Dear little Brother

von RamonaXX
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Captain Lewis Nixon Major Richard D. Winters
06.06.2017
06.06.2020
20
66.447
13
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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28.12.2017 1.848
 
Hinweise:
Länge:  1.758 Wörter
Canon: Inspiriert von Part 5 „Crossroads“, Minute 27:37
(Winters versteckt als Freundschaftsgeste Nixons Whiskey. Die zwei haben eine sehr flapsige Art damit umzugehen.)
Timeline: 13. Dezember 1944, Mourmelon, Frankreich


Mein kleiner Bruder

Mit dynamischen Schritten nahm Nixon die drei Stufen hinauf zum Gebäude, wo sich das Hauptquartier befand. Er war so euphorisch, dass er hinter der Eingangstür beinah in einen Unteroffizier rannte, der einen Stapel Akten auf den Armen balancierte. Die Empörung des uniformierten Mannes tat Nixon mit einer laxen Geste der Entschuldigung ab und hechtete an ihm vorbei die Treppe hoch. Nichts konnte seine gute Laune heute trüben. Und der Grund dafür war ebenso banal wie ergreifend – Dick war wieder zurück.

Wie sehr er seinen Freund die letzten zwei Tage vermisst hatte – wobei vermisst Lewis fast schon zu weich, zu rührselig klang – war ihm erst bewusst geworden, als Dick ihn nicht wie gewohnt zum Essen begleitet hatte. Einen halben Tag oder eine Nacht ohne Dick, das hielt er ohne Probleme aus, aber mehr als 48 Stunden? Das war definitiv zu viel. Er brauchte seine bessere Hälfte; und das aus verschiedenen Gründen.

Immer noch beschwingt nahm Nixon die letzten Stufen zum obersten Stockwerk und schlenderte den Flur entlang. Das Büro vom zweiten Bataillon lag am Ende des Flurs auf der linken Seite. Ohne sich ums Anklopfen zu bemühen stürmte Nixon das Vorzimmer mit dem Adjutanten.

„Tach, Zielinski“, warf er dem verwunderten Mann zu und ging schnurstracks an dessen Schreibtisch vorbei.

„C-captain!“, entfuhr es dem Adjutanten. Mit einem Satz war er auf den Beinen und um seinen Schreibtisch herum gelaufen, bereit sich Nixon in den Weg zu stellen. „Sie können jetzt nicht…“, begann Zielinski, doch da hatte Nixon die Tür bereits geöffnet und den kleinen Mann entschieden beiseite geschoben.

Die Miene von Winters hellte sich merklich auf als er von seinem Schreibtisch aufblickte. „Nix!“, sagte er freudig überrascht und sein Blick fiel sogleich auf den Adjutanten. „Ist schon okay, Zielinski. Danke.“, meinte Winters und nickte bestätigend.

Nixon betrat das Büro und Zielinski schloss, ihm einen düsteren Blick nachwerfend, die Tür.

Winters hatte sich erhoben, und mit einem breiten Grinsen kam Nixon auf ihn zu. Sie reichten sich die Hände. Es war ein fester, anerkennender Händedruck und Nixon konnte nicht verhindern, dass seine andere Hand für einen Moment auf Dicks Oberarm zu liegen kam – als müsste er nachfühlen, dass sein Freund leibhaftig und wohlbehalten vor ihm stand.

„Es ist gut dich wiederzusehen, Lew.“, sagte Winters und wies einladend auf den Sessel, auf dem Lew schon oft Platz genommen hatte.

„Das Vergnügen ist ganz meinerseits, glaub’ mir.“, entgegnete Nixon und setzte sich. In einem lockeren Ton begann er: „Und, wie war dein Aufenthalt in Paris?“

„Gut.“, antwortete Winters und nahm wieder an seinem ungeliebten Schreibtisch Platz. In den zwei Tagen seiner Abwesenheit hatte sich eine enorme Menge Papierkram angehäuft.

„Und weiter?“

„Nichts weiter.“

Winters hatte eine vage Vorahnung worauf Lewis hinaus wollte, hütete sich aber das Thema anzusprechen. Ihre Diskussion, in die sich dann meist verwickelten, endete immer gleich. Und er wollte sich ihre Wiedersehensfreude keinesfalls davon kaputt machen lassen.  

Das durchtriebene Grinsen blieb in Nixons Gesicht, während er seinen um Zurückhaltung bemühten Freund musterte. Glaubte Dick wirklich er könne etwas vor ihm verstecken? Neckisch harkte Nixon nach: „Keine Unterbrechung deiner Abstinenz?“

Winters kam ein Schmunzeln über die Lippen. Ja, er hatte die Flasche, die Lew ihm hatte aufs Hotelzimmer bringen lassen wohlwollend zur Kenntnis genommen – nur nicht in der Form, wie es sich Lew in seiner Fantasie gerade ausmalte. Nüchtern antwortete Winters: „Du kennst meine Haltung zum Thema Alkohol.“

Unerwartet schnippe Nixon mit den Fingern. „Richtig“, stieß er hervor und stand abrupt auf. „Gut, dass Du mich daran erinnerst. Genau deswegen bin ich hier.“

Im Bewusstsein was jetzt kam, verdrehte Winters die Augen, öffnete aber bereitwillig die unterste Schublade seines Schreibtisches. Das Funkeln, das er in Lews Augen sah, als dieser zugegeben gierig näher kam, beunruhigte ihn. Er wusste, dass er es nicht ändern konnte und dennoch fragte er sich einmal mehr, warum er dieses Spiel mitspielte. Nachdenklich sprach Winters seinen Gedanken aus, als Lewis mit kribbligen Fingern in die Schublade griff. „Weißt Du, manchmal frage ich mich wirklich warum ich das noch tue.“

„Was?“, fragte Nixon überrascht und holte eine Flasche VAT 69 hervor, „Deine Abstinenz aufrecht herhalten?“

„Nein“, widersprach Winters barsch, „deinen Alkoholismus fördern.“

„Nun“, setzte Nixon an und ließ sich von seiner Gekränktheit nichts anmerken, während er seinen kleinen, hochprozentigen Schatz zum Sessel trug, „das kann ich dir genau sagen. Ich bin dein Freund. Und Freunde verpfeifen einander nicht. So wie ich nie jemandem davon erzählen würde, dass Du heimlich trinkst –“

„Ich trinke nicht heimlich.“, unterbrach Winters entrüstet.

„Dann eben unheimlich.“, schlussfolgerte Nixon und ging über Dicks Bemerkung geflissentlich hinweg. „Na jedenfalls, würde ich es nie jemandem verraten. Und genauso würdest Du nie jemandem verraten, dass Du meinen Whiskey in deinen Sachen versteckst.“

Mit skeptischem Blick verfolgte Winters, wie Lew seinen Flachmann rausholte, den Korken der Whiskeyflasche mit einem leisen Plopp zog und begann die Flüssigkeit mit erstaunlich sicherer Hand umzufüllen. Es machte ihm zu schaffen. Nicht die Tatsache, dass Lew trank – das musste er als erwachsener Mann selbst verantworten. Sondern die Tatsache, dass er so lax damit umging, als wäre es eine harmlose Bagatelle ständig im Dienst zu trinken. Aber mit Vernunft war ihm in diesem Fall nicht beizukommen, wenngleich Winters es immer wieder versuchte. Er stand Lew einfach zu nahe, als dass er kommentarlos darüber hinweggehen konnte.

„Weißt Du“, begann Nixon, stellte den gefüllten Flachmann aus der Hand und fing mit dem Zeigefinger einen Whiskeytropfen auf, der außen am Flaschenhals herunter rann, „vielleicht sollte ich das aufgeben.“ Genüsslich schmatzend lutschte er seine Fingerkuppe ab.

Winters war irritiert. „Deinen Alkoholismus?“

„Um Gottes willen, nein.“, entgegnete Nixon, „Ich meine meinen Stoff bei einem Abstinenzler zu verstecken.“ Demonstrativ hob er die Flasche zu einem stummen Toast und setzt sie an seine Lippen. Mit einem überaus zufriedenen Gesichtsausdruck ließ er das Gefäß wieder sinken und verschloss den Whiskey. Ähnlich verfuhr er dem Flachmann, den er fest verschlossen zurück in seine Jackentasche steckte. Anschließend erhob sich Nixon und kam mit dem VAT 69 zurück zum Schreibtisch. „Andererseits“, begann er und pausierte seinen Satz länger als nötig, „kann ich mir bei niemandem außer dir so sicher sein, dass kein Tröpfchen verloren geht.“

Winters wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Sah Lew denn wirklich nicht, dass das alles reiner Selbstbetrug war?

„Versuch es von der optimistischen Seite zu sehen, Dick.“, sagte Nixon entspannt und schob die Schublade zu, „Ich bin der Alkoholiker, Du der Workaholiker.“

„Dann gibst Du deine Sucht also zu?“

„Sucht? Welche Sucht?“ Nixon grinste. Aber es kostet ihn mehr Kraft als er zugeben wollte. Dass Dick dieses Wort in den Mund genommen hatte, schmerzte ihn. Er war nicht süchtig! Er war von diesem Zeug nicht mehr abhängig als Dick von seiner Arbeit. Und damit Punkt.

„Dick…“, nahm Nixon das Gespräch wieder auf, nachdem von seinem Gegenüber keine Antwort gekommen war, gewillt diese leidige Diskussion zu beenden, „hör auf dir darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich bin hergekommen um dich zum Mittagessen abzuholen. Und nicht um mir eine deiner Moralpredigten anzuhören.“ Nixons Miene verlor etwas von ihrem Vorwurf und verheißungsvoll fügte er hinzu: „Es gibt heute nämlich ein halbes Schwein auf Toast.“

„Kein Schinken-Sandwich?“, fragte Winters neckisch und ließ sich auf den Themenwechsel ein. Auch ihm war danach ihre Auffassungsunterschiede fallen zu lassen, ehe das Ganze völlig überkochte. Mit einem Sturkopf wie Nixon ließ sich ohnehin nicht diskutieren.

„Ein halbes Schwein ist besser als ein Schinken-Sandwisch.“, kam es als Antwort von Nixon.

Winters’ Blick fiel mit einem Seufzen auf seinen überfüllten Schreibtisch. „Ich muss aber noch diesen ganzen Stapel Berichte abarbeiten und die Nachschublisten fertig machen.“ Enttäuscht sah er zu Lew. „Außerdem fliegen Gerüchte durch die Luft, dass es bald wieder an die Front geht. Ich will vorbereitet sein.“

Nixons Mundwinkel hoben sich vielsagend und sanken wieder ab als er auf Dicks Schreibtisch blickte. Auf das Chaos deutend sagte er: „Was die Berichte angeht, lass das doch Zielinski machen. Wofür hast Du sonst einen Adjutanten? Und was die Gerüchte betrifft, so erläutre ich dir das gerne beim Essen. Ist schließlich meine Branche als Nachrichtenoffizier.“

Ein zweites Seufzen blies Winters’ Wangen für einen Moment auf bevor er nachgab. „Na gut.“, meinte er und sagte den nächsten Satz unbewusst zu sich selbst. „Manchmal ist es vielleicht besser, auf seinen kleinen Bruder zu hören.“

In dem Glauben sich verhört zu haben, sah Nixon ihn an. „Was hast Du gerade gesagt?“

„Dass es manchmal nicht verkehrt ist, auf dich zu hören.“, wiederholte Winters und ging zur Tür, um seinen Schreibtisch für die nächsten halbe Stunde Schreibtisch seinen zu lassen.

„Nein“, unterbrach ihn Nixon, „ich meine danach. Wie hast Du mich genannt? Kleiner Bruder?“

„Kann schon sein.“, gab Winters zurück und verließ schulterzuckend das Büro.

Nixon stand sekundenlang wie angewachsen da und sah Dick dabei zu, wie dieser sich bei Zielinski abmeldete. Mit einem Mal musste er sich sputen und erst am Treppenabsatz hatte er Dick eingeholt. Der Gedanke mit dem kleinen Bruder ließ ihn nicht los und seiner Natur folgend, fing Nixon an zu argumentieren: „Aber wir können gar keine Brüder sein.“

„Wieso nicht?“, fragte Winters beiläufig und grüßte einen entgegenkommenden Offizier vorschriftsmäßig.

Nixon deutete den Gruß nur an und setzte seine Argumentation fort: „Also, nehmen wir mal an, Du wärst mein Bruder. Nur hypothetisch, versteht sich. Dann würde das heißen, dass mein Vater mit deiner Mutter – Oh nein! Das wäre nicht gut gegangen. Bliebe also noch die Alternative, dein Vater mit meiner Mutter. Wobei, wenn ich es mir recht überlege…. Nein, das wäre auch nichts geworden.“

„Ich versteh’ gar nicht, warum Du dich da so reinsteigerst, Lew?“, kommentierte Winters, während er Seite an Seite mit Nix die Stufen runter trippelte.

„Ich steigere mich da nicht rein!“, protestierte Nixon, „Ich versuche nur ein paar Fakten gerade zu ziehen.“ Rechthaberisch fuhr er fort: „Du kannst nämlich gar nicht mein Bruder sein! Du bist nur 8 Monate älter als ich.“ Sie hatten den Fuß der Treppe erreicht.

„Mag sein“, sagte Winters und trat hinter Lew ins Freie, „aber es sind immer die Älteren, die auf die Jüngeren aufpassen.“

„Ich brauche niemanden, der auf mich aufpasst.“, gab Nixon fast schon patzig von sich und trat auf die Straße. Er spürte die Hand, die ihn fest am Arm packte und zurückzog, Sekundenbruchteile bevor er das durchdringende Hupen des Lastwagens hörte.  

„Vorsicht!“, rief Winters erregt.

Mit geweiteten Augen starrte Nixon dem Fahrzeug nach und es dauerte einen Moment bis sich sein rasendes Herz beruhigt hatte. Die Hand von Dick verharrte währenddessen auf seinem Arm. Es war die gleiche Stelle, an der er ihn bei der Begrüßung kurz berührt hatte.  

Als Nixon seine Fassung wiedergewonnen hatte, löste er der Kontakt und schaute in Dicks Gesicht. Jedes weitere Wort war überflüssig.


AN:
Hurra! Knackig und kurz. Endlich mal ein One Shot von mir, der seinem Namen gerecht wird. Was ein erhofftes Video betrifft, so muss ich euch leider enttäuschen. Ich habe mich redlich bemüht etwas zu dieser Szene finden, leider war nichts Passendes dabei. Beim nächsten Mal wieder, versprochen!
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