Der berühmte, letzte Tropfen…

GeschichteFreundschaft / P6
Achim Pohl Josef "Jupp" Schatz Klaus Taube
09.06.2017
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09.06.2017 1.465
 
Titel: Der berühmte, letzte Tropfen…
Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch
Episode: Queen of Swing (08/02)
Charaktere: Jupp Schatz, Klaus Taube, Achim, andere erwähnt
Rating: Jupp/Alessa (Vergangenheit)
Rating: PG-12 (für ein paar „schmutzige“ Wörter, ts ts, wo ist nur die Seife?)
Beta: T’Len
Worte: 1451

Summe/Hintergrund: Der berühmte, letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Klaus hat nach der Sache mit Alessa (Episode Queen of Swing) noch ein Hühnchen mit Kollege Jupp zu rupfen.
 
Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
 

 
„Ach, Jupp? Warte doch bitte mal einen Moment. Ich muss mit dir sprechen. Es ist wegen des Kantinenausschusses.“
 
Er hatte gehofft, sich heimlich und leise davonstehlen zu können. Aber Taube erwischte ihn, noch bevor er den ersten Schritt auf der Treppe nach unten gemacht hatte. Und Klaus‘ Stimme hatte einen Unterton, der Jupp überhaupt nicht gefiel. Denn eigentlich wollte er jetzt nur noch nach Hause und sich einen Eisbeutel aufs Auge legen. Sehr zur Schadenfreude seiner Kollegen – denn ein gewisser „Jemand“ hatte ja den Mund nicht halten können und alles brühwarm weitergetratscht – schwoll die Stelle über dem Auge, wo ihn Ellens Schlag erwischt hatte, wieder an. Jupp überlegte ernsthaft, ob er bei Haupt damit durchkommen würde, wenn er sich wegen eines Veilchens krankschreiben ließ. Er hatte immerhin Kopfschmerzen.
 
Seufzend drehte er sich zu seinem Partner um. „Hat das nicht Zeit bis irgendwann?“, fragte er. „Ich hab’ echt was anderes vor, als mit dir zu streiten.“
 
„Aha.“ Klaus zog eine Augenbraue hoch. „Ein weiteres Rendezvous mit der Zwitschertussi? Ich dachte du hättest genug von ihr.“
 
„Aha“, äffte ihn Jupp nach. „Hast du nicht ein Rendezvous mit Richter in der U-Haft? So ein kleiner Plausch von Frau zu Frau, um sich an deiner Schulter auszuheulen, ist doch bestimmt das Richtige für diese durchgeknallte Tunten-Transe.“
 
Klaus Lippen wurden für einen Moment schmal, seine Augen verdunkelten sich wütend. „Ich habe dir schon einmal gesagt, dass er nicht schwul ist. Er ist ein Crossdresser. Und außerdem hat er das alles nur wegen deiner blonden Schnepfe getan, um ihr nahe sein zu können. Er kann einem nur leid tun. Du kannst einem nur leid tun. Wahrscheinlich würdest du das sogar selbst so sehen, wenn du einen einzigen Moment aufhören könntest, ausschließlich mit deinem Schwanz zu denken.“
 
„Herr im Himmel.“ Jupp stöhnte übertrieben gequält. „Geht das Rumgezicke jetzt schon wieder los?“, knurrte er. „Ich fahre aber nicht. – Denk an Safer Sex. – Leg’ deine Waffe unters Kopfkissen. Das ganze Wochenende nörgelst du an mir herum wie eine eifersüchtige Ehefrau. Jetzt mach’ aber mal nen Punkt. Ist das ein Anfall von Muttergefühlen, Nestbauinstinkt oder was ihr Frauen sonst so an schwachsinnigen Ideen entwickelt?“
 
„Du hast sie doch nicht mehr alle“, erwiderte Klaus sehr höflich und sehr leise – was umso deutlicher machte, dass Jupps Worte ihn tief verletzt hatten. Er sah seinen Partner noch einen Moment lang an, dann wandte er sich ab und ging zurück in Richtung seines Büros.
 
Jupp fluchte innerlich. Seine Enttäuschung darüber, dass sich Alessas hübsche Fassade als genauso hohlköpfig entpuppte, wie Taube die ganze Zeit über behauptete und dass sie ungeachtet aller Verluste nichts als ihr eigenes Vergnügen im Sinn hatte, ließ ihn gegen den einzigen Menschen ausschlagen, der das wirklich nicht verdient hatte. So dickfellig war er nun auch nicht, dass es ihm nicht wehtat, dass ihr seine Verliebtheit nur geschmeichelt und sie ihn für ihre Zwecke ausgenutzt hatte. Er war eins ihrer Spielzeuge gewesen, eins in einer langen Reihe – und mit dem Etikett: „Nach Gebrauch wegzuwerfen“ auf dem Rücken.
 
Trotzdem war er sauer auf Klaus. Vom ersten Augenblick an, als sie Alessas Wohnung betreten hatten, war sein Partner plötzlich wie ausgewechselt gewesen. Zickte herum, kritisierte ihn und machte eine Bemerkung über Gino, die für Klaus‘ sonst eher zurückhaltende Art geradezu obszön war. Im Büro ging das Gestichel dann weiter, als Achim aus Alessas Akte vorlas. Und das war ja noch nichts gegen sein „Ich fahre aber nicht“-Theater gewesen, als er ihn gebeten hatte, mit dem Dienstwagen zu fahren, während er mit Alessa ein Taxi nahm. Klaus hatte sich ärger als eine eifersüchtige Ehefrau benommen, schlimmer als Ellen – zumindest hatte er ihm aber keine für seinen Fehltritt verpasst.
 
Aber das konnte ja noch kommen, angesichts dessen, wie er seinen Freund gerade angepflaumt hatte.
 
Jupp lief ihm hinterher. „Klaus, verdammt, jetzt warte doch mal.“
 
Zumindest etwas. Taube stoppte und drehte sich zu ihm um, die Arme vor der Brust verschränkt, ein deutliches Schmollen in den Mundwinkeln.
 
Es irritierte Jupp. Zum Teufel, sie arbeiteten nur miteinander. Und waren Freunde, ja. Aber das gab Taube nicht das Recht, sich aufzuführen, als hätte er irgendwelche Ansprüche an ihn. Herrgott-noch-mal, es ging schließlich niemand etwas an, wen er vögelte!

Sie starrten sich an und Jupp war sich sehr bewusst, dass ein Korridor, in dem ziemlich häufig jemand durch musste, kein besonders guter Ort für einen Streit war – es sei denn, er legte Wert darauf, dass sie in einer halben Stunde DAS Gesprächsthema im Präsidium waren.

„Kannst du mir vielleicht mal erklären, was mit dir los ist?“, fragte er mit äußerster Beherrschung.
 
„Kannst du mir vielleicht mal erklären, was mit DIR los ist?“, zischte Klaus. „Springst diese Flittertussi an wie ein Karnickel im Hormonrausch, schlägst jede Vorsicht in den Wind, ignorierst jeden Verdacht gegen diese falsche Unschuld vom Lande...“
 
„Sie kommt aus Kalk“, platzte es aus Jupp heraus, bevor er sich selbst stoppen konnte.
 
Klaus‘ Gesicht nahm einen unmissverständlichen Ausdruck von Verachtung an. „Von mir aus kann sie auch gerade erst vom Mond gefallen sein“, fuhr er fort, die Stimme wegen möglicher Zuhörer etwas gedämpft. „Auf jeden Fall hast du dich völlig zum Idioten gemacht, nur um sie zu ficken!“
 
„Und das muss ich mir von jemand anhören, der mich „Verräter“ nennt, nur weil ich nicht dafür gesorgt habe, dass ein vegetarisches Gericht auf die Kantinenkarte kommt!“, erwiderte Jupp etwas lahm. Er konnte einfach nicht fassen, dass es Klaus war – sein Taube! – der ihn völlig entgegen seiner sonst eher gewählten Ausdrucksweise an keifte wie ein Fischweib.
 
Klaus bohrte den Zeigefinger in Jupps Brust. „Merkst du eigentlich noch überhaupt was? Der Kantinenfraß ist mir so was von scheißegal. Mir steht es bis hier, immer hinter dir her zu laufen und wie ein Trottel von dir behandelt zu werden.“ Er unterstrich jeden Satz mit einem Stoß seines Fingers gegen Jupps Brustbein. „Du hörst mir nie zu. Du machst immer genau, was dir gerade in den Sinn kommt, ohne auch nur für eine Sekunde deine Denkmurmel einzuschalten. Wer denkst du das du bist? Supermann? Hältst du dich eigentlich für unverwundbar, oder was? Du wärst um ein Haar vom Dach gesegelt. Oder Richter hätte dich erschossen. Wenn ich nicht Alessa hingeschleppt hätte, könnte sich Dr. Weiss jetzt an dir austoben. Wenn du dich nicht änderst, Jupp, sind wir geschiedene Leute. Dann kannst du dir einen anderen Idioten suchen, der dir in Zukunft den Arsch rettet, hast du mich verstanden?“
 
Jupp starrte ihn verblüfft an. „Jetzt warte aber mal einen Moment...“, begann er, als er nach dieser Tirade seine Stimme wiederfand, doch Klaus wandte sich auf dem Absatz um und ließ ihn stehen.
 
„Und noch was, Jupp...“ Klaus drehte sich zu ihm um. „Wenn ich noch einmal einen deiner saublöden Sprüche über Homosexuelle anhören muss, kotze ich dir auf deine Schuhe, ist das klar?“ Er verschwand im nächsten Büro und ließ die Tür hinter sich ins Schloss knallen.
 
„Was ist das hier? Schon wieder so ein verdammter Scheiß-Alptraum?“, fragte Jupp die Wand. Er war versucht, sich zu zwicken, als Achim in seinem Blickfeld erschien.
 
Hinter den Brillengläsern leuchteten die Augen des Aktenlurches voll Neugier. „Was war denn hier eben los? Hab ich dich jemand anschreien hören?“
 
Jupp stöhnte. „Was zum Teufel willst du, Achim?“
 
Achim störte sich nicht an dem unfreundlichen Tonfall. „Ich wollte nur fragen, ob Klaus dich gefunden hat. Haupt hat angerufen. Weil sich der Kantinenausschuss nicht einigen konnte, gibt’s morgen noch ein Probeessen. Und diesmal musst du echt hin, Befehl von Haupt. Klaus wollte dir Bescheid geben. Ich dachte nur, weil du doch...“
 
„Sag. Es. Ja. Nicht“, presste Jupp zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus. „Ich will keinen Pieps mehr hören. Schmiert euch doch euren Scheiß in die Haare. Ich gehe nach Hause! Ich bin krank.“ Er ließ Achim stehen und stürmte wütend den Gang entlang.
 
„Also ein Benehmen ist das“, meinte Achim kopfschüttelnd. Zuerst verbarrikadierte sich Taube mit einer Miene wie eine Orkanwarnung hinter seinem Schreibtisch. Dann führte sich Jupp auf wie King Kong. „Können die ihre Privatstreitigkeiten nicht woanders austragen? Manche Leute arbeiten hier auch.“ Er rückte seine Brille zurecht und machte sich auf die Suche nach Jenny, um den neuesten Klatsch mit ihr auszutauschen...
 
 
Ende
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