ihrem Interesse ist, oder?“, sagte er, nachdem ich vor ihm wieder zum stehen kam.
,,Das weiß ich, Doc und ich kann auch verstehen, dass sie das nicht gut gefunden haben, ich aber schon. Ich glaube, dass es genau das ist, was Kevin gebraucht hat und was ihm die nötige Kraft gegeben hat um das alles durchzustehen. Warten Sie nur ab. Mich aus der Klinik zu werfen oder mich hier zu verweisen ist wirklich nicht nötig. Ich gehe freiwillig, denn ich habe jetzt, was ich wollte. Danke Doc. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und bin sicher, dass wir uns die Tage nochmal sprechen werden und sie dann merken, dass ich recht hatte und das es Kevin nicht geschadet hat, sondern eher im Gegenteil ihm geholfen hat.“, sagte ich und der Arzt nickte immer noch nicht wirklich begeistert.
,,Wir werden sehen, Herr Weidner. Ihnen auch noch einen schönen Tag.“


,,Dankeschön und bis die Tage.“, sagte ich mit mehr als guter Laune und verließ die Klinik, allerdings nicht, ohne meiner Freundin im Empfang nochmal zuzuwinken, was sie erneut errötet wegsehen ließ.
Grinsend und mit wirklich verdammt guter Laune ging ich zu meinem Auto und in dem Moment machte es mir nicht mal was aus, dass es immer noch regnete.
Meine Schulter kribbelte immer noch von Kevin´s Berührung und ich hatte das Gefühl das der Regen das nur noch verstärkte.
Immer noch grinsend schloss ich meinen Wagen auf und ließ mich erneut hinter das Lenkrad fallen, bevor ich die Türe schloss und mich gegen den Sitz lehnte.
Kevin hatte mir wirklich verdammt gut getan und auch wenn ich nicht damit gerechnet hätte, dass mir eine kleine Begegnung mit ihm so viel geben könnte, so wurde ich mal wieder eines besseren belehrt.
Ich war wirklich froh, dass ich Kevin getroffen hatte und sah viele Dinge nun viel klarer.
Auch von Heidi und Elvis würde ich mir nicht mehr so auf der Nase herum tanzen lassen und das würden die beiden spätestens merken, wenn ich gleich wieder zu Hause war.
Ja, das würde ein wahnsinniges Donnerwetter geben und ich musste wirklich mehr als dumm sein, dass ich so lange geschwiegen hatte.
Wenn meine aktuelle Freundin glaubte sie müsse mit meinem Sohn vögeln, dann sollte sie das tun, aber dann nicht unter meinem Dach.
Elvis war fast volljährig und ihm konnte ich es genauso wenig wie ihr verbieten, aber so würde es nicht mehr laufen und dafür würde ich sorgen.
Dann sollten die beiden eben zusammen sein, das war mir egal, aber ich würde es nicht mehr tolerieren und stillschweigend hinnehmen.


Wild entschlossen startete ich den Motor und machte mich auch gleich auf den Weg nach Hause, um dort, was ich schon längst hätte machen sollen, aufzuräumen und mich von den alten Lasten zu befreien.
,,Danke Kevin.“, flüsterte ich kurz bevor ich meinen Wagen in der Auffahrt hielt und auch wenn er es nicht hören würde und wahrscheinlich nie erfahren würde, wie sehr er mir geholfen hatte, mit dieser kleinen Begegnung, so wusste ich, dass ich ihm das zu verdanken hatte.
Ich wusste, dass ich nun genauso stark sein musste wie er und ich wusste, dass er es auch schaffen würde.
Kevin machte seinen Entzug und ich hatte es in seinen Augen gesehen, da war eine Entschlossenheit, die ich vorher so schmerzlich vermisst hatte.
Diesmal wollte Kevin den Entzug und nicht wir.
Er hatte sich klar für diese Therapie entschieden, endlich eingesehen, dass er sein Leben so wegwarf und das er nicht mehr lange davon haben würde, wenn er so weitermachte wie bisher und ich spürte deutlich, dass er es verstanden hatte.
Das er es diesmal nicht machte, weil ihn wieder einer von uns in eine Klinik geschleppt oder ihn in seinen Keller gesperrt hatte.
Nein, diesmal war es Kevin´s Entscheidung und sein freier Wille und das strahlte er aus, was auf mich abfärbte.
Er hatte eingesehen, das sich was ändern musste und ich hatte es auch, dank Kevin.
Ich atmete noch einmal tief auf und stellte dann den Motor ab, bevor ich ausstieg und das Auto abschloss.


Mit gemächlichen Schritten ging ich zur Haustüre, denn ich wollte, dass das was nun folgte nicht zu schnell vorbei war, denn ich wollte den Triumph endlich wieder klar denken und handeln zu können voll und ganz auskosten und einen neuen Abschnitt meines Lebens beginnen.
Mit einem Lächeln auf den Lippen schloss ich die Türe auf und ging hinein, hörte deutlich Geräusche aus dem Wohnzimmer und ging davon aus, dass Elvis und Heidi sich darin befanden, weswegen ich auch gleich dorthin ging.
Tatsächlich saßen die beiden auf der Couch und Heidi stand auch gleich auf, als ich den Raum betrat, was Elvis mit einem kaum hörbaren Knurren zur Kenntnis nahm.
,,Liebling, da bist du ja. Wo warst du denn solange?“
,,Das geht dich nichts an.“, sagte ich kalt und Heidi und auch Elvis blickten mich überrascht an.
,,Ich gebe euch beiden jetzt genau 30 Minuten um das zusammen zu packen, was euch wichtig ist und dann habt ihr BEIDE mein Haus verlassen!“, sagte ich mit Nachdruck, aber immer noch ruhig.
,,Dad? Was schiebst du denn für Filme?“, fragte Elvis und stand ebenfalls auf.
,,Man, die Drogen die du genommen hast, will ich auch.“, redete er weiter und ich schüttelte den Kopf.
,,Deine Zeit läuft. Ich an deiner Stelle würde sie nicht mit irgendwelchen dummen Sprüchen vergeuden, sondern lieber deine Sachen packen, damit du das was dir lieb und teuer ist noch retten kannst.“
,,Was geht, Dad?“
,,Oh, jetzt sind es nur noch 29 Minuten.“, sagte ich und Elvis schüttelte unverständlich den Kopf, ging dann aber doch nach oben und ließ Heidi und mich alleine, was mich dazu brachte sie fragend anzusehen.


,,Ich glaube ich habe mich klar und deutlich ausgedrückt, oder?“, fragte ich und Heidi schüttelte den Kopf.
,,Liebling, ich verstehe nicht was das soll. Wo willst du denn mit uns hin?“
,,Wo ihr hin wollt kann ich dir nicht sagen, interessiert mich aber auch nicht mehr. Wo ich hin will? Nirgendwo mehr hin. Ich bleibe hier und ihr beiden werdet gehen und zwar durch diese Türe und das für immer.“, sagte ich und deutetet durch die Wohnzimmertüre auf die Haustüre.
,,Willst du dich etwa trennen?“, fragte Heidi entsetzt und ich nickte.
,,Glückwunsch. Sehr schlaues Mädchen. Ja, ich will mich trennen und da du dich ja ohnehin von meinem Sohn ficken lässt, kannst du den ja auch gleich mitnehmen.“
,,Wie kommst du denn darauf?“, fragte sie gespielt schockiert und ich grinste sie breit an.
,,Tu nicht so überrascht und als ob du keine Ahnung hättest wovon ich rede. Das Schmierentheater ist vorbei, ich weiß alles und mehr als ich wissen wollte, aber damit ist es jetzt vorbei meine Gute. Also husch husch, geh packen, sonst landet es im Müll.“
,,Stephan, was ist denn los mit dir? Wo warst du und was ist passiert, dass du so redest?“
,,Das geht dich überhaupt nichts an. Ich weiß das du mit Elvis zusammen bist. Ich weiß das du mit ihm das Wochenende in einem Hotel verbracht hast und ich weiß auch, dass du mit ihm am Freitagmittag hier auf der Couch gevögelt hast, noch Fragen?“, fragte ich ruhig und Heidi blickte mich schockiert an.
,,Aber Stephan ich kann dir das erklären.“, begann sie aber ich schüttelte den Kopf.


,,Spar dir deine Lügen, ich will sie nicht mehr hören. Es ist mir egal warum du mit meinem Sohn fickst und es ist mir auch egal was du sonst mit ihm tust, DU bist mir egal. Also sieh zu, dass du Leine ziehst, denn du hast noch 25 Minuten Zeit, dann bist du draußen!“, sagte ich und ging zum Wohnzimmerschrank, den ich öffnete und anschließend in die Küche ging, um dort ein paar blaue Säcke zu holen.
Heidi, die immer noch im Wohnzimmer stand und mich fragend und gleichzeitig schockiert anblickte, ignorierte ich und begann alles was ich finden konnte und Heidi gehörte in den Sack zu schmeißen, ohne darauf zu achten ob es kaputt gehen könnte oder nicht, denn es landete sowieso auf dem Müll.
,,Stephan!“, schrie sie beinahe schon verzweifelt und ich blickte sie fragend an.
,,Was denn? Oh, wolltest du davon etwas behalten? Das hättest du sagen müssen, dann wäre ich vorsichtiger gewesen.“
,,Nein, also ja. Aber ich will mit dir reden. Ich will dir erklären, wieso ich das gemacht habe.“
,,Ich höre dir zu, aber sei mit bitte nicht böse, wenn ich in der Zwischenzeit ein bisschen aufräume, denn ich finde das wurde schon lange mal Zeit, denn schau nur, wie viel Scheiße sich hier angesammelt hat, Wahnsinn.“, sagte ich immer noch vollkommen ruhig und schmiss weiter ungeachtet die Sachen in den Sack.
,,Ich habe das doch nur gemacht, weil du keine Zeit mehr für mich hattest. Alles drehte sich nur noch um deine Band und Kevin. Kevin hier und Kevin da und was ist mit mir? Ich habe auch Bedürfnisse und du hast sie mit Füßen getreten. Elvis war für mich da und hat mich wieder als das gesehen, was ich bin. Eine Frau die eben auch mal einen Mann braucht der sie in den Arm nimmt und ihr sagt das er sie liebt.“


,,Ach und ich dachte er hätte in dir die falsche Schlange gesehen, die du bist und die für alles die Beine breit macht was nicht bei drei auf den Bäumen ist.“, lachte ich und fand diese Aussage wirklich amüsant.
,,Stephan, verstehst du das denn nicht? Elvis war für mich da als du es nicht warst, ich habe das einfach gebraucht und dann führte das eine zum anderen und ich habe mich in ihn verliebt.“
,,Hörst du dir eigentlich noch selber zu? Du redest von MEINEM Sohn. Dem Mann, den du eigentlich lieben solltest, ich meine abgesehen von der Tatsache, dass ich dich auch nicht mehr liebe, hast du die Dreistigkeit besessen dich an meinen Sohn ran zu machen, während ich dich vielleicht gebraucht hätte. Du redest nur davon, dass ich dich nicht mehr beachtet habe oder das ich dich nicht täglich fünf mal gefickt habe, aber das es mir vielleicht auch mies ging wegen der Tatsache, dass ich nach Jahrzehnten meine Band, meine Familie auf einen Streich verloren hatte und keine Ahnung, wie es weitergehen sollte, interessiert dich nicht. Weißt du Heidi, wenn ich eine Schlampe hätte haben wollen, dann wäre ich in den Puff gegangen, das wäre billiger und wesentlich unkomplizierter, als mein Leben mit dir zu verbringen. Ich hätte dich schon viel früher rausschmeißen sollen.“, sagte ich mit einem Kopfschütteln, denn es ärgerte mich wirklich, dass ich das nicht schon vorher eingesehen hatte und schmiss weiterhin ihre Sachen in den Sack, der sich langsam füllte und den ich dann auf die Seite stellte, um mir einen neuen zu nehmen und diesen ebenfalls zu füllen.
,,Was soll das, Stephan? Ich schütte dir mein Herz aus und du hast nichts besseres zu tun, als mich zu beleidigen?“, sagte sie frustriert und ich nickte.
,,Das sind keine Beleidigungen, sondern Feststellungen.“, sagte ich trocken.


,,Soll es das jetzt einfach gewesen sein und du schmeißt mich raus? Wo soll ich denn hin?“
,,Das ist nicht mein Problem und ja das ist es gewesen. Du hast ja jetzt einen Kerl gefunden, der dich besser behandelt und ich hoffe einfach, dass Elvis es auch noch merkt bevor er zu spät ist, denn glaub mir, er würde mir dir genauso wenig glücklich wie ich es war, denn dafür ist er mir einfach zu ähnlich. Er wird es irgendwann merken und dann ist es wahrscheinlich schon zu spät, weil du deine Krallen dann wahrscheinlich schon viel zu tief in sein Fleisch geschlagen hast. Aber der Junge ist alt genug und muss selber wissen, was er tut. Ach und ganz nebenbei, du hast noch 20 Minuten, langsam würde ich mich mal beeilen.“
,,Du wirst von meinem Anwalt hören und das Kind, was ich bekomme, wirst du auch nie sehen, egal ob du der Vater bist oder nicht!“, schrie sie und stapfte wutentbrannt nach oben.
,,Ja, das ist das nächste Thema. Wie armselig ist das eigentlich, dass du dich als erwachsene Frau von einem minderjährigen schwängern lässt? Ich meine die Wahrscheinlichkeit besteht ja, oder? Oh man Mädchen, du musst noch einiges lernen in deinem Leben.“, rief ich ihr hinterher und fragte mich wirklich, was ich an ihr mal so toll gefunden hatte, dass ich mit ihr etwas angefangen hatte.
Aber im Nachhinein ist man bekanntlich ja immer schlauer.
,,Glaub mir, wenn das Kind von dir sein sollte, dann werde ich alles daran setzen, dass du es nie zu Gesicht bekommst. Ich brauche dich nicht und ich brauche auch dein scheiß Geld nicht. Elvis wird ein viel besserer Vater sein, als du es je sein könntest.“
,,Du glaubst ja wohl, dass ich alles daran setzen werde, das Kind zu mir zu holen, wenn ich wirklich der Vater sein werde und dann wirst du es nicht mehr zu sehen bekommen.“


,,Das werden wir ja noch sehen.“, schrie sie und ich nickte, bevor ich kurz inne hielt mit dem Füllen des Sacks und fasste einen Entschluss, weswegen ich in die Küche ging, wo ich mein Handy liegen hatte und nahm das zur Hand.
Wozu kannte man den viele Leute, wenn man das Kennen dieser nicht ab und an auch mal für sich nutzen konnte und ich hatte einen guten Mann, der mir sicher einen Container liefern konnte, in kürzester Zeit.
Ich schnappte mir das Handy vom Küchentisch und suchte in meinem Telefonbuch die Nummer von meinem Bekannten, Florian und rief diesen auch gleich an.
Das Freizeichen ertönte und ich hoffte, dass ich ihn auch wirklich erreichen konnte und er mir helfen konnte.
,,Herr Weidner. Welch Überraschung.“
,,Hey Flo, ich weiß ich habe mich länger nicht gemeldet, aber eben viel zu tun.“
,,Ich weiß, Stephan ich weiß. Was kann ich denn für dich tun?“
,,Ich brauche einen Container. Möglichst schnell. Am besten gestern.“
,,Puh, das kann ich dir nicht versprechen, da muss ich nachsehen. Wie groß muss der sein?“
,,Groß genug, damit die Einrichtung aus mindestens drei Zimmern da rein passt und ein paar kleinere Sachen.“
,,Räumst du deine Bude auf?“
,,So kann man es nennen.“, lachte ich und war wohl der Einzige, der das wirklich lustig fand, denn Florian lachte nicht.
,,Halbe Stunde, früher geht es nicht.“


,,Das ist okay, das passt. Ich brauche den auf jeden Fall heute noch, das ist wichtig.“
,,Das bekomme ich hin, aber eben erst in einer halben Stunde. Wie lange brauchst du den?“
,,Bis morgen?“
,,Aber dann morgen früh, ich brauche den Morgen wieder und ich muss den dann ja auch noch leer machen.“
,,Nein, da kümmere ich mich drum. Ich gebe ihn dir morgen leer zurück.“
,,Wie willst du das denn machen?“
,,Ich schaffe das schon. Stell ihn mir einfach in die Einfahrt, die mache ich dir gleich leer, denn da steht momentan mein Auto noch und meinetwegen kannst du ihn dann morgen früh wieder haben.“
,,Ja, dann stelle ich ihn die in einer halben Stunde vor die Türe.“
,,Danke. Was bekommst du von mir?“
,,Ich schicke dir die Rechnung per Post.“
,,Sehr schön, danke Flo.“
,,Nichts zu danken. Bis dann.“
,,Bis dann.“, sagte ich und grinste, denn das klappte ja wirklich wie geschmiert.
,,Heidi?“, brüllte ich durch das Haus und hörte sie verächtlich schnauben.
,,Ich fahre mal kurz zur Tanke, wenn ich wieder da bin, seid ihr weg, klar?“, fragte ich und hörte sie erneut schnauben.“
,,Das wirst du dann sehen.“
,,Du willst mir drohen? Dann rufe ich die Bullen, ist schließlich mein Haus. Also entweder du gehst freiwillig und bis weg bevor ich wieder da bin oder ich rufe die Bullen und lasse dich mit denen aus meinem Haus begleiten.“


Ohne noch auf eine Antwort zu warten verließ ich den Raum und anschließend das Haus und ging zu meinem Auto, in den ich auch gleich einstieg und immer noch breit grinsend davon fuhr.
Als erstes machte ich mich auf den Weg zur Bank, um die Karte die Heidi von meinem Konto hatte, sperren zu lassen.
Auch wenn ich ihr damals schon nicht alles was ich hatte anvertraut hatte und die Karte auf 10.000 limitiert war, so wollte ich trotzdem verhindern, dass sie auf die Idee kam sich diese noch von mir zu bekommen.
Außerdem musste ich auch noch Geld holen, um meinen Einkauf an der Tankstelle zu bezahlen.
Kaum hatte ich meine Bank dann erreicht, hielt ich meinen Wagen vor der Filiale und stieg aus, bevor ich mit schnellen Schritten dort hineinging und auch gleich an den Schalter ging.
Sogleich kam ein ziemlich junges Kerlchen auf mich zu, der scheinbar neu hier war, und wohl auch noch nicht lange mit seiner Ausbildung oder Studium oder was auch immer er dafür gemacht hatte fertig war.
,,Wunderschönen guten Tag, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“, fragte er freundlich und lächelte mich auch genauso an.
,,Ich würde gerne eine Zweitkarte von meinem Konto sperren lassen.“
,,Haben Sie diese verloren oder ist Sie ihnen gestohlen worden?“
,,Weder noch. Sie ist im Besitz meiner Ex Freundin und ich will nicht, dass sie nur einen Cent bekommt, denn das steht ihr jetzt nicht mehr zu.“
,,Verstehe. Dann brauche ich bitte Ihre Karte.“


Ich nickte und gab ihm meine Kontokarte und ging davon aus, dass er keine Ahnung hatte, wer gerade vor ihm stand, denn die komplette Unterhaltung über hatte er mich noch nicht mit meinem Namen angesprochen, was alle anderen bis jetzt immer getan hatten und das nicht nur einmal im Gespräch.
Er nahm meine Karte entgegen und blickte darauf, bevor er beinahe schon schockiert wieder auf sah und mich anblickte.
,,Gibt´s ein Problem?“, fragte ich immer noch freundlich und er schüttelte den Kopf, bevor er sich rum drehte und zu einem seiner Kollegen ging.
Die beiden tauschten sich kurz aus und kurze Zeit später kam der Kollege dann zu mir, den ich auch schon ein paar Mal hier getroffen hatte.
,,Verzeihen Sie Herr Weidner, er ist neu bei uns und findet sich noch nicht so zurecht. Er sagte Sie wollten Ihre Zweitkarte sperren lassen?“
,,Genau. Ich hoffe ich habe dem Kleinen keinen Schreck für´s Leben eingejagt.“
,,Nein, er wird sich sicher schnell wieder beruhigen, er ist es nur nicht gewöhnt, dass hier so berühmte Menschen wie Sie einfach mal an den Schalter kommen.“
,,Ja, daran sieht man mal wieder, dass auch berühmte Menschen wie ich ganz normale Probleme und Bedürfnisse haben.“, grinste ich und der Typ nickte, bevor er sich seinem Computer widmete und dort über die Tastatur etwas eingab.
,,Handelt es sich hierbei um eine vorübergehende Sperre oder eine langfristige?“, fragte er dann und hob seinen Kopf, um mich anzusehen aber ich schüttelte den Kopf.
,,Nein, eine langfristige Sperre. Das wird sich nicht mehr ändern.“
,,In Ordnung.“, sagte er und widmete sich dann wieder seinem Computer.
Kurze Zeit später hatte er auch schon ein Blatt ausgedruckt, was er dann aus dem Drucker zog und mir hinlegte.


Er erklärte mir kurz, was sich darauf befand, wobei ich auch durchaus in der Lage gewesen wäre es zu lesen und zu fragen, wenn ich etwas nicht verstand, was aber in dem Fall wohl nicht nötig war, denn mehr als die Tatsache das diese Karte ab dem sofortigen Zeitpunkt unwiderruflich gesperrt wurde und nicht mehr zum abheben an den Automaten und Schaltern funktionierte, stand auf diesem Zettel nicht drauf.
Dennoch war es ein schöner Service, den man von einer guten Bank wohl auch erwarten konnte.
,,Wenn Sie damit einverstanden sind, dann bitte ich Sie den Zettel noch zu unterschreiben, dann bekommen sie das Original und wir behalten den Durchschlag und dann war es das auch schon was das betrifft.“
Ich nickte und schnappte mir einen Stift, der neben mir stand und unterschrieb den Zettel, bevor ich den Stift zurück in seinen Halter steckte und ihm den Zettel wieder zuschob.
Er trennte die Blätter voneinander und schob mir dann das Original wieder hin und behielt den gelben Durchschlag für sich.
,,Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Herr Weidner?“, fragte er dann freundlich und ich schüttelte den Kopf.
,,Nein danke, das war alles.“
,,Ich habe zu danken.“, sagte er und reichte mir meine Karte wieder, wofür ich mich dann ebenfalls bedankte und sie wieder einsteckte und dann auch mein Portmonee wieder verstaute.
,,Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Weidner.“


,,Danke gleichfalls. Wiedersehen.“, sagte ich, schnappte mir das Blatt und ging noch zum Geldautomaten, denn ich hatte dummerweise vergessen am Schalter Geld zu holen und musste das jetzt eben noch nachholen.
Ich zog noch ein wenig Geld von meinem Konto und steckte das ebenfalls ein, bevor ich die Bank wieder verließ.
Auf dem Weg zu meinem Auto faltete ich das Blatt einmal in der Mitte und legte es nachdem ich eingestiegen war auf den Sitz neben mir.
Erneut startete ich den Motor und machte mich diesmal auf den Weg zur Tankstelle.
Auch hierher musste ich nicht weit fahren, da hatte ich diese auch schon erreicht und blickte auf die Tankanzeige, bevor ich den Motor ausschaltete.
Wahrscheinlich würde es noch reichen und ich musste mein Baby noch nicht tanken, weswegen ich den Motor abstellte und ausstieg.
Ich öffnete den Kofferraum und nahm 2 Benzinkanister raus, die ich auch beide mit der dafür vorgesehenen Flüssigkeit füllte.
Anschließend stellte ich diese zurück in meinen Kofferraum und ging in die Tankstelle rein, um diese zu bezahlen und noch ein paar Zigaretten zu kaufen.
Nachdem auch das erledigt war, ging ich erneut zu meinem Auto und schmiss die Zigaretten zu dem Zettel neben mir und startete den Motor, diesmal aber um nach Hause zu fahren.
Nun war ich wirklich gespannt, ob Heidi und Elvis bereits verschwunden waren, oder ob ich wirklich noch die Bullen rufen musste.
Das würde mir nicht wirklich in den Kram passen, denn dann würde es wahrscheinlich auch noch Schwierigkeiten wegen Elvis geben.
Immerhin hatte ich ja eine Aufsichtspflicht oder wie das hieß und die verletzte ich ja nun mal, indem ich ihn einfach vor die Türe setzte.


Nur wenige Minuten später hatte ich mein Haus auch schon wieder erreicht und wollte gerade in die Einfahrt fahren, als ich sah, dass dort bereits der Container stand.
Auf Flo war verlass, aber nichtsdestotrotz bekam ich mein Baby jetzt nicht mehr in die Garage und konnte es ja wohl auch schlecht auf der Straße stehen lassen.
Wobei mir in dem Moment wohl auch nichts anderes übrigblieb und ich ihn dann eben auf der Straße vor meinem Haus abstellte.
Seufzend stieg ich aus meinem Auto nachdem ich den Motor abgestellt hatte und ging zur Haustüre, die ich dann ebenfalls aufschloss und den Schlüssel in den Flur legte, bevor ich dann mit den Zigaretten und dem Zettel in die Küche ging.
Scheinbar waren Heidi und Elvis wirklich schon weg aber um sicher zu gehen rief ich nach den beiden, bekam aber keine Antwort.
Kurz überkam mich der Gedanke, dass sie vielleicht noch da waren und mich einfach nicht gehört hatten oder es absichtlich überhört hatten, aber das verwarf ich recht schnell wieder, denn das konnte ich mir nicht vorstellen.
Ich hatte laut genug gerufen und ich ging auch nicht davon aus, dass sie es absichtlich nicht gehört hatten, weil sie beide wussten, dass das nur noch mehr Stress geben würde.
Zigaretten sowie den Zettel legte ich auf meinem Küchentisch ab und warf einen Blick auf mein Handy, auf dem es allerdings nichts neues gab.
Hätte mich auch gewundert, denn für heute erwartete ich niemanden mehr.
Wobei ich mir in Zukunft angewöhnen sollte es mitzunehmen, denn Kevin wollte sich ja auch noch melden und den wollte ich auf keinen Fall verpassen.


Ich lehnte mich gegen den Küchenschrank und zündete mir eine Zigarette an, aus einer der Packungen, die nun über den Tisch verstreut lagen und inhalierte den Qualm tief bevor ich ihn wieder meinen Lungen entweichen ließ.
Kurz legte ich den Kopf in den Nacken und überlegte, ob das wirklich so eine gute Idee war, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte, verwarf den Gedanken dann aber wieder und würde es einfach tun.
Es musste eine Veränderung her, die Trennung von Heidi sollte nur der Anfang sein, auch wenn ich unter Umständen nie so ganz von ihr loskommen würde, denn sie hatte eben ja indirekt zugegeben, dass sie wirklich schwanger ist.
Dann war die Wahrscheinlichkeit das es von mir war 50:50 und selbst wenn ich nicht der Vater war, so ging ich davon aus, dass Elvis irgendwann auch zurück kommen würde oder wir uns zumindest wieder besser verstehen würden und spätestens da würde ich mit dem Kind konfrontiert werden, was dann eben immer noch von ihr war, aber das Kind konnte ja nun mal auch nichts dafür und so sollte und würde ich es das auch nicht spüren lassen.
Wenn ich der Vater war, würde ich ohnehin alles daran setzen es bei mir zu haben und es, wenn es sein musste alleine groß ziehen.
Klar konnte Heidi zu ihrem Anwalt rennen und so wie ich sie einschätzte, würde sie das auch tun, aber sie hatte dabei vollkommen außer Acht gelassen, dass ich auch einen hatte und durch das nötige Kleingeld was ich hatte nicht mal einen schlechten.
Also sollte sie ruhig tun, was sie nicht lassen konnte und dann sollten wir mal sehen, wer dann am Ende am längeren Hebel saß und wer was bekam.
Da wir ja nicht mal verheiratet waren, hatte sie keinen Anspruch auf irgendwas, ich musste nicht mal Unterhalt für sie bezahlen.


Also entweder ging sie arbeiten oder eben zum Sozialamt, auch das war mir egal, denn die Zeiten in denen der Weidner für ihren Lebensunterhalt aufgekommen ist, waren jetzt ein für allemal vorbei.
Elvis hingegen hatte da einen Anspruch drauf, denn er könnte mich auf Unterhalt verklagen, aber ich ging nicht davon aus, das er das tat und selbst wenn und ich wirklich für ihn bezahlen musste, dann war es unter Umständen auch nicht mehr lange und dann war es vorbei und ich hatte nichts mehr damit zu tun.
Wobei das ja auch nicht gleich bedeutete, dass ich mich dann mit ihm treffen musste, denn ich konnte ihm das Geld ja auch überweisen.
Nachdem ich die Zigarette zu Ende geraucht hatte, drückte ich diese im Aschenbecher aus und stieß mich von dem Küchenschrank hinter mir ab und ging erneut in das Wohnzimmer, wo ich die Säcke weiterhin voll machte.
Wie lange ich damit beschäftigt war, wusste ich nicht, aber irgendwann war alles von Heidi in Säcke verstaut und ich hatte mittlerweile drei Stück im Wohnzimmer stehen.
Zufrieden mit meiner bisherigen Arbeit ging ich in den Keller, denn dort hatte ich gewiss noch Kartons stehen, die ich kurze Zeit später auch fand und mit ins Wohnzimmer nahm, um dort die Sachen von mir rein zu räumen, die ich noch brauchen würde und die ich auf keinen Fall wegschmeißen wollte.
Auch das nahm noch ein bisschen Zeit in Anspruch, aber irgendwann hatte ich es dann endlich und der Schrank war bis auf unnötigen Mist leer, der meinetwegen auch drin bleiben konnte.
Die Kisten brachte ich dann nach oben und stellte diese in mein Arbeitszimmer.
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