Beim ersten Mal tut’s noch weh

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P6
Achim Pohl Josef "Jupp" Schatz Klaus Taube
11.06.2017
11.06.2017
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Titel: Beim ersten Mal tut’s noch weh (oder: Das goldene Stäbchen)
Autor: Lady Charena (Juli 2006)
Fandom: SK Kölsch
Charakter: Jupp Schatz, Klaus Taube, Achim
Rating: Humor, gen, pg
Beta: T’Len
Worte: 1015

Summe: Nach dem Desaster im japanischen Restaurant „Edo“ (Der Schatz des Samurai 01/02), nimmt es Taube auf sich, Jupp beizubringen, dass man Stäbchen nicht als Spieß benutzt...
 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
 
 

„Sag’ mal hast du den scharfen Senf irgendwo gesehen? Ich weiß genau, es war noch ne Tube da.“ Jupp Schatz sah seinen Kollegen an, als mache er ihn persönlich für den Verlust verantwortlich.
 
„Nein, habe ich nicht“, entgegnete Klaus Taube und goss kochendes Wasser aus dem Schnellkocher über die Instantnudeln in einer Schale. „Wozu brauchst du den? Wolltest du dir nicht nur schnell die restliche Pizza von gestern Abend aufwärmen?“
 
Beide hatten beschlossen, das riskante Spiel mit der Kantinenverpflegung nicht mehr auf sich zu nehmen. Außerdem hatte sich durch die Abwesenheit der meisten anderen eine geradezu paradiesische Ruhe im Büro ausgebreitet.
 
Jupp ließ es sich nicht nehmen, einen prüfenden Blick in Taubes Schreibtischschublade zu werfen, obwohl es äußerst unwahrscheinlich war, bei seinem stets ordentlichen und perfekt organisierten Partner etwas zu finden, das dort nichts zu suchen hatte. „Hast du schon einmal Pizza gegessen, die zum zweiten Mal aufgewärmt wird?“
 
„Nein.“ Klaus klopfte Jupp auf die Finger.
 
Der zog mit einem keineswegs schuldbewussten Grinsen die Hand aus Taubes Schreibtischschublade, wo er neugierig herumgekramt hatte. Nicht, dass es da irgendwas interessantes zu finden gab. „Ohne Senf ungenießbar.“
 
„Pizza mit Senf?“ Klaus deutete ein Erschaudern an. „Jupp, das ist sogar für dein Verständnis von Ernährung widerlich.“
 
Die Mikrowelle zirpte und Jupp verschwand in die Kaffeenische. Gleich darauf erschien er mit einem Pappteller und seiner Pizza. Anstatt jedoch an seinen eigenen Schreibtisch zurück zu kehren, setzte er sich wieder auf die Kante von Klaus‘ Tisch.
 
Taube holte ein paar Essstäbchen aus der Schublade, streifte die Papierhülle ab und brach sie auseinander. „Ich bin beeindruckt, du benutzt so etwas wie einen Teller.“
 
Jupp leckte sich Tomatensoße aus dem Mundwinkel. „Was hast du sonst erwartet?“, fragte er. „Die ist heiß. Soll ich sie auf dem Kopf transportieren?“
 
„Ich hätte eher den Wirtschaftsteil der Zeitung erwartet.“
 
„Sehr witzig“, murmelte Schatz. „Hast du dafür eigentlich einen Abendkurs besucht?“, fragte er einen Moment später und deutete auf die Stäbchen.
 
Klaus lachte. „Es ist wirklich nicht schwerer, als mit Messer und Gabel zu essen“, entgegnete er mit einem gezielten Blick auf Jupps mit Tomatensoße bekleckerten Finger. „Mit ein bisschen Übung könntest sogar du es lernen. Nur für den Fall, dass du wieder einmal im „Edo“ essen solltest.“
 
Jupp grinste. „Zum Essen gehe ich da bestimmt nicht hin.“ Er dachte schon eher an die... Betreuung... durch die hübschen japanischen Nixen im angegliederten Badehaus.
 
Taube räusperte sich. „Auf jeden Fall wäre es weniger peinlich gewesen, wenn du nach einer Gabel gefragt hättest, als das Essen aufzuspießen.“
 
„Und dir haben sie in Japan das goldene Stäbchen verliehen, oder was?“, murrte Jupp.
 
Klaus sah ihn fragend an.
 
Jupp zuckte mit den Achseln. „Na so was wie den Freischwimmer. Oder ein Seepferdchen, eben halt für Stäbchen“, setzte er grinsend hinzu.
 
Taube schnitt eine Grimasse. „Wenn du willst, bringe ich es dir bei.“ Er schob die halb geleerte Schale zur Seite und holte ein zweites Paar Essstäbchen aus der Schublade, um sie Schatz zuzuschieben.
 
Jupp stellte seinen Pappteller ein wenig wackelig auf einem säuberlich sortierten Stapel Akten ab und begann die Papierhülle von den Stäbchen abzuzupfen.
 
„Tu’ dir nur nicht weh damit“, frotzelte Klaus und führte es Jupp vor, wie man die Stäbchen in die Hand nahm. „Es ist wirklich ganz einfach. Das eine Stäbchen klemmst du hier ein, mit dem Daumen. Nein, nicht so. So.“ Er schob das Stäbchen höher, und drückte von unten Jupps Mittelfinger nach oben, so dass der von unten stützte. „Und das andere klemmst du hier zwischen die Kuppe von Daumen und Zeigefinger. Auf die Art kann man es frei bewegen und wie mit einer Pinzette das Essen aufheben.“ Er zog die Hände zurück. „Versuch es mal.“
 
„Und mit was?“ Auf Jupps Stirn erschien eine steile Falte – entweder war es Ärger oder Konzentration. „Pizza kann man schlecht mit Stäbchen essen.“
 
Klaus fischte ein paar Büroklammern aus der Schublade und legte sie auf den Tisch. „Wie wäre es damit?“
 
Jupp schüttelte den Kopf. „Niemals. Viel zu klein.“
 
„Reiskörner sind kleiner.“ Klaus überlegte kurz und zog dann einen Radiergummi hervor. „Dann versuch’ es mal hiermit.“
 
Die Stäbchen klapperten auf den Tisch. „Davon bekomme ich einen Krampf.“
 
„Unsinn. Das ist wie bei vielen Dingen.“ Klaus grinste. „Es tut nur beim ersten Mal ein bisschen weh - wenn man sich daran gewöhnt hat, will man gar nicht mehr damit aufhören.“
 
Jupp musterte ihn scharf, verzichtete aber weise darauf, diesen Satz zu hinterfragen. Dafür fühlte er sich jetzt irgendwie bei seinem Ehrgeiz gepackt. „Los, zeig’ es mir noch mal.“
 
Klaus hob die Stäbchen auf und platzierte sie in Jupps Hand, rückte seine Finger zurecht.
 
„Oh, das tut mir jetzt aber leid, dass ich hier so rein platze“, erklang Achims Stimme von der Tür. Er grinste, als die beiden überrascht aufblickten. „Wird man euch in Zukunft häufiger Händchenhalten sehen?“ Achim beschloss, den hastigen Rückzug anzutreten, als Jupp die Stäbchen erneut auf den Tisch schleuderte und ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter schnitt. Außerdem hatte er nun Jenny und Gino ein neues Gerücht zu unterbreiten.
 
Jupp kehrte an seinen eigenen Schreibtisch zurück und rieb sich die verkrampften Finger. „Das musste nun wieder sein“, meinte er, an niemand bestimmten gerichtet. Als er Taube leise lachen hörte, schoss er ihm einen wütenden Blick zu.
 
„Du musst zugeben, es sah verfänglich aus“, erwiderte Klaus ungerührt. „Aber ich bin sicher, dein Hetero-Ruf wird nicht unter diesem kleinen... Ausrutscher mit mir... leiden.“
 
Jupp verdrehte die Augen. „Wenn das deine Art von Anmache ist, wundert es mich nicht, dass du noch alleine bist“, stichelte er. Und stimmte dann in das Lachen seines Freundes und Partners ein.

 
Ende
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