Die Geschichte von Lars Zickler

GeschichteAllgemein / P16
14.06.2017
27.05.2020
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14.06.2017 540
 
[Diese Geschichte entstand in Kollaboration mit Lyndis, derKanuit, Quendolyn Karrageish und Alszarhin+1]


Hallo.

Schön, dass Sie es einrichten konnten. Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten? Kekse? Im Kühlschrank sind auch noch Kaltgetränke, wenn Ihnen das lieber ist. Bedienen Sie sich.

Ich habe mal das Fenster aufgemacht, weil es heute etwas stickig ist. Wenn es zieht, geben Sie Bescheid.

So… nein, danke, Sie brauchen mir nichts mitzubringen, ich hol mir gleich selber.

Also. Lars Zickler. Ich nehme an, Sie haben bereits Grundkenntnisse über seine Vergangenheit, aber ich möchte ganz von vorne anfangen. Er war ein sehr intelligenter Schüler… ein intelligentes Kind, müsste man eigentlich sagen. Er wurde früher eingeschult, hat auch eine Klasse übersprungen.

Eigentlich hätte er aufs Gymnasium gemusst, aber er machte seinen Eltern vor, dass er auf der Realschule Freunde hätte, daher sollte er dort seinen Abschluss machen und danach auf die Oberstufe wechseln.

Wie Sie sich sicher vorstellen können, hatte er nicht wirklich Freunde. Er war mindestens zwei Jahre jünger als seine Mitschüler, teilweise sogar vier Jahre jünger als die üblichen Sitzenbleiber. Er war noch nicht lange vierzehn, als letztes Jahr die Abschlussfahrt nach Luctatio auf dem Programm stand. Seine Mitschüler waren alle mindestens sechzehn.

Hinzu kam, dass er ein wenig überheblich war. Er meinte es ja gar nicht böse, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber er wusste halt mehr als alle seine Mitschüler und korrigierte sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Natürlich zog er sich so den Unmut der anderen zu. Das war eine der wenigen Sachen, die er nicht verstehen konnte. Er war jünger, er war schlauer, er war unbeliebt.

Einzig Lisa Görm, Sie haben vielleicht schon in den Akten von ihr gelesen, versuchte zu schlichten und nett zu ihm zu sein. Alle anderen konnten ihn nicht leiden. Wäre er nicht so sportlich gewesen, wäre er mit Sicherheit oft verprügelt worden.

Und das kommt jetzt nämlich noch hinzu! Er war ein begnadeter Schwimmer. Auf Landesebene gewann er alle Medaillen seiner Altersklasse und wäre er nicht so zurückgezogen gewesen, hätte er sogar der jüngste Schwimmer im Nationalteam werden können. Aber das interessierte ihn nicht. Er war stolz über seine Medaillen und natürlich auch über die Leistungen in der Schule und er verstand es nicht, dass er dadurch von seinen Mitschülern nur Missgunst erntete.

Seine Freizeit bestand nur aus Lernen und Training. Andere Hobbys hatte er nicht, er las keine Comics, er ging nicht aus, er schaute keine anderen Sportarten. Ein soziales Leben hatte er nicht und er tat auch nichts, um dies zu ändern.

Naja… so viel also zu Lars. Kommen wir also zur eigentlichen Geschichte. Die Abschlussfahrt nach Luctatio. Es ist wohl wenig verwunderlich, dass Lars ganz vorne links direkt hinter den Lehrern saß. In der Busmitte war es ihm einfach zu laut und er wollte lernen. Neben ihm saß Lisa Görm. Sonst hätte sich einfach niemand neben ihn gesetzt und da die Klasse sehr stark besetzt war, musste jeder Platz besetzt werden.

Der Bus hatte unser Land bereits verlassen, er fuhr durch die südlichen Gefilde des Kontinents. Hier gab es noch viele Grünflächen, anders als bei uns. So fuhr der Bus durch malerische Waldgebiete. Doch für die Schönheit der Umgebung hatte Lars, der ein dickes Mathebuch auf dem Schoß liegen hatte, keine Augen.