Guten Tag, ich bin der Tod

von Alounus
GeschichteHumor, Parodie / P12
11.06.2017
05.10.2017
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Herzlich willkommen zu einer weiteren Geschichte mit skurrilem Humor meinerseits. Der Tod hat gekündigt - und Gott gibt eine Zeitungannonce heraus, um die Stelle neu zu besetzen.
Falls jemand eine Beschwerde hat, bitte bei der Beschwerdestelle einreichen. Wir shreddern ihr Anliegen sofort und teilen dies dem Autor mit.
Jetzt will ich gar nicht weiter nerven, lesen auf eigene Gefahr. Der Autor übernimmt keinerlei Haftung für Personenschäden.


„Chef, da will sie jemand sprechen...“
„Hat die Person einen Termin?“
„Nein, aber-“
„Aber Lukas, dann schick ihn weg. Es ist meine Mittagspause und ich hatte so schon genug zu tun. Mach ihm einen Termin, wenn wieder einer frei, lass mal sehen… das wäre dann in irgendwann in zweihundert Jahren. Ich bete jeden Tag, dass alle ihre Termine vergessen.“
Lukas stutzt.
„Sie beten, Chef?“
„Nein. Das war natürlich ein Witz. Ich nehme mir die nächsten zwei Wochen frei und gehe angeln, glaube ich.“
„Was? Aber Chef-“
„Mein Sohn springt bestimmt für mich ein. Du kennst ihn doch schon. Also, was ist das jetzt für ein wahnsinnig witziger Termin? Wenn es jemand von den Zeugen Jehovas ist, sie sollen wann anders kommen.“
„Ähh, nein Chef“, druckst Lukas herum, „es ist einer ihrer Angestellten…“
„Wenn Markus schon wieder eine Gehaltserhöhung will…“
„Dann will ich aber auch eine! Ich hab mindestens genauso viel gemacht wie er!“
„Beruhige dich“, grummelt sein Chef und schielt sehnsüchtig zu seinem Schrank mit den Angelsachen. Der Urlaub ist längst überfällig.
„Keiner von euch vier bekommt eine Gehaltserhöhung.“
„Chef, wir sind schon zu fünft“, sagt Lukas kleinlaut.
„Was? Hat denn nochmal jemand genau dasselbe erzählt? Wenn mein Sohn das hört…“
„Das war Mel Gibson… Außerdem verbreiten die Zeugen Jehovas doch ihre Botschaft, oder nicht, Chef?“
„Ich hab letztens bei einem von ihnen geklingelt“, sagt Gott, „ich hab gesagt: Guten Tag, ich bin Gott, und ich möchte mit ihnen über Klingelstreiche sprechen.“
Lukas guckt seinen Chef leicht unsicher an.
„Jedenfalls, da draußen ist-“
In diesem Moment schwingt die Türe zu Gottes Büro auf und herein tritt ein Mann in schwarzer Benediktinerkutte. Sein Gesicht wird von seiner Kapuze verborgen.
„Oh, du bist es…“, begrüßt Gott den Neuankömmling wenig begeistert, „lass mich raten: Entweder willst du mit mir über eine höhere Betriebsrente oder eine Gehaltserhöhung sprechen.“
Gott nimmt eine Dose aus seiner Schreibtischschublade und baut sich eine Tüte.
„Was denn?“, ruft er, als er Lukas' entsetzten Blick sieht.

Fußnote: Hommage an John Niven und seinen Roman „Gott bewahre“. In diesem Roman raucht nicht nur Gott Gras. Wollte ich nur zu meiner Verteidigung anmerken (Anmerkung des Autors)

„In den Niederlanden ist das auch erlaubt! Und seit Johan Cruyff bei uns eingezogen ist, ist mir wieder eingefallen, warum ich das Zeug erfunden habe!“
Er nimmt einen tiefen Zug und wendet sich an den Mann in der Kutte.
„Entschuldige, ich bin gerade sehr gestresst. Setzt dich doch. Auch einen?“, fragt er und hält dem Mann die Dose hin.
„Gerne“, antwortet die vermummte Gestalt und greift zu.
„Vielleicht erinnern sie sich, Chef“, sagt der Mann mit leichtem spanischen Akzent, „sie haben mich vor ein paar Jahren hier eingestellt.“
„1598, um genau zu sein“, antwortet Gott.
„Sie erinnern sich?“
„Ich bin ja auch allwissend“, erklärt Gott.
„Was ist mit Mel Gibson?“, wirft Lukas ein.
„Das wollte ich verdrängen“, murmelt Gott.
„Wenn Sie psychologische Betreuung braucht, Sigmund Freud ist schon seit ein paar Jahren da“, sagt Lukas.
„Ich brauche keinen Kopfdoktor“, winkt Gott ab, „lass uns bitte alleine, Lukas.“
Lukas tut wie ihm geheißen, denn er hofft immer noch, irgendwann eine Gehaltserhöhung zu bekommen.

Fußnote: Allwissender Erzähler…(Anmerkung von Gott)

„Wo ist denn deine Sense?“, fragt er den Tod.
Dieser lässt sich Zeit mit seiner Antwort, zündet die Tüte an und streift die Kapuze zurück. Er hat die typischen hohen Wangenknochen der hispanischen Halbinsel und eine hohe Stirn. Seine grauen Haare hat er sich im Nacken zu einem Zopf zusammengebunden.
„Die hängt daheim über dem Kamin. Ich kündige, Chef“, antwortet er schließlich.
Wenn Gott nicht so unfassbar high wäre, würde er sich jetzt tierisch aufregen.
„Aber warum denn?“
„Es ist Zeit, sich zur Ruhe zu setzen. Ich habe die letzten vierhundert Jahre diesen Job gemacht, war immer pünktlich bei der Arbeit und habe nie Urlaub genommen.“
„Dann will ich dich nicht aufhalten“, sagt Gott, „aber wenn du so freundlich wärst, deinen Nachfolger einzuweisen, wenn ich einen gefunden habe, wäre ich dir sehr zu Dank verbunden.“
Der Tod drückt die Tüte aus und lehnt sich entspannt in seinem Sessel zurück.
„Hast du denn schon jemanden gefunden?“
Gott schüttelt den Kopf und dreht sich einen zweiten Joint.
„Ich berufe nach der Mittagspause den Personalrat ein“, antwortet er.
„Den kompletten Rat?“, fragt der Tod verwundert.
„Ja. Ich schicke am besten schon mal einen Boten los und sage Petrus Bescheid, dass er auch ihn reinlassen soll.“
„Moment“, sagt der Tod und zieht die Augenbrauen hoch, „du willst doch nicht etwa…“
„Doch, auch Paarhufer sollen vom Personalrat nicht ausgeschlossen werden. Außerdem liefern wir uns immer recht interessante Wortgefechte.“
Der Tod erwidert nichts darauf.
„Jetzt erzähl doch mal“, sagt Gott freundlich, „wie waren denn die letzten Arbeitsjahre so?“
„Man muss mit dem Trend gehen“, erklärt der Tod.
„Ach ja?“, fragt Gott interessiert.
Der Tod kramt in einer seiner Robentaschen herum.
„Ich hab's gleich“, sagt er, „dreh dich doch mal um, Chef.“
Gott tut wie ihm geheißen. Ein wenig Abwechslung bei der Arbeit kann ja nicht schaden. Normalerweise lädt er sich dann irgendwelche Künstler ins Büro, die dann ein Konzert, aber dann sind die nächsten drei Wochen alle anderen Künstler eifersüchtig.
Nicht zuletzt deshalb leben Elvis Presley und Michael Jackson in den beiden Ecken vom unendlichen Himmel, die am weitesten entfernt sind.
„Fertig“, ruft der Tod und Gott dreht sich um.
Ein Totenkopf grinst ihn an.
„Wow“, ruft er begeistert, „das sieht ja richtig echt aus! Und da stehen die Kunden drauf?“
„Es geht“, räumt der Tod ein, „allerdings sind generell nur die wenigsten erfreut, wenn sie mich sehen. Aber die Maske war im Sonderangebot.“
„Das ist natürlich ein Argument“, nickt Gott.
Da klingelt sein Telefon.
„Entschuldige kurz“, lächelt er.
Der Tod nickt würdevoll.
„Ja bitte?“, fragt er.
„Sag mal Chef, geht’s noch?!“, brüllt jemand am anderen Ende der Leitung.
„Boah, Petrus, chill mal“, versucht Gott ihn zu beruhigen, was nicht ganz so einfach ist, da er immer noch total high ist.
„Ich kann diesen alten Ziegenbock doch nicht hier rein lassen! Mal ganz abgesehen davon, dass wir frisch geputzt haben und nachher bestimmt wieder überall Ziegenhaare liegen-“
„Ganz ruhig“, sagt Gott, der schon ziemlich benebelt ist. Der Stoff im Himmel entfaltet seine volle Wirkung nämlich immer etwas spät.
„Wozu bin ich denn allmächtig?“
„Diese unheiligen Ziegenhaaren vom letzten Mal sind immer noch da! Da hast du genau dasselbe gesagt!“
„Beruhige dich doch, Petrus!"
„Mich beruhigen? Das werde ich auch! Aber ich nehme mir erstmal eine Woche Urlaub! Soll doch jemand anders Portier spielen!“
Petrus legt auf.
„Und?“, fragt der Tod.
„Der Personalrat ist vollzählig“, sagt Gott.