A Little Piece Of Heaven

von MonaGirl
GeschichteDrama, Romanze / P12
Alex Karev Derek Shepherd Isobel "Izzie" Stevens Lexie Grey Meredith Grey OC (Own Character)
10.06.2017
25.11.2018
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PROLOG

Vor einem Jahr ...

SGH - Cafeteria



Wie ein Damoklesschwert hing über Izzie die Frage, die Cristina gerade allen Anwesenden am Tisch in der Cafeteria gestellt hatte: Wenn du dich entscheiden müsstest. Was würdest du wählen? Die Chirurgie oder die Liebe?

„Was ist denn das für eine komische Frage?“ Meredith schüttelte kurz den Kopf und widmete sich dann wieder ihrem Sandwich.

„Eine ehrliche.“ Cristina zuckte lässig mit den Schultern. „Kommt schon! Seid ihr etwa alle zu feige, ehrlich zu euch selber zu sein?“ Sie schaute in die Runde. „Fragen wir doch mal die anderen Anwesenden am Tisch.“ Ihr Blick blieb an Lexie hängen, die nervös mit ihrer Gabel spielte. „Unsere kleine Grey vielleicht?“

„Ich … keine Ahnung“, stotterte Lexie peinlich berührt.

„Alex?“

Izzie hielt reflexartig den Atem an. Bitte, sag jetzt nicht das Falsche! flehte sie innerlich. Sie war zurückgekommen, weil sie nach wie vor an die Liebe glaubte. Und sie hoffte, dass es Alex genauso ging.

„Die Chirurgie.“ Er hielt den Kopf krampfhaft nach unten gesenkt. „Liebe kommt und geht, die Chirurgie bleibt.“

Betretenes Schweigen am Tisch, das Meredith plötzlich durchdrang, indem sie sich zu Worte meldete. „Okay, ihr habt mich erwischt! Wenn ich wählen müsste zwischen Liebe und Chirurgie würde ich ganz klar die Chirurgie wählen.“ Sie lächelte verkrampft zu Alex hinüber. „Wir sind uns da ähnlich.“

„Es ist nur ein Job.“ Izzie wusste nicht, woher sie überhaupt die Kraft nahm, sich an dem Gespräch zu beteiligen. Ihr war zum Heulen zumute. „Wenn du deinen Job verlierst, findest du irgendwo einen anderen“, fuhr sie mit zitternder Stimme fort. „Aber wenn du deine Liebe verlierst ...“ Sie stoppte und warf einen verstohlenen Blick zu Alex hinüber, der weiterhin den Augenkontakt mit ihr mied. „Wenn du glaubst, dass du deine Liebe verlierst, dann ist alles andere nicht mehr wichtig.“

Die Stille war bedrückend, die daraufhin entstand und Izzie verspürte den Wunsch, einfach aufzustehen und aus der Cafeteria zu rennen.

„Es wird Zeit für deinen PET-Scan!“ Alex erhob sich abrupt, nachdem er einen Blick auf die Uhr geworfen hatte. Sein Gesichtsausdruck war unbeweglich. Er sprach zu ihr, wie zu einer Patientin.

„Okay.“ Izzie erhob sich und rang sich noch für die anderen ein Lächeln ab, bevor sie ihm eilig folgte. Auf dem Weg zum CT Raum hatte sie Mühe, mit ihm Schritt zu halten. „Sie haben mir zwei Jobs angeboten“, sagte sie, um ihre Nervosität zu überspielen. „Aber ich dachte, Tacoma wäre näher. Wir könnten uns öfter sehen. Auf jeden Fall haben sie mich gebeten, mich vorher noch einmal gründlich durchchecken zu lassen. Sie wollen eben niemanden mit Krebs einstellen.“ Sie lächelte verkrampft. „Danke, dass du dich gleich bereit erklärt hast, die Scans zu machen! Ich hätte Meredith oder Cristina oder irgendeinen anderen fragen können, aber ...“ Sie stoppte erschrocken, als sich Alex blitzschnell zu ihr umdrehte und sie mit finsterem Blick ansah.

„Wieso bist du zurück gekommen?“ herrschte er sie an.

Izzie zuckte vor der brutalen Offenheit seiner Frage zurück. „Ich ...“ Sie befeuchtete ihre trockenen Lippen. Sollte sie ihm die Wahrheit sagen? Sie entschied sich dagegen. „Ich habe mich bereits dafür entschuldigt, dass ich dir damals nicht geglaubt habe, dass du nichts mit meinem Rausschmiss zu tun hattest!“ stieß sie hervor. „Was soll ich noch tun?“

„Spielt das jetzt noch eine Rolle?“ sagte er gleichgültig und öffnete die Tür zum CT Raum. „Warte kurz hier“, sagte er in kühlem, geschäftsmäßigen Tonfall. „Ich muss mir noch die Sicherheitsweste anlegen. Zieh dich schon mal um!“ Er deutete auf ein zusammengefaltetes Nachthemd, dass auf einem Stuhl lag. „Du kennst dich ja aus.“

„Ja.“ Izzie verdrängte tapfer die Tränen, die in ihr hochstiegen. Er hasst mich! dachte sie verzweifelt, während sie sich das bereit gelegte Nachthemd überstreifte und dann auf das Scanner Bett legte. Sie war zurück gekehrt, weil sie auf eine Versöhnung gehofft hatte. Doch diese Hoffnung war nun wie eine Seifenblase zerplatzt. Sie spürte, wie eine Träne an ihrer Wange herunter lief und wischte sie hastig fort, als sie sah, dass Alex den Raum wieder betrat. Er sollte nicht sehen, dass sie wegen ihm weinte.

„Bereit?“ fragte er knapp und drückte dann einen Knopf, der Izzie in den Computertomographen fuhr.

Mit über den Kopf gestreckten Armen, wartete sie dann ungeduldig auf das Ende der Prozedur. Sie hasste es, in dieser Röhre zu sein! Unbewusst begann sie, schneller zu atmen.

„Versuche ruhig zu atmen, okay? Langsam ein und aus“, ordnete Alex an.

Seine Stimme verfehlte ihre Wirkung nicht. Izzie spürte, wie eine wohlige Ruhe über sie kam. Sie erinnerte sich, was Meredith ihr am Telefon erzählte hatte. Das war auch der eigentliche Grund gewesen, wieso sie nach Seattle zurück gekehrt war. „Ich muss es wissen, Alex“, begann sie stockend. „Als mich Meredith anrief sagte sie, dass du dich mit einer anderen Frau getroffen hättest. Ist das wahr?“ Ängstlich wartete sie auf seine Antwort.

„Du meinst, ob ich Sex mit ihr hatte?“

Izzie schloss reflexartig die Augen. Oh bitte nein! schrie es in ihr. Sag, dass du keinen Sex hattest! Sag, dass du es uns und unserer Liebe niemals antun würdest! Wir sind verheiratet! Bedeutet das denn nichts?

„Ja, wir hatten Sex ... mehrmals“, gestand er leise.

Sein Geständnis war wie ein Dolchstoß in ihre Brust. „Und … und liebst du sie?“ stieß sie mit letzter Kraft hervor.

Einen Moment war Stille, bevor Alex dann schließlich doch antwortete. „Ich weiß nicht … Sie war da für mich, als du es nicht warst. Sie hat mir über eine schwierige Zeit hinweggeholfen.“

Er war zumindest ehrlich, dachte sie bitter. Wann was sie das letzte Mal ehrlich zu ihm gewesen? Die Zeit danach, die sie auf das Ergebnis des Scans warten musste, erschienen ihr wie Folter. Beinahe teilnahmslos nahm sie die Scans dann in Empfang und starrte mit trockenen, brennenden Augen auf die Bilder. Nichts. Es war beinahe so, als ob sie niemals zuvor Krebs gehabt hätte. Die Scans waren clean. Doch sie konnte sich nicht wirklich darüber freuen. Sie erinnerte sich mit einem Mal, wie Alex sie in seinen Armen gehalten hatte nach der erfolgreichen Gehirn OP. Sie erinnerte sich an den Moment, wo er ihr vor dem Altar gesagt hatte, dass er sich von nun an allen Anforderungen stellen würde, egal was passierte. Gemeinsam hatten sie den Tod besiegt, den Krebs. Es war die Liebe zueinander gewesen, die ihnen die Kraft zum Kämpfen gegeben hatte. Doch Liebe alleine reichte jetzt nicht mehr aus. Sie hatte ihn verloren. Sie hatte es schon vorher gespürt, aber nun war sie sich sicher. Müde hob sie den Kopf, als die Tür zum Umkleideraum aufging und sah ihm entgegen. Wortlos reichte sie ihm die Scans. Sie hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, was jetzt darauf folgte. Er nahm sie in den Arm, drückte sie fest an sich und stieß einen Seufzer der Erleichterung aus.

„Ich kann es nicht glauben!“ stieß er hervor, während er sie weiterhin fest umfangen hielt. „Es ist beinahe so, als ob es nie passiert wäre.“

„Aber es ist passiert.“ Izzie legte ihre Arme fester um seinen Hals. „Ich hatte Krebs, wir haben geheiratet. Das alles ist wirklich passiert. Und wir haben es gemeinsam überstanden!“

„Du hast es überstanden.“ Er löste sich vorsichtig aus ihren Armen und sah sie mit ernstem Gesicht an. „Du hast mich verlassen, bist zurück gekommen, hast mich wieder verlassen ...“ Er senkte hastig den Kopf, um ihrem Blick auszuweichen. „Hast du geglaubt, dass es so einfach ist, wieder zurück zu kommen, um unsere Beziehung zu kitten?“ Er schüttelte den Kopf. „Du hast mir gezeigt, dass ich ein guter Kerl bin, der es wert ist, um seiner selbst Willen geliebt zu werden. Und eins weiß ich jetzt ganz sicher.“ Er machte eine kurze Atempause, bevor er fortfuhr. „Ich weiß, dass ich das nicht verdiene. Ich verdiene jemanden, der bei mir bleibt, der mich nicht ständig verlässt, wenn ihm danach ist, der zu mir hält und mir vertraut!“

Unbewusst hatten die Tränen angefangen zu laufen, während Izzie ihm ruhig zugehört hatte. Sie wusste, dass er mit jedem Wort die Wahrheit sprach. Wenn es einen gab, der für das Scheitern ihrer Ehe verantwortlich gemacht werden musste, dann war sie es.

„Ich liebe dich!“ fuhr Alex fort. „Aber dich zu lieben heißt auch gleichzeitig, dich zu hassen!“ Er schüttelte traurig den Kopf. „Ich kann so nicht leben, Izzie! Ich bin froh, dass du gesund bist. Denn jetzt kannst du woanders ein neues Leben beginnen. Ich möchte, dass du gehst und glücklich wirst und nie mehr zurück kommst!“

Izzie wusste nicht, woher sie die Kraft nahm, den Umkleideraum zu verlassen. Sie war froh, dass Alex ihr nicht folgte. Sie wollte alleine sein mit ihrem Schmerz und ihren Tränen, die weiterhin unaufhörlich ihre Wangen hinunter rannen. Was hatte sie noch vor wenigen Stunden zu allen gesagt? Wenn man seine Liebe verlor dann wurde alles andere unwichtig. Und so blieb ihr nur noch eins zu tun: Die Koffer zu packen, Meredith auf Wiedersehen zu sagen und für immer aus Seattle zu verschwinden .. und aus Alex' Leben.
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