Doktorspiele

von Dorodo
GeschichteRomanze, Familie / P16
Borussia Dortmund
15.06.2017
15.12.2019
27
40.864
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22.06.2017 1.733
 
,,Hat jemand von euch eine Idee, wer das neben Zorc sein könnte?” ,,Vielleicht ja seine Neue. Keine Ahnung.” ,,Eigentlich waren Zorcs Frauen immer in seinem Alter und sie sieht ihm irgendwie ähnlich. Wir sollten Roman oder Schmelle fragen, die beiden sind am längsten hier und kennen die meisten.”
Die junge Frau in dem gelben Kleid, die zusammen mit dem Dortmunder Sportdirektor angekommen war, verwirrte die Mannschaft. Niemand aus der Gruppe um Bürki, Weigl und Durm schien sie schon einmal gesehen zu haben und so mussten sie tatsächlich Marcel fragen, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Marcel meinte, dass ihr Gesicht ihm bekannt vorkam, er sie aber nicht einordnen konnte. Schlussendlich war es Jenny, die sie aufklärte, wodurch auch der Rest der Mannschaft auf Zorcs Begleitung aufmerksam wurde.

Camille hingegen hatte wenig Lust auf den Saisonabschluss der Dortmunder Fußballmannschaft. Sie hatte einen zehn Stunden Flug hinter sich, konnte dann des Jetlags wegen kaum schlafen und die Ergebnisse der Nachuntersuchung ihrer letzten OP fehlten auch noch. Dass sie bemerkte, wie einige der Jungs sie ansahen und dabei vermutlich auch über sie tuschelten, hob ihre Stimmung jetzt auch nicht wirklich. ,,Du hast gesehen, dass du nicht neben mir sitzt?”, riss ihr Vater sie aus den mehrheitlich ärgerlichen Gedanken, ,,du sitzt bei Roman Weidenfeller und Marcel Schmelzer…” ,, Und deren Freundinnen Lisa und Jenny”, unterbrach Camille ihren Vater, ,,du hast in den vier, fünf Jahren doch nicht vergessen, dass ich mir die meisten Dinge nur kurz ansehen muss, um sie zu verinnerlichen?” ,,Natürlich nicht. Der Sitzplan ist dem also zum Opfer gefallen. Hast du dich sonst noch über etwas informiert?”, Michael Zorc hatte manchmal Angst vor seiner Tochter oder eher den Dingen, die sie alle in ihrem Kopf behalten konnte. ,,Über sämtliche Spieler der ersten Mannschaft, deren Alter, Position und Herkunft. Ich will mich als Tochter des Sportdirektors doch nicht komplett blamieren.” Camille musste ihm ja noch nicht sagen, dass sie bald auch eine Rolle innerhalb des Vereins spielen würde.
Nach nahezu fünf Jahren, in denen sie ihrem Vater kaum gesehen hatte, wollte sie mehr Zeit mit ihm verbringen und hatte sich deswegen bei verschiedenen Kliniken in und um Dortmund beworben. Dass Dr. Braun, Mannschaftsarzt der Dortmunder, nach jemandem suchte, der ihn bei Auswärtsspielen vertreten würde, war dabei nur positiv. Doktor Braun verfolgte die medizinische Laufbahn Camilles, seit diese ihm mit zehn Jahren erzählte, dass sie auch einmal Ärztin werden möchte. Als er dann über Kollegen erfuhr, dass sie ihre Facharztausbildung an einer der besten Kliniken Amerikas erfolgreich und mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, war für ihn klar, dass er über den Verein Interesse an einer Zusammenarbeit bekunden würde. Heute Abend war dann der Moment, der Mannschaft und dem Rest des Betreuer-Teams diese Veränderung mitzuteilen. Damit es für ihren Vater auch wirklich eine Überraschung sein würde, hat man ihn in die Entscheidung der Geschäftsführung nicht eingebunden. Außerdem wollten sie so den Vorwurf der Vetternwirtschaft schon im Keim ersticken.

Als sich dann alle auf ihre Plätze begaben, fiel Camille wieder ein, dass sie direkt zwischen Jenny Schmelzer und Lisa Weidenfeller platziert wurde. Ihr Vater war vermutlich der Meinung, dass es ihr leichter fallen würde, sich mit den Frauen der Spieler zu unterhalten als mit diesen an sich. Nur leider hatte Michael Zorc vergessen, dass seine Tochter kaum mit Frauen sprach, außer es handelte sich um ihre beste Freundin Mary, mit der sie stundenlang reden konnte, oder um Patienten.
Lisa wollte die junge Frau neben ihr ansprechen, verzichtete jedoch darauf, als deren Handy klingelte und sie eilig den Platz verließ. ,,Die neunmalkluge 17-Jährige fand ich sympathischer”, urteilte Roman neben ihr, ,,sie ist über eine halbe Stunde hier und hat mit niemandem außer ihrem Vater gesprochen.” Nachdem Roman diesen Fakt ausgesprochen hatte, kam Camille schon wieder zurück an den Tisch und entschuldigte sich erst einmal für ihre Unhöflichkeit. Auf Jennys Frage, was sie denn in den letzten Jahren getrieben hätte, antwortete Camille nur kurz angebunden: ,,So dies und das”, und hoffte darauf, dass Joachim Watzke die Veranstaltung bald eröffnen würde, weil sie sonst womöglich doch zu viel sagen würde.

,,Wenn ich dann um ihre Aufmerksamkeit bitten dürfte”, erhob Joachim Watzke seine Stimme woraufhin sich alle Blicke in Richtung der Geschäftsführung richteten. ,,Zuerst einmal möchte ich mich bei allen Beteiligten und vor allem bei der Mannschaft für diese Saison bedanken. Auch wenn es nicht für einen Titel gereicht hat, können wir auf das Erreichte stolz sein und zufrieden auf die Saison zurückblicken. Ich möchte nun aber das Wort an unseren Mannschaftsarzt übergeben, der eine wichtige Ankündigung zu machen hat. Also Markus, du hast das Wort!”,,Ich wünsche ihnen allen einen Guten Abend. Die meisten von ihnen wissen sicherlich, dass im Klinikum Westfalen eine Abteilung für Sportmedizin eröffnet wurde und ich deren leitender Arzt bin. Durch diese Position werde ich mehr Zeit in Dortmund verbringen müssen und die erste Mannschaft leider nicht mehr auf Auswärtsspiele begleiten können. In weiser Voraussicht haben wir jedoch schon eine Person gefunden, die diese Aufgabe übernehmen und mich auch sonst unterstützen wird. Dr. Camille Zorc ist Fachärztin für Unfallchirurgie mit einer Zusatzausbildung der Sportmedizin, die sie hier noch vertiefen wird. Würden Sie bitte kurz aufstehen?”, Markus Braun sah sich um, entdeckte Camille und beobachtete wie sich alle Blicke auf die Tochter des Sportdirektors richteten, bevor er sich dazu entschied, fortzufahren, ,,bevor ihr Michael befragt, richtet euch lieber an Aki oder mich, weil es auch für ihn eine Überraschung sein sollte. Sofern Aki jetzt nichts mehr zu sagen hat”, Doktor Braun schaute in dessen Richtung und nahm das Kopfschütteln wahr, ,,erkläre ich hiermit das Buffet für eröffnet.”

Jenny und Lisa drehten sich im gleichen Moment zu Camille, um den Fragensturm zu eröffnen. Bevor beide jedoch ein Wort sagen konnten, war Camille schon in Richtung Buffet verschwunden, damit sie diesem entgehen konnte.
,,So dies und das, hm?”, wurde Camille von einem jungem Mann hinter sich angesprochen. Als sie sich umdrehte, erkannte sie Roman Bürki, den ersten Torwart der Borussia. Sie war vorhin so angespannt, dass sie vergessen hatte, dass ihm der Platz ihr gegenüber zugeordnet war. ,,Wäre schon dumm von mir, Doktor Braun die Ankündigung, die er fünf Minuten später machen wollte, direkt zu verderben, nicht?” ,,Das ergibt schon Sinn… Wie alt bist du eigentlich?” ,,Erstmal ergibt so ziemlich alles, das aus meinem Mund kommt Sinn. Und ich bin 24. Warum fragst du?” ,,Du siehst verdammt jung aus, um schon Fachärztin zu sein.” Camille entschied, diesen Kommentar im Raum stehen zu lassen, weil sie ihn in den letzten Jahren schon extrem oft gehört hatte. Nachdem die beiden sich die Teller gefüllt hatten, gingen sie zurück zu ihren Plätzen. Camille war erleichtert, Lisa und Jenny nicht auf ihren Plätzen zu sehen und so deren Fragen noch ein wenig vermeiden zu können.
Dafür hatte sie Romans Interesse geweckt, der sich immer noch wunderte, sie noch nie gesehen zu haben. Gut, er spielte erst eine Saison in Dortmund, aber normalerweise kannte man dann schon die Familien des Vorstands durch die verschiedenen Veranstaltungen des Vereins. Camille jedoch war ihm bis zu diesem Tag unbekannt. Sie war ihm schon aufgefallen, als sie mit ihrem Vater durch die Tür trat und sie von keiner der Spielerfrauen überschwänglich begrüßt wurde. Auch als er Julian und Erik auf sie ansprach, konnten die ihm nicht weiterhelfen, was sein Interesse nur steigen ließ.
Seit Romans Bemerkung am Buffet herrschte Stille zwischen Camille und ihm, die jäh beendet wurde, als Jenny und Lisa wieder am Tisch ankamen. Sein Gegenüber verdrehte ob der kommenden Fragen die Augen, was ihn wiederum schmunzeln ließ.  ,,Also”. Lisa zog das O in die Länge und machte so deutlich, dass ihre Fragen nun beginnen würde, ,,Roman meinte, er habe dich das letzte Mal vor fünf Jahren gesehen. Was hast du bis dahin gemacht?” ,,Meinen Facharzt in Boston.” Kürzer hätte Camilles Antwort nicht mehr werden können und so nahm sie sich etwas von ihrem Teller, um wieder zu signalisieren, dass sie keine Lust auf Smalltalk hatte. Leider bemerkte Jenny dieses Signal nicht und schob deswegen ein ,,Bist du nicht ein wenig zu jung dafür?” hinterher. Nun wurde die Unterhaltung auch für Roman interessant, da sie ihm auf seinen Kommentar ja keine Antwort gegeben hatte. ,,Ich hab’ mit 14 Abi gemacht und während der zwölften Klasse schon die ersten zwei Semester Medizin studiert. Dürfte ich jetzt essen? Danach ist noch genug Zeit zum Fragen stellen.” In diesem Moment schienen Jenny und Lisa sich an ihre noch unberührten Teller zu erinnern, woraufhin sie begannen diese zu leeren.
Für einige Minuten herrschte gefräßige Stille am Tisch, die endete als Camille aufstand, um sich Dessert zu holen. Marcel nutzte den Moment, um die Frage laut auszusprechen, die wohl alle im Kopf hatten: ,,Wie macht man mit 14 Jahren schon Abi?” Weidenfeller beschloss, diese Camille zu stellen, welche, nun dass sie etwas gegessen hatte, entspannter wirkte und dementsprechend auch weniger bissig antwortete. ,,Ich bin im August geboren, wurde ,,voreingeschult” und habe die erste, dritte und siebte Klasse übersprungen.” Auch Julian, dessen Freundin Sarah und Erik hatten ihr Gespräch beendet, um Camilles Ausführungen zuzuhören. Jenny fragte dann nach ihrem Abischnitt und wo sie studiert habe. Dass sie 1,0 und Heidelberg darauf erwiderte, wunderte zu diesem Zeitpunkt keinen mehr.
Als Camille dann versuchen wollte, den Spieß umzudrehen und die anderen auszufragen, wurde sie abrupt gestoppt, weil sich ihr Vater räusperte und dann begann, seine Rede zu halten. Diese war jedoch nur der Beginn einer ganzen Reihe von Reden, die sich über die nächste Stunde ziehen sollten. Roman hörte diesen aufmerksam zu, schaute aber immer wieder zu Camille, von der man das nicht wirklich behaupten konnte. Sie sah immer wieder konzentriert auf ihr Handy und schien ihre Umwelt nicht mehr wirklich wahrzunehmen. Zwar hatte sie damit erst nach der Rede ihres Vaters angefangen, was es aber nicht weniger unhöflich auf Roman wirken ließ. Allgemein machte Camille auf ihn einen sehr reservierten und verschlossenen Eindruck, der sich durch ihre oft kurzen und genervten Antworten nicht verbesserte. Wenn er wüsste, dass Camille seit über 24 Stunden wach und nur anwesend war, um ihrem Vater eine Freude zu bereiten, könnte er sie wahrscheinlich besser verstehen. So blieb ihm vorerst dieser erste Eindruck.


Wie ist euer erster Eindruck von Camille?
Man merkt, dass ich ein Faible für wörtliche Rede habe, aber ich stelle mir die Szenen immer so vor, als wäre es ein Film und daher kommt das.
Kritik, Verbesserungsvorschläge und jegliche Korrekturen an Rechtschreibung und Grammatik sind sehr willkommen.
Bis zum nächsten Mal
Dorodo
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