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Guter Tausch (REUP)

von Azarnya
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Rosemarie "Rose" Hathaway Vasilisa "Lissa" Dragomir
08.06.2017
08.06.2017
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Ein guter Tausch

Wie mein erstes Mal gewesen war? Ich erinnerte mich nur noch an Bruchstücke. Ich erinnerte mich an die anfängliche Kälte in meinem Inneren, als es aus mir wich. Ich erinnerte mich an den Schmerz, als sie sich in meinen Hals gruben. Und doch, war es das Schönste und Berauschenste was ich jemals in meinem Leben gefühlt hatte.
Die Gefühle und Eindrücke blieben in meinem Kopf hängen. Dunkle, verblassende Erinnerungen an dieses erste Mal, die ich längst schon hätte vergessen müssen, nach all den Jahren. Sie blieben. Doch diesen erste Endorphinschub, ja, blieb mir fest im Gedächtnis verankert.
Ich schüttelte kaum merklich den Kopf.
Dies hier ist doch bei weitem besser? Jeden Tag über Jahre hin weg, bist du high und dann denkst du über dein erstes Mal nach?
Ich holte einmal tief Luft und las meine Zeitschrift weiter. Er stand schon wieder in den Klatschblättern. Wieder das selbe. Was? Er hat sich schon wieder von ihr...
Der Vorhang wurde aufgeschoben. In meiner "Konzentration" gestört, sah ich von meiner Zeitschrift auf und ein Lächeln trat auf mein Gesicht. Zwei Mädchen traten in die Kabine ein. Die eine war zweifellos ein Dhampir, was man an ihrer weiblichen Rundungen erkannte. Die Blondhaarige war jedoch ein Moroi, die ich direkt erkannte.
Ich hatte bis jetzt nie das Vergnügen gehabt, ihr zu begegnet, aber ihre Geschichte hatte auch die Runde bei uns Spendern gemacht. Vasilisa Dragomir, die Letzte ihrer Blutlinie. Man hatte sie also wieder zurück an die Schule gebracht. Mein Lächeln wurde breiter. "Willkommen zurück, Prinzessin."
Der Vorhang wurde wieder zugezogen und die Prinzessin setzte sich auf den Stuhl neben mir. In mir regte sich die Vorfreude. Es waren bestimmt schon eine bis zwei Stunden her. Aus dem Augenwinkel erkannte ich, wie der Damphire das Gesicht verzog. Ich erkannte Ekel, aber auch etwas anderes, Verlangen und ein Fünkchen Eifersucht. Im ersten Moment wunderte mich dieser Gesichtsausdruck, doch dann kam es mir. Von wem hätte die Prinzessin sonst trinken sollen ohne Aufzufliegen. Ich legte meinen Kopf zur Seite und bot so der Prinzessin meinen Hals da. Ich wusste was sie sah. Narben von den jahrelangen Bissen, manche verblasst, manche frisch. Wie bei jedem anderen auch. Gleich ist es so weit.
Die Reiszähne gruben sich in meinen Hals. Früher, als Frischling, war ich immer zusammen gezuckt, mit den Jahren verließ mich dieser natürliche Instinkt. Ich schloss die Augen und seufzte auf. Jede Zelle meines alten Körpers sehnte sich nach diesem Gefühl der Wonne. Ich war süchtig danach, schon seit vielen Jahren. Man kommt davon nicht mehr los. Dieser Endorphinschub war zu berauschend. Ich erinnerte mich an einen alten Herren, den sie vor ein paar Jahren weggescheucht hatten. Er war einfach zu alt geworden und die Gefahr das er starb, war einfach zu groß gewesen. Gebettelt auf Knien hatte er, als man ich fortschickte, geschrieen als man ihn wegbrachte. In ein paar Jahren wird es bei dir auch so sein. Sie werden dich einfach wegschicken. In einen goldenen Käfig stecken, mit all dem Luxus ... nur nicht mit dem, wo nach sich dein Körper so verzweifelt sehnt. Ich hatte gehört, dass man ihn nach zwei Tagen tot aufgefunden hatte. Der Alte war so verzweifelt gewesen, dass er sich (angeblich, wenn es nicht verschönt wurde) mit seinem Leintuch erhängt hatte. Dieses Ereignisse hatte Gemurmel und Getuschel unter meinen Reihen gebracht. Kurze Zeit kam es von einigen, sie wollen aussteigen. Einen “Entzug” machen, doch sie taten es nicht. Wie denn auch? Hoffnungsloses Unterfangen, meiner Meinung nach. Fast jeden Spender rafft es dahin, wenn er zu alt war und aussortiert wurde. Sie warfen sich vor Autos oder Busse, sprangen aus Fenstern, oder wie der Alte, erhängten sich. Tja so ist es nun mal.
Vasilisa löste sich von mir und wischte sich das Blut von den Lippen. Sie nickte mir dankend zu und die beiden verließen den abgetrennten Raum. Ich starrte noch einige Minuten auf den zugezogenen Vorhang. Langsam tastete ich meinen Hals ab und spürte die Wulst der alten Narben und den frischen Biss von der Prinzessin. Ich zog meine Hand zurück und betratet das bisschen Blut an meinen Fingerspitzen. Werde ich auch mal so enden wie der Alte? Oder werde ich mein Happy End finden? Ein leichtes Lächeln schlich sich auf meine Züge, während ich das Blut - mein Blut - weiter betrachtete.
Meine Lebensessenz getauscht gegen einen Endorphinkick? Ja das erwies sich für mich und auch all die anderen Spender für einen guten Tausch. Mein Lächeln wurde breiter und ich nahm mir wieder meine Zeitschrift. Auch wenn es mich am Ende in den Wahnsinn treiben wird, ja es ist ein guter Tausch...

Hallo :3 Ich hatte diese Kurzgeschichte bereits 2013 hochgeladen, war nach dem ich sie mir mal wieder durchgelesen, so unendlich geschockt wie viele Fehler ich reingeballert hatte, sodass mich entschlossen sie zu überarbeiten und neu hochzuladen.
Ich denke mal einige werden die Stelle aus dem 1. Band erkennen :3

Aza
 
 
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