Wunden und Alkohol

GeschichteFreundschaft / P12
Hajime Saito
14.06.2017
14.06.2017
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Hallo!
Hier ist Animeliker und ich begrüße euch zu meiner ersten FF aus diesem Fandom! Habt Spaß!
LG Animeliker^^


Wunden und Alkohol


Saitos POV.:

Wie üblich drehte ich meine Runden, denn ich war mit der Patrouille beauftragt worden. Normalerweise liefen wir zu zweit durch die Stadt, um bösen Ereignissen vorzubeugen, doch Shinpachi musste wegen seiner Grippe das Bett hüten. Zwar hatte mir Hijikata einen Ersatz angeboten, doch ich hatte abgelehnt, denn ich wollte es niemandem aufbürden, noch mehr Überstunden zu machen. Sie waren immer erschöpft, wenn sie wiederkamen, sei es Heisuke, Harada oder Yamazaki. Es machte keinen Unterschied.

Dennoch hatte mich der Captain zurechtgewiesen, hatte mir erzählt, sollte ich nachsichtig werden, dann würde ich in erheblichen Schwierigkeiten stecken. Das mochte bei der Lage, in der wir uns gerade befanden zwar stimmen, doch ich war mir sicher, dass ich die paar Rasetsu auch so bewältigen konnte.

An einem kleinem Waldstück machte ich Halt, sah in den Himmel und erblickte ein wunderschönes Sternenzelt. Ich sah vielleicht nicht so aus, aber ich liebte den Abendhimmel. Wenn die Sterne leuchteten, sah ich so etwas wie Hoffnung. Sie gaben mir das Gefühl, dass sich alles noch zum Guten wenden würde. Nachdem wir den Krieg alle wohlbehalten überstanden hatten, hatten wir unseren Sitz wieder nach Edo verlegt und hatten unser Hauptquartier wieder aufgebaut.

Aber die Erinnerungen musste ich erst einmal verdrängen, da ein Rascheln meine Aufmerksamkeit gewann. Mein Schwert zog ich aus der Scheide, hielt es fest im Griff und drehte mich zu einem größeren Gebüsch.
„Kommt raus, sonst töte ich euch“, drohte ich und verengte die Augen, um in der Dunkelheit besser sehen zu können. Doch die Geräusche stoppten plötzlich und mich beschlich ein seltsames Gefühl.
Ich war mir sicher, dass die Rasetsu hier waren, denn ich spürte eine bedrückende Aura, was mich zur Vorsicht verleitete.

„Wartest du etwa auf uns?“, kam es plötzlich hinter mir, was mich zusammenzucken ließ. Wie hatten sie es geschafft, so schnell hinter mich zu gelangen, obwohl es so ruhig war und ich jedes Geräusch hätte hören können?! Doch ehe ich mich umdrehen konnte, verpasste mir mein Gegner den ersten harten Schlag in die Magengrube. Durch den Schock und die Überraschung ließ ich mein Schwert fallen, ehe ich zu Boden ging und ein wenig Blut spuckte.

Als ich aufsah, schaute ich in ein rotes Augenpaar, welches in der Dunkelheit noch gefährlicher aussah, als wenn man es bei Tageslicht erblickte. Diese Männer waren nicht nur stark und unberechenbar. Sie waren auch noch Rasetsu. Ein anderer setzte sich auf meine Beine und meine Arme wurden festgehalten, damit ich mich nicht wehren konnte.
„Die Shinsengumi sind wirklich schwach geworden. Wie habt ihr nur den Krieg überlebt? Unfassbar.“ Der Mann, welcher der Anführer zu sein schien, beugte sich zu mir herunter, zeigte mir sein teuflischstes Grinsen.
„Aber jetzt, da ihr uns fast ausgerottet habt, ist für uns die Zeit gekommen, um uns zu rächen.“
„Und dafür nutzt ihr nicht die Klingen, aber die Fäuste? Ich frage mich, wer hier erbärmlicher ist: Ihr oder wir?“, wollte ich monoton wissen, bevor ich mich losriss, die anderen niederen Rasetsu von mir stieß und mir mein Schwert greifen wollte, als ich plötzlich einen stechenden Schmerz in meiner Schulter spürte.

„Da du uns ja so tüchtig unterschätzt, wollte ich dir mal zeigen, dass DU der Erbärmliche bist. Was hat dir das jetzt gebracht? Du hast nun dein Schwert und eine verletzte Schulter. Und glaube mir, da kommt noch so einiges auf dich zu“, zischte es hinter meinem Ohr, ehe die Klinge des Katanas ganz langsam und qualvoll aus meiner Wunde entfernt wurde. Ein erneuter Tritt ließ mich zu Boden gehen. Der Rasetsu hatte Recht gehabt. Schon seit ich den Wald betreten hatte, war meine Konzentrationsfähigkeit stark gesunken.

„Hast du es nun begriffen? Wir legen dich lahm. Und die Vorstufe haben wir bereits absolviert. Ein Spinnengift. Schwer zu bekommen, aber es erfüllt seinen Zweck. Du bist abgelenkt, kannst nicht einmal dein Schwert ziehen. Die fehlt jede Kraft“, grinste mir der Weißhaarige zu und mit einem Fingerschnippen schossen die anderen auf mich zu, verletzten mich mit Tritten und Hieben. Vor meinen Augen flimmerte es bereits, als sich diese Monster endlich zurückzogen.

Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft aufzuschauen. Dennoch schickte ich meinen Blick in diese Richtung und schaffte es, einen kurzen Moment noch einmal das Gesicht des Rasetsus zu sehen, welcher mit seinem bereits blutbeschmierten Schwert vor mir stand.
„Damit wir das hier sauber über die Bühne bekommen, machen wir das hier auch schnell.“
Er hob das Katana an, doch bevor er zu seinem Zug kommen konnte, hörte ich das Schreien einiger Rasetsu und kurz darauf dumpfe Geräusche, als würden sie zu Boden gehen.

„Sag mal, wer hat dir erlaubt, meinen Freund so zu behandeln?“, fragte eine Stimme und ich konnte sein Grinsen schon erahnen.
„Was bildest du dir ein? Nur weil du einen Speer hast und mich damit aus der Entfernung angreifen kannst, denkst du, du kannst mir hier alles zunichte machen? Aber selbst wenn, jetzt habe ich zwei von den Shinsengumi, die ich auslöschen kann.“

Doch nur kurz darauf hörte ich ein mageres Röcheln und ein wenig Blut spritzte auf meinen geschwächten Körper. Mit aller Mühe drehte ich den Kopf.
„Harada...Was machst du hier?“, stieß ich gepresst hervor.
„Na ja, als erstes wäre mal ein Danke angebracht, findest du nicht?“, fragte der Braunschopf und kniete sich zu mir herunter.
„Ja, entschuldige. Vielen Dank.“
„Das war ein Witz. Die haben dich aber ganz schön übel zugerichtet. Kannst du aufstehen?“, wollte Harada wissen und besah sich meinen geschundenen Körper.

„Ich bin gelähmt. Es ist wohl ein Spinnengift. Aber was machst du hier? Solltest du nicht bei der anderen Patrouille sein?“, wollte ich wissen, als mich der Größere auf seinen Rücken hob. Natürlich mit Vorsicht.
„Hijikata-san wollte, dass ich dir unauffällig folge, um einzugreifen, wenn etwas ist. Wie er die Dinge manchmal vorhersagen kann ist wirklich unglaublich.“
„Da hast du recht“, stieß ich hervor und klammerte mich ein wenig mehr an meinen Freund.
„Mach dir mal keine Sorgen, das mit dem Gift und deiner Wunde kriegen wir schon wieder hin. Sieh zu, dass du dich ausruhst, bis wir wieder im Hauptquartier sind. Chizuru macht sich auch Sorgen.“

In diesem Moment wurde mir klar, wie falsch ich doch gehandelt hatte. Hätte ich auf Hijikata-san gehört, so wäre mir das alles erspart geblieben. Mir war auch nicht bewusst, dass ich eingeschlafen war, denn nach einer Weile wurde sanft an mir gerüttelt. Vorsichtig öffnete ich die Augen.
„Ah, er kommt zu sich. Saito...“, sprach mich eine leise männliche Stimme an. Benommen versuchte ich die Konturen zu deuten. Ein Schwarzhaariger Mann baute sich vor mir auf. Kein Zweifel, es war Hijikata-san, der mich da mit strengem und zugleich besorgten Blick ansah.

Neben ihm saß Heisuke und daneben Yamazaki, welcher sich immer wieder vor und zurück beugte.
„Wo...bin ich?“, fragte ich und wollte mich aufrichten, was aber von Yamazaki verhindert wurde, der mich wieder auf meinen Futon drückte.
„Bleib liegen. Das Gift scheint dich sehr mitgenommen zu haben.“
„Ich habe dir ja gesagt, dass du Verstärkung mitnehmen sollt, aber du wolltest ja nicht hören. Und wer nicht hören will muss fühlen.“ Hijikata verschränkte die Arme vor der Brust, schaute mich mit strengem Blick an.
„Es tut mir leid. Das wird nie wieder vorkommen“, entschuldigte ich mich und sah beschämt zur Seite. Ich hatte ihnen Ärger gemacht.

„Na ja, jetzt werd erst mal wieder fit. Du solltest die Medizin nehmen, die lässt deine Wunden schneller heilen.“ Heisuke lächelte mich an, bekam kurz darauf von Hijikata-san den Auftrag, die Nacht bei mir zu verbringen, damit ich auch ja keinen Unfug anstellte. Ich trank brav die Medizin, auch wenn sie wahnsinnig bitter war.

„Auf jeden Fall ist er fürs Erste versorgt. Das Einzige, was Saito jetzt noch braucht, ist Ruhe.“
Yamazaki und Hijikata traten den Rückzug an. Der Einzige, der blieb, war Heisuke.
„Du brauchst deine Zeit hier nicht zu verschwenden. Ich werde sowieso gleich schlafen“, meinte ich und schloss langsam die Augen. Eine große Müdigkeit überfiel mich plötzlich.
„Den Gefallen werde ich dir aber nicht tun. Hijikata hat mich damit beauftragt und ich werde bleiben, bis er mich abzieht“, erwiderte der Braunhaarige und spielte an seinem langen Zopf herum.

Ich ließ ihn gewähren, konnte ich ja nichts mehr tun. Meine Schulter schmerzte ein wenig aber ich konnte sagen, dass sie sehr gut versorgt war, ehe ich in den Schlaf fiel.


Heisukes POV.:

Saito hatte ich noch nie wirklich schlafen sehen. Eher hatte er den lieben langen Tag trainiert. Das Schwerttraining bestimmt seinen Alltag, wenn er nicht gerade auf Patrouille war. Und dennoch hatte ich ihn verstehen können, als er allein losziehen wollte. Innerlich war er ein wirklich guter Mensch, der sehr besorgt um andere war, es aber äußerlich kaum zeigte. Nur selten sah man auf seinem Gesicht mal ein Lächeln.

Doch nun schlief er tief und fest. Eine echte Seltenheit und ich entschied mich, mich leise in eine Ecke seines Zimmers zu setzten und aufzupassen.
Ab und an kam auch mal Chizuru dazu, brachte mir einen Tee und erkundigte sich nach dem Lilahaarigen. Ich war mit meinem heutigen Job mehr als zufrieden. Natürlich wartete ich einige Stunden darauf, dass ich abgelöst wurde und tatsächlich kam auch nach einiger Zeit Okita.

Dieser warf mir einen Blick zu, grinste dann in sich hinein und und flüsterte mir zu: „Alles in Ordnung?“
„Ja, schon. Ich warte nur darauf, dass du dich endlich hier her setzt, damit ich schlafen gehen kann. Bin ziemlich erledigt“, beichtete ich und klopfte leise auf die Tatami Matten neben mir. Ein leises Lachen kam von seiner Seite, ehe er sich neben mich sinken ließ.
„Dann geh mal schnell, bevor du mir noch hier eindöst. Dein Zimmer ist ja nicht weit entfernt.“
„Danke, Okita-san. Gute Nacht“, meinte ich und bemerkte, wie der Braunhaarige es abnickte. Die Tür leise schließend wankte ich in mein Zimmer, warf mich auf meinen Futon und war innerhalb von wenigen Sekunden eingeschlafen.

Erzähler POV.:

Während Heisuke dem Schlaf verfallen war, wachte nun Okita über den Verletzten Saito, welcher ebenfalls schlief. Zumindest für einen längeren Zeitraum. Nachdem Okita allerdings das Zimmer kurzfristig verlassen hatte, um auch nach dem Rechten draußen zu sehen, war der Lilahaarige wieder zu sich gekommen. Durch das restliche Gift in seinem Körper war er wie benebelt und suchte sich seinen Weg ins Freie, ohne zu wissen, wohin er überhaupt wollte. Saito war nicht gut, es wäre besser gewesen, wäre er nur liegen geblieben, doch es trieb ihn immer weiter in eine Richtung, die er gar nicht einschlagen wollte. Seine nackten Füße berührten den mittlerweile kalten Boden, welcher sich am Tag normalerweise stark erhitzte und plötzlich spürte er Gras und kurz darauf einen stechenden Schmerz. Entsetzt schrie er auf, kam dabei zur Besinnung und krümmte sich, um seine Atmung besser unter Kontrolle zu halten.

Was tat er hier? Wie war er hergekommen? Wieso stand er inmitten dieser Pflanzen, die ihm die Füße zerstachen? Er wusste es nicht. Vollkommen verwirrt und müde sah er sich um, versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, was aber aufgrund seiner Kopfschmerzen misslang.
„Saito!“, kam es aus einer anderen Richtung. Okita hatte ihn schnell gefunden, war er nun wütend und stellte seinen Freund zur Rede.

„Was machst du hier im Freien?! Hijikata-san hat dir doch mit Yamazaki zusammen Bettruhe verordnet. Deine Wunde reißt noch auf!“, rief er leise, um die anderen nicht zu wecken, denn sie befanden sich nur etwas außerhalb des Hauptquartiers. Okita hatte bemerkt, in welche missliche Lage sein Gegenüber geraten war und trat die Pflanzen mit seinen Schuhe zu Boden, damit sie keinen weiteren Schaden anrichten konnten.
„Komm her, ganz vorsichtig“, meinte er und streckte seine Hand nach Saito aus, damit er sie fassen konnte. Kurz zögerte der Mann mit dem langen Zopf, tat dann aber doch, was von ihm verlangt wurde. Okita reagierte schnell, hob den Benommenen auf seine Arme und brachte ihn zurück in sein Zimmer, wo er ihn auf den Futon setzte.

„Zeig mal her. Vielleicht kann ich die Dornen rausziehen. Was musst du auch da rein laufen?“, fragte Okita und sah sich das Übel an. Saitos Füße bluteten, hier und da erkannte er die Dornen, die dafür verantwortlich waren. Bei der ganzen, wenn auch schmerzhaften Prozedur, redete Saito nicht ein Wort, verzog dafür immer wieder das Gesicht, bis er schließlich ohnmächtig wurde und nach vorn kippte. Der Braunhaarige hielt ihn auf, schaute ob Saito Fieber hatte, was zwar der Fall war, aber noch schien es kontrollierbar. Vorsichtig legte er den Verwundeten auf seinen Futon, desinfizierte den Rest und zog anschließend eine Decke über seinen Freund. Kurz darauf machte er sich daran, ihm die Stirn zu kühlen und so schlug sich Okita die Nacht um die Ohren, bis sich Saito halbwegs beruhigt hatte.

Saitos POV.:

Ein paar Tage hatte ich das Bett nun nicht verlassen können. Die Wunde war inzwischen auf dem besten Weg der Heilung und ich konnte sagen, dass ich bald wieder auf Patrouille gehen konnte. Nachdem ich aufgewacht war und Okita völlig übermüdet gesehen hatte, hatte er sich die Mühe gemacht und mir alles erklärt, da ich nicht wirklich bei Sinnen schien. In der Nacht war ich also in ein paar Pflanzen getreten, die ich nicht wahrgenommen hatte und der Braunhaarige hatte die Arbeit mit mir gehabt. Seufzend ließ ich mich wieder zurück sinken, als dieser das Zimmer verließ.

Einige Stunden später kam mich Heisuke besuchen und machte mir den Vorschlag, am Abend mit allen anderen in gemütlicher Runde ein bisschen Sake zu trinken, damit ich nicht so einsam war. Zwar schämte ich mich für mein Verhalten, doch der Junge mit dem langen Zopf winkte es ab und versuchte mich mit den Worten „Na komm schon, das wird lustig und du wirst dich besser fühlen“, zu locken. Und schließlich sagte ich ja.  Die Tür zu meinem Zimmer wurde plötzlich aufgeschoben. Harada senkte den Kopf, als er durch die Schiebetür kam und grinste mich frech an.

„Heisuke, überredest du Saito schon wieder zu Dingen, die er nicht möchte?“, fragte er und wuschelte dem Jungen durch die Haare.
„Quatsch! Saito wollte eben auch mit trinken. Vielleicht hebt sich ja dadurch seine Laune etwas“, sagte Heisuke und verschränkte die Arme fast schon beleidigt vor der Brust.
„Na gut, aber lass dir nicht zu viel andrehen. Sonst kommst du später nicht mehr wohlbehalten in dein Zimmer“, lachte der Braunhaarige und rief Heisuke zu sich, damit er ihm bei den täglichen Aufgaben half. Ich lächelte, denn ich hatte Freunde, auf die man sich verlassen konnte. Zählen konnte man auch auf sie, wann und wo man auch war. Es spielte keine Rolle. Geholfen wurde dir immer.

Der Abend rückte näher und ich begann damit, mich aus meinem Futon zu schälen. Seit Heisuke mich besucht hatte, hatte ich geschlafen und somit erreicht, dass es mir besser ging. Durch die spezielle Medizin, die ich eingenommen hatte, ging es mir bereits besser, sodass ich es wagte, aufzustehen.

Kurz darauf klopfte es an der Tür, die danach aufgeschoben wurde.
„Oh, du stehst schon? Ich wollte dich eigentlich rübertragen“, meinte der Braunhaarige mit einem frechen Grinsen.
„Lass die Witze Souji. Ich kann selber laufen“, meinte ich und wartete, bis mein Gegenüber sich umgedreht hatte und ich ihm folgte.
„Ehrlich, du solltest mal etwas mehr trinken, dann würde es dir leichter fallen, deine Sorgen mit uns zu teilen.“

Wir trafen uns alle im Besprechungszimmer. Die meisten waren schon da und außer mir und Okita fehlten noch Harada und Sannan-san. Diese kamen nur wenige Minuten später, kurz nachdem Chizuru den Sake gebracht und verteilt hatte.
„Ruft mich, wenn ihr noch etwas braucht“, sagte sie und lächelte sanft in meine Richtung. Ihr schien es zu gefallen, dass es mir wieder besser ging, weshalb ich zurück nickte.

„Da jetzt alle vor Ort sind, können wir uns ja auf den Feierabend einstimmen“, schlug Sannan vor und erhob seine Flasche als erster.
„Außer Hijikata-san! Der kennt nur die Arbeit“, warf Harada ein und lachte, doch ehe der Angesprochene etwas sagen konnte, hatte Harada den Sake schon an seinen Lippen, nahm einen kräftigen Schluck. Die Runde lachte und so begannen wir eine gemütliche Runde.

Erzähler POV.:

Saito hatte schlussendlich noch die Kontrolle über seinen Körper. Die anderen hatten sich bereits betrunken. Selbst Hijikata hatten sie rumgekriegt, was sonst unmöglich war. Dennoch hatte Okita Recht gehabt. Es löste die Anspannung und zusätzlich die Zunge, wenn man betrunken war. Als der Lilahaarige etwas schwindelte, hörte er auf zu trinken, doch Souji und Heisuke, die neben ihm saßen, gefiel das gar nicht.
„Saitooo-saaaan, trink noch ein wenig mit uns“, lallte Heisuke und hielt ihm einen kleinen Becher entgegen.
„Nein, danke. Ich verzichte. Meine Grenze ist erreicht“, berichtete Saito und lehnte sich etwas nach hinten. Würde er auch nur einen weiteren Tropfen trinken, dann wäre es um ihn geschehen. Er war immer anständig gewesen und hatte nie zu viel getrunken. Immerhin wollte er als einziger noch seine Manieren wahren.
„Wenn er nicht will, dann lasst ihn doch“, ermahnte Hijikata die beiden und obwohl er schon zu viel Alkohol intus hatte, schien er noch einen klaren Verstand zu haben.
„Aber Hijikata-san! Saito ist immer so ernst. Er sieht aus, als hätte er gar keinen Spaß!“
Erneut hielt ihm Heisuke einen Becher unter die Nase.
„Nur einen noch“, jammerte er, doch Saito dachte nicht daran, ihm diesen Wunsch zu erfüllen.

„Das lässt sich doch ganz einfach lösen“, hickste Okita und stellte sich hinter den Lilahaarigen, welcher irritiert schien. Kurz darauf nahm ihn Souji in die Mangel, hielt ihn so fest, dass Saito seine Arme kaum bewegen konnte. Wie konnten Betrunkene nur solch eine Kraft haben?!
„Heisuke, du kannst jetzt!“, rief der Braunhaarige und als der Junge mit seinem Becher Sake zu mir kam, sah ich rot. Während die anderen da saßen uns lachten, trat ich wild um mich, versuchte mich zu wehren. Erfolglos.
„Hijikata-san! So tun Sie doch etwas!“, rief ich, doch es hatte ebenfalls keine Wirkung, denn dieser lag schon schlafend in einer Ecke des Raumes.

„Komm schon Saito-saaan. Sag aaaaaah!“ Heisuke erreichte sein Ziel und flößte dem nun Wehrlosen Sake ein, bis er schließlich anfing zu schwanken. Mit einem Mal hatte Saito bessere Laune, er lachte, weinte, freute und beschwerte sich gleichzeitig. Harada sah ihn an und wusste nun, warum er eine bestimmte Grenze nie überschritt. Er war der einzige, der noch halbwegs bei Verstand war. Er hätte vielleicht doch einspringen sollen, als Saito jemanden um Hilfe bat, aber seine Neugier war einfach zu groß gewesen.

Sie feierten noch lange, bis die meisten Mitglieder der Shinsengumi auf dem Boden eingeschlafen waren. Nachdem Heisuke und Okita mit Wasser versorgt worden waren, welches Chizuru gebracht hatte, waren sie halbwegs wieder im Hier und Jetzt angekommen.
„Was ist passiert?“, stöhnte Heisuke und rüttelte ein wenig an Saito, der schon eingegangen war.
„Saito, komm steh auf“, meinte er, versuchte es mit Okitas Hilfe, doch der erwünschte Erfolg blieb aus.
„Was machen wir jetzt?“, wollte Okita wissen und kratzte sich am Hinterkopf.
„Weiß nich, aber ich geh ins Bett. Soll er doch hierbleiben“, sagte Heisuke und wollte sich schon auf den Weg machen, als Harada wieder zur Tür hereinkam.
„Kommt nicht in Frage. Ihr bringt ihn gefälligst ins Bett. Immerhin ist es eure Schuld, dass er sich so benommen hat. Den Alkohol hatte er nicht gewollt“, belehrte der Lanzenträger die zwei, die nun vor ihm saßen. Er hatte die restlichen Mitglieder, darunter auch Hijikata-san, mithilfe von Chizuru in ihre Zimmer verfrachtet. Und er würde es bei Saito nicht tun. Das sollten diejenigen erledigen, die ihn in diesen Zustand versetzt hatten. Und das waren in diesem Fall Okita und Heisuke.

„Na schön!“ Okita hob den benebelten Saito auf seine Arme. Dieser beschwerte sich lautstark darüber, dass er noch einen trinken wollte, aber Heisuke entgegnete, als wäre er vollkommen nüchtern: „Du hast schon genug getrunken. Du gehst jetzt schlafen.“
Durch Saitos Gestrampel erreichten die beiden Schwertkämpfer das Zimmer erst einige Zeit später.
„Ich will nich schlafen! Ich will Aljohol! Mehr Saje!“, lallte der Ältere, ließ sich kaum beruhigen.
„Ist ja gut. Du kriegst heute nichts mehr. Heisuke, zieh die Decke weg, damit ich ihn endlich hinlegen kann.“ Der Junge tat dies, wenn auch nicht gerade geschwind und Okita konnte seine Last endlich ins Bett legen.“
„Du ruhst dich jetzt erstmal aus und schläfst.“ Noch immer murmelte Saito seinen Protest, reckte die Hand in die Höhe, um nach Okita zu greifen, doch der drückte sie wieder auf den Futon. Genauso wie den Körper des Lilahaarigen, als dieser versuchte, sich zu erheben.
„Was hab ich dir gesagt? Du sollst liegen bleiben“, ärgerte sich Souji und zog die Decke wieder zurecht. Heisuke hatte sich bereits verabschiedet und war ins Land der Träume abgedriftet.

„Dann bleib hier“, flüsterte Saito. Er wurde müder und müder, die Augenlider wurden schwer und schließlich hatte er den Kampf verloren.
„Na endlich, er schläft“, seufzte der junge Mann und ließ sich neben dem Schlafenden nieder. Kurz blickte er zurück auf das nun entspannte Gesicht und entschied: Saito würde weder von ihm, noch von irgendjemand anderem je wieder zu viel Alkohol bekommen!

ENDE