Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Erotik / In Ketten

In Ketten

von Deety
GeschichteDrama, Romanze / P18
06.06.2017
27.01.2019
44
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Ketten – welch absolute Faszination geht von ihnen aus! Die Glieder aus schwerem Eisen schmiegen sich kühl in meine Handfläche und sie gleiten langsam durch meine Finger … Eine solch unglaubliche Kraft symbolisieren sie, eine Unzerbrechlichkeit …  
Jedes Glied lasse ich einzeln fahren, als ich sie auf den Boden herunterlasse. Irgendwann einmal möchte ich sie an mir haben, sie spüren, wie sie mich binden … möchte mich davon erregen lassen, indem ich damit gefesselt werde … Spielerisch schlinge ich das Ende um mein Handgelenk und fühle das Gewicht … liefere mich ihnen aus … das heftige Pochen meines Herzens klingt mir überlaut in den Ohren und ich halte aufgeregt meinen Atem an … Oh ja, ich muss es unbedingt mal ausprobieren, wie es ist, mich damit festketten zu lassen und mich dem Liebesakt vollständig zu unterwerfen … völlige Hingabe an den geliebten Menschen, das ist es, wonach ich so sehr verlange …


„Kann ich dir dabei helfen?“
Schlagartig erwachte Fanny aus ihrem Tagtraum und riss erschrocken ihren Kopf hoch. Das wie immer leicht selbstgefällig grinsende Gesicht von Oliver war über ihr erschienen. Unversehens ließ der Kerl seinen Blick zu ihren Händen schweifen.
„... was auch immer du da gerade tust.“ Sein Mundwinkel zuckte unwillkürlich amüsiert auf, was Fanny schockiert aus ihrer knienden Haltung auffahren ließ. Hektisch fummelte sie das Ende von ihren Gelenken los und die grobe Kette rasselte mitten auf der Zufahrt der Sportstätte zu Boden.
Deutlich bemerkte sie, wie ihre Stirn vor Verlegenheit heiß wurde – sicherlich war sie weithin sichtbar knallrot angelaufen. Und ausgerechnet der große Bruder ihrer besten Freundin musste jetzt auftauchen – wie peinlich war das denn? Nicht dass er ihren aufgewühlten Zustand noch mitbekam und sich darüber lustig machte!

„N-nein … äh, schon gut. Hab alles im Griff.“
Oliver grinste noch mehr, während er vieldeutig auf die fallengelassene Kette starrte. Irgendwie machte er den Eindruck, als ob er genau wüsste, in welche Richtung ihre Gedanken gerade gewandert waren … Obwohl das ja kaum möglich war, denn er war ja wohl bestimmt nicht telepathisch veranlagt, oder?
„Sieht aber nicht so aus“, meinte er betont lakonisch und beugte sich spontan zu ihr herunter. „Komm, ich helfe dir eben.“
„Nein, ist schon gut, wirklich! Ich komme klar …“ Er sollte bloß wieder abhauen, dieser blöde Kerl! So lange sie zurückdenken konnte, hatte er seine Schwester Anna und sie selbst immer geärgert, egal worum es auch ging. Und später hatte er sich zusammen mit seinen Kumpels ständig über die beiden Mädchen lustig gemacht. Okay, auch das war nun schon wieder Jahre her, denn mittlerweile waren sie alle erwachsen geworden und keine Kinder mehr, sodass sie allgemein zivilisiert miteinander umzugehen pflegten.

Doch galt das auch für ihr persönliches Verhältnis zueinander? Wie dachte er wohl über sie? In jüngster Vergangenheit hatte Fanny eigentlich so gut wie nie mit ihm auch nur ein Wort gewechselt, war über ein kurzes Nicken zur Begrüßung nicht hinausgegangen, obwohl sie noch immer im gleichen Verein Sport trieben. Anna und sie spielten seit über einem Jahrzehnt zusammen Handball, schon seit der C-Jugend, Oliver hingegen Fußball in der zweiten Herren-Elf. Und natürlich frequentierten sie alle nach dem Training oder den Heimspielen schon immer die gleiche Clubgaststätte.

Fanny hatte nach Ende des Trainings den Kreidewagen in den Schuppen zurückgestellt und nun fühlte sie sich durchaus imstande, die grobe Kette ganz alleine vorzuhängen. Nur dass sie zufällig gerade für einen kurzen Moment völlig weggetreten gewesen war, als sie die Kette herüber gezogen und sich heruntergebeugt hatte, um sie mit dem mächtigen Schloss zu versehen.
Warum auch immer, die ausgesprochen unanständigen Gedanken hatten sie gepackt und sie hatte wie in Trance auf dem Boden gekniet und war völlig in sich versunken gewesen.

„Magst du sie? Ich meine … Ketten?“
In Olivers Stimme schwang ein besonderer Tonfall mit, den sie noch nie von ihm gehört hatte und auch auf Anhieb nicht identifizieren konnte. Zumindest sprach er ungewöhnlich sanft mit ihr, was sie überraschte. Fanny schaute auf und sah in ein Paar grauer Augen, die durchdringend auf sie gerichtet waren.
„Was? Wie- nein! Wie kommst du denn auf sowas?“
Verstört senkte sie ihren Blick. Was dachte er sich eigentlich! Völlig nervös versuchte Fanny endgültig aufzustehen und angelte erneut nach dem Kettenende, doch Oliver gebot ihr Einhalt, indem er ihre Hände ergriff und sie festhielt. Fanny erstarrte in Panik. Was sollte das?

„Ich habe dich eben beobachtet“, raunte er ihr zu, während er Fanny die Kette aus der Hand nahm. „Und ich wette, du hast dir vorgestellt, wie es wäre … sie zu tragen.“
Vor Aufregung bekam sie Schnappatmung. Hatte er das gerade laut gesagt? Wieso konnte er so leicht erraten, worüber sie nachgedacht hatte? War es derart offensichtlich? Oder konnte es sein, dass sie ihn gerade völlig falsch verstand und er damit etwas ganz anderes meinte?
Ohne es zu wollen, musste sie wieder hochsehen und ihm direkt in die Augen blicken. Sie musste unbedingt herausfinden, ob er sich über sie schlichtweg amüsierte und er eigentlich nur vorhatte, sie zu ärgern. Oder vielleicht nicht … denn die Anspielung auf die sexuelle Bedeutung war klar. Kannte er sich denn aus? War er erwachsen genug, ein solches Thema anzusprechen?
In ihrem Inneren fing es an zu prickeln. Der junge Mann genau vor ihr versprühte gelassene Ernsthaftigkeit, der Ausdruck seiner grauen Augen war lebhaft, und das glattrasierte Kinn war schon lange nicht mehr mit Pickeln übersät. Die muskulöse Statur unterstrich sein insgesamt recht männliches Wesen.
Es war neu für sie, ihn auf diese Art anzuschauen, denn sie kannte ihn nun schon so lange und doch war er urplötzlich ein völlig Fremder, der sie so eindringlich musterte.

Plötzlich hockte er sich vor sie hin und zog seinerseits am losen Ende der Kette, so dass er ein längeres Stück zu fassen bekam.
„Ich zeig' dir mal was. Komm, streck deine Arme vor!“
„Nein! He, was- … was hast du vor?“ Sie zuckte im ersten Moment hektisch zurück, doch war ihre Gegenwehr nur halbherzig, denn irgendwie war sie noch ungläubig, dass er genau ihre Gedanken teilte, und zögerte deshalb viel zu lange, wirklich aufzustehen und Abstand von ihm zu gewinnen.
„Keine Angst, es ist nichts dabei“, murmelte Oliver und hielt sie weiter fest. Ganz behutsam, als wolle er sie nicht verscheuchen, zog er mit einer Hand an ihren Fingerspitzen ihre Arme noch weiter zu sich her, während er mit der anderen Hand anfing, die Kette locker um beide Gelenke zu winden.
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