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Die Legende von Amrun und Avras

von Lalin
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
OC (Own Character)
15.06.2017
05.09.2017
7
7.107
 
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15.06.2017 1.265
 
Ungeduldig warten die beiden schon vor dem Fenster, als der Rest der Familie endlich nach Hause kommt. Kaum sind sie zur Tür herein, werden sie schon mit Fragen durchlöchert.
"Ada, warum hat das so lange gedauert?"
"Nana, warum warst du auch eingeladen?"
"Aranwe, was habt ihr alles besprochen?"
Dieser erbarmt sich endlich seinen kleinen Brüdern.
"Hört mir zu, ihr beiden. Es gibt Dinge auf dieser Welt, die sind nicht für so kleine, spitze Elbenohren gedacht. Aber ihr werdet es erfahren, wenn ihr alt genug seid, dass verspreche ich."
Er wuschelt Amrun durch die dunkelblonde Haare und geht in die Rüstungskammer um seine Waffen nieder zu legen. Aus dieser kommt gerade ihr Vater, Tohlaron. Ein großer, starker Elb mit pechschwarzem Haar. Dies ist eine Seltenheit unter den Elben der Hafenstadt Edhellond.
Und die beiden Zwilling vergöttern ihren Vater. Wie oft hat er in seiner Werkstatt die tollsten Spielsachen für sie gezaubert. Der größte Schatz der Zwillinge ist ein kleines Holzpferdchen, das mit winzigen Seilzügen und Zahnrädchen ausgestattet ist, sodass es sogar laufen kann. Ihr Vater kniet nun nieder und schließt seine jüngsten fest in die Arme.
"Na,mir nin, habt ihr wieder den Marktplatz unsicher gemacht?"
Plötzlich klopft es dreimal laut polternd. Tohlaron erhebt sich und öffnet die Tür.
Es ist schon dunkel, sodass man den unerwarteten Besucher nicht gleich erkennen konnte.
Eine große Gestalt, die Kapuze seines nachtblauen Mantels tief ins Gesicht gezogen und auf einen hölzernen Stab gestützt.
"Geht in euer Zimmer, meine Großen.", sagt der Vater ohne den Blick von dem Fremden zu wenden.
Stumm leisten sie Folge und gehen die Treppe hinauf, jedoch nicht in ihr Zimmer. Sie setzen sich auf die oberste Stufe und machen sich ganz klein. Sie sind still und lauschen.
"Bitte, tretet ein." Das war ihr Vater. "Ich danke Euch.", antwortet eine sanfte, tiefe Stimme.
"Bitte setzt Euch, wer seid Ihr und was führt Euch her?", fragt Istáriel.
"Mein Name ist Alátar der Blaue,  ich bin ein Istar aus dem Osten. Ich bin gekommen um Euch zu warnen. Im Osten regt sich etwas. Und es ist gewiss nichts Gutes, doch es hat etwas dem zu tun, das ihr heute vollbracht habt."
"Was... was meint Ihr damit?", fragt Aranwe unsicher.
"Seid nicht töricht, das wisst ihr ganz genau. Ihr habt etwas aufgeweckt, das größer, mächtiger und gefährlicher ist als dass wir uns es je vorstellen können.
Habt Ihr die Zeichen nicht erkannt? Kein Vogel singt nunmehr, die Wellen rauschen fremd, am heutigen Nachthimmel leuchtet kein einziger Stern!"
"Nun, ich danke Euch für die Warnung, jedoch bitte ich Euch unser Heim wieder zu verlassen.", sagt Tohlaron bestimmt, mit strenger Stimme.
"Wenn Ihr das wünscht, so sei es. Jedoch denkt an meine Worte! Ich rate euch zu fliehen, solange ihr noch könnt!"
Und mit lautem Knall schlägt die Türe zu.
Amrun und Avras sehen sich schweigend an und huschen so leise wie möglich in ihre Betten.
Was war das bloß?


Am nächsten Morgen wagt keiner der beiden am Frühstückstisch auch nur ein Wort zu sagen. Ihr Vater ist eigenartig schweigsam, wo er doch sonst eine so fröhliche Seele ist.
Verstohlen blickt Amrun in die Runde.
Avras stochert gelangweilt mit der Gabel in seinem Marmeladenbrötchen herum. Ihre Mutter streicht gewissenhaft Honig auf eine Scheibe Brot. Aranwe lächelt verschmitzt und zwinkert ihm zu. Ihr Vater starrt nur böse seinen leeren Teller an.
Schnell widmet sich Amrun wieder seinem eigenem Frühstück.
"Adar?", sagt Aranwe jetzt. "Wollen wir die Beiden heute nicht mitnehmen?"
Überrascht schaut Tohlaron auf. Auch die Zwillinge sind hellhörig geworden.
" Nun gut. Aber du übernimmst die Verantwortung, Aranwe!"
Ihr Vater scheint nicht glücklich über seine Entscheidung zu sein, lässt es aber auf sich beruhen.
Aranwe schaut seine jüngeren Brüder an.  Jeder der drei weiß genau, dass heute ein besonderer Tag werden wird.

Tohlaron in voller Rüstung voraus beschreitet Aranwe die Straße zum Tor des Königspalastes, an der linken Hand Amrun und Avras an der rechten.
Diese können nur noch staunen. Sie stehen vor einem silbernen Tor, vor dem zwei Elben mit gefährlich aussehenden Speeren stehen. Ihre silbernen Mithrilrüstungen glänzen wunderschön in der Morgensonne.
"Wen habt ihr denn heute mitgebracht?", fragt eine der Wachen freundlich.
"Das sind meine Jüngsten, Amrun und Avras."
Schüchtern verbeugen sich die Beiden.
Mit einem Lächeln öffnet der Wächter das Tor und sie betreten den Königspalast.
So etwas haben sie noch nie gesehen, noch nie in ihrem ganzen Leben.
Die riesige Halle ist in ihrem inneren noch viel eindrucksvoller als von außen.  Die hohe Decke wird von weißen Marmorsäulen gestützt. Riesengroße Fenster lassen viel Licht herein, sodass die unzähligen silbernen Stuckverzierungen glänzen und schimmern. An den Wänden sind prachtvolle Gemälde, die an längst vergangene Zeiten erinnern.
Vor lauter Staunen haben Amrun und Avras gar nicht bemerkt, dass ihr Vater und Aranwe schon weitergegangen sind. Schnell laufen sie hinterher durch eine der vielen silbernen Türen.
Sie gehen weiter durch hallende Gänge und lange Flure bis sie plötzlich vor einem reich verziertem Tor stehen bleiben.
Ihr Vater wechselt ein paar leise Worte mit der Wache davor und diese verschwindet darauf hin im inneren des Raumes. Es dauert nicht lange, da öffnet sich das Tor ein weiteres Mal.
Sie betreten einen langen Saal, der noch schöner, noch prächtiger ist, als alle, die sie bisher durchschritten haben. An dessen Ende steht ein riesenhafter Thron. Reinster weißer Marmor verziert mit silbernen Wellen und allerlei Meeresgetier. Dazu glitzern in schönstem meerblau unzählige  Saphire wie Sterne.
Darauf sitzt in einer prachtvollen blauen Robe ein schöner Elb mit langem braunem Haar. Aufmerksame graue Augen lachen freundlich aus einem weisen Gesicht.
Ihr Vater und Aranwe knien nieder, Amrun und Avras tun es ihnen gleich.     
"Bitte erhebt euch und kommt näher. Sagt mir, Aranwe, wer sind diese beiden starken Elben an Eurer Seite?"
Die Zwillinge klammern sich noch fester an die Hände ihres Bruders als sie vor den Thron treten. König Neanor steigt zu ihnen herunter und kniet sich vor die beiden.
"Verratet ihr mir eure Namen?"
Amrun strafft seine Schultern und tritt hinter dem Rücken seines Bruders hervor. Er verbeugt sich und sagt leise: "Mein Name ist Amrun und dies ist mein Zwillingsbruder Avras."
"Hm, Zwillinge also.", sinniert der König. "Wisst ihr, dass es vor euch in der gesamten Geschichte Eas sehr selten Zwillinge gab? Ihr zwei seid gewiss zu großem bestimmt."
Nervös knetet Amrun seine kleinen Finger. Eine Frage brennt ihm schon den ganzen Tag auf den Lippen, jedoch weiß er nicht, ob er es wagen soll, sie zu stellen. Doch er überwindet sich zuletzt doch.
"Gestattet Ihr mir eine kleine Frage, Ara nin?"
Der König richtet sich auf und lächelt.  "Die gestatte ich dir gerne. Sag, was lastet auf deiner Seele?"
"Was war der Grund der gestrigen Ratssitzung?"
Plötzlich verschließt sich des Königs Miene. Obwohl er noch lächelt, scheinen seine Augen nicht mehr so freundlich wie zuvor.
Amrun senkt beschämt den Kopf. "Bitte verzeiht, Ara nin. Ich wollte nicht..."
"Nein, es ist dein Recht es zu erfahren.", unterbricht ihn Neanor. "Doch dafür ist noch nicht Zeit."
Nun richtet er sich an seinen großen Bruder. "Aranwe, nimm die beiden mit zu den Lehrkämpfen. Tohlaron, auf ein Wort!"
Und so verlassen die drei Brüder den Thronsaal und lassen ihren Vater mit dem König allein zurück.
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