Schwarze Illusion

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
OC (Own Character)
07.06.2017
07.01.2018
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07.06.2017 1.540
 
llusion..
..eine Selbsttäuschung aus dem Wunsch heraus, dass etwas besser sein möge, als es wirklich ist.

1.

Und ich werd‘ den Teufel tun und nicht eher ruh’n, bis ich Dich am Boden seh‘, oder Du da bist, wo ich nun steh. Das waren seine letzten Gedanken bevor er, wie schon so oft, dem gehörnten Wesen direkt vor sich den Kopf von den knochigen Schultern hob. Sein Atem ging schwer, doch das konnte ihn nicht davon abhalten wieder an die Oberfläche zu gelangen. Makar würde es schaffen. Würde über kurz oder lang wieder das Tageslicht erblicken, dessen war er sich sicher. In seinem Kopf hallte ein stummes Grinsen wieder und der Krieger schüttelte seinen Kopf hastig. Verschwinde endlich! …wieder ein Kichern und Makar atmete prustend aus, bevor er sich den kriechenden, winselnden und kichernden, sowie stöhnenden Kreaturen rings um ihm widmete.
Wie lange er hier schon kämpfte wusste er nicht. Doch aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Obgleich der Schwarm an Dämonen-Lakaien nicht enden wollte, so war er sich sicher, dass hier ein Hoher Herr sein Nest haben musste und er würde ihm gehörig den Arsch aufreißen, so viel stand fest!

Reißen…beißen…über jede Klinge schicken! Ja, sicher. Was hast Du dir denn sonst gedacht? Eine Blumenwiese bei Mondschein? Grummelnd verdrehte er die Augen und sein stetiger Begleiter tigerte weiterhin aufgebracht und ausgehungert durch seinen Verstand. Über Jahrzehnte, nein.. Jahrhunderte hatte man sie hier gefangen gehalten. Gefoltert. Nun war es Zeit dieser Hölle den Rücken zu kehren und die kargen Felswände mit dem Blut seiner Peiniger zu tränken.

Mit unmenschlicher Geschwindigkeit brach er aus seiner geduckten Haltung hervor, während das Schwert, welches er mit tödlicher Präzision führte, vorschnellte und einigen Angreifern Arme und Flügel von den deformierten Körpern trennte. Sich in seiner ausladenden Bewegung umdrehend, traf er weitere dieser Biester und enthauptete sie. Dies hielt die übrigen nur nicht davon ab sich in seinen Oberarmen und Waden zu verbeißen und ihr tödlich brennendes Gift in seine Adern zu pumpen.
Makar spürte wie seine Füße taub wurden als es einem der Biester gelang, dass er sein Schwert fallen ließ. Er hätte die Wahl gehabt. Finger oder Schwert behalten. Mal abgesehen davon, dass der Finger nachgewachsen wäre…über Monate…mit unsäglichen Schmerzen …. Finger. Eindeutig, Finger. Nun bahnte, tötete er sich seinen Weg hinaus eben mit bloßen Händen. Was war schon dabei? Ein Kinderspiel! ..und diese hübsche, sonnenbeschienene Wiese erst. Verdammt Ill, nicht bei mir, bei IHNEN! Brüllte er in seinen Kopf hinein und grummelte als sich das Trugbild auflöste. Schon vergessen? Was mir geschieht, gilt auch für Dich. Zusammen, bis in die Ewigkeit oder zum Tod…und letzteres wünscht sich keiner von uns also fang endlich an!
Ill…kurz für Illusion. Ein Dämon. Ein höchst ironischer Umstand, wenn man bedachte, dass Makar bis vor einigen tausend Jahren noch Zeus selbst gedient hatte. In dessen Armee von unsterblichen Kriegern. Bis seine Brüder und er Pandora die Büchse, die sie bewachen sollte, entwendeten und diese öffneten. Sie entließen die gefangenen Dämonen und zur Strafe wurde ein jeder von ihnen dazu verdammt einem dieser Dämonen als lebendiges Gefängnis zu dienen. Unsterblich, unvergessene Pein und noch bis heute täte er alles um diesen Fehler wieder rückgängig zu machen. Aber man sollte sich kleine Ziele und Meilensteine setzen, nicht wahr? Also drosch er ohne Unterlass die nicht enden wollende Flut an Dämonen nieder, die sich zwischen ihn und die Oberwelt stellte. Das Gute daran? Es war alles erlaubt. Immerhin kämpfen diese Biester mit unfairen Mitteln, also konnte er dies ebenso tun. Kurz schloss er seine Augen und musste unweigerlich grinsen, so das seine Zähne zum Vorschein traten. Ja, er hatte verlängerte Eckzähne. Was nicht hieß, das er einer von diesen nervigen Blutsaugern war. Er war schlimmer! Makar hatte über die Jahrtausende einfach genügend Zeit gehabt sich mit dem Besuch in seinem Kopf ausgiebig auseinander zusetzen und hey, was man nicht ändern konnte, sollte man akzeptieren. Dieses Maß an Akzeptanz des Dämons äußerte sich, für jeden sichtbar, wenn er lächelte. Denn….nur weil er die Mittel dazu hatte, bedeutete das nicht, das er es tun müsste. Vor Zuschauern.
Der Krieger holte aus und bekam einen der Dämonen zu fassen, drehte seine Hand und es knackte kurz als er ihn mit gebrochenem Genick fallen ließ. Nun komm schon, Ill. Langsam wurde er ungeduldig und sein Gang glich dem von Frankensteins Monster. Das Gift breitete sich also aus. Wunderbar… am Rand seiner Wahrnehmung erkannte er an einer der mit Blut verschmierten Wände, dass sich ein Dämon materialisierte. Größer, als die Lakaien.
Die Haut des Dämons war ekelerregend grün, durchzogen mit schwarzen Abstufungen und von der Beschaffenheit wohl ähnlich derer von Kröten. Auch schien er irgendeine Art ‚Sekret‘ abzusondern. Es roch erbärmlich, doch grinste er Makar umbeeindruckt entgegen.
„Willst Du etwa schon gehen, Illusion?“ Er bleckte die Zähne und Sabber troff aus seinen Mundwinkeln. Füße und Hände glichen mehr langen Klauen und ein riesiges gekräuseltes Horn zierte seine Stirn. Wenn das mal keine Steilvorlage wäre…. Makar nickte wissend. „Natürlich wollen wir schon gehen. Zwei Jahrhunderte müssen Dir doch wohl reichen, Einhörnchen?“
Die Ader an den Schläfen des Dämons pochten verräterisch. Natürlich würden diese Jahrhunderte nicht reichen, dass wusste er. Doch war Makar festentschlossen zu gehen. Nicht, weil es hier nicht warm und kuschelig war. Immerhin mochte er Brandblasen. Wirklich, nur eben nicht bei sich! Ganz zu schweigen von der Folter und den ‚Handgreiflichkeiten‘ seiner Folterknechte. Er sah sich nach Waffen um, fand jedoch keine. Vielleicht die Arme seiner bereits zerstückelten Widersacher?
„Schläfst Du? Komm schon, wir haben keine Zeit!“ Makar ging in Kampfstellung. Die Knie gebeugt, Beine standfest auseinander und die Hände zu Fäusten geballt. Zweitausend Jahre und sein Dämon war immer noch der Meinung, dass er tun und lassen könnte, was er wollte. Das er nicht mit drauf gehen würde, wenn man sie zurechtprügelte. Zwei Individuen in einem gemeinsamen Gefängnis. Das konnte nicht gut gehen, aber hatte Zeus sie gefragt? Hatte er über die weitreichenden Konsequenzen nachgedacht? Er war der König der Götter, der ‚Herr über alles‘, wie er sich selbst betitelte. Also beantwortete das jegliche aufkommende Frage mit ‚Nein, hatte er nicht und es war ihm auch egal.‘
Peitschende Schwanzhiebe und ein zischender Windzug holten ihn wieder in die Gegenwart und er konnte den scharfen Krallen gerade noch ausweichen, welche sich nur Zentimeter neben seinem Kopf in den Felsen rammten.

Chance nutzen. Nutzen. Bewegen.
Das Knacken der Felswand neben ihm und das kurze Beben, welches die Höhle durchzog, lies Makar aus seiner Starre erwachen. Gezielt platzierte er seine geballte Faust in der Magengrube seines gegenüber und erntete ein ersticktes Keuchen, gefolgt von Blut in seinem Gesicht. Ein Grinsen huschte über seine Lippen als er sich an dem Dämon vorbeidrängte.
„Leg Dich nicht mit Gegnern an, die mehr sind als Du verkraften kannst“, sagte er spöttisch und trat seinem Kontrahenten in den Rücken, so das dieser in sich zusammensackte.
Teil eins des Plans? Check! Nun hieß es heil hier heraus zu kommen. Was nicht einfacher werden würde, da dem Krieger bewusster war als je zuvor, dass er geschwächt war. Das Gift der Dämonen sickerte immer noch brodelnd durch seine Adern und sollte es sein Herz erreichen….er würde vermutlich nicht sterben, aber unsägliche Schmerzen erleiden und vermutlich für unbestimmte Zeit außer Gefecht gesetzt sein. Vielleicht zu lange um einem erneuten Versuch ihn einzufangen nicht standhalten zu können.
Also schleppte er sich die kantige, spröde Felswand entlang, in Richtung des eindeutigen Luftzuges. Seine Haut barst unter den hervorstehenden Erhebungen und sein Blut tropfte von seinen Fingerspitzen, doch anhalten kam nicht in Frage. Er würde hier herausfinden, würde frei sein. Endlich frei sein! Auch der immerwährende Begleiter in seinem Inneren zog ungeduldige Kreise in seinem Kopf und impliziert ihm Bilder seines einstigen Zuhauses. Eines der Dinge, die ihn all die Zeit zum Überleben angehalten hatten. Zwar hatte er weder Frau noch Kinder, aber wer brauchte das schon, wenn er Freunde hatte? Ja, er freute sich seine Kammeraden, Kampfgefährten, seine Familie wieder zu sehen und nichts würde ihn davon abhalten! Weder seine Gliedmaßen, deren Kraft sich im Sande verlief, noch die nahende Ohnmacht und der Schleier, welcher sich über sein Sichtfleld legte.
„Da vorrrrn. Siiieh hinnn!“ Die zischend, säuselnde und ihm wohlbekannte Stimme ließ ihn blinzeln und eine stählerne Leiter kam in sein Blickfeld. Er musste seit Stunden, mehr kriechend denn gehend unterwegs gewesen sein und das mehr blind statt sehend, da ihm die Dunkelheit aufgrund des Blutverlustes zu schaffen machte. Doch sah es nicht danach aus, als führte diese Leiter auch nur Ansatzweise irgendwohin.
„Hör zu. Wehe Du verarscht mich! Wir sind beide geschwächt also zeig mir nichts, was nicht hilfreich wäre!“
Ein leises Kichern war die Erwiederung. War das zu erwarten? War es… aber hatte er eine andere Wahl, als seinem ‚Freund‘ zu vertrauen? Nein. Also ergriff er die Sprossen und zog sich kräftezehrend hinauf. Zentimeter um Zentimeter, Meter um Meter. Immer weiter hinauf, ohne die Hand vor Augen sehen zu können, griff er von einer Sprossen zur nächsten, bis sein Kopf gegen einen eisernen Widerstand drückte.

Zuerst stieß er fast entmutigt Luft aus, doch nach genauerem Abtasten stellte Makar fest, dass sich der Widerstand verschieben ließ. Also drückte er ihn mit letzter Kraft bei Seite, hievte sich hinauf und blieb rücklings, die Beine noch herunterbaumelnd liegen.
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